CD-Regal revisited: Pink Floyd (2)

5. Oktober 2018

Mein erster Eindruck von Pink Floyds Musik war dermaßen günstig, daß ich sehr bald der CD-Abteilung von Saturn einen weiteren Besuch abstattete, um Nachschub zu besorgen. Nach wie vor war mein Wissen um die Band begrenzt, hatte ich doch zu jenem Zeitpunkt noch keinen Zugang zum Internet. Jedoch lief damals eine Fernsehserie mit Dirk Bach, „Lukas“, die ich selten schaute, weil ich generell selten fernsehe. Bin kurzsichtig. Mindestens eine Folge sah ich allerdings, und ausgerechnet da legte Dirk Bach alias Lukas das Album „Dark Side of the Moon“ auf, weil dies seinen Angaben zufolge das perfekte Kiffer-Album sei. Nun war ich zwar nie Kiffer (Ernsthaft. Nie.), aber durch diese Lukas-Episode kannte ich nun ein zweites Album von Pink Floyd, und genau das erwarb ich dann bei nächster Gelegenheit.

Dark Side of the Moon.

So steht es auf dem Rücken der CD, auf dem Titelbild fehlt jeglicher Schriftzug. Es zeigt einzig vor schwarzem Hintergrund einen Lichtstrahl, der durch ein Prisma in die Farben des Regenbogens gespalten wird. Dieses Cover ist eine Ikone der Cover-Kunst, und das Motiv begegnet einem in der ursprünglichen oder abgewandelten Form all überall in der wirklichen und virtuellen Welt, vornehmlich auf T-Shirts, getragen von Menschen, denen man nicht unbedingt angesehen hätte, daß sie auf Pink Floyd stehen. Aber so ungewöhnlich ist das gar nicht, gehört die Platte doch zu den erfolgreichsten und meistverkauften der vergangenen 50 Jahre; selbst Homer Simpson nannte ein Exemplar des Albums sein eigen. Angeblich kamen die hohen Verkaufszahlen allerdings dadurch zustande, daß audiophile Zeitgenossen dieses perfekt produzierte Werk dazu benutzten, ihre Plattenspieler zu justieren, und gegebenenfalls ein Ersatzexemplar beschafften, um stets makellosen Klang garantieren zu können. Ich hingegen legte stumpf die CD in mein schon erwähntes CD-Radio und scherte mich nicht um bestmöglichen Klang.

Es beginnt mit Herzschlag und anderen Soundeffekten und Gesprächsschnippseln, welche ins erste Lied „Breathe“ übergehen, welches in ein Instrumentalstück übergeht, welches ins nächste Lied übergeht, und das hatte ich schon mal gehört. Das hat jeder schon mal gehört! Wannimmer in einem Fernseh- oder Radiobeitrag ein Bezug zum Verlauf der Zeit hervorgehoben werden soll, erklingt entweder das Weckerklingel-Intro des Songs „Time“, oder im Hintergrund läuft der Gesangspart. Das Ende des Tracks von „Time“ ist als eigenes Lied ausgewiesen, „Breathe Reprise“, und geht schließlich über ins nächste Stück „The Great Gig in the Sky“, welches wiederum ein Instrumental ist, sofern man die ekstatische Stimme von Clare Torry als Instrument begreift.
Daß nach dem Verklingen der letzten Töne von „The Great Gig in the Sky“ früher mal die Schallplatte umgedreht werden mußte, merkt man daran, daß der Track nicht nahtlos ins nächste Lied übergeht. Und auch dieses Lied hatte ich schon mal gehört, weil jeder das schon mal gehört hat. Wannimmer in einem Fernseh- oder Radiobeitrag übers große Geld gesprochen wird und mal nicht auf ABBA zurückgegriffen werden soll, erklingt das Registrierkassen-Intro von „Money“. Selbst wenn DSOTM nicht bis heute ein Verkaufsschlager wäre, könnten die Bandmitglieder wahrscheinlich gut von den Tantiemen leben, die ihnen allein aus der Nutzung von „Money“ zufließen. Nachfolgend gehen die Songs wiederum ineinander über. Es folgen „Us and Them“, das Instrumentalstück „Any Colour You Like“, „Brain Damage“, welches sozusagen der Titeltrack des Albums ist, da er die Worte „dark side of the moon“ enthält, und es endet mit „Eclipse“, das wiederum mit Herzklopfen endet, womit das Album wieder am Beginn angelangt wäre.
Da die Single-Auskopplungen „Time“ und „Money“ eh allseits bekannt sein dürften, sei an dieser Stelle mal „Us and Them“ verlinkt. Dick Parry ist hier als Ergänzung zur Band am Saxophon zu hören:

Ob das alles ein passender Soundtrack zum Kiffen ist, vermag ich nicht zu beurteilen; ich kann das auch bei klarem Kopf schönfinden. Auch bei dieser Platte handelt es sich um ein Konzeptalbum, wenn auch vielleicht nicht so augen- oder ohrenfällig wie bei „The Wall“. Beschrieben wird das Leben eines Menschen, der durch verschiedene Aspekte der modernen Welt in Mitleidenschaft gezogen wird, bis es eben zum „Brain Damage“ kommt. Der Herzschlag, der an Beginn und Ende zu hören ist und sich symbolisch durch das ganze Album zieht, wird in der aufklappbaren Plattenhülle durch den grünen Streifen des Regenbogens als Oszillogramm dargestellt:

1973 ist der Titel der Scheibe übrigens noch „The Dark Side of the Moon“ (Hervorhebung von mir), und das Prisma ist nicht massiv ausgefüllt:

Außerdem lagen der Schallplatte zwei Poster bei, deren eines die Pyramiden von Gizeh in blauer Nacht zeigt, was ich oben als Lego-Illustration nachzuempfinden versuchte. (Bei der Gelegenheit merkte ich, daß mein Vorrat an blauen 2×4-Steinen begrenzt ist und die vorhandenen zum Teil starke Vergilbung aufweisen, aber das nur am Rande.) Nach Anhören dieses Albums war mir jedenfalls umgehend klar, daß das nicht mein letztes Album von Pink Floyd gewesen sein konnte.

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CD-Regal revisited: Pink Floyd.

30. September 2018

Ich habe ja nie einen Hehl daraus gemacht, daß ich nicht nur Pink-Floyd-Fan bin, sondern mich sogar so bezeichnen würde, was nicht für alles gilt, wofür ich sympathisches Interesse hege. Aber wie konnte es dazu kommen? In meinem Elternhause jedenfalls lernte ich nicht, ein Ohr zu entwickeln für moderne Spielarten der Tonkunst; da war bei Tschaikowski Schluß, was den Inhalt des Plattenschranks angeht, und es begann bei Schütz, Händel, Bach. Trotzdem schwang „Pink Floyd“ natürlich irgendwie im kulturellen Hintergrundrauschen mit, ohne daß ich dem Begriff konkret Musik hätte zuordnen können. Ein visueller Eindruck zumindest stellte sich spätestens 1994 ein, als in der „ADAC-Motorwelt“ das Golf-Sondermodell „Pink Floyd“ beworben wurde nebst Hinweisen darauf, daß Volkswagen in Deutschland die Konzerte jener Band präsentierte. Oder so.

An meinem letzten Schultag vor den Abiturprüfungen schließlich, mit Abistreich und Musikbeschallung in verdunkelter Pausenhalle, legte der DJ neben dem unvermeidlichen „School’s Out“ von Alice Cooper auch ein Lied auf, welches ich schon zuvor mal gehört hatte, und welches die Zeilen enthielt „We don’t need no education / We don’t need no thought control“, und ich frug einfach mal, wer das sänge? Aha, Pink Floyd. Weiter konnte ich mich nicht damit beschäftigen, denn ich mußte die letzte Gelegenheit nutzen, doch endlich mal zu schwänzen. Ich entfernte mich also von der Schule, um durch die Fahrprüfung zu fallen. Was ich dann auch tat.

Nach dem Abi spülte mir der Zivildienst nie zuvor gekannte Geldsummen aufs Konto, satte 13 D-Mark am Tag! Ausgerüstet mit derartigem Reichtum konnte ich ohne Reue bei Saturn nach CDs stöbern, wo mir eines Tages tatsächlich ein Album als Nice-Price-Angebot in die Hände fiel:

The Wall

Ein Doppelalbum für 15 D-Mark, doch gab es keine Titelliste auf der Rückseite. Aber wenn das einzige mir bekannte Pink-Floyd-Lied „Another Brick in the Wall“ nicht auf dem Album „The Wall“ vertreten war, wo dann? Ich ging also das Risiko ein und nahm die CD mit. Kaufenderdings; nicht daß hier noch der Eindruck entsteht, ich würde der Liste meiner Schandtaten neben Schuleschwänzen nun etwa auch noch Ladendiebstahl hinzufügen, nee, nee.

Unbeleckt von jeglichem Vorwissen legte ich daheim Disc 1 in mein CD-Radio, um mir mit schlechtem Klang ein vermutlich bis ins Kleinste ausgetüfteltes High-Fi-Sound-Erlebnis zu geben, aber ich wußte es ja nicht besser und konnte auch nicht anders. Die Musik jedenfalls überzeugte mich fast unmittelbar. Die Mischung aus schönen Harmonien und Brachialität bot mir just die Interessanz, für die ich empfänglich war, und das bereits, ohne daß ich mich näher mit den Texten und dem alles umfassenden Konzept auseinandergesetzt hätte. Daß es sich um ein Konzeptalbum handelt, bekam ich indes schnell spitz. Auf das ouvertürenhafte „In The Flesh?“, welches das Publikum auf die zu erwartende Show vorbereitet, folgt auf der ersten Scheibe über alle Lieder verteilt der Abriß des Werdegangs eines jungen Mannes, unter besonderer Berücksichtigung aller Faktoren, die zu seinen späteren Psychosen führen: Die dominante Mutter, der Verlust des Vaters im Krieg, die eigenen Erlebnisse im Bombenhagel, die seelenlosen, grausamen Lehrer in der Erziehungsanstalt, die verkorkste Pubertät und die treulose Freundin, sowie allgemein die betonierte Gesellschaft. All dies sind Ziegel in der Mauer, mit der sich Pink – so wird der Protagonist im Lied „In the Flesh“ bezeichnet, was somit das Album als irgendwie autobiographisch ausweist – umgeben fühlt, und welche mit jeder Begebenheit weiter in die Höhe wächst, bis er emotional komplett abgeschottet ist. Als Höreindruck soll nun nicht „Another Brick In The Wall“ dienen, welches als wiederkehrendes Motiv auf der ersten Disc in drei Teile aufgesplittet ist, sondern „Young Lust“:

(„The Wall“ erschien 1979, drei Jahre zuvor hatten bereits Black Sabbath „Dirty Women“ besungen, aber das tut hier nichts zur Sache.)
Die zweite Scheibe stellt zunächst Pinks Seelenzustand in der Isolation dar. Er fühlt sich einsam und der Welt nicht weiter zugehörig, betäubt sich mit Fernsehen und Drogen, was er freilich abstreitet, und entwickelt als Folge der rigiden Erziehung, die, da er hinter seiner Mauer sitzt, nun nicht mehr durch äußere Eindrücke korrigiert werden kann, ein faschistisches Weltbild, fühlt sich gehetzt und wartet eigentlich bloß noch auf den Tod. Schließlich imaginiert er nach einem Zwischenfazit, welches die Publikumsansprache der Ouvertüre wieder aufgreift, eine Art jüngstes Gericht, freilich nicht unter dem Vorsitz Gottes, sondern von Richter Wurm, da Leichen nun mal von Würmern zerfressen werden, mit der Anklage, Gefühle von beinahe menschlicher Natur zu haben. Das Urteil lautet: Öffentliche Zurschaustellung, also weg mit der Mauer!
Als Anspieltipps böte sich hier so manches an, das längste Stück der Platte, „Comfortably Numb“, das getriebene „Run Like Hell“ oder auch das operettenartige „The Trial“, aber mir hat es „Hey You“ angetan:

Was ich damals, 1996 oder 1997, alles noch gar nicht wußte:
„The Wall“ ist in der Tat irgendwie autobiographisch, insofern Roger Waters, der Bassist und Hauptsongschreiber jener Tage, hier die Traumata seiner eigene Kindheit aufarbeitet. Auf der vorausgegangenen Tour hatte er an sich selbst Verhaltensweisen bemerkt, die ihm ganz und gar nicht behagten, was ihm die Idee zu diesem Konzeptalbum gab. Die anderen Bandmitglieder waren am kreativen Prozeß nur marginal beteiligt, einzig David Gilmour konnte mit „Comfortably Numb“ ein wahres Highlight aufs Album schmuggeln. Pianist Richard Wright wurde sogar nach Abschluß der Studioaufnahmen aus der Band gefeuert, da er sich mit Roger Waters so gar nicht mehr verstand, ironischerweise jedoch für die folgenden Live-Darbietungen als bezahlter Bühnenmusiker wieder engagiert.

Diese Bühnen-Show war das Aufwendigste (mit e!), was seit barocken Opernaufführungen vor Publikum zelebriert wurde. Quer über die Bühne wurde während der Show eine Mauer aus Pappquadern gebaut, auf diese Mauer wurden von Gerald Scarfe animierte Szenen projiziert, davor wackelten überlebensgroße Marionetten über die Bühne, eine Pseudo-Band in Masken der originalen Pink-Floyd-Mitglieder spielte vor der Mauer, während die Band selbst dahinter weitgehend im Verborgenen blieb. Am Ende fiel die Mauer mit lautem Getöse in sich zusammen. Das alles war so teuer, platzfordernd und eben aufwendig, daß „The Wall“ 1980 und 1981 nur an vier Orten weltweit überhaupt aufgeführt wurde, namentlich Los Angeles, wo die Premiere stattfand, New York, selbstverständlich London und – – – Dortmund. Damals galt die Westfalenhalle noch als erste Adresse für derlei Veranstaltungen.

Irgendwann später (im Jahr 2000) erwarb ich dieses opulente Live-Doppelalbum, wiewohl ich früher überhaupt kein Freund von Live-Versionen irgendwelcher Lieder war. Aber seit ich erfahren hatte, daß ausgerechnet Dortmund Schauplatz der exklusiven The-Wall-Show war, drängte es mich, ein Dokument dessen zu besitzen. Das Live-Album wurde freilich in London aufgenommen. Vergebens war die Anschaffung dennoch nicht, denn die Longbox enthält ein Buch, das den Produktionsprozeß der Show dokumentiert. Passend zur den Rahmen sprengenden Bühnen-Show ist auch diese Verpackung so voluminös, daß sie nicht vernünftig in mein CD-Regal paßt. Nun ja.

Roger Waters hatte „The Wall“ nicht bloß als Konzeptalbum entworfen, sondern die visuelle Präsentation von vornherein mitgeplant. Innerhalb des Albums selbst wird die „Show“ mehrfach erwähnt (Der Song „The Show Must Go On“ ist freilich weniger im Bewußtsein der Öffentlichkeit, als es Queens Lied unter demselben Titel sein mag.), und auch die Pseudo-Band vor der Bühnen-Mauer findet Erwähnung. Die Aufmachung der Album-Hülle (außen schlicht und innen farbenprächtig) wurde ebenso von Gerald Scarfe entworfen wie die Animationen, die während der Show über die Mauer flackerten, und die animierten Passagen im surrealistischen Film von 1982. Die Hauptrolle des Pink spielt dort Bob Geldof, und die Handlung wird nahezu ausschließlich anhand der Musik des Albums erzählt. Der Song „When The Tigers Broke Free“, der nicht mehr auf die Schallplatte gepaßt hatte, konnte im Film verwendet werden.
Na gut, also doch „Another Brick In The Wall part 2“:

Auch diesen Film kaufte ich erst sehr viel später, und die DVD-Hülle ist so schmal, daß sie in der Tat quer über die CDs ins Regal paßt.

Den Titel Mutter aller Konzeptalben dürfte „The Wall“ trotz der epochalen Begleitumstände nicht für sich beanspruchen, denn da ist „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ vor. Das war mir natürlich schnurz, mir gefiel’s, sehr sogar. Als erste Begegnung mit der Musik von Pink Floyd hätte es freilich fatal sein können, denn der zum Teil bombastische Sound von „The Wall“ ist keineswegs charakteristisch für das frühere Œuvre der Band. Des wurde ich sehr bald gewahr, denn dieses Album machte mir umgehend Appetit auf mehr, so daß mein Kauf eines zweiten Pink-Floyd-Albums nicht lange auf sich warten ließ.


Meteorologischer Jahreszeitenbeginn.

30. August 2018

Okay, ich kann nicht an mich halten. Wie jedes Jahr, und wie jedes Jahr ungefähr viermal, wird wieder dieserlei verkündet:

2018 war laut DWD der zweitheißeste Sommer – und der endet dieses Wochenende mit kühlen Temperaturen. Doch dafür beginnt der Herbst zumindest im Nordwesten warm.

„Spiegel Online“, 30. August 2018, von mir gelesen um 16:57h.

Warum kann ich nicht an mich halten? Weil’s Blödsinn ist, und weil dieser Blödsinn unkritisch aber mit wichtiger Kennermine über alle Morgenmagazine und Boulevard-Gazetten verbreitet wird, als handele es sich um ein knallhartes Faktum. Handelt es sich aber nicht. Am 31sten August endet nicht der Sommer, und es beginnt nicht der Herbst am 1sten September. Die Jahreszeiten stimmen nicht randscharf mit den Monatsgrenzen überein, was für die Zunft der publizierenden Meteorologen das marginale Problem aufwarf, daß sie, Meteorologen, nicht präzise von drei Frühlings-, drei Sommer-, drei Herbst- und drei Wintermonaten sprechen konnten, weil die End- und Anfangspunkte jeder Jahreszeit dummerweise mitten im jeweiligen Monat liegen. Es gibt also jeweils zwei reine Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Wintermonate, und vier Monate, die durch zwei Jahreszeiten geprägt sind. Das war den Wetterfröschen zu kompliziert, weshalb sie einfach behaupteten, die meteorologischen Jahreszeitengrenzen lägen just exakt auf den Monatsgrenzen. Pfiffig, aber halt falsch und ohne Bewandtnis.

Warum falsch? Weil die Jahreszeiten durch den Umlauf der schiefstehenden Erde um die Sonne definiert werden und ihre Begrenzung an den Sonnenwendpunkten bzw. Äquinoktien haben. Der Winter beginnt ungefähr am 21sten Dezember (die genauen Daten können sich minimal verschieben), der längsten Nacht und dem kürzesten Tag. Im Winter sind die Tage kürzer als die Nächte, die Tage werden aber länger. Der Frühling beginnt an der Tag-und-Nacht-Gleiche, ungefähr am 21sten März (minimale Verschiebung auch hier natürlich möglich), die Tage werden weiterhin länger und sind länger als die Nächte. Ungefähr am 21sten Juni (s.o.) ist der längste Tag des Jahres, gleichzeitig die kürzeste Nacht, und es beginnt mit der Sommersonnenwende der Sommer. Im Sommer sind die Tage länger als die Nächte, die Tage werden aber kürzer. Und ungefähr am 23sten September (s.o.) kommt es zur zweiten Tag-und-Nacht-Gleiche, ab sofort sind die Tage kürzer als die Nächte, und sie werden auch immer noch kürzer bis zur Wintersonnenwende am 21sten Dezember. Das sind die astronomischen Jahreszeiten.

Also, warum nochmal ist das Geschwafel vom meteorologischen Jahreszeitenbeginn Blödsinn? Weil das Wetter nicht das definierende Kriterium für die Jahreszeit ist. Natürlich werden mit den Jahreszeiten gewisse Wetterlagen assoziert. Im Winter erwarten wir Kälte und Schnee, im Frühling laue Luft und blaue Bänder, im Sommer Hitze und Sonne, und im Herbst Sturm und Regen. Aber erstens sind das allenfalls sekundäre Jahreszeitenmerkmale, während die primären Merkmale eben durch den Stand der Sonne gekennzeichnet sind. Und zweitens hält sich das Wetter sowieso nicht an die Absprachen. Wie oft hat man im Februar Tage mit frühlingshaften Temperaturen, so daß die Eisdielen die Stühle rausstellen, und wie oft hatte man schon im August das Bedürfnis, die Wohnung zu beheizen, weil das Wetter so gar nicht sommerlich-warm sein wollte! Würden wir also das Wetter zur Definition der Jahreszeit heranziehen, so läge der meteorologische, das heißt: der auf das Wetter bezogene Frühlingsbeginn, an dem ersten Tag im Jahr, an dem das Wetter frühlingshaft ist. Und warum sollte das ausgerechnet der 1ste März sein, wie von den Meteorologen propagiert? Die nominelle Exaktheit des „meteorologischen“ Jahreszeitenbeginns steht in eklatantem Gegensatz zur Wandelbarkeit und Unschärfe des Wetters. (Und der Wettervorhersagen. Das nur am Rande.)

Exakt hingegen, eindeutig und vorausberechenbar ist die Himmelsmechanik. Die Bibel hat nicht gelogen, als sie in Genesis 1, Vers 14 sagte:

Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, daß sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so.

Wenn die alten Orientalen eines konnten, dann die Sterne und ihre Regelmäßigkeiten beurteilen. Daß Gott gemäß Bibel Sonne, Mond und Sterne erst am vierten Schöpfungstag ans Firmament nagelte, während das Licht bereits am ersten Tag in die Welt kam – geschenkt; das soll hier nicht das Thema sein. Denn es hat sich bis heute nichts daran geändert, daß die Zeiteinteilung auf der Erde durch die Beobachtung der Gestirne möglich ist. Darum ist es eine Frechheit, daß der kalendarische, also der astronomische, Sommer-/Frühlings-/Herbst-/Winter-Beginn eher verschämte Erwähnung findet, als handele es sich bei diesem lediglich um einen schnöden Verwaltungsakt, eine Formalität, während der meteorologische Jahreszeitenbeginn doch so handfest und wissenschaftlich sei, mit spürbaren Auswirkungen auf uns alle, denn wer wäre nicht vom Wetter betroffen? Blödsinn und abermals Blödsinn! Die astronomischen Jahreszeiten sind wissenschaftlich exakt, und alles andere ist unwissenschaftliche Schwammigkeit.


Stein auf Stein.

28. August 2018

Kürzlich habe ich endlich alle Nexo-Knights-Sets auseinandergebaut, die hier aufgebaut herumstanden. Leider ist das gleichbedeutend mit: Alle Nexo-Knights-Sets. Du weißt, daß mit Legos Ritter-Thema was schiefgelaufen ist, wenn nach dem Auseinandernehmen mehr Space-Räder, noppenlose Technic-Balken und orangetransparente 1×1-Rundplättchen übrigbleiben als graue Steine und Bögen. (Ja, ich wiederhole mich, aber es gibt dutzende Indizien für die generelle Blödheit der Nexo-Knights-Serie.)

Davon abgesehen ist mir aber im Zuge dessen etwas anderes wieder bewußt geworden: Lego (in Person des jeweils diensthabenden Set-Designers) legt immer weniger Wert auf stabile Verbundbauweise. Zwar sind die Modelle am Ende durchaus noch stabil, von Ausnahmen abgesehen, aber entweder durch exzessiven Gebrauch von Technic-Lochbalken und schwarzen Pins, oder durch eine einzelne verbindende Schicht über einem größeren Baukomplex, der in sich instabil gebaut ist. Wieso ist das so? Lego selbst hat doch erst 1970 *hust* in seinem „Lego® Magazin“ darauf hingewiesen, wie man stabile Mauern baut.

Das Magazin ist eine Mischung aus Bauspielbuch und Katalog, und nach der Vorstellung der sehr unpuristisch gebastelten Figuren „Herr und Frau Knopf“, die als Zeichnung durch das Magazin führen, werden die Grundlagen erklärt:

Es ist ganz einfach, wenn Du „richtig“ baust. Du mußt Deine Steine so setzen, wie es auch die Maurer auf einer großen Baustelle tun. Ein Stein wird so gelegt, daß er zwei andere verbindet. In der Bausprache heißt das: „im Verbund bauen“. Dadurch wird Deine Konstruktion stabiler. Auf den Bildern hier unten siehst Du, was wir meinen.

Lego wußte also mal, wie es geht, und jedes Kind wußte es ebenfalls, zumindest, wenn es dieses Magazin durchgeblättert hatte. Das haben die aktuellen Set-Entwickler ganz offensichtlich nicht getan, denn allzu oft werden einfach stumpf 1×4-Steine übereinandergesteckt, oft angeordnet neben 5-hohen Säulen und eventuell einer Konstruktion aus SNOT-Konvertern*, an welche dann eine andere Baugruppe seitlich angeflanscht wird. Davon blieben nach der Abbausession auch ganz viele übrig. Und genau da liegt möglicherweise der Hase im Pfeffer. Lebendig natürlich, denn für diesen Blog-Eintrag wurden keine Tiere gequält! Jedenfalls werden Mauerstrukturen nicht mehr grundsätzlich in Stein-auf-Stein-Bauweise ausgeführt; das hat Lego sozusagen gar nicht mehr nötig. Denn der Teilekatalog umfaßt dieser Tage dermaßen viele verschiedene Teile, daß es offenbar ein Sakrileg wäre, sich dieser Teile und der damit einhergehenden Bautechniken nicht zu bedienen.

*) Studs Not On Top, also irgendwie seit- oder unterwärts.

Nun spricht natürlich nichts dagegen, an Stellen, wo die Bausituation es erfordert, eine gewiefte SNOT-Konstruktion zur Anwendung zu bringen, um die gewünschte Form des Bauwerks herzustellen. Ich selbst rühme mich des Einsatzes solcher Bautechniken. Ein Beispiel zum Beispiel. Beim Bau der Veste Falckenstein kam ich nicht umhin, ein Eckpaneel durch eine hochkant eingebaute Dachschräge zu ersetzen, weil der Vorsprung der daneben angeordneten Zinne hineinragte (Bilder = Links):

Wenn man vor einem derartigen Bauproblem steht und einem solch eine Lösung einfällt, dann freut man sich. Vor allem aber ist die SNOT-Bauweise kein Selbstzweck, sondern dient lediglich dem in sich konsistenten Erscheinungsbild. Dahingegen habe ich bei vielen SNOT-Konstruktionen in aktuellen Sets den Eindruck, daß die angewendete Technik keinem höheren Zweck dient als dem, die Versiertheit des Konstrukteurs unter Beweis zu stellen. Vielleicht soll es auch den Bauprozeß interessanter machen, aber das wäre ja sowieso subjektiv. Vielfach sind solche SNOT-Kontruktionen nicht nur nicht notwendig, sondern es gebricht ihnen auch an einem ästhetischen Mehrwert, insofern sie eine eigentlich logische, klare Struktur unnötigerweise unruhig machen. Da es notwendig ist, für das geSNOTete Teilstück eine entsprechend glatt umrandete Lücke zu lassen, kommt also im Verein mit den oft daneben angeordneten unflexiblen Großteilen das Stabilitätsproblem noch hinzu.

À propos Großteile. Früher, als nicht alles besser war, aber manches halt doch, waren selbst die oft geschmähten Wandformteile noch so gebaut, daß sie Verbundbauweise ermöglichten.


Neben den Einbuchtungen an den vier Ecken, über die das das alte Burgwand-Paneel mit der Umgebung verzahnt werden konnte, verfügte es zusätzlich über einen Steg in der dritten Dimension und somit weitere Einbaumöglichkeiten. Freilich war das Teil ein POOP, also ein „piece out of pieces“, welches auch aus herkömmlichen Teilen gebaut werden konnte, weshalb es insgesamt die etwas problematische 5er-Breite hatte, weil so die Schießscharte durch einen 1×3-Bogen dargestellt werden konnte. Das Paneel in der Mitte ist kein POOP, denn das 1-breite Fenster ist mittig in 4er Breite angeordnet, was sich so nicht mit kleineren Teilen darstellen läßt. Dafür fehlt dem Formteil unten die Verzahnungsmöglichkeit. Durch die geringere Höhe kann es allerdings oben sicher überbaut werden. Das rosa Fensterpaneel ist nicht auf Verzahnung ausgelegt.


Bei den Eckpaneelen ergibt sich ein ähnliches Bild – Verzahnung ist allenfalls oben möglich. Zugegebenermaßen verursachen die Einbuchtungen am alten Paneel (im Bild grau) eine etwas unelegante Form, während die neue Form sehr viel schlanker wirkt. Aber eben auch unverbundener.

Der Umstand, daß neue Teilformen wenig Wert auf Verbundbauweise legen, deutet darauf hin, daß es sich im Einzelfall nicht um individuelle Bauentscheidungen des zuständigen Set-Entwicklers handelt, sondern auch eine systemimmanente Unternehmenskultur dahintersteckt. Verbundbauweise erfordert nämlich gegebenenfalls ungeradzahlige Steinlängen, um zum Beispiel Übergänge an Ecken zu bewerkstelligen. Verzichtet man auf Verbund, kann man eventuell Steineformen weglassen, die ansonsten im entsprechenden Set nicht benötigt werden. Aus demselben Grund wurde das normale 1×1-Plättchen gewissermaßen in Sets zur Seltenheit; denn alle Stellen, an denen ein 1×1 großes Plättchen benötigt wird, werden durch die eine sowieso im Set enthaltene 1×1 große Platte ausgefüllt, ungeachtet deren Form, Farbe und Opazität oder Transparenz.
Auf diese Weise wird der Sortier- und Verpackungsprozeß verschlankt, da bei der Zusammenstellung des Sets weniger verschiedene Kisten mit sortenreinen Teilen aus dem Hochregal geholt werden müssen, ergo ergibt sich eine Kostenersparnis. Am Ende geht es immer um Kostenreduzierung. Das ist gut für Lego, die Firma, aber nicht unbedingt gut für Lego, das Bausystem. Denn durch die Einsparung von Teilen, die bei Verbundbauweise benötigt würden, ergeben sich eben objektive Qualitätsmängel, von der eventuell beeinträchtigten optischen Erscheinung ganz abgesehen. Darüber können auch die vielen tollen Bautechniken nicht hinwegtäuschen, besonders, wenn sie bloße Augenwischerei ohne funktionalen Mehrwert sind. Das mag der gegenwärtigen Kernkundschaft gleichgültig sein, da sie es nicht anders kennt. Ich als Veteran hingegen, der seit mindestens 1980 mit Lego aufgewachsen ist, habe den Vergleich. Dieser Vergleich mag durch den nostalgischen Blickwinkel beeinträchtigt sein, jedoch nicht ausschließlich, wie ich oben darzulegen versuchte. Und er fällt häufig – nicht immer! – zu Ungunsten der aktuellen Sets aus. Ich kann’s ja auch nicht ändern!


Leserfragen: welcher bassist war laut james hetfield der „godfather of heavy metal“ und verstarb 2015 ?

14. Juli 2018

Mit dieser Frage landete irgendwer auf meinem Blog, vermutlich bei einer der Black-Sabbath-Retrospektiven, denn auch Ozzy Osbourne gilt ja als Godfather of Heavy Metal. Die gestellte Frage kann jedoch kurz und knapp mit „Lemmy Kilmister“ beantwortet werden, dem Bassisten und Sänger von Motörhead. Metallica widmeten Lemmy den Song Murder One vom Album „Hardwired… to Self-Destruct“.

Ich wundere mich freilich etwas über die präzise Fragestellung. Das klingt ja wie eine Quizfrage. Leider hatte ich diese Frage zuvor auf diesen Seiten nicht abgehandelt, geschweige denn beantwortet, also bin ich wohl durchgefallen.


Sinnlose Fußballphrasen: „Auswärtstrikots“

2. Juli 2018

Bei Mannschaftssportarten wie zum Beispiel Fußball ist es nützlich, wenn sich die Spieler der gegeneinander spielenden Teams anhand der Farbe ihrer Spielkleidung voneinander unterscheiden. Zusätzlich müssen sich auch die Torhüter farblich von ihren Mitspielern absetzen, da sie als herausgehobene Spieler ihrer Mannschaften den Ball im Strafraum mit der Hand berühren dürfen, was auch im Getümmel für den Schiedsrichter und seine Assistenten, die wiederum in andere Farben gewandet sein müssen als alle anderen Menschen auf dem Spielfeld, klar erkennbar sein muß.

Mein Heimatverein, Borussia Dortmund, hat bezüglich der Trikotfarben gemeinhin keine Konkurrenz; schwarz-gelb ist eine eher seltene Farbkombination, und innerhalb meiner Lebenszeit kam es nur zu Beginn der 1990er Jahre mit Dynamo Dresden und zu Beginn der 2000er Jahre mit Alemannia Aachen in der Bundesliga zu der Situation, daß der BVB bei den entsprechenden Auswärtsspielen auf Ausweichtrikots zurückgreifen mußte. Denn die Heimmannschaft hat natürlich auch das Recht der Trikotwahl, trägt also im Allgemeinen ihre traditionellen Farben. Die Farben vieler Vereine beinhalten allerdings blau, weiß und rot, so daß solche Vereine häufiger im Ausweichdress spielen müssen. Aus meiner Jugend ist mir erinnerlich, daß der FC Bayern beispielsweise in goldenen Trikots und grünen Hosen auflief, Eintracht Frankfurt spielte „brasilianisch“ in schlafanzugblauen Höschen… Höschen … Hös-chen* und gelben Trikots. Dies waren seltene, geradezu singuläre Ereignisse, denn normalerweise behalfen sich die Mannschaften damit, ihre Stammfarben schlicht zu invertieren; also statt roter Trikots und weißer Hosen trugen sie dann weiße Trikots und rote Hosen. Aber dies geschah halt nur, wenn es aufgrund der Farbkombination der Heimmannschaft notwendig wurde, auf andere Trikots auszuweichen.

*) Gäbe es in der Antiquaschrift noch die Unterscheidung zwischen Rund-s und Lang-s (ſ), wäre anhand der korrekt gesetzten Graphe erkenntlich, ob der S-Laut zur vorangehenden Silbe (Rund-s) oder der neuen Silbe (Schaft-ſ) gehört.

Naturgemäß mußte grundsätzlich nur die Gastmannschaft, die zu ihrem Auswärtsspiel angereist kam, im Ausweichdress spielen, weshalb auch der Begriff „Auswärtstrikot“ benutzt wurde. Und irgendwann muß wohl ein findiger Mensch der Sportbekleidungsindustrie eine imaginäre Glühbirne überm Kopf gehabt haben: „Auswärtstrikots! Das wär’s doch! Zusätzliches Verkaufspotential!“ Und fortan wurden neben den sowieso jede Saison neudesignten Heimtrikots auch ebensolche Auswärtstrikots als Fanartikel produziert und verkauft. Und um die Notwendigkeit dieser Übung zu plausibilisieren, begannen Mannschaften, grundsätzlich bei ihren Auswärtsspielen die „Auswärtstrikots“ zu tragen, selbst wenn es gar nicht nötig gewesen wäre, auszuweichen. Dadurch hat sich schon die absurde Situation ergeben, daß die Heimmannschaft gezwungen wurde, ihrerseits im Ausweichdress zu spielen, weil die Gastmannschaft unnötigerweise die Auswärtstrikots trug und so erst den Farbkonflikt hervorrief, dem der Schiedsrichter dann einen Riegel vorschob. Denn nicht immer sind es nur ähnliche Farben, die zum Ausweichen zwingen, sondern eventuell auch Helligkeitskontraste oder die Kombination von Trikot, Hose und Stutzen, welche die Unterscheidbarkeit der Spieler beider Mannschaften beeinflussen.

Ganz hanebüchen wird es freilich, wenn bei Weltmeister- oder Europameisterschaftsturnieren von „Auswärtstrikots“ gesprochen wird. Denn diese Turniere finden ja in einem Gastgeberland statt, so daß eigentlich alle Mannschaften außer dem Gastgeber nur Auswärtsspiele haben. Zwar ist es notwendig, bei jedem Spiel eine der Mannschaften als erste und die andere als zweite zu nennen, weil die syntaktische Natur der Sprache und der logischen Darstellung dies unausweichlich macht. Bisweilen ergibt sich die Reihenfolge auch durch die rein zeitliche Abfolge, in der Achtel-, Viertel-, Halb- oder das Finale erreicht wurden; oder den Gruppensiegern stehen im Achtelfinale Gruppenzweite gegenüber, welche dann die zweitgenannte Mannschaft sind. Der erstgenannten Mannschaft wird gemeinhin das Recht zugesprochen, in ihren Stammtrikots aufzulaufen, so daß die zweitgenannte Mannschaft die Ersatztrikots tragen muß, sofern sich ein Farbkonflikt ergibt. Aber (Oben steht ja „zwar“, also muß ein „aber“ folgen.) auch die gastgebende Heimmannschaft kann im Rahmen des Turnierverlaufs natürlich ein „Auswärtsspiel“ mit entsprechendem Trikotausweichzwang haben. Und im gestrigen Achtelfinale zwischen Kroatien und Dänemark ergab sich sogar dieses Bild:


(© 2018 ZDF)

Die dänische Mannschaft ist als Gruppenzweiter ins Achtelfinale eingezogen und in der Partie die zweitgenannte Mannschaft. Die Spieler tragen statt der üblichen roten Trikots mit weißen Hosen die Ausweichkluft mit invertierten Farben. Die Kroaten hingegen hätten als erstgenannte Mannschaft das virtuelle Heimrecht mit der Wahl der Trikotfarbe gehabt. Hatten sie aber nichts von, weil ihre etatmäßigen rotweißen Schachbretttrikots als farblich uneindeutig eingestuft wurden beim Spiel gegen eine Mannschaft, die auch in rot und weiß aufläuft, weshalb das kroatische Team ebenfalls in ihren, wie der Fernsehkommentator es nannte, „Auswärtstrikots“ spielen mußte, im Bild die dunklen Gestalten.

Also. Treffen zwei Mannschaften aufeinander, deren Trikotfarben sich so sehr ähneln, daß es für den Schiedsrichter und die Zuschauer schwierig oder unmöglich wäre, die Spieler beider Mannschaften auseinanderzuhalten, muß mindestens eine der Mannschaften auf andere Farben ausweichen. In der Regel ist dies die Gast- also Auswärtsmannschaft. Es besteht jedoch weder ein Zwang noch überhaupt immer die Notwendigkeit, als Gastmannschaft grundsätzlich in Auswärtstrikots aufzulaufen. Überdies können andere Faktoren als nur der Heim- oder Auswärtsstatus die Notwendigkeit eines Trikotwechsels bewirken. Insofern ist der Begriff „Auswärtstrikot“ irreführend, da er fälschlicherweise suggeriert, daß in Auswärtsspielen grundsätzlich Auswärtstrikots getragen werden müßten, und zwar auch nur in Auswärtsspielen. Vielmehr sollte von „Ausweichtrikots“ gesprochen werden.