Reine Schurwolle.

24. April 2014

Die neuste, das heißt neunte große Erweiterung zum Spiel ohne Grenzen „Carcassonne“ ist „Schafe und Hügel“. Durch sie kommt den Wiesen rund um die Städte, die bisher die Domäne der Bauern waren, eine neue Bedeutung zu. Denn nun kann auf eine Wiese, selbst wenn sie schon durch einen Bauern gleichwelcher Farbe besetzt ist, ein Schäfer gestellt werden, der eine hoffentlich wachsende Schafherde hütet.

Der Spieler, der den Schäfer setzte, zieht blind aus dem mitgelieferten Säckchen ein Schafsplättchen und legt es neben seine Hirtenfigur. Sobald er eine weitere Landschaftskarte an seine Schafweide anlegt, darf er erneut ins Säckchen greifen und ein weiteres Schafsplättchen ziehen. Statt ein weiteres Plättchen zu ziehen, kann er aber auch seine Schäfchen ins Trockene bringen und sich für jedes bereits gezogene Schaf auf seiner Wiese einen Punkt auf der Wertungstafel gutschreiben. In diesem Fall kommen alle Schafe zurück ins Säckchen und die Schäferfigur zurück in den Vorrat. Nach einigen Herdenzuwächsen die Schafe zu werten, ist durchaus sinnvoll, denn zwischen den 16 Schafsplättchen lauern auch zwei Wölfe. Wird ein Wolf gezogen, reißt er nicht bloß ein Schaf, wie man vermuten könnte, sondern gleich die ganze Herde; somit wären alle gesammelten Punkte auf einen Schlag futsch, und der Schäfer muß zurück in den Vorrat. Natürlich können wie üblich durch Landschaftserweiterungen die Schäfer verschiedener Mitspieler auf derselben Weide enden. Dann gelten alle die Schafe betreffenden Wertungen gleichermaßen für jeden beteiligten Schäfer.

Neben den Schafen nennt der Titel der Erweiterung noch die Hügel, verschweigt als weiteres neues Feature jedoch die Weinberge. Überdies gibt es neue Gebietsaufteilungen, die einer Erwähnung wert sind. Betrachten wir folgende Situation und wenden uns zunächst den Hügeln zu:

Wer eine Hügelkarte, erkennbar am roten Fähnchen, erwischt, zieht unmittelbar eine weitere Landschaftskarte und legt sie unbesehen unter die Hügelkarte. Es werden also blind Landschaftskarten aus dem Spiel genommen, und zwar gleich 8 Stück im Spielverlauf. Das Spiel wird also noch unberechenbarer, da gewisse Taktiken durch das Nichtmehrvorhandensein benötigter Karten über den Haufen geworfen werden können, zumal man nicht sicher sein kann, welche Karten aus dem Spiel sind.
Da Gefolgsleute, die auf einem Feldherrnhügel stehen, gegenüber Männeken in der Ebene im Vorteil sind, hat bei Gefolgsmann-Gleichstand in einem Gebiet das Männchen auf dem Hügel die Nase vorn; das Gebiet wird nur für ihn gewertet.
Durch zwei neue Karten lassen sich Städte und Wiesen nun leichter verbinden, im Bild liegen grüne Männchen drauf:

Durch jeweils eine einzige angelegte Karte wird aus zwei getrennten Städten eine einzige Stadt, und wird aus zwei Wiesen eine vereinigte Wiese. Dieser Vorgang ist auch nur schwer abzuwenden, da man ja nicht „seinen“ Teil des Gebiets in eine andere Richtung lenken kann, um einen lauernden Eroberer abzublocken. In der vorliegenden Situation haben nun der blaue Ritter und der rote Bauer jeweils die Mehrheit, da sie auf Hügeln stehen.
Übrigens teilt auf der Karte mit dem roten Bauern das kleine Häuschen den Weg in zwei getrennte Abschnitte.

Bleiben noch die Weinberge. Das sind die Parallelogramme mit dem Rebenbewuchs. Jeder Weinberg in der direkten Umgebung eines Klosters bringt diesem bei der Wertung drei Punkte zusätzlich, allerdings nur, wenn das Kloster auch fertiggestellt wurde. Bei der Schlußwertung unvollendeter Klöster entfallen die Weinbergpunkte. Dieses Prinzip ähnelt dem der Kathedralen und Wirtshäuser aus der ersten Erweiterung, freilich abgeschwächt dadurch, daß unvollendete Klöster mit Weinbergen dennoch Punkte für die vorhandenen Karten bringen. Außerdem addieren sich mehrere Weinberge um ein Kloster auf, während ein weiteres Wirtshaus oder die zweite Kathedrale keinen zusätzlichen Effekt haben.

Da in der neuen Erweiterung ein Stoffbeutel enthalten ist, nutze ich die Gelegenheit mal für ein Vergleichsbild. Wir sehen also den kleinen Schafsbeutel (kein Bocksbeutel!); darunter in Leserichtung den originalen „le sac“, den der Hans-im-Glück-Verlag im Jahre 2002 als Messe-Goodie verteilt hatte; wegen der großen Nachfrage lag der zweiten Erweiterung „Händler & Baumeister“ dann standardmäßig der schwarzbedruckte Sack in der Mitte bei; momentan kann über den Online-Shop des Verlags der große Beutel erworben werden, in den in der Tat die Landschaftskarten aller bisher erschienenen Erweiterungen und des „Schicksalsrades“ passen.
Vermutlich wurden für diese Säckchen aber keine Schafe, sondern Bäume geschoren.

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