Steinwerfer: „King’s Catapult“ 1480

31. Januar 2012


Dieses Modell ist Teil des 5-Modelle-Kombisets 1476 und hat keinen eigenen Karton, nur eine separate Bauanleitung. Im Jahre 1991 gab es das „Legoland“ schon nicht mehr und das „System“ noch nicht; entsprechend fehlt jegliche derartige Zuordnung auf dem Bauanlei-tungsbild. Erhältlich war das Set – wie so vieles – nur in Nordamerika. Da es kein eigenständiges Katalogset ist, ist auch kein Name bekannt. Der überlieferte Name „King’s Catapult“ ist somit von Fans ausgedacht, analog zu „King’s Castle“, dem amerikanischen Namen der Großen Burg 6080, und findet sich unter anderem in Todd Lehmans Fibblesnork Guide, der den 1996er Stand der Legoforschung aus amerikanischer Sicht darstellte und für viele von Fans erstellte Datenbanken immer noch prägend ist.

Einige dieser kleinen Sets, die ausschließlich in Amerika verkauft wurden, wirken so, als hätten sich da junge Lego-Mitarbeiter mal ausprobieren dürfen. Als wären sie für ihre kreativen Ansätze mit einer offiziellen Setausgabe belohnt worden, wiewohl es noch nicht für den internationalen Katalog reichte. Dieses Katapult zeigt zum Beispiel eine bis dahin (und auch späterhin) nicht bekannte Möglichkeit, den Hebelarm zu befestigen: An einer Stange, die durch ein Technic-Loch geführt wird. Ist mal was anderes, kann man mal machen. In Natura wäre die gezeigte Umsetzung der Idee freilich Quatsch, denn der Sinn eines Hebels ist ja, den Angelpunk in Richtung der Last zu verschieben, um einen möglichst langen Kraftarm zu haben. Hier ist es umgekehrt.

Enthalten sind einige schöne Teile, wie eine grüne 6×6-Platte, graue Schrägen, Bögen und Rundeiner, die man ja immer brauchen kann. Das Männchen sieht freilich aus wie von der Resterampe; Möglicherweise fand man noch eine Kiste mit rotarmigen Kettenhemden, die einst für Drachenritter bestimmt gewesen waren, mußte aber gleichzeitig noch eine Charge blauer Löwenschilde unterbringen. Ohne Schild und Fahne würde man den kleinen Artilleristen nicht unbedingt für einen Löwen- ritter halten.

Doch sei es, wie es will. Das Set weiß zu gefallen, wenn auch einen Teil seines Reizes vermutlich seine Seltenheit ausmacht.

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Geplante Obsoleszenz

18. Januar 2012


So ist das nämlich.

(Film von arte, Ausstrahlung am 15. 2. 2011)

(Nachtrag am 3. Juli 2012: „Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Arte nicht mehr verfügbar.“ Dem gebührenfinanzierten und somit quasi im Allgemeinbesitz befindlichen Sender Arte ist es offenbar wichtiger, sein Urheberrecht zu wahren als die wichtige Botschaft der Sendung verbreitet zu sehen.)

(Nachtrag am 6. Oktober 2012: An anderer Stelle gefunden und wieder eingebunden.)


Von der Platte geputzt.

6. Januar 2012

Nur, weil sich bisweilen gewundert wird, daß ich behaupte, Fliesen mit dem Elementetrenner von der Platte zu hobeln:



Man mußte es bloß mal ausprobieren.


Der schwarze Ritter.

1. Januar 2012

Was ein ordentliches Turnier ist, das wird von einem geheimnisvollen schwarzen Ritter besucht. Um von diesem gewonnen zu werden, klar. Ebenso klar ist, daß dieser schwarze Ritter sein Gesicht nicht zeigt, oder aber, daß er sich als der unbemerkt heimgekehrte Sohn des Königs entpuppt; alles andere wäre eine Enttäuschung.

So nimmt es nicht wunder, daß auch das neue Turnier-Set 10223 einen schwarzen Ritter enthält. Die familiäre Abkunft des Recken bleibt im Dunkeln, jedoch trugen seine Ahnen den Adler im Wappen. Das kann kein Zufall sein. Denn just vor 25 Jahren erblickte das Set 6035, Turnierwache mit schwarzem Ritter, das Licht der Spielwaren- abteilungen. Das ist für uns Grund genug, ein paar huldigende Bilder einzufügen:



Als Kind hatte ich ein gespaltenes Verhältnis zu diesem schwarzen Ritter. Er trägt leider keinen Umhang, wie ihn die anderen Reiter jener Zeit trugen. Na gut, der Umhang ließ sich ergänzen. Der gelb- geränderte Schild nahm dem schwarzen Mann die Düsternis, ebenso der weiße Wimpel. Hier konnte nur der *hüstel* Playmobil-Stift Abhilfe schaffen, denn schwarze Wimpel gab es nicht vor 1999, und den Rand des Schildes mußte ich auch selbständig schwärzen. (Was ich tat.) Überdies hätte der Sattel des Pferdes gerne schwarz sein dürfen, was sich aber auch beheben ließ. Die Lanze war die erste schwarze ihrer Art, also ziemlich cool, und das schwarze Schwert aus dem Set 6041 vervollständigte den komplett schwarzen Ritter.

Im direkten Vergleich hat der neuaufgelegte Ritter leichte Vorteile gegenüber seinem älteren Vorbild. Der neue Topfhelm (in schwarz!) wirkt authentischer als der Grillhelm der 80er Jahre, und so einen schicken Brustpanzer gab es damals auch noch nicht. Klugerweise wurde bei dem neuen Adlerschild der Rand nicht bunt eingefärbt. Leider stören der grüne Helmbusch und die bronzefarbenen Applikationen an den Beinen etwas den guten Gesamteindruck. Eine schwarze, oder, wenn es denn ein Farbtupfer sein sollte, eine blaue Helmzier hätten sich angeboten, zumal die grüne Farbe im Verein mit dem unter der Panzerplatte befindlichen Rüstungsaufdruck diesen neuen Adlerritter in den Kontext der grünen Drachenritter aus der Kingdoms-Serie setzt. Das hätte ich vermieden.
Der schicken schwarzen Schabracke des Sets 10223 hat der blaue Sattel aus 6035 natürlich nichts entgegenzusetzen.

Was die neue Figur der alten voraushat, macht das ältere Turnierzelt wieder wett. Zwar kommt das neue ohne ein formbildendes Großteil aus, aber dafür paßt in das alte Zelt ein Knappe mit Schaftwaffe, ins neue nur eine kurzstielige Doppelaxt. Auch merkt man dem neuen Zelt an, daß Lego es vermeiden wollte (und dies auch schaffte), eigens für dieses Set noch mehr Teile in Farben herzustellen, die es bislang nicht gab; dunkelgrüne 75°-Dachsteine hätten dem Zelt gutgetan, waren aber nicht verfügbar. Hätte man sich überwunden, blau oder dunkelblau als Sekundärfarbe des schwarzen Ritters zu wählen, wäre dieses Problem nicht aufgetreten.

Doch dem sei, wie ihm wolle. Der schwarze Adlerritter aus 10223 ist eine gelungene – und ich behaupte: bewußte – Reminiszenz an den schwarzen Adlerritter aus 6035. Wenn Lego derart ungewohntes Traditionsbewußtsein zeigt, ist dies stets geeignet, mich gegenüber der Firma versöhnlich zu stimmen.

Frohes neues Jahr!