„Keine Juristen. Keine Betriebswirte. Hier geht’s um Fakten.“

17. Februar 2016


Buch der Woche: Das Buch der Monster.

11. Februar 2016

Dem geneigten Leser mag aufgefallen sein, daß ich bisweilen (= immer) Lego-Büchern, in denen nichts drinsteht, einen Bezug zu einem Buch in der wirklichen Welt hinzugesponnen habe. Nicht wahr? Nun, dieses Mal ist der Fall anders gelagert. Heute steht das „Buch der Monster“ auf dem Büchertisch. Und dieses Lego-Buch ist in der Tat das „Buch der Monster“.

Doch vorweg noch schnell eine Bemerkung zum Buch an sich, denn Lego hat seine Buchbindetechnik revolutioniert. Seit 1997 hatte es im Rahmen von Legos Scala-Serie Klappbücher aus Weichplastik gegeben, unterschiedlich beaufklebert, welche späterhin auch in der Belville- und noch später auch in der Minifig-Welt Verwendung fanden. Als die Zauberlehrlinge der Hogwarts-Schule mit diesen Folianten hantieren sollten, wurde schon klar: Diese Schwarten sind für Minifigs eigentlich zu groß.

Dieses neugestaltete Buch ist immer noch ein veritabler Kodex, nähmlich ein „Block“ in den Händen einer Minifigur, aber es ist durchaus handlicher. Was nicht nur an der verringerten Größe liegt, sondern vor allem an der Griffkante. Das neue Buch besteht nicht mehr aus biegsamem Weichplastik mit Sollknickstelle, sondern aus legoüblichem ABS* und aus zwei Teilen. Der Deckel läßt sich also weiterhin aufklappen, und im Innern kann auf zwei Noppen eine 1×2-Fliese geklemmt werden, die dann die beschriebenen oder bedruckten Seiten darstellt. Im vorliegenden Buch frißt sich freilich das Monster Burnzie durchs Pergament.

*) Acrylnitril-Butadien-Styrol

Denn das „Buch der Monster“ ist die Hauptfigur der gegenwärtigen Lego-Serie Nexo Knights. Der trottelige Hofnarr Jestro hat es aus des Zauberers Merlok Bibliothek befreit, wohinselbst dieser es sicherheitshalber verbannt hatte, weil es so gefährlich war. Im Rahmen dieser Befreiungsaktion sprengte sich Merlok zauberns in die, wie er dachte, Luft, landete jedoch im Cyberspace und ist jetzt ein Hologramm mit dem Namen Merlok 2.0. Jaja, in einer Kinderserie gilt das als Logik. Jedenfalls vollzog sich darob in Knightonia ein unfaßbarer Technologiesprung; drum: die Nexo Knights. Wie auch immer.

Das Buch will jedenfalls Rache, Macht und alles; und Jestro soll ihm dies verschaffen. Als Buch der Monster ist es voller Monster, welche sich in die Realität der Lego-Geschichte materialisieren lassen, und die, wenn die wackeren Nexo-Ritter sie besiegt haben, auch wieder ins Buch zurückkehren. Im ersten Jahr der Serie sind es Lava-Monster, die durch die Sets heizen, aber das Buch beherbergt auch Wald-Monster und See-Monster. Woher ich das weiß? Welche Informationsfülle kann schon auf einer 1×2-Fliese im Innern eines Buches in Minifiggröße enthalten sein? Genau, kaum was. Darum hat Lego dieses Buch auch als richtiges Buch gedruckt.

Die blaue Banderole kann entfernt werden. Die Fiesigkeit des Buches zeigt sich schon am Inhaltsverzeichnis, denn dieses will den Leser/die Leserin (ohne Binnen-I) verwirren mit willkürlichen Kapitelangaben und willkürlichen Seitenzahlen. „Hahaha! Das ist nicht mal ein richtiges Inhaltsverzeichnis“, wer hätte das gedacht. Um diese erschröckliche Monsterattitüde etwas abzumildern, hat Merlok „handschriftliche“ Erklärungsversuche eingetragen. Neben diesen Beispielen absurden Humors, der mir durchaus zusagt, bietet das Buch aber tatsächlich auch Charakterbeschreibungen und Steckbriefe von Monstern, wie der Titel ja andeutet. Und eben nicht nur von Lava-Monstern, die wir schon aus den derzeitigen Lego-Sets kennen, sondern auch von Monstern, die wir wohl in späteren Jahren erwarten dürfen, ist „Nexo Knights“ doch Legos neue Action-Sammel-Feature-Serie mit Ausbaupotenzial.

Das Buch ist schön illustriert in Wasserfarboptik, wie es für ein Kinderbuch angemessen ist, und es ist ordentlich gebunden mit festem Einband. Der bloße Umstand, daß Lego ein solches Buch zur Serie veröffentlicht, vermag mich zu begeistern und hat mich letztlich dazu bewogen, die Nexo-Knights-Serie bei ℜittersets.de aufzunehmen, obwohl das alles mit Rittern ja wenig zu tun hat.
Bedenkenswert ist dennoch dieses: Die Guten in der Geschichte sind die Nexo-Ritter, welche mit Cyberzeugs und Computern operieren, und auch das Spiel zur Serie ist ein Handy-Spiel mit Web-2.0-Features. Das schöne Buch, oldschoolmäßig in Schweinsleder gebunden und mit Wasserfarben bebildert, ist der Böse, und natürlich wird es am Ende verlieren. Welche Botschaft wird den Kindern also vermittelt? Bücher sind doof, haltet euch ans Handy. Oder wie?

Die Schnittstelle zwischen realer Welt und Cyberspace (Gibt es dieses Wort überhaupt noch? Oder ist das inzwischen auch schon sooo 20stes Jahrhundert?) stellt übrigens die Nexo Power „Schwarzer Klecks“ dar, die sich im Klappentext der Banderole finden läßt. Oder hier:

Derevlany, John/Hoffmeier, Mark: „Das Buch der Monster“. München, 2016.
Deutsche Übersetzung von Christine Spindler.
HC, 100 Seiten, €18.