Telephonstreich.

19. März 2020

Wer regelmäßig im Auto unterwegs ist und dabei Radio hört, vor allem auf langen Strecken, hat mit mindestens zwei Ärger-, aber nur selten mit Hornissen zu kämpfen: Alle 35 Kilometer ändert sich die Frequenz des eingestellten Radiosenders. Und Radio-Comedy. Ersteres könnte die Rettung vor zweiterem sein, würde nicht ausnahmslos jeder Radiosender es darauf anlegen, seine Hörer, Hörerinnen und Unentschiedene mit Comedy-Beiträgen zu töten. Weil man vor Langeweile am Steuer einschläft. Mit etwas Glück ist man aber schon tot, ehe das Comedy-Segment geschaltet wird, weil man auf der Tour bereits zehnmal die Superhits der 80er, der 90er und das Beste von heute gehört hat, wobei das Beste von heute die Endlosschleife der immerselben Retortenhits darstellt, welche bis zum Erbrechen durchzunudeln die Sendeanstalten sich gegenüber der Musikindustrie offenbar verpflichtet haben, und zwar auch die Öffentlich-Rechtlichen. Wozu zahle ich eigentlich Gebühren, wenn es dann nur fürs GEMA-Rundumsorglospaket reicht?

Die Comedy jedenfalls und an dieser Stelle bricht der Satz ab, weil mir da echt die Worte fehlen. Das war übrigens ein Anakoluth. Kann jeder selbst googlen. Die allerhöchste Kunst in dieser Disziplin ist dann der – so heißt es wohl in der Sprache unserer Zeit – Prank Call. Also ein Scherzanruf. Ein Mensch mit lustiger Stimme ruft bei jemandem an und konfrontiert die arglose Person mit irgendwas, was potenziell herzinfarktwürdig wäre; aber dann wird’s halt nicht gesendet. Lustig, lustig. Nachfolgend Tralalalala aus der Hitmaschine. Es freuen sich der Zahnarzt und der Mechaniker, der das verbissene Lenkrad austauschen darf.

Apropos Telephon. Es gibt ja PayPal, ne? Damit kann man Geldbeträge an Mail-Adressen versenden, was sehr praktisch ist. Sicherheitshalber muß man in seinem PayPal-Konto eine Telephonnummer hinterlegt haben, um gegebenenfalls auf diesem Wege sein Paßwort zurücksetzen oder sich überhaupt authentifizieren zu können. Sehe ich ein, also habe auch ich dort meine Telephonnummer angegeben. Vor ungefähr 16 oder 17 Jahren. Laß es 18 Jahre sein. So, fast forward ins Jetzt, vor zwei Tagen wollte ich mich bei PayPal einloggen. Ging nicht. Schuldbewußt akzeptierte ich, daß ich mich offenbar beim Paßwort vertippt hatte und versuchte es erneut. Ging nicht. „Wir können Sie nicht einloggen“, stand da, mit Hinweisen zur Fehlerbehebung, namentlich Sicherheitsfrage, Paßwortzurücksetzen, Captcha-Authentifizierung und – jetzt kommt’s – telephonischer Code-Übermittlung. Nacheinander probierte ich sämtliche Angebote aus. Ging nicht. Ging nicht. Ging nicht. Ging nicht. Und mit „Ging nicht“ meine ich nicht, daß meine Sicherheitsfragenantworten falsch oder meine Code-Übermittlung fehlerhaft gewesen wären, keineswegs. Alles wurde mit grünen Häkchen bestätigt. Aber das Ergebnis blieb: „Wir können Sie nicht einloggen.“ Also ich schweren Herzens beim Kundendienst angerufen. Prädikat weggelassen, um Ereignisnähe zu dokumentieren. Die freundliche Dame beim Kundendienst konnte auch in der Tat die wahrscheinliche Fehlerquelle identifizieren.

*Trommelwirbel*

Und zwar ist die von mir bei PayPal hinterlegte Telephonnummer eine Festnetznummer. Damit konnte der Gesetzgeber ja nicht rechnen, als er, modern, wie son Gesetzgeber ja traditionell ist, bestimmte, daß derartige Bezahlsysteme im Zuge der Multifaktorauthentifizierung mithilfe von Mobiltelephonen die Konto-Sicherheit erhöhen müssen. Ich besitze aber gar kein Mobiltelephon.

„Ach, äh, sprichst du von einem Mobiltelephon aus? *seufz* Ich kenn‘ Sie nicht! Wer ist da? Kommen Sie nicht her! Ich hänge jetzt auf! Telephonstreich! Telephonstreich!“ So reagierte Lance, als Vincent ihm mitten in der Nacht vom Handy aus ankündigte, in größtmöglicher zeitlicher Kürze die überdosierte Gattin des örtlichen Gangsterbosses vorbeizubringen. Weil son Mobiltelephon einfach zu unsicher war. Aber für PayPal reicht’s.

Ungeachtet der Sicherheitsproblematik, die am Ende des zweiten Jahrzehnts des 21sten Jahrhunderts vielleicht keine mehr ist, was ich kaum glauben kann, fühle ich mich als Nichtbesitzer eines Handys zunehmend diskriminiert. Ernsthaft. Als ich einen Instagram-Account anlegte, mußte ich feststellen, daß ich ohne Handy dort gar keine Bilder hochladen kann. Als ich einen Twitter-Account anlegte, wurde mir ein Riegel vorgeschoben, indem von mir eine Handy-Nummer zur Authentifizierung verlangt wurde. Einen Facebook-Account kann man ebenfalls nur noch anlegen, wenn man eine Handy-Nummer angibt. Das alles wäre mir schnuppe. Aber nach 16 oder 17 Jahren, laß es 18 sein, die ich unbeanstandet per PayPal bezahlen konnte, wird mir nun quasi ein Handy aufgezwungen. So ich denn auf den zwar nicht nennenswerten aber doch vorhandenen und vor allem mir zustehenden Betrag zugreifen möchte, der sich derzeit auf meinem PayPal-Konto befindet. Der moderne Gesetzgeber überschätzt die Ubiquität des Handybesitzes. Ubiquität kann auch jeder selbst googlen, ihr habt ja alle ein Handy.
Ich gehöre nicht mehr dazu. Wesentliche Bereiche des Internets sind mir verschlossen, weil das Gesetz es befahl. Und dafür zahle ich Steuern? Das halte ich für einen groben Streich.


Bitte nicht rauchen!

12. März 2020

Nee, mache ich ja nicht. Wiewohl ja mein ..äh.. guter Vorsatz für das Jahr 2018 gewesen war: Einmal eine Zigarre rauchen. Aber das ureigenste Charakteristikum guter Vorsätze ist natürlich, daß sie nicht eingehalten werden. So auch dieser. Und seitdem habe ich dieser bescheuerten Silvester-Tradition abgeschworen.

Wenn ich also rauche, dann allerhöchstens unfreiwillig und passiv. Das aber dann besonders intensiv, denn der Raucher zieht den Zigarettenrauch ja wenigstens noch durch den Filter in seine Lungen; was jedoch vorne von der glimmenden Spitze des Stengels abqualmt und sich im Raum verteilt, gelangt ungefiltert in meine Atemwege, vielen Dank auch!

Bisweilen erhielt ich auch schon postalisch Lieferungen mit gebrauchtem Lego, das dann dermaßen nach Qualm stank. Aber so dermaßen! Dann frage ich mich immer, ob da im Kinderzimmer geraucht wurde? Wohl kaum. Also haben treusorgende Eltern ihren Kindern eine legohaltige Erziehung angedeihen lassen, was ich gutheiße, gleichzeitig aber den Keim des Krebses in sie gepflanzt, indem sie ohne Rücksicht auf irgendwas die Wohnung zugequarzt haben. Weil man sich ja von der Gesundheitsdiktatur nicht unterkriegen läßt, woll?

Lucky Luke fand ich ja durchaus cooler, als er noch Raucher war. Nicht, weil das Rauchen so cool gewesen wäre, obwohl es auch diesbezüglich einige sehr gute Gags gab, sondern weil das Rauchen ihn rauher erscheinen ließ, kantiger, nicht als makellosen Helden und strahlenden Saubermann, vielmehr als Typen mit Fehlern, ein Cowboy, dem auch nicht immer alles gelang. Doch das nur am Rande.

Sofern ich nicht einer Fälschung aufgesessen bin, hat Lego mal ein Straßenschild mit dem Nichtrauchersymbol bedruckt. Zum welchem Anlaß, weiß ich nicht. In Sets kam es jedenfalls nicht vor. Dementsprechend selten und teuer ist das Teil auf dem einschlägigen Gebrauchtmarkt, aber als sich die Gelegenheit ergab, habe ich zugeschlagen, denn das Thema ist mir offenkundig ausreichend wichtig, um es auch im Lego-Kontext repräsentiert sehen zu wollen.