Autoreferenzialität.

18. Mai 2022

An der Ruhr-Universität Bochum sammelte ich im Hörsaal mal ein studentisches Flugblatt auf, ohne es aus der Luft fangen zu müssen, wie der Begriff suggerieren könnte, des bemosernden Inhalts, daß „Evaluation“ ja wohl für viele Professoren ein Fremdwort sei. Ich mußte das damals auch erstmal nachschlagen, ohne gewalttätig werden zu müssen, wie der Begriff suggerieren könnte. Aber egal, lange her, längst zerknüllt, und „Professoren“ gibt es an Universitäten schon längst nicht mehr, zwischenzeitlich „ProfessorInnen“, dann „Professor*innen“, nun höchstens noch „Professierende“.
Was das alles hiermit zu tun hat? Nichts! Außer, daß das auch schon lange her ist.

Aber jetzt gibt es Waldorf und Statler als vorgeformte Lego-Minifiguren. Und entgegen meiner Gewohnheit habe ich das alte Bauwerk mal auf den neusten Stand gebracht, diesbezüglich.

Diesen Logenplatz baute ich vor mindestens mal 13 Jahren, und hier kommt die Autoreferenzialität ins Spiel, in Form des folgenden Links: Logenplatz


„Kennst du eine alte preußische Bauernregel?“ –
„Das Moor hat seine Schuldigkeit getan. Das Moor kann gehen.“


Die Waldläufer von 1516.

10. März 2022

Da ja zur Zeit nichts Weltbewegendes passiert, können wir uns ja beruhigt Lego widmen.*

*) Eskapismus one-on-one.

Jedenfalls. Im Jahre 2021 verausgabte Lego im Rahmen seines BrickLink Designer Programs das vom Legofan „povoq“ entworfene Set 910001 „Burg im Wald“, wie der automatische Legotranslator „Castle in the Forest“ übersetzte und auf den Karton druckte. Die Auflage war gering, die Nachfrage hoch, aber dankenswerterweise überließ mir 1000steine-Ambassador Dirk sein Exemplar.

Da das Modell als Hommage an die klassischen Legoland-Waldleute, die im damaligen Katalog unverblümt unter „Robin Hood“ firmierten, angelegt ist, ergäbe eine Rezension dieses Sets keinerlei Sinn, ließe man die jeweiligen Vorbilder außer Acht. Lassen wir sie darob nicht, im Gegenteil.

Die zentrale Vertikale der Burg im Wald orientiert sich am „Flußturm“ 6077 aus dem Jahre 1989. Zur Erinnerung sei er hier vorgezeigt:




Wie wir sehen, war der Flußturm im Innern vor allen Dingen sehr leer. Einzig in den schlammigen Fluten des Flusses, in den der Turm zwischen zwei zufällig dort wachsende Bäumen gebaut wurde, steht ein gefangener Scherge des fiesen Sheriffs von Nottingham unter erbarmenswürdigen Bedingungen, die heutigentags unbedingt Amnesty International auf den Plan rufen würden.

Im Direktvergleich erkennen wir, wie die Gestaltung des Eingangsbereichs der „Burg im Wald“ klaren Bezug aufs Vorbild nimmt, wiewohl die ursprüngliche Holzbrücke hier durch dauerhaftere Steinstufen ersetzt wurde.

Die Uferbegrünung mit verwachsenem Bäumchen und Zielscheibe wurde freilich spiegelbildlich angelegt. Erkennbar ist auch, daß die neue Burg im Wald nicht zwischen zwei einzelne Bäume gebaut wurde, doch dazu später mehr.


Auch in der Rückansicht sind die Parallelen unverkennbar. Das bogenlastige Kellergewölbe ist charakteristisch, ebenso die flächige Rückwand mit Klappfunktion, im neuen Set wiederum seitenverkehrt. Die Falltür ist ein neues Feature, und der Leere des Flußturms wußte povoq zu begegnen, indem er vor allem mal Zwischendecken einzog und für ein wenig Gemütlichkeit sorgte. Der Kamin im ersten Stock (mit Schürhaken!) dient als geheime Tür. Der Gefangne muß jetzt nicht mehr im Wasser stehen, sondern kann es sich auf einer Holzpritsche ohne Strohsack bequem machen – oder einfach davonschwimmen.



Das Zugtor wird in beiden Gebäuden mittels einer Seilwinde auf dem Dach bedient. In den eher naiv-abstrakten Modellen der 1980er Jahre wurde auf Accessibility noch wenig Wert gelegt, im modernen Set hingegen ist das Dach über eine Leiter und eine Klapptür erreichbar.


Das wachhabende Kind … hätte ich jetzt fast gesagt, was natürlich Quatsch ist, denn dieses Set ist nicht für Kinderhände bestimmt, sondern ein Direct-to-Spekulationsobjekt-Release. Aber jedenfalls kann man das Dach abnehmen, um das Innere bespielbar zu machen.

Statt mit naiver Abstraktheit wissen Lego-Sets der gegenwärtigen Generation durch filigrane Detailliertheit zu beeindrucken, besonders, wenn es sich um Modelle handelt, die für, oder gar von AFOLs entworfen wurden. Das hat seinen Preis. Diesen zahlt die Stabilität, diese oft verkannte Hüterin altväterlichen Qualitätsdenkens.

Da der „Flußturm“ unleugbar eine Wasser-Komponente aufwies, gehörte zum Modell ein Floß. Auch die Burg im Wald ist mit einem solchen bestückt. Auffälligerweise steuert es eine Gestalt, die einem Piraten weit ähnlicher sieht als einem Waldläufer. Dies ist dem Umstand geschuldet, daß Lego für dieses BrickLink-Set nicht eigens neue Figuren bedrucken wollte, sondern sich das Personal aus dem rekrutieren mußte, was das aktuelle Sortiment halt so hergab.

Soweit die Hommage an den „Flußturm“ 6077. Das war’s aber noch lange nicht, denn wo dieser beidseits von Bäumen flankiert war, bietet die „Burg im Wald“ Anspielungen auf weitere Sets. Der sich rechts (heraldisch) anschließende Baum gehört nämlich hier zur „Baumhöhle“ 6054 von 1988. Auch hier seien Erinnerungen erweckende Bilder eingefügt:





Als 1988 Robin Hood und seine fröhlichen Gefährten im Legokatalog auftauchten, ergriff landauf, landab eine orgiastische Beseeltheit Besitz von allen kleinen Jungs, die ein Faible für mittelalterliches Lego hatten, ein Gefühl, welches sich gleich im Folgejahr beim Anblick der dann neuen Piratensets wiederholen sollte, und das erst nach Eintritt in die Pubertät gänzlich anders kanalisiert wurde. Aber all das konnten wir ja Anfang 1988 noch nicht wissen, da auch an meinem 11ten Geburtstag diese „Baumhöhle“ auf dem Gabentisch stand.


Charakteristisch ist hier der in der Schräge angelegte Eingang. Die komische leere Stelle über dem Durchlaß des Vorbildmodells wurde in der Hommage-Version als Wohnplatz einer Eule interpretiert. Und weil sie jetzt verfügbar sind, erstrahlt das Blattwerk in leuchtenden Herbstfarben. Kann man machen; so wird dem Modell ein Farbtupfer hinzugefügt.

Ebenso kennzeichnend fürs Originalset ist der blau überdachte Wachstand mit Bogenfensterchen. Dieser findet seine Entsprechung an der „Burg im Wald“, weiterhin mit vorgelagertem Ast, aber in der Breite gewachsen. Povoq ließ auch das kleine Tannenbäumchen nicht unerwähnt, was den wahren Liebhaber zeigt!

Im Innern bietet die „Burg im Wald“ an dieser Stelle naturgemäß mehr Platz. Nachempfunden wurde sogar die niedrige Zwischenhöhlung, die sich im Original durch die Architektur der Eckwandpaneele ergab. Hier böte sie potentiell zusätzlichen Stauraum. Die Felshöhle wurde hinzugedichtet, da die „Burg im Wald“ ja nicht mehr zwischen Bäume, sondern auf Felsgrund errichtet wurde.

Auch das Baumhöhlenmodul der „Burg im Wald“ ist aufklappbar. So bietet es einen Blick aufs angemessen verwinkelte Treppenhaus, durch welches die Baumhöhlensektion wiederum erreichbar wird.

So, um die Waldläufer-Trias zu komplettieren, fehlt noch das „Geheimquartier“ 6066. Dieses ist auf der heraldisch linken Seite der „Burg im Wald“ angeflanscht. Bei uns ebenfalls 1988 im Katalog, war es in Amerika bereits 1987 erschienen. Nicht, daß ich das damals mitbekommen hätte; solche Details mußte ich mir erst durch das Studium amerikanischer Lego-Set-Datenbanken zu AFOL-Zeiten erarbeiten.


Mancherlei ließ sich klappen an diesem Geheimquartier, und die Höhle bot Platz für viele erbeutete Schätze, um König Richard Löwenherz aus österreichischer Geiselhaft freizukaufen. Denn daß diese grünen Bogenschützen zu den Guten gehörten, war ja mal klar. Damalige Gegenspieler waren die Ritter der „Schwarzen Drachenburg“, ebenfalls von 1988, die unmittelbar als normannische Barone identifiziert wurden. Jahá, ich hatte meinen „Ivanhoe“ gelesen!

Der auffällige Geröllhaufen, seinerzeit durch die Schräglage der Bausteine geradezu ein Tabubruch, ist auch hier vorhanden. Der Baum erfährt eine Neuinterpretation, und der Balkon ist ein wenig nach oben gerutscht. Die Seitentür entfällt, zugänglich wird die Höhle durch die geheime Kamintür und eine Leiter. Und auch hier wächst ein kleines Tännchen, wie im Vorbildmodell.

Der Außenkamin des „Geheimquartiers“ ist auch an der „Burg im Wald“ vorhanden, und zwar nicht nur angedeutet, sondern tatsächlich als Kamin ausgeführt, was ich leider im Bild festzuhalten vergaß. Der Anschluß der 6066-Sektion an die Burg ist leider lückenhaft, durchaus ein Schwachpunkt.

Natürlich läßt sich das Versteck aufklappen und bietet Einblick in die mehr (910001) oder weniger (6066) behaglich eingerichtete Wohnlandschaft.

Der Waldläufer mit schwarzem Halskragen, welcher in Deutschland ausschließlich in diesem Set erhältlich war, bot Anlaß zur Spekulation: sollte der schwarze Kragen eine Andeutung klerikaler Gewandung sein und somit auf Bruder Tuck verweisen? Immerhin trägt er nicht Pfeil und Bogen, sondern eine Kiepe. Diese wiederum scheint die Figur im Bauernstande zu verorten. Die Entsprechung im modernen Set wäre somit der eindeutig als Bauer zu identifizierende Latzhosenträger, eine wenig mittelalterlich anmutende Gewandung.

Einen viel eindeutigeren Bauern, welcher der Besetzungsliste des vorliegenden Sets als Inspiration gedient haben könnte, hält die 6-Figuren-Packung 6103 von 1988 bereit. Da diese in der Tat auch Robin-Hood-Figuren enthält, soll sie in unserem nostalgischen Rückblick nicht fehlen:



An dieser Stelle könnten wir die Rezension fast beenden. Aber eben nur fast. Zweierlei noch: Was ist denn hiervon zu halten?

Eine rhetorische Frage, gewiß. Der Umstand, daß die schöne Adlerfahne und die Hirschschilde nur als Aufkleber vorliegen, wäre schon betrüblich genug. Erschwerend kommt hinzu, daß dieses Set nicht mit einer gedruckten Bauanleitung geliefert wird, in der man den Aufkleberbogen einigermaßen sicher verwahren könnte, sondern der Aufbau vermittelst einer online verfügbaren Anleitung erfolgen muß.
Aber 1516! Wieso denn 1516? Sicher, die Form der Datierung verweist auf den legendären Anno-1762-Stein der Kirche 309, soweit, so schön. Aber wieso 1516? Das ist doch nicht mehr Mittelalter!
Aber zweitens:

Wie schon erwähnt, standen 1516 keine etatmäßigen Waldläufer mehr zur Verfügung, weshalb der Cast sich anderer Themengebiete bedienen mußte. Adlerritter, schön. Außerdem ein anachronistischer Bauer, ein Seeräuber, Will Scarlett und Maid Marian? Das grüne Oberteil der Geschützmeisterin Robin Loot, die ja auch nicht zufällig so heißt, aus dem Barracuda-Bucht-Set 21322 war wohl das einzige, was hier thematisch irgendwie paßte. Also mußte Marian die Führung übernehmen, ein zeitgemäßer Schritt. Außerdem eröffnet uns dies die willkommene Gelegenheit, den Blick doch noch ein wenig schweifen zu lassen, denn die oben gezeigten Robin-Hood-Sets waren bei weitem nicht die einzigen; andernorts gab es weitere, und eben auch Maid Marian gab es! So durften im Jahre 1990 amerikanische Kinder mit dem Set 6071 „Forestmen’s Crossing“ spielen. Europäische leider nicht.

Daher blieb den hiesigen Kindern nicht nur der Besitz der Flußgrundplatte verwehrt, die sie freilich im Baubuch 260 be- und sich selbst wundern durften, wo die wohl herstamme? Auch Maid Marian fand kaum den Weg in deutsche Kinderzimmer.




Bisweilen habe ich den Eindruck, daß US-exklusive Lego-Sets zwar schön sind, trotzdem aber das durch ihre eingeschränkte Erhältlichkeit befeuerte Begehren über gewisse Mängel hinwegtäuscht, und sie vielleicht deshalb dem europäischen Markt nicht zugemutet wurden. Hier ist zum Beispiel das Steingebäude irgendwie lüttig und der Baum uninspiriert.

Außerdem gab es im Jahre 1989 diesen Heuwagen, „Smuggler’s Hayride“ genannt, der Teil des Tripplepacks 1974 war, natürlich auch US-exklusiv.


Siehe da! Unter den Heuballen wird eine Schatztruhe geschmuggelt.

Einen besonders gearteten Fall stellt das Set-Pärchen 1680/1877 dar, welches in der amerikanischen Version „Crusader’s Cart“ heißt. Denn das ist grundsätzlich dasselbe Modell in unterschiedlichem Gewand. 1680 erschien im Jahre 1990 in Großbritannien. Geschmuggelt wird hier Robin of Locksley, der heimgekehrte Kreuzritter, selbst:



Die amerikanische Setversion war Teil des Bonus-Packs 1675. Der Karton mußte kleiner sein, weshalb eine der äußerst raumgreifenden Figuren schlicht weggekürzt wurde:

So, das war’s jetzt aber wirklich.

Ach, halt. Den Gastauftritt eines Waldläufers im Löwenritterset 6042 „Gefangenenkutsche“ von 1990 möchte ich nicht unterschlagen:



Jetzt ist aber auch endgültig Feierabend. Zurück zum Weltgeschehen!


1984. Es war nicht alles schlecht.

4. April 2020

Okay, ich bin in der Midlife-Crisis. Die Kindheit entschwindet, mit ihr der Kindheit unschuldige Spiele. Zunehmend stelle ich fest, daß ich den Gesprächen von Mittzwanzigern nicht mehr folgen kann, und das, obwohl ich, wie sie, kaum fernsehe; aber ein Smartphone habe ich halt auch nicht. Die Chancen, die Frau fürs Leben zu finden, schwinden von Tag zu Tag, mit jedem ausgefallenen Haar. Alter, Krankheit und Tod habe ich sowieso berufsbedingt ständig vor Augen. Unsere Schwesternschülerinnen sind halb so alt wie ich, unsere Kunden doppelt so alt. Mithin: Ich stehe in der Mitte des Lebens, Zeit für die Krise! Andere würden sich jetzt um die Anschaffung eines schnellen roten Autos kümmern, aber ich bin da bescheidener. Ich kaufe Lego. Ach nee, das habe ich ja mein Lebtag getan. Also kaufe ich Schallplatten. Es ist nie zu spät, ein Hipster zu werden. Coronabedingt haben die Friseure geschlossen, also werden die Haare auch länger.

Neulich fiel mir auf, daß das Jahr 1984 entgegen der skeptischen Prognose George Orwells gar nicht so schlecht war. Ich wurde sieben Jahre alt, und der Lego-Katalog desselben Jahres offerierte mir eine Offenbarung. Graue Burgen! Mit Rittern auf Pferden! Und Wagenrädern und Flitzebögen und Speeren in braun! Dergleichen hatte es nie gegeben. Was stimmte, wobei mein „nie“ den durch mich überschaubaren Zeitraum von ..na.. sagen wir: vier bis fünf Jahren umfaßte. Das katastrophale Element dieser Apokalypse stellte der Hinweis dar: „Neuheit. Lieferbar ab April ’84.“ Na toll, Geburtstag im März.

Zum Geburtstag gab es dann halt das burgähnliche Set 1592, das meine Mutter als Sonderposten im örtlichen Vedes-Geschäft erstehen konnte. Ein durchaus trostspendender Ersatz, mit dem ich sehr ausgiebig spielte, und das bis heute zu meinen absoluten Lego-Favoriten zählt. Und die grauen Burgen konnte ich bis Weihnachten im Katalog bewundern. Was ich ebenfalls ausgiebig tat. Zu Weihnachten gab es dann 6073: „Kleine Burg (aufklappbar) mit Wachttürmen, Zugbrücke, Rittern und Pferden“.

Gestern schließlich wandelte mich die Lust an, das Ding nochmal zu bauen. Ich hab’s ja da, im Eigenkarton gelagert auf meinem Kleiderschrank. Im funzeligen Licht der Schreibtischlampe ahnte ich schon die ein oder andere Vergilbung, als ich – musikalisch begleitet von Iron Maiden und Metallica – die kleine Burg baute.

Iron Maiden und Metallica hörte ich natürlich nicht, als ich das Modell am Heiligen Abend 1984 erstmals baute, doch auch da war das Licht funzelig. Unmittelbar feierte ich die Adlerritter, bis heute mein Signé. Nicht unbedingt angetan war ich seinerzeit von der asymmetrischen Gestaltung des Torbogens.

Diese Form ergibt sich scheinbar aus den verwendeten Teilen; die rote Seilwinde ist offenkundig zu groß für die gewählte Tiefe des Torbogens. Trotzdem hätte man die sich daraus ergebende Form ja auf der anderen Seite spiegeln können, indem man die Dimensionen des Formteils durch andere Teile simuliert. Daß dies nicht geschehen ist, muß ich also dem puren Mutwillen des Designers zuschreiben. Überhaupt ist der gesamte Aufbau dieses Gemäuers sehr viel weniger symmetrisch, als es auf den ersten Blick scheint. Zwar sind Tor und Klappnaht mittig angeordnet, zwar erheben sich beidseits ähnliche Türme, doch da endet die Symmetrie.

Der blaue Turm wird gestützt durch einen massiven Holzpfosten, an welchem die kämpfende Garde ein Schwert vorfindet, sollte es gebraucht werden. Unter dem gelben Turm hingegen befindet sich der Kerker.


Durch diese massiv gebaute Kerkertür frißt sich niemand! Ich finde sie in ihrer schlichten Zweckmäßigkeit nach wie vor spitze. Durch den etwas ausladenderen Platzbedarf des Verlieses ergibt sich die Notwendgkeit, den steinernen Pfosten des darüberliegenden Turms mit einer Art Blendzinne zu umgeben.

Wie vom Katalog versprochen und auch hier bereits vorexerziert, läßt sich die Burg aufklappen. Weitere im Programm vorgesehene Burgwandstücke ließen sich auf diese Weise in die Burg integrieren. Im Jahre 1984 waren dies bereits das Mauerstück beim Belagerungsturm 6061 und die Schmiede 6040. In den folgenden Jahren kamen das Gasthaus 6067, das Waffendepot 6041 und die belagerte Mauer 6062 hinzu. Auch das Nachfolgemodell für die hier besprochene Burg 6073, das seinerseits aufklappbare Ritterschloß 6074, konnte in die modulare Gesamtstruktur eingepaßt werden, auf zwiefache Weise sogar. Dies nur, um mal zu verdeutlichen, weshalb die auf mehrere Jahre angelegte modulare Systemstrategie vergangener Lego-Epochen, namentlich 1984 bis 1992, nicht nur dank nostalgischer Verklärtheit, sondern auch objektiv besser war als die lieblos hingerotzten Friß-oder-stirb-Serien, mit denen Lego das Rittersegment in den letzten Jahren punktuell bediente.

Dessen ungeachtet ist die „Kleine Burg“ 6073 für sich genommen nicht besonders spektakulär. Sie stellt den Rittern und Knappen keinerlei Wohnunterkünfte zur Verfügung, vielmehr handelt es sich um eine rein militärische Festungsanlage. So lange nämlich, bis die oben erwähnten modularen Komponenten hinzugefügt werden und aus der Burg eine Stadt wird. Dennoch scheint es sich um eine Ganerbenburg zu handeln, erkennbar an den beiden farblich unterschiedlichen Wappen derselben Familie. Jeder Erbe bewohnt seinen Turm, das wird im Winter ganz schön zugig.

Die oben gezeigten Schallplatten wollte ich jetzt hier nicht rezensieren, also mache ich’s auch nicht. „The Top“ ist ganz gut, „Powerslave“ und „Ride The Lightning“ sind phantastisch, „Hyaena“ ist sehr gut. Das Reunion-Album von Deep Purple geht so. Die unverbrauchte Spontaneität von „In Rock“, „Fireball“ und „Machinehead“ wird erwartungsgemäß nicht wieder erreicht. Außerdem hat Ian Gillans Stimme nach seinem Black-Sabbath-Intermezzo („Born Again“) ganz schön gelitten.


Freitag, der 13te Februar 1970.

13. Februar 2020

Black Sabbath. Benannt nach einem Horrorfilm mit Boris Karloff, welcher auf Deutsch „Die drei Gesichter der Furcht“ heißt, im Englischen aber eben „Black Sabbath“. Die Band „Earth“, bestehend aus Toni Iommi, Terence „Geezer“ Butler, Bill Ward und John „Ozzy“ Osbourne, probte mit Blick auf ein Kino, in dem auch dieser Film gezeigt wurde. Die Erkenntnis, daß Menschen Geld dafür bezahlen, um sich begruseln zu lassen, führte zu einer Umbenennung der Band und einer musikalischen Neuausrichtung, war doch das Repertoir zuvor eher vom Blues geprägt gewesen.

Am 17ten November 1969 schließlich nahmen die vier ihr erstes Album auf, welches durchaus noch sehr bluesig daherkommt, inklusive Mundharmonika. Innerhalb von zwölf Stunden spielten sie den Tontechnikern im Studio ihr Bühnenprogramm vor, und fertig war die Platte nebst einer Single, die keine Albumauskopplung war, sondern separat erschien. So lief das damals. Und weil die Musik als horrormäßig empfunden wurde, sollte die Scheibe an einem Freitag dem 13ten veröffentlicht werden. Der nächste solche war eben im Februar des Folgejahres.

Das Erscheinen von „Black Sabbath“ war nichts Geringeres als die Geburtsstunde des Heavy Metal, Led Zeppelin hin, Steppenwolf her. Düster, dröhnend und schaurig beginnt das Album mit dem Titeltrack („Black Sabbath“), und auch Satan hat seinen Auftritt. Dies, in Einklang mit dem Umstand, daß im Innern der Plattenhülle ein umgedrehtes Kreuz abgebildet war, deuchte die äußerlich moraltriefenden und innerlich verleichenkellerten Sittenwächter jener Zeit Indiz genug, die Band Black Sabbath als Satanisten abstempeln zu müssen. Dabei hatten die Musiker auf die graphische Gestaltung des Plattencovers gar keinen Einfluß. Auch ist die bloße Nennung des Anklägers an Gottes Gerichtshof (so Satans Rolle in der Bibel) nicht mit Verehrung gleichzusetzen, vielmehr kann man es als Warnung verstehen: Macht was Gutes, ihr Motherf*cker, weil sonst Satan! Überdies war zumindest Bassist und Textschreiber Geezer Butler praktizierender Katholik, weshalb sich auch im Folgenden bemüht wurde, das Satanistenimage, so cool es auch in gewisser Weise sein mochte, abzulegen, schon im Hinblick auf Tourneeauftritte in God’s Own Contry (GOC).

Mir behagt der Gedanke, daß die Gründerväter des Heavy Metal eigentlich kiffende Hippies waren (Und das waren sie!), die freilich mit Flower Power nichts anfangen konnten, weil sie nicht im blumigen San Francisco beheimatet waren, sondern im verrußten Birmingham. Gitarrist Toni Iommi hatte sogar nur wenige Jahre zuvor zwei Fingerkuppen an der Presse im Stahlwerk eingebüßt, wie heavymetal ist das denn!?


42102 Mini Claas Xerion.

26. Dezember 2019

Neulich erhielt ich die Gelegenheit, ein neues Set des Modelljahres 2020 vorab zu bauen, unter der Voraussetzung, eine Rezension dazu zu schreiben, aber nicht vor dem 26sten Dezember. Na, das mache ich doch gerne! Mehrere Technic-Sets standen zur Auswahl, und da mein zweiter Vorname ja „Bauer“ ist, griff ich mir den kleinen Traktor.

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Ich machte sogar dreizehn Bilder, was also roundabout 13.000 Worten entspricht. Den Unterschied zwischen „Worten“ und „Wörtern“ können wir an dieser Stelle getrost unterpflügen. Oder auch kleinhäckseln, denn das im Lieferumfang enthaltene Anbaugerät ist eine Rotationsschneide. So nennt es der Online-Katalog von Lego, ob der Landwirt es ebenfalls so nennt, weiß ich nicht.


Naturgemäß ist es nicht möglich, in solch einem kleinen Modell aufdringlich viele technische Funktionen unterzubringen. Es sind im Prinzip derer drei: Zum einen läßt sich der Trecker lenken. Das würde mir ja schon genügen, denn statt fleißig zu schreiben, kurve ich hier mit dem Gefährt übern Schreibtisch. Dazu muß ich die Schreibtischlampe einschalten, denn die Beleuchtung des Traktors ist nur aufgeklebt:

Leider taugt der Kleine für die Landwirtschaft nur bedingt, denn die Lenkung ist zwar leichtgängig, aber klobig, und trotz großer Bereifung wird die Ackerkrume vor dem Traktor hergeschoben; von Bodenfreiheit kann keine Rede sein!

(Den Möwen bietet sich dieses Bild:

Klammer zu.)

Die zweite Funktion stellt das von den Hinterrädern angetriebene Schneidwerk dar. Da zwischen den beiden 36er-Zahnrädern des Mähwerks ein 12er-Zahnrad angetrieben wird, drehen sich die großen Räder stets in dieselbe Richtung. Der Monk in mir hatte am Tage des Zusammenbaus Ausgang, darum sind die beiden schwarzen Zahnräder auf den Bildern nicht parallel ausgerichhtet.


Als dritte Funktion schließlich läßt sich das Gerät hoch- und runterklappen.

Unabhängig davon, ob es sich in Arbeits- oder in Feierabendstellung befindet, dreht sich das Schneidwerkzeug immer, wenn der Trecker fährt. Denn das verbindende Zahnrädchen wird durchs Hochklappen nicht vom Antrieb getrennt.

Um Dynamik darzustellen, habe ich komplett beabsichtigt und in dem vollkommenen Bewußtsein darüber, was ich da tat, dieses Unschärfebild geknipst. Vielleicht habe ich aber auch bloß gewackelt.

Die vierte Funktion habe ich zuvor unterschlagen: Man kann das umherwirbelnde Mordsgerät – Feldhasen aller Länder, vereinigt euch! – leicht abbauen. Das böte die Möglichkeit, ein anderes Gerät anzuflanschen, welches man sich freilich selbst bauen müßte.

Außerdem läßt sich dann, so dachte ich, das aufgebaute Modell im Eigenkarton verstauen, lagerzwecks. Is’ aber nich’ so. Auch die Räder müssen abgebaut werden.

Bei dieser Gelegenheit erhaschen wir einen Blick auf das Zweitmodell dieses Sets. Vorderseits war ja großspurig von „2 in 1“ die Rede. Aber enthalten ist natürlich nur die papierne Bauanleitung für den Traktor. Die „Erntemaschine“ (Karton) oder der „Feldhäcksler“ (lego.com) kann nur gebaut werden, wenn ein Zugang zum Internet besteht und man den Link LEGO.com/technic eintippt. Dortselbst möge man die Bauanleitung dann suchen. Spoiler: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt 26.12.2019) ist für Set 42102 noch keine Bauanleitung hinterlegt.


Unerwartete Themen-Retrospektive: Agents.

30. März 2019

Anno MMDCCLXI a. u. c. schickte Lego (Lat.: ich sammle) ein Team unerschrockener Agent*inn*en ins Rennen, die üblen Wege des verrückten Superschurken Dr. Inferno zu durchkreuzen. Welcherlei Provenienz der akademische Titel Infernos hat, ist nicht überliefert, wiewohl die Agents, wie sie internationalisiert genannt werden, ansonsten alles über die Machenschaften besagten Verbrechers zu wissen scheinen. Vermutlich promovierte er in Terrorstudien und Weltvernichtologie an der Kim-Il-sung-Universität in Pjöngjang. Wie dem auch sei. Da ich ja sammle, pwne ich alle Sets dieser Serie. In your face, Dr. Inferno; all your base are belong to us!

Für ambitionierte Nachwuchsagenten (generisches Maskulinum) hielt Lego die obige Handreichung bereit, die meiner Erinnerung nach in einigen spielzeugführenden Geschäften auslag. Die angegebene Internetadresse führt ins Leere, da die Missionen natürlich inzwischen erfolgreich erfüllt wurden – die Weltvernichtung wurde verhindert! Das Pamphlet liefert einen Überblick über zunächst sechs Missionen, die durchnumeriert sind, jedoch, da Lego ja nichts von stringenter Logik hält, nicht der Reihenfolge der Setnummern folgen. Das spielende Kind kann in die Rolle eines der drei männlichen Agenten oder der einen weiblichen Agentin schlüpfen, jedoch insinuierten die Konzepteure der Serie, daß Agent Chase der zu bevorzugende Hauptcharakter sei.

Vor uns sehen wir also die Agents Chase, Fuse, Charge und Trace, und man hofft, daß das Decknamen sind. Agent Chase ist unzweifelhaft der mutige Anführer der Bande, Agent Fuse der leicht nerdige Intellektuelle (Brille!), Agent Charge der kompromißlose Draufgänger, und Agent Trace ist weiblich. Drei der vier Agents (Im Folgenden sei stets das generische Anglophonikum verwendet, denn diese gezwungenen Sexus-Mehrfachnennungen gehen mir voll auf den Sack.) haben Wechselgesichter:

Chase kann seine coole Neo-Sonnenbrille und das Headset absetzen, Fuse gibt seine emotionale Seite zu erkennen, Charge bleibt stets sein unerschrockenes Selbst, und Trace kann ein verängstigtes Mädchen spielen, welches sie natürlich! nicht ist.

Mission 1: Verfolgungsjagd (8631)

Die Overtüre. Dr. Infernos Handlanger Kettensägen-Joe hat in, so nehme ich an, Cortina d’Ampezzo den Rosaroten Panther gestohlen, einen wertvollen Energiekristall, welchen Inferno für sein geplantes Inferno benötigt, nach ihm benannt, und rast mit einem Schneemobil die Piste hinab, wie es sich für den Vorspann eines Agenten-Thrillers gehört.

Agent Chase kann allerdings gar nicht skifahren und jagt darob mit einem propellergetriebenen, in der Handreichung jedoch „Jetpack“ genannten Fliegrucksack hinterher. Praktischerweise ist dieser Rucksack mit einem Haken an einer Seilwinde ausgestattet, so daß Chase just den von Joe leichtfertig an exponierter Stelle auf seinem Motorschlitten verstauten Behälter mit dem Kristall wegangeln kann. Vermutlich purer Zufall.

Die Aufkleber halten übrigens seit über zehn Jahren einwandfrei auf den Modellen. Lediglich die angerauhte und gewölbte Fläche des Propellers, der überdies nicht aus dem legotypischen ABS-Kunststoff besteht, ist ein ganz schlechter Träger. Hält aber trotzdem noch.

Mission 2: Jagd im Sumpf (8632)

Agent Charge gebietet über einen wahren Feuerstuhl von Motorrad, bei dem er Schwierigkeiten haben wird, an der Ampel die Füße auf den Boden zu bekommen. Aber anzuhalten ist natürlich eh keine Option. Mit diesem Gefährt muß er nun ausgerechnet in den Sumpf, wo Dr. Infernos Handlanger Stahlbeißer – denn was wäre denn ein Agentenspektakel ohne Stahlbeißer! – eine Schatzkarte versteckt hält. Selbst ein Superschurke wie Inferno benötigt finanzielle Mittel, und ihm diese zu entziehen, ist Sinn der Mission.

Weltvernichter wie Dr. Inferno sind narzistische Arschlöcher, also müssen all ihre supergeheimen Verstecke mit dem auffälligen Logo® ihrer Verbrecherorganisation™ getarnt sein. So auch dieser Verschlag im Dschungel.

Neben einem stationären Raketenwerfer ist der Bretterturm durch eine wackelige Brücke, die einzige Landverbindung, gegen Angreifer geschützt. Diese Brücke kann mittels einer zeitgeschalteten Bombe gesprengt werden. Stahlbeißer muß also sehr genau berechnen, wann er die Zündung terminieren muß, damit Charge in den Sumpf fällt und von den ferngesteuerten Klonkrokodilen zerrissen wird.

Der inneren ..äh.. Logik (haha!) der Serie gemäß muß Mission 2 wohl fehlgeschlagen sein, denn der nächste Auftrag lautet:

Mission 3: Goldjagd (8630)

Infernos Handlanger Handlanger (so offenbar sein Name) und Goldzahn konnten also Stahlbeißers Schatzkarte nutzen, um eine beträchtliche Anzahl Goldbarren aus einem südamerikanischen Tempel zu entwenden. Das gehört in ein Museum! Die Rückführung dieses Goldschatzes in die Obhut der Altertumsverwaltung von – ich sage mal – Mexiko ist die Mission von Agent Fuse.

Um dem lüttigen und echt schlecht gebauten Jeep von Goldzahn und Handlanger nachzudüsen, der überdies durch einen einachsigen Anhänger in Geschwindigkeit und Mannövrierbarkeit eingeschränkt ist, läßt es sich Fuse nicht nehmen, den hauseigenen Überschall-Jet zu entern.

Das Bild von der Unterseite des Jets mit den beiden Gummigeschoß-Kanonen ist bei wolkenverhangenem Himmel nichts geworden. Mit diesen Kanonen soll Agent Fuse bei Überschallgeschwindigkeit das eigens zu diesem Zweck von Dr. Inferno dort angebrachte Ziel auf dem Anhänger treffen, um so die Goldbarren vom Hänger zu katapultieren. Fragezeichenemotikon.

Wie Fuse in angemessener Entfernung seinen Jet landen und die freigeschossenen Goldbarren in diesem verstauen soll, ohne daß die Fieslinge zwischenzeitlich breitgrinsend das Gold wieder auf ihrem Jeep verladen und wegfahren, würde einen sehr umfangreichen Schachtelsatz erfordern, der an dieser Stelle unterbleiben soll.

Mission 4: Rettung mit dem Speedboot (8633)

Agentin Trace kommt zunächst die Rolle der verzweifelten zu Rettenden zu. Dr. Infernos Handlanger Stahlbeißer hat sie entführt und hält sie – wo auch sonst? – auf einer Schwimmboje gefangen. Dieses nautische Signal gehört zu des Schurken Markenimperium, ist also wiederum mit seinem Logo® getarnt. Bewacht wird die Boje naturgemäß von ferngesteuerten LASER-Haien.

Im Corpus Boii ist ein Schwimmdingens stationiert, welches per Knopfdruck durch das diensthabende Spielkind aus seinem Versteck katapultiert werden kann:

Der Schwung, den dieses kleine Schwimmdingens durch das Herauskatapultieren erhält, scheint freilich der einzige Antrieb zu sein. Und Stahlbeißer muß zusehen, daß er rechtzeitig hinterherspringt, um sein Taxi überhaupt zu erreichen. Das ganze Ensemble hat ein wenig Waterworld-Qualitäten, ein Film, den ich persönlich für unterbewertet halte.

Zur Rettung der Jungfrau eilt in schimmernder Rüstung… Nee, falsches Märchen. Richtig ist hingegen, daß annähernd jedes Set der Serie irgendwelche silbrig- oder goldenschimmernden Teile enthält. Für die vierte Mission ist aber vor allem das Speedboot entscheidend, mit welchem Agent Chase durch die Dünung pflügt.

Hat Chase die Boje erreicht, hat er mehrere Möglichkeiten, die Rettung seiner Kollegin durchzuführen. Zum Beispiel könnte er eine Harpune abschießen, die enterhakengleich den Kontakt zum Leuchtfeuer herstellt. Über das Verbindungstau kann Chase sich an sein Ziel heranhangeln. Ohne zur Speise der LASER-Haie zu werden.

Diese Harpune kann mittels einer ausgefeilten Mechanik, namentlich durch einen zuklappbaren Gummireifen, zurück ins Boot gezogen werden.


Die andere Option bietet das Beiboot, welches händisch ausgeklinkt werden kann. Der Handreichung zufolge handelt es sich um ein Mini-U-Boot.


Mit dem Beiboot kann sich Chase zwar der Boje nähern, allerdings kommt er dann kaum um eine handgreifliche Auseinandersetzung mit Stahlbeißer herum. Außerdem verfügt das U-Boot (mini!) kaum über genügend Raum für zwei Passagiere. Trace müßte also eventuell nach gelungener Befreiung mit dem Schwimmdingens zum Speedboot fahren, wodurch sie zur leichten Beute der Haie würde.

Zum Glück hat das Speedboot aber auch ein Fangnetz an Bord, mit dem die Haie außer Gefecht gesetzt werden können. Zumindest einer.

Die Rettungsmission ist abgeschlossen, wenn Trace wohlbehalten an Bord des Speedboots gelangt ist und sich in ihrem verf-flucht engen Verschlag von den Strapazen der Gefangenschaft erholen kann.

Mission 5: Silberner Cruiser (8634)

Eigentlich ist die Mission ja, einen wertvollen Datenträger, einen Laptop, aus dem Hauptquartier Dr. Infernos zu stehlen, um Aufschlüsse über seine Weltvernichtungspläne zu erhalten; aber Lego war es wichtiger, die Mission nach dem äußerst coolen Gefährt des Agenten Chase zu benennen.

Diese Mission ist, obwohl erst an fünfter Stelle aufgeführt, gewissermaßen Dreh- und Angelpunkt und eigentlich auch der Startpunkt der gesamten Unternehmung. Denn abgesehen davon, daß es hier gilt, überhaupt erstmal Dr. Infernos Pläne zu erkunden, enthält auch das Set den Dienstausweis, mit dem das spielende Kind sich als Agent ausweisen kann. Natürlich soll es sich mit Agent Chase identifizieren.

Auf der Rückseite kann jede Mission markiert werden, auf der Vorderseite die Erfüllung der Mission mit einem Stern. Für beides liefert jedes Set auf dem Sticker-Bogen die passenden Aufkleber mit.

Nun also das äußerst coole Gefährt des Agent Chase.

Der schnittige Renner wurde in der Tat aus akkurat punziertem echten Lego-Silber gefertigt, in Handarbeit, und seine Geschwindigkeit übersteigt alles Vorstellbare. Q hat auch allerhand Gimmicks eingebaut, welche dem Fahrer das Leben erleichtern sollen.

Zu nennen wären die Missiles unter dem Heckspoiler…

… und die ausklappbaren Bordkanonen. Was hingegen nicht so recht funktioniert, ist der Schleudersitz. Wenn der silberne Flitzer nämlich mit der etwas vorstehenden Fliese an der frontalen Stoßstange irgendwo gegenbummst, dann sollte der Beifahrersitz einen Angreifer wegschleudern, der da in Indiana-Jones-Manier platzgenommen hat.

Das zu diesem Zweck im Chassis verbaute Technic-Gestänge hat allerdings so geringe Hebelwege, daß kaum Schleuderschwung zustandekommt.

Außerdem ist das Fahrzeug natürlich mit einem Radar-System ausgestattet, das den Fahrer beim Fahren ablenkt, so daß er garantiert irgendwo gegenkracht.

Vor allem soll er von innen gegen das befestigte Haupttor des infernalischen Anwesens krachen, um dieses zu öffnen.


Das gelingt natürlich. Wenn sich jedoch das Tor öffnet, wird ein Warnsignal ausgelöst. Und zwar wirklich, in Echt, ehrlich wahr! Lego hat sich eigens ein entsprechendes Krachmacherteil geschmiedet, um die Eltern des Spielkindes auch ordentlich zu nerven.


Durch die Torsirene wird Dr. Infernos Handlanger Spy-Clops aufgeweckt, der in seinem insektenartigen Hubschrauber nur darauf wartet, diebische Agenten zu piesacken.

Durch Drehen des Rotors wird Spy-Clops wie eine Spinne abgeseilt. Was die Frage aufwirft, wie dieser Hubschrauber sich fortbewegen soll, ohne unablässig den orangenen Spinnen-Borg auf- und abzuseilen? Und wer das Ding überhaupt steuert.

Da Agent Chase der Held der Story ist, wird er die Mission erfolgreich beenden, das Paßwort des Laptops knacken (ungefähr „INFERNO,8,1“) und sich des Doktors Zukunftspläne zu Gemüte führen.

Mission 6: Mobile Kommandozentrale (8635)

*in die Armbanduhr raun* „KITT! KITT, ich brauch‘ dich hier, Kumpel!“ Ach nee, schon wieder falsches Märchen.


Handlanger Goldzahn kommt in einem durchaus schnieken Einmannflugzeug angedüst, um was zu tun? Er will Dr. Inferno befreien, der tatsächlich nach sechs Missionen bereits im Gewahrsam der Agenten ist, welche offensichtlich über einen richterlichen Beschluß verfügten, der ihnen derartige hoheitliche Aufgaben übertrug. Und zwar hockt Inferno in der Arrestzelle der mobilen Kommandozentrale, dem Hauptquartier der Agenten.

Das Gespann ist groß und schwer, also muß die Zugmaschine einiges an Power auf die Waage bringen.

Augenscheinlich tut sie das, denn vier Auspuffrohre deuten auf einen PS-starken Motor hin. Aber Lego ist ja Lego, und darum befindet sich dort, wo der Motor sein sollte, natürlich irgendwelche Artillerie.

Aber auf den Sattelschlepper kommt es eh nicht an; viel wichtiger ist der Auflieger, beseppherbergert er doch die sagenumwobene Kommandozentrale unserer Helden.

Sollte dieser Trailer irgendwo auf dem Seitenstreifen am Rande einer Bundesstraße geparkt sein, werden Sie mißtrauisch! Da steckt mehr dahinter.

Seitlich aufgeklappt ist der Blick frei auf den Inhalt. Dieweil mit dem bordeigenen Kran das Agenten-Quad zu Boden gelassen wird, erblicken wir hinten links die Gefängniszelle, darin Dr. Inferno höchstselbst. Spy-Clops kommt bereits zur Befreiung herangekrabbelt.

Für einen Haupt- und Superschurken ist es eine merkwürdige Einführung in die Serie: Als Gefangener hinter Kraftfeldstäben, und nicht als handelnde Person. (Aber natürlich haben die Konstrukteure der mobilen Zentrale die Ausbruchsfunktion gleich mitgeplant, also ist das nicht das Letzte, was wir von Dr. Inferno sehen werden.)


Im vorderen Bereich des Hauptraums kann der Missionsführer seinen Kollegen die Ziele und Strategien mittels eines Diavortrags erläutern. Heute steht Mission 4 auf dem Programm.

Noch weiter vorne, unter der Schräge, befinden sich nicht nur zwei Computerterminals für die Koordination der Einsätze, sondern vor allem hängt da ein waschechter Minijet kopfüber unter der Decke. Ist das Dach aufgeklappt, dient es als Startrampe.

Wurde er über die Rampe abgeschossen, spreizt Thunderbird 1 die Flügel und düst seinem Ziel entgegen. An einer unzureichenden technischen Ausstattung sollen die Missionen der Agenten ja nicht scheitern. Und werden sie auch nicht, denn im Keller befindet sich noch weiteres Gerät:



Neben dem kleinen Quad hat’s da noch ein großes Allradfahrzeug sowie ein Schlauchboot, damit sich die Agents nicht vor Greenpeace blamieren. Und damit nicht genug. Versteckt im Heck des Anhängers befindet sich noch ein Geheimfach. So geheim ist es, daß es sich selbst bei Entdeckung nur schwer öffnen läßt:


Der Sexist in mir ließ Agentin Trace am Mechanismus scheitern, aber die Wahrheit ist, daß ich selbst die Klappe beim Versuch, sie zu öffnen, zerstörte.

Dabei ist zweifelhaft, ob der sich hinter dem Verschlag verbergende Jetski (benannt nach Paweł Zbigniew Jetski) die Mühe überhaupt wert war.

Angesichts des Equipments könnte man den Eindruck gewinnen, das Missionsziel der Agents sei grundsätzlich die Zerstörung. Egal was. Alles strotzt nur so vor Raketen, Kanonen, Waffen. Doch halt, das kann ja nicht alles sein! Im Trailer befindet sich ja auch noch ein Medizinschränkchen, also können die Agents nicht nur zerstören, sondern auch heilen!

… dachte ich. Aber in der Schublade liegen auch nur Bleispritzen. Im Englischen heißt „shot“ ja sowohl „Schuß“ als auch „kleiner, knackiger Schluck hochprozentigen Alkohols“ und „Injektion“; da wird nicht so differenziert. Was mag sich also wohl in der roten Tasse befinden?

Im Jahre MMDCCLXI war der Laptop ein neues Lego-Element. Die Agents hatten sich selbstverständlich auch zwei dieser Geräte angeschafft. Dargestellt sind die Missionen 4 und 5.
Und das waren sie, die ersten sechs Missionen, die im zu Beginn gezeigten Pamphlet vorgestellt wurden. Die Agents-Serie war ein ..äh.. Mid Year Release, stand somit erst im Katalog für die zweite Jahreshälfte. Das hinderte Lego nicht daran, im selben Jahr noch zwei weitere Sets zu veröffentlichen, die in keinem mir vorliegenden Katalog abgebildet sind. Wahrscheinlich waren sie auch nicht überall erhältlich. Ich kaufte sie jedenfalls im Mitarbeiter-Shop in Billund, zu welchem ich im Rahmen der Fan-Veranstaltung in Skærbæk Zutritt hatte. Nichtsdestotrotz führen sie die Numerierung der Missionen fort.

Mission 7: Deep Sea Quest (8636)

Die Geschichte dieser Mission ist schnell erzählt. Dr. Infernos Handlanger Stahlbeißer und Slime Face (für den ich keinen deutschen Namen kenne) wollen eine Schatztruhe aus den Tiefen des Ozeans rauben, die Agenten wollen dieselbe Schatztruhe bergen. Alles eine Frage der Begrifflichkeiten.

Der Krake luminesziert im Dunkeln. Während die bösen Bösen mit einem klapprigen Kanonenboot angereist sind, nähern sich die Agents mit einem veritablen Unterseeboot dem Zielbereich.

Das sieht voluminös aus, doch wie üblich beanspruchen Waffen einen Großteil des Platzes.

Und für die zu erwartende Beute ist natürlich ebenfalls Stauraum vorhanden. Die Schatztruhe kann direkt vom Meeresgrund in den Schlund des Tauchboots geschnäbelt werden.

Dahingegen wurde an den Komfort der Besatzung kein überflüssiger Kubikmillimeter Platz verschwendet. Agent Charge kann sich in seiner Kanzel kaum rühren.

(Eine kleine Nebenbemerkung sei gestattet: Die Klickscharniere halten was aus. Bloß als Scharnier taugen sie nicht; regelmäßig bricht die Zarge eher ab, als daß sich das Gelenk bestimmungsgemäß bewegte.

Klammer zu.)

So knapp bemessen ist der Passagierraum des U-Boots, daß sich Agent Chase die ganze Fahrt über verzweifelt an seinem eingeklinkten Tauchschubgerät festkrallen muß, freischwebend im Ozean, umschwärmt von Haien (im Set nicht enthalten) und Kraken (im Set enthalten).

Das angedeutete Periskop auf dem Dach ist übrigens auch bloß Augenwischerei. Es ist keine Möglichkeit vorhanden, hindurchzublicken.

Mission 8: Volcano Base (8637)

Nach alter Väter Sitte wohnen Superschurken und Agentengegner in Vulkanen. Ernst Stavro Blofeld genügte noch ein erloschener Vulkan, aber Dr. Inferno braucht höllisches Feuer um sich. Als Aufklärer schraubt Agent Chase heran.

Sein Propellervogel kann ein Fangnetz scheißen.

Und hier ist sie schließlich: Die supergeheime, markengeschützte Volcano Base™ Dr. Infernos!

Während Agent Trace dieses Mal nicht die hilfsbedürftige Gefangene ist, sondern zur Rettung des nerdigen Trottels Agent Fuse heraneilt, nähert sich auf der – Ehrensache! – Einschienenbahn Infernos Handlangerin Claw-Dette dem Nebenkrater, über dem Fuse geröstet wird.


Nach Lust und Laune oder auch bei einem Ausbruch kann der Vulkankegel durch Aufklappen der Seitenteile sein Volumen erweitern.

Der Schicksalsberg muß nicht erklommen werden, um ihn etwa durch die Krateröffnung zu betreten, sondern ein durchaus ansprechend gestaltetes Portal gewährt seitlich Zutritt. Wohingegen Handlanger Fire Arm diesen verweigert.

Im Innern des Vulkans halten mehrere große Monitore Dr. Inferno stets über seine Machenschaften in aller Welt auf dem Laufenden. Seit ihm die Agents auf den Fersen sind, werden ihm natürlich vor allem Mißerfolge berichtet. Einmal ist Inferno seinen Widersachern allerdings schon entronnen (Mission 6), was wohl als Erfolg gewertet werden kann. Der Vernichtung der Welt, des Universums und allens steht also bloß noch das Nichtvorhandensein des nötigen Energiekristalls entgegen, welchen Kettensägen-Joe gleich zu Beginn verschlampt hat (Mission 1). Die Weltvernichtungsmaschine wartet jedenfalls auf ihren Einsatz.

Doch nach der Weltvernichtung geht’s weiter. Wiewohl Lego diese Agents-Serie nur als kurzfristigen Muntermacher geplant hatte und bereits im Folgejahr die Hälfte der oben vorgestellten Sets schon wieder aus dem Programm nahm, wurde die Serie fortgeführt. Doch darum werden wir uns zu gegebener Zeit kümmern.