Figuren-Universalkasten 205 (5) bis (37)

28. Januar 2011

Bibbernderweise ist ja Winter. Dadurch verkürzt sich die Zeit des Tages, die für brauchbare Photographien genutzt werden kann, auf wenige Wimpernschläge. Zudem werden ja alle Figuren mit den begrenzten Mitteln des einen kleinen Sets gebaut, so daß erst die eine Figur zerlegt und die nächste gebaut werden muß, ehe sie vor die Linse kann. Das ist zeitaufwendiger, als ich selbst dachte. Fahren wir also fort:

Ob diese Vierergruppe tatsächlich als solche gedacht ist, weiß ich nicht, doch sind alle Figuren gleichzeitig möglich, und auch ihre Anordung auf dem Poster scheint mir darauf hinzudeuten. Aber was tut der Mann da? Angeln? Und Muttern hockt am Lagerfeuer, während der Sohnemann darauf wartet, an der Reihe zu sein, und das Töchterchen verträumt Blumen pflückt?

Die feine Dame rechts scheint an der Theaterkasse auf ihr Billett zu warten, während die ebenso feine Dame links bereits mit dem Opernglas die anderen Logen nach tratschbaren Neuigkeiten absucht. Gemeinsam wollen sie den Klängen lauschen, welche der Kehle dieser blutjunge Chanteuse im extravaganten wei- ßen Kleid entströmen. (Bild unten rechts ↓)

Der Sangeskunst hat sich auch dieser gutsituierte und darob entsprechend beleibte Brauerei-besitzer verschrieben, doch pflegt er ihrer steckenpferdlerisch in der Vokal-Societät „Concordia“, welche traditionelles Liedgut zum Besten gibt.

Zwei Dreikäsehochs (zusammen also ein Sechskäsehoch) in Frack und Ballkleid? Da kann es sich doch bloß um einen Auswuchs des Kinderkarnevals handeln, sofern nicht ehr- geizige Eltern ihre Sprößlinge zu einer Kinder- Miss- und -Mister-Wahl angemeldet haben, und das wollen wir ja nicht hoffen!

Ein Arbeiter mit Preßlufthammer. Anders als beim Mondlandungset 367, bei dem die Köpfe der Figuren aus dem Schulterstück operiert werden, um sie durch gebaute Raumfahrerhelme zu ersetzen, brachte es Lego beim Set 205 nicht über sich, die Köpfe auszutauschen. Also trägt zwangsläufig jede blaue Figur stets den Zwicker.

Drollige Möglichkeiten versprach der Kartontext. Dieses Attribut trifft auf den Seebären mit Fernrohr sicher in besonderem Maße zu. Bloß sehen tut er nix, denn die Noppen der Rundsteine sind noch geschlossen. Natürlich bewahrt ihn das vor der seebärtypischen Augenklappe, deren Gebrauch ja durch das alltägliche Beobachten der Sonne durch nautisches Gerät erzwungen wurde.

Sodann haben wir hier einen debil grinsenden Handwerker mit Hammer und Werkzeuggürtel. Was an der anderen Seite des Gürtels hängt, ist nicht ersichtlich, aber die 1×4-Platte steht natürlich heraus. Dort kann man ja den Hammer einhängen. Der 1-breite Dachstein hat noch keinen Stabi- lisierungspin im Innern, und prompt verrutschte er, als ich das Photo machte.

Dieser grüßende Bauchträger kann gleichermaßen ein feister Armeegeneral sein, wie auch ein Oppa vonner Trinkhalle. Das bleibt der freien Phantasie überlassen.
Dahingegen ist der Hausmeister mit seiner Schneeschaufel eindeutig als solcher zu erkennen. Noch eindeutiger wäre es ja mit Cord- Hut, aber das gibt die Teileauswahl des Sets nicht her.

Ebenfalls nicht eindeutig ist die Beziehung dieser beiden Figuren zueinander. Sind der lange Lulatsch und die ver- gnügte Alte ein merkwürdiges Liebespaar, was ihr Händchenhalten erklären würde, oder doch Mutter und Sohn? Dann sollte sich der Gute aber schleunigst abnabeln!

Dieses dicke Kind würde gerne zum Eisstand streben, was der Erzie- hungsberechtigten jedoch nicht ins päd- agogische Konzept paßt. Auch große Schwe- stern können streng sein.
(Als ob ich das wüßte!)

Breiten Raum auf der ersten Posterseite nehmen Figuren in Kostümierungen ein, die ich bloß als traditionelle Trachten verschie- dener Weltregionen einordnen kann, ohne sie alle im einzelnen benennen zu können:

Die rotgewandete Schürzenträgerin (16) könnte immerhin eine holländische Küchenmagd sein, während die blaue Frau links (13) vielleicht einfach nur marilyn-monroe-like über einem Lüftungsgitter steht.


Die rot-schwarze Oma (17) gleicht einer alternden Flamenco-Sängerin, wozu die rot-weiß-schwarze Dame (19) thematisch passen würde. Die weiße Gestalt (22) ist einer Geisha nicht komplett unähnlich.


Der Mützenträger (23) ist sicher ein ukrainischer Bauer. Würde die ältere Dame (28) nicht so gekonnt ihren Schirm balancieren, hielte ich sie nicht für eine nicht mehr ganz taufrische Zirkusartistin.

Über all das (Zirkusartisten, Kasatschok- und Flamencotänzer, Geishas und Lüftungsgitter) infor- miert sich der häusliche Typ im Lichte einer geschmackvollen Stehlampe aus der Zeitung.

Sollte dieses Mädchen den Kaffee servieren, hätte ich ihm die Kanne wohl nicht so schräg in die Hand geben sollen. Ansonsten habe ich aber offenbar zu wenig Phantasie, zu ergründen, was das Ding sonst sein soll. Vor 30 Jahren war mir das vielleicht klarer.

Das Gebilde, das hier die Beine der Dame ersetzt, könnte einem barocken Reifrock nachempfunden sein. (Könnte, könnte, könnte. Ich höre mich an wie die GMX-News mit ihren knallhart recherchierten Weltwichtigkeiten. Lohan angeblich in Entzugsklinik eingeliefert. Lohan wohl nicht glücklich im Knast. Lohan könnte bald Lohangreen heißen. Und was dergleichen Meldungen mehr sind. Aber ich schweife ab.)
Paartanz, lateinamerikanisch. Neulich erfuhr ich, ohne danach gefragt zu haben, daß der Tango, wiewohl aus Lateinamerika stammend, gar nicht als lateinamerikanischer Tanz gewerthet wird, sondern zu den Standardtänzen zählt. Also nochmal: Paartanz, Standard.

Ob dieses Figurenpaar gewolterdings eins ist und daher mit Großmutter und Enkelin zu betiteln ist, wird das Geheimnis des unbe- kannten Setentwicklers bleiben. Aber möglich ist’s, und das ist doch auch mal was Schönes.

Dieses arme Blumenmädchen mit nackten gelben Füßen könnte (s. o.) ebensogut eine Hausfrau sein, die sich noch einen Strauß Blumen aus dem Eingangsbereich eines genue- sischen Supermarkts gegönnt hat. (Wer erfunden hat, Blumen als Hackenporscheattraktoren in irgendeinem Eingangsbereich feilzubieten, der… der… der hätte das mal besser bleibenlassen sollen.)

Die Kinderschwester mißt die Göße eines Kindes. Diese Szene gab es sogar als eigenes Set. Persönlich habe ich keinerlei Erinnerung an dieses Ritual.

Den thematischen Bogen zur Hoch- zeit als dem Hauptmodell des Sets spannt diese Kniefallszene, die notwendige Vorbedingung zu jeg- licher Eheschließung. Könnte (s. o.) aber auch sein, daß hier bloß Kinder nachspie- lenderdings den Ernstfall proben.

Es ist übrigens keine Lüge, wenn ich behaupte, daß ein Eintrag mit 33 Bildern mindestens fünf Stunden Bearbeitungszeit in Anspruch nimmt. Die nächsten drolligen Häppchen werden also we- niger umfänglich ausfallen. Gute Nacht!

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Figuren-Universalkasten 205 (2), (3) und (4)

26. Januar 2011

Also, komplettieren wir zunächst die drolligen Möglichkeiten, die auf der Titelseite des Ideenblattes neben der Hochzeit abgebildet sind und eigentlich noch mit zur selben Hochzeitsgesellschaft gehören könnten. Auf den ersten Blick meinte ich sogar, diese vier anderen Figuren könnten nebeneinander existieren, aber das läßt die Teileauswahl des Sets dann leider doch nicht zu.
Zunächst haben wir da ein Geschwisterpaar in traditioneller Zusammenstellung: Älterer Bruder, jüngere Schwester. Daß es sich um ein vor- pubertäres Liebespaar handelt, ist wenig wahrscheinlich, denn 1978 waren die Rangen noch nicht so frühreif, wie sie heute gerne tun.

Der kleine Herr im kurzen Schoßrock, der hier mit seiner Mappe fürbaß schreitet, wirkt wie ein sehr altmodischer Akademieprofessor. Aber wer so einen Schnauz und so einen Zylinder trägt, darf sich nicht beschweren, wenn er als altmodisch verschrieen ist.
Die Dramaturgie dieses Sets will es so, daß das Schnauzbartgesicht und der Zylinder noch viele Male auftauchen werden.
Zu guter Letzt schaut noch diese Gouvernante nach den Kindern, die oben so fein idyllisch Händchen halten. Es könnte sich aber auch um die Mutter oder auch die ältere Schwester der Braut handeln, geht man nach der Haarfarbe. An dieser Stelle wäre es nicht verkehrt gewesen, die ebenfalls im Set vorhandene graue Oma-Perücke ins Spiel zu bringen, aber was will man machen.

Weitere Figuren werden folgen, demnächst in diesem Theater!


Figuren-Universalkasten 205 (1)

25. Januar 2011

Die Kugelköpfe wirken, als seien sie die direkte Antwort auf Playmobils Klickys gewesen. Beide sind von ähnlicher Größe, beide erblickten 1974 das Licht der Welt. Aber Legos Figuren waren natürlich zum Zusammenbauen, wie es sich geziemt. Doch während die Playmobil-Figuren bis heute fast unverändert blieben – seit 1982 haben sie bewegliche Hände –, durften die Kugelköpfe nur so lange durch die Kinderzimmer turnen, bis die Minifig als Spielfigur zur Serienreife gelangt und etabliert war. 1979 gab es schon nur noch drei Neuheiten in den Vereinigten Staaten, und 1982 ein letztes Aufbäumen mit einem weiteren US-Set, doch dann war Schluß.

Der Figuren-Universalkasten stammt von 1978 und muß eins meiner frühesten Sets gewesen sein, wahrscheinlich aus dem Ausverkauf einige Jahre später, denn 1978 lernte ich gerade erst das Laufen. Aber damals traute man ja noch Dreijährigen* zu, mit regulärem Lego zu bauen. Seitdem jedenfalls befinden sich in meiner Sammlung zwei rote 75°-Dachsteine, die lange Zeit die einzigen blieben, aber mir immer selbstverständlich waren. Außerdem entsinne ich mich des ulkigen Geräuschs, das der Zylinder verursachte, wenn man ihn auf die Tischplatte fallen ließ.
*) Nein, 1978 war ich nicht drei, sondern ich wurde erst ein Jahr alt.

Der deutsche Text auf der Packung lautet wie folgt:

Die Schachtel enthält Elemente für 4 Figuren, welche auf viele verschiedene Arten gebaut werden können – nach freier Phantasie oder nach dem Idee-Blatt mit 105 drolligen Möglichkeiten.

Jawohl, Phantasie mit ph, so ist es richtig! Und um die 105 drolligen Möglichkeiten auf dem Poster endlich mal nachzubauen, habe ich mir den Inhalt des Sets mühevoll aus meinen Sortierkisten zusammengestellt. Es ist nämlich gar nicht so trivial, zeittypische rote 2×4-Steine in einem brauchbaren Erhaltungszustand aus einer Wühlkiste zu fischen. Wenn schon, denn schon.

Fangen wir also vorne an:

Die Hochzeit ist ohne Zweifel das Hauptmodell in diesem Set. Sie ist auf dem Karton und an prominenter Stelle auf dem Poster abgebildet. Es werden alle vier Figuren und die besonderen Elemente verwendet, also namentlich die roten Steildachsteine und der Zylinder, aber auch die Blumen wuchsen zu jener Zeit noch nicht ..äh.. auf Bäumen.

Die Szene scheint einer anderen Zeit zu entstammen. Der würdevolle Standesbeamte mit Zwicker und Schoßrock hat soeben das junge Paar vermählt. Der Bräutigam ist angetan mit Frack und Zylinder und trägt einen wuchtigen Schnauz zur Schau. Man darf annehmen, daß die Braut zu Recht im weißen Kleid heiratete, das wäre ja noch schöner! Eine Gratulantin im kecken roten Sommerkleid, vielleicht die Schwester der Braut, hält ein Geschenk bereit. So ging’s zu, zu Kaisers Zeiten!

Um die anderen Bauvorschläge auf dem Poster kümmere ich mich später. Ich bin selbst gespannt, ob und wie wir da auf 105 kommen.


Vierlinge!

21. Januar 2011

Es gibt ja so manches. Zum Beispiel fand ich gestern untigen Stanzbogen mit Quartettkarten wieder, als ich meinen Poster-Ordner auflöste, um Platz für weitere Bauanleitungen zu schaffen. Wo ich den herhabe, weiß ich nicht mehr. Den Stanzbogen nämlich, den Poster-Ordner habe ich von Karstadt. Das Quartett ist vermutlich von 1992. Lego schien also immer schon eine merkwürdige Faszination dafür verspürt zu haben, Raumfahrt und Ritter zusammenzumengen, wie ja auch das Set 1843 belegt, und wie man leider auch an der zweiten Knights‘-Kingdom-Reihe sieht. (Bild kein Link, mehr Text unten.)

Eine Kuriosität in der Kuriosität ist hier (Bild = Link) die Quartettkarte „Burg, blau, D“. Denn das Drachenschiff 6018 war sowieso schon merkwürdig, führen doch die Drachenritter unerklärterweise einen Adlerschild mit sich. Nun setzt Lego also mit dessen Zuordnung zu den Löwenrittern noch einen drauf. Na gut, derlei muß man bei einem billig zu- sammengepanschten Merchandising-Produkt nicht ernstnehmen, aber allen, die schon hinter dem Adlerschild Bedeutungsschwere witterten, sei’s unter die Nase gerieben.

Wie man mit diesen Karten ordentliches Vierzylinder-von-0-auf-100-in-17-Sekunden-Quartett spielen soll, ist mir freilich schleierhaft. Soll man also wohl gar nicht.


Kennst du das Land, wo die Antennen blühn?

19. Januar 2011

Tja, wo mag das sein? Wo auch immer „Legoland Raumfahrt“ stattfindet, der Mars wird es sicherlich nicht sein. Denn bis zum Jahre 2079 wird dieser kleine rote Felsbrocken nicht soweit urbar gemacht sein, daß dort wasauchimmer gedeiht. Obwohl… Antennen?

Irgendwoher müssen die ja kommen! Das wußte Keith Goldman bereits im Jahre 2003, wie man in diesem alten Lugnet-Post nachlesen kann. Idee und Ausführung sind also schon antik, aber weil ich irgendwie Bock hatte, das MÖCchen noch einmal aufleben zu lassen und dieses Mal ordentlich zu photographieren, habe ich’s getan. Die Szenerie mit ihren reduzierten Farben hat für mich den Charme eines klassischen Weltraumcomics aus den 50er Jahren. Retro, sozusagen. Nicht umsonst wird diese Epoche der Lego-Raumfahrt ja auch „Classic Space“ genannt. (Bilder = Links, natürlich.)

Na dann, guten Appetit!


Automatismen.

13. Januar 2011

Im Rahmen der Märchen-und-historische-Minifiguren-Beschaffung (s. u.) ereignete sich auch die folgende Bizarreske. In Legos Online-Shop gibt es derzeit ab einem Warenwert von 55 Euro diesen Ninjago-Schlüsselanhänger kostenlos dazu. Da die Summe meiner Bestellung 55 Euro überstieg, legte also auch ich mir das Gratisteil in den Warenkorb; man nimmt ja, was man kriegen kann. Später jedoch bekam ich eine E-Mail von Lego, soundso, der folgende Artikel ist leider nicht vorrätig und wird separat versandt. Natürlich handelte es sich um den umsonstenen Schlüsselanhänger. Egal, um den ging es mir ja eh nicht. Meine Bestellung kam, auch die Rechnung wurde bezahlt, alles gut.

Ein paar Tage später fängt mich im Hausflur die Vermieterin ab, frohes neues Jahr, wir haben ein Paket für Sie angenommen. Ein Paket? Was erwarte ich denn? Nichts, eigentlich. Dennoch wurde mir dieses Paket ausgehändigt.

Es kommt von Lego und rappelt ziemlich hohl. Ich ahne natürlich was darin ist, öffne es kichernd, und stimmt, es ist der nachgelieferte Schlüsselanhänger. Herzlichen Dank! Nun ist man überdimensionierte Verpackungen für unterdimensionalen Inhalt ja von Lego gewohnt, und über den zusätzlichen Karton freue ich mich durchaus. Denn diese haben sich als nützlich erwiesen für die Lagerung und den Transport von Eigenbauten.

Wiederum einige Tage später dann der Schock! Denn im Briefkasten befindet sich eine Rechnung von Lego, derer ich nicht gewärtig war. Oje, oje, habe ich irgendwann mal vergessen, etwas zu bezahlen? Ist das die zweite Mahnung? Nein, ist es nicht. Es ist die Rechnung für den Gratis-Schlüsselanhänger. Der zu zahlende Betrag ist erfreulich niedrig, und dennoch stellt mich diese Rechnung vor ein Problem.

Ich habe nämlich versucht, diese Rechnung zu bezahlen, aber die Zahlung kann nicht abgewickelt werden, da dafür der Betrag größer als 0 sein muß. Und nu? Erfahrungsgemäß erlaubt Lego keine weiteren Bestellungen, bevor nicht die letzte Rechnung beglichen ist. Das kann ja heiter werden.

Ich warte jetzt also auf die Mahnung.