Begegnen sich zwei Superhelden:

30. November 2011


„Scheiße, immer so mit der Brille, woll?“ – „Dat sarrich dir!“

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14 Punkte Rückstand.

21. November 2011

Na gut. Was man von Fußballfans keinesfalls erwarten sollte, ist Objektivität. Hoffnungen wie: „Möge der Bessere gewinnen!“ werden lediglich von Mutti und Feiertagsrednern in Person von Verbands- präsidenten und ähnlich überflüssigen Krawattenträgern geäußert. Korrekt heißt es: „Hoffentlich gewinnen wir!“ oder: „Hauptsache, die Scheiß-Bayern verlieren!“

Am vergangenen Wochenende haben die Bayern verloren. Vor allem hat mein BVB gewonnen. Und da beide Ereignisse das Ergebnis ein und desselben Spiels waren, freut mich diese Niederlage der Bayern ganz besonders. Verständlicherweise sind die Sympathisanten der Münchner ob dieses Spielausgangs tendenziell angefressen, und den Kommentarspalten bei 11freunde.de und Spiegel Online konnte ich entnehmen, daß sie so wenig objektiv reagieren, wie man es eben von Fußballfans erwarten darf, nein: muß.

Da kommen dann so Argumente zum Tragen wie: „Ja klar, uns hat ja auch der Schweinsteiger gefehlt!“ Und: „War halt Pech, daß unsere Buam einen schlechten Tag erwischt haben.“ Und: „Kunststück! Die Dortmunder sind halt gerannt wie die Pferde und haben nicht spielerisch gegen uns gewonnen!“ Und überhaupt: „Ein Glückstor!“ Da können einem wirklich Tränen der Rührung kommen. Verzweifelt versuchen die erfolgsverwöhnten Bayernanhänger, die jetzt dritte Niederlage in Folge ihrer Mannschaft gegen meine Mannschaft (den BVB) mit Dingen zu erklären, welche nicht die Grundfesten ihrer Überzeugung in Frage stellen, die da lauten:
Der FC Bayern ist der natürliche Rechteinhaber an jeglichen Titeln, und nur außergewöhnliche Umstände können dazu führen, daß er mal nicht gewinnt. Daran, daß die gewinnende Mannschaft einfach mal besser war als die eigene, braucht man keinen Gedanken zu verschwenden, denn das wäre ja gegen die natürliche Ordnung.

Dieses über Jahrzehnte sich verfestigt habende Selbstverständnis des FC Bayern ist inzwischen so dermaßen Teil der Folklore geworden, daß der Sieg des BVB in der Allianz-Arena allenthalben für überraschend befunden wurde. Natürlich kann ein Sieg gegen den FCB von nie- mandem als selbstverständlich empfunden werden. Aber unter einer Überraschung verstehe ich dann doch noch etwas anderes. Denn wie erwähnt, war das nun der dritte Sieg der Dortmunder über die Isarstädter (Jaja, Synonymitis) in Serie, jeweils mit annähernd derselben Mannschaft, jeweils mit annähernd derselben laufintensiven, die Defensive betonenden Spielweise. Wenn die Bayern immer noch nicht begriffen haben, daß ihre Niederlagen kein Zufall waren, nicht die Folge widriger Umstände, dann spricht das nicht eben für sie. Es spräche lediglich für ihre realitätsferne Wahrnehmung.

À propos. Nach dem 13ten Spieltag der letzten Saison, also just vor einem Jahr, hatte der FC Bayern in der Tabelle 20 Punkte und damit 14 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer. Davon unbeeindruckt verlautbarten aus der Führungsetage an der Säbener Straße lustige Drohungen des Musters: „Die sollen sich da oben an der Tabellen- spitze nicht zu sicher fühlen, wir werden jetzt unsere Aufholjagd starten!“ Denn der Weg zur Deutschen Meisterschaft kann natürlich nur über München führen. Führte er dann auch. Am Ende hatten die Bayern aber tatsächlich 4 Punkte gutgemacht.

4 Punkte. Gegenwärtig beträgt der Vorsprung des Tabellenführers ganze 2 Punkte. Aber hört man aus Dortmund und Mönchengladbach Kampfansagen an den FC Bayern? Oder von sonst einem Verein, der nach bayerischer Auffassung noch in unmittelbarer Schlagdistanz in der Tabelle steht, also am 13ten Spieltag mit höchstens 14 Punkten Abstand auf den Spitzenplatz? Nä. Denn wenn der FC Bayern Tabellenführer ist, dann geht einfach niemand davon aus, daß sich das bis zum Saisonende noch ändern kann.

Die Meisterschaft ist entschieden.


Buch der Woche: Der Name der Rose

12. November 2011


Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus.

Im Jahre des Herrn MCCCXXVII begeben sich Sean Connery und Christian Slater, begleitet von einer Kamera, in eine verschneite Abtei im Norden Italiens, weil es ihr Auftrag ist. Da sie in geheimer Mission unterwegs sind, nehmen sie die Namen William von Baskerville und Adson von Melk respective an und kleiden sich in die Kutten der Franziskaner und Benediktiner. In jener Abtei soll ein wichtiges Treffen stattfinden zwischen Abgesandten des römisch-deutschen Kaisers und solchen des zweitweise nicht römischen Papstes (denn zu jener Zeit hatten sich die Päpste nach Avignon abgesetzt), sowie Abgeordneten verschiedener Mönchsorden. Es geht also um hohe Politik, genau genommen um Macht, noch genauer darum, ob die Kirche reich und mächtig sein dürfe, wo doch Christus arm gewesen sei und seine Macht nicht von dieser Welt. William von Baskerville ist ein armer Franziskaner und somit hervorragend dazu geeignet, die Sache des Kaisers zu vertreten, welcher die Kirche naturgemäß nicht mächtig sehen will, zumal er, William, außerordentlich scharfsinnig ist.

Dieser Scharfsinn bekommt in den sieben Tagen des Aufenthalts in der Abtei reichlich Gelegenheit, sich zu zeigen, denn aus heiterem Novemberhimmel sterben die Mönche wie die Fliegen, und zwar unnatürlicher und ungewöhnlicher Tode. Diese scheinen in ihrer jeweiligen Andersartigkeit keinen erkennbaren Zusammenhang aufzuweisen, doch der erfahrene Detektiv weiß: Alles, was innerhalb eines Films geschieht, ist auch miteinander verknüpft. Natürlich ist es das. Und natürlich dauert es bis zum letzten Tag, bis dieser Knoten entworren ist, auch wenn William früh ahnt, daß der Schlüssel zu allem in der Bibliothek zu suchen sein muß, dieser riesigen, faszinierenden Bibliothek, zu der ihm der Zutritt verweigert wird. Aber was soll’s, da es der Wahrheitsfindung dient, verschaffen sich William und sein Adlatus Adson dennoch Zutritt – und wissen erst einmal nicht weiter, denn die Bibliothek ist als Labyrinth angelegt. Als gäbe es nicht schon genügend andere Rätsel zu lösen!

Nebenbei wird der Novize Adson von einer namenlosen Bauernmaid in die Geheimnisse der Liebe eingeweiht, was diese freilich teuer zu stehen kommt. Denn sie wird aufgegriffen und prompt dem anläßlich des Treffens anwesenden Inquisitor Bernard Gui vorgeführt, der überdies noch andere Häretiker dem Scheiterhaufen übergibt, in der Annahme, somit die Schuldigen an der Mordserie gerichtet zu haben. Tja, die machen sich’s einfach.

Dieser Klosterkrimi Umberto Ecos verknüpft gekonnt eine spannende Detektivgeschichte mit einem Sittengemälde nicht bloß des hohen Mittalalters, sondern stellt gedankliche Bezüge her zur Gegenwart, mit ironisch-moralischer Implikation im Geiste der Aufklärung. Selbst- verständlich sind nicht irgendwelche Ketzer schuld an den Morden in der Abtei. Es wäre verfehlt zu sagen, die Ketzer seien die Guten, aber ihre kirchenkritische Haltung wird doch mit einigem Wohlwollen beleuchtet. Schuld an den Morden ist vielmehr der frömmste Mönch, den die Abtei zu bieten hat, der ehrwürdige Jorge von Burgos, ein verknöcherter alter Fundamentalist, blind vor Zorn und bereit, über Leichen zu gehen, um zu schützen, was er meint, schützen zu müssen: Das letzte existierende Exemplar von Aristoteles’ Abhandlung über die Komödie. Niemand soll es lesen, denn das Lachen, so Jorge, vertreibe die Furcht, und Furcht sei nötig, um glauben zu können. Na dann.

Warum der Roman ausgerechnet „Der Name der Rose“ heißt, geht aus der Handlung nicht so recht hervor. Spekulationen zufolge spielt der Titel auf die Namenlosigkeit des armen Bauernmädels an, das dem Eifer der religiösen Fanatiker geopfert wurde. Der Autor selbst gab an, ihm habe schlicht die Unverbindlichkeit dieses Titels gefallen. Wie dem auch sei, wenn man den Namen einer Rose genau haben will, so schaut man in einem Bestimmungsbuch nach:

Auch in der Villa Sonnenschein 3149 wird nach dem Namen der Rose gesucht.


Schabowski.

9. November 2011


„Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort. Unverzüglich.“


Flaggenparade.

7. November 2011

Auf der Suche nach – wieder einmal – etwas ganz anderem stieß ich in meinem Fundus auf diese Sammlung von Lego-Flaggen. Oder jedenfalls Flaggen, die den Ausdruck „Lego“ enthalten. Über die Jahrzehnte hat sich das generelle Design dieser Art Fahnenmast nur wenig verändert: Dünner Mast mit geschwungenem Tuch, Kreuzmast mit geschwungenem Tuch, Kreuzmast mit geradem Tuch, das war’s. Nicht im Bild ist die frühste Version der geschwungenen Fahne am dünnen Masten, bei welcher die runde 1×1-Basis keine Verjüngung am Fuß hat, um zwischen Noppen zu passen. Aus genau diesem Grund ist diese Variante auch nicht im Bild.

Das Œvre der Lego-Fahnen ist sicherlich nicht vollständig. Es war nicht mein Anliegen, hier restlos alles zu zeigen, was es gibt, darum habe ich auch nicht in diese Richtung recherchiert. Auffällig ist jedoch mehrerlei.

Erstens: Die Qualität der Aufkleber scheint über die Jahre nicht besser geworden. Die weiße Fahne links ist alt, frühe 70er, und hat schon so manche Wühlkiste ohne Bruch überstanden, da darf der Aufkleber, eigentlich ein sog. Decal, auch schon mal etwas abgestoßen sein. Der ganz rechte Legoland-Hotel-Aufkleber hingegen stammt aus dem Jahre 2003, aus der Legendenneuauflage 10041 der Main Street 6390. Dieser Aufkleber wurde von mir persönlich mit fettfreien Fingern aufgeklebt und hatte seitdem nichts zu leiden; dennoch biegt er sich auf und bröselt. So geht’s ja nicht!

Zweitens ist die Legoland-Streifenflagge heraldisch falschherum. Die Reihenfolge der Streifen sollte sein gelb-rot-blau-weiß-schwarz. Da hilft es auch nichts, die Fahne in die andere Richtung wehen zu lassen, wie auf der Abbildung des Sets 6316 geschehen. Denn die Fahne weht in heraldischer Darstellung immer rechts vom Mast. Man hängt ja auch das amerikanische Sternenbanner nicht mit der ..äh.. Außenseite auf. Da die fünf Streifen durchaus eine Marke sind, könnte man deren Verkehrtherumheit nicht ohne Häme als „unsachgemäße Verwendung“ bezeichnen.

Denn Lego, die Firma, legt großen Wert auf korrektes Darge- stelltwerden. In ihren Fairplayregeln heißt es:

Jedes Mal, wenn die LEGO Marke auf einer Webseite erscheint, sollte eine Ausschlußerklärung eingefügt werden, z.B. „LEGO® ist eine Marke der LEGO Gruppe, durch die die vorliegende Webseite jedoch weder gesponsert noch autorisiert oder unterstützt wird“. Eine solche Ausschlußerklärung kann jedoch einen Missbrauch unserer Marke nicht ungeschehen machen. Deswegen kann auch eine Verwendung des LEGO Logos bzw. eine unsachgemäße Verwendung der LEGO Marke nicht durch die Einfügung einer Ausschlusserklärung richtiggestellt werden.

Diese Ausschlußerklärung findet sich oben hinter „Disclaimer“.

Weiterhin bzw. davor heißt es in der Fairplayregel:

Eine LEGO Marke sollte – wenn überhaupt – immer nur adjektivisch und nicht als Hauptwort verwendet werden. So kann man z.B. sagen: „Modelle aus LEGO Bausteinen“ aber nie „Modelle aus LEGOS“. Auch sollte der Satz der Marke derselbe sein wie der des Begleittexts, und sie darf weder isoliert noch vom Begleittext getrennt dargestellt werden. Mit anderen Worten: Marken dürfen auf keinen Fall betont oder besonders herausgestellt werden. Schließlich muss die LEGO Marke in Überschriften sowie beim ersten Erscheinen im Fließtext mit einem ®-Symbol gekennzeichnet sein.

Naja, das ®-Symbol. Das erste Auftauchen der Marke Lego in diesem Beitrag geschah in Bildform auf der Flagge, wo das ® sowieso draufist. Das soll genügen. Und adjektivisch soll man „Lego“ verwenden? In diesem Sinne wäre „der Lego® Stein“ aber eine sehr antiquierte und poetische Verwendung des ..äh.. Adjektivs „Lego“, etwa so wie in „ein schön Mägdelein“. Im modernen Deutsch werden Adjektive flektiert, je nach syntaktischem Zusammenhang stark oder schwach. Korrekt wäre also „der legoe Stein“ oder „ein legoer Stein“. Darüberhinaus sind Adjektive komparier-, also steigerbar, was zu der Reihe „der legoe Stein, ein legoerer Stein, der legoste Stein“ führt. Ach, und Adjektive schreibt man klein, also wäre „der lego Stein“ schon richtiger, wohingegen die von Lego gewünschte Schreibung in Versalien, „LEGO“, grammatisch sowieso keine Grundlage hat, sondern eher als Initialwort wie „ADAC“ gedeutet, und entsprechend „El E Ge O“ gesprochen würde. Im Lichte der Forderung „Marken dürfen auf keinen Fall betont oder besonders herausgestellt werden“ ist die Versalienschreibung besonders unsinnig, denn nichts anderes als eine Hervorhebung wird dadurch erreicht.

Nein, es hilft alles nichts, die Wortfolge „Lego Stein“ repräsentiert ein zusammengesetztes Hauptwort, ein Kompositum, genauer gesagt ein Determinativkompositum. Der Stein wird determiniert. Was für ein Stein? Ein Legostein. Wie in: Was für eine Tür? Eine Haustür. Genau so funktioniert ja auch die Marke „Legoland“, die wir (drittens) auf den letzten Fahnen sehen. Richtig so! Da „Lego“ aber unbestritten eine Marke ist und kein normales Wort des Deutschen, gestehe ich ihr eine Schreibung mit Bindestrich zu: Lego-Stein. So machte es Lego (die Firma, Benutzung des Namens als Hauptwort) im Übrigen selbst 1971: Der Lego-Motor. Das ist also alles kein Grund zur Aufregung.

Von all dem abgesehen halte ich die Fairplayregeln Legos (Name im Genitiv) aber wirklich für fair. Vor allem hinsichtlich ihres Umgangs mit Bildrechten zeigen sie sich äußerst großzügig, gestatten sie doch die Verwendung ihres Materials in von Fans erstellten Datenbanken, korrekt gesetzte Ausschlußerklärung vorausgesetzt. Dafür halte ich, trotz vieler Mäkeleien an Kleinigkeiten, auch weiterhin die Fahne Legos hoch!