Buch der Woche: Die Bibel

14. Februar 2013

Daß ausgerechnet die Firma Lego eine Bibel drucken und diese in der Höhle des Trollkönigs 79010 verstecken würde, kann nur mit der Mysteriösität erklärt werden, in welcher sich bisweilen die Wege des Herrn offenbaren. Intime Kenner des Werkes von J. R. R. Tolkien, dem Schöpfer der Hobbit-Welt, mögen hingegen weniger verwundert sein, wissen sie doch, daß der Autor sehr gläubig war und seine eigene Religiösität in die Erschaffung von Arda, Mittelerde und dem ganzen mythologischen Überbau einfließen ließ.

Jedenfalls, die Bibel. Das Buch der Bücher, denn altgriechisch βιβλίον bedeutet im übertragenen Sinne „Buch“, davon die lateinische Fehlschreibung biblia, eigentlich der Plural von biblion, und schon war’s geschehen. Der Titel der Lutherbibel verkündete demzufolge: „Biblia: Das ist: die gantze Heilige Schrifft“, und wo jetzt schon Volkes Maul maßgeblich für die deutsche Textgestalt war, wurde daraus irgendwie „Bibel“ verballhornt.

Jedenfalls, die Bibel. Das Wort Gottes, sagen die einen. Eine getreue Chronik der Weltgeschichte, sagen dieselben. Für andere ist die Bibel immerhin ein Abriß der Kulturgeschichte im vorderen Orient, und noch ganz andere bezeichnen sie abschätzig als Märchenbuch. So weit würde ich nicht gehen.

Davon ausgehend, daß es zu der Zeit, da die Bibel spielt und das Alte Testament aufgezeichnet wurde, sehr viel weniger Menschen gab, kommt jedem einzelnen dieser Menschen eine größere Bedeutung zu. Familien waren Großfamilien und konnten als Völker gelten, die auf der Suche nach Weidegründen umherzogen, bis sie schließlich seßhaft wurden. Das Wissen war begrenzt, vieles war nicht ohne Weiteres erklärbar, so daß es nahelag, die Existenz eines oder eben mehrerer Götter anzunehmen, die kraft der ihnen innewohnenden Macht Dinge geschehen ließen.

Vor diesem Hintergrund ist es geradezu erstaunlich, wie exakt zum Beispiel der Schöpfungsbericht ist. Na gut, sechs Erdentage mag es nicht gedauert haben, aber da tausend Tage vor Gott wie der Tag sind, der gestern vergangen ist (und wie eine Nachtwache, Psalm 90), kann man sicher die 1000 Tage auch durch 1 Mrd. Jahre ersetzen, und schon paßt es irgendwie. So oder so ist die Reihenfolge der Schöpfungsgeschichte schlüssig. Die Bibel fängt vorne an, also tun wir das jetzt auch mal:

Erster Tag:

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ – Urknall, es vergehen einige Hunderttausend, Millionen und Milliarden Jahre, Materie ballt sich zusammen, reißt Lücken. Im Raum, dem Nichts, bilden sich Inseln aus Material, unter anderem die Erde.

„Und die Erde war wüst und leer, und es war finster in der Tiefe.“ – Na, davon kann man ausgehen, daß es auf der Erde kurz nach ihrer Entstehung wüst aussah.

„Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“ – Der Staub in der Atmosphäre wurde feiner und weniger dicht, das Licht der Sonne konnte durchdringen.

„Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.“ – Naja, gut. Das ist natürlich aus der Sicht von jemandem gesprochen, der sich auf der Erde an einem bestimmten Ort befindet. Irgendwo auf dem Planeten ist ja immer Tag und zur selben Zeit an einem anderen Ort dann Nacht.

Zweiter Tag:

„Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so. Und Gott nannte die Feste Himmel.“ – Rätselhaft. An dieser Stelle versagt mein Vorstellungsvermögen, was da mit „Feste“ gemeint sein soll, welcher Himmel gemeint ist (der ..äh.. Wohnsitz der Engel? Der Luftraum oberhalb der Erdoberfläche? Vermutlich das Firmament.), und wo darüber noch Wasser sein soll. Ist dies vielleicht ein Hinweis darauf, daß das Wasser von außerhalb also oberhalb des Firmaments, nämlich aus dem Weltraum per Kometen und Meteoriten, auf die Erde gelangt ist, wie die Wissenschaft heute annimmt?

Dritter Tag:

„Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, daß man das Trockene sehe. Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer.“ – Soweit plausibel.

„Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das Samen bringe, und fruchtbare Bäume auf Erden, die ein jeder nach seiner Art Früchte tragen, in denen ihr Same ist. Und es geschah so.“ – Die Einzeller verschweigt der Schöpfungsbericht, vermutlich aus Mangel an optischem Gerät.

Vierter Tag:

„Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, daß sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.“ – Hm. Erst wird es Licht, dann sprießen die Bäume, und dann endlich erscheinen Sonne, Mond und Sterne? Erklärbar, falls man das so nennen soll, würde dies nur, wenn zuvor die Atmosphäre zu verstaubt gewesen war, um den Urheber des ja bereits am ersten Tage gewordenen Lichts zu erkennen, die Sonne halt. Daß der Mond keine eigene Lichtquelle darstellt, sondern nur das Licht der Sonne reflektiert, war den Verfassern dieses Berichts offenbar noch nicht klar. Aber jedenfalls ist es seither möglich, die Zeit gemäß dem Stand der Sterne eindeutig einzuteilen. Dies hinwiederum läßt die Identifikation der Schöpfungstage mit Erdentagen zweifelhaft erscheinen, denn wie soeben festgestellt, fand die Einteilung der Erdentage erst ab dem vierten Schöpfungstag statt, die Schöpfungstage aber bereits seit deren erstem.

Fünfter Tag:

„Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden unter der Feste des Himmels. Und Gott schuf große Walfische und alles Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser wimmelt, ein jedes nach seiner Art, und alle gefiederten Vögel, einen jeden nach seiner Art.“ – Jaja, Wale sind keine Fische, wir wissen’s. Der Autor des Schöpfungeberichts oder auch der Übersetzer wußten es nicht. Geschenkt. Aber das Leben kommt aus dem Wasser, soweit richtig. Richtig auch, daß die Eierleger, also zum Beispiel die Vögel, vor den Säugetieren existierten. Überdies sind die Vögel die Nachfahren der Dinosaurier, welchen in neuerer Zeit auch gerne mal ein Federkleid angedichtet wird. Die Dinos tauchen somit indirekt im Schöpfungsbericht auf, aber die Urheber des Berichts bekamen diese naturgemäß nie zu Gesicht, höchstens als freigewaschenes Fossilienskelett.

Sechster Tag:

„Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm, und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so.“ – Nach dem Leben im Wasser ensteht das Leben auf dem Land. Diese Reihenfolge würde keiner bezweifeln. Interessant ist die Einteilung in „Vieh“, also diejenigen Tiere, die direkt dem Menschen nützlich sind, „Gewürm“, also das ganze niedere Leben, und „Tiere des Feldes“, womit sicher nicht bloß Hasen und Hamster gemeint sind, sondern all die Tiere, die so frei umherstrolchen.

„Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib.“ – Am sechsten Tage also schuf Gott den Menschen, ganz kurz nach den Säugetieren, nicht etwa wurde ihm die Ehre zuteil, an einem eigenen Tag geschaffen zu werden. Der Mensch ist also klar dem Zeitalter der Säugetiere zuzurechnen, die Krone der Schöpfung bloß insofern, als zum Schluß erschaffen und intelligent genug, sich die Erde untertan zu machen. Und richtig, nach uns kam nichts mehr.

Das waren die sechs Schöpfungstage. Woher die Menschen vor 5000 Jahren das alles schon so ..äh.. genau wußten, ist rätselhaft. Vielleicht waren sie ja schlauer und kenntnisreicher, als wir annehmen, und sie machten sich aufgrund ihrer Beobachtungen die richtigen Gedanken. Die Story mit dem aus einem Erdklumpen geformten Adam, der aus seiner Rippe geschnitzten Eva und dem Sündenfall folgt dann in einem gesonderten Bericht.

Jedenfalls, die Bibel. Schon deren erste Geschichte, die wir gerade etwas auseinandernahmen, sorgt für Zwist. Menschen, genannt Kreationisten, würden dafür töten, daß dieser Schöpfungsbericht wörtlich genommen wird. Als ob es darauf ankäme! Dafür wird das Gebot „Du sollst nicht töten!“ dann großzügig zu den eigenen Gunsten interpretiert. Wie man’s braucht, woll? Den sogenannten evangelikalen Christen ist das Evangelium, also das Neue Testament, so scheint’s, auch weniger wichtig als einzig das erste Buch des Alten Testaments. Das Wirken Jesu? Egal, Hauptsache die Evolutionstheorie wird nicht Schulstoff. Hamdiesenochalle?

Die Bibel. Ein gefährliches Buch. Zweieinhalb Weltreligionen berufen sich auf sie, und jeder liest in sie hinein, was ihn nützlich deucht. Gegenmeinungen werden nicht akzeptiert, da die jeweils eigene Interpretation natürlich als durch Gott höchstselbst „inspiriert“ reklamiert wird, sich somit jeder vernünftigen Argumentation entzieht. Zum Kotzen ist das.

Meine eigene kecke Meinung, selbstverständlich auch durch den Heiligen Geist inspiriert, ist, daß dem Schöpfungsbericht selbst die Idee der Evolution innewohnt: „Die Erde bringe hervor“, steht da. Wenn das nicht die Beschreibung eines evolutionären Prozesses ist! Ihr Rechtgläubigen, überlaßt es doch bitte eurem Gott, auf welche Weise er seine Schöpfung vollzieht!

Davon abgesehen ist die Bibel aber ein wirklich unterhaltsames Buch, das hiermit zur kritischen Lektüre empfohlen sei!

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Fiat lux!

2. Februar 2013


Seit geraumer Zeit lag mein Schreibtisch im Dunkeln. Die Glühbirne war durchgebrannt, und dank hellsichtiger EU-Politiker, über deren demokratische Legitimationsgrundlage noch Uneinigkeit besteht, ist Ersatz ja nicht mehr legal zu beschaffen. Überdies hatte ein Test ergeben, daß diese spezielle Lampe, oder Leuchte, wie der Fachmann wohl sagt, nicht in der Lage ist, so eine Energiesparlampe, die wiederum nicht „Leuchte“ heißen darf, obschon sie es ist, die leuchtet, ..äh.. aufzunehmen. Ein untragbarer Zustand, denn Witterung und Jahreszeit lassen natürliches Licht als Ersatz für die elektrische Beleuchtung zumeist ausfallen.

Wäre ich jetzt albern, würde ich schwafelnderdings behaupten, zum Glück gebe es das Set 6671 aus dem Jahre 1989, den Reparaturwagen mit Scherenlift, und der Mechaniker habe meine Lampe oder Leuchte instand gesetzt. Hat er natürlich nicht, sondern ich fand schließlich doch noch eine Ersatzbirne, die letzte ihrer Art in meinem Haushalt. Das Set 6671 ist aber dennoch ein Glücksfall, denn es ist klasse. Näheres möge in Farnheims schöner Rezension nachgelesen werden. Hinzufügen möchte ich lediglich noch meine Bewunderung der Legometrie, die es erlaubt, die gegenläufig als Schere angeordneten Scharniere auch seitwärts auszurichten. Das sieht zwar ein bißchen komisch aus, aber es paßt. Und das wäre die Hauptsache, wäre mir nicht wichtiger, daß meine Leuchte wieder lampt.