Tap Dance.

19. Januar 2014

Hätte den Spengler der Bauernschaft Billund eines Tages der Hafer gestochen, und er hätte sich eine Spritzgußmaschine angeschafft und Plastikspielzeug hergestellt, dann wäre das oben dargestellte Malheur vielleicht ausgeblieben. Aber so war es der Tischler, und der hat sich den Wasserhahn irgendwie geschnitzt. Wobei mir schleierhaft ist, wie das passieren konnte; denn beide Teile auf dem Bild tragen dieselbe Formnummer in Innern: „3 01“.

Aber mit Wasserhähnen hamses in Billund. So auch hier:

Seit 1984 gibt es diesen Düsenaufsatz, verwendet als Feuerlöscher, Wasserhahn, Schalthebel und so weiter. Irgendwo wurde das Teil vielleicht mal so verwendet, daß das imaginäre Wasser nicht aus der vorderen Düse, sondern aus dem Standfuß tröpfeln sollte. Und bei der nächsten fälligen Generalüberholung der Spritzgußform dachte sich ein schlauer Mensch: Wie wäre es denn, wenn wir bei dem Teil ein Loch im Fuß hätten? Gesagt, getan.

Weshalb dafür das eigentlich vorgesehene Loch in der Düse entfallen mußte, entzieht sich wiederum jeder nachvollziehbaren Erklärung. Ich habe jedenfalls keine, und darum ist hier Schluß.


10 Jahre Apartheid!

4. Januar 2014

Kein Grund zum Jubel. Und leider viel Text.

Die Tricolore des Grauens und Braunens, sowie des Neugrauens und Neubraunens. Mithin eine Seicolore, aber wir wollen nicht spitzfindig werden. Oder doch.

Was war geschehen? Ende des Jahres 2003 kamen die ersten Sets des Modelljahres 2004 in den Handel. Irgendwas war komisch. Auf der damaligen Hauptplattform der internationalen AFOLschaft, Lugnet, verkündete Joe Meno die beunruhigende Entdeckung: Lugnet-Posting.
Lego hatte völlig unvermutet – unverhofft sowieso nicht – die Farben grau, dunkelgrau und braun im Farbton verändert, siehe oben. Die Grautöne wurden etwas bläulicher, braun wurde rötlicher.

Nun kann man ja durchaus geteilter Meinung sein, ob man die erdigeren alten Farben oder die frischeren neuen Farben schöner findet. Auch mag die hinzugewonnene Farbvielfalt begrüßenswert sein. Ganz so einfach ist es freilich nicht. Auf Lugnet jedenfalls entsponnen sich in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten recht heftige Diskussionen über den Sinn und Unsinn einer solchen Farbänderung ansich, aber auch über den Umgang der AFOLs mit der Situation, bis hin zu regelrechten Schlammschlachten zwischen Befürwortern und Gegnern des Wechsels und der Durchführung und schließlich Erklärung desselben seitens der Firma Lego. Diese waren zumindest unglücklich.

Ich selbst bin ein Gegner des Wechsels. Und zwar nicht aus bloßem Trotz, weil was verändert wurde, sondern aufgrund – wie ich hoffe – rationaler Argumente.

Erstens finde ich die neuen Farben keineswegs schöner. Die alten Farben waren wärmer, und gerade braun war klarer definiert. Die erdigeren Grautöne sind meiner Meinung nach besser geeignet zur Darstellung von Stein, wie es bei Burg- und und Bergbauten vorkommt, während die bläulicheren neuen Grautöne unnatürlich oder zumindest metallisch wirken, was ja bei entsprechenden Bauten durchaus passend ist. Und Neubraun… naja. Leider wirken altgraue Teile im direkten Kontrast zu neugrauen Teilen vergilbt; auch nicht schön.

Zweitens ist die von vielen Befürwortern ins Felde geführte Farbvielfalt auch nur vordergründig ein Gewinn. Das Argument war, in Wirklichkeit gäbe es ja auch mehr als einen Grauton! Sicher. Aber in der Wirklichkeit gibt es nahezu unendlich viele Grauschattierungen, bei Lego nun zwei, bzw. vier. Zuvor war es eine klare Abstraktion und Reduktion auf einen Grauton pro Schattierung, jetzt ist das nicht mehr ganz so klar. Ich gebe zu, das ist wahrscheinlich ein schwer nachvollziehbarer Gedanke.
Wie dem auch sei, die von den Befürwortern beschworene Kombinierbarkeit von alten und neuen Farben mit dem angeblichen Vorteil der Wirklichkeitsnähe sehe ich kritisch. In einer Mauer aus altfarbenen Grauteilen stechen neufarbene Grauteile unnatürlich blau hervor, in einer Wand aus neugrauen Teilen wirken altfarbene Teile unschön oll. Und gerade in Strukturen, die „wie aus einem Guß“ wirken sollen, ist die Kombination von verschiedenfarbigen Teilen ja ein Schuß ins Knie.

Drittens und schlimmstens führt ein Farbwechsel – unabhängig davon, welche Farben nun individuell für schöner befunden werden – dazu, daß farbkonsistentes Bauen innerhalb des ewigen Lego-Systems nicht mehr uneingeschränkt möglich ist. Denn bisweilen wurden gewisse Teile irgendwann nicht mehr hergestellt (z. B. Fingerscharniere), die es nur in alten Farben gab. Gleichzeitig werden natürlich alle neuen Teilformen bloß in neuer Farbgebung produziert. Wer also optimistisch und weltoffen mit neuen Farben baut, muß, wenn er ein altes Teil verwenden will, dessen nicht mehr aktuellen Farbstich in Kauf nehmen. Ebenso müßten die konservativen Knacker, die weiterhin mit ihrem Vorrat an altfarbenen Teilen bauen wollen, entweder auf neuartige Teilformen verzichten, oder eben deren modernen Farbstich in Kauf nehmen. So oder so ist es eine unbefriedigende Situation.

Und diese Situation besteht nun seit zehn Jahren, und sie wird auch weiterhin bestehen, sofern nicht Lego alte Teilformen reaktiviert. Davon ist jedoch nicht auszugehen. An eine Rückkehr zu den alten Farben glauben eh nur die verhärmtesten Phantasten, denn erstens hat Lego ausdrücklich betont, daß diese drei neuen Farben hinfort unabänderlich seien bis ans Ende aller Dinge (nachzulesen hier), und zweitens sind die Billunder einfach Sturköppe; wenn sie alle anderen Farben ändern würden – diese drei nun aus Prinzip nicht.

Mit dem Farbwechsel ging auch eine zweite Änderung einher. Seit dem Jahre 2004 nämlich sind die Minifigs aus Lizenzthemen nicht mehr gelbgesichtig. In Lizenzthemen stellen die Minifigs realexistierende Schauspieler dar, und die haben ja in natura auch keine gelbe Haut. Bis zum Sündenfall Lando Calrissian aus dem Set 10123 waren auch alle Lizenzfiguren aus den Serien „Star Wars“ und „Harry Potter“ einfach minifigüblich gelbgesichtig. Doch Lando wurde korrekterweise mit braunem Teint dargestellt, während seine hellhäutigen Setgenossen weiterhin gelbe Haut hatten. Damit hatte Lego indirekt zugegeben, daß die gelben Minifigs hellhäutigen Menschen entsprachen. Der blanke Rassismus! Zumal es in all den Jahren nur gelbe Minifigs gegeben hatte, und eben keine Männeken anderer Hautfarbe. Die Konsequenz aus dieser schockierenden Einsicht zog Lego dergestalt, daß hinfort Minifigs, die realexistierenden Menschen entsprachen, auch mit irgendwie natürlicherem Hautton dargestellt wurden.

Das ist ja gutgemeint, aber dennoch kacke. Denn seither gibt es zwei Minifigwelten, die sich nur schwer vereinbaren lassen. Während die Männeken aus Lizenzthemen relativ naturgetreu daherkommen, auch eine nette Vielfalt an unterschiedlichen Ethnien bieten, sind die gelben Minifigs traditioneller Prägung …naja… halt anders. Und zwar keineswegs schlechter. Schon insofern nicht, als ihre Gelbgesichtigkeit geradezu ein klassisches Markenzeichen für Lego überhaupt ist. Ein Markenzeichen, welches die Firma Lego nun selbst entwertet hat.
Doof ist ja auch, daß Lego ein diebisches Vergnügen daran zu finden scheint, den feingestalteten Figuren stets einen minifighautfarbenen Halsausschnitt zu verpassen. Damit man auch ja! nicht gelbe Köppe auf Lizenztorsi setzen kann und umgekehrt.

Jedenfalls. Seit zehn Jahren bestehen diese Dilemmata nun. Sie hatten auch ihr Gutes. Aus bloßem Frust über diese unwillkommenen Änderungen beschloß ich im Jahre 2004, das Sammeln von Star-Wars- und Harry-Potter-Sets ab sofort zu unterlassen, da hier neben die doofen neufarbenen Bauteile obendrein noch die doofen unpassenden Figuren traten, mit denen ich in meiner Lego-Welt nichts anfangen konnte. Durch den Nichterwerb von neuen Sets dieser Serien sparte ich unheimlich viel Geld, das ich sowieso nicht hatte. Das andere Gute war, daß Lego natürlich noch Vorräte an altfarbenen Teilen hatte, die sie aber nicht mehr in neuen Sets zu verwenden gedachten, wohl aber gerne noch zu Geld machen wollten. So kam es, daß in den Wühlkisten der Legoländer und zum Teil auch Lego-Brand-Stores noch für viele Monate altfarbene Neuteile erhältlich waren; eine gute Gelegenheit, das oben gesparte Geld doch noch sinnvoll einzusetzen und meine eigenen Altfarbvorräte anzureichern. Waren doch ausgerechnet grau und braun immer Farben gewesen, von denen man nicht genug haben konnte.

Und neue Sets kaufte ich ja dennoch, namentlich alles Ritterliche, was naturgemäß mit einer wahrnehmbaren Anzahl an grauen und braunen – nun also neugrauen und -braunen – Teilen aufwartete. Da ich jedoch nicht gedachte, dieses Neufarb überhaupt in Eigenbauten einzusetzen, machte ich mir auch kaum die Mühe des Sortierens. Alle Teile dieser drei Farben kamen unsortiert in die Quarantänekiste. Okay, vor einigen Jahren wurde ich doch kurz schwach, ordnete die Kiste in grobe Kategorien … und warf danach alles Neufarbene weiterhin unsortiert in Eisboxen. Das machte das Auseinandernehmen von Neusets zu einer raschen Angelegenheit.

Über eine Dekade hat sich doch einiges angesammelt. Und altersmilde, wie ich langsam werde, überlege ich, den Kram doch mal wie normales Lego zu behandel und zu sortieren, vielleicht sogar für Eigenbauten zu verwenden. Schluß mit der Apartheid!