Über die Klinge gesprungen.

30. Juni 2012


Seit Lego ins Kriegshandwerk eingestiegen ist, sind unermüdlich die Waffenschmiede am Werke, um zum Beispiel Schwerter zu fabrizieren. Sofern ich keins vergessen habe, gab es bislang die obigen zwanzig Modelle, zum Teil in verschiedenen Farben und Materialien. (Das Bild wird durch Anklicken größer, die Zahlen entsprechen nicht der Chronologie.)

In den Jahren 1978 und 1979 trugen die noch blutjungen Ritter der gelben Burg 375 und der Streitmacht 677 das kurze Breitschwert, im Bild №7. Zunächst war dieses Schwert aus dem Material gefertigt, aus dem auch die normalen Lego-Steine bestehen, nämlich ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol), und es war hellgrau. Mit der Runderneuerung des Burgenlandes 1984 wurde es dunkelgrau; einmalig findet sich ein schwarzes Exemplar im Ausrüstungsdepot 6041. Seit 1993 wird es aus PP (Polypropylen) hergestellt, wodurch es wohl weniger bruchanfällig wurde. Im Jahre 2001 tauchte überraschend ein hellgraues Schwert in Schloß Hogwarts 4709 auf, nun also nicht aus ABS, sondern aus PP. Diese hellgrauen PP-Schwerter fanden dann auch in der Neuauflage 10039 des Ritterschlosses 6074 Verwendung, entsprachen also nicht dem Originalset, worin natürlich dunkelgraue ABS-Schwerter enthalten waren. Von 2004 bis 2006 galt es als ausgestorben, da in der damaligen Knights-Kingdom-Serie eine andere Schwertform verwendet wurde. Doch im Jahre 2007 feierte es fröhliche Urständ, nun in den metallisch schimmernden Farben „pearl light grey“, „pearl dark grey“ und „flat silver“. Seine weitere Zukunft ist dennoch ungewiß, denn im Zuge der Herr-der-Ringe-Lizenz drängeln sich wiederum andere Schwertformen in den Vordergrund. Warten wir’s ab.
Die technischen Daten: Griff und Parierstange entsprechen dem Durchmesser einer Minifighand, die Klinge läßt sich durch ein Kreuzloch stecken. Durch die rundlichen Knäufe ergeben sich Möglichkeiten der Anbringung in einem anderen Winkel als 90°.

Die zweite Klinge, die im Legoland gekreuzt werden konnte, war im Jahre 1989 der Piratensäbel, im Bild №20 und seinerzeit eine Sensation. Ich hatte mir zuvor noch Säbel aus Ritterschwertern schnitzen müssen…
Der Säbel wurde von Anfang an aus PP produziert und war immer dunkelgrau. Bis im Jahre 2004 diese Farbe ins bläulichere Neudunkelgrau abgeändert wurde; seither ist dieser Säbel bei jedem Vorkommen in Sets (durchaus nicht nur Piratensets!) eben neudunkelgrau. Die Breite der Klinge entspricht dem Durchmesser des Griffstücks, läßt sich also in Ösen, Klemmen und Hohlnoppen schieben.

Im Jahre 1995 fiel irgendwem bei Lego auf, daß man ja zuvor schon mal Wasserhähne verchromt hatte, und daß man das ja auch mit Schwertern tun könnte. Zu diesem Zweck schmiedeten sie sich eigens ein Langschwert, im Bild №10. Obschon vielfach verwendet, ist es für Minifigs eigentlich zu groß. Daher ist seine Verwendung als Heroenschwert des Prinzen in der Beville-Märchenserie nicht verwunderlich. Seit 2003 kommt es auch zuweilen in goldverchromter Ausführung vor.
Die Klinge ist ebenso breit wie beim kurzen Breitschwert, paßt also durch Kreuzlöcher. Die rundlichen Knäufe an der Parierstange erlauben flexible Anbringungen, wohingegen der Knauf am Griff lediglich dazu taugt, Lego-Logo und Teilenummer zu präsentieren, aber es paßt unerwarteterweise keine Griffstange in die Öffnung.

Und da man sowieso gerade dabeiwar, Klingen zu verchromen, legte man rasch noch ein auf diese Weise behandeltes Messer nach, zur Verteidigung der seinerzeitigen Tiefseetaucher gegen Freßfeinde. Im Bild ist es №2, unverchromt, wie es Lego heutzutage lieber ist, aus Kostengründen. Dennoch findet es sich in chromgold noch in Ninjago-Sets, und nachtglimmend in der Funktion als Basiliskenzahn in Harry Potters Kammer des Schreckens.
Die Klinge hat wiederum denselben Durchmesser wie das Griffstück, am Knauf ist eine variable Anbringung möglich.

Im Jahre des Tigers 1998 wagte Lego den Kultursprung und lanzierte eine Ninja-Serie, natürlich mit dazugehörigem Ninja-Schwert. Dieses hatte zunächst einen achteckigen Handschutz, seit 2011 einen viereckigen, im Bild №11. Könnten die Minifigs in die Hände klatschen, wäre dieses mannshohe Schwert ein Beidhänder, der Griff böte jedenfalls genug Platz. In der ursprünglichen Ninja-Serie gab es hellgraue und schwarze Schwerter, ein türkisblauer Exot fand sich im Robo-Raider-Set 8509 (Technic), neuere Versionen sind hell- oder dunkelperlgrau oder gar perlgold.
Die Klinge ist leicht geschwungen, aber ösen- und hohlnoppengängig.

Offenbar nicht mit der Verwendung als Minifigwaffe im Hinterkopf wurde im Jahre 2003 das orientalische Krummschwert (Schimitar) geschmiedet, №15. Die Dimensionen paßten eher zu den Jack-Stone-Piraten im Folgejahr, die es als Säbel nutzten. Die geschwungenen Formen machten es überdies als Zierelement dienlich, dann zuweilen in der abwegigen Farbe gelb. Ansonsten kommt es vor in weiß, schwarz, hell- und dunkelgrau (alt und neu), sowie chromsilbern.
Mit einem Knauf als Hohlnoppe, beidseitigen Hohlnoppen an der Verbindung von Griff und Klinge, und mit Klemmen als Handschutz bietet das Krummschwert vielfältige Anbringungsmöglichkeiten im Lego-System.

Alles anders wurde im Jahre 2004. Nicht nur wurden die Farben grau, dunkelgrau und braun ins bläu- bzw. rötliche verändert. Auch den neuen Schwertern der neuen ..nun ja.. Ritterserie namens Knights’ Kingdom war anzumerken, daß Systemkompatibilität nurmehr eine untergeordnete Rolle spielte. Außer am Griff ist das Heroenschwert, im Bild №9, mit keinem Teil ordentlich zu befestigen, die überlange, labberige Klinge paßt auch nicht zur Gänze durch Kreuzlöcher. Außerdem trugen die unberittenen Ritter der genannten Serie diese Schwerter in den ulkigen Farben gelb, rot, kupfer, bronze und stahlblau, was insgesamt komisch wirkte. Die Wikinger des Jahres 2005 schwangen es immerhin im metallen wirkenden „flat silver“. Althergebrachte Breitschwerter hätten ihnen zwar besser zu Gesichte gestanden, aber die neue Schwertform war nun einmal in der Welt, also mußte sie sich auch amortisieren. Inzwischen hat Lego seinen Irrtum aber eingesehen, und seit 2006 tauchte dieses Schwert in keinem neuen Set auf. Gut so.

Ab 2007 durften’s die Ritter der Castle-Serie wieder mit dem traditionellen kurzen Breitschwert ausfechten (s. o.), nun in zeitgemäßeren Farben. Die ihnen feindlich gesinnten Knochenmänner attackierten sie mit geradegedengelten Sensenklingen, im Bild №14, waren also echte Sensenmänner. Ob man diese Klinge als Schwert bezeichnen kann, ist fraglich, originell ist sie in jedem Fall. Zwei rote Exemplare dieses Modells finden Verwendung im Exo-Force-Set 8114.
Die Klinge läßt sich am Griff in Klemmen stecken und bietet als Knauf ihrerseits eine solche.

Im Jahre 2008 traten die Trolle in die Castle-Serie ein und brachten neue Schwerter mit, im Bild №16. Das Trollschwert ist ungeschlacht und grob zurechtgeschmiedet, es ist schartig und unförmig. Ich würde es als überambitioniert comichaft bezeichnen, zum Wesen der Trolle paßt es freilich.

Die Prince-of-Persia-Lizenz machte es im Jahre 2010 erforderlich, den Krummdolch, im Bild №4, zu schmieden, denn um diesen geht es wohl im Film. Ich sah ihn allerdings nicht, weiß also weiters nichts zu diesem schönen Stück zu sagen. Die Materialkomposition aus güldenem Griffstück und stählerner Gummiklinge ist ein Novum in Legos Waffenarsenal, wird uns aber später noch einmal begegnen.

Mit dem güldenen Zeremonialschwert aus der Ninjago-Serie, im Bild №12, möchte man als Minifig nicht kämpfen müssen. Es kämen ja unschöne Macken hinein! Außerdem ist es übermannshoch, und die Durchschlagskraft der Klinge wird durch reliefartige Drachenornamentik gehemmt.

Den Degen des Musketiers aus der Minifigsammelserie 8804, im Bild №13, hätte ich mir schon als Kind gewünscht. Ich mußte mir dergleichen Fechtwerkzeug noch aus ordinären Breitschwertern schnitzen.

Captain Blackbeards Prunksäbel, im Bild №19, wertet die Lizenzserie „Pirates of the Caribbean“ auf. Ein weiteres Mal kommt hier die Kompositionstechnik mit zwei verschiedenen Materialien zum Einsatz.

Wie die drei vorgenannten Schwerter aus dem Jahre 2011 stammt das ägyptische Sichelschwert, im Bild №17. Zum Einsatz kommt es passenderweise in der Serie „Pharaoh’s Quest“, und zwar in den Farben dunkelperlgrau und perlgold.

Das Jahr 2011 hatte es in sich. Die Minifigsammelserie 8805 brachte einen Gladiator, der entsprechend mit einem Gladius bewaffnet ist, im Bild №6. Dieses Kurzschwert dient im Folgejahr den Hobbits der Herr-der-Ringe-Serie zum Schutze und wird auch von der Walküre der Minifigserie 8831 getragen. Es kommt in den Farben hell- und dunkelperlgrau vor.

Das Waffenarsenal der Heroica-Spielfiguren (Immer noch 2011) hält gleich zwei Klingen parat: Zum einen ein weiteres Messer, im Bild №1, zum anderen ein sehr kurzes Schwert, im Bild №3. Diese Waffen finden sich auch in den Minen von Moria.

Das Jahr 2012 bringt eine weitere neue Schwertform, das Langschwert, im Bild №8. Länger und schmaler als das klassische Breitschwert entspricht es im Ganzen mehr einem realen Schwert, bietet aber deutlich weniger Systemkompatibilität, insofern einzig der Griff eine Befestigungsmöglichkeit bietet. Zunächst kommt es quasi probehalber als Spezialteil zweier Figuren der Minifigsammelserie zum Einsatz, doch zeigt sich bald, daß es wohl zum neuen Standardschwert werden wird. Denn sowohl der Vampirgraf der Monster-Fighters-Serie als auch verschiedene Gestalten Mittelerdes schwingen es in regulären Sets. Bislang kommt es in „flat silver“ und dunkelperlgrau vor.

Naturgemäß bietet die Herr-der-Ringe-Lizenz weidlich Anlaß, neue Waffen zu schmieden. Unverzichtbar ist Stich, englisch Sting, die Elbenklinge Bilbos und Frodos, die in der Nähe von Orcs warnend aufglimmt. Im Bild ist es №5. Aufglimmen tut es nicht, was vermutlich durch die Abwesenheit jeglicher Orcs erklärbar wird. Dankbarerweise ist es in den Sets, die es enthalten, als Ersatzteil aufgeführt.

Das Orc-Schwert der Truppen Sarumans gleicht eher einem großen Käsemesser als einem Schwert, siehe №18 im Bild. Erfunden und durchdacht wurde diese Klinge von den Waffenschmieden des Weta-Workshops, den Ausstattungshelden für die Herr-der-Ringe-Filme, und es ist darauf ausgelegt, größtmöglichen Schaden anzurichten. Nehmen wir uns also in Acht!

Advertisements

Hohe Zeiten.

5. Juni 2012

Nicht daß jemand meint, dieses Bild hätte mit meinem Leben zu tun; war selten weiter von einer Heirat entfernt als zur Zeit. Aber Lego war lange nicht mehr so nah dran. 1978 hatten noch die Kugelköpfe im Set 205 geheiratet, dann lange niemand mehr, erst 30 Jahre später gab es wieder ein Brautpaar im Patent-Jubiläumsset 10184. Und jetzt gibt es gleich drei Bräute gleichzeitig, nämlich eine verlassene Braut als Sammelminifig in der siebenten Serie, es gibt ein regelrechtes Brautpaarset als Hochzeitstorten..äh..topper heißt das (glaube ich), und im aktuellen modularen Rathausset 10224 führt der Bürgermeister ebenfalls eine Eheschließung durch.

Haben wir was verpaßt? Hat Kjeld seine Töchter unter die Haube gebracht oder haben seine Söhne geheiratet? Jedenfalls ist diese Abundanz (Überfluß) an Bräuten nicht normal.

Ach, bevor ich diesen Beitrag schließe und veröffentliche, fällt mir noch ein, daß es zwischendurch auch Belville-Sets mit Hochzeitsthematik gab. In der Märchenserie führte der Traumprinz seine Traumprinzessin (5827) heim, und anläßlich der tatsächlichen Verehelichung eines dänischen Prinzen mit einer australischen Geldadligen schickte Lego die Hochzeitskutsche 5877 ins Rennen um die besten Souvenirs zum Ereignis. Aber mir egal. Ich werde ums Verrecken nicht die Fachpresse studieren!