Doode Schbrooooochn.

6. Dezember 2022

(Ernst Jandl.)

I survived ein altsprachliches Gymnasium, and all I got was this stupid T-Shirt? Die Botschaft des T-Shirts, also ..ähm.. das Gesprächsangebot, lautet: Ich, Träger dieses Bekleidungsstücks, bin im Besitz eines Zertifikats, welches den Erwerb des Graecums nachweist. Das ist mein Abiturzeugnis. Graecum heißt: Ich lernte Altgriechisch, welchselbige Sprache ich demzufolge nun fließend spreche, Andra moi Ennepe-Ruhr-Kreis und so, kleiner Insider, Zwinkersmiley.

Nee, aber mal ernsthaft. Wozu benötigt man das Graecum, wenn man nicht Griechischlehrer oder Theologe werden will, was ich beides nie wollte? Was ist son Graecum also tatsächlich wert? Die Antwort lag letztens im Hausflur, in Form des vermaledeiten Post-Werbespams, den ich als Erdgeschoßbewohner dann immer zum Papiercontainer schleppen darf. DJ Bobo lebt noch und ist auf Tour! Und er nannte seine Tour… Seine Tour heißt… Na, zum Glück habe ich ja das Graecum.

Also: Es beginnt mit dem großen griechischen Buchstaben Sigma, Σ, gewieften Mathematikern als Summenzeichen bekannt, und der Lautwert entspricht einem S. S wie Summe, drum.

Dann haben wir ein großes V, das Vau, einen Buchstaben, den es so im griechischen Alphabet gar nicht gibt. Im Kontext antiker Sprachen könnte man es als lateinische Letter auffassen, wo es die ambivalente Repräsentation eines u- oder eines w-Lautes darstellt. Dafür gab’s bei Lateiners weder U noch W. Im Griechischen gab es kein großes V, dafür aber ein kleines ν. Das ist die griechische Minuskel zum großen Ν (Ny), und das entspricht in der Tat unserem N.

Es folgt der große griechische Buchstabe Theta, Θ, bei uns als Th dargestellt und in der Regel unterschiedslos zum T als t-Laut wiedergegeben. Im griechischen Alphabet gab und gibt es aber auch den Buchstaben Tau (Τ) für den t-Laut, so daß es naheliegend ist anzunehmen, daß Θ für einen anderen Laut genutzt wurde, nämlich, Überraschung, für einen dentalen Frikativ, mithin ein Ti-Äitsch wie in „the“ oder „with“. Als letzteres wird Theta auch im Neugriechischen verwendet.

Es folgt ein großes lateinisches L, welches ein umgedrehtes griechisches Γ ist, Gamma mit dem Lautwert g.

Es folgt ein großes U, von dem wir schon wissen, daß dies im antiken lateinischen Alphabet nicht existierte. Im Griechischen hingegen gibt es die Kleinschreibvariante des Buchstabens Ypsilon, vermutlich einen ü-Laut repräsentierend, anders als im modernen Griechisch, wo annähernd jeder Vokal ein i ist. Das kleine Y sieht so aus: υ, da hamwas also.

Dann steht da ein T, also ein t-Laut, egal in welchem Schriftsystem.

Es folgt ein Ʒ, nein, keine 3. Ʒ repräsentiert im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA) einen stimmhaften sch-Laut wie in „Gelee“. Dieser Laut wird in einigen slawischen Sprachen als Ž geschrieben, Zett mit Hatschek, und in der Tat basiert Ʒ auf einer Schreibvariante des Buchstabens Z, wie sie zum Beispiel in der Sütterlin-Schrift vorkommt.

Θ hatten wir schon. Es sollte nicht velwechsert werden mit dem Buchstaben Ө, welcher in nicht-slawischen Sprachen, die das kyrillische Schriftsystem verwenden, einen ö-Laut repräsentiert, bspw. im Mongolischen oder Kirgisischen.

Zu guter Letzt überrascht uns ein N. Und wenn das hier ein N ist, dann ist das V von oben kein kleines Ny.

Fassen wir also zusammen, wie heißt DJ Bobos Jubiläumstour? Dies herauszufinden war eine kleine Tortur, aber das Ergebnis steht:

Swthgytžthn

Das kann wahrscheinlich nur ein Schweizer flüssig aussprechen.

Und ja, liebe Unbildungsbürger, ich bin natürlich genauso blöd wie ihr. Auch ich habe „Evolution“ gelesen.


Digitalisierung, Digitalisierung, DIGITALISIERUNG!

11. November 2022


Beispielbild

Bisweilen sehe ich mich dem Vorwurf ausgesetzt, ich blickte Neuerungen skeptisch entgegen, was impliziert, daß ich konservativ sei. Das ist nicht der Fall. Ich stehe dem technischen Fortschritt keineswegs feindselig gegenüber, die Heugabel im Anschlag, sondern ich erkenne an, daß es zuweilen in der Geschichte Neuerungen gab, welche die Menschheit echt weitergebracht haben; der Scharpflug zum Beispiel. Richtig hingegen ist, daß ich Veränderungen nicht um der Veränderung willen gutheiße, sondern mit der Veränderung auch eine tatsächliche Verbesserung gegenüber dem Vorzustand ins Werk gesetzt sehen möchte.

Und das bringt uns zur Digitalisierung, Digitalisierung, DIGITALISIERUNG!, in welchselbiger die jeweilige Opposition zur jeweiligen Regierung das Allheilmittel für alles erkennt und der jeweiligen Regierung vorwirft, sie würde den Ausbau dieser Digitalisierung nicht energisch genug vorantreiben. Was heißt nun „Digitalisierung“? Massive Anpflanzungen von Fingerhut, oder was? Der ist aber giftig! Die Regierung will uns alle vergiften! Pegida hatte Recht!

Nach dem Willen der jeweils nicht Herrschenden sollen möglichst viele Abläufe im Alltag der Menschen digital vonstatten gehen. Statt zum Arzt zu rennen, soll man sich den digitalen Krankenschein holen können, die Steuererklärung soll nur noch per Elster abgegeben werden (nicht zu velwechsern mit der Brieftaube!), und ganz Verwegene möchten am liebsten auch das Bargeld abschaffen zugunsten einer rein digitalen Währung. Im Auto ist ja schon alles digital. Wenn man früher (als auch nicht alles besser war, aber manches halt doch) den Motor abgewürgt hat, trat man auf die Kupplung, drehte am Zündschlüssel, und die Karre fuhr weiter. Heute jedoch ist das Auto voller Elektronik. Wenn man abwürgt (was ich natürlich nie tue!), muß erstmal das System rebootet werden, eine unmittelbare Neuzündung des Motors ist im Rahmen der Digitalisierung nicht vorgesehen. Das nur als Beispiel für die unbestrittenen Segnungen der Digitalisierung. Also muß die Datenautobahn her, möglichst noch vor dem Erreichen des 2,5-Grad-Kipp-Punktes (Das 1,5-Grad-Ziel habe ich wegen erwiesener Lächerlichkeit des Zeitplans einfach mal übersprungen.), aber dummerweise verläuft der Ausbau von Autobahnen, ganz gleich, ob real oder digital, schleppend. Während über selbstfahrende Autos diskutiert wird, bröckeln die Talbrücken vor sich hin, und die Schlaglöcher vermehren sich wie die Karnickel, während die Autobahnbaustellen vor allem aus Absperrbaken und Spurverengungen bestehen, ohne daß man jemanden dort arbeiten sehen würde.

Und dann die Faxgeräte! Inbegriff der Rückständigkeit! Sowas von 20stes Jahrhundert! Ja, aber im 20sten Jahrhundert lag im Winter noch Schnee, es war also nicht alles schlecht. Also, das Faxgerät. In den 1980er Jahren schafften sich fortschrittsgläubige Menschen ein solches Gerät an und benutzten es nie, die meisten Leute bekamen so eine Apparatur gleich gar nie zu Gesicht. Denn das wurde vor allem in Behörden und anderen schriftkramproduzierenden Einrichtungen zum fixen bzw. faxen Datenaustausch per Telephonleitung verwendet. Was sag ich: „wurde“! Wird es bis heute. Und die heutigen Fortschrittsgläubigen sehen das als Indiz dafür, daß es dringend einer Digitalisierung, Digitalisierung, DIGITALISIERUNG! bedürfe. Faxe! Sowas rückständiges.

Wieso eigentlich? Man legt ein Schriftstück auf oder ins Gerät, zieht es durch und schickt es an den Empfänger, wo eine Kopie des Schriftstücks automatisch aus dem Drucker kommt. Die Umrechnung des Schriftbilds in leitungskonforme Signale, die empfängerseits wieder in das Schriftbild zurückverwandelt werden, geschieht übrigens auch nicht mit Zahnrädern und Tuschepinseln, sondern durchaus digital; das mal am Rande. Was also wäre die noch digitalere Alternative? ’ne E-Mail. Oder ’ne Wattsapp. Oder ein Tweet. Oder ein Snap. Oder ein Tiktok-Video. Oder was? Okay, jaja, eine E-Mail. Man geht also an den Computer, tippt die Nachricht ein, oder, wenn man ein Dokument schicken will, scannt dieses ein und hängt es an die E-Mail, oder man füllt ein Dokument direkt in der Dokumentenmaske aus, welche hoffentlich voreingestellt ist; man hängt eine digitale Signatur an und sendet es an den Empfänger. Sendet man es dem Empfänger aufs Handy, ist das Dokument eher kleinformatig, und hoffentlich ist der Handy-Empfang gut. Sendet man es als E-Mail auf des Empfängers Computer, ist man darauf angewiesen, daß diese E-Mail geöffnet und gelesen wird, während ein ankommendes Fax sich haptisch aufdrängt. In wieweit die ..äh.. digitalere Variante der Kommunikation einen signifikanten Vorteil bietet gegenüber der vorsintflutlichen Faxtechnik, erschließt sich mir nicht unmittelbar, aber ich bin für Plausibilisierungsversuche offen. Ein Vorteil wäre sicherlich der geringere Papierverbrauch.

Jedenfalls. Heute saß ich auf dem Einfüllstutzen zur Kanalisation, als es an der Tür schellte. Ich kam so schnell nicht hin, konnte also bloß noch die Abholkarte des DHL-Büttels aus dem Briefkasten bergen. Und zwar sollte ich das Paket nicht wie gewohnt bei der Hauptpost abholen, sondern bei der nächstgelegenen Packstation. Das freute mich ob des kürzeren Weges, und die Erfahrung sagte mir, daß das Prozedere unkompliziert sei: Barcode auf der Abholkarte an der Packstation untern Scanner halten, es öffnet sich das entsprechende Fach, fertig. So dachte ich. Denn inzwischen hat die Post, also DHL, also die Post, also egal, eine neue Generation von Packstationen in Betrieb genommen. Stichwort: Digitalisierung!

Manchmal sind es ja Kleinigkeiten, die mir das Leben beschwerlich machen. So standen beispielsweise bei meiner vorherigen Wohnung die Mülltonnen direkt neben der Haustür, und bei jedem Weg nahm ich rasch den Müll mit. Bei der jetzigen Wohnung hingegen sind die Mülltonnen hinterm Haus angeordnet, was jetzt nicht mehr automatisch auf dem Weg liegt. Na gut, den kleinen Umweg würde ich wohl in Kauf nehmen, aber um die Mülltonnen gibt es einen Zaun mit abgeschlossenem Tor, damit sie nicht ausbüxen, und der Schlüssel paßt nicht mehr an meinen alltäglichen Schlüsselbund, vor allem nicht auf dem Weg zur Arbeit. Denn neben meinem eigenen Haustürschlüssel, Wohnungsschlüssel und Briefkastenschlüssel hängen daran noch Haustürschlüssel und Stationsschlüssel der Arbeitsstelle, ein zusätzlicher Büroschlüssel, mein Spindschlüssel und ein weiterer Schrankschlüssel. Das alles zerfetzt bereits jetzt schon meine Hosentasche, und der Müllplatzschlüssel sprengt den Rahmen. Also bringe ich den Müll nur alle paar Wochen mal raus, und heute war’s soweit; die Mülltonnen liegen günstig auf dem Weg zur Packstation.

Komme ich also frohgemut mit meiner Abholkarte zur Packstation und will den Barcode einscannen: Gibt es da gar keinen Scanner! Stattdessen brüstet sich die Packstation damit, appgesteuert zu sein. Ja wie jetzt, App? Braucht man da ein Handy, etwa?
Nun bin ich ja, Corona und dem digitalen Impfausweis sei Dank, durchaus Besitzer, Eigentümer und Verweser eines ortsungebundenen Fernsprechapparats, aber dabeí habe ich das natürlich nicht immer! Also zurück nach Hause, Handy holen, in der sich erfüllenden Hoffnung, daß es geladen sei.
QR-Code auf der Station einscannen, Link zur DHL-Packstation-Seite öffnen, den Anweisungen folgen, die da lauten: DHL-App herunterladen, ein Kundenkonto einrichten, meine Adressdaten preisgeben, per E-Mail bestätigen, Zahlungsmöglichkeit eintragen, denn mit der DHL-App will DHL selbstverständlich zum leichthinnigen Erwerb irgendwelcher DHL-Leistungen verführen, ich wähle die einzige mir zur Verfügung stehende Möglichkeit: Paypal, also PayPal-Adresse eingeben, zu PayPal wechseln, dort einloggen, Zwei-Faktor-Autorisierung durchlaufen, fertig, die App ist betriebsbereit! Und nu? Per Bluetooth mit der Packstation verbinden, es leuchtet ein grünes Lämpchen auf, es blinkt, die Verbindung klappt nicht. Also nochmal. Klappt wieder nicht, die Packstation beendet den Vorgang. Ich trete einmal gegen die Packstation, es entsteht kein Schaden, ich versuche es noch einmal mit der Bluetoothverbindung, es klappt! Ich werde aufgefordert, mit dem Handy den Barcode auf der Abholkarte zu scannen, zu dunkel, kann nicht entziffert werden, ich gehe ins Licht, neuer Versuch, Erfolg! Es öffnet sich ein Fach. Ich entnehme mein Päckchen, analog. Es ist übrigens eine Schallplatte drin, auch analog. Aber diese Digitalisierung, Junge, Junge, die ist schon toll.

Apropos „Junge, Junge“. Die alten Alten, also zum Beispiel meine Mutter, hätten das Päckchen zurück zum Absender gehen lassen. Müssen. Abgesehen davon, daß meine Mama kein Smartphone hat, wäre sie auch nicht damit klargekommen, den QR-Code einzuscannen, ein Kundenkonto zu eröffnen, zwischen DHL-App, E-Mail-App und PayPal-App auf dem Handy hin- und herzuwechseln, oder überhaupt eine Zahlungsmöglichkeit zur Appnutzung einzutragen, denn meine Mutter gibt noch handgeschriebene Überweisungsscheine am Bankschalter ab. Digitalisierung? Richtet sich jetzt nicht primär an den Großteil der Bevölkerung, wiewohl es auch da Appnutzungserscheinungen gibt. Der Weisheit letzter Schluß ist das irgendwie auch nicht.


Das vierte Gebot.

22. Oktober 2022

Anläßlich dieses Artikels im Postillon möchte ich einen fiktiven Dialog zum Besten geben, den sich so wirklich niemand ausdenken kann! Außer ich irgendwann mal. Also lautend:

„Mama? Hast du mich nicht lieb?“

Mama, alarmiert: „Aber Leonie! Natürlich habe ich dich lieb! Ganz doll sogar!“ Macht Anstalten, das Kind in den Arm zu nehmen.

Leonie, entwindet sich der drohenden Umarmung: „Aber warum hast du dann nicht meinen Namen (nicht einmal in Kanji!), mein Geburtsdatum (nicht einmal in Roman Numerals!), meinen Babyfußabdruck, mein Sternzeichen und meine ersten Herztöne tätowiert!? Du Rabenmutter, isch hasse disch!“


We are doomed.

29. August 2022

Wie ich von diesem Aufkleber an einem Laternenpfahl im öffentlichen Raum lernte, sind wir am Arsch. So sehe ich also meine schon lange gehegte Vermutung offiziell bestätigt. ’s wird wärmer, zum Beispiel, und nur Naivlinge nehmen dies zum Anlaß, sich auf besseres Wetter zu freuen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt: Is‘ nich‘ so. Entweder wird es heißer und trockener, die Bäume sterben ab, die Flüsse trocknen aus und das Grundwasser zieht sich zurück; oder es wird heißer und nasser, die Flüsse schwellen an und die Stürme werden heftiger. Na, herzlichen Glückwunsch, das haben wir ja prima hingekriegt!
Und weil wir, das heißt: die Mehrheit der Menschheit, Politiker wählen oder gewähren lassen, die all ihre Kraft in den Dienst derer stellen, die in ihre Beraterverträge erkleckliche Sümmchen schreiben, während sie, Geldgeber, ihrerseits noch erklecklichere Summen durch entsprechend ausgearbeitete Gesetze verdienen bekommen, wird sich auch nichts zum Besseren ändern. Es ist aber auch echt egoistisch von uns, selbstsüchtig immer nur das Wohl unserer Kinder und Kindeskinder im Sinn zu haben und auf einen auch zukünftig noch bewohnenswerten Planeten zu hoffen, ohne uns mal empathisch in die Bedürfnisse der Aufsichtsräte und Oligarchen einzufühlen!

Extinction Rebellion hat also Recht: Wir sind am Arsch. Welche Erkenntnis sollen wir daraus ziehen? Folgen wir dem Vorschlag Guybrush Threepwoods, völlig zu verzweifeln und aufzugeben? Klingt verlockend. Vielleicht saufen wir uns die Welt auch einfach schön. Die aufmüpfige Jugend, die tatsächlich noch hirngespinstens von einer lebenswerten Zukunft träumt und den weisen Erwachsenen auf die Nerven geht, indem sie sich an Autobahnen und Bilderrahmen festklebt (Ja ist denen denn gar nichts heilig!?), bringen wir frühzeitig dazu, es uns gleichzutun. Zu diesem Zweck gibt es sowas:

Saufen für den Wohlstand (einiger).

Und dann erblickte mein Auge just heute diese kleine Werbeanzeige im Dortmunder Werbeblättchen. Die Adresse habe ich mal unkenntlich gemacht, denn Werbung gibt’s hier nur, wenn WordPress sie einblendet, weil ich keinen bezahlten Account anlegen möchte. Typisch, diese Gratismentalität! Aber dann wiederum bezahlt mich ja auch keiner, also ist die Billanz ausgeglichen, die 0 steht. Also, jedenfalls:

Wie bitte? Vielleicht wußtet ihr das ja; ich wußte es jedenfalls nicht: Es gibt Grillkurse? Schon (schon!!!) ab 69 Euro. Die Schonzeit ist vorbei! Es gibt also offenbar auch Kurse zu höherem Preis. Und 69 Euro sind fast 140 D-Mark. Das sind 700 Ost-Mark. Und da gab’s Fleisch nur an geraden Donnerstagen, wenn man weit genug vorne in der Schlange stand. Doch ich schweife ab.

Wie konnte es eigentlich dazu kommen, daß in Zeiten des Feminismus das Grillen zum Volkssport avancierte? Nee, jetzt mal ernsthaft: Wie zum dreimal gehörnten Teufel konnte das passieren? Seit Jahren nehme ich wahr, wie die Zubereitung von Fleisch vermittelst eines Grills erst zur telemedial vermittelten Wissenschaft wurde, dann zur Materialschlacht, und jetzt identifizieren sich Männer plötzlich als Grillexperten und Diplombruzzler, schaffen alle Naselang neues Grillgerät gemäß neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen an („Smoker“. Keine Ahnung, was das ist.), und es gibt Grillkurse. Oh, sorry, sorry:

Frauen natürlich auch. Dazu später mehr. Fleisch (was jetzt keine Assoziation zu Frauen sein soll) esse ich ja bisweilen auch, nicht häufig und nie selbstgegrillt, aber das Virtus-Signal, um mal einen englischen Begriff lateinischer Herkunft einzudeutschen, „Veganer!“ kann ich für mich nicht reklamieren. Dennoch sehe ich ein, daß unser wohl(unan)ständiger Fleischkonsum problematisch ist. Die Haltung von Schlachtvieh ist oft mit dem Tierwohl nicht zu vereinbaren, das Schlachten sowieso nicht, Futtermittel verbrauchen Ressourcen an Wasser, Anbaufläche, Düngemitteln und so weiter, die, äße man pflanzlich, sehr viel direkter und wirtschaftlicher genutzt wären. Daß für Weideflächen gerne mal Regenwald brandgerodet wird, und daß die Viecher Methan auspupsen, kommt als klimaschädlicher Malus noch hinzu.

All dies ist bekannt, es kümmert aber niemanden. Stattdessen wird gegrillt, was das Zeug hält. Fast, beinahe, unter Umständen, vielleicht könnte man auf den eventuell komplett abwegigen Gedanken kommen, daß hinter dem derzeitigen Trend zum Grill eine geschickt lancierte Kampagne der Fleischindustrie steckt, ohne jetzt allzu offensichtlich in verwegene Verschwörungsmythen abgleiten zu wollen. War wirklich nur ein Gedanke, die Älteren werden sich erinnern.

Männer grillen. Grillen zirpen. Was hat das mit dem Feminismus zu tun? Natürlich nichts. Frauen grillen ja auch, zum Beispiel auf der Sonnenbank. Und ich verbreite hier antiquierte Geschlechterklischees, ich Schlimmling. Oder heißt es jetzt: „Geschlimmte“? Ich sollte solche Texte nicht um 3 Uhr nachts verfassen.

Feministinnen und ihre andersgeschlechtlichen Apologeten behaupten ja gerne, dem Feminismus gehe es um Gleichberechtigung. Das gibt das Wort freilich nicht her, welches ja ausdrücklich Wesen femininen Geschlechts benennt. Dem Feminismus geht es um mehr Rechte für Frauen, was insofern gerechtfertigt ist, als Frauen Rechte vorenthalten werden. Daß diese Mehrberechtigung der Frauen an dem Punkt enden möge, wo der Zustand einer Gleichberechtigung erreicht wurde, ist hingegen nicht erkennbar. Und daß diese Gleichberechtigung überhaupt anderen Gruppen außer Frauen zugutekommen soll, ebensowenig. Wenn Transfrauen beispielsweise das Damenklo aufsuchen möchten, erheben Feministinnen nicht selten ihre Stimme dagegen. Und sowieso gilt: Der Feind ist der Mann, von toxischer Männlichkeit ist die Rede. Und ja, allenthalben können wir toxische Männlichkeit am Werke sehen, seien es prügelnde Ehemänner oder dem Militarismus Vorschub leistende Staatsführer mit nacktem Oberkörper in Armeehose auf dem Pferd. Unbestritten. Dabei geht es natürlich nicht darum, daß die Welt ein besserer Ort würde, wenn Frauen an öffentlichem Einfluß und Macht gewönnen, denn warum sollte das wohl so sein? Das britische Kolonialreich beispielsweise nahm seinen Anfang unter Königin Elisabeth I. und hatte seine größte Ausdehnung unter Queen Victoria. Maggie Thatcher, die „Eiserne Lady“, führte den Falkland-Krieg und vertrat eine rigide Sozialpolitik. Angela Merkel war 16 Jahre lang Bundeskanzlerin, ohne daß der Feminismus in dieser Zeit über wesentliche Erfüllungen seiner zentralen Forderungen gejubelt hätte. Zu den reichsten Deutschen zählen Frau Klatten, Frau Quandt und Friede Springer („Bild“, dieser Hort der Gleichberechtigung).
Ich hätte durchaus nichts dagegen, wenn Frauen annähernd soviel, genauso viel, oder auch mehr Macht und Einfluß hätten, wie sie derzeit noch Männer haben. Bloß gehe ich nicht davon aus, daß dadurch irgendwas besser würde. Frauen wollen ganz einfach jetzt auch die Arschlöcher sein, nur darum geht’s.

Aber die Männer (Yes, I know: Not all men.) sehen sich Vorwürfen ausgesetzt. Sexismus, wie obiger Aufkleber an einem Stromkasten vermittelst suggestiver Farbgebung und unverhohlen dargestellter Geschlechtskennzeichnung impliziert, ist etwas, unter dem Frauen zu leiden haben, was also von Männern ausgeht. Weil Männer per Definitionem nie von Sexismus betroffen sind, außer vielleicht, wenn ihnen auf Stromkastenaufklebern zum Thema Sexismus der potenzielle Opferstatus verweigert wird, aber wer wird denn kleinlich sein.

Der Feminismus mag in vielem seine Berechtigung haben, aber er fördert auch den unreflektierten Trotz derer, die sich von ihm bedroht fühlen. Viele Männer sehen, ob berechtigterweise oder nicht, ihre Felle davonschwimmen, und vielleicht auch deswegen ziehen sie sich an den Grill zurück, wo Männer noch Männer sein können. Eskapismus sei’s Panier! Wir sind verloren.

Gute Nacht!


30-Tage-Herausforderung.

25. Juli 2022

Ach so, ja, äh, hier:

War’n voller Erfolg, das mache ich nächstes Jahr nochmal. Mit denselben Flaschen. Oder mehr, falls noch was hinzukommen sollte.


30-Tage-Challenge: No Alcohol!

1. Juni 2022

Solche Challenges sind wohl gerade en vogue, und als Trendhechler kann ich mich dem natürlich nicht entziehen. Inspiriert hat mich dazu eine Youtube-Reportage, inzwischen leider entfernt, weil sie als problematisch wahrgenommen wurde, und zwar zu Recht. Sie kann mittelbar über diverse Reaction-Videos auf anderen Youtube-Kanälen nachvollzogen werden, hier ein zusammenfassender Link dazu: „Hauptsache Alkohol“

Also. Dies sind meine Vorräte:

1.
Eine Flasche selbsthergestellter Eierlikör, den mein Chef uns letztes Jahr zu Weihnachten schenkte, mit dem Hinweis, ihn kühl zu lagern und bis 2ten Januar zu verbrauchen, wegen Frischei und so.

2.
Eine 0,2-Liter-Flasche Gold-Sekt mit echten Goldflocken (hätte ich vor der Aufnahme mal schütteln sollen), den es vor zwei Jahren als Gratifikation gab, weil wir so erfolgreich gearbeitet hatten.

3.
Eine 0,2-Liter-Flasche „Jules Mumm Sekt Medium Dry – Finest Fresh & Fruity Sparkling Wine“. Mit Schraubverschluß, also besonders edel. Den gab’s neulich als Dank, weil ich in einer anderen Station aushalf. Die Schokolade, die auch dabei war, ist schon weg.

Die Kittelflaschen mit Hände-Desinfektionsmittel stehen da nur zum Scherz mit akzentuiertem r. (Weil da auch Alkohol drin ist, hahaha!)

Ob ich es schaffe, einen vollen Monat lang der Versuchung zu widerstehen!? Ich werde berichten.