Ferngesteuerte Entkupplungsanlage 7862 (12-Volt).

24. September 2014

Als ich vor gut einem Jahr den wahnwitzigen Beschluß faßte, mit 30 Jahren Verspätung doch noch 12-Volt-Eisenbahnsets zu sammeln, ging ich Irrsinniger direkt einen Schritt weiter: Und zwar mit Originalkartons! Denn diese Eisenbahnsets sind tatsächlich für die Sammlung gedacht und nicht – anders als vieles andere, was ich so an Lego anschaffe –, um Material für Eigenbauten zu liefern. Also sind die Originalkartons bestens geeignet, um die Modelle stilecht zu lagern. Naja, selbst schuld, denn diese Direktive hat blöde Nebenwirkungen.

Erstens sind Sets mit Originalkarton natürlich teurer in der Anschaffung als loser Kram. Und zweitens… Nee, ich ziehe es anders auf. Dies ist also der Inhalt des besagten Sets. Doppelpunkt. Wie man sieht, ist alles nach Lego-Art fein in Einzelteile zergliedert.

So auch die spezielle Formteilgrundplatte, die so nett ihren vorgeschriebenen Platz im Styropor des Schiebekartons hat. Auf diese soll man neben dem Entkupplungsmechanismus natürlich auch den elektrischen Antrieb sowie die Gleise montieren. Außerdem findet ein Signalmast Platz.

Leider verfolgt Lego hier eine Strategie der Unumkehrbarkeit. Denn sowohl der Kasten mit dem Antriebsaggregat, als auch die eigens für dieses Set gefertigte Mittelleiterschiene werden nicht mit bloßer Noppenkraft auf der Platte gehalten, sondern mit stabilen Klipps.

Die Erfahrung mit einer ladenneuen Weiche 7859 zeigt, daß sich derart verbundene Teile nur mit großem Zerstörungsrisiko trennen lassen.

Hinsichtlich des Antriebskastens ist das nur halb so wild. Selbst wenn es ärgerlich ist, daß ein eigentlich neues Element nun offiziell kaputt ist, führen die abgebrochenen Halteklippse nicht zu einer Funktionseinschränkung. Brächen hingegen die Klippse der Stromschiene ab, läge diese in der Mitte schwimmend auf. Zwar ist dieser Ernstfall bis jetzt nicht eingetreten, aber noch habe ich die Schiene ja auch nicht eingeklippst.
„Warum sollte man da überhaupt wieder irgendwas trennen wollen?“ höre ich den geneigten Leser fragen, und das hat sich offenbar auch Lego selbst gefragt, als sie das Teil in dieser Form herstellten. Die Antwort lautet jedenfalls: „Damit man das Teil wieder im Karton verstauen kann.“ Dafür habe ich ihn schließlich angeschafft. Die Kartons des rollenden Materials hat Lego jedenfalls eigens so gestaltet, daß das jeweilige Modell im Ganzen hineinpaßt.

Und jetzt bin ich zimperlich. Natürlich würde ich sehr gerne diese Entkupplungsfunktion ausprobieren, zumal mir vorliegende Berichte anderer diesem Set nicht durchwegs gute Noten ausstellen. Aber ich traue mich nicht. Bleibt mir also vorerst nur die theoretische Betrachtung. Bis jetzt fragte ich mich zum Beispiel, wieso diesem Set überhaupt solch ein Signalmast beiliegt, wenn doch daran gar kein Signal oder Schild befestigt ist. Meiner Vermutung nach dient jedoch der Mast dazu, auf einige Entfernung, am Trafo sitzend, besser abschätzen zu können, wo genau die zu trennende Kupplung plaziert sein muß. Na, irgendwann werde ich es natürlich doch mal feststellen.

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Obskures Objekt.

15. September 2014

Bricklink hat sich (im Jahre 2011 bereits) für den Meilenstein des fünfzigtausendsten Katalogeintrags ein ganz besonderes Teil ausgesucht, nämlich das seltsame Teil mit der Formnummer 6626. Passenderweise wurde es als „Obscure 50,000th Catalog Item“ benamst, denn es ist unbekannt, was es kann und woher es stammt. Werfen wir mal ein, zwei, drei Blicke drauf:

Ein Größenvergleich ist zur Einordnung hilfreich.

Das Teil läßt sich auf vier oder auf zwei Noppen aufstecken, letzteres allerdings nur in eine Richtung.

Alles schön und gut, aber was ist das? Lego baut sich doch nicht eine Form und spritzt Teile, ohne damit einen Zweck zu verfolgen! Die kleinen versetzten Schlitzchen erwecken den Eindruck, als solle da irgendwas einrasten, die große Vertiefung in der Mitte könnte ein Widerlager für einen Hebel oder ähnliches sein. Die durchgehenden Streben wirken wie eine Schiene. Da das Teil kleiner als eine 2×2-Platte ist und an den Endseiten der Streben jeweils zwei gefaste Verlängerungen aufweist, ist es vielleicht dazu gedacht, als ganzes irgendwo eineklippst zu werden. Möglicherweise ist dieses Element ja ein Bauteil im Innern einer größeren mechanischen Apparatur. Dagegen spricht freilich, daß das Teil auf Noppen gesteckt werden kann. In diesem Zusammenhang sind die gefasten Überstände hilfreich beim Ablösen. Es ist ein Rätsel.

Meine Helferlein wissen sich darauf ebenfalls keinen Reim zu machen.

Nachtrag am 17.09.2014:
Fall gelöst. Danke, Brixe!


Helge Schneider ist der beste Mensch der Welt.

13. September 2014

Is’ so. Kann man sich zum Beispiel hier von überzeugen.


Heroica. Eine Sinfonie in ABS-Dur.

7. September 2014

Gewidmet Napoleon Bonaparte, dem Ersten Consul der Franzosen.

Heroica WürfelIn den Jahren 2011 und 2012 wagte Lego im Rahmen seiner bedauerlich kurzen Spiele-Reihe auch einen Ausflug ins Rollenspielfach. Das erste Jahr sah vier Spiele in verschiedenen Szenarien, welche im zweiten Jahr durch ein weiteres Spiel ergänzt wurden. Außerdem gab es noch ein Tütchenset, doch dazu später mehr. Lego-typisch ist „Heroica“ als ein System angelegt, in welchem jedes Einzelspiel für sich gespielt werden kann, aber eigentlich natürlich alle Spiele zusammenpassen und eine große Spielwelt bilden. Dabei sehen die Regelbücher durchaus vor, daß nach Gutdünken Regeln hinzuerfunden und weitere Szenerien aus dem Bauvorrat des Spielkindes ergänzt werden mögen.

Zauberer, Waldläufer, Weiser, Ritter, König, Prinz, Druide, Barbar, Dieb

Acht Helden – im Bild flankieren sie den König – würfeln sich durch Wälder, Höhlen und finstere Gemäuer. Es sind Charaktere mit jeweils einer Spezialfertigkeit, und das Würfelergebnis gibt an, wie viele Schritte sie voranmarschieren dürfen, und ob im Kampf mit entgegenkommenden Monstern ihre Spezialfertigkeit zum Tragen kommt. Es begegnen den Heroen nämlich Monster verschiedener Stärke, welche besiegt sein wollen.

Da gibt es grüne Goblins, steinerne Golems, Werwölfe, Zombies und als special Guests einen dunklen Druiden sowie den Lord der Vampire. Fledermäuse und Spinnen kommen noch hinzu.

Das Ziel des Spiels ist vage. In den ersten vier Einzelspielen wartet am Ende des gebahnten Weges das höchstwertige Monster, und die Helden können Relikte einsammeln, welche jeweils einen Vorteil im Kampf bieten oder für Gold verkaufbar sind. Gold, genau. Gold gibt es auch noch. Entweder als Fundstücke in am Wegesrand liegenden Schatztruhen, oder als Belohnung für erfolgreich bestrittene Kämpfe. Mit Gold können Waffen erworben werden, mit deren Hilfe die Kämpfe noch erfolgreicher ausfallen, so denn der Würfel mitspielt. Ein nicht erfolgreicher Kampf bedeutet eine Blessur für den Helden und den Verlust von Lebenspunkten gemäß der Stärke des Monsters. Zum Glück kann ein Held aber auch mal eine Würfelrunde aussetzen und sich regenerieren, um Lebenspunkte zurückzugewinnen. Oder er hatte Glück und fand am Weg einen Zaubertrank, der ihm hilft. Wie man sieht, gibt es ganz schön viel Information bereits, bevor die Heroica-Welt überhaupt betreten wurde, und dabei habe ich nähere Erläuterungen schon ausgelassen. Fassen wir also zusammen:


Wir haben Relikte, als da wären der Kristall der List, der Kelch des Lebens, das Szepter der Beschwörung, der Helm der Abwehr, der Zahn des Zorns und die Klingen des Kopfgelds.


Wir haben Gold und Waffen, nämlich einen Bogen, einen Sichelstab, einen Zauberstab, eine Axt, ein Schwert und zwei Messer, die alle jeweils unterschiedliche Auswirkungen aufs Kampfgeschehen haben. (Können. Würfel!)


Und wir haben Zaubertränke mit verschiedener Wirkung. Nämlich den roten Lebenstrank, den gelben Trank der Stärke, den blauen Trank der Schnelligkeit, den orangenen Trank des Glücks und den grünen Trank der Abwehr. Nicht jeder Trank findet sich in jedem Einzelspiel.

Die gefundenen oder hinzugekauften Gegenstände sowie besiegte Monster kann der Held in seinem Rucksack verstauen. Im Bild der Rucksack des blauen Waldläufers mit vier roten Lebenspunkten:

Da sich natürlich niemand auf Anhieb merken kann, welcher Held jetzt welche Spezialfertigkeit besitzt, welches Monster wie stark ist, welcher Trank wie wirkt und welches Relikt welche Eigenschaft hat, verausgabte Lego zum Start der Heroica-Reihe promotionshalber Charakterkarten zum raschen Nachlesen während des Spielens. Diese Karten sind bekannt mindestens auf Deutsch und auf Italienisch; andere Sprachversionen scheinen meinen Recherchen zufolge nicht aktenkundig zu sein. Und natürlich sind die Features des zweiten Heroica-Jahres nicht darauf enthalten.


So! Werfen wir endlich einen Blick aufs Gelände. So sieht Heroica im Satellitenbild aus:

Der Faltplan ist enthalten in einer Box, die dem Transport einzelner Heroica-Bestandteile zum Spieleabend bei Freunden dienen soll. Das ist gutgemeint, allerdings passen gar nicht alle Teile aller Spiele in den Kasten. Überdies ist das mitgelieferte „Exklusivzubehör“ pillepalle.


Der Plan ist so gestaltet, daß die kombinierten Einzelspiele einigermaßen in der aufgedruckten Landschaft eingebunden sind, wobei hier die Wasserläufe die beste Orientierung bieten. Am Rande vermitteln Namen von weiteren Ortschaften den Eindruck von Erweiterbarkeit der Heroica-Welt. Diese Namen waren auf Legos Homepage zum Spiel, die natürlich mit Auslaufen der Serie ebenfalls vom Netz genommen wurde, sogar mit Details unterfüttert. Ebenso Lego-typisch ist, daß die Ergänzungen des zweiten Jahres nicht etwa bereits namentlich auf der Karte erwähnt sind, sondern ganz anders heißen. Und leider verschiebt sich auf der Karte alles etwas durch Hinzunahme des fünften Spiels.

Das also ist nun endlich Heroica:

Die Helden landen mit ihrer Galeere in der Bucht von Draida, woselbst sie den Goblin-General besiegen müssen und den Kristall der List finden.

In den Wäldern von Waldurk lauern neben Werwölfen auch Spinnen und der dunkle Druide. Es gibt magische Türen, die beim Betreten eines magischen Feldes versetzt werden. Im Weiher bei der Ruine findet sich der Kelch des Lebens.

Die Höhlen von Nathuz werden bewacht vom Golemlord und seinen Golems; finstere Fledermäuse hausen in den Klüften. Haben die Helden die Geröllhaufen überwunden, die ihnen die Weiterreise durch die dunklen Höhlen erschweren, finden sie das Szepter der Beschwörung.


Das vorläufige Ende der Reise bildete die Festung Fortaan. Hier herrscht der Goblinkönig über seine Goblins. Irgendwo in den Gängen der Burg findet sich der Helm der Abwehr. Wiewohl festgehalten werden kann, daß, wenn die Helden es bis hierhin geschafft haben, sie diesen Helm zu ihrem Schutze auch nicht mehr brauchen. Um verschlossene Türen durchschreiten zu können, müssen Schlüssel gefunden werden. Zahlreiche Details laden dazu ein, sie mit selbsterfundenen Regeln ins Spiel einzubeziehen.



Im zweiten Jahr wird die Wasserwelt Ilrion ins Programm genommen, und hier stellt sich den Helden endlich eine ernstzunehmende Aufgabe: Der König schmort im Kerker des Lords der Vampire. Ihn gilt es zu befreien. Selbstverständlich befindet sich der Kerker am allerhintersten Ende des Kanalsystems, so daß die Protagonisten auf jeden Fall am Vampirlord und seiner riesigen Fledermaus vorbeimüssen. Diese Fledermaus ist so stark, daß sie ein eigenes Lebenskonto hat und erst besiegt ist, wenn alle ihre Fledermausseelen abgestorben sind.



Zu guter Letzt gibt es auch noch das geheimnisvolle Tütchenset Ganrash. Spielintern ist es ein Lager der Goblins; wo in der Heroica-Welt es verortet ist, muß Gegenstand der Spekulation bleiben, denn im Gegegnsatz zu den großen Spielen der Reihe liegt dem Tütchenset kein Faltplan mit Kombinationsvorschlägen bei. Die Gestaltung mit Wasser und Sand läßt freilich eine Lage in Strandnähe plausibel erscheinen. Ebenso rätselhaft wie die Standortbestimmung in der Heroica-Welt war auch das Verbreitungsgebiet in der wirklichen Welt. Zunächst tauchte es in Canada auf, wo es in dortigen Toys’R’Us-Filialen erhältlich war. Doch auf „zunächst“ folgte kein „späterhin“, denn auf das Auftauchen dieser Polybags im örtlichen Einzelhandel wartete man im Rest der Welt vergebens. Obwohl also dieses Set auf Canada beschränkt blieb, stellte Lego eine Spielanleitung dafür auch in deutscher Sprache zur Verfügung, welche zu diesem Zeitpunkt noch hier als PDF-Datei abrufbar ist. Diese Ergänzung ist so klein, daß sie dem Spiel nicht viel hinzufügte, gäbe es nicht einen Zaubertrank und ein Relikt zu erbeuten.

Soweit also unser Rundgang durch Heroica. Das Spielkonzept finde ich grundsätzlich gelungen. Die Ausgestaltung der einzelnen Regionen ist zweckmäßig und karg, landschaftliche Details im Minimaßstab verleihen dem Spiel Atmosphäre und dienen der örtlichen Orientierung. Jedoch ergab sich bei Probespielen, daß die Monster in Null Komma nix besiegt sind und das Spielziel erreicht ist, ohne daß großartig Spezialfertigkeiten, Sonderwaffen und Zaubertränke zur Geltung kamen. Aber da kann man sich ja zur Not selbst noch Regelverschärfungen ausdenken, um dem Spiel Tiefe zu geben und sich Herausforderungen zu schaffen. Es ist durchaus schade, daß es bei so wenigen Episoden blieb und die Reihe abgeschlossen ist. – Die Rezension kommt also ’n bißchen spät; weiß ich.