6062 — Der grüne Schild

25. November 2009

Diesen Schild gibt es nämlich nicht. Man könnte sich fragen, weshalb nicht, denn die Kleine Burg 6073 wird ja von grünweißen Wimpeln geziert. Also wären Schilde mit grünem Rand gar nicht so abwegig gewesen, sie waren aber blau. Ange- sichts der sonstigen Kolorierung der Adlerritter muß man diese Farbwahl natürlich begrüßen. Und ob der Mensch, der mit der Zeichnung der Bauan- leitung von Set 6062, Belagerungsturm mit Burg- mauer, betraut war, überhaupt an die grünen Wimpel der kleinen Burg gedacht hatte, muß offen bleiben; man darf es aber sogar bezweifeln.

Denn auf dem Turm der Wehrmauer weht inzwischen eine blaue Fahne, wie auch beim zwischenzeitlich erbauten Ritterschloß 6074 von grünen Fahnen nichts mehr zu sehen ist. Der grüne Rand des Schilds auf der Bauanleitung ist also wahrscheinlich ein simpler Fehler, der bei den Helligkeitswerten von grün und blau verständlich und verzeihlich ist. Als solchen faßte ich ihn jedenfalls damals auf, als ich im Jahre 1987 das Set geschenkt bekam. Daß es diese Bauanleitung auch mit abgebildetem blauen Schild gibt, erfuhr ich erst, als ich etwa 13 Jahre später versuchte, das Set noch einmal mit Originalkarton zu ersteigern, was mir nach einigen vergeblichen Versuchen schließlich gelang. So sah das dann aus (Bilder = Links):

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Naja, gut, nicht sehr spektakulär. Die Farbe des Schilds wurde halt berichtigt, und das Format ist etwas anders. Die erste, grüne, Version ist 21 cm hoch, während die zweite, blaue, Version bloß noch 20,2 cm mißt. Das fiel mir auch grad erst auf, während ich das hier schrieb. (Ganz so, wie oben abgebildet, sah es übrigens nicht aus, denn meine eigene BA von damals ist gelocht. Schluchz.)

Doch dann fiel mir durch Zufall ein weiteres Exemplar des Sets in die Hände, und Erstaunliches trat zutage. Denn der Karton enthielt nebst der ungelochten Bauanleitung mit grünberändertem Schild auch dieses Beilageblatt (Vorder- und Rückseite, Bilder = Links, wie immer):

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Es hatte also neben dem grünen Schild noch weitere Fehler in der BA gegeben. Das war mir als Kind gar nicht aufgefallen, und den Korrekturzettel hatte ich damals nicht. Brauchte ich ja auch nicht. Jedoch lohnt es sich, nun die beiden Bauanleitungen doch mal genauer zu vergleichen. Bei der Printnummer geht es schon los.

Die grüne Anleitung trägt die Nummer 120583, die blaue ist 120649. Das Beilageblatt hat die Nummer 120648, was den Schluß zuläßt, daß Korrekturzettel und berichtigte Bauanleitung etwa gleichzeitig gedruckt wurden. (Die Nachfolgenummer der grünen Anleitung, 120584, gehört übrigens Robin Hoods Geheimversteck 6066.) Wenn man nun wüßte, welches Druckwerk aus dem Hause Lego die Nummer 120650 trägt, ließe es sich ungefähr eingrenzen, wann ihnen der Fehler aufgefallen ist.

(Ich durchwühle also nun meine Bauanleitungen auf der Suche nach Nummern, die in die Nähe von 120650 kommen. Aha, nach meinen Recherchen fiel es ihnen auf, ehe sie die Bauanleitung für den Space-Rider 6876 mit der Nummer 120655 druckten, ein 1988er Set. Näher komme ich nicht ran, da ich die übrigen Raumfahrtsets des Jahrgangs nicht besitze. Ist ja auch egal.)

Während also eine frische Bauanleitung gedruckt wurde, wurden entweder den bereits produzierten und noch auf die Verpackung wartenden Sets weiterhin die fehlerhaften Anleitungen nebst Korrekturblatt beigelegt. Oder aber das Korrekturblatt wurde all jenen zugeschickt, die sich beim stets kulanten Lego-Service über die Ungereimtheiten der Bauanleitung beklagten. Die Unterschiede zur überarbeiteten Fassung sind wie folgt (Bilder, Links, wie immer):

In Schritt 1 wurde eine Draufsicht der Plattenanordnung für nötig befunden, und in Schritt 3 hatte man zuvor ohne Hilfe bemerken müssen, daß auch rechts ein Pfeiler neu hinzugekommen war. Weiter:

Ich erinnere mich noch, wie ich am Ende in der Tat vergeblich zwei 1×1-Steine suchte, die ich in Schritt 12 fälschlich anstelle der 2×1-Dachsteine eingebaut hatte. Insofern hatte die Überarbeitung des Bauschritts also ihre Berechtigung, auch wenn ich schließlich selbst auf den Trichter kam. Das war aber jetzt schon übernächstens. Nächstens wäre dies gewesen:

Der Hinweis aus dem Beipackzettel, daß das Gebilde in Schritt 4 nicht unten angesägt zu werden braucht, gilt wohl beispielhaft auch für die Schritte 5 bis 9, die abzubilden ich mir hier ebenfalls schenke. Jedenfalls fanden diese sechs Bauschritte in der ersten Version selbdritt auf zwei Seiten Platz, während in der Neufassung nur noch zwei Schritte auf eine Seite passen, also eine Seite mehr gebraucht wird. Dies führt dazu, daß das Übersichtsbild, das am Schluß des Heftchens Belagerungsmaschine und Wehrmauer zeigt, in der Neufassung entfallen muß. Die Urfassung zeigte demnach im Querformat dies:

Komma, während die neue Anleitung bereits mit Schritt 14 – „Hissen der Flagge und Bemannung der Zinne!“ – endet:

Fazit:
Entdeckungen wie diese machen das Sammeln reiz- und den Erwerb mehrerer Exemplare ein und desselben Sets sinnvoll.

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Buch der Woche: Open – Das Selbstporträt von Andre Agassi

19. November 2009

Vorweg gesagt: Nicht immer hält ein Buch, was das Titelbild verspricht. Wer ein Buch kaufte, weil es so hübsch aussah auf dem Ladentisch, der wird nicht selten enttäuscht. Warum sollten im Lego-Universum andere Maßstäbe gelten?

(Hier ist es angebracht, eine Klammer zu öffnen. Denn selbst- verständlich gelten im Lego-Universum andere Maßstäbe. Die schiere Geometrie von Lego-Stein und Lego-Figur macht es nötig, den Maßstabsbegriff zu überdenken. Eine Minifig ist ca. 4,25 cm hoch aber 2,25 cm breit. Auf die wirkliche Welt übertragen wäre somit ein Mensch von 178 cm Körpergröße ungefähr 94,24 cm breit. In Ausnahmefällen mag das zutreffen, aber in der Regel ist ein Mensch doch deutlich höher als er breit ist. Außer an Karneval. Doch wie dem auch sei. Die hier vorgestellten Lego-Bücher reichen einer Minifig bis unter die Achsel, was im wahren Leben kein häufig anzutreffendes Verhältnis von Bücher- zu Körpergröße ist. Man sieht also: Im Lego-Universum gelten andere Maßstäbe. Klammer zu.)

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Das heutige Buch erweckt auf den ersten, ja sogar noch auf den zweiten Blick den Eindruck, als handele es sich um ein Tagebuch. Als sei es von einem jungen Mädchen, das gerade die ersten süßen Erfahrungen mit der Liebe macht, mit einem zarten Schmetterling verziert worden, als Ausdruck dieses unbeschreiblichen Gefühls im Bauch, das aber doch mit noch unsicheren Worten in ebensolcher Schrift in diesem Tagebuche festgehalten zu werden sucht.
Doch abgesehen von der Schrift erfüllt der Inhalt des Buches die Erwartung nicht.

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Der Leser nimmt erstaunt zur Kenntnis, daß es sich in der Tat um die Autobiographie von Andre Agassi handelt, dem Ausnahmesportler aus den USA, der alles gewann, was es zu gewinnen gibt, sogar zwischenzeitlich die Liebe von Brooke Shields. Und der doch im Herzen unglücklich war, denn er haßte seinen Sport, so schreibt er. Zum Tennisspielen habe ihn sein Vater gezwungen, ihm den Siegeswillen im Tennisinternat von Nick Bollettieri einbleuen lassen. Die Turniersiege, 60 an der Zahl, alle vier Grand-Slam-Turniere darunter: Unter Schmerzen errungen, körperlichen wie seelischen. Das Buch will uns glauben machen, daß er viel lieber Badminton gespielt hätte. Nach dem Ende seiner erfolgreichen Karriere vermißte er den Tennissport nicht; denn die Liebe ereilte ihn erneut. Ausgerechnet Steffi Graf, sein weibliches Pendant im Tennis-Zirkus, zumindest was die Erfolge angeht, trat in sein Leben. Mit ihr kam das Glück, nicht zuletzt in Person zweier gemeinsamer Kinder. Wenn das kein Grund ist, sein Tagebuch mit einer Farfalla-Nudel zu schmücken!

Wie anders die Lego-Welt funktioniert, zeigt sich auch am Scala-Set 3242. Darin nimmt nämlich die Protagonistin das Buch zum Schmökern mit in die Wanne. Doch im Set gibt es gar keine Wanne!


Buch der Woche: Kabale und Liebe

10. November 2009

Klick mich nicht, ich bin kein Link! Heute vor aufreizend vielen Jahren wurde Friedrich Schiller geboren. Genau, das ist der andere. Goethe war älter, lebte auch länger und hat insgesamt mehr Renommé. Goethe pwned Schiller, um es mal in der Sprache unserer Zeit zu sagen. Goethedenkmäler schillern durch die Bäume. Goethe war Namensgeber eines weltumspannenden Instituts, Schiller lediglich einer Locke. Schillers „Handschuh“ geht nicht über Goethes „Faust“. Aber Schluß mit Goethe, wir wollen Schiller ja hier nicht bashen. Der war schon auch gut und natürlich auch bedeutend. Was wäre die Schweiz ohne Schiller? Was wüßten wir über den Dreißigjährigen Krieg ohne den „Wallenstein“-Zyklus? Wie hieße die Universität in Jena? Und was wären Kabale und Liebe ohne den Stürmer und Dränger aus Marbach? Und was ist überhaupt Kabale?

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Ur wurde dieses bürgerliche Trauerspiel 1784 aufgeführt. Es geht um Liebe, Tod und fiese Intriganten. Heute läuft so etwas täglich am frühen Nachmittag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, weshalb es eigentlich überflüssig ist, den Inhalt in Einzelheiten darzustellen. Kurz gesagt lieben sich welche, die aber nicht dürfen, von anderen verehrt werden, die wiederum aber auch nicht dürfen, weil dritte und vierte Parteien was dagegen haben, und am Ende sind alle tot. In Frage gestellt werden die dubiosen Gründe für dieses alberne Nichtgedürfe, welches auf den (zu Schillers Zeiten offenbar virulenten) Konflikt zwischen Standesbeschränkten, sowie auf verschiedene Inter- pretationen von Moral und Sittlichkeit zurückgeführt wird. Die Bürgerlichen sind moralgefestigt aber machtlos, während der Adel zu mächtig ist, als daß er sich um irgendwelche Moral scheren müßte. In diesem Spannungsfeld (ein Wort, das in diesem Zusammenhang nicht fehlen darf) werden die Liebenden über zumeist fünf Akte hinweg genüßlich zerrissen.

Bevor es zum Sport wurde, Literatur zu verfilmen, wurden erfolgreiche Dramen und Romane veropert. So geschehen auch mit „Kabale und Liebe“, und zwar durch Giuseppe Verdi himself. Zu diesem Zwecke unterbrach ein gewisser Salvatore Cammarano sein Fußballtraining und verfaßte ein Libretto unter dem Titel „Luisa Miller“, der Hauptfigur. (Ein Libretto ist das Drehbuch einer Oper, wenn man so will. Und das will ich.) Auch Lego trug diesem Umstand rechnung und nahm das Libretto in seine Bibliothek auf:

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Man sieht schon, der Inhalt ist ähnlich, lediglich wurden aus dramaturgischen Gründen einige Teile ein wenig umgestellt.

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Die Druckfassung des Dramas bereichert die Hausbibliothek der Villa 3290, während das wohlerzogene Kind, von der Mailänder Scala träumend, auf dem Gabentisch des Sets 3108 das Libretto vorfindet.

250 Jahre übrigens. Glückwunsch, Fritz!


Man muß auch Mut zur Lücke haben.

5. November 2009


Neulich wollte ich, unbeschadet meiner politischen Ansichten, rechts abbiegen. Zu diesem Unterfangen mußte ich allerdings erst einmal links in die Straße einfahren, von der aus ich schließlich rechts abbiegen wollte, denn ich war an der Tankstelle. Schön blöd, zur Hauptstoßzeit. Daran lag es auch, daß die Straße, in die ich einzufahren gedachte, stark befahren war, vor allem die Rechtsabbiegerspur. Bezie- hungsweise stark bestanden, denn vorne war die Ampel auf „rot“. Aber ich bin ja ein kleiner Pfiffikus; ehe ich Ewigkeiten in der Ausfahrt der Tankstelle wartete, daß sich mir eine Lücke böte, um unmittelbar auf die Abbiegespur einzufahren, fuhr ich einfach auf die gänzlich vernachlässigte Geradeausspur, um überhaupt erst mal im Geschäft zu sein.

Ich fuhr also an den Abbiegewilligen vorbei bis zu einem Mercedes 200 – so ein mittelalter aus den 90ern –, der vor sich eine extrem große Lücke gelassen hatte. Ich blinkte und stieß in diese Lücke. Das war wirklich ein Prachtexemplar von einer Lücke, groß wie ein Haushaltsloch, nichts, wo man mühevoll hätte rückwärts einparken müssen; sondern ich konnte bequem einscheren, stand gerade und hatte ausreichend Platz zum Vordermann. Zum Hintermann sowieso, wie sich jeder denken kann, der schon mal Auto gefahren ist.

Dennoch hupt es hinter mir. Und im Spiegel sehe ich, wie sich der Fahrer des Mercedes im Gestikulieren gefällt. Ich denke: „Na, was hat er denn?“ und wende mich der vorne auf „rot“ stehenden Ampel zu, des grünen Lichts gewärtig. Doch dann bemerke ich aus dem Augenwinkel im Außenspiegel, daß der Mercedesfahrer hinter mir sich gar bemüßigt gefühlt hat, auszusteigen, und sich meinem Gölfchen nähert. Ich bin gespannt, was jetzt kommt, und öffne die Tür.

Der Mann, kaum älter als ich, vielleicht sogar jünger, einen blauen Pollunder tragend, bemüht sich nicht um eine höfliche Begrüßung, sondern poltert gleich los, einigermaßen wörtlich:
„Was fällt Ihnen ein! Sehen Sie nicht, daß ich hier stehe? Wo haben Sie denn Ihren Führerschein gemacht, junger Mann?“

Ich habe weder ein schlechtes Gewissen noch schlechte Laune, also frage ich freundlich zurück:
„Wo ist das Problem? Da war eine Lücke, es war genug Platz, also…?“

Mein ..äh.. Gegner.. brummelt, indem er sich schon wieder abwendet, denn die Ampel kann ja jeden Augenblick auf „grün“ springen:
„Da war ne Lücke… Es war genug Platz… Spinner.“

Dann wird die Ampel tatsächlich grün, alle biegen vorschriftsmäßig rechts ab. Weil ich ahne, was jetzt kommen wird, halte ich vorsorglich Abstand zu meinem Vordermann. Und tatsächlich: Ich höre den Mercedes kräftig Gas geben, sehe ihn mich überholen und knapp vor mir auf die rechts abzweigende Ausfahrt zur Bundesstraße kreuzen. Na gut, hat er’s mir gezeigt.

Ich weiß bloß nicht, was eigentlich. Wahrscheinlich nur, daß er einen Scheißtag hatte.


375 – Die bunte Burg

3. November 2009


Jaja, die gelbe Burg, so heißt das. Eigentlich sogar nur „Ritterburg“, wenn man den 1978er Katalogtext zugrunde legt. „Ritterburg mit Fallbrücke, Wachttürmen und Schießscharten“, was immer da auch geschossen werden sollte. Aber bunt getrieben haben sie’s, die Damen und Herren von Lego. Kunigunde, Edle von Lego; aber ich schweife ab. Von der Helmzier des Burgherren möchte ich hier handeln. Wie das obige Bild zeigt, ist diese seiner Tunika angemessen blau. Die Visiere aller Ritter der gelben Burg sind ja farblich auf die Kleidung ihrer Träger abgestimmt. Obwohl… Moment. Blau? Ich vergewissere mich:

Klick mich, ich bin ein Link! Jawohl, wie ein Klick auf das Bild enthüllt, propagiert der Katalog von 1978 energisch das blaue Visier des blauen Ritters. Zwie- fach, mit Belegkindern im Back- & Play- ground. Kein Zweifel. Blau.

Klick mich, ich bin ein Link! Der Sache gehe ich nach, am liebsten chronologisch. Und siehe da, 1979 ist die Sache mit dem blauen Visier schon nicht mehr ganz so eindeutig. Während die eigentliche Abbildung des Sets an dem blauen Visier festhält, zeigt die mit den 1979 verfügbaren Mitteln der Bildbearbeitung fabrizierte Graphik denn doch ein graues Visier. Dieses graue Visier ist natürlich, Eingeweihte wissen es, der Standard. Die blaue Variante hingegen kann man nicht einmal selten nennen. Man muß es nonexistent nennen. Sollte es jemals in freier Wildbahn, außerhalb der Rüstungsschmiede in Billund aufgetaucht sein – ich bekam’s nicht mit.

Jedoch, ungefähr um das Jahr 2002 tauchten bei BrickLink plötzlich blaue Ritterhelmvisiere auf. Freilich nicht die klassische Form der 70er Jahre, sondern die moderne Schnabelform von 1992. Blöderweise waren mir $19 pro Stück damals zu teuer. Aber aufgrund dieses blauen Visiers, welches offensichtlich hergestellt worden war, hätte ich Haus und Hof darauf verwettet, daß geplant war, die gelbe Burg als Legendenset neu aufzulegen. Ein solches Legendenset hätte aus rein praktischen Gründen natürlich moderne Helme mit entsprechenden Visieren haben müssen, da die alten Formen nicht mehr im Bestand waren. Meiner Theorie nach haben die Entscheider sich alte Kataloge angesehen, das blaue Visier bemerkt, und gedacht, sie müßten jetzt blaue Visiere produzieren. Aber pst! Das ist nur meine Einbildung.*
*) Dieses Wort schlug mir der Duden Nr. 8, „Die sinn- und sachverwandten Wörter“, als Alternative zu „Theorie“ vor. Wahrscheinlich nicht ohne Grund. Denn eine Neuauflage der gelben Burg gab es nicht.

Klick mich, ich bin ein Link Jedenfalls. Mit dem blauen Visier war es dann vorbei. Im Jahre 1980 verwöhnt uns der Katalog mit dem vorstehenden herrlichen Bild, auf dem sich das graue Visier etabliert zu haben scheint. Hier ist es unbedingt lohnenswert, sich das Bild in voller Größe anzuschauen.

Klick mich, ich bin ein Link Ich sagte, das graue Visier scheint sich etabliert zu haben. Tatsächlich überrascht uns der Legoland-Katalog von 1981 mit einer neuen Variante. Nun ist das Visier des blauen Ritters schwarz. Doch damit nicht genug, denn im selben Katalog finden wir auch das folgende, ebenfalls sehr schöne Bild:

Klick mich, ich bin ein Link Wenn mich nicht alles täuscht, haben der weiße und der blaue Ritter hier ihre Visiere getauscht. (Inzwischen sollte es selbstverständlich sein, daß dieses Bild erst beim Klick auf das Thumbnail seine volle Pracht entfaltet.)
Jetzt haben wir also fast alle Varianten durch. Außer… Genau. Rot fehlte noch, aber die Katalogbebilderer enttäuschen uns nicht. 1982 ist es so weit, und sie lassen sich nicht lumpen.

Klick mich, ich bin ein Link Hier werden noch einmal alle Register der Farbverwirrung gezogen. Das rote Visier fällt sofort ins Auge, auch das schwarze Visier im großen Bild bemerkt man unmittelbar. In der kleinen Darstellung des Sets hingegen kann uns das schwarze Visier nicht mehr überraschen, doch die nunmehr zwei weißen Visiere der anderen Ritter schaffen das noch.

Klick mich, ich bin ein Link Eine letzte Chance zur werkgetreuen Abbildung bot sich 1983, denn im darauffolgenden Jahr war die Zeit der gelben Burg nach fünf Jahren vorbei. Die beiden anderen Rittersets, das Turnier 383 und die Ritter mit Karren 677, waren schon gar nicht mehr im Katalog, also war die 375 bloß noch eine Randerscheinung. Das Bildchen ist klein, doch immerhin, die Visierzuordnung scheint gelungen. Aber ach! Darüber sehen wir einen weißen Helm mit schwarzem Visier, eine Kombination, die im klassischen Burgenland überhaupt nicht vorkam. Und in welchem Set sollte das Kind von 1983 denn den Schild der 677-Ritter erwarten?

Übrigens hätten die Katalogmacher schon seit jeher die korrekte Verteilung der Visiere kennen können. Ich spreche noch nicht einmal von einem simplen Blick auf den Karton der Burg, welcher selbstverständlich stets die kanonische Distribution zeigte. Vielmehr wußte Lego aus Planungsgründen bereits im Jahre 1977, wie das kommende Set aussehen sollte, und so propagierten sie es auch im Händlerkatalog:

Klick mich, ich bin ein Link Dieses Bild wurde mir freundlicherweise von Jan.k geschonken… geschenkt, und ordentlich gerahmt ziert es die Wand in meinem Lego-Zimmer. Also in meinem Zimmer. Auf dem Scan ist die Jahreszahl schwer zu entziffern, darum sei dieses Detail [hier] noch einmal etwas größer gezeigt.

Doch damit will ich nicht schließen. Einen hab’ ich noch!

Denn die erste Auflage der Burg, die wie gesagt fünf Jahre lang im Programm war und dabei verschiedene Modifikationen am beiliegenden Papierkram erfuhr, sah in der Mitte der Bauanleitung dieses schicke Bild, welches die Aufklappfunktion des Gemäuers illustrieren sollte:

Klick mich, ich bin ein Link Über die Lochung bitte ich hinwegzusehen, ich erwarb das Set gebraucht. Entscheidender ist hier die Farbe der Helme – sie sind dunkelgrau. Unnötig zu erwähnen, daß es auch diese Helme physisch nie in die Öffentlichkeit geschafft haben. Immerhin stimmt die Farbe der Visiere.