376 ist eine ziemlich krumme Zahl.

28. Juli 2010

Man kann ja nicht immer nur Lego sammeln. Sondern auch jede Menge anderen Mist, zum Beispiel Comics. Oder Gesellschaftsspiele. Gerade in dem Bereich gäb’s so einiges, was mir sammelwürdig erschiene, aber dafür fehlen mir der Platz und das Geld. Daher muß ich mich erstmal auf „Carcassonne“ beschränken, einen modernen Klassiker von Klaus-Jürgen Wrede. Das ist ein überschaubares Sammelgebiet, nicht ohne reizvolle Exoten, und es stellt ein System dar, worauf ich ja stehe; siehe Lego.

In den letzten zehn Jahren seit Erscheinen des Spiels (2000) gab es neuneinhalb Einzelableger und an die zwanzig Erweiterungen zum Grundspiel, größere und kleinere. Die neun Einzelableger lassen sich nicht mit dem Grundspiel kombinieren, aber der halbe Ableger, „Das Schicksalsrad“, läßt sich integrieren, darum tu ich das auch. Die Frage ist: Hat jemals jemand eine Carcassonne-Partie gespielt, die alle (alle!) Erweiterungen umfaßte? Selbsechst? Das Megaspiel?

Was hätten wir denn da:

Das klingt erstmal plausibel, dennoch ist es streitbar, was alles in so ein Megaspiel gehört. „Alles!“ würde bedeuten: Alles. Aber die 6. Erweiterung besteht ja aus vier kleineren Erweiterungen, die somit redundant würden. Selbst wenn man einige Landschaftskarten auch als Doubletten im Spiel begrüßen würde, so wäre doch mindestens der Graf als solche sinnlos, müßte also außen vor gelassen werden. Selektives Außenvorlassen fände ich doof, also werden alle vier Mini-Erweiterungen gleichermaßen nur 1fach ins Megaspiel intergriert.

Das führt zum nächsten Problemfall, der Cult-Siege-Creativity-Erweiterung (CSC). Denn fünf Karten aus dieser Mini-Erweiterung sind identisch mit den Kult-Plättchen aus der 6. Erweiterung, die wir ja sowieso schon einmal als Einzelerweiterung untern Tisch haben fallen lassen. Es gibt hier jedoch eine sechste Kult-Karte, also ist nicht die gesamte Mini-Erweiterung redundant. Selektives Weglassen ist blöd, daher bleibt CSC zur Gänze im Spiel. Sind halt einige Kult-Karten doppelt, was soll’s, das sind andere Landschaftskarten ja auch. Die vier Belage- rungskarten aus CSC sind überdies funktio- nal identisch mit den vier Katharerkarten, jedoch ohne historische Erklärung und in geänderter Graphik. Also bleiben sowohl Katharer- als auch Belagerungskarten im Spiel.
Die zwei weißen CSC-Karten soll man kreativ behandel und nach Gutdünken in sein Spiel integrieren, entweder mit aufgemalter Landschaft, oder sonst irgendwie. Beides ist uns recht, also bleiben auch diese Karten im Spiel.

Selektiv weglassen müßte man auch einen Großteil der Landschaftskarten aus dem „Schicksalsrad“, da dieses Spiel prinzipiell das Grundspiel ersetzen kann. Da das aber nach wie vor blöd wäre, kommen auch hier alle Karten ins Spiel.

Für den „Fluss“ gibt es mehrere Quellen. Zunächst wurde die Würfelpackung auf der Spielemesse in Essen verteilt. Sodann bildeten die Flußkarten den Kopierschutz einer Computerspiel-Umsetzung von „Carcassonne“. Und in amerikanischen Ausgaben des Grundspiels ist der „Fluss“ inzwischen standardmäßig enthalten. Dennoch bleibt es immer dieselbe Erweiterung, weshalb wir den „Fluss“ ebenfalls nur 1fach ins Spiel integrieren.

Die Startkarte aus dem Grundspiel soll bei Hinzuziehung anderer Erweiterungen jeweils durch die zwölf Carcassonne-Karten aus der Grafen-Erweiterung, durch die ausgelegten Flüsse oder durch die Schicksalsradtafel ersetzt werden. Das fände ich schade, denn diese Startkarte läßt sich problemlos integrieren und bleibt bei mir im Spiel. Wenn man verdeckt zieht, könnte sie auch, trotz andersfarbiger Rückseite, unter die restlichen Landschaftskarten gemischt werden.

Doch halt! Die Games-Quarterly-Erweiterung enthält eine veränderte Flußmündung. Dadurch wird in der Tat eine Flußmündungskarte überflüssig, weil schlichterdings nicht mehr Flußmündungen an einen Fluß angelegt werden können, als ein Fluß Mündungen hat. Wollte man sie dennoch ins Spiel einbinden, müßte man sie als definierte „Letzte Karte des Spiels“ beiseitelegen und am Schluß irgendwo an den Rand bauen.

Das wäre also geklärt. Es bleiben 370 Landschaftskarten übrig, das sollte auch reichen.

Jeder Mitspieler bekäme nun 7 reguläre Gefolgsleute, 1 großen Gefolgsmann, 1 Baumeister, 1 Schweinchen, 1 Bürgermeister, 1 Gutshof, 1 Wagen, 5 Turmbauteile, 2 Brücken, 2 Burgen, 2 gleichfarbige Tunnelchips, 4 verschiedene Katapultmunitionsplättchen und 1 Abteikarte. Der Graf, der Drache und das Glücksschwein kämen an ihren Platz, das Katapult samt Meßlatte, die Fee, der Wegelagerer und der König würden nebst den Handelswarenplättchen bereitgelegt, die Landschaftskarten würden gemischt und verdeckt gestapelt, in den Kartenspendeturm oder die Stoffbeutel verfrachtet, 6 Männeken würden auf dem Startfeld der Wertungstafel mit den Hufen scharren, und es könnte losgehen. Zwölfmal würde der Drache feuerspuckend durchs Land ziehen und Gefolgsleute fressen, 18 Turmbauplätze würden erobertes Gebiet bedrohen oder schützen, zwölf Katapultrunden gäbe es, um die Männeken auf dem Tisch durcheinander zu kegeln, neunzehnmal würde sich das Schicksalsrad drehen und achtmal müßten auf dem Basar Karten getauscht werden. Wie lange solch ein Spiel wohl dauern würde?

Ach ja, die Überschrift.
Nehmen wir also an, wir hätten für alle Kärtchen eine Verwendung gefunden, auch für die überzählige Flußkarte und die weißen CSC-Karten, dann lägen inklusive der 6 Abteikarten eben 376 Landschaftskarten auf dem Tisch. Wollte man diese 376 Karten einmal gezielt zu einem großen rechteckigen Bild mit glatten Außenkanten auslegen, bekäme man ein Problem. Denn durch was ist 376 teilbar? Durch 2, na toll. Durch 4, auch nicht brauchbar. Durch 8, dann mit einer Kantenlänge von 47 Kärtchen. Außerdem natürlich durch 188 und 94. Gäbe es nur zwei Landschaftskarten mehr, könnte man ein Bild mit den Kantenlängen 27×14 zusammenpuzzeln. Diese zwei fehlenden Landschaftskarten sind der König und der Raubritter. Immer dasselbe Gesocks, das alles kaputtmacht!

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Es ist mir eine innere Reichsfeder.

23. Juli 2010

Mit Rücksichtnahme auf die political Beklopptness kann ich leider nicht korrekterdings die wahre ℜeichsfeder zeigen, ohne befürchten zu müssen, einen Sturmlauf entrüsteter Idioten auszulösen. Darum sei nur eine harmlose Pfauenfeder gezeigt, die eines der Tiere auf der Berliner Museumsinsel für mich hat liegenlassen. Ohne Übertreibung ist das Gefieder dieser fasanenartigen blauen Wesen als „prachtvoll“ zu bezeichnen. Doch will ich mich nicht mit fremden Federn schmücken; ich sammelte sie nicht selbst ein, sondern die Feder wurde mir einst von meiner Mutter mitgebracht, mit welchem Hintergedanken auch immer. Bislang widerstand ich dem natürlichen Drang, sie mir bei meinen Travestieshows in den Bürzel zu stecken. (Bevor mich jetzt jemand buchen will: Danke für Ihr Interesse, aber auch den Drang zur Travestie verspürte ich bislang nicht.)

Ach, was soll’s. Welcher rabauköse Mob sollte schon in meinem kleinen Blögchen vorbeiströmen? Also:

Man kann ja nicht immer nur Lego sammeln. Als einer, der Briefe in Kurrentschrift zu schreiben versucht (was zwar die Freundinnen entzückt, aber dennoch weit von Kalligraphie entfernt ist, wenn man’s nicht kann), war ich eine Zeitlang auf der Suche nach dafür geeigneten Spitzfedern, da mir mein Vorrat auszugehen drohte. Den Vorrat hatte ich mir unrechtmäßig angeeignet, indem ich einen alten Schreibtisch auswaidete, ohne deswegen Gewissensbisse zu haben. Hätte ich den auf dem Schreibtisch stehenden Typographen entwendet, sähe das anders aus. Doch genug des Geständnisses. Mein Vorrat ging jedenfalls zur Neige, und ich erwarb bei Ebay einige Konvolute alter Schreibfedern, in denen laut Artikelbeschreibung Bremer Börsenfedern enthalten waren, denn diese hatten sich mir als am geeignetsten präsentiert, vorzugsweise von der Firma Brause & Co.

Ein Blick auf meine angehäuften Lego-Ritter-Kartons hätte mir die Augen öffnen und mir zur Warnung dienen können: Ich neige akut zum Sammeln. So durfte es mich nicht überraschen, daß ich bisweilen auch Federn ersteigerte, die ich zwar nicht unbedingt brauchte, die aber in einer hübschen und vor allem: originalen Verpackung geliefert wurden. Unwahrscheinlich ist, daß mich der werbewirksame Hinweis auf die Preiskrönung bei der Londoner Weltausstellung 1862 zum Kauf reizte.

Ebenso wenig wahrscheinlich ist, daß ich unbedingt den Inhalt der rechts abge- bildeten Schachtel haben wollte, denn mit linksangeschrägten Schreibfedern kann ich wahrlich nichts anfangen. Die benötigt man entweder zum Schreiben von arabischer oder hebräischer Schrift, oder sie sind Linkshändern nützlich.

Nein, ich wollte einfach diese hundert Jahre alten Schächtelchen haben, vor denen meine Lego-Kartons respektvoll in die Knie gehen bzw. gingen, so sie denn hätten, und natürlich Bremer Börsenfedern der Firma Brause. Dieses Ziel verlor ich keineswegs aus den Augen.

Ich muß freilich dazusagen, daß natürlich keine der Originalverpackungen noch die originale Bestückung enthielt, schon gleich gar nicht in der angegebenen Stückzahl. Es war jeweils ein Sammelsurium enthalten, und dabei immerhin auch einige Bremer Börsenfedern. Inzwischen hat sich aber diese Fixierung auf das hanseatische Schreibutensil als nicht notwendig erwiesen, denn die in der Brause-Packung enthaltenen Federn № 54 EF erfüllen den Zweck ebenso, mit dem eingebauten Vorteil, daß ich davon jetzt eine ausreichende Anzahl besitze. Der Rest ist Beifang, auch die ominöse Reichsfeder. Keine Ahnung, ob das einst die offizielle Kanzleifeder im deutschen Kaiserreich war, oder gar noch davor. Möglich wär’s.