Steinwerfer: 1843 (Unbenanntes Raumfahrt-Ritter-Kombiset)

19. April 2018

Amerika. Da hätte man im Jahre 1996 dieses themenübergreifende und -verbindende Set erstehen können, zu einem Preis, der angeblich unter demjenigen vergleichbarer Sets lag. Nun ja. Als Alteuropäer und Zuspätgekommener erwarb ich es schließlich irgendwann in den 2000ern zu einem Preis, der deutlich über dem vergleichbarer Sets… Aber was soll ich mich echauffieren! Es hat mich ja niemand mit vorgehaltenem Speer gezwungen, Lego-Rittersets auf Komplettheit hin zu sammeln.

Bloß 17 Jahre nach Beginn der Ritterserie war im Jahr 1995 urplötzlich der König ins Blickfeld gerückt. Sein Reich war klein, gebot er doch lediglich über seine Burg Königstolz, eine Turmbrücke und einen schäbigen Kerker sowie über eine Kutsche mit zu wenigen Pferdestärken. Als rechtmäßig ins Amt geborener Potentat und Schirmherr über die öffentliche Ordnung stand es ihm nicht an, innerhalb seines Reiches Kriege zu führen, weshalb das Katalogprogramm keinerlei Belagerungs- und Kriegsgerät für ihn vorsah. Und auch dieses hier zu besprechende Katapültchen ist nur wenig geeignet, zur Usurpation gewillte Thronräuber in Furcht zu versetzen.

Da die Gefolgschaft des Königs klein ist, kann nur ein einzelner Soldat zur Bedienung des Steinwerfers abgestellt werden.

Naturgemäß muß der arme Kerl ordentlich ranklotzen. Zwei akkurat auf Quaderform zugehauene Wurfgeschosse stehen ihm als Munition zur Verfügung.

Nach dem Beladen muß der wackere Artillerist das Katapult auch selbst abfeuern. Augenscheinlich hat bei der Konstruktion des Geräts jemand mitgedacht und eine Wegrollsperre eingebaut. „Schön gedacht“, wie man auf dem Amateurfußballplatz sagt, wenn eine technisch einwandfrei vorgetragene, butterweiche Flanke im Nichts landet. Dortselbst landet nämlich auch das Projektil. Erwartungsvoll legte ich mir den Zollstock bereit, um die Wurfweite zu messen; bei offener Zimmertür ist die nächste Wand erst in 6 1/2 Metern im Weg, wenn ich das Katapult auf dem Fußboden vor dem Schreibtisch in Position bringe. Ein beherzter Druck auf den Hebel, und ich kann berichten: ca 80 cm hoch und -10 cm weit landete der 1×2-Stein auf dem Schreibtisch. *Daumenhochemotikon*

Ob dieser Schmach bitter enttäuscht schiebt der Reichsrittergehilfe mit seinem rollenden Löffel ab.

Eine unerwartete Begegnung reißt ihn schließlich aus seinen Gedanken, die düster um das bevorstehende Donnerwetter seines Vorgesetzten und die zu erwartende drakonische Strafe kreisten, die ein popeliger Untergebener kaum abzuwenden hoffen durfte. Ein Spyrius-Astronaut? Ausgerechnet hier im Burgenland und in meiner Wohnung?

Ja, denn er ist ja mitsamt seinem formunschönen Flugapparat im selben Set enthalten wie das Katapult, also war sein Erscheinen unvermeidlich.

Ein Antriebssystem ist zunächst nicht erkennbar, aber in der Zukunft des ausgehenden 20sten Jahrhunderts mag das auch nicht nötig sein.

Wie es sich für ein Raumfahrtset geziemt, läßt sich am Modell irgendwas klappen, in diesem Fall die Flügel. Und schon zeigt sich auch der nach hinten gerichtete Impulsantrieb.

Da es sich bei dem Fliegzeug um einen Bodencruiser handelt und nicht etwa um ein Raumschiff, muß der Pilot nicht in einer Kapsel sitzen, und für den Auftrieb sind die gespreizten Flügel nützlich.

Wer braucht noch ein Katapult mit Durchschlagskraft, wenn er magische Fluggeräte aufbieten kann? Das eine UFO allein dürfte genügen, den Usurpatoren die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Und falls das nicht ausreicht, kann der Pilot auch zu Schild und Waffe und in den Nahkampf eingreifen, denn für den Katapultisten ist das zweite Paar ja sicher nicht gedacht.

Na gut, muß man dieses Set besitzen? Ja, weil man – ich nämlich – ja Sammler ist. Übrigens waren die blauen 2×6-Bögen zum Zeitpunkt des Erscheinens gewissermaßen eine Rarität. Zwar waren derer 6 zwei Jahre zuvor im Belville-Puppenhaus 5890 verbaut, aber welcher kleine Junge würde schon zugeben, so etwas zu besitzen? Zuvor waren sie 1985 im Dacta-Set 1056 enthalten gewesen, also für den Normalkunden nicht erhältlich. Davor waren sie 1978 in der Kugelkopftankstelle 330 anzutreffen gewesen. Das Hauptvorkommen blauer 2×6-Bögen datiert auf die Jahre 1972 und 1973, wannselbst man insgesamt 9 (14) Exemplare hätte sammeln können. (Das Ferienhaus mit Fensterläden 356, welches 5 solche Bögen enthält, erschien in Amerika unter der Nummer 540, ist also als zwei Sets zu rechnen.) Bliebe die Frage, ob man diese Bögen in blau überhaupt je vermißt hat? Bis 2017 waren sie in keinem Set mehr verbaut, aber ein großes Seufzen über die eingeschränkte Verfügbarkeit habe zumindest ich nicht vernommen.

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CD-Regal restocked: Black Sabbath (Dritter Nachtrag)

9. März 2018

Na, wer sagt’s denn! Im Dezember 1997 fand endlich das statt, worauf die Fans seit 1979 gehofft hatten, was sich zwischendurch mehrmals anläßlich von Festival-Auftritten angedeutet aber letztlich nicht erfüllt hatte: Black Sabbath in Originalbesetzung fanden sich zu zwei Konzerten in Birmingham zusammen, um endlich ein offizielles Live-Album aufzunehmen. Alles, was es zuvor an Sabbath-Live-Alben gegeben hatte, war entweder nicht von der Band authorisiert gewesen, oder war halt nicht die Urbesetzung. Und – Hand aufs Herz – nur diese zählt. Naturgemäß enthält das passenderweise Reunion betitelte Konzert nur Songs der Ozzy-Ära von 1968 bis 1979. Als besonderes Schmankerl nahmen Iommi, Butler, Osbourne und (mit Abstrichen) Ward für die Veröffentlichung zwei (ein) neue(s) Lied(er) im Studio auf: „Psycho Man“ selbviert, den Song „Selling my Soul“ merkwürdigerweise ohne Bill Wards Schlagzeugspiel. Was das nun wieder sollte? Möglicherweise spielte ein leichter Herzinfarkt Bill Wards eine Rolle.

Black Sabbath waren also wieder vereint, spielten einzelne Konzerte und im Jahre 2005 sogar eine Tour. Zu einem kompletten Studioalbum konnten sich die vier Veteranen aber nicht aufraffen. Immerhin erhielten sie im Jahre 2000 ihren ersten Grammy für „Iron Man“ in der Reunion-Version.

The Dio Years

Im Jahre 2007 hatte die Plattenfirma die Idee, Black Sabbaths Ära mit Ronnie James Dio am Mikrophon auf einem Kompilationsalbum zusammenzufassen. Das versprach zusätzliches Tonträger-verkaufspotenzial, also sagte Tony Iommi zu. Auch Ronnie war einverstanden. Die Zusammenstellung vereint Lieder der Alben „Heaven and Hell“, „Mob Rules“ und „Dehumanizer“ sowie den Song „Children of the Sea“ vom Konzertalbum „Live Evil“, das ich in meiner Sammlung ausgelassen habe. Und da das Reunion-Live-Album zwei zusätzliche Studio-Songs enthalten hatte, sollte auch diese Dio-Werkschau solche enthalten, aber dieses mal sogar drei; in your face, Ozzy! Obwohl Black Sabbath zu diesem Zeitpunkt ja offiziell aus Tony Iommi, Geezer Butler, Bill Ward und Ozzy Osbourne bestand, gingen Toni und Geezer mit Ronnie James Dio und Vinnie Appice, der einst auf „Mob Rules“ und „Dehumanizer“ die Trommel gerührt hatte, ins Studio, um unter dem Namen „Black Sabbath“ drei Songs aufzunehmen. „The Devil Cried“:

Da Iommi offenbar aufgefallen war, daß das für Bill und Ozzy möglicherweise ein Affront sein könnte, absolvierte das Quartett die Promo-Tour zum Dio-Years-Album unter dem Namen „Heaven & Hell“, was nun ausgerechnet das Dio-Album ist, auf dem Vinnie Appice nicht mitspielt, Mann, Mann, Mann…
Bis hierher hatten die jüngeren Aktivitäten Black Sabbaths seit 1997 vor allem retrospektiven Charakter, wie es für eine Band im Herbst ihres Schaffens charakteristisch ist. Doch was mit Ozzy und Bill Ward nicht geklappt hatte, war mit Ronnie möglich: ein neues Studioalbum aufzunehmen.

Heaven & Hell – The Devil You Know

Es bestehen nur geringe Zweifel daran, daß dieses 2009er Album ein Black-Sabbath-Album ist, ungeachtet des anderslautenden Band-Namens auf dem Cover. Dafür spricht neben der bewährten B-Besetzung mit Iommi, Butler, Dio und Appice die Verwendung des langjährigen Sabbath-Maskottchens Henry.
Dieser geflügelte Dämon war zum ersten Mal auf der Innenseite des Albums „Never Say Die“ aufgetaucht und seitdem immer wieder auf Merchandiseprodukten der Band verwendet worden. Ursprünglich prangte er mal Mitte der 70er Jahre auf einem Konzertplakat, ohne Zutun der Band, aber zu ihrem Pläsier, also wurde er adoptiert, vermutlich ohne Tantiemen an den Künstler. Musikalisch bietet „The Devil You Know“ ebenfalls Bewährtes. Schleppende, doomige Gitarrenriffs hintermalt mit wahrnehmbarem Baßsound, überlagert von Dios markanter Stimme. Inhaltlich spart Ronnie nicht mit religiösen Anspielungen und düsteren Motiven.
„Follow the Tears“:

Die das Album begleitende Tour führte Black Sabbath Heaven & Hell auch zum Wacken Open Air, was Dios letzter großer Auftritt werden sollte. Denn eine Krebserkrankung zwang ihn zur vorzeitigen Beendigung der Tour, und am 16. Mai 2010 verstarb Ronnie James Dio und nahm seine großartige Stimme nebst der Manu Cornuta mit ins Grab.

13

Mit Dios Tod blieb die Besetzung Iommi/Butler/Osbourne/Ward als einzige Sabbath-Variante stehen, ohne freilich zunächst aktiv zu sein. Erst Mitte 2011 verdichteten sich Gerüchte betreffs einer erneuten Wiedervereinigung, die schließlich gegen Jahresende von Black Sabbath offiziell bestätigt wurden: Im Jahre 2012 sollte es ein neues Studioalbum in Originalbesetzung mit anschließender Tour geben. Doch dann erkrankte Tony Iommi an Krebs, was verständlicherweise den Beginn der Studioaufnahmen verzögerte. Und als schließlich Iommis Krebs so weit eingedämmt war, daß es hätte losgehen können, gab Bill Ward seinen Ausstieg aus Black Sabbath bekannt. Von Seiten der Band wurde die wackelige Gesundheit des Drummers als Grund für dessen Rückzug angegeben, immerhin hatte er schon 1998 einen Herzinfarkt erlitten, und eine komplette Tour am Schlagzeug sei ihm in seinem Alter nicht mehr zuzumuten. Ward selbst begründete seinen Ausstieg freilich mit einem nicht unterzeichnungswürdigen Vertrag, der ihm vorgelegt worden sei, sein Gesundheitszustand sei einwandfrei. Wie dem auch sei, schade, aber anstelle Bill Wards ist auf dem 2013er Album „13“ Rage Against The Machines Drummer Brad Wilk am Schlagzeug zu hören, die anschließende Promotour absolvierte Tommy Clufetos. Nun können die Jungs also auf ihrer Autogrammkarte vermerken, daß sie mal der legendären Band Black Sabbath angehört haben, aber große Zuneigung dürfen sie dafür leider nicht erwarten, denn die Fans nahmen die Nachricht vom Ausstieg des Gründungsmitglieds Bill Ward mit Unverständnis und Bitterkeit zur Kenntnis. Zu allem Überfluß trat als Produzent Rick Rubin in Erscheinung, der schon Metallicas Album „Death Magnetic“ soundtechnisch verhunzt hatte. Oder haben soll; ich merke sowas ja nie. Musikalisch knüpft „13“ durchaus an das Heaven&Hell-Abum an, freilich mit der markanten Stimme Ozzy Osbournes statt der andersartig markanten Stimme Ronnie James Dios. „Age of Reason“:

Die Wiedervereinigung mit Ozzy Osbourne hatte Hoffnungen genährt, wieder so ein inspiriertes Album zu erhalten, wie es „Paranoid“, „Master of Reality“ oder „Vol.4“ gewesen waren. Aber das war wohl nicht zu erwarten, denn es lagen ja 25 Jahre zwischen dem letzten Sabbath-Album mit Ozzy-Beteiligung und diesem Werk. Es wird daher nicht allein am Fehlen Bill Wards gelegen haben, daß „13“ durchaus anders klingt als die Werke der klassischen Ära, langsamer, doomiger, ohne die vielfachen Rhythmus- und Melodiewechsel. Ich finde „13“ nicht schlecht, aber es vermag auch nicht zu begeistern. An Songmaterial mangelte es der Band jedenfalls nicht; das Album ist als abgespeckte Normalversion mit acht Liedern, als Deluxe-Edition mit drei weiteren Liedern, oder als Superduperdeluxe-Verion mit gar einem vierten Bonustrack zu bekommen. Und es blieben sogar noch Songs übrig.

The End

Möglicherweise unter dem Eindruck von Tony Iommis Krebserkrankung, die weiterhin therapeutische Maßnahmen erforderte, gab Black Sabbath 2015 bekannt, daß die 2016 beginnende Welttournee „The End“ die Abschiedstour sein werde. In Originalbesetzung, mit Bill Ward? Nein. Grmpf. Am Schlagzeug saß weiterhin Tommy Clufetos. An den Souvenirständen wurde während der Konzerttour die EP „The End“ verkauft, die neben vier Liveaufnahmen, die auf der vorangegangenen Tour entstanden waren, vor allem vier neue Songs enthielt, die wohl bei den Aufnahmen des Albums „13“ übriggeblieben waren. Zum Beispiel „Cry All Night“:

Mit 54 Minuten Spieldauer ist diese EP länger als so manches Studioalbum von Black Sabbath, und das ließen sich die alten Herren auch fürstlich bezahlen. Wie ich irgendwo las und jetzt nur aus der Erinnerung krame, hat die CD im Pappschuber 30 Euro gekostet, von Ozzy, Toni und Geezer signerte Exemplare gleich mal 90 Euro. Oder irgendwie so. Jedenfalls sollte diese CD natürlich exklusiv den Konzertbesuchern vorbehalten bleiben, was sie nicht blieb, denn im Internet gibt’s ja alles.

The End (4 February 2017 Birmingham)

Das Ende war nahe, am 4. Februar 2017 war es soweit. Und was Iommi, Butler und Osbourne eventuell an Stil im Umgang mit ihrem alten Kameraden Bill Ward haben vermissen lassen, das machten sie mit der Wahl des Schauplatzes ihres finalen Konzerts wieder wett. Das konnte nur Birmingham sein! (Und war es auch.) Es wurden keine Songs von „13“ gespielt, sondern ausschließlich Klassiker der ersten sieben Alben, beginnend mit „Black Sabbath“, gipfelnd in „Paranoid“, dazwischen „Fairies Wear Boots“, „Under the Sun/Every Day Comes and Goes“, „After Forever“, „Into the Void“, „Snowblind“, „War Pigs“, „Behind the Wall of Sleep“, „Basically/ N.I.B.“, „Hand of Doom“, ein Meddley aus „Supernaut, Sabbath Bloody Sabbath, Megalomania“, „Iron Man“, „Dirty Woman“ und „Children of the Grave“, wie es sich gehört, mit „Embryo“-Intro. Tommy Clufetos wurde ausgepfiffen, als Ozzy die Band vorstellte, weil er halt leider nicht Bill Ward ist; kann er ja auch nichts zu. Er konnte aber mit dem Drum-Solo in „Rat Salat“ glänzen. Freundlicherweise stellen Black Sabbath den Konzertausschnitt mit „Children of the Grave“ auf ihrem Youtube-Kanal selbst zur Verfügung, drum:

Das war’s also mit Black Sabbath. Haben sie denn nun den Heavy Metal erfunden?
Weiß ich nicht. Sie selbst sahen sich wohl eher neben Deep Purple und Led Zeppelin im Hard Rock, verwurzelt im Blues, mit Ausflügen in den Progressive Rock. Zur Metal-Band machte sie Ronny James Dio eigentlich erst, nachdem es die richtigen Metal-Bands wie Iron Maiden und Judas Priest schon gab. Aber ist ja auch egal, ihr Einfluß auf die erwähnten richtigen Metal-Bands ist jedenfalls unbestreitbar.
Ich fand von Beginn meiner Entdeckungstour an reizvoll, daß Ozzy Osbourne, der Prince of Darkness und Godfather of Heavy Metal, eigentlich ein alter Hippie ist, daß Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward Blues spielten, bloß mit heruntergestimmten Instrumenten. Und in der Tat sind die frühen Werke der Band in Urbesetzung die besten, so gut Ronny James Dio auch singen kann, und so bemüht Tony Martin auch war, dem Namen Black Sabbath gerecht zu werden. Das machte es allerdings schwierig, Alben wie „Tyr“ oder „Forbidden“ überhaupt anzuschaffen, denn der örtliche Saturn führte sie gar nicht, und über Amazon waren sie schließlich auch nur aus zweiter Hand zu bekommen. Aber dafür ist man ja Sammler.


Editorische Notiz

18. Februar 2018

Wie hier: hier nämlich beschrieben, hat sich ein Bilderdienst verabschiedet beziehungsweise habe ich ihn in Rente geschickt. Das betraf und betrifft weiterhin so manche Bildverlinkung innerhalb von Blogbeiträgen der letzten neun Jahre. Auch der „Büchertisch“ (siehe oben) sah einigermaßen geplündert aus, da eben die Thumbnails bei jenem Bilderdienst lagen, weshalb auch immer. Inzwischen ist mir der Grund für meine dezentrale Bilderhaushaltung selbst schleierhaft. Aber dem sei nun gewesen, wie ihm gewollt habe; zumindest die Verlinkungen auf der Übersichtsseite des „Büchertischs“ und der einzelnen Buchbesprechungen habe ich restauriert.


CD-Regal revisited: Deep Purple.

26. Januar 2018

Kleines Interludium.

Im Rahmen der Black-Sabbath-Retrospektive fiel ja das ein oder andere Mal der Name „Deep Purple“, weil verschiedentlich Musiker, die mal bei Deep Purple gespielt hatten oder zumindest in einer der Nachfolgebands von Deep Purple, eine freigewordene Position bei Black Sabbath besetzten. Und im Gegensatz zu Black Sabbath oder Pink Floyd, die ich in Kindertagen nur dem Namen nach kannte, konnte ich den Begriff „Deep Purple“ mit Fleisch füllen. Weil: „Smoke on the Water“. Als ich irgendwann in den 1990er Jahren mein erstes Radio bekam (aber im Haushalt meiner Eltern wohnte und kein eigenes Einkommen hatte, weil ich ja noch Schüler war; also Füße stillgehalten, GEZ!), wurden im WDR noch Lieder gespielt, die so um die 20 Jahre alt waren, und wenn es sich um „Smoke on the Water“ oder irgendwas von Queen handelte, auch durchaus im Tagesprogramm und nicht bloß in Roger Handts abendlicher Oldie-Show. Auch heute noch werden im WDR 20 Jahre alte Lieder gespielt, mit dem feinen Unterschied, daß Songs, die damals 20 Jahre alt waren, oft cooler sind als Lieder, die heute 20 Jahre alt sind. Wie dem auch sei, „Smoke on the Water“ kannte ich jedenfalls, und sobald ich wußte, nach welcher Band ich suchen mußte, stapfte ich in einer unterrichtsfreien Stunde zum der Schule nahegelegenen Saturn oder zu Karstadt und suchte nach einer CD, die dieses Lied enthielt. Ich Naivling. Statt das Album anzuschaffen, auf dem der Song enthalten ist, kaufte ich eine Kompilations-CD, ich wußte es halt nicht besser, und wahrscheinlich war sie schlicht billiger. „Deepest Purple – The Very Best of Deep Purple“ enthält zwölf Lieder, zusammengeklaubt von sechs Alben und zwei Singles. Die Zusammenstellung ist © 1980, stammt also noch aus Schallplattenzeiten, denn CDs wurden erst ab 1982 hergestellt und verkauft. Aber mein Exemplar muß auf jeden Fall ein frühes sein, denn das äußerst spartanische Booklet legt mehr Wert auf die Erklärung des Compact-Disc-Digital-Audio-Formats in vier Sprachen, denn auf Erläuterungen zu Deep Purple und den enthaltenen Liedern. Die Cover-Gestaltung wurde also wohl eins-zu-eins von der Langspielplatte übernommen.

Aber immerhin lernte ich hier die Mitglieder der Band kennen, und seither sind mir Ritchie Blackmore und Ian Gillan ein Begriff. Der Erstgenannte, weil „Blackmore“ für mich ein irgendwie einprägsamer Name war, und Zweiterer, weil ich „Gillan“ gerne mit „Gilliam“ velwechserte, bekannt aus der Monty-Python-Riege. Ansonsten legte ich seinerzeit nur wenig Wert darauf, Bandmitglieder namentlich zu kennen. Vermutlich beschränkte sich dies bei mir damals auf die Beatles. Die kannte sogar meine Mutter.

Da „Smoke on the Water“ immer schon der Über-Hit der Band war, die Mutter aller Gitarrenriffs enthält und daher unzweifelhaft in die Ahnenreihe des Heavy Metal einzugliedern ist, bildet dieser Titel an zwölfter Stelle den Höhepunkt der Platte. Auf die Kassette „Altes (aber Gutes)“, die ich mir irgendwann später mit Altem (aber Gutem) zusammenstellte, schaffte es neben „Smoke“ außerdem „Child in Time“. Mit Blick auf das heutige Radioprogramm, gespeist aus dem, was die Plattenindustrie so hervorpreßt, ist das „aber“ durch „darum“ zu ersetzen. (Aber nein, es gibt auch heute noch Gutes, bloß zahlen deren Produzenten die Radiostationen nicht dafür, es in die Heavy Rotation aufzunehmen.)

Ob so eine Best-of-Zusammenstellung wirklich das Beste aus dem Katalog eines Musikers oder einer Band erfaßt, ist streitbar. Naturgemäß ist der zur Verfügung stehende Platz begrenzt, und es sollen möglichst alle Schaffensepochen repräsentiert sein. 1980, dem Zeitpunkt, da dieses Best-of erstellt wurde, befand sich Deep Purple im Zustand der zwischenzeitlichen Nichtexistenz, nämlich seit 1976 bereits; demzufolge war das Material überschaubar und gut einzugrenzen, da ja aktuell nichts Neues hinzukam. Dennoch sind nur sechs der bis dahin zehn Studioalben der Band berücksichtigt. Nun ja, da ich ja außer dieser einen Platte (noch) nichts weiter von Deep Purple kenne, kann ich mir darüber kein Urteil erlauben. Allerdings kristallisierten sich beim neuerlichen Durchhören der CD durchaus andere Stücke als Anspieltipps heraus, neben meinen damaligen Favoriten. Genannt sei „Demons Eye“:

Wie die Suche nach einem verlinkbaren Titel von „Deepest Purple“ ergab, gibt es inzwischen neuere Auflagen dieses Best-ofs, welche mehr Songs enthalten. Doch statt meine Ausgabe up-zu-graden (Wie notiert man denn solch ein Half-und-Halb-Word im Deutschen grammatisch annehmbar, wenn nicht gar korrekt?), dürfte es sich durchaus lohnen, wenn ich mich darauf konzentriere, die Diskographie Deep Purples strukturiert aufzuarbeiten. Ich kann ja nicht anders.


CD-Regal restocked: Black Sabbath (Zweiter Nachtrag)

23. Dezember 2017

The Eternal Idol

Durch das verhinderte Soloprojekt „Seventh Star“ hatte sich unwillentlich aller Beteiligten – vielleicht mit Ausnahme der Plattenfirma – etabliert, daß „Black Sabbath“ allein mit Tony Iommi stehen und fallen würde. Zunächst blieb Sabbath stehen, aber die Besetzung der Band war nicht mehr in Erz gegossen. Wie übrigens auch das Titelbild des 1987er Albums „The Eternal Idol“ nicht, wiewohl es die photographische Darstellung einer Bronzeskulptur gleichen Namens von Auguste Rodin zu sein scheint; aber es konnten keine Bildrechte am Werk erworben werden, also wurden kurzerhand Modells angeheuert und in Farbe getüncht, um die Figurengruppe abzulichten. Jedenfalls, die Besetzung. Langsam wurde es unübersichtlich. Eigentlich wollte Iommi mit dem Seventh-Star-Lineup weitermachen, welchselbiges ja auf der Tour schon nicht mehr dem des Albums entsprach, da Glenn Hughes abgesprungen war und durch Ray Gillen ersetzt wurde. Geoff Nicholls ist gesetzt. Dave Spitz hingegen ist auf dem Backcover als Bassist angegeben, ohne jedoch auf dem Album vertreten zu sein; an seiner statt bassiert Bob Daisley, nicht die erste Eingemeindung aus Ritchie Blackmore’s „Rainbow“ (zuvor Ronnie James Dio), und es sollte auch nicht die letzte bleiben. Daisley ging nach den Album-Aufnahmen freilich nicht mit auf Tour, sondern schloß sich Gary Moore an. Drummer Eric Singer tat es ihm nach; später gründete er gemeinsam mit Sänger Ray Gillen die Band „Badlands“. Aber Gillen war da schon gar nicht mehr der Sänger von Black Sabbath, da er, statt die Arbeit an „Eternal Idol“ abzuschließen, lieber eine Band namens „Blue Murder“ gründete. Die Stimme auf dem Album gehört einem (damals) jungen Mann aus Birmingham, welcher Tony Iommi aufgefallen war, weil er in einer von einem befreundeten Manager betreuten Band sang und sich zuvor bereits bei Sabbath beworben hatte. Tony Martin ist der Name, und was als Verlegenheitslösung begonnen haben mochte, war stabil genug, um zu einer Ära zu werden, mithin der dritten solchen in der Geschichte von Black Sabbath.
Hören wir doch zwischendurch mal hinein, zum Beispiel in den Titel „Ancient Warrior“:

Der Text ist etwas ambig. „He is the king of all kings“ (Dschieses?), „The keeper of the light“ (Luzifer?) – das hat klassisches Sabbath-Potenzial. Dasselbe gilt für das Titelstück, mit dem dieses Album in der Urversion endet. Es bietet einen pessimistischen Blick auf Politik und Gesellschaft, vermengt mit religiösen Motiven. Die Nicht-Urversion des Albums, namentlich die Deluxe-Edition aus dem Jahre 2010, enthält zusätzlich zwei Single-B-Seiten („Black Moon“ und „Some Kind of Woman“) sowie auf der zweiten Disc Studiosessions des Albums mit Ray Gillen am Mikro. Das ist freilich nicht das einzige, was von Ray Gillen blieb, denn sein boshaftes Lachen im Lied „Nightmare“ wurde auch in die von Tony Martin gesungene und ursprünglich veröffentlichte Version eingesamplet.

Headless Cross

Nach dem Abgang von Drummer und Bassisten mußte Tony Iommy mal wieder die Band neustrukturieren. Als Konstanten blieben Geoff Nicholls am Keyboard und Tony Martin am Mikrophon. Und Tony Iommi an der Gitarre, aber das ahnte man schon. Auf dem Album „Headless Cross“ von 1989 ist Laurence Cottle am Baß zu hören, aber *seufz* die anschließende Tour machte nicht er mit, sondern Neil Murray stieg bei Black Sabbath ein. Das Schlagzeug bediente Cozy Powell, vormals … na? Richtig! „Rainbow“. Einzig die Unersetzlichkeit Tony Iommis scheint Ritchie Blackmore davon abgehalten zu haben, höchstselbst bei Sabbath die Gitarre zu spielen. Oder? Brian May ist als Gastsolist im Lied „When Death Calls“ zu hören, also hätte Ritchie durchaus… Blödsinn.
Nachdem Tony Martin auf „The Eternal Idol“ für das bereits so gut wie fertige Album lediglich die Texte anstelle von Ray Gillen eingesungen hatte, oblag es ihm nun, selbst die Texte zu verfassen, wie man es gemeinhin vom Sänger erwartet. Was insofern verwunderlich ist, als dies ja in den Anfangstagen der Band keineswegs die Norm war, insofern Bassist Geezer Butler und eben nicht Ozzy Osbourne den Großteil der Texte verfaßt hatte. Tony (Martin) sah sich also mit der Aufgabe konfrontiert, sabbathtypische Songs zu schreiben, und er flüchtete sich in düstere, teils okkulte Motive, die den Teufel nicht ausließen. Auch das Kreuz als erstes inoffizielles Black-Sabbath-Symbol durfte nicht fehlen, hence the title. Nach einem ominösen Intro mit Namen „The Gates of Hell“ steht das Titelstück als zweiter Track am Beginn des Albums:

Das Motiv des keltischen Kreuzes mit dem romantogothischen Bandnamen war, wie anfangs erwähnt, meine erste Begegnung mit Black Sabbath – auf dem T-Shirt eines mir nicht namentlich bekannten Mitschülers in der Pausenhalle. Mein Klassenkamerad Jan Freitag war es, der anmerkte, daß „das Satanisten“ seien. Diesen Eindruck könnte man angehörs des vorliegenden Albums in der Tat gewinnen, denn während bei Geezer Butler in den 70ern die Erwähnung Satans keineswegs dazu diente, ein verehrungswürdiges Bild des Gehörnten zu zeichnen, sondern eher als Symbol stand für den Zustand einer gottverlassenen Welt, in welcher augenscheinlich finstere, korrupte Mächte am Werke waren, ist dies auf „Headless Cross“ durchaus nicht der Fall. Schon das Titelmotiv des zerbrochenen Kreuzes (bildlich dargestellt auf der Rückseite des Covers) deutet auf eine antichristliche Einstellung hin, und auch die Beschreibungen von Satan bzw. dem Devil sind, wenn zwar nicht gerade offen verehrend, so doch auch nicht deutlich ablehnend. Dessen ungeachtet denke ich, daß dies vor allem Tony Martins Bestreben geschuldet ist, vielleicht etwas überambitioniert, eine Stimmung zu erzeugen, die der Legende „Black Sabbath“ angemessen schien. Übrigens war wohl Tony Iommi zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt, denn er wies seinen Frontman an, es mit der Teufelsbuhlerei nicht zu sehr zu übertreiben und das alles auf dem nächsten Album etwas zurückzuschrauben.

TᛉR

1990 erschien mit „Tyr“ das dritte Sabbath-Album in Folge mit demselben Sänger, und auch der Rest der Band ist gegenünber dem Vorgängeralbum beinahe unverändert, mit Ausnahme von Neil Murray, der erst mit dem Beginn der Headless-Cross-Tour als Bassist eingestiegen war; soviel Konstanz hatte es seit dem Bodensee… Falsche Konnotation. Seit über 10 Jahren nicht mehr gegeben.
Auf den ersten Blick scheint „Tyr“ ein Konzept-Album zu sein, das Artwork ist nordischen Schnitzereien nachempfunden, Tyr ist ein Gott der nordischen Mythologie (ein Sohn Odins), und der Titel ist in Runen geschrieben, freilich falsch, den die Algiz-Rune (ᛉ) repräsentiert kein y, sondern x oder z, aber geschenkt. In des Albums Mitte bzw. zu Beginn der B-Seite nimmt ein Triptychon von „The Battle of TYR“, „Odin’s Court“ und „Valhalla“ den Albumtitel thematisch auf. Auch das zweite Lied der Platte „The Law Maker“ kann mit dem Gott Tyr in Verbindung gebracht werden, welcher gemäß Wikipedia „Souverän des Rechts“ ist. (Benjamin Hederichs „Gründliches Mythologisches Lexikon“ ist leider nicht so gründlich, daß es sich um die nordische Mythologie scheren würde. Punktabzug! Aber soeben fällt mir wieder ein, daß Rudolf Simeks „Lexikon der germanischen Mythologie“ hier ja auch steht. Wenn Tyr da nicht drinsteht… Er steht. Aha: In vorgermanischen, also indogermanischen Zeiten war Týr als Himmels- Kriegs- und Versammlungsgott noch so bedeutend, daß sein Name auf „Zeus“ einwirkte und schlechthin für „dei“, also „Götter“ im Allgemeinen stand. Klammer zu.) Die andere Hälfte des Albums nimmt keinen Bezug zu nordischen Gottheiten, sondern spielt auf das mittelalterliche Christentum an, musikalisch besonders deutlich im Opener „Anno Mundi (The Vision)“:

Ob der Titel „Jerusalem“ eine Anspielung auf Englands dritte oder vierte Nationalhymne „Jerusalem“ ist, weiß ich nicht. Aber da Tony Iommi Tony Martin (Dativ) ja quasi verboten hatte, ständig auf Black Sabbath‘ Satanismusklischee herumzureiten, schmuggelte dieser mit „The Sabbath Stones“ wenigstens das Sabbath-Selbstbezug-Klischee ein. Musikalisch überwiegen düstere atmosphärische Klänge, weniger Tony Iommis Gitarrenriffs.

Dehumanizer

Tony (Martin, again) hatte sich durchaus als stimmgewaltiger Sänger und fähiger Lyriker… Lyrizist… Songwriter erwiesen, doch die drei Alben, die mit ihm am Mikro entstanden, blieben hinter den Erwartungen zurück. Vor allem hinter Tony Iommis finanziellen Erwartungen. Darum strebte Tony (Iommi, diesmal) eine erneute Zusammenarbeit mit Ronnie James Dio an. Auch konnte er Geezer Butler wieder ins Boot holen. Da Cozy Powell sich das Schlüsselbein brach, mußte auch der Platz am Schlagzeug neubesetzt werden, und Vinny Appice kehrte dorthin zurück. Somit war das Lineup des Albums „Mob Rules“ wieder vereint, und im Jahre 1992 erschien das Album „Dehumanizer“. Tony (also Martin jetzt) gibt an, nie formell gefeuert worden zu sein; Tony (Iommi) war möglicherweise zu introvertiert, um dergleichen offiziell und endgültig zu tun. Irgendwie konnten verschiedene Inkarnationen von Black Sabbath zeitgleich nebeneinander existieren, was später noch einmal deutlich wurde.
Das Titelbild von „Dehumanizer“ zeigt in 90er-Jahre-Airbrush-Optik einen Roboter-Sensenmann, welcher einen T-Shirt-Träger vermittelst Sith-Blitzen vom Menschenleben zum Robotertod befördert – etwas cheesy. Musikalisch knüpft dieses Album aber in der Tat an „Mob Rules“ an. Ronnie James Dios druckvolle Stimme kämpft mit Tony Iommis Gitarre und Geezer Butlers Baß um die akustische Vorherrschaft. Thematisch sind die Texte zum Teil im damals noch argwöhnisch beäugten Computer-Zeitalter angesiedelt, spiegeln aber nach wie vor Ronnie James Dios Vorliebe für Fantasy wieder.
„I“:

Am Ende der Dehumanizer-Tour stand ein gemeinsamer Auftritt von Black Sabbath mit Ozzy Osbournes Solo-Band (Ein Oᛉᛉymoron. Ha!) im kalifornischen Costa Mesa. NaTÜRlich war Ronnie nicht dazu zu bewegen, die Bühne mit seinem erklärten Erzfeind Ozzy Osbourne zu teilen, und da sein Vertrag mit Black Sabbath sowieso auslief, qittierte er den Dienst. Judas-Priest-Sänger Rob Halford erhielt so die Gelegenheit, sich in die illustre Liste von Black-Sabbath-Sängern einzureihen, da er Ronnie bei diesen Shows ersetzte. Überdies kam es zu einer tatsächlichen One-Night-Only-Wiedervereinigung von Black Sabbath mit Ozzy und Bill Ward für immerhin vier Lieder.

Cross Purposes

Ronnie James Dio war beleidigt abgezogen, aber das machte ja nichts, denn eigentlich war ja sowieso Tony Martin der aktuelle Sabbath-Sänger. Da aber auch Vinny Appice seinen Platz hinterm Drum kit wieder räumte, mußte Ersatz her, dieses Mal Bobby Rondinelli, welchselbiger auch schon mal bei „Rainbow“ gespielt hatte, Black Sabbath‘ Ersatzteillager. Geezer Butler blieb und verlieh dem 1994er Album „Cross Purposes“ somit ein wenig klassischen Black-Sabbath-Glanz. Theoretisch. Denn leider muß ich sagen, daß dieses Album genau diesen Glanz vermissen läßt. Bis auf ein paar gelungene Riffs („Immaculate Deception“) und nette Melodien („The Hand that Rocks the Cradle“) kommt da nicht viel. Tony Martins Stimme wirkt müde und entwickelt nicht denselben großen Umfang wie auf den vorherigen drei Alben. Die Songs klingen irgendwie uninspiriert, mehr wie eine Pflichtübung denn wie eine Herzensangelegenheit. Pflichtschuldigst werden ein paar Kreuze eingestreut („Cross of Thorns“), einige religiöse Motive dazwischengeworfen („Back to Eden“), wird etwas Morbidität vorgetäuscht („Dying for Love“). Schon das Titelbild ist irgendwie fadenscheinig, ein Engel mit brennenden Flügeln, na toll. Band- und Album-Namen in uninteressanter Antiqua-Schrift, glatt und belanglos. Vielleicht war die Mitte der 90er einfach nicht die Zeit für Bands wie Black Sabbath, denn am mangelnden Talent kann das ja nicht gelegen haben. Für sich genommen sind die Lieder nicht einmal schlecht, aber als Album merkwürdig kraftlos. Als Höreindruck „Cross of Thorns“:

Wer weiß. Wenn man 1994 zum ersten Mal ein Black-Sabbath-Album auflegte und es „Cross Purposes“ war, dann mag es einem wie ein grandioses Album vorgekommen sein, vielleicht sogar zu Recht. Hätte zum Beispiel mir durchaus passieren können, denn in jener Zeit erwachte ich aus meinem kindlichen Dornröschenschlaf und begann, mich der populären Musik zuzuwenden, wiewohl ich aus zuvor genannten Gründen an Black Sabbath keinen Gedanken verschwendete. Wie auch immer. Wenn man die sechzehn vorherigen Sabbath-Alben im Ohr hatte, wird „Cross Purposes“ nicht prominent hervorgeklungen haben. Irgendwann ist eine Band vielleicht auch einfach so ausgebrannt wie Engelsflügel.

Forbidden

Der Plattenvertrag lief aus und andere große Ereignisse warfen ihre Schatten voraus, aber zuvor mußte noch ein Album beim bisherigen Label produziert werden. Nach der Cross-Purposes-Tour stieg Geezer Butler mal wieder aus und wurde durch den Rückkehrer Neil Murray ersetzt (der zwar kein Rainbow-Ehemaliger ist, aber immerhin bei „Whitesnake“ gespielt hatte, einem anderen Deep-Purple-Ableger). Auch Cozy Powell übernahm nach auskuriertem Schlüsselbeinbruch wieder die Drumsticks von Bobby Rondinelli. Physisch stießen die beiden allerdings nicht direkt zu den Tonys und Geoff Nichols, so daß die Arbeiten am 1995er Album „Forbidden“ zunächst in gestutzter Besetzung stattfanden. Hierbei kollaborierte Black Sabbath mit der Rap-Metal-Band „Body Count“, Ernie-C fungierte als Produzent und Ice-T hat einen Wortbeitrag im Eröffnungstitel „The Illusion of Power“. Dieser Umstand allein genügte wohl schon, um die Sabbath-Fanbasis in Aufruhr zu versetzen: Was hatte Black Sabbath mit Rap am Hut? (Meine Standardantwort: Nichts, nämlich.) Sollte es Tony Iommis Intention gewesen sein, mithilfe dieser Zusammenarbeit den Sound der Band zu modernisieren und auf den Stand der Zeit zu bringen, um neue Fans zu gewinnen und alte bei der Stange zu halten, so ging dieser Plan gründlich schief. Fans wollen nichts revolutionär Neues, sie wollen dasselbe, bloß anders. So superrevolutionär anders ist der Sound auf „Forbidden“ zwar gar nicht, immerhin sind hier dieselben Musiker am Werke wie auf „Tyr“, aber das liebgewonnene Selbe ist es halt auch nicht.
Hier irgendwo ist also Ice-T zu hören, „The Illusion of Power“:

Is‘ aber auch egal, denn nach „Forbidden“ war die über eine Dekade dauernde Zwischenepisode der Uneinheitlichkeit für Black Sabbath sowieso vorbei. Schon seit einiger Zeit hatte Tony Iommi die Fühler ausgestreckt, um seine eigentlichen Band-Kollegen wieder zusammenzubringen, vermutlich war er im Auftrag des Herrn unterwegs. Geezer Butler war ja zwischenzeitlich schon wieder Sabbath-Mitglied gewesen, und mit Ozzy Osbourne und Bill Ward hatte es immerhin schon einen gemeinsamen Auftritt gegeben. Eine Wiedervereinigung lag quasi in der Luft.


CD-Regal restocked: Black Sabbath (Erster Nachtrag)

19. November 2017

Als Ozzy Osbourne die Band verließ bzw. gefeuert wurde, geschah dies gefühlt mitten im Album „Never Say Die!“. Denn im drittletzten Lied der Platte sang er „I’m handing my future over to you“, dann folgte ein Instrumentalstück, und das letzte Lied sang Bill Ward. Und das war’s. Und für Black Sabbath als Band hätte es das auch sein können, doch schon während sich abzeichnete, daß es mit Ozzy nicht mehr lange so weitergehen würde, hatte Tony Iommi Kontakt mit Ronald James Padavona, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Ronnie James Dio. Das war ein kleiner Mann mit großem Ego und noch größerer Stimme, der just als Sänger von Ritchie Blackmores Band „Rainbow“ ausgeschieden war. Sabbath und Dio wurden sich schnell einig, also konnte das Studio geentert werden.

Heaven and Hell

Für die anderen drei Bandmitglieder bedeutete das Engagement von Dio eine Umstellung. Denn war die Arbeitsteilung zuvor so gewesen, daß Iommi mit einer Riff-Idee begann, Geezer Butler einen Text verfaßte, Bill Ward den Rhythmus vorgab und Ozzy Osbourne eine Gesangsmelodie entwickelte, so sprühte Dio dermaßen vor kreativer Energie, daß er die Songs gleich komplett schrieb und bloß noch ein paar Riffs und Solos eingearbeitet werden mußten. Auch wird schon mit den ersten Klängen des 1980er Albums deutlich, daß der neue Sänger einen weitaus besseren Stimmumfang hatte als Ozzy. Nicht an erster Stelle steht das Titelstück, „Heaven and Hell“:

Mit den grollenden Klängen der frühen 70er Jahre ist das zwar auch nicht vergleichbar, aber im Kontrast zum vorherigen Album ist „Heaven and Hell“ rockiger und wirkt insgesamt aus einem Guß. Textlich hat Dio ein Faible für Ritter und Elfen, nicht so sehr für den Höllenfürst, und musikalisch ist der Stil nun eher dem Power-Metal zuzuordnen. Überhaupt kann man sagen, daß Ronnie James Dio Black Sabbath erst zu einer Metal-Band gemacht hat, denn zuvor war sich die Band ja weder im Klaren darüber, daß sie dieses Genre aus der Taufe gehoben hatten, noch waren sich die Mitglieder einig über ihren musikalischen Standpunkt. Darob wird Dio von vielen Fans gottgleich verehrt, und seine Zeit bei Black Sabbath vielfach höher geschätzt als die Ozzy-Jahre. Ozzy Osbourne sah dies freilich anders. Zwar hatte er von sich aus ein Solo-Projekt gestartet, aber aus der Band geworfen worden zu sein, schmerzte ihn denn doch. Auf der Bühne verspottete er darob seinen Nachfolger bei Black Sabbath, indem er einen Kleinwüchsigen ihm aufwarten ließ, was Ronnie wiederum bitter aufstieß. Er bezeichnete Ozzy als Clown, der sich melden könne, wenn er (Ozzy) so gut singen könne wie er (Ronnie). Die beiden wurden ihr Lebtag keine Freunde. Wie auch immer, bei den Fans kam Dio gut an, und das Album wurde als glückliche Wiedergeburt der zuvor doch etwas dahindümpelnden Band gefeiert.

Mob Rules

Darum folgte auch bereits im Jahr 1981 das nächste Album. Daran keinen Anteil hatte leider Drummer Bill Ward. Dieser mußte familiäre Schicksalsschläge verarbeiten, was vor allem dazu führte, daß sein Alkoholkonsum, der immer schon notorisch hoch gewesen war, nun über kritische Ausmaße hinausging. Darum quittierte er während der Heaven-and-Hell-Tour den Dienst und wurde durch den jüngeren Schlagzeuger Vinny Appice ersetzt, wie Dio ein Amerikaner. Ebenfalls während der Tour arbeitete Black Sabbath bereits an Material fürs Album „Mob Rules“, befeuert dadurch, daß sie die Anfrage erreichte, einen Song zum Trickfilm „Heavy Metal“ beizusteuern. Die Band quartierte sich im ehemaligen Haus des erst kurz zuvor ermordeten John Lennon ein und nahm rasch eine Demoversion des Songs „The Mob Rules“ auf, welche auch direkt vom Filmteam akzeptiert wurde, ohne die Reinschrift abzuwarten. Fürs Album wurde der Song natürlich noch mal ordentlich aufgenommen und klingt so:

„If you listen to fools / The mob rules.“ Diese Textzeilen allein sind schon den Preis des Albums wert, so wahr sind sie. Während der Tour zu „Mob Rules“ wurden mehrere Live-Mitschnitte aufgenommen. Drei Konzertabende zur Jahreswende 81/82 im Londoner Hammersmith Odeon, die erst 2007 als streng limitierte Sonder-Edition (5000 Exemplare) auf CD veröffentlicht wurden und seit 2010 die zweite Scheibe der Deluxe Expanded Edition von „Mob Rules“ füllen. Und Konzertmitschnitte von amerikanischen Veranstaltungsorten wurden 1982 als „Live Evil“ veröffentlicht, mithin das erste offizielle Live-Album der Band; alle zuvor auf Platte gepreßten Mitschnitte früherer Konzerttouren waren Bootlegs oder sonstwie von Black Sabbath nicht authorisierte Veröffentlichungen gewesen, namentlich das Album „Live at Last“. Und beim Abmischen des Live-Evil-Albums traten Differenzen zwischen Ronnie James Dio auf der einen und Tony Iommi nebst Geezer Butler auf der anderen Seite zu Tage, welche wohl die Lautstärke von Gesang- und Gitarrenstimmen betrafen. Letztlich wurde Dio beschuldigt, nachts heimlich Veränderungen in seinem Sinne vorgenommen zu haben. Klingt reichlich kindisch, war es auch, und man darf vermuten, daß diese Kinkerlitzchen lediglich die Kulmination von vorher schon bestehenden Spannungen darstellten, denn immerhin hatten sich hier die gut gefütterten Egos von zuvor bereits erfolgreichen Musikern verschiedener Bands getroffen. Das ging einige Jahre gut, aber eine längere Zusammenarbeit war nicht möglich. Dio verließ also Black Sabbath und nahm Vinny Appice gleich mit. Was blieb, waren zwei sehr gute Studio-Alben, welche Black Sabbath zurück ins Bewußtsein des Publikums gehievt hatten.

Kleiner blasphemischer Einwurf: Vielleicht hatte Dio die Gelegenheit, bei der Legende Black Sabbath am Mikro zu stehen, nicht zuletzt auch dafür genutzt, seinen eigenen Namen bekannter zu machen. Wer sich selbst den Künstlernamen „Dio“ (ital.: „Gott“) gibt, leidet wohl nicht an mangelndem Selbstbewußtsein, und nach seiner Trennung von Iommi und Butler nannte er seine neue Band bescheiden nach sich selbst: Dio. Über den Song „The Sign of the Southern Cross“ sagte er mal in einem Interview: „Hey, it’s Sabbath, so a cross is always fitting“, darauf anspielend, daß die Bandmitglieder gewöhnlich schwere Metallkreuze vor der Brust trugen, ihr Markenzeichen. Für mich ist das entlarvend: Er hatte also vor allem mit dem Klischee gespielt und geliefert, um eine angenommene Erwartungshaltung zu befriedigen. Darüber hinaus sprach Dio in Interviews zwar gerne darüber, daß er über alle Menschen, mit denen er je zu tun hatte, stets nur Gutes gesagt habe, nannte dann aber zwei Sätze später Ritchie Blackmore einen phantastischen Musiker aber fürchterlichen Menschen (was stimmen mag), oder lästerte über Ozzys, seiner Ansicht nach, mangelndes Gesangstalent und alberne Bühnenperformance. Also wer weiß, vielleicht lag es ja doch ein bißchen auch an Ronnie selbst, daß er bei Rainbow mit Blackmore aneinandergeriet und mit Black Sabbath keine langfristige Zusammenarbeit zustandekam. (Zum Glück hat mein Blog keine große Reichweite, sonst hätte ich mir mit dieser auf wenigen Interview-Eindrücken beruhenden Einschätzung eine Menge Feinde gemacht. Und über Tote soll man Gutes sagen, also merke ich noch an, daß Dio während seines Engagements bei Black Sabbath die mano cornuta in die Metal-Szene eingeführt hat. 🤘)

Born Again

Black Sabbath standen also erneut ohne Sänger da, aber immerhin war Bill Ward wieder fit und konnte seinen Platz am Schlagzeug wieder einnehmen. Als Vokalist wurde schließlich nach einer durchzechten Nacht im Pub der ehemalige Deep-Purple-Frontman (Mk II) Ian Gillan vorgestellt, was die traditionell spöttische englische Presse zur Bezeichnung „Deep Sabbath“ veranlaßte. (Von „Black Rainbow“ in den Dio-Jahren war meines Wissens freilich nicht die Rede gewesen. Oder vielleicht auch doch, wer weiß.) 1983 erschien jedenfalls das neue Sabbath-Album, und es wurde von Fach- und Laienpublikum mit allgemeinem Kotzen aufgenommen. Das lag zunächst am Titelbild. Und das kam so: Der Designer Steve „Krusher“ Joule erhielt von Sabbath‘ Manager Don Arden den Auftrag, Entwürfe für ein Albumcover einzureichen, was Joule in eine prekäre Situation brachte, denn er hatte auch Aufträge von Ozzy Osbourne und dessen Frau Sharon Osbourne, pikanterweise geborene Arden. Drama, Baby! Krusher wollte die Ozzys nicht als Kunden verlieren, aber auch nicht offen einen Auftrag von Black Sabbath ablehnen, also beschloß er, für Sabbath einen Entwurf einzureichen, der so offensichtlich unannehmbar war, daß er abgelehnt wurde und er, Krusher aus dem Schneider war. Also rasch ein Babyfoto aus einem medizinischen Fachmagazin ausgeschnitten, mit dem Kopierer den Kontrast erhöht, absurde Fingernägel und dämonische Reißzähne nebst Hörnern reinretouchiert, das Ganze in die dem Auge unfreundlichst mögliche Farbkombination getaucht, lieblos „Black Sabbath“ und „Born Again“ in bastardiertem Olde-English-Font draufgeklebt – wäre doch gelacht! Tja, und dann hat Tony Iommi tatsächlich gelacht, Ian Gillan gibt an, gekotzt zu haben, aber Geezer Butler hat einen ausreichend morbiden Humor, um so etwas genial-scheiße zu finden. Entwurf angenommen! Den zweiten Grund, das Album abzulehnen, stellte die mehr als rauhe Produktion dar. Der Sound war anscheinend dem Ohr annähernd so unerträglich, wie der Anblick des Covers dem Auge. Aber das konnte durch ein Remastering behoben werden. Inhaltlich gefällt mir das Album sogar ziemlich gut. So gut, daß der Höreindruck bei Youtube ausschlaggebend war, meine Sabbath-Diskographie nicht nach der Ozzy-Ära enden zu lassen, sondern – in Abänderung meines ursprünglichen Plans – doch alles anzuschaffen; was soll der Geiz!
Auf „Born Again“ ist der doomige, düstere Sound verganger Jahre zurückgekehrt, treibende Riffs dominieren, und Gillans kreischende Stimme, vor allem im Song „Disturbing The Priest“, erinnert sogar ein wenig an Ozzys Tembre. Black Sabbath waren 1968 angetreten, schaurige Musik zu machen, welche die Hörer gruseln ließ. In dieser Tradition steht auch das Album „Born Again“. Als Höreindruck wähle ich „Zero The Hero“ mit vorangestelltem Intro „The Dark“:

Mit dem Abgang der Amerikaner Dio und Appice und dem Bandeintritt von Ian Gillan war Black Sabbath wieder eine britische Band, und dieser Umstand wird mit dem atmosphärischen Instrumentalstück „Stonehenge“ gefeiert, dem ältesten Kulturzeugnis auf englischem Boden – also der Steinkreis, nicht das Lied. Da seit Pink Floyds „The Wall“ Bühnenshows plötzlich übermenschliche Großereignisse sein mußten, wollten auch Black Sabbath dahinter nicht zurückstehen und orderten also als Bühnendeko Stonehenge® in Styropor®, 15 Fuß breit pro Segment. Was kam, war Stonehenge, aber 15 Meter breit, also viel zu groß für die meisten Bühnen. Das hätte der größte Stolperstein auf der Tour sein können, aber leider erlebte Bill Ward einen Rückfall in den Alkoholismus und konnte abermals die Tour nicht beenden. Kurzfristig sprang der Schlagzeuger des Electric Light Orchestra, Beverley „Bev“ Bevan, ein, ein Junge aus Birmingham. Nach dem Ende der Tour deutete sich an, daß Deep Purple sich wiedervereinigen würden, also Ian Gillan, soviel Spaß er mit Black Sabbath auch gehabt hatte, seiner ursprünglichen Band den Vorzug geben würde. Und Geezer Butler war ebenfalls ohne Bill und sowieso ohne Ozzy nicht mehr so recht in der Stimmung. Und plötzlich stand Tony Iommi alleine da beziehungsweise konnte Black Sabbath als aufgelöst betrachten.

Hiatus heißt sowas wohl. Für das 1985er Live-Aid-Konzert fanden alle vier Gründungsmitglieder sogar noch einmal für drei Lieder („Children of the Grave“, „Iron Man“, „Paranoid“) zusammen, und die Fans drückten alle Daumen, aber zur tatsächlichen Wiedervereinigung kam es dennoch nicht. Für Tony Iommi bot dies die Gelegenheit, sich einem Soloprojekt zu widmen, wie es Freund Osbourne seit geraumer Zeit und ziemlich erfolgreich betrieb; 1983 erschien nach „Blizzard of Ozz“ und „Diary of a Madman“ bereits Ozzys drittes Solo-Album „Bark at the Moon“, 1986 in Gestalt von „The Ultimate Sin“ das vierte.

Seventh Star

Mit Eric Singer am Schlagzeug, Dave Spitz am Baß und Geoff Nichols, dessen Name hier bis jetzt nicht fiel, obwohl er bereits seit 1979 für Black Sabbath am Keyboard tätig war, hatte Tony eine kompetente Band beisammen, die er schließlich mit Glenn Hughes am Mikrophon vervollständigen konnte. Glenn hatte von 1973 bis 76 bei Deep Purple den Baß gezupft und auch gesungen, in Tony Iommis Solo-Band sollte er nur singen. Die Plattenfirma war allerdings nicht bereit, den zugkräftigen Namen „Black Sabbath“ sterben zu lassen, und drängte darauf, das Album „Seventh Star“ 1986 unter der etwas abenteuerlichen Bezeichnung „Black Sabbath featuring Tony Iommi“ zu veröffentlichen. Das Titelbild ist 80er-Jahre-typisch schlecht und zeigt einsam einen traurig zu Boden blickenden Tony Iommi in schwarzer Western-Style-Lederjacke. Die Lieder tragen natürlich Tonys Handschrift und sind um seine Gitarrenriffs herum arrangiert, allerdings ist der Stil weniger düster und grollend, als man es von einer ..äh.. echten Black-Sabbath-Platte erwartet hätte. Der Song „Heart Like A Wheel“ ist eine astreine Blues-Nummer, was in Anbetracht von Black Sabbath‘ Anfängen als Blues-Band nicht einmal fehl am Platze wirkt. Glenn Hughes singt vor allem von persönlichen Befindlichkeiten, nicht über den schlimmen Zustand der Welt, außer vielleicht auf dem Titeltrack, „Seventh Star“, hier komplett mit Intro „Sphinx (The Guardian)“:

Glenn Hughes war gar nicht glücklich damit, daß diesem Album der Black-Sabbath-Stempel aufgedrückt wurde, denn damit war klar, daß auf der Tour auch die alten Sabbath-Klassiker zum Vortrage gebracht werden mußten, und das war gar nicht sein Ding. Zu seinem Glück hatte er sich aber nach fünf Shows mit einem Tourmanager in den Haaren, es kam zu Raufhändeln, und er wurde ausgeknockt, so daß er nicht mehr singen konnte. Der Amerikaner Ray Gillen ersetzte ihn auf der Tour und bei den Aufnahmen für das folgende Album.
Der Umstand, daß aus dem Soloprojekt Tony Iommis ein offizielles Black-Sabbath-Album wurde, setzte einen Präzedenzfall. Denn plötzlich schien es nicht mehr notwendig zu sein, daß Geezer Butler und Bill Ward zurückkehrten, um ein Sabbath-Album aufzunehmen, ganz zu schweigen von Ozzy Osbourne. Es konnte auch mit Tony Iommi als einzigem Gründungsmitglied weitergehen.