Kleines Paralipomenon: Auffahrrampe 167.

29. Dezember 2016

Diese „Auffahrrampe mit Waggon“, wie der 1979er Katalog das Set vollständig nennt, ist der legitime und – gewisserweise – bessere Vorgänger vom zuvor besprochenen Verladebahnhof 7839. Komischwerweise war 167 nie offiziell neu. Wiewohl der Kartonaufdruck „© 1978“ sagt, stand es nicht im 1978er Katalog (Zumindest nicht in der mir vorliegenden Ausgabe; ob es andere Versionen gibt, weiß ich nicht.), im Katalog des Folgejahres ist es allerdings nicht als Neuerscheinung gekennzeichnet. Wenn wir nun noch den Umstand berücksichtigen, daß der Bahnvorsteher hier einen bedruckten und keinen beklebten Torso hat, was erst bei 1979er Katalogsets vorkam, dürfen wir dieses Set als vorgezogene Mitt- oder Endjahresausgabe 1978 annehmen. Warum vorgezogen? Nun, der bedruckte Torso deutet auf eine geplante Veröffentlichung 1979 hin, doch 1980 wurde das Schienensystem auf graue Gleise mit Klickschwellen umgestellt, und alle Sets mit blauen Schienen fielen damit aus dem Programm. In der damaligen Zeit sah die Firma Lego für ihre Produkte aber noch eine längere Erhältlichkeit vor als heutzutage, wo alle halbe Jahr die Hälfte des Programms aus dem Sortiment fliegt. Eine Veröffentlichung neuer Eisenbahnsets im Jahre 1979 hätte unter dieser Prämisse für Lego keinen Sinn ergeben. Ergo wurde dieses Set nebst dem kleineren Bruder 166 von 1979 auf 1978 vorgezogen. Soweit meine Vermutung.

Wir sehen hier also eine Auffahrrampe für Autozüge, wie sie sinnvoll ist und in der Realität vorkommt. Zumindest ist es realitätsnah, daß die Fahrzeuge von hinten in Fahrtrichtung auf den Waggon auffahren. Daß von Bodenniveau über die Rampe direkt auf den Waggon gefahren werden muß, ist vielleicht in Wirklichkeit nicht so, sondern der Waggon wird an eine Bahnsteigplattform herangefahren. Aber sei’s drum. 167 ist in dieser Hinsicht allemal vernünftiger als 7839. Eine Plackerei für den Lademeister war es denoch, da sich in die frühen Legoland-Autos noch keine Minifigs setzen konnten, sie also stets geschoben werden mußten. Der Frackträger ist sich natürlich zu fein dafür, dem Arbeiter zur Hand zu gehen.

Ein Stilmittel, welches von Set 167 bis Set 7839 beibehalten wurde, ist der verschwenderische Gebrauch von flachen Kreuzgitterzäunchen. Hier bot 167 mit grauen und roten Zäunen eine größere Varianz als 7839. Hinzu kommen die beiden schwarzen Zauntore in derselben Optik.

Die Rampe ist in Prellbockmanier wie der Waggon mit Puffern ausgestattet. Was fehlt, ist ein Magnet an der Rampe, der den Waggon beim Beladen an seiner Position hält.

Und soeben fällt mir auf, daß ich Schussel die Torangeln verkehrtherum aufgesteckt habe. Es sind 3-lange Angeln, die 4-lange Tore halten.
Zum Glück bin ich nicht der einzige Schussel. Denn Lego selbst hat auf dem Titelbild die beiden grauen Fliesen vergessen, die dem Auto die Auffahrt auf die Auffahrt erleichtern. (Memo to self: Lego-Sets zusammentragen, deren Karton- und/oder Bauanleitungsbilder nicht den tatsächlichen Inhalt wiedergeben. Da gibt es einige, von denen ich weiß, und vermutlich sehr viel mehr, von denen ich nicht weiß.)

Da 167 im Wesentlichen aus einem flachen Waggon und einer Rampe besteht, ist das Set in der Gesamtschau sehr flach. Großartige Aufbauten sind schlichterdings nicht notwendig. So gesehen macht der Nachfolger 7839 natürlich mehr her, freilich um den Preis, daß seine Funktionsweise herbeifabuliert wurde und annähernd impraktikabel ist.
167 kann überdies mit dem Schmankerl eines gelben Bauhelms aufwarten. Jedenfalls war es ein Schmankerl. Denn gelbe Bauhelme gab es einzig in den beiden 1978er Waggonsets 166 und 167, und dann 32 Jahre lang nicht mehr. Auf dem Deckblatt des 1980er Eisenbahn-Katalogs war ein Arbeiter mit gelbem Helm zu sehen, ohne daß noch eines der beiden Sets in diesem Katalog enthalten gewesen wäre. Seit dem Jahr 2010 jedoch kommen gelbe Bauhelme vermehrt in aktuellen Baustellen-Sets vor, was die Exklusivität des Teils deutlich beschneidet. Zwar können Kenner der Materie anhand des Helminnern erkennen, ob es sich um ein altes Orginal oder eine Neuauflage handelt, aber etwas Besonderes ist ein gelber Bauhelm nun natürlich nicht mehr.


Auto-Transporter 7839.

23. Dezember 2016

Irgendwie hat sich bei mir die Tradition eingeschlichen, gegen Jahresende alte Lego-Eisenbahnsets anzuschaffen. Als ich im Juli 2013 Barbaras Rangierlok 7760 übernahm, weil sie halt so niedlich ist, dachte ich noch, die paar Schienen-Zukäufe, mit denen ich dem Lökchen eine angemessene Bahn baute, wären das Äußerste. Ich irrte. Nach und nach holte ich so allerhand Material von den grauen Seiten der 80er-Jahre-Kataloge ran, nun also diesen „Auto-Verlade-Bahnhof mit Spezial-Flachwaggon, Auffahrrampe, Pkw, Fahrer und Lademeister“, wie der 1986er Katalog sich etwas ausführlicher gibt als der Kartonschriftzug. Und mit gelindem Erschrecken wurde mir soeben bewußt, daß meine Sammlung damit auch schon alles an Eisenbahn-Gebäuden umfaßt, was das Programm zu bieten hatte, mal abgesehen von den Bahnsteigen bei den Zugsets.

Die Firma Lego residiert in Billund, Billund liegt in Jütland, Jütland hat unter anderem eine Nordseeküste, südlich der dänischen Nordseeinsel Rømø befindet sich Sylt, und Sylt wird legendärerweise über den Hindenburgdamm per Autoreisezügen mit Benzinkaleschen versorgt, damit die Prominenten nicht auf den Porsche in der Einfahrt ihres Friesenhäuschens verzichten müssen. Gab es also für Lego Naheliegenderes, als einen Auto-Verladebahnhof ins Programm zu nehmen? Keineswegs. Das Set 7839 bietet unbestreitbar Spielwert, es hat jedoch auch seine Tücken.

Beobachten wir also einen Sylturlauber bei der Verladung seines Porsches (abstrahierte Darstellung). Der Lademeister bemerkt das Fahrzeug die Rampe herauffahren und begibt sich verschmitzt lächelnd in seine Steuerzentrale.

Hier muß der Sommerfrischler die erste Hürde überspringen: Der Ticketautomat ist für Minifigarme weit entfernt. Aber die Schranke muß zuvörderst sich öffnen, ohne dem kann die Reise nicht losgehen. (Ja, dieses Set ist ein Gebrauchtkauf, aber die hintere Schiene wirkt auf dieser Photographie weitaus vergilbter, als sie ist, was ich den winterlichen Lichtverhältnissen zuschreibe.)

Der Schrankenbaum ist in SNOT-Bauweise¹ an einen 2er Drehteller gebaut und hier in der Tat vergilbt. Da er sich schließlich öffnet, kann das Auto auf die Ladeplattform gefahren werden. Diese ist verschiebbar in 12 graue Schiebetorschienen eingehängt, was viel klingt, aber nur den zweiten Platz hinter der Containerbrücke 7823 bedeutet, wo derer 18 verbaut sind. Schön ist auch die gelb markierte Sicherheitszone, eine Intarsienarbeit in ABS².

¹) Studs Not On Top, also Noppen irgendwie, bloß nicht oben.
²) Acrylnitril-Butadien-Styrol, der Stoff, aus dem die Träume sind.

Die Mechanik hinter dieser Ladeplattform ist denkbar einfach. Man schiebe die Plattform dem Waggon entgegen. Die korrekte Stellung kann mithilfe dieser beiden Pfeilkippschalter sichergestellt werden.

Auf diese Weise läßt sich spielend der 2 Noppen breite Spalt zwischen der Ladekante und dem Wagon überwinden. Jedoch…

Das nächste Hindernis präsentiert sich dem Automobilisten. Denn nun ist die Ladekante zwar nah dran am Waggon, das Auto aber damit noch lange nicht drauf. Ob kräftiges Schieben hilft? Im Regelverkehr wird das diensthabende Kind seine magische Hand eingesetzt haben, aber unsere Minifig hat da ihren Stolz.

Das wäre doch gelacht! So ein Legoland-Standard-Auto muß sich doch rückwärts einparken lassen. Vorwärts geht jedenfalls gar nichts, wie ich als innenstadterprobter Berufskraftfahrer versichern kann. Aber auch für komfortables Rückwärtseinparken müßte mehr Platz auf der Rampe zur Verfügung stehen. Und dann sind da ja noch die Haltemulden auf dem Waggon selbst. Diese erfordern einen sehr sorgfältigen Umgang mit den Pedalen, wenn im Zuge des Einparkens ein Rad in die falsche Mulde gerät. So oder so ist es nicht einfach.

Eigentlich wäre das ein Job für den announcierten Lademeister. Der jedoch ist vollauf damit beschäftigt, in seinem Häusken die Grundlegenden Funktionen dieser Laderampe zu bedienen. Das Kabuff ist übrigens merkwürdig. Grundsätzlich paßt es in seiner roten Grundfarbe mit weißen Fensterrahmen in den Stil anderer Eisenbahn-Gebäude dieser Zeit, als da wären der Bahnhof 7824 und die Bahnübergänge 7835 und 7866. Doch stellen sich Fragen bezüglich der Gestaltung. Wieso weist die Beobachtungsstation geneigte Frontscheiben auf, wenn doch der Blick durch die davor angeordnete Galerie behindert ist? Wieso ist der gelbe Stuhl nicht drehbar, wo sich doch im Rücken des Maschinisten Bedienpulte befinden? (Diese Frage läßt sich freilich durch das zu geringe Platzangebot im Innern beantworten, was den Arbeitsplatz jedoch nicht ergonomischer macht.) Zuletzt möchte ich aus ästhetischen Gesichtspunkten auch die Höhe des roten Horizontalelements über dem Fenstersturz in Frage stellen. Die Höhe des Balkens ergibt sich durch eine Steinhöhe mit Fliesenauflage, um das Dach abhebbar zu machen, doch wird das Kabäusken dadurch kopflastig, da der obere rote Streifen nicht gut mit der Höhe der roten Galerie im unteren Bereich harmoniert. Es ist dieser Maschinenstand eindeutig ein Zweckbau ohne den Anspruch, schön sein zu müssen. Insgesamt mutet dieser Verladebahnhof in seiner Gesamtheit wie eine Flußfähre an.

Unterdessen hat es unserer wackerer Autofahrer doch noch geschafft, seinen fahrbaren Untersatz auf dem fahrbaren Untersatz der Bahngesellschaft zu positionieren. Hocherhobenen Hauptes kann er also die Plattform verlassen (like a boss!) und seinen wohlverdienten Urlaub antreten.


Legoland Raumfahrt: Die gelben Gefährten.

8. Oktober 2016

Legoland Raumfahrt, im Rückblick und beeinflußt durch die englischen Diskussionen im Use- und Lugnet „Classic Space“ geheißen, eroberte die unendlichen Weiten des Weltraums im Jahre MMDCCXXXI nach Gründung der Stadt Rom – und das ohne den Einsatz irgendwelcher Legionen. Der Fokus lag auf Wissenschaft und Forschung, die Firma Lego gab keine Rahmenhandlung vor, in welcher gegen böse Aliens hätte gekämpft werden müssen, sondern die Astronauten und Wissenschaftler arbeiteten Hand in Hand für die gute Sache, nicht gegen irgendwas. Aber ja, natürlich haben die kleinen Jungs auch damals schon mit den Raumschiffen gekämpft, denn mindestens das Vorkommen von roten und weißen Raumfahrern bot die Möglichkeit, diese als Antagonisten gegeneinander antreten zu lassen.
Dann kam das Jahr 1982 nach anderer Zeitrechnung, und die roten und weißen Astronauten hatten eine unheimliche Begegnung mit der dritten Art: „Die sind ja nackt!“ Doch auch die gelben Raumfahrer waren nur friedliche Wissenschaftler.

Die Wissenschaft hat festgestellt, daß der Mensch nicht nur ein Gewohnheitstier ist, sondern auch gewisse Verhaltensweisen zeigt, die ihm im Laufe der Entwicklungsgeschichte geholfen haben, die Ausrottung zu verhindern. Oder hinauszuzögern, wer weiß. Hurra! wir leben noch. Wir erkennen Muster. Durch diese Muster können wir Dinge, Lebewesen und Situationen kategorisieren und einordnen in gefährlich, ungefährlich, eßbar, giftig, freundlich, feindlich und so weiter. Es sind dank der Mustererkennung keine komplizierten Denkprozesse mehr nötig, um blitzschnell angemessen zu reagieren. So war es jedenfalls im Laufe der Evolution. Dummerweise funktioniert diese Mustererkennung auch dann, wenn sie entweder unnötig ist, oder wenn die instinktive Zuordnung von „gut“ oder „schlecht“ gar nicht mehr reale Gefahren abbildet. Letzteres ist bei der gedankenlosen Pegida-Bewegung und all ihren Derivaten zu erkennen, ersteres erstreckt sich zum Beispiel auf so lebensunwichtige Dinge wie haha! Lego. Denn ich erkenne Muster. Lego hat ja gerade bei Classic Space schon frühzeitig auf Farbschemata gesetzt. Die ersten Raumschiffe waren grau-blau-gelbtransparent gefärbt, in den USA gab es schon früh eine Nebenlinie, die auf ein grau-grüntransparentes Farbschema setzte, welches später auch international verwendet wurde, aber dazu vielleicht ein andermal mehr. Jedenfalls erkenne ich bei den ersten kleinen Sets mit gelben Raumfahrern auch ein Muster: grau-schwarz mit eben einer gelben Figur. Mir ist bewußt, daß das eine völlig willkürliche Einteilung ist, zumal gelbe Astronauten auch in ganz anders befarbmusterten Sets vorkommen. Aber egal, das ist ja hier mein Blog. Also werfen wir einen Blick auf meine Versuchsreihe:

Vorne steht als kleinstbenummertes Set 6802 „Space Probe“. Das gab es 1986 nur in Nordamerika, und wer sich den deutschen Namen „Mobile Mikro-Sonde“ ausgedacht hat, der im Sammler-Katalog verzeichnet ist, möchte ich mal wissen! (Ich weiß es.) Da das Set nicht im deutschen Katalog stand, ist leider auch kein Name für den kleinen Roboter überliefert.



So klein das Modell auch sein mag, so bietet es doch Spielwert, da Interaktionen zwischen Figur und Roboter möglich sind und die Rakete auf ihrer Abschußvorrichtung ein bewegliches Element darstellt.

Weniger Spielwert hatte das unbenamste Set 6807, welches ebenfalls nicht im deutschen Katalog stand, aber immerhin in Europa im Rahmen des Kombisets 1999 erhältlich war. Das Jahr ist 1985.

Mit dem Set 6823 folgt endlich ein Modell, über das wir auch im deutschen Katalog lesen können. Und zwar im Jahre 1983: „Geo-Traktor für Mineralienforschung, Geologe und Raumsauger“.


Der Raumsauger ist also wohl das ominöse Gerät, mit dem der Geologe den Boden abtastet. Für mich war dieses Werkzeug immer das Legoland-Raumfahrt-Accessoire, und als Kind besaß ich nie eins.

Als nächstes in der Reihe haben wir 6826, über das der Katalog von 1985 zu sagen weiß: „System-Controller für Druckgas und Ingenieur.“


Der Renner ist grotesk tiefergelegt, was in verkehrsberuhigten Zonen und auf kraterübersäten Planetenoberflächen zu unschönen Havarien führen kann. Aber das ficht unseren Ingenieur nicht an, da er mit seinem Sessel einfach entschweben kann.

Geologie scheint der Hauptschwerpunkt der gelben Astronauten zu sein. Im Jahre 1985 ist 6847 dafür bereiftes Zeugnis: „Geobil mit Saugrohren und Sammelbehälter für Gesteinsbrocken und Geologe.“


Der sogenannte Sammelbehälter, der woanders vor allem als Cockpitscheibe Verwendung findet, ist in grau einzig in diesem Set enthalten, und auch die schwarze Spitzhacke darf man als selten einstufen. Gesteinsproben waren bei Lego früher gelb. Wenn man genügend gelbes Mondgestein zusammengetragen hatte, war man in der Lage, eine Burg zu bauen.

Im Geburtsjahr der gelben Astronauten, 1982, rollt bereits dieses „Planetenfahrzeug mit Greif- und Schaufelarmen, Stablampen, Richtantenne und Forscher“ auf den Plan, 6880.


Bei diesem Janusfahrzeug mit Doppelbereifung bediente sich Lego ausgemusterter Formen. Die rüsselartigen Greif- und Schaufelarme gehörten vormals als Arme und Schultern zu den just in jenem Jahr aus dem Programm gefallenen Großköpfen.

Ich habe mir erlaubt, diese „Fahrbare Startrampe für Trägerrakete mit Schubgerüst und instrumentaler Systemüberwachung“ (6950, 1982) in die Reihe aufzunehmen. Atypischerweise spielt hier die Farbe blau mit rein. Jedoch: Am Fahrwerk. Warum ist das bedeutsam, welchen Einfluß hatte dieser Umstand auf meine Mustererkennung? Nun, bei den anderen blau-grau-gelbtransparenten Raumfahrtsets jener Jahre ist blau die Farbe für Gebäude und Kabinenaufbauten, während hier der Aufbau grau ist und die acht massiven Räder den schwarzen Farbaspekt ins Spiel bringen. Zusammen mit den gelben Männeken war somit mein Muster aufgefüllt. Zugegebenermaßen gehörten auch die rottransparenten Applikationen der kleineren Sets zum Muster, die jedoch bei 6950 sehr viel weniger prominent sind als die gelbtransparente Frontscheibe, welche eher dem Classic-Space-Schema entspricht. Aber sei’s drum; mein Blog, meine Regeln! Außerdem wird die Reihe so schön von einer sehr kleinen und einer sehr großen Rakete eingerahmt.

Eine Rezension des Sets hatte ich vor einiger Zeit bereits vorgelegt; die ist immer noch gültig.

(Und wer meint, das alles hier sei doch nur eine plumpe Fälschung, weil man ja gar keine Sterne sieht, dem sei gesagt: Geh weg, Verschwörungstheoretiker! Die Belichtungszeit beim Photographieren war viel zu kurz.)


Speerwerfer: Armbrust-Streitwagen 6012.

5. Juli 2016

Das Jahr 1986 sah einige der – so behaupte ich forsch – besten Lego-Rittersets aller Zeiten. Und mit „aller Zeiten“ meine ich: Die eine Zeit, die es gibt, und das ist die Vergangenheit, denn wer sollte wohl wissen, was die Zukunft bringt? Und welche Ausdehnung hat das Jetzt? Doch ich schweifsterne ab. Also. Das kleinste Set unter den fünf 1986er Ritter-Neuheiten ist diese Kampfmaschine, deren deutscher Titel merkwürdig anmutet. Damals trauten sich die Katalogschreiber wohl noch nicht, die Kinder mit Wörtern wie „Ballista“ zu demütigen, denn die Ära der Fantasy-Computerspiele hatte noch nicht begonnen.

Zwei Ritter handhaben diese Wurfmaschine, bei welcher die Bogensehne der großen Armbrust imaginiert werden muß. Desgleichen erfordert es einige Einbildungskraft, sich vorzustellen, daß die verschossenen Pfeile brennen, denn die heutigentags verschwenderisch verwendeten Flammenelemente gab es 1986 noch nicht. Einzig die unter dem Pfeilschaft platzierte gelbe Tonne deutet darauf hin, daß hier mit brennbarer Flüssigkeit gearbeitet wird. Drei Jahre zuvor erschien der XXVIIste Asterix-Band „Der Sohn des Asterix“, in welchem Brutus das gallische Dorf mit solchen Wurfmaschinen angreift, um es in Brand zu setzen. Nicht ausgeschlossen, daß diese Szene den Set-Entwickler in Billund zu diesem Set inspirierte, denn dies ist eher eine antike Kampfmaschine denn eine mittelalterliche.

Der Armbrustteil dieses Streitwagens ist in für damalige Zeiten revolutionärer SNOT-Technik* ausgeführt, indem er vermittelst Lampeneinern um 90° gedreht auf zwei Noppen des Untergestells gebaut wird. Da es sich hier um eine Fernwaffe handelt, liegt es nahe, dem Maschinisten einen Bogenschützen zu seinem Schutz an die Seite zu stellen. Für einen Bogenschützen untypisch, trägt dieser einen Helm mit ausladendem Nackenschutz.

*) SNOT = Studs Not On Top

30 Jahre später…

Einer jungen Tradition folgend verausgabt Lego seit dem Jahr 2014 jedes Jahr ein sogenanntes Retro-Set, welches eine Figur aus vergangenen Kinderzimmertagen in den Mittelpunkt stellt und in der Begleitbroschüre einen Überblick über die Lego-Geschichte des jeweiligen Spielthemas liefert. In den Jahren zuvor waren dies ein weißer Legoland-Astronaut und ein Pirat, der keine ehemalige Figur darstellte, sondern brandneu war. In diesem Jahr also ist es ein „Knights Retro-Set“, welches einen fast klassischen Löwenritter beinhaltet.

Es bedarf keiner überbordenden Phantasie, um dieses Modell als ein Remake des oben besprochenen Armbrust-Streitwagens zu identifizieren. Die Figur stellt unzweifelhaft einen Löwenritter der Legoland-Epoche dar, wiewohl es bezüglich des Helms mit dem Retro-Anspruch leicht übertrieben wurde. Denn im Jahre 1986 trugen die Ritter schon dunkelgraue Helme; der (neu)hellgraue Helm dieses Knappen weist eher zurück auf die Ritter der vorangehenden Epoche, in welcher die gelbe Burg Dreh- und Angelpunkt war. Sei’s drum.

Das Remake-Modell bleibt den Ausmaßen und dem Stil des Originals treu, bedient sich freilich modernerer Formen und Farben. Bemerkenswerterweise blieb die Bauweise der Brennstofftonne exakt beibehalten, während der Armbrustbogen auf gänzlich andere Weise ins Werk gesetzt wurde. Unter der Maßgabe, daß es einige der Bauteile im neuen Set vor 30 Jahren noch nicht gab, wurde der Charakter eines Legoland-Sets dennoch gut getroffen.

Dem Set beigefügt ist eine Postkarte mit charmanter Rückseite, nein, Vorderseite, nein, was ist denn bei einer Postkarte Vorder- und was Rückseite? Jedenfalls. Auf der anderen Seite prangen Aufkleber mit einigen Ritterfiguren der Lego-Geschichte, darunter auch eine Figur des Vorlagensets selbst.

Leider finden wir hier auch die Bestätigung für Legos Einordnung der gegenwärtigen Nexo-Knights-Serie ins Ritterthema. Dazu mag jeder stehen, wie es ihm beliebt. Oder ihr.


Sets.

8. Mai 2016

Falls sich jemand gefragt haben sollte, was es mit der Kategorie „Sets“ auf sich hat, die dort oben unhinterfüttert herumlungerte: Nun, es sollten dort Rezensionen über offizielle Lego-Sets gesammelt werden, die meiner digitalen Feder entstammten. Vor allem solche, die ich vor dem Start dieses Blogs im Juli 2009 irgendwo sonst veröffentlichte. Und „irgendwo sonst“ bedeutet: Im Forum von 1000steine.de. Zwei Doppelpunkte innerhalb weniger Zeilen zeugen nicht von gutem Schreibstil, also sei der werte Leser gewarnt! Wer trotzdem lesen möchte, was ich über Sets der ferneren und jüngeren Vergangenheit zu schreiben hatte, kann dies jedenfalls nun tun, denn ich habe die Kategorie endlich aktualisiert. Bei Gelegenheit werde ich sicherlich auch noch Setbesprechungen, die ich direkt hier veröffentlichte, dort zusammenfassend verlinken.

Edit 9. Mai 2016: Ist geschehen.


Buch der Woche: Das Buch der Monster.

11. Februar 2016

Dem geneigten Leser mag aufgefallen sein, daß ich bisweilen (= immer) Lego-Büchern, in denen nichts drinsteht, einen Bezug zu einem Buch in der wirklichen Welt hinzugesponnen habe. Nicht wahr? Nun, dieses Mal ist der Fall anders gelagert. Heute steht das „Buch der Monster“ auf dem Büchertisch. Und dieses Lego-Buch ist in der Tat das „Buch der Monster“.

Doch vorweg noch schnell eine Bemerkung zum Buch an sich, denn Lego hat seine Buchbindetechnik revolutioniert. Seit 1997 hatte es im Rahmen von Legos Scala-Serie Klappbücher aus Weichplastik gegeben, unterschiedlich beaufklebert, welche späterhin auch in der Belville- und noch später auch in der Minifig-Welt Verwendung fanden. Als die Zauberlehrlinge der Hogwarts-Schule mit diesen Folianten hantieren sollten, wurde schon klar: Diese Schwarten sind für Minifigs eigentlich zu groß.

Dieses neugestaltete Buch ist immer noch ein veritabler Kodex, nähmlich ein „Block“ in den Händen einer Minifigur, aber es ist durchaus handlicher. Was nicht nur an der verringerten Größe liegt, sondern vor allem an der Griffkante. Das neue Buch besteht nicht mehr aus biegsamem Weichplastik mit Sollknickstelle, sondern aus legoüblichem ABS* und aus zwei Teilen. Der Deckel läßt sich also weiterhin aufklappen, und im Innern kann auf zwei Noppen eine 1×2-Fliese geklemmt werden, die dann die beschriebenen oder bedruckten Seiten darstellt. Im vorliegenden Buch frißt sich freilich das Monster Burnzie durchs Pergament.

*) Acrylnitril-Butadien-Styrol

Denn das „Buch der Monster“ ist die Hauptfigur der gegenwärtigen Lego-Serie Nexo Knights. Der trottelige Hofnarr Jestro hat es aus des Zauberers Merlok Bibliothek befreit, wohinselbst dieser es sicherheitshalber verbannt hatte, weil es so gefährlich war. Im Rahmen dieser Befreiungsaktion sprengte sich Merlok zauberns in die, wie er dachte, Luft, landete jedoch im Cyberspace und ist jetzt ein Hologramm mit dem Namen Merlok 2.0. Jaja, in einer Kinderserie gilt das als Logik. Jedenfalls vollzog sich darob in Knightonia ein unfaßbarer Technologiesprung; drum: die Nexo Knights. Wie auch immer.

Das Buch will jedenfalls Rache, Macht und alles; und Jestro soll ihm dies verschaffen. Als Buch der Monster ist es voller Monster, welche sich in die Realität der Lego-Geschichte materialisieren lassen, und die, wenn die wackeren Nexo-Ritter sie besiegt haben, auch wieder ins Buch zurückkehren. Im ersten Jahr der Serie sind es Lava-Monster, die durch die Sets heizen, aber das Buch beherbergt auch Wald-Monster und See-Monster. Woher ich das weiß? Welche Informationsfülle kann schon auf einer 1×2-Fliese im Innern eines Buches in Minifiggröße enthalten sein? Genau, kaum was. Darum hat Lego dieses Buch auch als richtiges Buch gedruckt.

Die blaue Banderole kann entfernt werden. Die Fiesigkeit des Buches zeigt sich schon am Inhaltsverzeichnis, denn dieses will den Leser/die Leserin (ohne Binnen-I) verwirren mit willkürlichen Kapitelangaben und willkürlichen Seitenzahlen. „Hahaha! Das ist nicht mal ein richtiges Inhaltsverzeichnis“, wer hätte das gedacht. Um diese erschröckliche Monsterattitüde etwas abzumildern, hat Merlok „handschriftliche“ Erklärungsversuche eingetragen. Neben diesen Beispielen absurden Humors, der mir durchaus zusagt, bietet das Buch aber tatsächlich auch Charakterbeschreibungen und Steckbriefe von Monstern, wie der Titel ja andeutet. Und eben nicht nur von Lava-Monstern, die wir schon aus den derzeitigen Lego-Sets kennen, sondern auch von Monstern, die wir wohl in späteren Jahren erwarten dürfen, ist „Nexo Knights“ doch Legos neue Action-Sammel-Feature-Serie mit Ausbaupotenzial.

Das Buch ist schön illustriert in Wasserfarboptik, wie es für ein Kinderbuch angemessen ist, und es ist ordentlich gebunden mit festem Einband. Der bloße Umstand, daß Lego ein solches Buch zur Serie veröffentlicht, vermag mich zu begeistern und hat mich letztlich dazu bewogen, die Nexo-Knights-Serie bei ℜittersets.de aufzunehmen, obwohl das alles mit Rittern ja wenig zu tun hat.
Bedenkenswert ist dennoch dieses: Die Guten in der Geschichte sind die Nexo-Ritter, welche mit Cyberzeugs und Computern operieren, und auch das Spiel zur Serie ist ein Handy-Spiel mit Web-2.0-Features. Das schöne Buch, oldschoolmäßig in Schweinsleder gebunden und mit Wasserfarben bebildert, ist der Böse, und natürlich wird es am Ende verlieren. Welche Botschaft wird den Kindern also vermittelt? Bücher sind doof, haltet euch ans Handy. Oder wie?

Die Schnittstelle zwischen realer Welt und Cyberspace (Gibt es dieses Wort überhaupt noch? Oder ist das inzwischen auch schon sooo 20stes Jahrhundert?) stellt übrigens die Nexo Power „Schwarzer Klecks“ dar, die sich im Klappentext der Banderole finden läßt. Oder hier:

Derevlany, John/Hoffmeier, Mark: „Das Buch der Monster“. München, 2016.
Deutsche Übersetzung von Christine Spindler.
HC, 100 Seiten, €18.