Langerwartete (naja) Themen-Retrospektive: Agents 2.0

15. Juli 2019

Im Jahre MMDCCLXII a. u. c. (Den Gag ziehe ich jetzt durch, so unlustig er auch ist.) setzte Lego die Agents-Reihe fort, vorgeblich auf einer höheren Entwicklungsstufe. Oder was soll „2.0“ anderes bedeuten? Jedenfalls bekommt das Team der Agenten Zuwachs in Person der Agenten Swipe und Swift. Während der blonde Swipe einen individuellen neuen Charater in der Agents-Saga (naja) darstellt, deuchte solcherlei die geistigen Väter der Serie – und nur um solche kann es sich hier handeln – hinsichtlich der neuen weiblichen Agentin nicht nötig. Agentin Swift ist bloß Agentin Trace mit neuer Haartracht, bestenfalls handelt es sich um Zwillingsschwestern. Die Köpfe sind identisch.

Zweipunktnullerdings sind die Agenten jetzt mit Kevlar-Westen (aus ABS-Plastik) geschützt. Alle außer Trace, die Heulsuse; in keinem der fünf neuen Sets trägt sie eine Weste. Chase trägt dafür sogar in zwei Sets eine, weshalb zu hoffen bliebe, daß er Gentleman genug ist, eine an Trace abzutreten.

Die neuen Missionen sind nicht mehr durchnumeriert, sondern die Missionsziele sind durch kleine Bildchen versinnbildlicht, welche im Folgenden in Worte übersetzt sein sollen.

8967: Mission Dino

Übertrieben viel Vertrauen scheinen die Agents nicht in ihren neuen Kollegen zu setzen, denn diese Verfolgungsjagd ist Swipes einziger Auftrag. Der Mann mit dem goldenen Colt, also der Teufel mit den mehr als drei goldenen Haaren, also der Mann, den sie Goldzahn nannten, hat es sich wohl in den Kopf gesetzt, auch der Mann mit dem goldenen Dinobaby werden zu müssen. Zufällig hielt das örtliche Museum ein solches zum Entwenden vorrätig. Agent Swipe würde das Artefakt eher mit seinen Raketen zu Goldwasser schmelzen, als zuzulassen, daß Goldzahn es in Dr. Infernos Vulkanbasis in Sicherheit brächte.

8968: Mission Geld

Letztendlich geht es ja bei der terroristischsten Weltvernichtung auch immer bloß ums Geld. Spätestens seit „Stirb langsam“ wissen wir das. Darob hat Dr. Inferno seinen Finanzjongleur Dollar-Bill losgeschickt, Penunzen zu beschaffen. Lego, ihres Zeichens eine Firma, die auf Kinderbespaßungsgegenstände spezialisiert ist, verharmlost die Umtriebe des Devisenspekulanten und Derivate-Händlers zu einem simplen Raubüberfall; die Kinder sollen ja keine Alpträume bekommen.

Zum Knacken des Tresors versichert sich Dollar-Bill der Dienste einer Spezialistin, Dyna-Mite. Und mit der Beute im Gepäck geht’s mit dem Sumpfboot ab auf den Fluß. Der Propeller dreht sich übrigens, wenn man das Bötchen über den Teppich schiebt. Sogar recht schnell, wenn man recht schnell schiebt. Zur Abwehr etwaiger Verfolger führen die skrupellosen Verbrecher Wasserzeitbomben mit sich.

Der Etwaige ist in diesem Fall Agent Fuse, und der läßt sich von den untauglichen Seeminen nicht in seinen Verfolgungsabsichten beirren, zu ausgeprägt ist der Gerechtigkeitssinn. Diese 300 Dollar sollen nicht Dr. Inferno in die Hände fallen! Diese nicht!

8969: Mission Gift

Der Fokus dieses Sets liegt eindeutig auf Agent Chases neuem Spielzeug. Der Kerl muß ernsthaft in der Midlife Crisis sein, wenn ihm schon sein Silberflitzer nicht mehr reicht, sondern er auf diesen nicht ganz so silbernen Geländetrumm upgraden muß.

Schicksal oder Fetisch? Wieder einmal durchbricht Chase mit einem Fahrzeug eine Straßensperre. Diese zu umfahren und sich mit dem Geländewagen ins Gelände zu wagen, kommt ihm nicht in den Sinn. Typischer SUV-User halt. Dabei ist das Fahrzeug sogar mit Kippachsen ausgestattet, um Stock und Stein überwinden zu können:

Doch warum sollte man sich auf die Flucht durch unwegsames Gelände verlassen, wenn einem doch wirksame Abwehrmechanismen zu Gebote stehen? Neben den ausklappbaren Bordkanonen sind dies vor allem zwei Boden-Luft-Raketen unterm Heckspoiler. Das zugehörige Ortungssystem verbirgt sich unter der Motorhaube. (Wo sich der Motor verbirgt, bedarf noch der Nachforschung.) Zwar ist die Artillerie auf Vernichtung ausgelegt, sollte jedoch wider jedes Erwarten ein abgeschossener Pilot den Schleudersitzeinsatz überlebt haben, kann Agent Chase ihn mit einem gezielten Pistolenschuß niederstrecken.

Aber was soll es auch nützen, sich etwa in bewaldetem Gebiet zu verstecken, wenn der Gegner Agent Orange einsetzt? Diese Assoziation jedenfalls kam mir angesichts des vietnamtauglichen Hubschraubers, mit dem Dr. Infernos Kompagnon, oder auch sein even more evil twin, Dr. D. Zaster (Und wieder geht es nur um die zerstörerische Kraft des Geldes.) sein Gift versprüht. Dieser desaströse Doktor ist zwar dem vormals schon in Erscheinung getretenen Slime Face wie aus dem Gesicht gelutscht, allerdings scheinen die beiden Charaktere nicht identisch zu sein.

8970: Mission Robo

Daß es sich bei der ganzen Agenten-Chose nicht bloß um ein Katz-und-Maus-Spiel, eine Privatfehde zwischen den Agenten und Dr. Inferno handelt, wird an diesem Set kenntlich. Hier bekommen wir vorgeführt, wie tatsächlich auch Zivilisten in Mitleidenschaft gezogen werden.

Auf obigem Gruppenfoto scheinen sie noch recht vergnügt und zuversichtlich. Freilich sind Oberteil und linkes Bein der Dame leicht vergilbt nach zehn Jahren in der Pappkiste, in Erwartung dieser Rezension. Doch auf den Gilb folgt das Grauen.

Umschwärmt von den Agenten Chase (mit Weste) und Trace (ohne) trampelt Dr. Inferno in seinem Robo-Mech(a)-Dingens durch die Vorgärten, auf der Suche nach Grillgut. Da ist’s mit der Conteance der Zivilisten vorbei; zum Glück haben sie Wechselgesichter, um ihren Gefühlszuständen angemessen Ausdruck verleihen zu können. Leider sind die Agents auch nicht Die Unglaublichen™, und das kleine Quad ist kein Snowspeeder, also ist es ungewiß, ob Dr. Inferno aufgehalten werden kann.

Dr. Infernos Robo ist sicher der humoristische Höhepunkt der zweiten Staffel. Sei es wegen des glasigen Eierkopps oder der tapsigen Füße. Sei es wegen des Umstandes an sich, daß der Doktor da mit so einem absurden Gerät durch die Gegend läuft und Godzilla spielt. Oder wegen des fire arms. Dieser ist mit einem Leuchstein bestückt, um es aber mal so richtig brutzeln zu lassen.

Je nach gusto kann er seine Kundinnen (naja) toasten, flambieren oder grillen. Lego steht für gewaltfreies Spielzeug.

Der kleine Flieger ist kaum der Rede wert.


8971: Mission Antenne

Irgendwo an Dr. Infernos Vulkanbasis befindet sich diese kleine Ausfallschneise mit Richtantenne. Und die ist nicht ohne, denn im Innern dieses Berghangs werden Borg herangezüchtet, und da ist Widerstand zwecklos.

„Borg“ ist nicht ganz der richtige Ausdruck, vielmehr handelt es sich um Magma-Drohnen. Also ist Widerstand vielleicht doch nicht zwecklos. Dr. Inferno führt seinen Drohnenkrieg jedenfalls nicht von der Kurpfalz aus, sondern aus der Vulkaneifel, da vermutet es niemand. Außer die Agents, selbstredend. Aber bis diese es vollbracht haben, Infernos Machenschaften ein für alle mal zu unterbinden, schwärmen die Drohnen unter der Führung des Magma-Commanders von hier aus, um die Welt zu unterjochen, gelenkt durch ein Signal von dieser Antenne. Also muß sie zerstört werden.

Der Überwachungsmonitor am Antennenrichtpult verrät es schon: Die Agents wählten einen massiven Kampfhubschrauber mit Doppelrotor, um zum Kampf überzugehen.

Das Innere des Heliskopters ist dürftig, da der zur Verfügung stehende Platz vor allem von der Türmechanik und Rotortechnik beansprucht wird. Beide sind freilich cool.

Im Grunde gibt es hier nur zwei Bildschirmarbeitsplätze und Elitekämpfer, die darauf warten, hinter den feindlichen Linien abgeseilt zu werden, hier Agent Charge. Zur Crew gehören außerdem Agent Chase und Agent Swift. Und ein Jetski.

Das technische Kabinettstückchen dieses Hubschraubers ist der Doppelrotorantrieb. Der wird nämlich von Kindeshand betätigt. Und zwar, ohne daß die Rotorblätter einander oder des Kindes Hand berühren.

So, das war’s. Wie üblich sind nicht die nominell Guten die Interessanten, sondern die Bösen sind es. Werfen wir also noch mal einen Blick auf Dr. Infernos Riege der Ruchlosen:

Dies ist das Führungspersonal, in seiner makellosen weißen Reichsfeldmarschallsuniform Dr. Inferno selbst, in schwarzer Kluft Dollar-Bill, Claw-Dette, Dr. D. Zaster, Dyna-Mite und Slime Face.

Die Zuträger sind Fire Arm, Goldzahn, Spy-Clops, Kettensägen-Joe, Stahlbeißer und Handlanger.

Die willenlosen Werkzeuge schließlich sind der Magma-Commander und seine noch willenloseren Magma-Drohnen. Was soll der Weltherrschaft da noch im Wege stehen? Richtig: Die Weltvernichtung. Naja.

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CD-Regal revisited: Pink Floyd (5)

5. Juni 2019

Der Titel ist fehlgeleitet, denn der Chronologie gemäß müßte jetzt vermutlich die Kompilation „The Best of The Pink Floyd“ folgen, welche ich nicht besitze, schon gar nicht als CD. Als Veröffentlichungsdatum für jene Scheibe finde ich überall nur „1970“ angegeben, also könnte sie durchaus auch nach dem Album „Atom Heart Mother“ (AHM) aus demselben Jahr erschienen sein. Jedoch sind hier nur Songs von Singles und Alben versammelt, die vor 1970 erschienen, und AHM kam erst im Oktober 1970 raus, also gehen wir mal davon aus, daß dieses Best-of die Wartezeit bis zu ebenjenem Album überbrücken sollte.

Warum die Scheibe ausgerechnet „Best of“ genannt wurde, ist nicht ganz einsichtig, denn im Wesentlichen handelt es sich um eine Zusammenfassung der ersten vier Singles, ergänzt um zwei Songs vom Debütalbum, die ich persönlich allesamt nicht als das Beste von Pink Floyd bezeichnen würde. Interessant ist die Zusammenstellung dennoch, da die Songs jener Singles ja bis auf die Ausnahme „Scarecrow“ nicht auf Alben erschienen waren. Wären statt der Songs „Mathilda Mother“ und „Chapter 24“ vom Album „The Piper at the Gates of Dawn“ die beiden Songs der fünften Non-Album-Single „Point me at the Sky“/“Careful with that Axe, Eugene“ auf die Scheibe gekommen, wäre es eine perfekte Single-Kompilation gewesen. So halt nicht.

Ebenfalls erwähnenswert ist, daß nahezu alle Songs aus der Ära Syd Barretts stammen, welcher zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser LP aber längst durch David Gilmour ersetzt war. Das Titelkupfer der Erstauflage dieses Albums zeigt darob ein Gruppenfoto Pink Floyds mit David. Das ist, als würde Metallica im Booklet zu „St. Anger“ den Bassisten Robert Trujillo nennen, obwohl dieser zum Zeitpunkt der Aufnahmen fürs Album noch gar nicht in der Band war. (Ach so, hamse ja auch. Egal.)

Jedenfalls. Dieses Album besitze ich, wie gesagt, sowieso nicht. Was ich hingegen zufälligerweise besitze, weil ich es im Gebraucht-CD-Laden mit Plattenkeller nicht stehenlassen konnte, ist eine Wiederveröffentlichung dieses Albums unter dem hochtrabenden Namen „Masters of Rock: Pink Floyd“ (Vol. 1):

(Wie eine just erfolgte Internetrecherche soeben ergab, gibt es weitere Titel der Masters-of-Rock-Serie, wo dann der Union Jack gegebenenfalls durch das Star Spangled Banner ersetzt ist. Vol. 2 beschäftigt sich mit der Band Grand Funk Railroad, Vol. 3 mit der Steve Miller Band, Vol. 4 mit Steppenwolf, Vol. 5 Jeff Beck; des weiteren gibt es noch Ausgaben mit Rare Earth, Geordie, The Band, East of Eden, der Edgar Broughton Band, Wizzard und dem Electric Light Orchestra, alle in ähnlicher Aufmachung wie das gezeigte Album.)

Da die meisten Stücke auf diesem Sampler (um also mal zurück zu Pink Floyd zu kommen) auch in anderer Form veröffentlicht wurden, sei als Höreindruck „It Would Be So Nice“ gegeben, ein Lied aus der Feder Rick Wrights. Syd Barrett war nicht mehr zurechnungsfähig oder gar schon aus der Band entfernt worden, so daß er als Hit-Autor nicht mehr zur Verfügung stand; also versuchten die anderen Band-Mitglieder nun, in seinem Stil Hit-Singles zu schreiben. Das mißlang, die Single fiel an den Kassen der Plattenläden durch und schaffte es 1968 nicht in die Charts. Hören wir dennoch mal rein:

Ach, hier ist David Gilmour doch zu hören. Dem Vernehmen nach mögen die anderen Bandmitglieder diesen Song nicht, es wurde sich mehrfach abfällig über die Komposition, den Text und den Gesangsstil geäußert. Ob dies eine Reaktion auf den ausbleibenden Erfolg war oder tatsächlich ihrer Meinung entsprach, bleibe dahingestellt. Immerhin veröffentlichten sie das Lied nicht als B-, sondern sogar als A-Seite der ursprünglichen Single. Nach der Best-of-Scheibe jedoch verbannten sie es für lange Jahre in den Giftschrank.

Atom Heart Mother

Als ich diese CD damals, so ungefähr 1998 oder 99, erstmals in mein CD-Radio einlegte, war ich zunächst etwas verstört. Auf einen Mißakkord, der an den Auftakt zur „Ode an die Freude“ erinnert („Oh Frooohohohohoinde! Nicht soholche Töne!“), folgt ein über 20 Minuten langes Orchesterstück mit Motorrad, Band und Chor. Das hatte ich nicht erwartet. Es handelt sich auch keineswegs bloß um die Band mit Orchesterbegleitung, wie auf Metallicas „S&M“ exerziert, sondern Orchester und Chor tragen große Teile der Komposition. Entsprechend teilen sich Mason, Gilmour, Waters und Wright die Writing-Credits mit Geesin. Den Vornamen dieses Menschen mit dem Nachnamen Geesin erfährt man weder aus dem Booklet der CD, noch ist er irgendwo auf der Hülle der Langspielplatte vermerkt. Auf der Plattenhülle scheint die Kuh übrigens schwarzbunt zu sein, während sie auf der CD rotbunt wirkt; ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll! Einerlei. Pink Floyd nahmen jedenfalls für ihre ehrgeizigen Orchesterpläne die Unterstützung Ron Geesins in Anspruch, welcher aus den unzusammenhängenden Melodiefetzen, die ihm die vier Jungs vorlegten, erst die Suite arrangierte und die Orchesterpassagen dazu komponierte. Derlei lag im Trend, hatten doch Deep Purple nach ihrem orchestral begleiteten Song „April“ gleich ein ganzes „Concerto for Group and Orchestra“ aufgeführt und eingespielt. Pink Floyd führten die Hybris jedoch so weit, daß sie die Atom Heart Mother Suite in ihr Tourprogramm integrierten, inklusive Blechblasensemble und Chor. Was dazu führte, daß diese Tour bald mehr Geld kostete als sie einbrachte, aber: Die Kunst! Im Nachhinein äußerten sich die Floyd-Mitglieder wieder mal kritisch über dieses Stück. Sie konnten es sich also wohl selbst nicht recht machen.

Zweifellos ist die Suite der Höhepunkt des Albums. Es folgen die Lieder „If“ aus der Feder von Roger Waters, „Summer ’68“ von Rick Wright und „Fat Old Sun“ von David Gilmour. Den Abschluß bildet eine experimentelle Soundcollage mit Melodieunterbrechungen des Titels „Alan’s Psychedelic Breakfast“, für die es wohl nicht den Hörspielpreis der Kriegsblinden gegeben hätte. (Hat es nicht.) Für meinen Freund Claudius fiele das Stück wohl in die Kategorie „Unanhörbar“. Als Musikgenuß taugt es in der Tat kaum, doch der Hauptteil des Albums ist sehr gut hörbar, wenn man sich darauf einläßt. „Fat Old Sun“ lernte ich erst über Live-Mitschnitte dank Youtube wirklich schätzen, aber der Song „Summer ’68“ hatte es mir schon früh angetan:

Des Albums Name war ein Zufallsfund. Die Band wußte nicht, unter welchem Namen sie ihr neuestes Werk promoten sollte. Beim Durchblättern der Zeitung fiel der Blick auf einen Artikel des Inhalts, daß eine Frau mit einem Herzschrittmacher ein gesundes Kind zur Welt gebracht habe, wobei der Herzschrittmacher nuklear betrieben war. 1970 eine Sensation! Die Überschrift „Atom Heart Mother“ dünkte Pink Floyd titelwürdig, nicht nur für das 24-Minuten-Stück, sondern für das komplette Album.

Der CD liegt ein Klappkärtchen bei, das zwei Rezepte enthält, deren Urheber nur Brite sein kann, ungeachtet der vorgeblichen Herkunft:

Hier muß der Autor unbedingt fränkische Spracherfahrung besitzen. Gleichzeitig sind die Rechtschreibfehler von einer Art, die nur jemand vor Drucklegung durchgehen lassen kann, dessen Muttersprache nicht Deutsch ist. Das Rezept auf der Rückseite ist weniger ein intelligentes Frühstück als vielmehr Sättigung für die Massen.

Psychedelisch? Ganz sicher.
Irgendwann 1970 wurde auch noch der Soundtrack zum Film „Zabriskie Point“ veröffentlicht, der Beiträge von Pink Floyd enthält. Aber den hatten wir ja schon. Darum geht’s 1971 weiter mit

Relics

Dieses Album war vermutlich einer meiner frühen Blindkäufe, da ich das Titelbild so ansprechend finde. Das Cover der Digitally-re-mastered-CD zeigt ein phantastisches Musikinstrument, eine Art Dampforgel mit Tausendzassa-Beiwerk im Stile des Steam Punk, ziemlich cool.

Daß es sich dabei um ein Kompilationsalbum handelt, merkte ich erst zu Hause beim Durchhören, weil mir auffiel, daß ich einige Lieder schon von „The Piper at the Gates of Dawn“ kannte. Unmittelbar ärgerte ich mich, denn Sampler fand ich immer doof, weil ich die Dopplung von Songs auf der Sammel-CD und auf deren eigentlichen Alben als Ressourcenverschwendung empfand. Und prinzipiell immer noch empfinde. Jedoch waren mindestens sechs der elf Songs für mich neu, da es sich um solche von Non-Album-Singles handelt, insofern ärgerte ich mich dann doch nicht so fürchterlich. Weshalb freilich Pink Floyd innerhalb von zwei Jahren zwei Compilations mit sich überschneidendem Inhalt veröffentlichten, ist nur schwer nachzuvollziehen. Zumal „Relics“ zwar nicht deckungsgleich ist mit „The Best of Pink Floyd“ (s. o.), aber eben auch erneut nicht ein komplettes Single-Album darstellt, sondern dieses Mal sogar fünf Songs von älteren Alben enthält. Die Single-B-Seite „Careful With That Axe, Eugene“ kam neu hinzu, dessen A-Seite „Point Me At The Sky“ ließ man jedoch weg. Neu ist auch der Song „Biding My Time“, der zuvor unveröffentlich war, jedoch im Live-Programm der Band gespielt wurde. Der Song „Embryo“, der ebenfalls zu jener Zeit ein Live-Dauerbrenner war, schaffte es erneut nicht auf diese Scheibe. Das alles wußte ich natürlich damals nicht, sondern mich ärgerten bloß die Songs, die ich eh schon auf den jeweiligen Alben hatte.

Sehr viel später erfuhr ich erst aus diesem Internet, daß die tolle Dampforgel nicht in dieser Form auf dem originalen Vinyl-Album abgebildet gewesen war. Das obig abgebildete Modell ist ein Nachbau, der eigens für die remasterte Neuauflage der CD zusammengezimmert wurde. Ursprünglich zierte das Cover eine Zeichnung von Nick Mason höchstpersönlich.

Auf Nick Masons Zeichnung ist der programmatische Untertitel des Albums besser zu erkennen als auf dem Foto des Nachbaus in CD-Booklet-Größe: „A bizarre collection of antiques & curios“. Eine bizarre Zusammenstellung ist das in der Tat.
Als den einzigen Song, der ausschließlich auf diesem Album enthalten ist, möchte ich „Biding My Time“ zu Gehör bringen, da dieser den Mehrwert der Kompilation darstellt. Es beginnt harmlos als ruhige Blues-Nummer und steigert sich schließlich zu einer furiosen Jam-Session, welche den Live-Ursprung des Liedes erkennen läßt.

Das wird nicht er letzte Blues-Song von Pink Floyd gewesen sein.


Kleiner Anstoß zur Hoffnungslosigkeit.

4. Mai 2019

Machen wir uns nichts vor. Die Bayern werden die zehn voll machen. Zehn Meisterschaften in Folge nämlich. Und sollte dann tatsächlich eine andere Mannschaft mal dazwischengrätschen können, wird es Red Bull Leipzig sein. Die Zeiten, in denen in der Bundesliga die achtzehn besten Mannschaften Deutschlands untereinander den Meistertitel ausspielten, sind lange vorbei. Die Bundesliga ist nur noch das Qualifikationsturnier für die europäischen Pokalwettbewerbe.

Der Urfehler ist ja sowieso, sich emotional an Dinge zu hängen, die man nicht beeinflussen kann. Daumendrücken ist nicht: das Daumenbedrückte zu beeinflussen. Kerzenanzünden (falls man katholisch ist) ist nicht: auf das Seelenheil dessen, „für“ den man eine Kerze angezündet hat, Einfluß zu nehmen. Beten ist nicht: die Muttergottes (falls man immer noch katholisch ist) oder den sonstigen Heiligen (falls man es immer noch nicht begriffen hat und weiterhin katholisch bleibt) so zu beeinflussen, daß sie oder er auf den lieben Gott Einfluß nimmt, damit dieser dann die Dinge so lenkt, wie es einem lieb wäre. Und eine Fußballmannschaft anzufeuern ist eben auch nicht: etwas zum Erfolg beigetragen zu haben. Na gut, manchmal vielleicht schon; aber die Mannschaft, die frenetisch angefeuert wurde, verliert häufig genug trotzdem, und das sollte einem zu denken geben. Ach, und Lottospielen ist übrigens auch nicht: Vermögensmanagement. Nicht, wenn damit die Mehrung des Vermögens gemeint ist.

Fußballfans neigen ja zu Irrationalität. Das beginnt bei den Spieltagstipps („Alter, die Schalker hau’n wir heute 4 zu 0 wech!“), geht weiter bei der Bewertung von Spielszenen („Ey! Schiri! Das war doch nie im Leben Abseits! Fußball-Mafia Dee Eff Bee!“) und endet vermutlich nicht bei der Chancenkalkulation bezüglich der zu erringenden Titel („Also wenn wir jetzt in Bremen gewinnen, und wenn Hannover in München über sich hinauswächst, früh ein Tor macht und sich dann hinten reinstellt und 1 zu 0 gewinnt, dann sind wir wieder einen Punkt vorne!“).

Hochgradig irrational ist es, seine Hoffnungsfünkchen im düsteren Alltag aus den Erfolgen des mehr oder weniger zufällig gewählten Lieblingsvereins schlagen zu wollen. Manchmal klappt das (Und als BVB-Fan habe ich da noch mit die beste Billanz mit immerhin 5 selbst miterlebten Meisterschaften, 3 miterlebten Pokalsiegen, einem miterlebten Champions-League-Triumph), häufiger jedoch nicht. (Denn als BVB-Fan habe ich ja auch schon 3 Niederlagen in europäischen Pokalfinals miterlebt, 4 Niederlagen in DFB-Pokalfinals und rein rechnerisch 37 verpaßte Meisterschaften.)

Ebenso irrational ist allerdings auch das naiv-mütterliche „Möge der Bessere gewinnen!“, denn natürlich soll eben nicht der Bessere gewinnen. Sondern die eigene Mannschaft. Nicht die Bayern; die gewinnen sowieso immer. Verdammt nochmal, immer! Sportlich-faire Anerkennung der Verdienste anderer mag ihren Platz in Sonntagsreden von Verbandsfunktionären haben, aber vom gemeinen Fußballfan darf man dergleichen nicht erwarten, denn es ist ja nicht Sinn der Sache, anderen beim Jubeln zuzusehen. Es ist jedoch die Normalität. Denn naturgemäß kann am Ende ja nur einer den Sieg davontragen, während alle anderen betrübt in die Röhre gucken. Und es wäre ja nicht mal schlimm, nicht Meister zu werden, wenn nicht dieser eine, der den Sieg davonträgt, immer Bayern München wäre. Fast kann man es den Bayern nicht verübeln, denn die Mitbewerber um den Titel sind ja auch einfach zu blöd. Ja, ich meine dich, Borussia Dortmund!

Es wäre nicht mal schlimm, wenn andere Mannschaften öfter Titel errüngen als die eigene, was sowieso für die allermeisten Fußballfans der Normalfall ist. Wenn denn diese anderen Titelgewinner wenigstens sympathisch wären und ihre Triumphe zu schätzen wüßten. Die längste Zeit meines Lebens standen andere Vereine in der Rangliste der deutschen Meisterschaften vor dem BVB, der die gesamte Bundesligageschichte von 1963/64 bis 1995 ohne Meistertitel blieb. Selbst heute ist Borussia Dortmund nicht mal Zweitplatzierter hinter den Bayern, sondern vor uns steht noch der 1. FC Nürnberg mit neun Titelgewinnen. Und Dynamo Berlin mit garantiert sportlich-fair errungenen zehn DDR-Meistertiteln. Ich kann mich nicht erinnern, daß die jeweils anderen Titelträger ob dieses Umstandes angefeindet worden wären. Nur die Bayern. Weil sie die Meisterschaft als ihnen zustehendes Naturrecht ansehen, gleichzeitzig diese Meisterschaft aber nicht zu schätzen wissen, sondern ihnen nur der Champions-League-Titel etwas bedeutet. Weil sie aber dennoch beleidigt sind, wenn tatsächlich doch mal wer anders Meister wird. Weil sie darüber jammern, daß ihnen die allzu schwache Bundesliga nicht die nötige Wettkampfpraxis bietet, um in der Champions League reüssieren zu können, sie aber gleichzeitig mit ihrer Einkaufspolitik für die Tribüne dafür sorgen, daß alle potentiellen Konkurrenten schön schwach bleiben. Weil sie arrogant und herablassend sind, und weil sie nicht nur schlechte Gewinner, sondern noch schlechtere Verlierer sind, falls dieser Umstand mal eintrifft, was selten ist. Dann kommt es schon mal vor, daß nach einer 2-zu-5-Niederlage im Pokal davon gesprochen wird, über 90 Minuten die bessere Mannschaft gewesen zu sein; und daß man der siegreichen Mannschaft im Finale den gebotenen Respekt versagt und die Silbermedaillen wegschleudert, die andere sich stolz in den Partykeller hängen würden. Als 2002 der BVB überraschend Meister wurde und nicht die Bayern zum vierten Mal in Folge, was damaliger Rekord gewesen wäre, hieß es aus Bayernkreisen, das hätte schon wehgetan, zu sehen, wie die anderen (die Dortmunder) die Meisterschale überreicht bekamen. Ihre Meisterschale. Und als 2013 Mario Götze und Marco Reus das neue Traumduo im offensiven Mittelfeld wurden, zahlten die Bayern über 30 Millionen Euro, um dieses Duo zu sprengen. Und um Götze auf der Tribüne versauern zu lassen. Wenn man ein gutgefülltes Festgeldkonto hat, kann man sich sowas ja leisten. Natürlich verkündet man solche Kaufabsichten auch strategisch günstig vor einem wichtigen Aufeinandertreffen mit dem gegnerischen Verein, um Unruhe zu schüren.

Und dann sind da die Bayernfans. Da gibt es ja solche und solche. Die einen sind halt Münchner oder wenigstens Bayern und haben halt Glück gehabt. Die anderen sind weder Münchner noch Bayern und hatten auch kein Glück, sondern haben sich halt für den Verein entschieden, der so oft gewinnt. In den Zeiten, da Borussia Dortmund mal eine Erfolgsphase hatte, kamen solche Fans auch zum BVB. Jedenfalls ist das eine gewissermaßen rationale Entscheidung, denn es ist ja sinnvoll, sich als Lieferanten für Stellvertreter-Erfolge den Verein auszusuchen, bei dem die Erfolgsaussichten am besten sind. Vulgo: Bayern München. Das ist so rational, daß es mich anwidert.

Zumal, wenn dann eine Emotionalität zur Schau getragen wird, die im krassen Gegensatz zur berechnenden Kälte dieses ganzen Bayern-Gedönses steht. So bejubelt der Radioeporter Karlheinz Kas jedes Tor der Bayern in der Bundesligakonferenz so dermaßen überschwänglich, als sei es das Unfaßbarste, dessen er je Zeuge wurde. Und meinen treulosen Nachbarn höre ich hier auch stets jedes Tor für die Bayern und jedes Tor gegen den BVB übertrieben laut zelebrieren. Als ich mal nach irgendeinem verlorenen Pokalfinale vom Marktplatz, wo auf Großleinwand die Niederlage im Rudel mitverfolgt wurde, nach Hause trottete, hörte ich auf einmal hinter mir: „Ey!“, was ich zunächst nicht auf mich bezog. Dann nochmal: „Ey!“, also drehte ich mich um. Da saßen zwei Bayernfans mit der Bierflasche in der Hand auf einer Motorhaube und riefen mir zu: „Mia san mia!“. Ja dann geht doch nach drüben, wenn’s euch hier nicht gefällt! Bayernfan zu sein ist ja gut und schön, aber dann diese pseudobayrische Klüngelmentalität zu adoptieren, grenzt ja schon an cultural appropriation. Kann ich nicht ernstnehmen.

Aber ernstnehmen kann man Bayernfans ja sowieso schlecht. Vor allem nicht, wenn sie über Mißerfolge ihrer Mannschaft jammern, was häufig geschieht, vor allem betreffs der Champions League. Die jahrelang andauernde Meisterschaft bringt ihnen ja dummerweise keinen Endorphinschub mehr, weshalb höhere Weihen herhalten müßten; tun sie aber nicht. In der Champiuons League können Bayernfans noch erleben, wie es sich anfühlt, keinen Erfolg zu haben, was – ich erwähnte es – für Fans aller anderen Vereine ganz normal ist. Normale Fans haben Abstiegssorgen und Aufstiegsenttäuschungen (HSV, oje, oje), können nur ganz selten mal auf wirkliche Erfolgserlebnisse hoffen und nehmen diese dann nicht wie selbstverständlich hin, sondern bejubeln eine Meisterschaft wirklich noch wie eine Meisterschaft und nicht bloß wie einen Einwurf. Für die Bayern hingegen wird die Saison 2018/19 als die Horrorsaison in Erinnerung bleiben, in der sie beinahe nicht Meister geworden wären und mal wieder nicht die Champions League gewonnen haben.

Also geht’s am Ende allen schlecht. Das ist doch auch mal schön.

 


Ultimo.

30. April 2019

Mannomann. Der Monat ist schon wieder rum, und in dreißig Tagen habe ich nicht einmal Lust verspürt. Nee, falsche Interpunktion. …habe ich nicht einmal Lust verspürt [Komma], hier einen Blogeintrag zu schreiben [Punkt].


Unerwartete Themen-Retrospektive: Agents.

30. März 2019

Anno MMDCCLXI a. u. c. schickte Lego (Lat.: ich sammle) ein Team unerschrockener Agent*inn*en ins Rennen, die üblen Wege des verrückten Superschurken Dr. Inferno zu durchkreuzen. Welcherlei Provenienz der akademische Titel Infernos hat, ist nicht überliefert, wiewohl die Agents, wie sie internationalisiert genannt werden, ansonsten alles über die Machenschaften besagten Verbrechers zu wissen scheinen. Vermutlich promovierte er in Terrorstudien und Weltvernichtologie an der Kim-Il-sung-Universität in Pjöngjang. Wie dem auch sei. Da ich ja sammle, pwne ich alle Sets dieser Serie. In your face, Dr. Inferno; all your base are belong to us!

Für ambitionierte Nachwuchsagenten (generisches Maskulinum) hielt Lego die obige Handreichung bereit, die meiner Erinnerung nach in einigen spielzeugführenden Geschäften auslag. Die angegebene Internetadresse führt ins Leere, da die Missionen natürlich inzwischen erfolgreich erfüllt wurden – die Weltvernichtung wurde verhindert! Das Pamphlet liefert einen Überblick über zunächst sechs Missionen, die durchnumeriert sind, jedoch, da Lego ja nichts von stringenter Logik hält, nicht der Reihenfolge der Setnummern folgen. Das spielende Kind kann in die Rolle eines der drei männlichen Agenten oder der einen weiblichen Agentin schlüpfen, jedoch insinuierten die Konzepteure der Serie, daß Agent Chase der zu bevorzugende Hauptcharakter sei.

Vor uns sehen wir also die Agents Chase, Fuse, Charge und Trace, und man hofft, daß das Decknamen sind. Agent Chase ist unzweifelhaft der mutige Anführer der Bande, Agent Fuse der leicht nerdige Intellektuelle (Brille!), Agent Charge der kompromißlose Draufgänger, und Agent Trace ist weiblich. Drei der vier Agents (Im Folgenden sei stets das generische Anglophonikum verwendet, denn diese gezwungenen Sexus-Mehrfachnennungen gehen mir voll auf den Sack.) haben Wechselgesichter:

Chase kann seine coole Neo-Sonnenbrille und das Headset absetzen, Fuse gibt seine emotionale Seite zu erkennen, Charge bleibt stets sein unerschrockenes Selbst, und Trace kann ein verängstigtes Mädchen spielen, welches sie natürlich! nicht ist.

Mission 1: Verfolgungsjagd (8631)

Die Overtüre. Dr. Infernos Handlanger Kettensägen-Joe hat in, so nehme ich an, Cortina d’Ampezzo den Rosaroten Panther gestohlen, einen wertvollen Energiekristall, welchen Inferno für sein geplantes Inferno benötigt, nach ihm benannt, und rast mit einem Schneemobil die Piste hinab, wie es sich für den Vorspann eines Agenten-Thrillers gehört.

Agent Chase kann allerdings gar nicht skifahren und jagt darob mit einem propellergetriebenen, in der Handreichung jedoch „Jetpack“ genannten Fliegrucksack hinterher. Praktischerweise ist dieser Rucksack mit einem Haken an einer Seilwinde ausgestattet, so daß Chase just den von Joe leichtfertig an exponierter Stelle auf seinem Motorschlitten verstauten Behälter mit dem Kristall wegangeln kann. Vermutlich purer Zufall.

Die Aufkleber halten übrigens seit über zehn Jahren einwandfrei auf den Modellen. Lediglich die angerauhte und gewölbte Fläche des Propellers, der überdies nicht aus dem legotypischen ABS-Kunststoff besteht, ist ein ganz schlechter Träger. Hält aber trotzdem noch.

Mission 2: Jagd im Sumpf (8632)

Agent Charge gebietet über einen wahren Feuerstuhl von Motorrad, bei dem er Schwierigkeiten haben wird, an der Ampel die Füße auf den Boden zu bekommen. Aber anzuhalten ist natürlich eh keine Option. Mit diesem Gefährt muß er nun ausgerechnet in den Sumpf, wo Dr. Infernos Handlanger Stahlbeißer – denn was wäre denn ein Agentenspektakel ohne Stahlbeißer! – eine Schatzkarte versteckt hält. Selbst ein Superschurke wie Inferno benötigt finanzielle Mittel, und ihm diese zu entziehen, ist Sinn der Mission.

Weltvernichter wie Dr. Inferno sind narzistische Arschlöcher, also müssen all ihre supergeheimen Verstecke mit dem auffälligen Logo® ihrer Verbrecherorganisation™ getarnt sein. So auch dieser Verschlag im Dschungel.

Neben einem stationären Raketenwerfer ist der Bretterturm durch eine wackelige Brücke, die einzige Landverbindung, gegen Angreifer geschützt. Diese Brücke kann mittels einer zeitgeschalteten Bombe gesprengt werden. Stahlbeißer muß also sehr genau berechnen, wann er die Zündung terminieren muß, damit Charge in den Sumpf fällt und von den ferngesteuerten Klonkrokodilen zerrissen wird.

Der inneren ..äh.. Logik (haha!) der Serie gemäß muß Mission 2 wohl fehlgeschlagen sein, denn der nächste Auftrag lautet:

Mission 3: Goldjagd (8630)

Infernos Handlanger Handlanger (so offenbar sein Name) und Goldzahn konnten also Stahlbeißers Schatzkarte nutzen, um eine beträchtliche Anzahl Goldbarren aus einem südamerikanischen Tempel zu entwenden. Das gehört in ein Museum! Die Rückführung dieses Goldschatzes in die Obhut der Altertumsverwaltung von – ich sage mal – Mexiko ist die Mission von Agent Fuse.

Um dem lüttigen und echt schlecht gebauten Jeep von Goldzahn und Handlanger nachzudüsen, der überdies durch einen einachsigen Anhänger in Geschwindigkeit und Mannövrierbarkeit eingeschränkt ist, läßt es sich Fuse nicht nehmen, den hauseigenen Überschall-Jet zu entern.

Das Bild von der Unterseite des Jets mit den beiden Gummigeschoß-Kanonen ist bei wolkenverhangenem Himmel nichts geworden. Mit diesen Kanonen soll Agent Fuse bei Überschallgeschwindigkeit das eigens zu diesem Zweck von Dr. Inferno dort angebrachte Ziel auf dem Anhänger treffen, um so die Goldbarren vom Hänger zu katapultieren. Fragezeichenemotikon.

Wie Fuse in angemessener Entfernung seinen Jet landen und die freigeschossenen Goldbarren in diesem verstauen soll, ohne daß die Fieslinge zwischenzeitlich breitgrinsend das Gold wieder auf ihrem Jeep verladen und wegfahren, würde einen sehr umfangreichen Schachtelsatz erfordern, der an dieser Stelle unterbleiben soll.

Mission 4: Rettung mit dem Speedboot (8633)

Agentin Trace kommt zunächst die Rolle der verzweifelten zu Rettenden zu. Dr. Infernos Handlanger Stahlbeißer hat sie entführt und hält sie – wo auch sonst? – auf einer Schwimmboje gefangen. Dieses nautische Signal gehört zu des Schurken Markenimperium, ist also wiederum mit seinem Logo® getarnt. Bewacht wird die Boje naturgemäß von ferngesteuerten LASER-Haien.

Im Corpus Boii ist ein Schwimmdingens stationiert, welches per Knopfdruck durch das diensthabende Spielkind aus seinem Versteck katapultiert werden kann:

Der Schwung, den dieses kleine Schwimmdingens durch das Herauskatapultieren erhält, scheint freilich der einzige Antrieb zu sein. Und Stahlbeißer muß zusehen, daß er rechtzeitig hinterherspringt, um sein Taxi überhaupt zu erreichen. Das ganze Ensemble hat ein wenig Waterworld-Qualitäten, ein Film, den ich persönlich für unterbewertet halte.

Zur Rettung der Jungfrau eilt in schimmernder Rüstung… Nee, falsches Märchen. Richtig ist hingegen, daß annähernd jedes Set der Serie irgendwelche silbrig- oder goldenschimmernden Teile enthält. Für die vierte Mission ist aber vor allem das Speedboot entscheidend, mit welchem Agent Chase durch die Dünung pflügt.

Hat Chase die Boje erreicht, hat er mehrere Möglichkeiten, die Rettung seiner Kollegin durchzuführen. Zum Beispiel könnte er eine Harpune abschießen, die enterhakengleich den Kontakt zum Leuchtfeuer herstellt. Über das Verbindungstau kann Chase sich an sein Ziel heranhangeln. Ohne zur Speise der LASER-Haie zu werden.

Diese Harpune kann mittels einer ausgefeilten Mechanik, namentlich durch einen zuklappbaren Gummireifen, zurück ins Boot gezogen werden.


Die andere Option bietet das Beiboot, welches händisch ausgeklinkt werden kann. Der Handreichung zufolge handelt es sich um ein Mini-U-Boot.


Mit dem Beiboot kann sich Chase zwar der Boje nähern, allerdings kommt er dann kaum um eine handgreifliche Auseinandersetzung mit Stahlbeißer herum. Außerdem verfügt das U-Boot (mini!) kaum über genügend Raum für zwei Passagiere. Trace müßte also eventuell nach gelungener Befreiung mit dem Schwimmdingens zum Speedboot fahren, wodurch sie zur leichten Beute der Haie würde.

Zum Glück hat das Speedboot aber auch ein Fangnetz an Bord, mit dem die Haie außer Gefecht gesetzt werden können. Zumindest einer.

Die Rettungsmission ist abgeschlossen, wenn Trace wohlbehalten an Bord des Speedboots gelangt ist und sich in ihrem verf-flucht engen Verschlag von den Strapazen der Gefangenschaft erholen kann.

Mission 5: Silberner Cruiser (8634)

Eigentlich ist die Mission ja, einen wertvollen Datenträger, einen Laptop, aus dem Hauptquartier Dr. Infernos zu stehlen, um Aufschlüsse über seine Weltvernichtungspläne zu erhalten; aber Lego war es wichtiger, die Mission nach dem äußerst coolen Gefährt des Agenten Chase zu benennen.

Diese Mission ist, obwohl erst an fünfter Stelle aufgeführt, gewissermaßen Dreh- und Angelpunkt und eigentlich auch der Startpunkt der gesamten Unternehmung. Denn abgesehen davon, daß es hier gilt, überhaupt erstmal Dr. Infernos Pläne zu erkunden, enthält auch das Set den Dienstausweis, mit dem das spielende Kind sich als Agent ausweisen kann. Natürlich soll es sich mit Agent Chase identifizieren.

Auf der Rückseite kann jede Mission markiert werden, auf der Vorderseite die Erfüllung der Mission mit einem Stern. Für beides liefert jedes Set auf dem Sticker-Bogen die passenden Aufkleber mit.

Nun also das äußerst coole Gefährt des Agent Chase.

Der schnittige Renner wurde in der Tat aus akkurat punziertem echten Lego-Silber gefertigt, in Handarbeit, und seine Geschwindigkeit übersteigt alles Vorstellbare. Q hat auch allerhand Gimmicks eingebaut, welche dem Fahrer das Leben erleichtern sollen.

Zu nennen wären die Missiles unter dem Heckspoiler…

… und die ausklappbaren Bordkanonen. Was hingegen nicht so recht funktioniert, ist der Schleudersitz. Wenn der silberne Flitzer nämlich mit der etwas vorstehenden Fliese an der frontalen Stoßstange irgendwo gegenbummst, dann sollte der Beifahrersitz einen Angreifer wegschleudern, der da in Indiana-Jones-Manier platzgenommen hat.

Das zu diesem Zweck im Chassis verbaute Technic-Gestänge hat allerdings so geringe Hebelwege, daß kaum Schleuderschwung zustandekommt.

Außerdem ist das Fahrzeug natürlich mit einem Radar-System ausgestattet, das den Fahrer beim Fahren ablenkt, so daß er garantiert irgendwo gegenkracht.

Vor allem soll er von innen gegen das befestigte Haupttor des infernalischen Anwesens krachen, um dieses zu öffnen.


Das gelingt natürlich. Wenn sich jedoch das Tor öffnet, wird ein Warnsignal ausgelöst. Und zwar wirklich, in Echt, ehrlich wahr! Lego hat sich eigens ein entsprechendes Krachmacherteil geschmiedet, um die Eltern des Spielkindes auch ordentlich zu nerven.


Durch die Torsirene wird Dr. Infernos Handlanger Spy-Clops aufgeweckt, der in seinem insektenartigen Hubschrauber nur darauf wartet, diebische Agenten zu piesacken.

Durch Drehen des Rotors wird Spy-Clops wie eine Spinne abgeseilt. Was die Frage aufwirft, wie dieser Hubschrauber sich fortbewegen soll, ohne unablässig den orangenen Spinnen-Borg auf- und abzuseilen? Und wer das Ding überhaupt steuert.

Da Agent Chase der Held der Story ist, wird er die Mission erfolgreich beenden, das Paßwort des Laptops knacken (ungefähr „INFERNO,8,1“) und sich des Doktors Zukunftspläne zu Gemüte führen.

Mission 6: Mobile Kommandozentrale (8635)

*in die Armbanduhr raun* „KITT! KITT, ich brauch‘ dich hier, Kumpel!“ Ach nee, schon wieder falsches Märchen.


Handlanger Goldzahn kommt in einem durchaus schnieken Einmannflugzeug angedüst, um was zu tun? Er will Dr. Inferno befreien, der tatsächlich nach sechs Missionen bereits im Gewahrsam der Agenten ist, welche offensichtlich über einen richterlichen Beschluß verfügten, der ihnen derartige hoheitliche Aufgaben übertrug. Und zwar hockt Inferno in der Arrestzelle der mobilen Kommandozentrale, dem Hauptquartier der Agenten.

Das Gespann ist groß und schwer, also muß die Zugmaschine einiges an Power auf die Waage bringen.

Augenscheinlich tut sie das, denn vier Auspuffrohre deuten auf einen PS-starken Motor hin. Aber Lego ist ja Lego, und darum befindet sich dort, wo der Motor sein sollte, natürlich irgendwelche Artillerie.

Aber auf den Sattelschlepper kommt es eh nicht an; viel wichtiger ist der Auflieger, beseppherbergert er doch die sagenumwobene Kommandozentrale unserer Helden.

Sollte dieser Trailer irgendwo auf dem Seitenstreifen am Rande einer Bundesstraße geparkt sein, werden Sie mißtrauisch! Da steckt mehr dahinter.

Seitlich aufgeklappt ist der Blick frei auf den Inhalt. Dieweil mit dem bordeigenen Kran das Agenten-Quad zu Boden gelassen wird, erblicken wir hinten links die Gefängniszelle, darin Dr. Inferno höchstselbst. Spy-Clops kommt bereits zur Befreiung herangekrabbelt.

Für einen Haupt- und Superschurken ist es eine merkwürdige Einführung in die Serie: Als Gefangener hinter Kraftfeldstäben, und nicht als handelnde Person. (Aber natürlich haben die Konstrukteure der mobilen Zentrale die Ausbruchsfunktion gleich mitgeplant, also ist das nicht das Letzte, was wir von Dr. Inferno sehen werden.)


Im vorderen Bereich des Hauptraums kann der Missionsführer seinen Kollegen die Ziele und Strategien mittels eines Diavortrags erläutern. Heute steht Mission 4 auf dem Programm.

Noch weiter vorne, unter der Schräge, befinden sich nicht nur zwei Computerterminals für die Koordination der Einsätze, sondern vor allem hängt da ein waschechter Minijet kopfüber unter der Decke. Ist das Dach aufgeklappt, dient es als Startrampe.

Wurde er über die Rampe abgeschossen, spreizt Thunderbird 1 die Flügel und düst seinem Ziel entgegen. An einer unzureichenden technischen Ausstattung sollen die Missionen der Agenten ja nicht scheitern. Und werden sie auch nicht, denn im Keller befindet sich noch weiteres Gerät:



Neben dem kleinen Quad hat’s da noch ein großes Allradfahrzeug sowie ein Schlauchboot, damit sich die Agents nicht vor Greenpeace blamieren. Und damit nicht genug. Versteckt im Heck des Anhängers befindet sich noch ein Geheimfach. So geheim ist es, daß es sich selbst bei Entdeckung nur schwer öffnen läßt:


Der Sexist in mir ließ Agentin Trace am Mechanismus scheitern, aber die Wahrheit ist, daß ich selbst die Klappe beim Versuch, sie zu öffnen, zerstörte.

Dabei ist zweifelhaft, ob der sich hinter dem Verschlag verbergende Jetski (benannt nach Paweł Zbigniew Jetski) die Mühe überhaupt wert war.

Angesichts des Equipments könnte man den Eindruck gewinnen, das Missionsziel der Agents sei grundsätzlich die Zerstörung. Egal was. Alles strotzt nur so vor Raketen, Kanonen, Waffen. Doch halt, das kann ja nicht alles sein! Im Trailer befindet sich ja auch noch ein Medizinschränkchen, also können die Agents nicht nur zerstören, sondern auch heilen!

… dachte ich. Aber in der Schublade liegen auch nur Bleispritzen. Im Englischen heißt „shot“ ja sowohl „Schuß“ als auch „kleiner, knackiger Schluck hochprozentigen Alkohols“ und „Injektion“; da wird nicht so differenziert. Was mag sich also wohl in der roten Tasse befinden?

Im Jahre MMDCCLXI war der Laptop ein neues Lego-Element. Die Agents hatten sich selbstverständlich auch zwei dieser Geräte angeschafft. Dargestellt sind die Missionen 4 und 5.
Und das waren sie, die ersten sechs Missionen, die im zu Beginn gezeigten Pamphlet vorgestellt wurden. Die Agents-Serie war ein ..äh.. Mid Year Release, stand somit erst im Katalog für die zweite Jahreshälfte. Das hinderte Lego nicht daran, im selben Jahr noch zwei weitere Sets zu veröffentlichen, die in keinem mir vorliegenden Katalog abgebildet sind. Wahrscheinlich waren sie auch nicht überall erhältlich. Ich kaufte sie jedenfalls im Mitarbeiter-Shop in Billund, zu welchem ich im Rahmen der Fan-Veranstaltung in Skærbæk Zutritt hatte. Nichtsdestotrotz führen sie die Numerierung der Missionen fort.

Mission 7: Deep Sea Quest (8636)

Die Geschichte dieser Mission ist schnell erzählt. Dr. Infernos Handlanger Stahlbeißer und Slime Face (für den ich keinen deutschen Namen kenne) wollen eine Schatztruhe aus den Tiefen des Ozeans rauben, die Agenten wollen dieselbe Schatztruhe bergen. Alles eine Frage der Begrifflichkeiten.

Der Krake luminesziert im Dunkeln. Während die bösen Bösen mit einem klapprigen Kanonenboot angereist sind, nähern sich die Agents mit einem veritablen Unterseeboot dem Zielbereich.

Das sieht voluminös aus, doch wie üblich beanspruchen Waffen einen Großteil des Platzes.

Und für die zu erwartende Beute ist natürlich ebenfalls Stauraum vorhanden. Die Schatztruhe kann direkt vom Meeresgrund in den Schlund des Tauchboots geschnäbelt werden.

Dahingegen wurde an den Komfort der Besatzung kein überflüssiger Kubikmillimeter Platz verschwendet. Agent Charge kann sich in seiner Kanzel kaum rühren.

(Eine kleine Nebenbemerkung sei gestattet: Die Klickscharniere halten was aus. Bloß als Scharnier taugen sie nicht; regelmäßig bricht die Zarge eher ab, als daß sich das Gelenk bestimmungsgemäß bewegte.

Klammer zu.)

So knapp bemessen ist der Passagierraum des U-Boots, daß sich Agent Chase die ganze Fahrt über verzweifelt an seinem eingeklinkten Tauchschubgerät festkrallen muß, freischwebend im Ozean, umschwärmt von Haien (im Set nicht enthalten) und Kraken (im Set enthalten).

Das angedeutete Periskop auf dem Dach ist übrigens auch bloß Augenwischerei. Es ist keine Möglichkeit vorhanden, hindurchzublicken.

Mission 8: Volcano Base (8637)

Nach alter Väter Sitte wohnen Superschurken und Agentengegner in Vulkanen. Ernst Stavro Blofeld genügte noch ein erloschener Vulkan, aber Dr. Inferno braucht höllisches Feuer um sich. Als Aufklärer schraubt Agent Chase heran.

Sein Propellervogel kann ein Fangnetz scheißen.

Und hier ist sie schließlich: Die supergeheime, markengeschützte Volcano Base™ Dr. Infernos!

Während Agent Trace dieses Mal nicht die hilfsbedürftige Gefangene ist, sondern zur Rettung des nerdigen Trottels Agent Fuse heraneilt, nähert sich auf der – Ehrensache! – Einschienenbahn Infernos Handlangerin Claw-Dette dem Nebenkrater, über dem Fuse geröstet wird.


Nach Lust und Laune oder auch bei einem Ausbruch kann der Vulkankegel durch Aufklappen der Seitenteile sein Volumen erweitern.

Der Schicksalsberg muß nicht erklommen werden, um ihn etwa durch die Krateröffnung zu betreten, sondern ein durchaus ansprechend gestaltetes Portal gewährt seitlich Zutritt. Wohingegen Handlanger Fire Arm diesen verweigert.

Im Innern des Vulkans halten mehrere große Monitore Dr. Inferno stets über seine Machenschaften in aller Welt auf dem Laufenden. Seit ihm die Agents auf den Fersen sind, werden ihm natürlich vor allem Mißerfolge berichtet. Einmal ist Inferno seinen Widersachern allerdings schon entronnen (Mission 6), was wohl als Erfolg gewertet werden kann. Der Vernichtung der Welt, des Universums und allens steht also bloß noch das Nichtvorhandensein des nötigen Energiekristalls entgegen, welchen Kettensägen-Joe gleich zu Beginn verschlampt hat (Mission 1). Die Weltvernichtungsmaschine wartet jedenfalls auf ihren Einsatz.

Doch nach der Weltvernichtung geht’s weiter. Wiewohl Lego diese Agents-Serie nur als kurzfristigen Muntermacher geplant hatte und bereits im Folgejahr die Hälfte der oben vorgestellten Sets schon wieder aus dem Programm nahm, wurde die Serie fortgeführt. Doch darum werden wir uns zu gegebener Zeit kümmern.


Auf die Ohren.

27. Februar 2019

Es ist ja nie zu spät für eine glückliche Kindheit. Irgendwer hat diesen Satz ungefährermaßen als Signatur im Forum von 1000steine.de, und er bezieht sich natürlich auf Lego. Nun, Lego hatte ich auch als Kind schon. Was ich hingegen nie hatte, waren die gängigen Unterhaltungselektronika; das begann schon beim schlichten Kassettenrekorder. Um Pumuckl- und 5-Freunde-Kassetten hören zu können, mußte ich mich des Gerätes bedienen, welches ein Freund sein eigen nannte. Bis ich 1988 oder so einen Walkman (von Sony) zu Weihnachten bekam. Mit einer einzelnen darin offenbar ab Werk inliegenden Musikkassette, die – wie ich später eruierte – Teile des Soundtracks von „Dirty Dancing“ sowie der Michael-Jackson-Alben „Thriller“ und „Bad“ enthielt. Meine Eltern schafften sich irgendwann zur Komplettierung des Haushalts einen Stereoturm an, auf dem ich dann die Klassik-LPs hören konnte, die entweder schon dawaren oder nach und nach angeschafft wurden. Als Kind sind einem (oder waren mir) die zeitlichen Abläufe irgendwie nicht so ganz klar, man kommt ja in die Welt, und die Welt ist schon da, und war es auch immer, während die Dauer des gemeinsamen Haushalts der Eltern aber durchaus die eigene Lebenszeit nur geringfügig übersteigt. Wie auch immer. Um schließlich CDs hören zu können, mußte ich mir vom Taschengeld ein CD-Radio anschaffen, bis später das CD-ROM-Laufwerk des Computers diesen Zweck erfüllte. Eine eigene Stereo-Anlage mit Radio, Tape-Deck, CD-Player und Plattenspieler besaß ich nie.

Bis heute eine Kundin frug: „Sagen Sie mal, wissen Sie nicht jemanden, der sowas gebrauchen kann?“, und auf die Stereoanlage in der Ecke deutete. „50 Euro.“ – „Yep, nehm‘ ich“, hörte ich mich sagen. Hand drauf, Geld abgehoben und nach Dienstschluß die Kiste abgeholt, Boxen inklusive.

Warum erzähle ich das alles? Weil sich seit geraumer Zeit bei mir Schallplatten angehäuft haben, die ich überhaupt nicht anhören konnte. Schön blöd eigentlich. Zumal ich nicht alles, was ich auf Platte habe, auch auf CD besitze. Jetzt kann ich mich also endlich durch meine eigene Plattensammlung hören: