42102 Mini Claas Xerion.

26. Dezember 2019

Neulich erhielt ich die Gelegenheit, ein neues Set des Modelljahres 2020 vorab zu bauen, unter der Voraussetzung, eine Rezension dazu zu schreiben, aber nicht vor dem 26sten Dezember. Na, das mache ich doch gerne! Mehrere Technic-Sets standen zur Auswahl, und da mein zweiter Vorname ja „Bauer“ ist, griff ich mir den kleinen Traktor.

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Ich machte sogar dreizehn Bilder, was also roundabout 13.000 Worten entspricht. Den Unterschied zwischen „Worten“ und „Wörtern“ können wir an dieser Stelle getrost unterpflügen. Oder auch kleinhäckseln, denn das im Lieferumfang enthaltene Anbaugerät ist eine Rotationsschneide. So nennt es der Online-Katalog von Lego, ob der Landwirt es ebenfalls so nennt, weiß ich nicht.


Naturgemäß ist es nicht möglich, in solch einem kleinen Modell aufdringlich viele technische Funktionen unterzubringen. Es sind im Prinzip derer drei: Zum einen läßt sich der Trecker lenken. Das würde mir ja schon genügen, denn statt fleißig zu schreiben, kurve ich hier mit dem Gefährt übern Schreibtisch. Dazu muß ich die Schreibtischlampe einschalten, denn die Beleuchtung des Traktors ist nur aufgeklebt:

Leider taugt der Kleine für die Landwirtschaft nur bedingt, denn die Lenkung ist zwar leichtgängig, aber klobig, und trotz großer Bereifung wird die Ackerkrume vor dem Traktor hergeschoben; von Bodenfreiheit kann keine Rede sein!

(Den Möwen bietet sich dieses Bild:

Klammer zu.)

Die zweite Funktion stellt das von den Hinterrädern angetriebene Schneidwerk dar. Da zwischen den beiden 36er-Zahnrädern des Mähwerks ein 12er-Zahnrad angetrieben wird, drehen sich die großen Räder stets in dieselbe Richtung. Der Monk in mir hatte am Tage des Zusammenbaus Ausgang, darum sind die beiden schwarzen Zahnräder auf den Bildern nicht parallel ausgerichhtet.


Als dritte Funktion schließlich läßt sich das Gerät hoch- und runterklappen.

Unabhängig davon, ob es sich in Arbeits- oder in Feierabendstellung befindet, dreht sich das Schneidwerkzeug immer, wenn der Trecker fährt. Denn das verbindende Zahnrädchen wird durchs Hochklappen nicht vom Antrieb getrennt.

Um Dynamik darzustellen, habe ich komplett beabsichtigt und in dem vollkommenen Bewußtsein darüber, was ich da tat, dieses Unschärfebild geknipst. Vielleicht habe ich aber auch bloß gewackelt.

Die vierte Funktion habe ich zuvor unterschlagen: Man kann das umherwirbelnde Mordsgerät – Feldhasen aller Länder, vereinigt euch! – leicht abbauen. Das böte die Möglichkeit, ein anderes Gerät anzuflanschen, welches man sich freilich selbst bauen müßte.

Außerdem läßt sich dann, so dachte ich, das aufgebaute Modell im Eigenkarton verstauen, lagerzwecks. Is’ aber nich’ so. Auch die Räder müssen abgebaut werden.

Bei dieser Gelegenheit erhaschen wir einen Blick auf das Zweitmodell dieses Sets. Vorderseits war ja großspurig von „2 in 1“ die Rede. Aber enthalten ist natürlich nur die papierne Bauanleitung für den Traktor. Die „Erntemaschine“ (Karton) oder der „Feldhäcksler“ (lego.com) kann nur gebaut werden, wenn ein Zugang zum Internet besteht und man den Link LEGO.com/technic eintippt. Dortselbst möge man die Bauanleitung dann suchen. Spoiler: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt 26.12.2019) ist für Set 42102 noch keine Bauanleitung hinterlegt.


110.

19. Dezember 2019

Heute auf den Tach vor einhundertundzehn Jahren, am 19ten Dezember 1909, entschieden sich im Dortmunder Norden einige widerborstige Rabauken der Jünglingssodalität „Dreifaltigkeit“, einen Fußballverein zu gründen, weil ihr Dekan dem Fußballsport so rein gar nichts abgewinnen konnte und dergleichen Proletengedöns in seiner Kirchengemeinde nicht tolerieren wollte. Und hastenichgesehn war der Ballsportverein Borussia 09 aus der Taufe gehoben, ohne jedoch Kirchenmitglied zu sein. Die Kurie was not amused.

Keine 90 Jahre später, nämlich bereits am 1sten September 1999, entschied ich mich, diesem Verein beizutreten. Vielleicht entschied ich aber auch bereits vorher, und am 1sten September wurde lediglich die Mitgliedschaft wirksam. Über die Beweggründe zum Beitritt kann ich im Rückblick nurmehr spekulieren. Nach den Meisterschaften 1995 und 1996 sowie dem Gewinn der Champions League 1997 verliefen die folgenden Saisons nicht gar so erfolgreich, der Trainer wurde gewechselt, die Mannschaft wurde planlos zusammengestellt, und der Verein machte vor allem dadurch von sich reden, daß er den Börsengang vorbereitete, welcher am Tag nach dem Weltspartag 2000 erfolgen sollte und fünf Jahre später schon fast den Konkurs des BVB bedeutet hätte. Das konnte ich im Spätsommer des Jahres 1999 also noch nicht wissen. Wie dem auch sei, seit 20 Jahren zahle ich da Mitgliedsbeitrag, was mir seinerzeit gewisse Vorteile versprach. Vor allem haben Mitglieder ein Vorkaufsrecht für Eintrittskarten. Mit der Mitgliedsnummer 73287 und einem Fassungsvermögen des Westfalenstadions, das in jener Zeit durch Tribünenerweiterungen nach und nach auf über 80000 Zuschauer gesteigert wurde, standen also die Chancen gar nicht so schlecht. Inzwischen verzeichnet der Verein allerdings über 150000 Mitglieder, und das Vorkaufsrecht ist längst keine Garantie mehr dafür, Karten zugeteilt zu bekommen. Einmal jedoch hatte ich Glück und gewann zwei Karten fürs Pokalfinale 2008, wobei „gewinnen“ nicht bedeutet, daß ich sie umsonst bekommen hätte, neenee. Verloren wurde außerdem das Spiel.

Mathe-Genie, das ich bin, dachte ich: 1999 bis 2019 – das sind 20 Jahre. Also habe ich wohl 20 Mitgliedsausweise. Es sind aber 21, und das macht mich fassungslos.

Wie man sieht, war der Mitgliedsausweis zunächst ein schmuckloses Stück laminierte Pappe mit nachlässig eingedruckten Daten. Im Jahre 2001 wurde aus mir nicht einsichtigen Gründen diesen Daten das Geburtsdatum des Ausweisinhabers beigefügt, aber dieses unachtsamerweise mit dem Datum des Vereinseintritts gleichgesetzt, ein Fehler, der im Folgejahr korrigiert wurde. In den Jahren 2003, 2004, 2005 und 2006 schmückte die Karte das frisch ausgebaute und neugestaltete Westfalenstadion, das im Dezember 2005 freilich in „Signal Iduna Park“ umbenannt wurde. Auch auf dem 2006er Ausweis kann man aber noch den Namen „Westfalenstadion“ auf dem Bild erahnen. Ich bin eh der Ansicht, daß der mit Sponsorengeld finanzierte Signal-Iduna-Park die Grünfläche im Westfalenstadion ist. Meinetwegen soll der Rasen so heißen, wenn die Versicherung die Gärtner bezahlt.

In den Jahren 2007 und 2008 wurde der Vereins- oder Kommanditgesellschaft-auf-Aktienbasis-Führung die Verwendung des Westfalenstadion-Bildes wohl zu heikel, und das Design wurde auf schlichtes schwarz und gelb geändert, welches schließlich zum besonderen Jubiläumsdesign 2009 führte. Ab dem Jahr 2010 schließlich werden auf dem Kärtchen historische Mannschaftsbilder gezeigt, seit 2011 im gegenwärtigen Corporate-Identity-Design. Die doch einigermaßen reichhaltige Titelliste des BVB würde es erlauben, diese Siegermannschaften in den jeweiligen Jubiläumsjahren zu ehren, aber auf diesen Trichter kamen die Designverantwortlichen auch nicht von Anbeginn. Die 2010er Karte zeigt ein Bild von 1913; 2011 ist die Meistermannschaft 1957 zu sehen; 2012 die Sieger des Europapokals der Pokalsieger 1966, die erste deutsche Mannschaft, die einen Europapokal gewann; 2013 die Meistermannschaft von 1956, welche die ein Jahr jüngere, ansonsten aber identische Mannschaft von 1957 ist, ein einmaliges Kuriosum in der deutschen Fußballgeschichte; 2014 sehen wir den Deutschen Meister 1963, mithin die letzte Meistermannschaft vor Einführung der Bundesliga; 2015 schließlich haben wir den Pokalsieger von 1965 im Bild, übrigens als erste Mannschaft mit der damals neu geschaffenen und bis heute verwendeten Trophäe; 2016 schaffte es abermals der Europapokalsieger von 1966 aufs Cover; 2017 zum 20-jährigen Jubiläum der Champions-League-Sieger von 1997; 2018 der Westdeutsche Meister und somit Teilnehmer an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft von 1948; und 2019 sehen wir den Pokalsieger von 1989.

Und Mitglied im LEGO World Club war ich auch mal. Ohne jegliche Vor- oder Nachteile, das Kärtchen ist auch nicht datiert.