Menschheitserfolg!

1. Juli 2020


Breitmaulnashorn (Abbildung ähnlich)

Der „Spiegel“ vermeldet in seiner Internet-Ausgabe: „Das Nördliche Breitmaulnashorn ist vom Aussterben bedroht, weltweit gibt es nur noch zwei – beide unfruchtbar.“ Da wird die Bedrohung ja fast schon konkret. Und alle Großwildjäger so, zärtlich das erbeutete Horn in auf Stimulierung positiv ansprechende Körperöffnungen einführend: „Puh, was’n Glück, daß ich meine Trophäe noch schießen konnte, ehe die armen Viecher vom Antlitz unseres einzigartigen und des Schutzes so sehr bedürfenden Planeten verschwinden!“

Soviel zum Nashorn. Tiger gibt’s ja auch noch. Also noch halt. Der Wikipedia-Artikel zum Tiger berichtet:

Der Handel mit Tigerprodukten, die vor allem in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung finden, ist ein Grund für die illegale Jagd. Vor allem die Knochen, die zu Pulver zermahlen werden, finden dabei Verwendung. Seit dem Zusammenbruch der chinesischen Tigerbestände in den 1950er bis 1970er Jahren konnte der Markt nicht mehr mit einheimischen Tigern beliefert werden, wodurch auch die anderen Unterarten unter Druck gerieten.

Somit ist es angebracht, noch einen Nachklapp zum Thema „Aberglauben“ zu liefern, siehe unten. Kritiker der Schulmedizin und Freunde der Naturheilkunde schwärmen ja nicht selten auch von der traditionellen chinesischen Medizin. Weil da ja uraltes Wissen tradiert werde, und weil sie so sanft sei. Sanft zum Tiger freilich nicht. Und war es jemals Wissen, aus allen möglichen Tierbestandteilen irgendwelche angeblich heilsamen Pulver, Salben und Tinkturen zu gewinnen? Ist es nicht zum Beispiel auch etwas plump, jedem länglich geformten Gegenstand, nicht zuletzt Nashornhörnern, eine potenzsteigernde Wirkung zuzuschreiben? Und warum überhaupt sollte diese Wirkung zustandekommen, wenn man Penisse von Tieren ißt? Diese bestehen ja auch bloß aus denselben Eiweißen wie der Rest des Tieres und werden im menschlichen Körper zersetzt und verdaut wie anderes Fleisch auch. Schlecht, nämlich. Magisches Wissen vermag ich da auf Seiten der traditionellen Heiler nicht zu erkennen, und besonders weise ist es auch nicht, die Bestände bedrohter Tiere weiter und weiter zu verkleinern. Und wer dergleichen zur Naturheilkunde zählt, dem geht die Natur offenbar am Arsch vorbei.
Naturheilkunde ist übrigens Heilkunde. Da wird die beobachtete Wirkung von Pflanzen eingesetzt, um einen Heilerfolg zu erzielen. Die alten Kräuterweiber und Klostergärtner wußten freilich nicht, auf welchen Substanzen in den Pflanzen und auf welchen biochemischen Prozessen im Körper diese Heilwirkung beruhte, das konnten sie auch nicht wissen, aber immerhin. Kräuterkunde mag auch Teil der traditionellen chinesischen Medizin sein, aber um sich die Kräuterwirkung zunutze zu machen, ist es eben nicht notwendig, das Ganze mit dem Werbe-Claim Traditionelle chinesische Medizin™ zu schmücken. Dieser fast schon Markenname zielt meiner Ansicht nach vor allem auf die Gutgläubigkeit von zu Aberglauben neigenden Menschen ab. Wäre es so, wäre das nicht nur nicht weise, sondern überdies unredlich, denn am Ende geht es doch immer bloß darum, dummen Menschen das Geld aus der Tasche zu locken. Ohne Rücksicht auf Verluste, zum Beispiel im Tierbestand.


Aberglauben.

7. Juni 2020

Wieviel Glück muß man eigentlich haben, um im 21sten Jahrhundert mitten in der Stadt ein Hufeisen am Straßenrand zu finden? So geschehen mir gestern. Der Straßenrand ist die begraste Umfassung eines ehemaligen Straßenbahnoberleitungspfostens a. D., und ich gehe jeden Tag daran vorbei. Das Bändel am Hufeisen mag darauf hindeuten, daß es nicht direktermang einem Pferd die Schuhe ausgezogen hat, sondern das Ding irgendwo als Deko an der Wand hängen sollte und beispielsweise bei einem Umzug verloren ging. Wieviel Pech muß eigentlich jemand haben, um ein Hufeisen zu verlieren? Als Fußgänger!

Wenn ich noch wüßte, zwischen welche Buchseiten ich es einst zum Trocknen steckte, könnte ich auch das Beweisfoto eines von mir selbstgeernteten vierblättrigen Kleeblatts beibringen. Ungefähr 1994, auf der Wiese unseres Ferienhauses auf Amrum, bückte ich mich in der Ecke, in welcher der Klee wucherte, und zupfte, ohne hinzugucken, irgendein Blättchen heraus. Es hatte vier Blätter. Um den Nimbus nicht zu zerstören, prüfte ich lieber nicht nach, ob das für alle Kleepflanzen in jener Wiesenecke zutraf.

Dabei bin überhaupt nicht abergläubisch. Nee, ehrlich. Das gefundene Hufeisen halte ich vor allem für eine Kuriosität, und ich brauche keine dem Volksglauben nach mystischen Gegenstände und Talismane als Glücksbringer. Auch erschließt sich mir nicht der Zusammenhang zwischen dem Teddy auf dem Pult der Wer-wird-Millionär-Kandidatin und der Beantwortbarkeit der zufällig zugewiesenen Fragen. Zumal die ja dann doch alle nicht bis zur Million kommen. Macht das eigentlich niemanden stutzig?

Meine frommen Eltern würden Aberglauben ungefähr als etwas definiern, was Menschen glauben, ohne daß es Teil der ortsüblichen Religion wäre bzw. derselben widerspricht, mithin alles von Katholizismus (Hostien, Heiligenverehrung, Mariä Himmelfahrt) über Anthroposophie (Die Lehren Rudolf Steiners stehen halt nicht in der Bibel) und Homöopathie (reine Glaubenssache) bis hin zu den folkloristischen Aberglaubenstopoi wie Handlesen, Kartenlegen, Talismane und Astrologie (um nur eine Auswahl zu nennen). Wäre da nicht ihre Frömmigkeit, könnte man meine Eltern also fast als aufgeklärte Skeptiker bezeichnen, die mir beibrachten, nicht jeden Hokuspokus unhinterfragt zu glauben. Aber auch abseits der Erziehung ließ ich mich von Helden der Kindheit beeinflussen. Da wäre zum Beispiel der Mann, der schneller zieht als sein Schatten:

Glücklicherweise übernahm ich lediglich Lucky Luke’s* eher rationale, um nicht zu sagen: unzeremonielle Herangehensweise an realweltliche Probleme, nicht seine Liebe zum Toback. Es kommt ihm also nur eine selektive Vorbildfunktion zu.

*) Diese Verwendung des Apostrophen schaute ich mir bei Thomas Mann ab. Im „Zauberberg“ apostrophierte er bei fremdländischen Namen (Settembrini) das Genitiv-s, weil der deutsche Leser möglicherweise die Form- und Lautgestalt des Grundworts nicht kennte. Es ist dies also kein Deppenapostroph.

Und auch der andere Comic-Held meines Vertrauens zeigt Tendenzen zu abgeklärter Vernünftigkeit.

Augenfällig an obigem Bild ist auch die Gewandung des Sehers. Um seine zur Schau gestellte „Gabe“ der Prophetie dem gutgläubigen Volk plausibel zu machen, wählte er ein ominöses Erscheinungsbild. Klappern gehört zum Handwerk. Was wäre ein katholischer Gottesdienst ohne prunkvolle Gewänder und unverständliches Latein? Was wäre eine schamanische Geistheilung ohne Federschmuck und magisches Gemurmel? Und warum sehen Fernsehastrologen immer so wallend und klunkerbehangen aus? Zumindest gemäß meinen wenigen, unbeabsichtigten Stichproben im Zuge unmotivierten Herumzappens sehen sie das. Jedenfalls mißtraue ich all diesen ostentativen Attributen des Magischen zutiefst.

Hach ja, die Astrologie. Wenn mich jemand nach meinem Sternzeichen fragt, nenne ich immer irgendwas. Prinzipiell müßten die ja mein Sternzeichen anhand meines Charakters erkennen, angeblich gibt es doch da eindeutige Zuordnungen.
Allen antiken Kulturen ist gemein, daß sie Astrologie betrieben. Unbeleckt von industrieller Lichtverschmutzung konnten die Menschen nächtens den Blick über die volle Breite der Milchstraße („Galaxie“) wandern lassen, und so, wie sie Gebilde in Wolkenformationen identifizierten, identifizierten sie auch Gebilde in Sternformationen, bloß blieben die Sterngebilde im Unterschied zu den Wolken augenscheinlich immer dieselben, bewegten sich starr über den Himmel. Und zwischen den fest verankert, also fixierten, Fixsternen bewegten sich die frei beweglichen Planeten, ebenfalls als Lichtpunkte, weil auch sie, wie der Mond, von der Sonne angestrahlt werden, was die Leute damals aber nicht wußten, weshalb man Planeten auch Wandelsterne nennt. Was dort oben am sternenvollen Himmelszelt vor sich ging, konnte doch kein Zufall sein, konnte es? Zumal ja gleichzeitig hinieden auch Dinge sich ereigneten, parallel zu den sich ändernden Sternenformationen und Planetenstellungen. Da mußte doch ein Zusammenhang bestehen, mußte er? „Draußen regnet’s, drinnen spielen sie Brahms“, pflegte mein Vater zu sagen; soviel zum Zusammenhang. Korellationen sind keine Kausalitäten.

Die Grundlage der heute praktizierten Astrologie ist die antike Astrologie, immerhin geht es um dieselben Sterne. Und man würde ja wohl nicht annähernd ununterbrochen seit Tausenden von Jahren diese Kunst ausüben, wenn sich die Horoskope nicht als zuverlässige Anhaltspunkte zur Lebensbewältigung und Entscheidungsfindung bewährt hätten, würde man? (Spoiler Alert: Man würde.)

Wenn ich das richtig verstanden habe, wofür es keine Garantie gibt, ist für eine astrologische Vorhersage oder ein Horoskop die Stellung der Planeten zueinander und zu den Sternbildern entscheidend. Den Sternbildern und Planeten sowie der Sonne und dem Mond sind jeweils Eigenschaften, Symbolismen, Wertigkeiten und was weiß denn ich! zugeschrieben, und auf die Kombination all dessen kommt es an. Abgesehen davon, daß ich mir die Frage stelle, woher denn die Erdenbewohner wissen wollen, welche bedeutungsvollen Eigenschaften einer doch letztendlich zufällig zu einer benamsten Konstellation gruppierten Anzahl Sterne innewohnen; und außer Acht lassend, daß unterschiedliche Kulturen rund um den Globus jeweils andere Sterne (zum Teil solche, die in anderen Teilen der Welt gar nicht zu sehen sind) zu jeweils anderen Konstellationen mit jeweils anderen zugeschriebenen Eigenschaften zusammenfaßten; und ignorierend, daß die Menschen des Altertums die Erde, auf der sie lebten, gar nicht als einen der Wandelsterne erkannten, die da fix über den Himmel zischten, sondern sie als den Mittelpunkt betrachteten, um den sich alles dreht; all dies vernachlässigend gibt es einen weiteren Grund, weshalb noch nie, noch nie ein Horoskop gestimmt haben kann: Das Inventar ist einfach nicht vollständig.

Im Altertum schauten die Sternkundler in den Himmel und sahen mit bloßem Auge – zugegeben – sehr viel mehr Sterne als wir. Außerdem sahen sie die Sonne, den Mond, ab und zu einen Kometen, bisweilen Sternschnuppen, ganz selten Supernovae, und sie sahen die fünf Planeten. Auf dieser Grundlage erstellten sie ihre Horoskope oder wie auch immer sie es nannten; sie deuteten die Sterne. Fünf Planeten? Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.

Und was ist mit Uranus? Was ist mit Neptun? Was ist mit Pluto, ganz gleich ob Planet oder Planetoid? Was ist mit Ceres, mit Sedna, mit Haumea, Quaoar und wie sie alle heißen? Was ist mit den einzelnen Gesteinsbrocken im Astereoidengürtel, was mit den Objekten in der Oortschen Wolke? Ist nicht letztlich jedes Staubkörnchen in den Ringen des Saturn ein Objekt, welches für sich genommen und in Konstellationen mit anderen derartigen Objekten eine Eigenschaft und Bedeutung haben müßte, wie sie auch die damals bekannten Objekte im Universum zugesprochen bekamen? Zwar sind all diese Planeten und Planetoiden, Meteoriten und Asteroiden mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen (außer Uranus, wenn man ganz genau hinschaut und weiß, wo man suchen muß, was die Alten aber nicht wußten), nichtsdestotrotz sind sie da. Sie haben physikalische Eigenschaften, die sie den immer schon bekannten Planeten gleichstellen, also müßten sie auch metaphysikalisch vergleichbare Eigenschaften haben und Einfluß auf die Geschicke der Erdenmenschen nehmen. Doch mehrere tausend Jahre lang wurde dieser Einfluß qua Unkenntnis beiseite gelassen, von dem Einfluß, den die Abermilliarden anderen Galaxien außerhalb unserer Milchstraße haben müßten, gar nicht zu reden. Im Lichte dieser Erkenntnis kann ich nur zu einem Schluß kommen: Noch nie hat ein Horoskop alle Faktoren berücksichtigt, also kann noch nie ein Horoskop gestimmt haben. Sollte mal etwas wie vorhergesehen eingetroffen sein, ist das allenfalls auf den Zufall zurückzuführen.

Doch zurück zum Hufeisen. Es ist das Symbol für das Pferdewesen und den Reitsport, nicht zuletzt bei Lego. Es erhebt sich über dem Reiterhof 6379 ebenso, wie es das Hemd der Paradisa-Pferdewirtin ziert. Hat man ja alles. Und weil dieses Emblem so schön plakativ in Rittertradition auf der Brust der ProtagonistInn*en prangt, hob ich just ein neues Rittergeschlecht aus der Taufe:

Dies müssen die wahren Glücksritter sein. Ach nee, glaube ich ja nicht.


CD-Regal revisited: Pink Floyd (6)

27. Mai 2020

Huch! Es ist ja schon fast ein Jahr her, daß ich mich retrospektv mit Pink Floyd auseinandergesetzt habe. Wo ist die Zeit geblieben? Die Band hätte eine Antwort in Form des Liedes „Time“, enthalten auf dem Album „Dark Side Of The Moon“, welches erst nach den nun zu besprechenden Werken an der Reihe wäre, aber bereits zuvor beleuchtet wurde. Welch tückisches Zeitkonzept, mein Leben ist ein Tarantino-Movie! (Nein, Gottlob nicht.)

Meddle

Zunächst beeindruckte mich an diesem Album von 1971 das Bild auf dem Cover, welches ich lange nicht deuten konnte. Ich will auch nicht behaupten, daß ich von selbst drauf gekommen sei, was dieses abstrakt wirkende Gebilde darstellen soll: Es handelt sich um ein Ohr, unter Wasser. Gestaltet wurde es natürlich von Hipgnosis, und entgegen deren Gewohnheit hat das Bild einen Bezug zum Inhalt des Albums, insbesondere zum letzten Stück. Allerdings machten es die nicht klar definierten Konturen des Bildes schwierig, es sauber auf digitales Zelluloid zu bannen, weshalb ich eine Lego-Figur als Anhaltspunkt für den Fokus der Kamera neben die CD stellen mußte.

Vielleicht lag das aber auch an der glänzenden CD-Box, denn bei der Aufnahme der Plattenhülle trat diese Schwierigkeit nicht auf.
„Meddle“ beginnt geradezu mit Metal, just im Jahr zuvor unbewußt von Black Sabbath erfunden, und mit einer Kampfansage. Getrieben von Double-Bass-Rhythmen – und ich spreche hier in der Tat von zwei Saiteninstrumenten, nicht vom Schlagzeug – grunzt Nick Mason ins Mikro: „One of these days I’m going to cut you into little pieces“. Das ist des Drummers einziger Wortbeitrag im Œuvre Pink Floyds. Auf diesen harten Beginn folgt das lieblich dahinsäuselnde „A Pillow of Winds“, und der Song „Fearless“ mündet in Stadiongesängen aus Liverpool, woselbst „You’ll never walk alone“ zum Besten gegeben wird, was ich ja meinerseits aus dem Westfalenstadion kannte. „San Tropez“ ist jazzig angehaucht, und Gastsänger in der Bluesnummer „Seamus“ ist der Hund Seamus, der ins Mikro jault. Daß Pink Floyd das lustig genug fand, um es auf dem Album zu verewigen, mag wiederum auf Drogenkonsum zurückzuführen sein, ich jedenfalls fand das beim ersten Durchhören etwas nervig. Prompte Entschädigung erfolgt freilich unmittelbar in Form des letzten Liedes. Beim Blick auf die Titelliste der CD hatte ich mich noch gewundert: Wie, bloß sechs Songs? Aber der Höhepunkt, „Echoes“, bringt es alleine auf 23 Minuten und 29 Sekunden, und die haben es in sich. Es beginnt mit einem Echolot-Ton und ist szenarisch unter Wasser angesiedelt, was das Titelkupfer erklärt. Prinzipiell ginge das Lied auch noch als Spacerock durch, aber von diesem Image wollte die Band sich lösen, weshalb sie eben das Thema vom Weltraum in den Ozean verlegte. Hat aber nichts genützt, denn nebenan im Internet lassen sich Videos finden, in denen dieses Lied unter die psychedelische Jupiter-Episode in „2001 – A Space Odyssey“ gemischt ist. Paßt.
Als Höreindruck möchte ich dennoch „One Of These Days“ verlinken, zur Verfügung gestellt auf Pink Floyds höchsteigenem Youtube-Kanal:

Zu „Echoes“ kommen wir aber später noch mal.

Obscured By Clouds

Im Jahre 1972 waren die Jungs nicht ausgelastet mit Touren und Studioarbeiten zum nächsten Album (Spoiler Alert: „Dark Side Of The Moon“), also widmeten sie sich zusätzlich Nebenprojekten. Zum Beispiel wollte Barbet Schroeder (immer noch ein Männername!) nach den guten Erfahrungen, die er mit dem Soundtrack zu seinem Film „More“ gemacht hatte, für seinen neuen Film „La Vallée“ abermals Musik von Pink Floyd haben. Und die bekam er. Pink Floyd ließen sich nicht lumpen und schrieben innerhalb von zwei Wochen zehn Lieder, davon vier Instrumentalstücke. Somit wurde dieser Soundtrack ihr nächstes Album, und eben nicht DSOTM, aber was soll’s. Noch vor der Veröffentlichung zerstritt die Band sich mit der Filmfirma (Kann eigentlich nur ums Geld gegangen sein…) und benannte darob ihr Album nicht wie den Film, woraufhin der Albumtitel kurzerhand zum Untertitel für den Film wurde. Mancher Musiker hat seine Karriere dem Umstand zu verdanken, Musik zu einem berühmten Film beigesteuert zu haben. Und mancher Film erhofft sich Erfolg, wenn er sich mit musikalischen Beiträgen berühmter Musiker schmücken kann. Dreimal darf man raten, welcher Fall hier vorliegt?

Nun, ich habe den Film gesehen, er ist auf Französisch mit deutschen Untertiteln verfügbar, also klassisches „arte“-Material. Es geht um eine Gruppe Hippies auf dem Selbstfindungstrip in Neu-Guinea, die ein geheimnisvolles Tal erkunden will, das auf Karten nicht verzeichnet ist, und von dem es auch keine Luftaufnahmen gibt, weil es ewig wolkenverhangen ist, obscured by clouds. Ihnen schließt sich eine gelangweilte Diplomatengattin an, welche gerne illegal Schwanzfedern von Paradiesvögeln erwerben möchte. Diese sind sehr schwer erhältlich, nur von Eingeborenen, mit denen sie in Kontakt zu treten und deren Vertrauen sie zu gewinnen hofft, um ihnen so die Federn abgaunern zu können. Außerdem gibt’s Hippiesex.

Das Album war erstaunlich erfolgreich, insbesondere auch die Single-Auskopplung „Free-Four“, vor allem in Amerika, was möglicherweise an dem gewissen Country-Charme liegt, den einige der sehr akustisch beklampften Songs versprühen. Es ist melodisch und gefällig, allerdings wurde erkennbar kein Pulver verschossen, sondern dieses wurde hübschfein aufgespart für das eigentliche nächste Album, mit dem Waters, Gilmour, Wright und Mason schon gedanklich beschäftigt waren (Spoiler Alert: DSOTM). Brillante Momente gibt es natürlich trotzdem, es sei verwiesen auf „Childhood’s End“:

Live at Pompeii

Und apropos Film. Da die Jungs ja nicht ausgelastet waren, fanden sie auch noch Zeit, nebenbei einen Konzertfilm zu drehen, wobei es zu einfach gewesen wäre, schlicht ein reguläres Konzert abzufilmen. Dergleichen gab es ja schon, zum Beispiel den Woodstock-Film. Regisseur Adrian Maben hatte die Idee, Pink Floyd beim Musizieren im Amphitheater von Pompeji abzufilmen. Ohne Publikum. Weil: Warum nicht? Gegen einen beträchtlichen Obolus in unnotierten Sesterzen wurde also für sechs Tage das Theater gemietet, und innerhalb dieser Zeit mußten die Aufnahmen im Kasten sein. Stell dir vor, du bist Tourist in Italien, hast einen Tag Sightseeing in Pompeji eingeplant und darfst nicht in die Arena. Stehste also davor und hörst drinnen Pink Floyd spielen. Kann geil sein, kann aber auch scheiße sein. In manch einem Urlauber wird es da gebrodelt haben wie in einem Vulkan.
In den sechs Tagen wurden die Darbietungen von drei Songs gefilmt. Drei weitere Songs wurden live in einem Studio in Paris gefilmt. What the bloody fuck? Ein Konzert? Sechs Songs? Angeblich live in Pompeji, aber eigentlich zur Hälfte in einem Studio ganz woanders?

Das klingt alles nach ziemlichem Behupps, aber es ist trotzdem toll. Denn seien wir mal ehrlich. Es mag ja künstlerischer Anspruch sein, Aufnahmen von pompejischen Ruinen und rauchenden phlegräischen Feldern mit Livebildern von Pink Floyd bei der Arbeit zu kontrastieren, wie hier vorgeführt, aber letztlich will man ja doch nur Pink Floyd bei der Arbeit sehen und hören, und da ist es auch egal, was dem als Kulisse dient. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, haben Live-Mitschnitte von Pink-Floyd-Konzerten jener Tage viel mehr Biß und Verve als die Studio-Versionen derselben Songs, daher ist es schön, hier auch mal professionell gefilmte Bewegtbilder davon zu sehen.
Ins Kino kam 1972 Eine Fassung mit den Stücken „Echoes“, aufgeteilt in zwei Hälften als Intro und Outro, „A Saucerful Of Secrets“ und „One Of These Days“, welche in Pompeji gefilmt wurden, sowie „Careful With That Axe, Eugene“, „Set The Controlls For The Heart Of The Sun“ und „Seamus“, hier aber „Mademoiselle Nobs“ geheißen, weil der Hund Seamus für die Dreharbeiten nicht zur Verfügung stand und gedoubelt werden mußte. Pink Floyd waren echt vernarrt in diese Hundegejaule-Idee. Sie hätten ja stattdessen auch mal „Embryo“ spielen können, aber nee.
Im Jahre 1974 wurden zwischen die einzelnen Songs Behind-the-scenes-Aufnahmen von der Studioarbeit am Album „Dark Side Of The Moon“ geschnitten, welche aber zum Teil nachgestellt waren. In der 2003er DVD-Version, dem „Director’s Cut“, ist die Reihenfolge der einzelnen Songs und DSOTM-Segmente etwas verändert. Der originale Konzertfilm ohne Zwischengeplänkel ist als Extra aber zu meinem Plaisier ebenfalls enthalten.

„Echoes“ wurde für den Film zweigeteilt, was nicht schlimm ist, denn so rahmt das Beste, was Pink Floyd je gemacht haben, anderes Gutes, was sie auch gemacht haben, harmonisch ein. Hier also Teil 1:


und Teil 2:

Als nächste Veröffentlichung im Jahre 1973 würde dann – es wurde hier ja schon zaghaft angeteasert – „The Dark Side Of The Moon“ folgen. Aber davon hatten wir es ja schon.


1984. Es war nicht alles schlecht.

4. April 2020

Okay, ich bin in der Midlife-Crisis. Die Kindheit entschwindet, mit ihr der Kindheit unschuldige Spiele. Zunehmend stelle ich fest, daß ich den Gesprächen von Mittzwanzigern nicht mehr folgen kann, und das, obwohl ich, wie sie, kaum fernsehe; aber ein Smartphone habe ich halt auch nicht. Die Chancen, die Frau fürs Leben zu finden, schwinden von Tag zu Tag, mit jedem ausgefallenen Haar. Alter, Krankheit und Tod habe ich sowieso berufsbedingt ständig vor Augen. Unsere Schwesternschülerinnen sind halb so alt wie ich, unsere Kunden doppelt so alt. Mithin: Ich stehe in der Mitte des Lebens, Zeit für die Krise! Andere würden sich jetzt um die Anschaffung eines schnellen roten Autos kümmern, aber ich bin da bescheidener. Ich kaufe Lego. Ach nee, das habe ich ja mein Lebtag getan. Also kaufe ich Schallplatten. Es ist nie zu spät, ein Hipster zu werden. Coronabedingt haben die Friseure geschlossen, also werden die Haare auch länger.

Neulich fiel mir auf, daß das Jahr 1984 entgegen der skeptischen Prognose George Orwells gar nicht so schlecht war. Ich wurde sieben Jahre alt, und der Lego-Katalog desselben Jahres offerierte mir eine Offenbarung. Graue Burgen! Mit Rittern auf Pferden! Und Wagenrädern und Flitzebögen und Speeren in braun! Dergleichen hatte es nie gegeben. Was stimmte, wobei mein „nie“ den durch mich überschaubaren Zeitraum von ..na.. sagen wir: vier bis fünf Jahren umfaßte. Das katastrophale Element dieser Apokalypse stellte der Hinweis dar: „Neuheit. Lieferbar ab April ’84.“ Na toll, Geburtstag im März.

Zum Geburtstag gab es dann halt das burgähnliche Set 1592, das meine Mutter als Sonderposten im örtlichen Vedes-Geschäft erstehen konnte. Ein durchaus trostspendender Ersatz, mit dem ich sehr ausgiebig spielte, und das bis heute zu meinen absoluten Lego-Favoriten zählt. Und die grauen Burgen konnte ich bis Weihnachten im Katalog bewundern. Was ich ebenfalls ausgiebig tat. Zu Weihnachten gab es dann 6073: „Kleine Burg (aufklappbar) mit Wachttürmen, Zugbrücke, Rittern und Pferden“.

Gestern schließlich wandelte mich die Lust an, das Ding nochmal zu bauen. Ich hab’s ja da, im Eigenkarton gelagert auf meinem Kleiderschrank. Im funzeligen Licht der Schreibtischlampe ahnte ich schon die ein oder andere Vergilbung, als ich – musikalisch begleitet von Iron Maiden und Metallica – die kleine Burg baute.

Iron Maiden und Metallica hörte ich natürlich nicht, als ich das Modell am Heiligen Abend 1984 erstmals baute, doch auch da war das Licht funzelig. Unmittelbar feierte ich die Adlerritter, bis heute mein Signé. Nicht unbedingt angetan war ich seinerzeit von der asymmetrischen Gestaltung des Torbogens.

Diese Form ergibt sich scheinbar aus den verwendeten Teilen; die rote Seilwinde ist offenkundig zu groß für die gewählte Tiefe des Torbogens. Trotzdem hätte man die sich daraus ergebende Form ja auf der anderen Seite spiegeln können, indem man die Dimensionen des Formteils durch andere Teile simuliert. Daß dies nicht geschehen ist, muß ich also dem puren Mutwillen des Designers zuschreiben. Überhaupt ist der gesamte Aufbau dieses Gemäuers sehr viel weniger symmetrisch, als es auf den ersten Blick scheint. Zwar sind Tor und Klappnaht mittig angeordnet, zwar erheben sich beidseits ähnliche Türme, doch da endet die Symmetrie.

Der blaue Turm wird gestützt durch einen massiven Holzpfosten, an welchem die kämpfende Garde ein Schwert vorfindet, sollte es gebraucht werden. Unter dem gelben Turm hingegen befindet sich der Kerker.


Durch diese massiv gebaute Kerkertür frißt sich niemand! Ich finde sie in ihrer schlichten Zweckmäßigkeit nach wie vor spitze. Durch den etwas ausladenderen Platzbedarf des Verlieses ergibt sich die Notwendgkeit, den steinernen Pfosten des darüberliegenden Turms mit einer Art Blendzinne zu umgeben.

Wie vom Katalog versprochen und auch hier bereits vorexerziert, läßt sich die Burg aufklappen. Weitere im Programm vorgesehene Burgwandstücke ließen sich auf diese Weise in die Burg integrieren. Im Jahre 1984 waren dies bereits das Mauerstück beim Belagerungsturm 6061 und die Schmiede 6040. In den folgenden Jahren kamen das Gasthaus 6067, das Waffendepot 6041 und die belagerte Mauer 6062 hinzu. Auch das Nachfolgemodell für die hier besprochene Burg 6073, das seinerseits aufklappbare Ritterschloß 6074, konnte in die modulare Gesamtstruktur eingepaßt werden, auf zwiefache Weise sogar. Dies nur, um mal zu verdeutlichen, weshalb die auf mehrere Jahre angelegte modulare Systemstrategie vergangener Lego-Epochen, namentlich 1984 bis 1992, nicht nur dank nostalgischer Verklärtheit, sondern auch objektiv besser war als die lieblos hingerotzten Friß-oder-stirb-Serien, mit denen Lego das Rittersegment in den letzten Jahren punktuell bediente.

Dessen ungeachtet ist die „Kleine Burg“ 6073 für sich genommen nicht besonders spektakulär. Sie stellt den Rittern und Knappen keinerlei Wohnunterkünfte zur Verfügung, vielmehr handelt es sich um eine rein militärische Festungsanlage. So lange nämlich, bis die oben erwähnten modularen Komponenten hinzugefügt werden und aus der Burg eine Stadt wird. Dennoch scheint es sich um eine Ganerbenburg zu handeln, erkennbar an den beiden farblich unterschiedlichen Wappen derselben Familie. Jeder Erbe bewohnt seinen Turm, das wird im Winter ganz schön zugig.

Die oben gezeigten Schallplatten wollte ich jetzt hier nicht rezensieren, also mache ich’s auch nicht. „The Top“ ist ganz gut, „Powerslave“ und „Ride The Lightning“ sind phantastisch, „Hyaena“ ist sehr gut. Das Reunion-Album von Deep Purple geht so. Die unverbrauchte Spontaneität von „In Rock“, „Fireball“ und „Machinehead“ wird erwartungsgemäß nicht wieder erreicht. Außerdem hat Ian Gillans Stimme nach seinem Black-Sabbath-Intermezzo („Born Again“) ganz schön gelitten.


Telephonstreich.

19. März 2020

Wer regelmäßig im Auto unterwegs ist und dabei Radio hört, vor allem auf langen Strecken, hat mit mindestens zwei Ärger-, aber nur selten mit Hornissen zu kämpfen: Alle 35 Kilometer ändert sich die Frequenz des eingestellten Radiosenders. Und Radio-Comedy. Ersteres könnte die Rettung vor zweiterem sein, würde nicht ausnahmslos jeder Radiosender es darauf anlegen, seine Hörer, Hörerinnen und Unentschiedene mit Comedy-Beiträgen zu töten. Weil man vor Langeweile am Steuer einschläft. Mit etwas Glück ist man aber schon tot, ehe das Comedy-Segment geschaltet wird, weil man auf der Tour bereits zehnmal die Superhits der 80er, der 90er und das Beste von heute gehört hat, wobei das Beste von heute die Endlosschleife der immerselben Retortenhits darstellt, welche bis zum Erbrechen durchzunudeln die Sendeanstalten sich gegenüber der Musikindustrie offenbar verpflichtet haben, und zwar auch die Öffentlich-Rechtlichen. Wozu zahle ich eigentlich Gebühren, wenn es dann nur fürs GEMA-Rundumsorglospaket reicht?

Die Comedy jedenfalls und an dieser Stelle bricht der Satz ab, weil mir da echt die Worte fehlen. Das war übrigens ein Anakoluth. Kann jeder selbst googlen. Die allerhöchste Kunst in dieser Disziplin ist dann der – so heißt es wohl in der Sprache unserer Zeit – Prank Call. Also ein Scherzanruf. Ein Mensch mit lustiger Stimme ruft bei jemandem an und konfrontiert die arglose Person mit irgendwas, was potenziell herzinfarktwürdig wäre; aber dann wird’s halt nicht gesendet. Lustig, lustig. Nachfolgend Tralalalala aus der Hitmaschine. Es freuen sich der Zahnarzt und der Mechaniker, der das verbissene Lenkrad austauschen darf.

Apropos Telephon. Es gibt ja PayPal, ne? Damit kann man Geldbeträge an Mail-Adressen versenden, was sehr praktisch ist. Sicherheitshalber muß man in seinem PayPal-Konto eine Telephonnummer hinterlegt haben, um gegebenenfalls auf diesem Wege sein Paßwort zurücksetzen oder sich überhaupt authentifizieren zu können. Sehe ich ein, also habe auch ich dort meine Telephonnummer angegeben. Vor ungefähr 16 oder 17 Jahren. Laß es 18 Jahre sein. So, fast forward ins Jetzt, vor zwei Tagen wollte ich mich bei PayPal einloggen. Ging nicht. Schuldbewußt akzeptierte ich, daß ich mich offenbar beim Paßwort vertippt hatte und versuchte es erneut. Ging nicht. „Wir können Sie nicht einloggen“, stand da, mit Hinweisen zur Fehlerbehebung, namentlich Sicherheitsfrage, Paßwortzurücksetzen, Captcha-Authentifizierung und – jetzt kommt’s – telephonischer Code-Übermittlung. Nacheinander probierte ich sämtliche Angebote aus. Ging nicht. Ging nicht. Ging nicht. Ging nicht. Und mit „Ging nicht“ meine ich nicht, daß meine Sicherheitsfragenantworten falsch oder meine Code-Übermittlung fehlerhaft gewesen wären, keineswegs. Alles wurde mit grünen Häkchen bestätigt. Aber das Ergebnis blieb: „Wir können Sie nicht einloggen.“ Also ich schweren Herzens beim Kundendienst angerufen. Prädikat weggelassen, um Ereignisnähe zu dokumentieren. Die freundliche Dame beim Kundendienst konnte auch in der Tat die wahrscheinliche Fehlerquelle identifizieren.

*Trommelwirbel*

Und zwar ist die von mir bei PayPal hinterlegte Telephonnummer eine Festnetznummer. Damit konnte der Gesetzgeber ja nicht rechnen, als er, modern, wie son Gesetzgeber ja traditionell ist, bestimmte, daß derartige Bezahlsysteme im Zuge der Multifaktorauthentifizierung mithilfe von Mobiltelephonen die Konto-Sicherheit erhöhen müssen. Ich besitze aber gar kein Mobiltelephon.

„Ach, äh, sprichst du von einem Mobiltelephon aus? *seufz* Ich kenn‘ Sie nicht! Wer ist da? Kommen Sie nicht her! Ich hänge jetzt auf! Telephonstreich! Telephonstreich!“ So reagierte Lance, als Vincent ihm mitten in der Nacht vom Handy aus ankündigte, in größtmöglicher zeitlicher Kürze die überdosierte Gattin des örtlichen Gangsterbosses vorbeizubringen. Weil son Mobiltelephon einfach zu unsicher war. Aber für PayPal reicht’s.

Ungeachtet der Sicherheitsproblematik, die am Ende des zweiten Jahrzehnts des 21sten Jahrhunderts vielleicht keine mehr ist, was ich kaum glauben kann, fühle ich mich als Nichtbesitzer eines Handys zunehmend diskriminiert. Ernsthaft. Als ich einen Instagram-Account anlegte, mußte ich feststellen, daß ich ohne Handy dort gar keine Bilder hochladen kann. Als ich einen Twitter-Account anlegte, wurde mir ein Riegel vorgeschoben, indem von mir eine Handy-Nummer zur Authentifizierung verlangt wurde. Einen Facebook-Account kann man ebenfalls nur noch anlegen, wenn man eine Handy-Nummer angibt. Das alles wäre mir schnuppe. Aber nach 16 oder 17 Jahren, laß es 18 sein, die ich unbeanstandet per PayPal bezahlen konnte, wird mir nun quasi ein Handy aufgezwungen. So ich denn auf den zwar nicht nennenswerten aber doch vorhandenen und vor allem mir zustehenden Betrag zugreifen möchte, der sich derzeit auf meinem PayPal-Konto befindet. Der moderne Gesetzgeber überschätzt die Ubiquität des Handybesitzes. Ubiquität kann auch jeder selbst googlen, ihr habt ja alle ein Handy.
Ich gehöre nicht mehr dazu. Wesentliche Bereiche des Internets sind mir verschlossen, weil das Gesetz es befahl. Und dafür zahle ich Steuern? Das halte ich für einen groben Streich.


Bitte nicht rauchen!

12. März 2020

Nee, mache ich ja nicht. Wiewohl ja mein ..äh.. guter Vorsatz für das Jahr 2018 gewesen war: Einmal eine Zigarre rauchen. Aber das ureigenste Charakteristikum guter Vorsätze ist natürlich, daß sie nicht eingehalten werden. So auch dieser. Und seitdem habe ich dieser bescheuerten Silvester-Tradition abgeschworen.

Wenn ich also rauche, dann allerhöchstens unfreiwillig und passiv. Das aber dann besonders intensiv, denn der Raucher zieht den Zigarettenrauch ja wenigstens noch durch den Filter in seine Lungen; was jedoch vorne von der glimmenden Spitze des Stengels abqualmt und sich im Raum verteilt, gelangt ungefiltert in meine Atemwege, vielen Dank auch!

Bisweilen erhielt ich auch schon postalisch Lieferungen mit gebrauchtem Lego, das dann dermaßen nach Qualm stank. Aber so dermaßen! Dann frage ich mich immer, ob da im Kinderzimmer geraucht wurde? Wohl kaum. Also haben treusorgende Eltern ihren Kindern eine legohaltige Erziehung angedeihen lassen, was ich gutheiße, gleichzeitig aber den Keim des Krebses in sie gepflanzt, indem sie ohne Rücksicht auf irgendwas die Wohnung zugequarzt haben. Weil man sich ja von der Gesundheitsdiktatur nicht unterkriegen läßt, woll?

Lucky Luke fand ich ja durchaus cooler, als er noch Raucher war. Nicht, weil das Rauchen so cool gewesen wäre, obwohl es auch diesbezüglich einige sehr gute Gags gab, sondern weil das Rauchen ihn rauher erscheinen ließ, kantiger, nicht als makellosen Helden und strahlenden Saubermann, vielmehr als Typen mit Fehlern, ein Cowboy, dem auch nicht immer alles gelang. Doch das nur am Rande.

Sofern ich nicht einer Fälschung aufgesessen bin, hat Lego mal ein Straßenschild mit dem Nichtrauchersymbol bedruckt. Zu welchem Anlaß, weiß ich nicht. In Sets kam es jedenfalls nicht vor. Dementsprechend selten und teuer ist das Teil auf dem einschlägigen Gebrauchtmarkt, aber als sich die Gelegenheit ergab, habe ich zugeschlagen, denn das Thema ist mir offenkundig ausreichend wichtig, um es auch im Lego-Kontext repräsentiert sehen zu wollen.