CD-Regal revisited: Metallica. (Vol. 1)

1. September 2017

Ich bin aufgewachsen in den 80er und 90er Jahren. (Des 20sten Jahrhunderst, falls man dies hier auch noch Jahrhunderte später lesen kann.) Das war die Zeit, als die „Superhits der 80er und 90er“ noch gleichzeitig „das Beste von heute“ waren. Davon bekam ich allerdings zunächst nur wenig mit, denn wenn meine Eltern mal das Radio einschalteten, dann vor allem für informative Wortbeiträge, und im Plattenschrank konnte ich wählen zwischen Bach und Händel, Mozart und Beethoven nebst etwas Smetana und Tschaikowski. Die einzige Popmusik der Gegenwart, zu der ich regelmäßig Zugang hatte, befand sich auf einer Kassette, die werkseits dem Walkman (von Sony!) beilag, den ich gegen Ende der 80er zu Weihnachten bekam. Darauf befanden sich – wie ich erst später nach und nach rekonstruierte – Teile des Soundtracks von „Dirty Dancing“ und von Michael Jacksons Alben „Thriller“ und „Bad“ nebst einigen Einzelstücken. Alles in allem keine schlechte Musik, die ich rauf und runter hörte.

Auf dem Gymnasium kristallisierte sich irgendwann heraus, daß in meiner Klasse Heavy Metal die bevorzugte Musikrichtung war, und während in der Parallelklasse, deren Raum ich bisweilen zwecks konfessionell gesonderten Religionsunterrichts betrat, Poster von Jon Bon Jovi und Van Halen die Wand zierten, zogen meine Klassenkameraden und -kameradinnen Megadeth und Metallica vor, Danzig und Machine Head. Derlei Musik dominierte die Lautsprecher des Busses, wenn wir auf Klassenfahrten fuhren, was den Klassenlehrer zu der Frage nötigte, ob es sich hierbei um eine Direktübertragung aus dem Dieselmotor handele? Huahua. Aus gutem Grund war Metallica hier der allgemeine Favorit, und meine Kameraden kannten Details der Bandgeschichte, die sie sich, wir mir im Nachhinein gewahr wurde, selbst erst später erschlossen haben konnten, denn daß sie zu Grundschulzeiten bereits die „Rock Hard“ lasen oder sich regelmäßig bei „Idiots Records“ in Dortmund umtaten, bezweifle ich. Jedenfalls, Metallica.

Metallica ist die größte und einflußreichste Metal-Band unserer Zeit. Wer dagegen argumentieren will, muß schon mächtig was vorzubringen haben, denn Metallica bringen alles mit, um Legendenstatus zu rechtfertigen. Neben Talent (dazu später mehr) und der Chuzpe, ihrer Band schon vor dem ersten Plattenvertrag einen Namen mit Alleinvertretungsanspruch zu verpassen, können sie einen amtlichen Gründungsmythos vorweisen, der gleichzeitig die Theogenese einer weiteren gefeierten Metal-Band darstellt. Und die Geschichte der Band ist nicht arm an Dramen, Tragödien, Wiederauferstehungen und Rekorden.

Der Gründungsmythos

Im Jahre 1981 gab ein verhinderter Tennisprofi namens Lars Ulrich, den es aus Dänemark nach Los Angeles verschlagen hatte, eine Zeitungsanzeige auf, in der er, Drummer, Mitmusikanten zwecks Gründung einer Metal-Band suchte. Denn Lars war zunehmend so angewidert von dem, was sich zu jener Zeit Metal schimpfte, all diese posenden Hairspray-Bands, die das Erbe von Black Sabbath, Motörhead, Iron Maiden und Judas Priest schändeten, daß er beschloß, einfach selbst die Musik zu machen, die er gern hören würde. Auf seine Anzeige hin meldete sich ein gewisser James Hetfield, der ähnlich empfand und selbst solch eine Anzeige aufgegeben hatte, dummerweise aber zunächst einmal Lars‘ Talent am Schlagzeug in Zweifel und mit seiner Gitarre wieder abzog. Aber das konnte Lars mit seinen zarten 18 Jahren nicht aufhalten. Er meldete bei einem Freund, der einen Sampler mit Aufnahmen örtlicher Metal-Bands pressen wollte, einen eigenen Beitrag an, bekam die Zusage, und mit diesem Pfund wuchernd wandte er sich erneut an Hetfield, der sich nun nicht mehr verweigerte. Die Band wurde komplettiert durch den Bassisten Ron McGovney, einen Bekannten Hetfields, und Lloyd Grant, der sich auf eine weitere Zeitungsanzeige, das Social Medium der damaligen Zeit, gemeldet hatte. Die erste Eigenkomposition „Hit the Lights“ kam auf den erwähnten Sampler, und Lloyd Grant wurde durch einen gewissen Dave Mustaine ersetzt, der schließlich Mitglied von Metallica wurde. Die Band spielte erste Konzerte und nahm zwei Demo-Tapes auf, die sich lauffeuerartig verbreiteten. So erspielte sich die junge Combo bereits eine solide Fanbase, ehe sie das erste Album aufgenommen hatte. Offenbar waren Lars und James nicht die einzigen, die neuen, echten Heavy Metal hören wollten.
Ron McGovney verließ dessen ungeachtet die Band, und Metallica mußte sich erstmals auf die Suche nach einem neuen Bassisten begeben. Der Kandidat, der James‘ und Lars‘ Ansprüchen genügte, hieß Cliff Burton und wohnte in San Francisco, wo er auch bleiben wollte. Man zuckte die Schultern und zog von LA nach SanFran, vermutlich zum Bedauern der losangelikalen Metal-Freunde.
Unterdessen verschafften die ruhmreichen Demo-Tapes den Jungs eine Auftrittsmöglichkeit in New York. Auf dieser Reise trennte man sich von Dave Mustaine, da dieser es mit dem Drogenkonsum allzu stark übertrieb, wiewohl die anderen Bandmitglieder einem gepflegten Besäufnis mit edlem Dosenbier ihrerseits nicht abgeneigt waren, aber zuviel ist zuviel; Syd Barrett könnte ein Lied davon singen. Dave Mustaine gründete daraufhin aus purem Trotz die Band Megadeth, um es seinen alten Band-Kollegen zu zeigen. Megadeth, sozusagen die Stiefschwesterband von Metallica, wurde unter Metal-Anhängern fast ebenso beliebt wie Metallica selbst, und genau das wurde Daves Nemesis: Jahrzehntelang bemühte er sich vergeblich, an die Erfolge heranzukommen, die Metallica nach und nach erringen konnten, und der mit diesem Gefühl der Zweitrangigkeit einhergehende Drogenkonsum hätte Dave beinahe umgebracht, ungeachtet der zahllosen Erfolge, die er mit seiner Band über die Jahre erzielte.
Metallica ersetzte Dave Mustain durch den Leadgitarristen Kirk Hammett, dessen Name spartakulöser und härter klingt, als das schmächtige Kerlchen auf der Bühne wirkt, vor allem im Vergleich mit James Hetfield, dem Hünen am Mikro. Aber das Line-up stand, und man war bereit für den ersten Longplayer.

Kill ’em All

1983 also wurde das erste Album aufgenommen, welches nach dem Willen der Band eigentlich „Metal up your Ass“ heißen und auf dem Cover einen aus der Kloschüssel ragenden Dolch zeigen sollte. Aber das lehnte der Plattenvertrieb ab, weil: Amerikaner und Profanity und so; God forbid! Cliff Burton soll der Legende nach geantwütet haben: „Let’s kill ’em all!“ Und das war als Titel dann okay, weil: Amerikaner und Waffengewalt und so; Null Problemo.
Die Platte wird eröffnet mit Metallicas erstem Lied „Hit the Lights“, einer Absichtserklärung, einem Manifest dessen, was die Band mit ihrer Musik ausdrücken möchte. Ob die übrigen neun Lieder des Albums auch in der Reihenfolge ihrer Entstehung angeordnet sind, weiß ich nicht, ist aber unwahrscheinlich. Denn beim zweiten, vierten, sechsten und letzten Lied ist noch Dave Mustaine als Mitkomponist angegeben.
Metallica war angetreten, um frischen Heavy Metal auf die Bühne zu bringen, und was wäre frischer, als ein komplett neues Subgenre? „Thrash Metal“ wurde dieses Subgenre später genannt, weil da die Gitarrensaiten gedroschen werden, daß es eine Art hat, und Metallica gehörte neben Slayer, Anthrax, Dave Mustains neuer Band Megadeth und Kirk Hammets alter Band Exodus zu den ersten, die diesen neuen Stil pflegten, einen Stil, der sich auszeichnet durch harte aber präzise Riffs und hohe Geschwindigkeit nebst wütenden, aggressiven Texten.
Das vermutlich bekannteste Lied des Albums, „Seek & Destroy“ wird heute noch regelmäßig auf Metallica-Konzerten gespielt, doch als Hörbeispiel sei gegeben „Whiplash“, weil dies als Paradebeispiel für Thrash-Metal gilt:

Im Bass-Solo „(Anesthesia) Pulling Teeth“ durfte Cliff Burton zeigen, was er konnte. Der Song ist der Beginn einer immerhin vier Alben lang durchgehaltenen Tradition, mindestens ein Instrumentalstück auf der Platte zu haben. Die zehn Eigenkompositionen der Band wurden in späteren Pressungen des Albums ergänzt durch die Cover-Songs „Am I Evil“ von Diamond Head und „Blitzkrieg“ von Blitzkrieg. Bevor Metallica einen umfangreichen eigenen Katalog mit Songs hatte, spielten die Jungs, wie vermutlich jede junge Band, auf ihren Konzerten vor allem Songs aus fremder Feder, ohne sich dessen zu schämen; weshalb sollten sie auch?

Ride the Lightning

Noch während der Tour zum Debutalbum arbeitete die Band bereits an neuen Songs, wiederum Ideen von Dave Mustain einbeziehend, dessen Name bei zwei Liedern angegeben ist. Unter widrigen finanziellen Bedingungen nahm Metallica schließlich im Februar 1984 „Ride the Lighning“ auf – in Dänemark bei Nacht, weil anders die Studiokosten nicht zu stemmen waren. Metallica waren zwar bereits in der Metal-Szene respektierte Newcomer, das erste Album verkaufte sich gut, aber reich waren die Jungs noch lange nicht. Überdies ist Alkohol ja in Dänemark besonders teuer, also blieb auch kein Geld für ein Hotel. Darum war es nur vernünftig, die Nächte im Studio zu verbringen.
Als das neue Album Ende Juli 1984 veröffentlicht wurde, wandten sich bereits die ersten Fans enttäuscht ab. Denn das war kein reines Thrash-Album mehr, warum auch immer derlei Genre-Zuschreibungen für irgendwen irgendeine Rolle spielen sollten. Aber Hetfield, Ulrich, Hammett und vor allem Burton waren musikalisch zu talentiert und auch zu ambitioniert, um für längere Zeit auf einem musikalischen Status Quo zu verharren. Das Tempo wurde gedrosselt, und die Songs sind melodischer und komplexer, weisen progressivere Elemente auf jenseits von reinem Riff-Gedresche. Auch die Texte entfernen sich von den Metal-Themen „böse“ und „Satan“. In der ..äh.. Literatur habe ich keinen Hinweis darauf gefunden, aber meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist es nicht allzu weit hergeholt, „Ride the Lightning“ als Konzeptalbum zu bezeichnen. Wie ein schwarzer Faden zieht sich das Thema „Tod“ durch alle Lieder. Wenn es nicht ausdrücklich um verschiedene Todesarten geht (elektrischer Stuhl, ertrinken unter Eis, hingeschlachtet durch den Engel des Todes), handeln die Lieder von Vergänglichkeit und der Angst oder dem Wunsch, diese Welt zu verlassen. Und in seinem Haus in R’lyeh wartet träumend der tote Cthulhu, den Metallica aus irgendeinem Grunde „Ktulu“ schreibt und instrumental ans Ende setzt.
Für den Höreindruck entschied ich mich jedoch für „For Whom the Bell Tolls“, und sei es nur des „whom“ halber. Der Titel ist eine Referenz auf Ernest Hemingways gleichnamigen Roman, der den Spanischen Bürgerkrieg behandelt.

Während also 1984 in Dänemark dieses wegweisende Metal-Album produziert wurde, war ich sieben Jahre alt und legte mein Augenmerk auf ein anderes dänisches Produkt. Der 1984er Lego-Katalog pries neue Burg-Modelle an, und ich war hin und weg. Aber das nur am Rande.

Master of Puppets

Von den Querulanten, die nach „Kill ’em All“ den Glauben an Metallica verloren hatten, abgesehen, sind sich alle einig, daß das 1986er Album „Master of Puppets“ ein Meisterwerk ist, ein zeitloser Klassiker, ein düster leuchtender Stern am Metal-Himmel. Metallica verleugnen hier keineswegs ihre Herkunft als Thrash-Band, schnelle Riffs haben ihren Platz; aber ebenso bedeutsam sind die elegischen und melodiösen Passagen. Grundthema des Albums sind Menschen, die nicht Herr ihrer selbst sind, die in der ein oder anderen Weise an den Schnüren des Marionettenspielers hängen. Dieser Puppenspieler kann auftreten in Form eines Gottes, eines befehlsgewaltigen Kriegsherrn, als dein eigenes wahnsinniges Über-Ich, als Abhängigkeit von Drogen oder als manipulativer Sektenführer. Auflehnung tut not! Das Stück „The Thing That Should Not Be“ greift H. P. Lovecrafts Cthulhu-Kult wieder auf, der schon im Instrumental des Vorgängeralbums anklang. Die bedrohlich schleppenden Riffs dieses Songs wirken beinahe Doom-Metal-artig. Insgesamt ist die musikalische Darbietung noch ausgereifter und vielfältiger als auf den vorherigen Scheiben, die Songstrukturen sind noch komplizierter, man könnte sagen: Noch progressiver.
Als Hörbeispiel wähle ich „Welcome Home (Sanitarium)“:

Spätestens mit diesem Album war Metallica angekommen, hatte einen neuen Gipfel des künstlerischen Schaffens erklommen und machte keine Anstalten, sich dort auszuruhen. Der Durchbruch war geschafft. Man ging mit Ozzy Osbourne auf Tour. Es hätte also alles gut sein können. Aber der Puppenspieler hatte etwas dagegen.

Die Tragödie

Am 27sten September 1986 starb Cliff Burton, als frühmorgens der Tourbus auf dem Weg von Stockholm nach Kopenhagen von der Straße abkam und umstürzte. 24 Jahre war er alt. Die übrigen Businsassen blieben weitgehend unverletzt, und Kirk Hammett hatte exakt das Glück, das Cliff fehlte, als er aus dem Bus geschleudert und von diesem begraben wurde. Denn die beiden hatten am Abend zuvor erst um die Schlafkojenplätze gepokert, und Cliff hatte gewonnen, so daß sie die Plätze tauschten. Diese Tragödie für Cliff und seine Familie hätte leicht das Ende der Band sein können. Wie gehen junge Männer von Anfang 20, die auf der Bühne die harten Rocker geben, mit so einem Verlust um, mit dem Tod eines Freundes, der beinahe ein Bruder ist? Keiner der Jungs war in idealen Familienverhältnissen aufgewachsen, James Hetfield hatte bereits früh den Tod der Mutter verkraften müssen. Die Band war ihr Leben nicht nur, weil sie ihnen Erfolg bescherte, sondern weil sie gewissermaßen die Familie ersetzte. Das Familienmitglied, welches nun fehlte, war menschlich sowieso und musikalisch nahezu unersetzbar. Aber gerade weil Metallica für Ulrich, Hetfield und Hammett wie eine Familie war, konnten sie das Projekt nicht aufgeben, es mußte weitergehen, ein neuer Bassist mußte her, half ja nichts. Und in der Zwischenzeit half ihnen der Alkohol über die Runden.

Also wurde die Stelle des Bassisten ausgeschrieben und ein Vorspieltermin anberaumt. Metallica war zu diesem Zeitpunkt die allseits anerkannt beste Metal-Band der Gegenwart, daher war die Liste der Interessenten nicht kurz. Aber die meisten Kandidaten waren chancenlos, entweder, weil sie halt nicht gut genug den Baß zupfen konnten, oder weil sie die geforderten Lieder nicht draufhatten, oder weil sie James und Lars einfach so nicht gefielen. Die Meßlatte war: Cliff Burton, und wer sollte da schon herankommen können? Jason Newsted war als Fan von Metallica zum Vorspielen angereist und hatte alle Lieder eingeübt und abrufbereit. Also alle Lieder, die Metallica bis dahin veröffentlicht hatten, nicht bloß die Handvoll fürs Vorspielen geforderten Songs. Er bekam den Job und mußte natürlich sofort ran, denn die Show ging ja weiter. Die erste Studioaufnahme mit Jason war dann 1987 eine EP mit Coversongs, „Garage Days Re-Revisited“, welche ich nicht besitze. Diese Lieder wurden aber später auf dem Cover-Album „Garage Inc.“ wiederveröffentlicht, dazu also zu gegebener Zeit mehr.

… And Justice for All

1988 erschien denn „…And Justice For All“, das erste Album mit Jason Newsted als neuem Bassisten, und direkt beim ersten Song, „Blackened“, ist er in den Writing Credits aufgeführt. Tja. Und damit mußte Jason sich auch erstmal zufriedengeben, denn zu behaupten, die Baßspur sei auf dem Album prominent in Szene gesetzt, wäre grob gelogen. Ohne Cliff Burton schienen die Bosse (Hetfield und Ulrich) dem Baß nur geringen Wert beizumessen. Oder der „Neue“ hatte noch nicht das Selbstbewußtsein, sich in den Vordergrund zu spielen. Dessen ungeachtet sind die neun Lieder der Platte musikalisch sehr komplex und progressiv. Nach meinem Empfinden weniger melodiös als auf dem Vorgängeralbum, werden sie getragen von Rhythmuswechseln und aggressiven Riffs. Das Hauptthema des Albums klingt im Titel schon an: „And justice for all“ sind die Schlußworte des amerikanischen Treueschwurs, den alle Kinder dortselbst täglich mit tränenden Augen und Hand auf dem Herzen vor Schulbeginn vorzutragen haben, wie es in faschistischen Staaten… Ach nee. Metallica stellen dieses Versprechen in Frage und beschäftigen sich mit der Ungerechtigkeit der Welt im Allgemeinen und der amerikanischen Gesellschaft im Besonderen.
Besonderes Augen- und Ohrenmerk gebührt zwei Liedern: „One“ ist inspiriert vom Anti-Kriegs-Roman „Johnny Got His Gun“ von Dalton Trumbo aus dem Jahre 1939 bzw. von der filmischen Umsetzung dieses Romans (1971). Geschildert wird das Schicksal eines Soldaten im ersten Weltkrieg, der durch eine Granatexplosion nahezu alle Sinne und Extremitäten verliert und somit ohne direkte Kommunikationsmöglichkeit in seinem Körper gefangen ist, was ihn zunehmend verzweifelter werden läßt. Das Lied beginnt als Metal-Ballade und endet in hartem Speed-Metal-Stakkato, welches an Maschinengewehrfeuer gemahnt. Metallica, die bis zu diesem Zeitpunkt schon Millionen Alben verkauft hatten, ohne daß ihre Lieder im Radio gespielt worden wären und gleich gar, ohne ein Musikvideo gedreht zu haben, entschlossen sich dazu, die Rechte am vorgenannten Film zu erwerben, um Szenen daraus in einem Video verarbeiten zu können. Dieses Video lief erfolgreich bei MTV, was Metallica einem breiterem Publikum bekanntgemacht haben dürfte. Für „One“ erhielt die Band 1990 einen Grammy.
Das vorletzte Lied des Albums, „To Live Is To Die“, wurde zum Teil aus Riffs zusammengesetzt, die Cliff Burton hinterlassen hatte. Es ist im wesentlichen ein Instrumentalstück, jedoch wird gegen Ende von James Hetfield ein kurzes Gedicht Cliffs vorgetragen. Analog zu Cliff Burtons Leben endet das Lied abrupt und geht in das letzte Lied „Dyers Eve“ über.
Als Höreindruck sei jedoch weder das eine noch das andere gegeben, sondern überraschenderweise „Eye Of The Beholder“, welches die Meinungsfreiheit als bedrohtes Verfassungsrecht in den Fokus rückt:

Da, wie eingangs beschrieben, Jason Newsteds Baßspiel auf diesem Album wenig zur Geltung kommt, kursieren im Netz, i.e: auf Youtube verschiedene Remixe der Platte unter dem Motto „… And Justice for Jason“, die versuchen, die Baßtöne hervorzuheben. Dessen ungeachtet wurde dieses Album in der Form, in der es veröffentlicht wurde, so erfolgreich verkauft, wie keine Metallica-Platte zuvor.

Metallica – „Das schwarze Album“

Mit „…And Justice for All“ sahen sich Metallica in einer Sackgasse: Zum einen waren die Songs inzwischen so kompliziert und lang geworden, daß in dieser Richtung kaum noch eine Steigerung möglich schien. Zum andern war auch die klangliche Qualität der bisherigen Alben nicht zur allgemeinen Zufriedenheit, sondern wurde als zu trocken und steril empfunden. Beides sollte sich ändern, deshalb sah sich die Band 1990 nach einem neuen Produzenten um, den sie in Bob Rock fand, der bereits Alben von Bon Jovi und Mötley Crüe produziert hatte. Rock verordnete den Jungs eine neue Arbeitsweise im Studio, insofern sie die Lieder nicht mehr Instrument für Instrument aufnahmen, sondern als Ensemble die Songs mehrfach spielten. Außerdem führte er auch neue Aufnahmetechniken ein, welche den Klang insgesamt satter machten. Die Baßspur ist auch drauf. Wie geplant wurden die Songs selbst kürzer und prägnanter, nicht mehr um eine Aneinanderreihung mehrerer Riffs komponiert, sondern eher einem Hauptmotiv folgend. „Holier Than Thou“, „Don’t Tread on Me“ und „The Struggle Within“ sind mit unter vier Minuten so kurz, wie kein Metallica-Song seit dem Debüt-Album, wo „Motorbreath“ mit 3:07 min. den Kürzerekord hält. Kein Lied auf dem schwarzen Album erreicht die 7-Minuten-Marke, und es gibt kein Instrumentalstück.
Während die Vorgängeralben jeweils unter einem Thema standen, das sich in allen Liedern der Platte wiederfand und zum Teil recht politisch war, beschäftigen sich die Lieder des schwarzen Albums eher mit persönlich Befindlichkeiten, ohne einem Gesamtthema unterworfen zu sein. Konsequenterweise gibt es daher kein Titellied und eben auch keinen Album-Titel, sondern die 12 Songs repräsentieren „Metallica“. Allenfalls ist ein Albumtitel bildlich durch die kaum vom schwarzen Hintergrund des Covers abgehobene Klapperschlange dargestellt, zu welcher dann „Don’t Tread on Me“ als Titelstück gehört. Beides, Schlange und Spruch, fanden sich auf einer revolutionären Flagge („Gadsden flag“) in der Frühzeit der Vereinigten Staaten während des Unabhängigkeitskampfes mit Großbritannien.
Von den zwölf Liedern des Albums wähle ich ausgerechnet das längste, „My Friend of Misery“, als Anspieltipp:

Mit dem schwarzen Album gelang Metallica 1991 sozusagen der Schritt in die Öffentlichkeit. Fünf Singles wurden ausgekoppelt, zu jedem ein Video veröffentlicht, und einige der Songs liefen tatsächlich im Radio. Da die Band somit aus dem Untergrund auftauchte, in dem sich die Metal-Community gerne wähnt, wurde ihr von vielen Headbangern und Kuttenträgern Kommerzialisierung und Verrat vorgeworfen. Und Thrash-Metal ist das ja auch kaum noch! Und tatsächlich: Typen wie ich, der ich mit der Metal-Kultur als solcher nichts am Hut habe, fanden durch dieses Album Zugang zur Musik von Metallica und Metal insgesamt. Wiewohl ich, wie eingangs beschrieben, schon recht früh über die Buslautsprecher bei Klassenfahrten mit derlei Musik beschallt wurde, bedurfte es schließlich doch des schwarzen Albums, um mich gänzlich zu überzeugen. Natürlich war es ausgerechnet das unmetallischste Lied „Nothing Else Matters“ (mit Streichereinsatz!), welches ich als Video in der nachmittäglichen WDR-Sendung „Hit Clip“ mit Thomas Germann sah, das mich zum Kauf des Albums bewog. Es war eine meiner ersten CDs überhaupt, nach „Nevermind“ und „Automatic for the People“. Die „Master of Puppets“ folgte alsbald, aber die Alben „Ride the Lightning“ und „…And Justice for All“ kaufte ich erst Jahre später, „Kill ’em All“ sogar erst verhältnismäßig kürzlich.
Für Metallica ist „Metallica“ der größte kommerzielle Erfolg, das Album verkaufte sich fast 16 Millionen mal allein in den USA, erreichte die vordersten Chart-Plätze in allen relevanten Ländern. Die Kritiker haben also recht. Was erlaube Metallica! Wenn das darf!

Zwischenfazit.

Zu diesem Zeitpunkt, Anfang der 90er Jahre, war Metallica endgültig die größte Rock-Band der Welt, und das nicht nur gemessen an den Plattenverkäufen und abgesetzten Konzerttickets. Viele nachfolgende Bands geben Metallica als Vorbild an, der musikalische Einfluß ist also immens. Trotzdem, oder vielleicht auch genau deswegen, sah sich Metallica fast von Beginn an Kritik ausgesetzt. Wie beschrieben war einigen bereits das zweite Album nicht mehr thrashig genug. Für andere/dieselben begann der Abstieg Metallicas, als sie Dave Mustaine rauswarfen, und sie werfen der Band vor, Daves Musik „gestohlen“ zu haben, da sie noch Input von ihm auf ihren ersten beiden Alben verwendeten. Selbstverständlich sei Dave auch ein besserer Gitarrist als sein Nachfolger Kirk Hammett. Für andere ist alles, was nach Cliff Burton kam, verzichtbar. Einige akzeptieren noch „…And Justice for All“ als soliden Thrash-Metal, aber mit dem schwarzen Album sei Metallica im Grunde eine Pop-Band ohne Metal-Seele geworden. Mir ist das alles egal.
In Vorbereitung auf diesen Artikel (und zwischendurch) habe ich stundenlang Dokumentationen über und Interviews mit Metallica auf Youtube gesehen, gepriesen sei dieses unschätzbare Kulturarchiv! Jedenfalls wurde mir eines deutlich: Als Lars und James Metallica gründeten, taten sie dies nicht, weil sie Rockstars werden wollten, wiewohl sie sich dagegen natürlich nicht wehrten. Vielmehr gründeten sie die Band, um die Musik zu machen, von der sie fühlten, daß sie in ihnen war. Darum genügte es ihnen nicht, schlicht in einer Garage zu jammen und die Songs ihrer Vorbilder zu spielen, wie 1000 andere junge Combos, die nie über das Stadium einer Schülerband hinauskommen und der Musik höchstens als Hobby frönen. Als Metallica ins Studio ging, um ihr erstes Album aufzunehmen, hatten sie neun konzerterprobte, selbstgeschriebene Songs im Gepäck, Cliff steuerte sein Bass-Solo bei, und fertig war das Album. Schon während der Tour zum ersten Album schrieben sie Songs fürs nächste. Die Musik ist es, was Metallica antreibt. Wenn etwas zwischen sie und die Musik kommt, dann scheuen sie auch nicht vor einem radikalen Schnitt zurück, wie Dave Mustain brutal erfahren mußte. Und wie sie auszogen, Heavy Metal zu erneuern, den sie liebten, hielten sie sich auffällig fern von den meisten gängigen Klischees, von Totenköpfen, Ketten, Schwertern und Dämonen, und sie verordneten sich kein Bühnenoutfit in Leder und Nieten. Und während andere Bands sehr darum bemüht sind, Bühnencharaktere zu schaffen und ein spezifisches Image von sich selbst zu kultivieren, hatte Metallica das nie nötig. Klar, eine headbangfähige Haartracht war Pflicht, und Alkoholexzesse blieben nicht aus. Aber bei Presseterminen und in Interviews gaben sich James, Lars und Kirk (und der jeweilige Bassist) erfrischend freundlich, offen, wenn auch bisweilen etwas linkisch und zurückhaltend, keineswegs schnodderig arrogant, wie man es von Rockstars in Kostümierung und Sonnenbrille oft zu sehen bekommt, ohne Attitüden. Als Dampfventil für ihre Aggressionen dienten die Bühnenperformance und die Musik, kein Grund also, außerhalb der Show noch den Rambo zu geben. Und schon früh hatten die Jungs das Selbstbewußtsein, dem eigenen Anspruch an ihre Musik absoluten Vorrang zu geben gegenüber den Erwartungen der Fans; wer sich nicht mit der Band gemeinsam weiterentwickeln wollte, hatte, sorry, Pech gehabt.

Mit dem schwarzen Album im Repertoire ging Metallica ausschweifend auf Tour. Bis zur nächsten Albumveröffentlichung sollte es fünf Jahre dauern.

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„Keine Juristen. Keine Betriebswirte. Hier geht’s um Fakten.“

17. Februar 2016


Helge Schneider ist der beste Mensch der Welt.

13. September 2014

Is’ so. Kann man sich zum Beispiel hier von überzeugen.


Fiat lux!

2. Februar 2013


Seit geraumer Zeit lag mein Schreibtisch im Dunkeln. Die Glühbirne war durchgebrannt, und dank hellsichtiger EU-Politiker, über deren demokratische Legitimationsgrundlage noch Uneinigkeit besteht, ist Ersatz ja nicht mehr legal zu beschaffen. Überdies hatte ein Test ergeben, daß diese spezielle Lampe, oder Leuchte, wie der Fachmann wohl sagt, nicht in der Lage ist, so eine Energiesparlampe, die wiederum nicht „Leuchte“ heißen darf, obschon sie es ist, die leuchtet, ..äh.. aufzunehmen. Ein untragbarer Zustand, denn Witterung und Jahreszeit lassen natürliches Licht als Ersatz für die elektrische Beleuchtung zumeist ausfallen.

Wäre ich jetzt albern, würde ich schwafelnderdings behaupten, zum Glück gebe es das Set 6671 aus dem Jahre 1989, den Reparaturwagen mit Scherenlift, und der Mechaniker habe meine Lampe oder Leuchte instand gesetzt. Hat er natürlich nicht, sondern ich fand schließlich doch noch eine Ersatzbirne, die letzte ihrer Art in meinem Haushalt. Das Set 6671 ist aber dennoch ein Glücksfall, denn es ist klasse. Näheres möge in Farnheims schöner Rezension nachgelesen werden. Hinzufügen möchte ich lediglich noch meine Bewunderung der Legometrie, die es erlaubt, die gegenläufig als Schere angeordneten Scharniere auch seitwärts auszurichten. Das sieht zwar ein bißchen komisch aus, aber es paßt. Und das wäre die Hauptsache, wäre mir nicht wichtiger, daß meine Leuchte wieder lampt.


Hoch zu Roß.

28. Mai 2012

In dem Bestreben, auf www.ℜittersets.de so viele Informationen wie möglich zu bieten, habe ich nun eine Übersicht über alle Zossen, Gäule, Rösser und Pferde angelegt, die so bei Lego durch die Lande äpfeln. Welche Schabracke gehört zu welchem Set? Welche Kombinationen von Fell- und Sattelfarbe gibt es? Und wo kommt eigentlich dieses kleine Fohlen her? Im Stall auf www.ℜittersets.de kann man sich’s ansehen. Es sind natürlich jeweils die zugeordneten Sets angegeben, auch wenn es sich mal nicht um ein Ritterset handeln sollte.

Leider fehlen noch die neuen Pferde mit beweglichen Hinterläufen, wie sie seit diesem Jahr in den Herr-der-Ringe-Sets enthalten sind, denn davon besitze ich noch keins. Aber derlei wird sicher bei Gelegenheit nachgetragen. Überhaupt muß ich mich noch für oder gegen eine Einbindung dieser Sets entscheiden. Bisher ließ ich jegliche Lizenz-Sets außen vor, weil diese ja kein originäres Lego-Thema darstellen. Na, mal sehen.


Ironie und -kese.

19. Mai 2012


Sascha Lobo, das ist der Typ aus der Vodafone-Werbung. Daher würde meine Mama das Gesicht kennen, bzw. den markanten Haarschopf, ohne natürlich einen Namen zuordnen zu können oder einen Gedanken daran zu verschwenden, daß der auch außerhalb dieser Werbung gekannt wird. Wird er aber. Dank seines Irokesenschnitts und vermutlich auch aufgrund tatsächlicher Qualifikationen ist er ein gefragter Mann, wann immer es etwas zum Thema Internet zu sagen gilt in Vorträgen, Interviews und Kolumnen, zum Beispiel auf Spiegel-Online. Der Mann sendet auf allen Kanälen, und die gute Übung würde es verlangen, diese nun alle hier zu verlinken. (Seine Homepage, seine Facebook-Seite, seinen Twitter-Account, seinen Flickr-Account, seinen Xing-Account, seinen ..äh.. was gibt es denn noch so; ich bin da gar nicht so firm. Im Vodafone-Spot wird schon eine Menge verraten: klick.)

Wie ich neulich erfuhr, sind auch Sascha Lobos (Die Wölfe. Nee, Genitiv, falls das jemandem noch was sagt.) Auftritte auf der Internet-Konferenz re:publica berüchtigt. Ich sah mir den Mitschnitt in zwei Teilen seiner diesjährigen Rede an, und ja, es war amüsant. Er bricht den Stab über einigermaßen viel sinnlosen Quatsch, der unter der Maßgabe, the next big Nothing zu werden, ins Internet gepumpt wird (Google+, haha!), und plädiert dafür, sich als aktiver Nutzer, Teilnehmer, Bereicherer des Internets nicht abhängig zu machen von Facebook. Eigenregie tue not. Bloggen sollen wir! Tu ich doch! Und das hat er jetzt davon.

Sein ihm nicht bewußt werdendes Pech ist, daß mir heute (Heute ist, bevor ich den Tag durch Zubettgehen beende.) noch mal meine gesammelten Sammelminifgs unter die Finger kamen und der Iro des Punkrockers lose in der Tüte lag. Es stimmt mich durchaus bedenklich, daß mein erster Gedanke angesichts des aus dem Kontext gerissenen Stücks Plastik war: Sascha Lobo. Werbung wirkt. Zwar nicht unbedingt die Vodafone-Werbung, die ich dank TV-Abstinenz kaum mal sah, aber Sascha Lobos Eigenvermarktung in jeglicher anderer Form. Im Unterschied zu meiner Mama ist er mir ein Begriff. Na, herzlichen Glückwunsch!