Fiskalschweizer.

13. März 2015

(Nur, um das Wort mal gebraucht zu haben.)

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Sinnlose Fußballphrasen: Das reicht nicht für einen Elfmeter.

11. März 2015

In annähernd jedem Fußballspiel kann der Zuschauer mindestens einmal beobachten, wie ein Stürmer im gegnerischen Strafraum auf dem Boden sitzt, sich hilflos zum Schiedsrichter umschaut und hofft, daß dieser auf den Elfmeterpunkt zeigt, was dieser jedoch nicht tut, so daß der Stürmer frustriert mit der Faust auf den Rasen trommeln muß.

Bisweilen ging dieser Szene durchaus eine sogenannte Schwalbe voraus, also das Vortäuschen einer Regelwidrigkeit zum Zwecke des Elfmeterschindens. In diesem Fall muß der Stürmer damit rechnen, wegen erwiesener Unsportlichkeit die gelbe Karte gezeigt zu bekommen. Bisweilen ist der Stürmer zuvor ohne betrügerische Absicht über seine eigenen Füße gestolpert. Nicht selten jedoch wurde der Stürmer durch rüdere Mittel seitens eines Abwehrspielers am Torschuß gehindert. Ein sanftes Zupfen am Trikot, ein unmerkliches Touchieren des Standbeins, ein harmloser Rempler – was es da so alles gibt. Da sind sich die Kommentatoren im Fernsehen in der Regel einig: „Das reicht nicht für einen Elfmeter.“ Vordergründig gerechtfertigterweise pfeift der Schiedsrichter so eine Szene also nicht ab, also vor allem nicht Elfmeter.

Wirklich? Ist das so eindeutig gerechtfertigt? Drehen wir die Szene einmal um: Ein Stürmer versucht zum Torschuß und -erfolg zu kommen. Im Zuge dessen zupft er einen Abwehrspieler sanft am Trikot, touchiert unmerklich dessen Standbein, rempelt ihn ganz harmlos. Wir dürfen uns sicher sein, daß ihm dergleichen als Stürmerfoul ausgelegt und die Szene vom Schiedsrichter abgepfiffen wird, mit anschließendem Freistoß für die verteidigende Mannschaft. Ja wie?

Zur Ehrenrettung der Kommentatoren soll nicht unerwähnt bleiben, daß in letzterem Fall die Entscheidung des Schiedsrichters durchaus kritisch hinterfragt wird. („Der Schiedsrichter will hier ein Foulspiel des Angreifers gesehen haben, welches aber auch bei Ansicht der Zeitlupenwiederholung nicht zu erkennen ist.“) Dennoch bleibt die Sinnlosigkeit der Phrase „Das reicht nicht für einen Elfmeter“, zumal die hiermit verknüpfte Schiedsrichterentscheidung, nämlich nicht auf Strafstoß zu entscheiden, eben mit zunehmender Kritiklosigkeit hingenommen wird. Ein Schubser reicht halt nicht. Weil: Elfmeter! Kann man doch nicht machen! Das ist doch eine so harte Bestrafung! (Siehe hierzu auch meine Einlassung zur „sinnlosen Doppelbestrafung“.) Wenn jedoch der Stürmer unter Zuhilfenahme eines nicht elfmeterwürdigen Schubsers ein Tor erzielt, reicht das hin, diesem Tor die Anerkennung zu verweigern. Wenn da mal nicht mit zweierlei Maß gemessen wird! Abwehrspieler dürfen Fouls begehen, die Stürmer nicht begehen dürfen.

Was wäre wenn? Wenn zum Beispiel die Schubser der Abwehrspieler häufiger vom Schiedsrichter als elfmeterwürdig bewertet würden, würden also entsprechend häufiger Elfmeter verhängt. Nun ist ein Elfmeter, also ein direkter Freistoß unter verschärften Bedingungen, zwar keine Torgarantie, aber die Wahrscheinlichkeit eines Torerfolges ist bei einem Elfmeter doch sehr hoch. Eine konsequente Situationsbewertung durch den Schiedsrichter vorausgesetzt, würden also auf beiden Seiten mehr Tore durch Elfmeter erzielt, vielleicht mehr als Tore aus dem Spiel heraus. Hm, klingt nicht attraktiv, zumal davon auszugehen ist, daß noch häufiger die Angreifer bei der geringsten Feindberührung ihre Luschigkeit zur Schau stellen und sich am Boden wälzen würden, um eben einen Elfmeter zugesprochen zu bekommen.
Oder was wäre, wenn die Schubser der Stürmer ähnlich lasch bewertet würden wie die Schubser der Abwehrspieler? Dann würden auf beiden Seiten mehr Tore aus dem Spiel heraus fallen, freilich mit dem Makel behaftet, daß die Stürmer sich den Weg zum Tor freigerempelt haben. Aber wenn die Abwehrspieler ungestraft rempeln dürfen, warum sollten die Stürmer dies nicht dürfen? Im Zweifelsfall bevorzuge ich also diese Variante konsequenter Regelauslegung. Denn angeblich seien doch Tore die Würze des Fußballspiels, und nicht das Verhindern von Toren.

Zusammenfassung: Was phrasengemäß nicht für einen Elfmeter reicht, sollte in der Tat nicht für einen Elfmeter reichen. Gleichermaßen sollte es aber auch nicht zum Abpfeifen einer Torchance reichen.