Buch der Woche: Die Mundorgel

28. August 2009

Dieses Wochenende ist Chris auf Wanderschaft. Könnte es einen geeigneteren Anlaß geben, um in der Rubrik Buch der Woche die „Mundorgel“ zu besprechen? Vielleicht hätte es ein geeigneteres Buch gegeben, um die Rubrik Buch der Woche in die Welt zu setzen. In jedem Fall ist die Wortform geeigneteres eine, die beim Tippen höchste Konzentration erfordert. Aber wir wollen ja nicht tippen, sondern singen. Oder sollen.

Denn wie sich jeder erinnern wird, der irgendwann mal an einem Lagerfeuer oder in einem Stuhlkreis in einem Gemeindehaus saß, beinhaltet das kleine rote Büchlein allerhand Sangesgut aus mehreren Jahrhunderten und Stilebenen. Ob nun „der Globus quietscht und eiert“, unser Oma „im Hühnerstall Motorrad“ fährt, man schon mal in Hamburg „en Veermaster sehn“ hat, oder auch ein Gotteslob angestimmt werden soll – in der Mundorgel kann man’s nachlesen. Ich bloß grad leider nicht, denn wie ich eben mit aufwallender Empörung relativem Gleichmut bemerke, scheint mein Exemplar im Hause meiner Eltern gelagert zu sein. Tja, ich saß eben schon lange nicht mehr in Stuhlkreisen oder an Lagerfeuern. Aber macht ja nichts. Denn!

Eigentlich soll es hier ja um Lego-Bücher gehen, jahá! Und das Lego-Exemplar habe ich hier.
(Bilder = Links)

Ein Blick auf den Umschlag dieses roten Buches deutet zunächst nicht darauf hin, daß sich dahinter die Mundorgel verbirgt. Denn dieses Buch, enthalten im Micky-Maus-Set 4165, ist meines Wissens das einzige Lego-Buch, welches zwar im Innern Aufkleber hat, aber nicht außen. Doch schlägt man es auf, offenbaren sich zunächst dem Auge die Notenzeichen, sodann dem inneren Ohr des kunstsinnigen Lesers sogar die Töne, welche durch diese Notenzeichen repräsentiert sind. Leider habe ich so wenig Kunstsinn, daß ich noch nicht einmal zum Banausen tauge, darob belasse ich es bei der visuellen Wahrnehmung. Das Lied ist schön kurz und überfordert den Sangesfreudigen nicht mit komplizierten Melodiestrukturen. Oder gar mit Text. Das hat ja auch was für sich.

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Purismus ist kein Muß. Aber ein Möchte.

14. August 2009

Im Forum bei 1000steine.de tobt säuselt zum wiederholten Male die Diskussion vor sich hin, ob gewisse Bauten „mit regulären Legoteilen noch machbar“ seien. Dazu muß man leider sagen: Nein, es ist nicht alles rein mit Lego baubar. Bei bestimmten Modellen, etwa Fahrzeugen in großem Maßstab, muß man sich unweigerlich mit dem Problem der Stabilität auseinandersetzen, weil das Plastik der Lego-Elemente einfach nicht auf jedwede Krafteinwirkung ausgelegt ist; hier helfen Metallverstärkungen. Auch sind oder waren viele Raddurchmesser schlicht nicht verfügbar. Wir erinnern uns, daß die Freunde eisenbahnener Schienenfahrzeuge ca. 20 Jahre lang nach großen Speichenrädern jankten; hier wurden eigens Radkränze angefertigt, die auf originale Lego-Räder aufgezogen werden konnten. Später stellten Lego-Fans sogar selbst ganze Räder her.
Für viele stellt sich angesichts solcher Lego-fremder Materialien die Frage: Ist das legitim?

Nun, natürlich ist das legitim, denn es kann ja jeder bauen, was er will und wie er will. Doch irgendwie haftet solchen Bauweisen ein schaler Beigeschmack an. Denn die Kunst und die Herausforderung beim Lego-Bauen besteht eben darin, alles im Rahmen des Lego-Systems zu verwirklichen. Die Grenzen des Systems eigenständig zu erweitern, zeugt vielleicht von freiem Geist, Kreativität und Weltoffenheit, aber auch von der Unfähigkeit, reine Lego-Lösungen zu finden. Wem es nicht wichtig ist, reine Lego-Lösungen zu finden – schön. Für andere hingegen, auch mich, ist es befriedigender, puristisch zu bauen.

Im Verlaufe des Disputs wendet Inof ein:

Ein weiteres Problem, dass ich dabei sehe, ist, dass die Grenzen fließend sind, und dass jeder eine andere Vorstellung von Purismus hat. Wo der eine das Schneiden von Flexrohr noch OK findet, findet es der andere voll- kommen unakzeptabel. Das gleiche gilt für (Nicht-) Benutzung von Stickern. Selbst bei Bionicle, was ja Original- LEGO ist, scheiden sich schon die Geister.

Nun mag es natürlich altväterliche Gesellen geben, die puri- stischerdings als reines Lego nur von Ole selbstgeschnitzte Holzenten anerkennen. Oder meinethalben weiße und rote 2×4-Steine, aber eigentlich nur aus Celluloseacetat und ohne Innenröhren. Doch auf das breite Brett „Alles, was von Lego stammt, ist Lego“ könnte man sich ja grundsätzlich mal einigen, womit der irrationale Haß auf Bionicle außen vor bliebe. Im Umkehrschluß ist alles, was nicht von Lego stammt, kein Lego. Namentlich Brickforge-Schafe, Little-Armory-Waffen, Playmobil-Flaschen, Ü-Ei-Klimbim oder Metallschrauben, Holz, Gips, Fimo, Chrom, LEDs, selbstgefräste Sonderteile, selbstgeschneiderte Segel und selbstgemachte Aufkleber. Daß Playmobil kein Lego ist, sollte unbestritten sein, also warum sollten für Little-Armory-Zeugs andere Maßstäbe gelten? Somit ist seine Verwendung nicht puristisch.

Aber was „stammt“ von Lego? Piratenschiffsegel, Zugbrückenschnüre und Metallachsen für Eisenbahnräder sind sicherlich Zukaufteile, ebenso die eigentlichen Motoren in Lego-Motoren, und wahrscheinlich viele andere Teile, die nicht aus spritzgießbarem Kunststoff bestehen, Ringgummis beispielsweise. Weiß ich aber nicht. In jedem Fall werden solche Teile natürlich von Lego in Umlauf gebracht, sind also im puristischen Sinne Lego. Das hat auch bisher kaum jemand bezweifelt.

Wenn man jetzt ein Stück Schnur verwendet, das zwar nicht direkt aus z.B. einem Piratenschiff stammt, der dort verwendeten Schnur aber zum Velwechsern ähnlich sieht und womöglich sogar von der selben Schnurfabrik hergestellt wurde, dann wird das sowieso niemandem auffallen. Gleiches gilt für Gummis.

Wenn man in Billund auf dem Bürgersteig vor Legos Designlabor ein offenkundig zurecht- gesägtes, bemaltes oder sonstwie nicht im Originalzustand befindliches Teil findet, das einem Setdesigner aus der Tasche gefallen ist und im Prozeß der Modellentwicklung Ver- wendung fand, bis eine Spritzgußform für ein solches Element hergestellt wurde, ist das m.M.n. der Grenzfall mit Tendenz zu nicht puristisch. Denn solch ein Teil würde Lego nie willentlich in den Verkauf bringen. Findet man durch einen großen Zufall so ein Teil in seiner frischgekauften Lego-Packung, mag man es guten Gewissens (als Purist) einbauen, denn es stammt ja von Lego. Allerdings wäre an der Stelle dann ein Hinweis dienlich, wo das Teil herkam.

Natürlich stellt Lego auch allerhand Teile her, die nicht für den Verkauf bestimmt sind, etwa blaue Fahrräder, Minifighüte in ulkigen Farben und Elemente, die nur den Modellbauern in den Legoländern zur Verfügung stehen. Wenn man die Gelegenheit hat, solche Teile in MOCs zu benutzen, halte ich das für puristisch, denn die Teile stammen ja aus Lego-Produktion und haben die Form und Farbe, die ihnen zugedacht war.

Kaputtes Lego ist insofern puristisch, als es selbstverständlich Lego ist; aber es ist insofern unpuristisch, als es nicht die Form hat, die ihm zugedacht war. Aber gerade Vergilbung läßt sich ja kaum verhindern und beeinträchtigt zumindest die Form nicht. Ob man, wenn man kaputte Teile einbaut, mit dem Aussehen zufrieden ist, muß jeder selbst entscheiden. Gerade Kinder haben oft keine andere Möglichkeit, weil sie noch nicht über einen großen Teilevorrat verfügen, aus dem sie ein kaputtes Teil ersetzen könnten.

Wenn durch Bruch aus z.B. einer 2×16-Platte eine 2×9- und eine 2×7-Platte enstehen und man diese auch als solche einbaut, ist das nicht puristisch, weil es diese Teilformen originalerdings nicht gibt. Wenn man eine 1×1-Platte, die durch Bruch von einer Ösenplatte entstanden ist, einbaut, ist das zwar puristisch, wird einen aber eventuell nicht zufriedenstellen, weil man weiß, daß das ein kaputtes Teil ist; vielleicht ist es einem aber auch schnuppe. Die durch einen solchen Bruch entstandene lose Öse ist nicht puristisch, weil es diese Form originalerdings nicht gibt. (Leider!) Aber ich will mich nicht an Einzelbeispielen aufhängen.

Wenn man Hand und/oder Werkzeug anlegen muß, um ein Teil in die Form zu bringen, die man haben will (z.B.: weil es sonst nicht paßt oder man diese Form einfach gerne hätte), kann das nicht puristisch genannt werden, es sei denn, das Element ist dazu gedacht, in Form gebracht zu werden, wie etwa Flexschläuche. Auch wenn man Teile, die zusammengesteckt geliefert werden, wie Schaltknüppel, Minifigober- und -unterkörper oder (früher) 2×2-Drehplatten, zerstörungsfrei auseinandernehmen, neu kombinieren und wieder zusammenstecken kann, ist das natürlich puristisch.

Kleben ist nicht puristisch. Generell nicht, weil es dem Dogma zuwiderläuft „Jeden Tag ein neues Spielzeug“, und im Speziellen nicht, wenn Teile nur durch Kleben zusammenhalten. Sichert man hingegen Teile, die bei festem Stand ohne Weiteres zusammenhalten, etwa für einen Transport mit Tesafilm, halte ich das für puristisch.

Anspruch auf Vollständig-, Unanfechtbar- oder überhaupt Gültigkeit erheben meine Ausführungen natürlich nicht. (Das wäre ja auch noch schöner, wenn meine Ausführungen irgendwelche Ansprüche erheben würden!)

Und stets gilt: Alles nicht so verbissen sehen! Ich will den sehen, der im Leben noch nicht gegen einen der obigen Paragraphen verstoßen hat, mich eingeschlossen. Manchmal ist ein bewußter Verstoß (Eigentlich ein schlechtes Wort. Denn es gibt ja keine Regeln.) ja auch ganz lustig, wie aktuell Holys Schrotteilracer.


Überraschungssieg!

7. August 2009

Da schaut man mal einen Moment nicht genau hin, und schon gewinnt man bei der Abstimmung zum »MOC des Monats« auf www.1000steine.de.

Vielen Dank an alle Beteiligten!

Obwohl, Moment, nee. Gewonnen hat dieses Bauwerk von Larsvader. Die Ähnlichkeit zu meinem Reichstag von Worms ist kein Zufall und wird von Lars auch gar nicht geleugnet. Er nennt meine Bauwerke als Quelle der Inspiration, was ich korrekt und nett finde. Darum freue ich mich, daß seine »grosse Halle« trotz Rechtschreibfehler gewonnen hat. Er hat mein Grundkonzept (Wenn man so will. (Und das will ich.)) ja durchaus angenehm gewürzt, wiewohl mich der KerdamonFremdteilgeschmack natürlich leicht überzwerch ankömmt. Sei’s drum.