1984. Es war nicht alles schlecht.

4. April 2020

Okay, ich bin in der Midlife-Crisis. Die Kindheit entschwindet, mit ihr der Kindheit unschuldige Spiele. Zunehmend stelle ich fest, daß ich den Gesprächen von Mittzwanzigern nicht mehr folgen kann, und das, obwohl ich, wie sie, kaum fernsehe; aber ein Smartphone habe ich halt auch nicht. Die Chancen, die Frau fürs Leben zu finden, schwinden von Tag zu Tag, mit jedem ausgefallenen Haar. Alter, Krankheit und Tod habe ich sowieso berufsbedingt ständig vor Augen. Unsere Schwesternschülerinnen sind halb so alt wie ich, unsere Kunden doppelt so alt. Mithin: Ich stehe in der Mitte des Lebens, Zeit für die Krise! Andere würden sich jetzt um die Anschaffung eines schnellen roten Autos kümmern, aber ich bin da bescheidener. Ich kaufe Lego. Ach nee, das habe ich ja mein Lebtag getan. Also kaufe ich Schallplatten. Es ist nie zu spät, ein Hipster zu werden. Coronabedingt haben die Friseure geschlossen, also werden die Haare auch länger.

Neulich fiel mir auf, daß das Jahr 1984 entgegen der skeptischen Prognose George Orwells gar nicht so schlecht war. Ich wurde sieben Jahre alt, und der Lego-Katalog desselben Jahres offerierte mir eine Offenbarung. Graue Burgen! Mit Rittern auf Pferden! Und Wagenrädern und Flitzebögen und Speeren in braun! Dergleichen hatte es nie gegeben. Was stimmte, wobei mein „nie“ den durch mich überschaubaren Zeitraum von ..na.. sagen wir: vier bis fünf Jahren umfaßte. Das katastrophale Element dieser Apokalypse stellte der Hinweis dar: „Neuheit. Lieferbar ab April ’84.“ Na toll, Geburtstag im März.

Zum Geburtstag gab es dann halt das burgähnliche Set 1592, das meine Mutter als Sonderposten im örtlichen Vedes-Geschäft erstehen konnte. Ein durchaus trostspendender Ersatz, mit dem ich sehr ausgiebig spielte, und das bis heute zu meinen absoluten Lego-Favoriten zählt. Und die grauen Burgen konnte ich bis Weihnachten im Katalog bewundern. Was ich ebenfalls ausgiebig tat. Zu Weihnachten gab es dann 6073: „Kleine Burg (aufklappbar) mit Wachttürmen, Zugbrücke, Rittern und Pferden“.

Gestern schließlich wandelte mich die Lust an, das Ding nochmal zu bauen. Ich hab’s ja da, im Eigenkarton gelagert auf meinem Kleiderschrank. Im funzeligen Licht der Schreibtischlampe ahnte ich schon die ein oder andere Vergilbung, als ich – musikalisch begleitet von Iron Maiden und Metallica – die kleine Burg baute.

Iron Maiden und Metallica hörte ich natürlich nicht, als ich das Modell am Heiligen Abend 1984 erstmals baute, doch auch da war das Licht funzelig. Unmittelbar feierte ich die Adlerritter, bis heute mein Signé. Nicht unbedingt angetan war ich seinerzeit von der asymmetrischen Gestaltung des Torbogens.

Diese Form ergibt sich scheinbar aus den verwendeten Teilen; die rote Seilwinde ist offenkundig zu groß für die gewählte Tiefe des Torbogens. Trotzdem hätte man die sich daraus ergebende Form ja auf der anderen Seite spiegeln können, indem man die Dimensionen des Formteils durch andere Teile simuliert. Daß dies nicht geschehen ist, muß ich also dem puren Mutwillen des Designers zuschreiben. Überhaupt ist der gesamte Aufbau dieses Gemäuers sehr viel weniger symmetrisch, als es auf den ersten Blick scheint. Zwar sind Tor und Klappnaht mittig angeordnet, zwar erheben sich beidseits ähnliche Türme, doch da endet die Symmetrie.

Der blaue Turm wird gestützt durch einen massiven Holzpfosten, an welchem die kämpfende Garde ein Schwert vorfindet, sollte es gebraucht werden. Unter dem gelben Turm hingegen befindet sich der Kerker.


Durch diese massiv gebaute Kerkertür frißt sich niemand! Ich finde sie in ihrer schlichten Zweckmäßigkeit nach wie vor spitze. Durch den etwas ausladenderen Platzbedarf des Verlieses ergibt sich die Notwendgkeit, den steinernen Pfosten des darüberliegenden Turms mit einer Art Blendzinne zu umgeben.

Wie vom Katalog versprochen und auch hier bereits vorexerziert, läßt sich die Burg aufklappen. Weitere im Programm vorgesehene Burgwandstücke ließen sich auf diese Weise in die Burg integrieren. Im Jahre 1984 waren dies bereits das Mauerstück beim Belagerungsturm 6061 und die Schmiede 6040. In den folgenden Jahren kamen das Gasthaus 6067, das Waffendepot 6041 und die belagerte Mauer 6062 hinzu. Auch das Nachfolgemodell für die hier besprochene Burg 6073, das seinerseits aufklappbare Ritterschloß 6074, konnte in die modulare Gesamtstruktur eingepaßt werden, auf zwiefache Weise sogar. Dies nur, um mal zu verdeutlichen, weshalb die auf mehrere Jahre angelegte modulare Systemstrategie vergangener Lego-Epochen, namentlich 1984 bis 1992, nicht nur dank nostalgischer Verklärtheit, sondern auch objektiv besser war als die lieblos hingerotzten Friß-oder-stirb-Serien, mit denen Lego das Rittersegment in den letzten Jahren punktuell bediente.

Dessen ungeachtet ist die „Kleine Burg“ 6073 für sich genommen nicht besonders spektakulär. Sie stellt den Rittern und Knappen keinerlei Wohnunterkünfte zur Verfügung, vielmehr handelt es sich um eine rein militärische Festungsanlage. So lange nämlich, bis die oben erwähnten modularen Komponenten hinzugefügt werden und aus der Burg eine Stadt wird. Dennoch scheint es sich um eine Ganerbenburg zu handeln, erkennbar an den beiden farblich unterschiedlichen Wappen derselben Familie. Jeder Erbe bewohnt seinen Turm, das wird im Winter ganz schön zugig.

Die oben gezeigten Schallplatten wollte ich jetzt hier nicht rezensieren, also mache ich’s auch nicht. „The Top“ ist ganz gut, „Powerslave“ und „Ride The Lightning“ sind phantastisch, „Hyaena“ ist sehr gut. Das Reunion-Album von Deep Purple geht so. Die unverbrauchte Spontaneität von „In Rock“, „Fireball“ und „Machinehead“ wird erwartungsgemäß nicht wieder erreicht. Außerdem hat Ian Gillans Stimme nach seinem Black-Sabbath-Intermezzo („Born Again“) ganz schön gelitten.


Speerwerfer: Armbrust-Streitwagen 6012.

5. Juli 2016

Das Jahr 1986 sah einige der – so behaupte ich forsch – besten Lego-Rittersets aller Zeiten. Und mit „aller Zeiten“ meine ich: Die eine Zeit, die es gibt, und das ist die Vergangenheit, denn wer sollte wohl wissen, was die Zukunft bringt? Und welche Ausdehnung hat das Jetzt? Doch ich schweifsterne ab. Also. Das kleinste Set unter den fünf 1986er Ritter-Neuheiten ist diese Kampfmaschine, deren deutscher Titel merkwürdig anmutet. Damals trauten sich die Katalogschreiber wohl noch nicht, die Kinder mit Wörtern wie „Ballista“ zu demütigen, denn die Ära der Fantasy-Computerspiele hatte noch nicht begonnen.

Zwei Ritter handhaben diese Wurfmaschine, bei welcher die Bogensehne der großen Armbrust imaginiert werden muß. Desgleichen erfordert es einige Einbildungskraft, sich vorzustellen, daß die verschossenen Pfeile brennen, denn die heutigentags verschwenderisch verwendeten Flammenelemente gab es 1986 noch nicht. Einzig die unter dem Pfeilschaft platzierte gelbe Tonne deutet darauf hin, daß hier mit brennbarer Flüssigkeit gearbeitet wird. Drei Jahre zuvor erschien der XXVIIste Asterix-Band „Der Sohn des Asterix“, in welchem Brutus das gallische Dorf mit solchen Wurfmaschinen angreift, um es in Brand zu setzen. Nicht ausgeschlossen, daß diese Szene den Set-Entwickler in Billund zu diesem Set inspirierte, denn dies ist eher eine antike Kampfmaschine denn eine mittelalterliche.

Der Armbrustteil dieses Streitwagens ist in für damalige Zeiten revolutionärer SNOT-Technik* ausgeführt, indem er vermittelst Lampeneinern um 90° gedreht auf zwei Noppen des Untergestells gebaut wird. Da es sich hier um eine Fernwaffe handelt, liegt es nahe, dem Maschinisten einen Bogenschützen zu seinem Schutz an die Seite zu stellen. Für einen Bogenschützen untypisch, trägt dieser einen Helm mit ausladendem Nackenschutz.

*) SNOT = Studs Not On Top

30 Jahre später…

Einer jungen Tradition folgend verausgabt Lego seit dem Jahr 2014 jedes Jahr ein sogenanntes Retro-Set, welches eine Figur aus vergangenen Kinderzimmertagen in den Mittelpunkt stellt und in der Begleitbroschüre einen Überblick über die Lego-Geschichte des jeweiligen Spielthemas liefert. In den Jahren zuvor waren dies ein weißer Legoland-Astronaut und ein Pirat, der keine ehemalige Figur darstellte, sondern brandneu war. In diesem Jahr also ist es ein „Knights Retro-Set“, welches einen fast klassischen Löwenritter beinhaltet.

Es bedarf keiner überbordenden Phantasie, um dieses Modell als ein Remake des oben besprochenen Armbrust-Streitwagens zu identifizieren. Die Figur stellt unzweifelhaft einen Löwenritter der Legoland-Epoche dar, wiewohl es bezüglich des Helms mit dem Retro-Anspruch leicht übertrieben wurde. Denn im Jahre 1986 trugen die Ritter schon dunkelgraue Helme; der (neu)hellgraue Helm dieses Knappen weist eher zurück auf die Ritter der vorangehenden Epoche, in welcher die gelbe Burg Dreh- und Angelpunkt war. Sei’s drum.

Das Remake-Modell bleibt den Ausmaßen und dem Stil des Originals treu, bedient sich freilich modernerer Formen und Farben. Bemerkenswerterweise blieb die Bauweise der Brennstofftonne exakt beibehalten, während der Armbrustbogen auf gänzlich andere Weise ins Werk gesetzt wurde. Unter der Maßgabe, daß es einige der Bauteile im neuen Set vor 30 Jahren noch nicht gab, wurde der Charakter eines Legoland-Sets dennoch gut getroffen.

Dem Set beigefügt ist eine Postkarte mit charmanter Rückseite, nein, Vorderseite, nein, was ist denn bei einer Postkarte Vorder- und was Rückseite? Jedenfalls. Auf der anderen Seite prangen Aufkleber mit einigen Ritterfiguren der Lego-Geschichte, darunter auch eine Figur des Vorlagensets selbst.

Leider finden wir hier auch die Bestätigung für Legos Einordnung der gegenwärtigen Nexo-Knights-Serie ins Ritterthema. Dazu mag jeder stehen, wie es ihm beliebt. Oder ihr.


Eröffnet: Die Werkschau!

20. Mai 2013


Da ich ja nicht mehr zum Bauen komme, schon gar nicht von größeren MOCs, muß ich leider auf olle Kamellen setzen, um die Erinnerung wachzuhalten, daß das mal anders war. Darum habe ich hier im Blog, der zunehmend die Funktion einer Homepage erfüllt, mal eine Sektion mit meinen Lego-Eigenbauten eröffnet. Sie findet sich oben unter „Werkschau“, weil sie eben das ist. Enthalten sind fast alle meine Lego-Bauwerke, einigermaßen chronologisch geordnet, bisweilen mit Text, immer mit Bildern. Die Tendenz ist eindeutig: Früher herrschten große, komplexe Bauten vor, vorgestellt in endlos vielen Bildern. In jüngerer Zeit baute ich eher kleine Dinge, die oft in einem einzigen Bild umfänglich dargestellt sind.
Manchmal hätte ich ja Bock, was Großes zu bauen, aber ich habe einfach keine Lust…


Große Königsburg 7946

9. August 2010

Der neuen großen Burg ansichtig werdend kam mir zweierlei in den Sinn, nämlich „6080“ und „Playmobil“. Beides ist gut, wobei die Sache mit Playmobil wohl vor allem auf das rote Dach des hohen Turms zurückzuführen ist. Die Parallelen zur „Großen Burg“ (damals noch ohne König) von 1984 sind augenfälliger, doch werden auch andere Lego-Burgen jener Zeit zitiert, namentlich das Ritterschloß 6074 (1986) und die Schwarze Drachenburg 6085 (1988). In gewisser Weise stellt die neue Burg auch eine Weiterentwicklung und Verbesserung ihrer Vorgängerin 7094 dar, insofern deren Fehler ausgelassen und durch die nachahmenswerten Aspekte der früheren Burgen ersetzt wurden.

Wie die Vorgängerburg und die Adlerritterburgen der 80er Jahre ist die Große Königsburg nicht auf eine Grundplatte, sondern auf Plättchen gebaut. Die auf diese Weise ermöglichte Modularität ist zunächst nur bedingt hilfreich, denn man kann zwar alle Türme und Mauerstücke voneinander trennen, aber die Kombinationsmöglichkeiten sind eher begrenzt. Mit Mutwillen und unter Weglassung der jeweils oberen Verbindungspins ist es aber sicher möglich, die Mauern und Türme der Burg 7946 mit denen der Burg 7094 zu kombinieren. Leider habe ich diese jüngst voreilig auseinandergebaut, so daß ich dies nicht spontan ausprobieren kann; dumm von mir.
Besitzt man mehrere Examplare des Sets, läßt sich natürlich auch eine entsprechend größere Burg aus den Modulen bauen.

Modular ist auch die Treppe, die aus dem Hof auf die Mauerkrone führt, und für deren Existenz wir natürlich dankbar sind. Diese Treppe ist nur lose an der Grundplatte befestigt und offensichtlich dazu gedacht, bei Bedarf andernorts angebracht zu werden. Wie im richtigen Leben. Wenn Mama die Gardinen wäscht, trägt sie die Leiter ja auch in der Wohnung umher.¹


Und ihr hat auch niemand geholfen.²

¹) Zumindest war das so, als ich in den 80er Jahren Kind war.
²) Ich bin exkulpiert. Ich war dann in der Schule.

Wo wir jetzt schon die Minifigs in diese Rezension eingeführt haben: Diese finden in der Burg reichlich Platz. Außer an manchen Stellen. Auf dem kleineren hinteren Turm bemüht sich ein – na klar! – Katapult, den es bedienenden Knappen keinen Platz zur Entfaltung zu lassen. Der Raum darunter dient als Durchgangsraum, um von der Treppe zur seitlichen Mauerzinne zu gelangen. Aber das soll mal einer mit seiner Pike versuchen! Für die Überdimensioniertheit der Schaftwaffe kann aber der Raum natürlich nichts.

Im hohen, bedachten Turm thront der König. Das muß er allein tun und kann keine Audienzen gewähren, denn auch hier ist der Platz knapp. Trotz allem wirkt dieser Turm ziemlich massig, und bedingt dadurch, daß er über die Mauer hinausragt, ohne an den Ecken durch Schrägstützen gesichert zu sein, wirkt er überdies etwas unbalanciert. Tja, und eine rote 75°-Dachspitze hätten sie uns immerhin spendieren können, aber die soll wohl selten bleiben. (Ist sie aber zum Glück gar nicht. Zipfelmützigen Weihnachtssets sei Dank!)

Im Innenhof schließlich ist reichlich Platz. Ebenso in den vorderen Ecktürmchen, wenn man sie so nennen will. Auch für das Wohl des königlichen Rosses ist gesorgt, denn aus der Futterkrippe kann es gelbe 1×1-Fliesen schmausen. Na, laß sagen, das sei Hafer. Anders als bei der Gefängniskutsche 7949 wurde im vorliegenden Set auch nicht der Austauschzweier für den Pferderücken vergessen.
Stets aufs Neue vermögen mich ja die fakirhaft schwebenden Morgensterne zu begeistern, die allenthalben in den Waffenkammern jüngerer Lego-Burgen ..nun ja.. hängen.

Der gefangene Drachenritter, der hier in den Kerker geführt wird, hat guten Grund, grimmig seine Bewacher anzufletschen. Denn er weiß: „Meines Bleibens in diesem Rattenloch kann nicht lange sein.“

Dafür garantiert die eingebaute und kinderleicht zu bedienende Ausbruchsfunktion. Da ist es als Befreier einfach, Ruhm zu erlangen, um dann triumphierend fürs Gruppenbild zu posieren.

Aber posieren, das können die anderen auch. Wahlweise im Hof, oder, etwas repräsentativer, vor der Kulisse der Burg.

Wichtig ist jedoch, daß mindestens einer, ein einziger nur, daran denkt, den Haustürschlüssel einzustecken. Sonst steht man dann da.

… was uns schließlich zum Torturm der Burg führt. Hier zeigen sich, neben der grundsätzlich ähnlichen Gesamtanlage der Burg mit hohem Torturm und zwei hinteren Ecktürmen, die größten Parallelen zur Burg 6080. Warum hier wie auch an anderen Stellen die Wappenschilde mit schwarzen Locheinern gehalten werden und diese nicht grau sein durften, wird allerdings wohl ewig das Geheimnis von Legos Juniorisierungsbeauftragtem bleiben.

Zugbrücke und Fallgatter, der Klassiker. Einer unerklärlichen Angst vor textilen Werkstoffen nachgebend erdenken die Baumeister im Hause Lego immer wieder neue Mechanismen, ein Fallgatter anzuhieven, ohne eine Schnur benutzen zu müssen. Im vorliegenden Fall befördern Zinken auf einer Drehachse das Gitter nach oben, wo es mittels einer eingeschobenen Technic-Achse gehalten wird. Das ist durchaus clever, läßt aber in der Turmstube nur wenig Platz für Gemütlichkeit.

Betreffs der Zugbrücke haben sich inzwischen Ketten an Hebelbalken etabliert, was der Realität recht nahe kommt. Einzig die Art und Weise, wie die Burgangestellten die Mechanik handhaben, dürfte sich unterscheiden. („Bleibt so, Jungs, die Brücke soll übers Wochenende oben bleiben.“) (Nee, natürlich wird der niedergedrückte Balken durch den kleinen Hebel links gehalten.)

Zum Bau der Burg benötigt der Nachwuchsritter drei Anleitungshefte in zwei Größen. Das war auch mal anders.
Die 933 Teile umfassen einige neue, vor allem aber viele gute Elemente, für die Lego guten Gewissens 100 Euro verlangen kann. Denn es hätten zwar einige Löwenritter mehr sein können, zur Not auf Kosten der angreifenden Drachenrittermacht, doch alles in allem ist dies ein schönes Set.

Laut Shop-at-Home ist die Burg übrigens 27 cm hoch. Genau die Information, die ich gesucht hatte!


375 – Die bunte Burg

3. November 2009


Jaja, die gelbe Burg, so heißt das. Eigentlich sogar nur „Ritterburg“, wenn man den 1978er Katalogtext zugrunde legt. „Ritterburg mit Fallbrücke, Wachttürmen und Schießscharten“, was immer da auch geschossen werden sollte. Aber bunt getrieben haben sie’s, die Damen und Herren von Lego. Kunigunde, Edle von Lego; aber ich schweife ab. Von der Helmzier des Burgherren möchte ich hier handeln. Wie das obige Bild zeigt, ist diese seiner Tunika angemessen blau. Die Visiere aller Ritter der gelben Burg sind ja farblich auf die Kleidung ihrer Träger abgestimmt. Obwohl… Moment. Blau? Ich vergewissere mich:

Klick mich, ich bin ein Link! Jawohl, wie ein Klick auf das Bild enthüllt, propagiert der Katalog von 1978 energisch das blaue Visier des blauen Ritters. Zwie- fach, mit Belegkindern im Back- & Play- ground. Kein Zweifel. Blau.

Klick mich, ich bin ein Link! Der Sache gehe ich nach, am liebsten chronologisch. Und siehe da, 1979 ist die Sache mit dem blauen Visier schon nicht mehr ganz so eindeutig. Während die eigentliche Abbildung des Sets an dem blauen Visier festhält, zeigt die mit den 1979 verfügbaren Mitteln der Bildbearbeitung fabrizierte Graphik denn doch ein graues Visier. Dieses graue Visier ist natürlich, Eingeweihte wissen es, der Standard. Die blaue Variante hingegen kann man nicht einmal selten nennen. Man muß es nonexistent nennen. Sollte es jemals in freier Wildbahn, außerhalb der Rüstungsschmiede in Billund aufgetaucht sein – ich bekam’s nicht mit.

Jedoch, ungefähr um das Jahr 2002 tauchten bei BrickLink plötzlich blaue Ritterhelmvisiere auf. Freilich nicht die klassische Form der 70er Jahre, sondern die moderne Schnabelform von 1992. Blöderweise waren mir $19 pro Stück damals zu teuer. Aber aufgrund dieses blauen Visiers, welches offensichtlich hergestellt worden war, hätte ich Haus und Hof darauf verwettet, daß geplant war, die gelbe Burg als Legendenset neu aufzulegen. Ein solches Legendenset hätte aus rein praktischen Gründen natürlich moderne Helme mit entsprechenden Visieren haben müssen, da die alten Formen nicht mehr im Bestand waren. Meiner Theorie nach haben die Entscheider sich alte Kataloge angesehen, das blaue Visier bemerkt, und gedacht, sie müßten jetzt blaue Visiere produzieren. Aber pst! Das ist nur meine Einbildung.*
*) Dieses Wort schlug mir der Duden Nr. 8, „Die sinn- und sachverwandten Wörter“, als Alternative zu „Theorie“ vor. Wahrscheinlich nicht ohne Grund. Denn eine Neuauflage der gelben Burg gab es nicht.

Klick mich, ich bin ein Link Jedenfalls. Mit dem blauen Visier war es dann vorbei. Im Jahre 1980 verwöhnt uns der Katalog mit dem vorstehenden herrlichen Bild, auf dem sich das graue Visier etabliert zu haben scheint. Hier ist es unbedingt lohnenswert, sich das Bild in voller Größe anzuschauen.

Klick mich, ich bin ein Link Ich sagte, das graue Visier scheint sich etabliert zu haben. Tatsächlich überrascht uns der Legoland-Katalog von 1981 mit einer neuen Variante. Nun ist das Visier des blauen Ritters schwarz. Doch damit nicht genug, denn im selben Katalog finden wir auch das folgende, ebenfalls sehr schöne Bild:

Klick mich, ich bin ein Link Wenn mich nicht alles täuscht, haben der weiße und der blaue Ritter hier ihre Visiere getauscht. (Inzwischen sollte es selbstverständlich sein, daß dieses Bild erst beim Klick auf das Thumbnail seine volle Pracht entfaltet.)
Jetzt haben wir also fast alle Varianten durch. Außer… Genau. Rot fehlte noch, aber die Katalogbebilderer enttäuschen uns nicht. 1982 ist es so weit, und sie lassen sich nicht lumpen.

Klick mich, ich bin ein Link Hier werden noch einmal alle Register der Farbverwirrung gezogen. Das rote Visier fällt sofort ins Auge, auch das schwarze Visier im großen Bild bemerkt man unmittelbar. In der kleinen Darstellung des Sets hingegen kann uns das schwarze Visier nicht mehr überraschen, doch die nunmehr zwei weißen Visiere der anderen Ritter schaffen das noch.

Klick mich, ich bin ein Link Eine letzte Chance zur werkgetreuen Abbildung bot sich 1983, denn im darauffolgenden Jahr war die Zeit der gelben Burg nach fünf Jahren vorbei. Die beiden anderen Rittersets, das Turnier 383 und die Ritter mit Karren 677, waren schon gar nicht mehr im Katalog, also war die 375 bloß noch eine Randerscheinung. Das Bildchen ist klein, doch immerhin, die Visierzuordnung scheint gelungen. Aber ach! Darüber sehen wir einen weißen Helm mit schwarzem Visier, eine Kombination, die im klassischen Burgenland überhaupt nicht vorkam. Und in welchem Set sollte das Kind von 1983 denn den Schild der 677-Ritter erwarten?

Übrigens hätten die Katalogmacher schon seit jeher die korrekte Verteilung der Visiere kennen können. Ich spreche noch nicht einmal von einem simplen Blick auf den Karton der Burg, welcher selbstverständlich stets die kanonische Distribution zeigte. Vielmehr wußte Lego aus Planungsgründen bereits im Jahre 1977, wie das kommende Set aussehen sollte, und so propagierten sie es auch im Händlerkatalog:

Klick mich, ich bin ein Link Dieses Bild wurde mir freundlicherweise von Jan.k geschonken… geschenkt, und ordentlich gerahmt ziert es die Wand in meinem Lego-Zimmer. Also in meinem Zimmer. Auf dem Scan ist die Jahreszahl schwer zu entziffern, darum sei dieses Detail [hier] noch einmal etwas größer gezeigt.

Doch damit will ich nicht schließen. Einen hab’ ich noch!

Denn die erste Auflage der Burg, die wie gesagt fünf Jahre lang im Programm war und dabei verschiedene Modifikationen am beiliegenden Papierkram erfuhr, sah in der Mitte der Bauanleitung dieses schicke Bild, welches die Aufklappfunktion des Gemäuers illustrieren sollte:

Klick mich, ich bin ein Link Über die Lochung bitte ich hinwegzusehen, ich erwarb das Set gebraucht. Entscheidender ist hier die Farbe der Helme – sie sind dunkelgrau. Unnötig zu erwähnen, daß es auch diese Helme physisch nie in die Öffentlichkeit geschafft haben. Immerhin stimmt die Farbe der Visiere.