Willkommen in der Räderhölle!

26. Oktober 2019

Seit Jahr(zehnt)en steht eine Pappkiste auf meinem Lego-Regal, in welche ich immer diese ganzen doofen Räder werfe, die anfallen, wenn ich irgendwelche Sets auseinandersortiere. Nun entschloß ich mich, diese Kiste mal durchzusortieren, in der Hoffnung, durch akkurate Anordnung des Inhalts diesen zu komprimieren und im Platzbedarf zu optimieren. „Nun“ bedeutet übrigens: Irgendwann Mitte September. Ich steige also auf einen Stuhl, um den Karton herabzuholen, tu das auch, schleppe ihn ins Licht und stelle fest: Das ist gar nicht meine Räderkiste! Es sind Räder darin, viele sogar, aber eigentlich ist das eine Kiste mit großformatigen Formteilen, denen ich dieselbe liebevolle Ignoranz angedeihen lasse wie den Rädern. Die Räderkiste steht unter dem Regal, noch seit dem letzten Umzug mit Folie umwickelt.

Aber hilft ja nüscht. Und jetzt sieht mein Wohnzimmertisch nahezu so aus:


Die südwestliche Ecke des Tisches läßt möglicherweise erahnen, daß ich zwischenzeitlich den Gedanken hegte, eine kleine Geschichte des Lego-Rades zu schreiben. Steckachsen mit Metallstift, Metallachsen, plastene Steckräder, verschiedene Größen und Bereifungen, und all sowas.

Aber nee. Ich weigere mich, dem Bildungsauftrag nachzukommen. Ich habe ehrlich, ehrlich kein Interesse, mich mit diesem Rädergedöns eingehender zu beschäftigen. Deswegen hat es dieser Beitrag auch nicht mehr in die Septemberausgabe geschafft. Ich werde den ganzen Summs vom Tisch wieder in die Kiste kehren und außer Sicht wegverstauen.

 


 

30. September 2019

 


Jahrestage.

24. Juli 2019

Heute vor zehn (10) Jahren ließ ich mich von Jörg1680 dazu überreden, ein(en) Weblog, also ein(en) Blog, und zwar hier bei WordPress, weil er, Jörg, auch einen solchen hier hatte, zu erstellen. Ohne Konzept und mit unklarer Zielsetzung, was auch direkt zum ersten Eintrag führte, der da unter der Überschrift „Ja und nu?“ lautete: „Ich weiß schon, weshalb ich nie das Bedürfnis verspürte, Tagebuch zu führen.“ Wer den Link anklickt, bekommt genau das.

Genaugenommen wußte ich natürlich überhaupt nicht, weshalb ich nie das Bedürfnis verspürte, Tagebuch zu führen. Ich hatte dieses Bedürfnis halt nie, und ich habe es auch nie getan. Also Tagebuch geführt. Mein erster Beitrag hier war also gleich Murks mit verquerer Logik, denn gemeint hatte ich wohl, daß ich gar nicht wüßte, was ich jetzt hier schreiben sollte, so wie ich ja auch bisher nie gewußt hätte, was ich meinem Tagebuch hätte anvertrauen sollen, wobei ich ein privates Tagebuch irgendwie gedanklich mit einem öffentlich einsehbaren Blog in eine Kategorie steckte. Is‘ aber auch egal, denn zum öffentlichen Tagebuchschreiben kam es hier auch nie. Ich faßte lediglich ein-, zweimal im Monat einige Gedanken in Worte, oft, weil ich diese Gedanken mal loswerden wollte, bisweilen, um in dem Monat überhaupt einen Eintrag verfaßt zu haben. Diesen Ehrgeiz entwickelte ich immerhin.

Jedenfalls, Jahrestage. In den Statistiken, die ich ab und an mal ansehe, in der Hoffnung, durch gezielte Suchanfragen der Leser auf ein zu erörterndes Thema gestoßen zu werden, fand ich nun diese Mitteilung von WordPress:

Glückwunsch zum Jahrestag mit WordPress.com!
Du hast dich vor 10 Jahren auf WordPress.com registriert.
Danke für dein Vertrauen. Weiter viel Erfolg beim Bloggen!

Ja, danke auch. Ich habe unheimlich viel Erfolg. Die Zahl meiner Leser geht in die Dutzende!

Also, Jahrestage. Sie bedeuten mir wenig. Ein Ereignis fand statt, und einen Sonnenumlauf später jährt sich dieses Ereignis, weil seitdem 365,25 Tage vergangen sind. Mehrere Sonnenumläufe später jährt sich das Ereignis zum soundsovielten Male, erst einmal, dann zweimal, schließlich zehn mal, irgendwann vielleicht 25 mal, 50 mal, 100 mal und so weiter. Andere Kulturen bevorzugen ein anderes Kalendersystem mit anderer Zeitrechnung, insbesondere statt des Sonnenjahres das Mondjahr, und in diesen Kulturen war am 24sten Juli 2009 gar nicht der 24ste Juli 2009, sondern irgendein anderes Datum, und gemäß diesem anderen Kalendersystem jährt sich dieses Datum heute überhaupt nicht zum zehnten Male. Dabei war jener Tag unabhängig vom Kalendersystem derselbe Tag: Die Sonne ging auf, Dinge ereigneten sich, die Sonne ging unter; bloß war das Datum ein ganz anderes.

Dem Jahrestag als solchem wohnt also gar kein Wert an sich inne, sondern ein solcher Wert wird ihm allerhöchstens im Kontext eines zeitlichen Bezugssystems beigemessen, wobei das Bezugssystem austauschbar ist. Komplett willkürlich ist es freilich nicht, denn die Einteilung der Zeit in Tage und Jahre wurde ja von durchaus klugen Menschen an ein unabhängiges, fixes Objekt in der Natur geknüpft, sei es die Sonne, sei es der Mond. Besonders extrovertierte [Wort durch eigentlich gemeintes Wort ersetzen, welches mir nie auf Anhieb einfällt, nie!] Zeitgenossen [exzentrisch! Danke sehr.] richten ihr Leben vielleicht nach dem Venusjahr oder dem Saturnjahr aus, weilses geil finden; nicht, weil es nötig wäre.

Und Jahrestage? Sind die nötig? Immerhin bieten sie einen Anlaß zur Retrospektive, was ich durchaus gutheiße. Aber muß man sie feiern? Ist es eine Errungenschaft, eine Leistung, ein Achievement, wie der Anglophone sagt, ein Jahr, zehn Jahre und so weiter seit dem gefeierten Urereignis durchgehalten zu haben? Vielleicht. Aber Geburtstage beispielsweise empfand ich im Kindesalter bloß wegen der Geschenke als angenehm, nach großartiger Feierei stand mir schon damals nie der Sinn. Zumal ja die tollsten Lego-Kästen (wie wir Sets damals nannten) sowieso immer erst nach meinem Geburtstag in die Läden kamen; 1984 die grauen Ritterburgen, 1989 die Piraten. Was war also der Geburtstag wert? Richtig: Nüschte!

Und überhaupt, die „runden“ Jahrestage. 10, okay, da hat man einmal alle Finger durch. Bei 20 nimmt man noch die Zehen mit, für 21 hätte Mann noch eine Option. 25? Das ist der Halbschritt zur nächsten Null, vor allem aber ein Viertel der vollen 100. Was ist an der 100 so besonders? Das ist so ungefähr ein Lebensalter. Die wenigsten erreichen es, wenige überschreiten es. „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen“, übersetzte Luther im 90sten Psalm. An die 100 als rundeste aller runden Zahlen wurde da noch gar nicht gedacht, aber schon hier waren Vielfache von 10 offenbar ausschlaggebend. Das ist keineswegs selbstverständlich.

So gab es zwar im Griechischen der Antike zum Beispiel die akrophonischen Zahlen, die neben Einsern, welche in entsprechender Anzahl aneinandergereiht wurden, auch Zehner und halbe Zehner, also Fünfer notierte, und dies auch jeweils mit einer, zwei oder drei Nullen mehr, wiewohl es die Null natürlich nicht gab. Gleichzeitig verwendeten die Griechen aber auch die 24 Buchstaben des Alphabets als Zahlen von 1 bis 24.
Im Hebräischen wurden ebenfalls die Buchstaben als Zahlen verwendet, wobei in der Reihenfolge des Alphabets zunächst die Zahlen von 1 bis 9, dann die Zehner von 10 bis 90, dann die Hunderter von 100 bis 400 darstellbar waren, und dank der besonderen Schreibung mancher Buchstaben in Wortendstellung noch weitere fünf Zeichen für die Hunderter von 500 bis 900 zur Verfügung standen, was aber nicht häufig genutzt wurde. In den meisten Texten, insbesondere dem Alten Testament, welches naturgemäß fürs christliche Abendland grundlegend war, wurden Zahlen aber ausgeschrieben, also „dreihundertfünfundsechzig“ statt „365“. Außerdem wurden Zahlen vermieden, die JHWH ergeben hätten oder dem ähnlich sahen. Man muß halt Prioritäten setzen. So oder so ist schon eine Fixierung auf ein 10er-basiertes Zahlensystem erkennbar.
Andernorts, also zum Beispiel hier, war das durchaus nicht so. Hier war die 12 vorherrschend, was zum einen erkennbar ist daran, daß die Zahlenreihe bei Eins beginnend nicht bei zehn endet, sondern noch elf und zwölf als besondere Zahlwörter einschließt, zum andern auch daran, daß es ein auf dem Dutzend basierendes Rechensystem gab. Ein Dutzend kann man mit dem Daumen an einer Hand abzählen, wenn man nämlich die Fingerglieder von der Spitze des Kleinfingers bis zur Wurzel des Zeigefingers durchgeht. Außerdem waren 12×12 ein Gros, und 5×12 ein Schock. Nach mitteleuropäischer Denkungsart wäre also vielleicht eher der 12te Jahrestag „rund“ und feierwürdig gewesen, und eben nicht der 10te.

Wie man sieht, ist das alles, wenn auch nicht rundweg willkürlich, so doch immerhin auch nicht naturgegeben. Und wichtig ist es sowieso nicht.


Ultimo.

30. April 2019

Mannomann. Der Monat ist schon wieder rum, und in dreißig Tagen habe ich nicht einmal Lust verspürt. Nee, falsche Interpunktion. …habe ich nicht einmal Lust verspürt [Komma], hier einen Blogeintrag zu schreiben [Punkt].


Transzodiac.

23. November 2018

Folgendes Gespräch hatten wir kürzlich die Gelegenheit, aufzuzeichnen:

Herr X, Sie beschreiben sich selbst als transzodiac. Was verstehen Sie darunter?

X: Also erstmal vorweg: Ich bezeichne mich nicht als transzodiac, sondern ich bin transzodiac.

Bitte erläutern Sie kurz, was Sie darunter verstehen.

X: Kurz gesagt, ich identifiziere mich nicht mit dem Sternzeichen, unter dem ich geboren wurde.

Aha? Unter welchem Sternzeichen wurden Sie denn geboren?

X: Das möchte ich eigentlich nicht näher erörtern, denn dieses Leben habe ich hinter mir gelassen. Ich identifiziere mich als Libra.

Das ist das Sternzeichen Waage, richtig?

X: Richtig.

Sie wurden aber nicht unter dem Sternzeichen Waage geboren, wenn ich das richtig verstanden habe? Wie kann es denn sein, daß jemand unter einem – ich nenne es mal – falschen Sternzeichen geboren wird? Ist für die Zuordnung des Sternzeichens nicht der Zeitpunkt der Geburt ausschlaggebend?

X: Im Allgemeinen schon. Allerdings spielen da ganz verschiedene Faktoren eine Rolle. Ausgehend vom Zeitpunkt und dem Ort der Geburt haben die Konstellation der Gestirne im Tierkreis, der Aszendent, der Stand von Mond, Sonne und den Planeten, sowie die Position jeglicher anderer Himmelskörper Einfluß auf das eigentliche Sternzeichen des Neugeborenen.

Und all dies zusammengenommen ergibt für sie ein Sternzeichen, welches nicht mit ihrem offiziellen Sternzeichen übereinstimmt.

X: So kann man es sagen, ja.

Wie haben Sie festgestellt, daß Sie transzodiac sind?

X: Schon seit langem hatte ich den Eindruck, ein falsches Leben zu führen.

Damit dürften Sie keineswegs alleine dastehen. Wenn ich also diesbezüglich um einige Beispiele zur Veranschaulichung bitten dürfte…

X: Die Umstände meines Lebens stimmten auffällig oft nicht mit den Vorhersagen des Horoskops überein; geschäftliche Entwicklungen nahmen einen anderen Verlauf, Krankheiten stellten sich ohne Vorwarnung ein, und ähnliches. Und die Wahl meiner Lebenspartner gestaltete sich ungewöhnlich schwierig, obwohl ihre charakterlichen Merkmale gut zu meinem offiziellen Sternzeichen hätten passen sollen. Im Zuge dessen wurde mir bisweilen angedeutet, daß meine eigenen Wesenszüge in eklatantem Widerspruch stünden zu den Merkmalen, die gemäß dem mir zugewiesenen Sternzeichen erwartbar wären. Man selbst hat ja oft eine eingeschränkte Sicht auf sich selbst, also bedurfte es der Perspektive von außen, um mich auf diese Widersprüche aufmerksam zu machen. So wurde ich schließlich mißtrauisch und begann zu recherchieren. Sie können sich mein Erschrecken vorstellen, als ich schließlich erkannte, daß ich mein bisheriges Leben unter einem falschen Sternzeichen geführt hatte!

Ich versuche gerade, es mir vorzustellen, allerdings fällt es mir, offen gestanden, nicht leicht.

X: Wo liegen Ihre Schwierigkeiten?

Meine Schwierigkeit besteht vor allem darin, zu erkennen, wo das Sternzeichen tatsächlich einen Einfluß auf unser alltägliches Leben hat.

X: Aber das habe ich doch gerade versucht, Ihnen zu erläutern!

Sie meinen, das Horoskop stimmte nicht?

X: Zum Beispiel. Was meinen Sie, was das für eine Unsicherheit mit sich bringt. Nichts scheint so, wie es sein sollte. Alle Entscheidungen sind unwägbar. Das Verhältnis zu den Mitmenschen ist von der ständigen Furcht überschattet, falsche Einschätzungen vorgenommen zu haben. Und nicht zuletzt ist da der Zweifel an der eigenen Identität. Ein fürchterlicher Zustand, der mich direkt in die Depression trieb.

Weil Sie glaubten, ein, beispielsweise, Skorpion zu sein, aber eigentlich sind Sie Waage?

X: Na sicher! Und was meinen Sie, was ich für Schwierigkeiten beim Einwohnermeldeamt hatte.

Beim Einwohnermeldeamt?

X: Ja.

Was hat denn das Einwohnermeldeamt damit zu tun?

X: Na, ich sprach natürlich dort vor, um mein Geburtsdatum meinem Sternzeichen anzupassen!

Das geht?

X: Einfach ist es nicht. Die Schalterbeamtin wußte zunächst gar nicht, was ich von ihr wollte.

Das ist bei Behörden ja nicht grundsätzlich ungewöhnlich.

X: Ja, aber sie nahm mich sichtlich nicht ernst, lachte mir offen ins Gesicht. Es schien für Fälle wie meinen nicht einmal ein Formblatt zu geben! Da zeigt sich doch das Dilemma in nuce: Das Problem ins Lächerliche zu ziehen, ist Ausdruck der mangelnden Anerkennung, und mangelnde Anerkennung, ja Leugnung, ist der Kern der Diskriminierung. Und es ist strukturelle Diskriminierung, wie sich daran zeigt, daß die Behörden der Bundesrepublik Deutschland nicht auf Probleme wie meine vorbereitet sind und augenscheinlich nicht einmal ein Interesse daran haben, zur Lösung beizutragen.

Fühlen Sie sich verfolgt?

X: Na, wie würden Sie das denn wohl nennen?

Das kommt darauf an, unter welchen Repressionen Sie zu leiden haben.

X: Wollen Sie etwa den Status des Verfolgtseins von der Qualität und Intensität der Repressalien abhängig machen?

Nicht?

X: Ich bin Bürger der Bundesrepublik Deutschland. Das Grundgesetz sichert mir das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit zu. Gleichzeitig werde ich von Amtsträgern der Bundesrepublik an meiner Persönlichkeitsentfaltung gehindert, indem man mir die Änderung des Geburtsdatums verweigert. Was muß denn noch geschehen, um als diskriminiert zu gelten?

Das Verfahren ist also noch schwebend?

X: Ach, Verfahren. Es gibt kein Verfahren! Man hielt ja kein Formblatt vorrätig, um eine Änderung des Geburtsdatums zu beantragen, und ohne Formular geht ja mal gar nichts. Typisch deutsch, der Amtsschimmel wiehert! Ich sag’s ja: Strukturelle Diskriminierung in Vollendung, und das im einundzwanzigsten Jahrhundert! Man sollte meinen, daß wir solche Auswüchse staatlicher Willkür längst hinter uns gelassen hätten.

Ich habe gerade den Eindruck, daß Sie sich etwas zu sehr hineinsteigern…

X: Ach? Ich steigere mich also hinein, ja? Ich bin also auch noch selbst schuld, meinen Sie das? Ich habe schon gemerkt, daß Sie zu den Zweiflern zählen. Sie sind Teil des Systems! Menschen wie Sie sind es, die unsereinem das Leben zur Hölle machen! Menschen wie Sie sind es, die hinter unserem Rücken tuscheln und lachen und sich an unserer Qual weiden. Und nach vorne raus geben Sie sich jovial und interessiert und tun so, als stünden Sie auf der Seite der Unterdrückten. Widerlich, ganz ekelhaft! Mit Journalisten wie Ihnen ist es ja kein Wunder, daß die Demokratie in diesem Lande zum Teufel geht. Was sind Sie, Krebs?

Nö.

X: Wassermann?

Auch nicht.

X: Ach, lecken Sie mich doch am Arsch! [Dreht sich um, geht.]


Meteorologischer Jahreszeitenbeginn.

30. August 2018

Okay, ich kann nicht an mich halten. Wie jedes Jahr, und wie jedes Jahr ungefähr viermal, wird wieder dieserlei verkündet:

2018 war laut DWD der zweitheißeste Sommer – und der endet dieses Wochenende mit kühlen Temperaturen. Doch dafür beginnt der Herbst zumindest im Nordwesten warm.

„Spiegel Online“, 30. August 2018, von mir gelesen um 16:57h.

Warum kann ich nicht an mich halten? Weil’s Blödsinn ist, und weil dieser Blödsinn unkritisch aber mit wichtiger Kennermine über alle Morgenmagazine und Boulevard-Gazetten verbreitet wird, als handele es sich um ein knallhartes Faktum. Handelt es sich aber nicht. Am 31sten August endet nicht der Sommer, und es beginnt nicht der Herbst am 1sten September. Die Jahreszeiten stimmen nicht randscharf mit den Monatsgrenzen überein, was für die Zunft der publizierenden Meteorologen das marginale Problem aufwarf, daß sie, Meteorologen, nicht präzise von drei Frühlings-, drei Sommer-, drei Herbst- und drei Wintermonaten sprechen konnten, weil die End- und Anfangspunkte jeder Jahreszeit dummerweise mitten im jeweiligen Monat liegen. Es gibt also jeweils zwei reine Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Wintermonate, und vier Monate, die durch zwei Jahreszeiten geprägt sind. Das war den Wetterfröschen zu kompliziert, weshalb sie einfach behaupteten, die meteorologischen Jahreszeitengrenzen lägen just exakt auf den Monatsgrenzen. Pfiffig, aber halt falsch und ohne Bewandtnis.

Warum falsch? Weil die Jahreszeiten durch den Umlauf der schiefstehenden Erde um die Sonne definiert werden und ihre Begrenzung an den Sonnenwendpunkten bzw. Äquinoktien haben. Der Winter beginnt ungefähr am 21sten Dezember (die genauen Daten können sich minimal verschieben), der längsten Nacht und dem kürzesten Tag. Im Winter sind die Tage kürzer als die Nächte, die Tage werden aber länger. Der Frühling beginnt an der Tag-und-Nacht-Gleiche, ungefähr am 21sten März (minimale Verschiebung auch hier natürlich möglich), die Tage werden weiterhin länger und sind länger als die Nächte. Ungefähr am 21sten Juni (s.o.) ist der längste Tag des Jahres, gleichzeitig die kürzeste Nacht, und es beginnt mit der Sommersonnenwende der Sommer. Im Sommer sind die Tage länger als die Nächte, die Tage werden aber kürzer. Und ungefähr am 23sten September (s.o.) kommt es zur zweiten Tag-und-Nacht-Gleiche, ab sofort sind die Tage kürzer als die Nächte, und sie werden auch immer noch kürzer bis zur Wintersonnenwende am 21sten Dezember. Das sind die astronomischen Jahreszeiten.

Also, warum nochmal ist das Geschwafel vom meteorologischen Jahreszeitenbeginn Blödsinn? Weil das Wetter nicht das definierende Kriterium für die Jahreszeit ist. Natürlich werden mit den Jahreszeiten gewisse Wetterlagen assoziert. Im Winter erwarten wir Kälte und Schnee, im Frühling laue Luft und blaue Bänder, im Sommer Hitze und Sonne, und im Herbst Sturm und Regen. Aber erstens sind das allenfalls sekundäre Jahreszeitenmerkmale, während die primären Merkmale eben durch den Stand der Sonne gekennzeichnet sind. Und zweitens hält sich das Wetter sowieso nicht an die Absprachen. Wie oft hat man im Februar Tage mit frühlingshaften Temperaturen, so daß die Eisdielen die Stühle rausstellen, und wie oft hatte man schon im August das Bedürfnis, die Wohnung zu beheizen, weil das Wetter so gar nicht sommerlich-warm sein wollte! Würden wir also das Wetter zur Definition der Jahreszeit heranziehen, so läge der meteorologische, das heißt: der auf das Wetter bezogene Frühlingsbeginn, an dem ersten Tag im Jahr, an dem das Wetter frühlingshaft ist. Und warum sollte das ausgerechnet der 1ste März sein, wie von den Meteorologen propagiert? Die nominelle Exaktheit des „meteorologischen“ Jahreszeitenbeginns steht in eklatantem Gegensatz zur Wandelbarkeit und Unschärfe des Wetters. (Und der Wettervorhersagen. Das nur am Rande.)

Exakt hingegen, eindeutig und vorausberechenbar ist die Himmelsmechanik. Die Bibel hat nicht gelogen, als sie in Genesis 1, Vers 14 sagte:

Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, daß sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so.

Wenn die alten Orientalen eines konnten, dann die Sterne und ihre Regelmäßigkeiten beurteilen. Daß Gott gemäß Bibel Sonne, Mond und Sterne erst am vierten Schöpfungstag ans Firmament nagelte, während das Licht bereits am ersten Tag in die Welt kam – geschenkt; das soll hier nicht das Thema sein. Denn es hat sich bis heute nichts daran geändert, daß die Zeiteinteilung auf der Erde durch die Beobachtung der Gestirne möglich ist. Darum ist es eine Frechheit, daß der kalendarische, also der astronomische, Sommer-/Frühlings-/Herbst-/Winter-Beginn eher verschämte Erwähnung findet, als handele es sich bei diesem lediglich um einen schnöden Verwaltungsakt, eine Formalität, während der meteorologische Jahreszeitenbeginn doch so handfest und wissenschaftlich sei, mit spürbaren Auswirkungen auf uns alle, denn wer wäre nicht vom Wetter betroffen? Blödsinn und abermals Blödsinn! Die astronomischen Jahreszeiten sind wissenschaftlich exakt, und alles andere ist unwissenschaftliche Schwammigkeit.