Anfängerfehler.

28. August 2019

Einer der Anfängerfehler, die ich seit fast dreißig Jahren begehe, ist, die Größe eines Sortierbehältnisses so zu wählen, daß die vorhandene Menge genau hineinpaßt. Ungeachtet des Umstandes, daß eine Zunahme des Bestandes zu erwarten ist, wie mir die Erfahrung eigentlich zeigen könnte. Sie tut es ja auch, bloß scheine ich den Fingerzeig meiner Erfahrung stumpf zu ignorieren. Und dann jammere ich auch noch darüber!

Leider hat das Konsequenzen. So wollte ich zum Beispiel eigentlich mal wieder was bauen. Aber erst, nachdem ich die ganzen ollen Agents-Sets auseinandergebaut und wegsortiert hätte, um überhaupt Platz zum Bauen zu haben. Platz ist notwendig, um erstens das zu Bauende abstellen zu können und auch über längere Zeit stehenbleiben lassen zu können, und zweitens, um die Sortierbehältnisse mit den Bauteilen komfortabel ausbreiten zu können; also müssen unnütz herumstehende Sets zuvörderst mal weg. Sie sind auch weg; die Agents-Sets sind Geschichte. Dafür liegen dann natürlich all die dunkelblauen und neuhellgrauen Teile auf dem Bautisch, der zum Abbautisch wurde. Und ganz viele Technic-Pins und Räder und spezialisierte Kleinteile. Für all das habe ich Sortierboxen, aber die sind ja jetzt schon am Rande der Überfüllung, teils darüber. Meine Räderkiste beispielsweise steht auf dem Schrank, und ich kann sie nicht mehr herunterholen, ohne eine Lawine auszulösen, weshalb ich Räder einfach alle unsortiert in diese Kiste werfe. Besser gesagt: auf den Berg in dieser Kiste. Um diese Räderkiste ihrerseits mal durchzusortieren, fehlt es mir das Interesse an dieser Art von Bauteil. So. Und weil ich befürchte, beim Wegsortieren der Teile feststellen zu müssen, daß das Fassungsvermögen meiner Sortierbehltnisse erreicht ist, was unzweifelhaft so sein wird, zögere ich das Wegsortieren hinaus. Zwar wäre es möglich, jeweils die neue, nun weitaus größere Menge eines Bauteils in ein größeres Behältnis umzuschütten, aber auch das birgt ja Probleme. denn für größere Boxen habe ich schlicht keinen Platz mehr, so ich denn überhaupt ein passendes Behältnis finde.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Ich habe einfach zuviel Lego. Ich habe zuviel Lego, um damit noch bauen zu können. Jammer.

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Jahrestage.

24. Juli 2019

Heute vor zehn (10) Jahren ließ ich mich von Jörg1680 dazu überreden, ein(en) Weblog, also ein(en) Blog, und zwar hier bei WordPress, weil er, Jörg, auch einen solchen hier hatte, zu erstellen. Ohne Konzept und mit unklarer Zielsetzung, was auch direkt zum ersten Eintrag führte, der da unter der Überschrift „Ja und nu?“ lautete: „Ich weiß schon, weshalb ich nie das Bedürfnis verspürte, Tagebuch zu führen.“ Wer den Link anklickt, bekommt genau das.

Genaugenommen wußte ich natürlich überhaupt nicht, weshalb ich nie das Bedürfnis verspürte, Tagebuch zu führen. Ich hatte dieses Bedürfnis halt nie, und ich habe es auch nie getan. Also Tagebuch geführt. Mein erster Beitrag hier war also gleich Murks mit verquerer Logik, denn gemeint hatte ich wohl, daß ich gar nicht wüßte, was ich jetzt hier schreiben sollte, so wie ich ja auch bisher nie gewußt hätte, was ich meinem Tagebuch hätte anvertrauen sollen, wobei ich ein privates Tagebuch irgendwie gedanklich mit einem öffentlich einsehbaren Blog in eine Kategorie steckte. Is‘ aber auch egal, denn zum öffentlichen Tagebuchschreiben kam es hier auch nie. Ich faßte lediglich ein-, zweimal im Monat einige Gedanken in Worte, oft, weil ich diese Gedanken mal loswerden wollte, bisweilen, um in dem Monat überhaupt einen Eintrag verfaßt zu haben. Diesen Ehrgeiz entwickelte ich immerhin.

Jedenfalls, Jahrestage. In den Statistiken, die ich ab und an mal ansehe, in der Hoffnung, durch gezielte Suchanfragen der Leser auf ein zu erörterndes Thema gestoßen zu werden, fand ich nun diese Mitteilung von WordPress:

Glückwunsch zum Jahrestag mit WordPress.com!
Du hast dich vor 10 Jahren auf WordPress.com registriert.
Danke für dein Vertrauen. Weiter viel Erfolg beim Bloggen!

Ja, danke auch. Ich habe unheimlich viel Erfolg. Die Zahl meiner Leser geht in die Dutzende!

Also, Jahrestage. Sie bedeuten mir wenig. Ein Ereignis fand statt, und einen Sonnenumlauf später jährt sich dieses Ereignis, weil seitdem 365,25 Tage vergangen sind. Mehrere Sonnenumläufe später jährt sich das Ereignis zum soundsovielten Male, erst einmal, dann zweimal, schließlich zehn mal, irgendwann vielleicht 25 mal, 50 mal, 100 mal und so weiter. Andere Kulturen bevorzugen ein anderes Kalendersystem mit anderer Zeitrechnung, insbesondere statt des Sonnenjahres das Mondjahr, und in diesen Kulturen war am 24sten Juli 2009 gar nicht der 24ste Juli 2009, sondern irgendein anderes Datum, und gemäß diesem anderen Kalendersystem jährt sich dieses Datum heute überhaupt nicht zum zehnten Male. Dabei war jener Tag unabhängig vom Kalendersystem derselbe Tag: Die Sonne ging auf, Dinge ereigneten sich, die Sonne ging unter; bloß war das Datum ein ganz anderes.

Dem Jahrestag als solchem wohnt also gar kein Wert an sich inne, sondern ein solcher Wert wird ihm allerhöchstens im Kontext eines zeitlichen Bezugssystems beigemessen, wobei das Bezugssystem austauschbar ist. Komplett willkürlich ist es freilich nicht, denn die Einteilung der Zeit in Tage und Jahre wurde ja von durchaus klugen Menschen an ein unabhängiges, fixes Objekt in der Natur geknüpft, sei es die Sonne, sei es der Mond. Besonders extrovertierte [Wort durch eigentlich gemeintes Wort ersetzen, welches mir nie auf Anhieb einfällt, nie!] Zeitgenossen [exzentrisch! Danke sehr.] richten ihr Leben vielleicht nach dem Venusjahr oder dem Saturnjahr aus, weilses geil finden; nicht, weil es nötig wäre.

Und Jahrestage? Sind die nötig? Immerhin bieten sie einen Anlaß zur Retrospektive, was ich durchaus gutheiße. Aber muß man sie feiern? Ist es eine Errungenschaft, eine Leistung, ein Achievement, wie der Anglophone sagt, ein Jahr, zehn Jahre und so weiter seit dem gefeierten Urereignis durchgehalten zu haben? Vielleicht. Aber Geburtstage beispielsweise empfand ich im Kindesalter bloß wegen der Geschenke als angenehm, nach großartiger Feierei stand mir schon damals nie der Sinn. Zumal ja die tollsten Lego-Kästen (wie wir Sets damals nannten) sowieso immer erst nach meinem Geburtstag in die Läden kamen; 1984 die grauen Ritterburgen, 1989 die Piraten. Was war also der Geburtstag wert? Richtig: Nüschte!

Und überhaupt, die „runden“ Jahrestage. 10, okay, da hat man einmal alle Finger durch. Bei 20 nimmt man noch die Zehen mit, für 21 hätte Mann noch eine Option. 25? Das ist der Halbschritt zur nächsten Null, vor allem aber ein Viertel der vollen 100. Was ist an der 100 so besonders? Das ist so ungefähr ein Lebensalter. Die wenigsten erreichen es, wenige überschreiten es. „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen“, übersetzte Luther im 90sten Psalm. An die 100 als rundeste aller runden Zahlen wurde da noch gar nicht gedacht, aber schon hier waren Vielfache von 10 offenbar ausschlaggebend. Das ist keineswegs selbstverständlich.

So gab es zwar im Griechischen der Antike zum Beispiel die akrophonischen Zahlen, die neben Einsern, welche in entsprechender Anzahl aneinandergereiht wurden, auch Zehner und halbe Zehner, also Fünfer notierte, und dies auch jeweils mit einer, zwei oder drei Nullen mehr, wiewohl es die Null natürlich nicht gab. Gleichzeitig verwendeten die Griechen aber auch die 24 Buchstaben des Alphabets als Zahlen von 1 bis 24.
Im Hebräischen wurden ebenfalls die Buchstaben als Zahlen verwendet, wobei in der Reihenfolge des Alphabets zunächst die Zahlen von 1 bis 9, dann die Zehner von 10 bis 90, dann die Hunderter von 100 bis 400 darstellbar waren, und dank der besonderen Schreibung mancher Buchstaben in Wortendstellung noch weitere fünf Zeichen für die Hunderter von 500 bis 900 zur Verfügung standen, was aber nicht häufig genutzt wurde. In den meisten Texten, insbesondere dem Alten Testament, welches naturgemäß fürs christliche Abendland grundlegend war, wurden Zahlen aber ausgeschrieben, also „dreihundertfünfundsechzig“ statt „365“. Außerdem wurden Zahlen vermieden, die JHWH ergeben hätten oder dem ähnlich sahen. Man muß halt Prioritäten setzen. So oder so ist schon eine Fixierung auf ein 10er-basiertes Zahlensystem erkennbar.
Andernorts, also zum Beispiel hier, war das durchaus nicht so. Hier war die 12 vorherrschend, was zum einen erkennbar ist daran, daß die Zahlenreihe bei Eins beginnend nicht bei zehn endet, sondern noch elf und zwölf als besondere Zahlwörter einschließt, zum andern auch daran, daß es ein auf dem Dutzend basierendes Rechensystem gab. Ein Dutzend kann man mit dem Daumen an einer Hand abzählen, wenn man nämlich die Fingerglieder von der Spitze des Kleinfingers bis zur Wurzel des Zeigefingers durchgeht. Außerdem waren 12×12 ein Gros, und 5×12 ein Schock. Nach mitteleuropäischer Denkungsart wäre also vielleicht eher der 12te Jahrestag „rund“ und feierwürdig gewesen, und eben nicht der 10te.

Wie man sieht, ist das alles, wenn auch nicht rundweg willkürlich, so doch immerhin auch nicht naturgegeben. Und wichtig ist es sowieso nicht.


Langerwartete (naja) Themen-Retrospektive: Agents 2.0

15. Juli 2019

Im Jahre MMDCCLXII a. u. c. (Den Gag ziehe ich jetzt durch, so unlustig er auch ist.) setzte Lego die Agents-Reihe fort, vorgeblich auf einer höheren Entwicklungsstufe. Oder was soll „2.0“ anderes bedeuten? Jedenfalls bekommt das Team der Agenten Zuwachs in Person der Agenten Swipe und Swift. Während der blonde Swipe einen individuellen neuen Charater in der Agents-Saga (naja) darstellt, deuchte solcherlei die geistigen Väter der Serie – und nur um solche kann es sich hier handeln – hinsichtlich der neuen weiblichen Agentin nicht nötig. Agentin Swift ist bloß Agentin Trace mit neuer Haartracht, bestenfalls handelt es sich um Zwillingsschwestern. Die Köpfe sind identisch.

Zweipunktnullerdings sind die Agenten jetzt mit Kevlar-Westen (aus ABS-Plastik) geschützt. Alle außer Trace, die Heulsuse; in keinem der fünf neuen Sets trägt sie eine Weste. Chase trägt dafür sogar in zwei Sets eine, weshalb zu hoffen bliebe, daß er Gentleman genug ist, eine an Trace abzutreten.

Die neuen Missionen sind nicht mehr durchnumeriert, sondern die Missionsziele sind durch kleine Bildchen versinnbildlicht, welche im Folgenden in Worte übersetzt sein sollen.

8967: Mission Dino

Übertrieben viel Vertrauen scheinen die Agents nicht in ihren neuen Kollegen zu setzen, denn diese Verfolgungsjagd ist Swipes einziger Auftrag. Der Mann mit dem goldenen Colt, also der Teufel mit den mehr als drei goldenen Haaren, also der Mann, den sie Goldzahn nannten, hat es sich wohl in den Kopf gesetzt, auch der Mann mit dem goldenen Dinobaby werden zu müssen. Zufällig hielt das örtliche Museum ein solches zum Entwenden vorrätig. Agent Swipe würde das Artefakt eher mit seinen Raketen zu Goldwasser schmelzen, als zuzulassen, daß Goldzahn es in Dr. Infernos Vulkanbasis in Sicherheit brächte.

8968: Mission Geld

Letztendlich geht es ja bei der terroristischsten Weltvernichtung auch immer bloß ums Geld. Spätestens seit „Stirb langsam“ wissen wir das. Darob hat Dr. Inferno seinen Finanzjongleur Dollar-Bill losgeschickt, Penunzen zu beschaffen. Lego, ihres Zeichens eine Firma, die auf Kinderbespaßungsgegenstände spezialisiert ist, verharmlost die Umtriebe des Devisenspekulanten und Derivate-Händlers zu einem simplen Raubüberfall; die Kinder sollen ja keine Alpträume bekommen.

Zum Knacken des Tresors versichert sich Dollar-Bill der Dienste einer Spezialistin, Dyna-Mite. Und mit der Beute im Gepäck geht’s mit dem Sumpfboot ab auf den Fluß. Der Propeller dreht sich übrigens, wenn man das Bötchen über den Teppich schiebt. Sogar recht schnell, wenn man recht schnell schiebt. Zur Abwehr etwaiger Verfolger führen die skrupellosen Verbrecher Wasserzeitbomben mit sich.

Der Etwaige ist in diesem Fall Agent Fuse, und der läßt sich von den untauglichen Seeminen nicht in seinen Verfolgungsabsichten beirren, zu ausgeprägt ist der Gerechtigkeitssinn. Diese 300 Dollar sollen nicht Dr. Inferno in die Hände fallen! Diese nicht!

8969: Mission Gift

Der Fokus dieses Sets liegt eindeutig auf Agent Chases neuem Spielzeug. Der Kerl muß ernsthaft in der Midlife Crisis sein, wenn ihm schon sein Silberflitzer nicht mehr reicht, sondern er auf diesen nicht ganz so silbernen Geländetrumm upgraden muß.

Schicksal oder Fetisch? Wieder einmal durchbricht Chase mit einem Fahrzeug eine Straßensperre. Diese zu umfahren und sich mit dem Geländewagen ins Gelände zu wagen, kommt ihm nicht in den Sinn. Typischer SUV-User halt. Dabei ist das Fahrzeug sogar mit Kippachsen ausgestattet, um Stock und Stein überwinden zu können:

Doch warum sollte man sich auf die Flucht durch unwegsames Gelände verlassen, wenn einem doch wirksame Abwehrmechanismen zu Gebote stehen? Neben den ausklappbaren Bordkanonen sind dies vor allem zwei Boden-Luft-Raketen unterm Heckspoiler. Das zugehörige Ortungssystem verbirgt sich unter der Motorhaube. (Wo sich der Motor verbirgt, bedarf noch der Nachforschung.) Zwar ist die Artillerie auf Vernichtung ausgelegt, sollte jedoch wider jedes Erwarten ein abgeschossener Pilot den Schleudersitzeinsatz überlebt haben, kann Agent Chase ihn mit einem gezielten Pistolenschuß niederstrecken.

Aber was soll es auch nützen, sich etwa in bewaldetem Gebiet zu verstecken, wenn der Gegner Agent Orange einsetzt? Diese Assoziation jedenfalls kam mir angesichts des vietnamtauglichen Hubschraubers, mit dem Dr. Infernos Kompagnon, oder auch sein even more evil twin, Dr. D. Zaster (Und wieder geht es nur um die zerstörerische Kraft des Geldes.) sein Gift versprüht. Dieser desaströse Doktor ist zwar dem vormals schon in Erscheinung getretenen Slime Face wie aus dem Gesicht gelutscht, allerdings scheinen die beiden Charaktere nicht identisch zu sein.

8970: Mission Robo

Daß es sich bei der ganzen Agenten-Chose nicht bloß um ein Katz-und-Maus-Spiel, eine Privatfehde zwischen den Agenten und Dr. Inferno handelt, wird an diesem Set kenntlich. Hier bekommen wir vorgeführt, wie tatsächlich auch Zivilisten in Mitleidenschaft gezogen werden.

Auf obigem Gruppenfoto scheinen sie noch recht vergnügt und zuversichtlich. Freilich sind Oberteil und linkes Bein der Dame leicht vergilbt nach zehn Jahren in der Pappkiste, in Erwartung dieser Rezension. Doch auf den Gilb folgt das Grauen.

Umschwärmt von den Agenten Chase (mit Weste) und Trace (ohne) trampelt Dr. Inferno in seinem Robo-Mech(a)-Dingens durch die Vorgärten, auf der Suche nach Grillgut. Da ist’s mit der Conteance der Zivilisten vorbei; zum Glück haben sie Wechselgesichter, um ihren Gefühlszuständen angemessen Ausdruck verleihen zu können. Leider sind die Agents auch nicht Die Unglaublichen™, und das kleine Quad ist kein Snowspeeder, also ist es ungewiß, ob Dr. Inferno aufgehalten werden kann.

Dr. Infernos Robo ist sicher der humoristische Höhepunkt der zweiten Staffel. Sei es wegen des glasigen Eierkopps oder der tapsigen Füße. Sei es wegen des Umstandes an sich, daß der Doktor da mit so einem absurden Gerät durch die Gegend läuft und Godzilla spielt. Oder wegen des fire arms. Dieser ist mit einem Leuchstein bestückt, um es aber mal so richtig brutzeln zu lassen.

Je nach gusto kann er seine Kundinnen (naja) toasten, flambieren oder grillen. Lego steht für gewaltfreies Spielzeug.

Der kleine Flieger ist kaum der Rede wert.


8971: Mission Antenne

Irgendwo an Dr. Infernos Vulkanbasis befindet sich diese kleine Ausfallschneise mit Richtantenne. Und die ist nicht ohne, denn im Innern dieses Berghangs werden Borg herangezüchtet, und da ist Widerstand zwecklos.

„Borg“ ist nicht ganz der richtige Ausdruck, vielmehr handelt es sich um Magma-Drohnen. Also ist Widerstand vielleicht doch nicht zwecklos. Dr. Inferno führt seinen Drohnenkrieg jedenfalls nicht von der Kurpfalz aus, sondern aus der Vulkaneifel, da vermutet es niemand. Außer die Agents, selbstredend. Aber bis diese es vollbracht haben, Infernos Machenschaften ein für alle mal zu unterbinden, schwärmen die Drohnen unter der Führung des Magma-Commanders von hier aus, um die Welt zu unterjochen, gelenkt durch ein Signal von dieser Antenne. Also muß sie zerstört werden.

Der Überwachungsmonitor am Antennenrichtpult verrät es schon: Die Agents wählten einen massiven Kampfhubschrauber mit Doppelrotor, um zum Kampf überzugehen.

Das Innere des Heliskopters ist dürftig, da der zur Verfügung stehende Platz vor allem von der Türmechanik und Rotortechnik beansprucht wird. Beide sind freilich cool.

Im Grunde gibt es hier nur zwei Bildschirmarbeitsplätze und Elitekämpfer, die darauf warten, hinter den feindlichen Linien abgeseilt zu werden, hier Agent Charge. Zur Crew gehören außerdem Agent Chase und Agent Swift. Und ein Jetski.

Das technische Kabinettstückchen dieses Hubschraubers ist der Doppelrotorantrieb. Der wird nämlich von Kindeshand betätigt. Und zwar, ohne daß die Rotorblätter einander oder des Kindes Hand berühren.

So, das war’s. Wie üblich sind nicht die nominell Guten die Interessanten, sondern die Bösen sind es. Werfen wir also noch mal einen Blick auf Dr. Infernos Riege der Ruchlosen:

Dies ist das Führungspersonal, in seiner makellosen weißen Reichsfeldmarschallsuniform Dr. Inferno selbst, in schwarzer Kluft Dollar-Bill, Claw-Dette, Dr. D. Zaster, Dyna-Mite und Slime Face.

Die Zuträger sind Fire Arm, Goldzahn, Spy-Clops, Kettensägen-Joe, Stahlbeißer und Handlanger.

Die willenlosen Werkzeuge schließlich sind der Magma-Commander und seine noch willenloseren Magma-Drohnen. Was soll der Weltherrschaft da noch im Wege stehen? Richtig: Die Weltvernichtung. Naja.


CD-Regal revisited: Pink Floyd (5)

5. Juni 2019

Der Titel ist fehlgeleitet, denn der Chronologie gemäß müßte jetzt vermutlich die Kompilation „The Best of The Pink Floyd“ folgen, welche ich nicht besitze, schon gar nicht als CD. Als Veröffentlichungsdatum für jene Scheibe finde ich überall nur „1970“ angegeben, also könnte sie durchaus auch nach dem Album „Atom Heart Mother“ (AHM) aus demselben Jahr erschienen sein. Jedoch sind hier nur Songs von Singles und Alben versammelt, die vor 1970 erschienen, und AHM kam erst im Oktober 1970 raus, also gehen wir mal davon aus, daß dieses Best-of die Wartezeit bis zu ebenjenem Album überbrücken sollte.

Warum die Scheibe ausgerechnet „Best of“ genannt wurde, ist nicht ganz einsichtig, denn im Wesentlichen handelt es sich um eine Zusammenfassung der ersten vier Singles, ergänzt um zwei Songs vom Debütalbum, die ich persönlich allesamt nicht als das Beste von Pink Floyd bezeichnen würde. Interessant ist die Zusammenstellung dennoch, da die Songs jener Singles ja bis auf die Ausnahme „Scarecrow“ nicht auf Alben erschienen waren. Wären statt der Songs „Mathilda Mother“ und „Chapter 24“ vom Album „The Piper at the Gates of Dawn“ die beiden Songs der fünften Non-Album-Single „Point me at the Sky“/“Careful with that Axe, Eugene“ auf die Scheibe gekommen, wäre es eine perfekte Single-Kompilation gewesen. So halt nicht.

Ebenfalls erwähnenswert ist, daß nahezu alle Songs aus der Ära Syd Barretts stammen, welcher zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser LP aber längst durch David Gilmour ersetzt war. Das Titelkupfer der Erstauflage dieses Albums zeigt darob ein Gruppenfoto Pink Floyds mit David. Das ist, als würde Metallica im Booklet zu „St. Anger“ den Bassisten Robert Trujillo nennen, obwohl dieser zum Zeitpunkt der Aufnahmen fürs Album noch gar nicht in der Band war. (Ach so, hamse ja auch. Egal.)

Jedenfalls. Dieses Album besitze ich, wie gesagt, sowieso nicht. Was ich hingegen zufälligerweise besitze, weil ich es im Gebraucht-CD-Laden mit Plattenkeller nicht stehenlassen konnte, ist eine Wiederveröffentlichung dieses Albums unter dem hochtrabenden Namen „Masters of Rock: Pink Floyd“ (Vol. 1):

(Wie eine just erfolgte Internetrecherche soeben ergab, gibt es weitere Titel der Masters-of-Rock-Serie, wo dann der Union Jack gegebenenfalls durch das Star Spangled Banner ersetzt ist. Vol. 2 beschäftigt sich mit der Band Grand Funk Railroad, Vol. 3 mit der Steve Miller Band, Vol. 4 mit Steppenwolf, Vol. 5 Jeff Beck; des weiteren gibt es noch Ausgaben mit Rare Earth, Geordie, The Band, East of Eden, der Edgar Broughton Band, Wizzard und dem Electric Light Orchestra, alle in ähnlicher Aufmachung wie das gezeigte Album.)

Da die meisten Stücke auf diesem Sampler (um also mal zurück zu Pink Floyd zu kommen) auch in anderer Form veröffentlicht wurden, sei als Höreindruck „It Would Be So Nice“ gegeben, ein Lied aus der Feder Rick Wrights. Syd Barrett war nicht mehr zurechnungsfähig oder gar schon aus der Band entfernt worden, so daß er als Hit-Autor nicht mehr zur Verfügung stand; also versuchten die anderen Band-Mitglieder nun, in seinem Stil Hit-Singles zu schreiben. Das mißlang, die Single fiel an den Kassen der Plattenläden durch und schaffte es 1968 nicht in die Charts. Hören wir dennoch mal rein:

Ach, hier ist David Gilmour doch zu hören. Dem Vernehmen nach mögen die anderen Bandmitglieder diesen Song nicht, es wurde sich mehrfach abfällig über die Komposition, den Text und den Gesangsstil geäußert. Ob dies eine Reaktion auf den ausbleibenden Erfolg war oder tatsächlich ihrer Meinung entsprach, bleibe dahingestellt. Immerhin veröffentlichten sie das Lied nicht als B-, sondern sogar als A-Seite der ursprünglichen Single. Nach der Best-of-Scheibe jedoch verbannten sie es für lange Jahre in den Giftschrank.

Atom Heart Mother

Als ich diese CD damals, so ungefähr 1998 oder 99, erstmals in mein CD-Radio einlegte, war ich zunächst etwas verstört. Auf einen Mißakkord, der an den Auftakt zur „Ode an die Freude“ erinnert („Oh Frooohohohohoinde! Nicht soholche Töne!“), folgt ein über 20 Minuten langes Orchesterstück mit Motorrad, Band und Chor. Das hatte ich nicht erwartet. Es handelt sich auch keineswegs bloß um die Band mit Orchesterbegleitung, wie auf Metallicas „S&M“ exerziert, sondern Orchester und Chor tragen große Teile der Komposition. Entsprechend teilen sich Mason, Gilmour, Waters und Wright die Writing-Credits mit Geesin. Den Vornamen dieses Menschen mit dem Nachnamen Geesin erfährt man weder aus dem Booklet der CD, noch ist er irgendwo auf der Hülle der Langspielplatte vermerkt. Auf der Plattenhülle scheint die Kuh übrigens schwarzbunt zu sein, während sie auf der CD rotbunt wirkt; ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll! Einerlei. Pink Floyd nahmen jedenfalls für ihre ehrgeizigen Orchesterpläne die Unterstützung Ron Geesins in Anspruch, welcher aus den unzusammenhängenden Melodiefetzen, die ihm die vier Jungs vorlegten, erst die Suite arrangierte und die Orchesterpassagen dazu komponierte. Derlei lag im Trend, hatten doch Deep Purple nach ihrem orchestral begleiteten Song „April“ gleich ein ganzes „Concerto for Group and Orchestra“ aufgeführt und eingespielt. Pink Floyd führten die Hybris jedoch so weit, daß sie die Atom Heart Mother Suite in ihr Tourprogramm integrierten, inklusive Blechblasensemble und Chor. Was dazu führte, daß diese Tour bald mehr Geld kostete als sie einbrachte, aber: Die Kunst! Im Nachhinein äußerten sich die Floyd-Mitglieder wieder mal kritisch über dieses Stück. Sie konnten es sich also wohl selbst nicht recht machen.

Zweifellos ist die Suite der Höhepunkt des Albums. Es folgen die Lieder „If“ aus der Feder von Roger Waters, „Summer ’68“ von Rick Wright und „Fat Old Sun“ von David Gilmour. Den Abschluß bildet eine experimentelle Soundcollage mit Melodieunterbrechungen des Titels „Alan’s Psychedelic Breakfast“, für die es wohl nicht den Hörspielpreis der Kriegsblinden gegeben hätte. (Hat es nicht.) Für meinen Freund Claudius fiele das Stück wohl in die Kategorie „Unanhörbar“. Als Musikgenuß taugt es in der Tat kaum, doch der Hauptteil des Albums ist sehr gut hörbar, wenn man sich darauf einläßt. „Fat Old Sun“ lernte ich erst über Live-Mitschnitte dank Youtube wirklich schätzen, aber der Song „Summer ’68“ hatte es mir schon früh angetan:

Des Albums Name war ein Zufallsfund. Die Band wußte nicht, unter welchem Namen sie ihr neuestes Werk promoten sollte. Beim Durchblättern der Zeitung fiel der Blick auf einen Artikel des Inhalts, daß eine Frau mit einem Herzschrittmacher ein gesundes Kind zur Welt gebracht habe, wobei der Herzschrittmacher nuklear betrieben war. 1970 eine Sensation! Die Überschrift „Atom Heart Mother“ dünkte Pink Floyd titelwürdig, nicht nur für das 24-Minuten-Stück, sondern für das komplette Album.

Der CD liegt ein Klappkärtchen bei, das zwei Rezepte enthält, deren Urheber nur Brite sein kann, ungeachtet der vorgeblichen Herkunft:

Hier muß der Autor unbedingt fränkische Spracherfahrung besitzen. Gleichzeitig sind die Rechtschreibfehler von einer Art, die nur jemand vor Drucklegung durchgehen lassen kann, dessen Muttersprache nicht Deutsch ist. Das Rezept auf der Rückseite ist weniger ein intelligentes Frühstück als vielmehr Sättigung für die Massen.

Psychedelisch? Ganz sicher.
Irgendwann 1970 wurde auch noch der Soundtrack zum Film „Zabriskie Point“ veröffentlicht, der Beiträge von Pink Floyd enthält. Aber den hatten wir ja schon. Darum geht’s 1971 weiter mit

Relics

Dieses Album war vermutlich einer meiner frühen Blindkäufe, da ich das Titelbild so ansprechend finde. Das Cover der Digitally-re-mastered-CD zeigt ein phantastisches Musikinstrument, eine Art Dampforgel mit Tausendzassa-Beiwerk im Stile des Steam Punk, ziemlich cool.

Daß es sich dabei um ein Kompilationsalbum handelt, merkte ich erst zu Hause beim Durchhören, weil mir auffiel, daß ich einige Lieder schon von „The Piper at the Gates of Dawn“ kannte. Unmittelbar ärgerte ich mich, denn Sampler fand ich immer doof, weil ich die Dopplung von Songs auf der Sammel-CD und auf deren eigentlichen Alben als Ressourcenverschwendung empfand. Und prinzipiell immer noch empfinde. Jedoch waren mindestens sechs der elf Songs für mich neu, da es sich um solche von Non-Album-Singles handelt, insofern ärgerte ich mich dann doch nicht so fürchterlich. Weshalb freilich Pink Floyd innerhalb von zwei Jahren zwei Compilations mit sich überschneidendem Inhalt veröffentlichten, ist nur schwer nachzuvollziehen. Zumal „Relics“ zwar nicht deckungsgleich ist mit „The Best of Pink Floyd“ (s. o.), aber eben auch erneut nicht ein komplettes Single-Album darstellt, sondern dieses Mal sogar fünf Songs von älteren Alben enthält. Die Single-B-Seite „Careful With That Axe, Eugene“ kam neu hinzu, dessen A-Seite „Point Me At The Sky“ ließ man jedoch weg. Neu ist auch der Song „Biding My Time“, der zuvor unveröffentlich war, jedoch im Live-Programm der Band gespielt wurde. Der Song „Embryo“, der ebenfalls zu jener Zeit ein Live-Dauerbrenner war, schaffte es erneut nicht auf diese Scheibe. Das alles wußte ich natürlich damals nicht, sondern mich ärgerten bloß die Songs, die ich eh schon auf den jeweiligen Alben hatte.

Sehr viel später erfuhr ich erst aus diesem Internet, daß die tolle Dampforgel nicht in dieser Form auf dem originalen Vinyl-Album abgebildet gewesen war. Das obig abgebildete Modell ist ein Nachbau, der eigens für die remasterte Neuauflage der CD zusammengezimmert wurde. Ursprünglich zierte das Cover eine Zeichnung von Nick Mason höchstpersönlich.

Auf Nick Masons Zeichnung ist der programmatische Untertitel des Albums besser zu erkennen als auf dem Foto des Nachbaus in CD-Booklet-Größe: „A bizarre collection of antiques & curios“. Eine bizarre Zusammenstellung ist das in der Tat.
Als den einzigen Song, der ausschließlich auf diesem Album enthalten ist, möchte ich „Biding My Time“ zu Gehör bringen, da dieser den Mehrwert der Kompilation darstellt. Es beginnt harmlos als ruhige Blues-Nummer und steigert sich schließlich zu einer furiosen Jam-Session, welche den Live-Ursprung des Liedes erkennen läßt.

Das wird nicht er letzte Blues-Song von Pink Floyd gewesen sein.


Kleiner Anstoß zur Hoffnungslosigkeit.

4. Mai 2019

Machen wir uns nichts vor. Die Bayern werden die zehn voll machen. Zehn Meisterschaften in Folge nämlich. Und sollte dann tatsächlich eine andere Mannschaft mal dazwischengrätschen können, wird es Red Bull Leipzig sein. Die Zeiten, in denen in der Bundesliga die achtzehn besten Mannschaften Deutschlands untereinander den Meistertitel ausspielten, sind lange vorbei. Die Bundesliga ist nur noch das Qualifikationsturnier für die europäischen Pokalwettbewerbe.

Der Urfehler ist ja sowieso, sich emotional an Dinge zu hängen, die man nicht beeinflussen kann. Daumendrücken ist nicht: das Daumenbedrückte zu beeinflussen. Kerzenanzünden (falls man katholisch ist) ist nicht: auf das Seelenheil dessen, „für“ den man eine Kerze angezündet hat, Einfluß zu nehmen. Beten ist nicht: die Muttergottes (falls man immer noch katholisch ist) oder den sonstigen Heiligen (falls man es immer noch nicht begriffen hat und weiterhin katholisch bleibt) so zu beeinflussen, daß sie oder er auf den lieben Gott Einfluß nimmt, damit dieser dann die Dinge so lenkt, wie es einem lieb wäre. Und eine Fußballmannschaft anzufeuern ist eben auch nicht: etwas zum Erfolg beigetragen zu haben. Na gut, manchmal vielleicht schon; aber die Mannschaft, die frenetisch angefeuert wurde, verliert häufig genug trotzdem, und das sollte einem zu denken geben. Ach, und Lottospielen ist übrigens auch nicht: Vermögensmanagement. Nicht, wenn damit die Mehrung des Vermögens gemeint ist.

Fußballfans neigen ja zu Irrationalität. Das beginnt bei den Spieltagstipps („Alter, die Schalker hau’n wir heute 4 zu 0 wech!“), geht weiter bei der Bewertung von Spielszenen („Ey! Schiri! Das war doch nie im Leben Abseits! Fußball-Mafia Dee Eff Bee!“) und endet vermutlich nicht bei der Chancenkalkulation bezüglich der zu erringenden Titel („Also wenn wir jetzt in Bremen gewinnen, und wenn Hannover in München über sich hinauswächst, früh ein Tor macht und sich dann hinten reinstellt und 1 zu 0 gewinnt, dann sind wir wieder einen Punkt vorne!“).

Hochgradig irrational ist es, seine Hoffnungsfünkchen im düsteren Alltag aus den Erfolgen des mehr oder weniger zufällig gewählten Lieblingsvereins schlagen zu wollen. Manchmal klappt das (Und als BVB-Fan habe ich da noch mit die beste Billanz mit immerhin 5 selbst miterlebten Meisterschaften, 3 miterlebten Pokalsiegen, einem miterlebten Champions-League-Triumph), häufiger jedoch nicht. (Denn als BVB-Fan habe ich ja auch schon 3 Niederlagen in europäischen Pokalfinals miterlebt, 4 Niederlagen in DFB-Pokalfinals und rein rechnerisch 37 verpaßte Meisterschaften.)

Ebenso irrational ist allerdings auch das naiv-mütterliche „Möge der Bessere gewinnen!“, denn natürlich soll eben nicht der Bessere gewinnen. Sondern die eigene Mannschaft. Nicht die Bayern; die gewinnen sowieso immer. Verdammt nochmal, immer! Sportlich-faire Anerkennung der Verdienste anderer mag ihren Platz in Sonntagsreden von Verbandsfunktionären haben, aber vom gemeinen Fußballfan darf man dergleichen nicht erwarten, denn es ist ja nicht Sinn der Sache, anderen beim Jubeln zuzusehen. Es ist jedoch die Normalität. Denn naturgemäß kann am Ende ja nur einer den Sieg davontragen, während alle anderen betrübt in die Röhre gucken. Und es wäre ja nicht mal schlimm, nicht Meister zu werden, wenn nicht dieser eine, der den Sieg davonträgt, immer Bayern München wäre. Fast kann man es den Bayern nicht verübeln, denn die Mitbewerber um den Titel sind ja auch einfach zu blöd. Ja, ich meine dich, Borussia Dortmund!

Es wäre nicht mal schlimm, wenn andere Mannschaften öfter Titel errüngen als die eigene, was sowieso für die allermeisten Fußballfans der Normalfall ist. Wenn denn diese anderen Titelgewinner wenigstens sympathisch wären und ihre Triumphe zu schätzen wüßten. Die längste Zeit meines Lebens standen andere Vereine in der Rangliste der deutschen Meisterschaften vor dem BVB, der die gesamte Bundesligageschichte von 1963/64 bis 1995 ohne Meistertitel blieb. Selbst heute ist Borussia Dortmund nicht mal Zweitplatzierter hinter den Bayern, sondern vor uns steht noch der 1. FC Nürnberg mit neun Titelgewinnen. Und Dynamo Berlin mit garantiert sportlich-fair errungenen zehn DDR-Meistertiteln. Ich kann mich nicht erinnern, daß die jeweils anderen Titelträger ob dieses Umstandes angefeindet worden wären. Nur die Bayern. Weil sie die Meisterschaft als ihnen zustehendes Naturrecht ansehen, gleichzeitzig diese Meisterschaft aber nicht zu schätzen wissen, sondern ihnen nur der Champions-League-Titel etwas bedeutet. Weil sie aber dennoch beleidigt sind, wenn tatsächlich doch mal wer anders Meister wird. Weil sie darüber jammern, daß ihnen die allzu schwache Bundesliga nicht die nötige Wettkampfpraxis bietet, um in der Champions League reüssieren zu können, sie aber gleichzeitig mit ihrer Einkaufspolitik für die Tribüne dafür sorgen, daß alle potentiellen Konkurrenten schön schwach bleiben. Weil sie arrogant und herablassend sind, und weil sie nicht nur schlechte Gewinner, sondern noch schlechtere Verlierer sind, falls dieser Umstand mal eintrifft, was selten ist. Dann kommt es schon mal vor, daß nach einer 2-zu-5-Niederlage im Pokal davon gesprochen wird, über 90 Minuten die bessere Mannschaft gewesen zu sein; und daß man der siegreichen Mannschaft im Finale den gebotenen Respekt versagt und die Silbermedaillen wegschleudert, die andere sich stolz in den Partykeller hängen würden. Als 2002 der BVB überraschend Meister wurde und nicht die Bayern zum vierten Mal in Folge, was damaliger Rekord gewesen wäre, hieß es aus Bayernkreisen, das hätte schon wehgetan, zu sehen, wie die anderen (die Dortmunder) die Meisterschale überreicht bekamen. Ihre Meisterschale. Und als 2013 Mario Götze und Marco Reus das neue Traumduo im offensiven Mittelfeld wurden, zahlten die Bayern über 30 Millionen Euro, um dieses Duo zu sprengen. Und um Götze auf der Tribüne versauern zu lassen. Wenn man ein gutgefülltes Festgeldkonto hat, kann man sich sowas ja leisten. Natürlich verkündet man solche Kaufabsichten auch strategisch günstig vor einem wichtigen Aufeinandertreffen mit dem gegnerischen Verein, um Unruhe zu schüren.

Und dann sind da die Bayernfans. Da gibt es ja solche und solche. Die einen sind halt Münchner oder wenigstens Bayern und haben halt Glück gehabt. Die anderen sind weder Münchner noch Bayern und hatten auch kein Glück, sondern haben sich halt für den Verein entschieden, der so oft gewinnt. In den Zeiten, da Borussia Dortmund mal eine Erfolgsphase hatte, kamen solche Fans auch zum BVB. Jedenfalls ist das eine gewissermaßen rationale Entscheidung, denn es ist ja sinnvoll, sich als Lieferanten für Stellvertreter-Erfolge den Verein auszusuchen, bei dem die Erfolgsaussichten am besten sind. Vulgo: Bayern München. Das ist so rational, daß es mich anwidert.

Zumal, wenn dann eine Emotionalität zur Schau getragen wird, die im krassen Gegensatz zur berechnenden Kälte dieses ganzen Bayern-Gedönses steht. So bejubelt der Radioeporter Karlheinz Kas jedes Tor der Bayern in der Bundesligakonferenz so dermaßen überschwänglich, als sei es das Unfaßbarste, dessen er je Zeuge wurde. Und meinen treulosen Nachbarn höre ich hier auch stets jedes Tor für die Bayern und jedes Tor gegen den BVB übertrieben laut zelebrieren. Als ich mal nach irgendeinem verlorenen Pokalfinale vom Marktplatz, wo auf Großleinwand die Niederlage im Rudel mitverfolgt wurde, nach Hause trottete, hörte ich auf einmal hinter mir: „Ey!“, was ich zunächst nicht auf mich bezog. Dann nochmal: „Ey!“, also drehte ich mich um. Da saßen zwei Bayernfans mit der Bierflasche in der Hand auf einer Motorhaube und riefen mir zu: „Mia san mia!“. Ja dann geht doch nach drüben, wenn’s euch hier nicht gefällt! Bayernfan zu sein ist ja gut und schön, aber dann diese pseudobayrische Klüngelmentalität zu adoptieren, grenzt ja schon an cultural appropriation. Kann ich nicht ernstnehmen.

Aber ernstnehmen kann man Bayernfans ja sowieso schlecht. Vor allem nicht, wenn sie über Mißerfolge ihrer Mannschaft jammern, was häufig geschieht, vor allem betreffs der Champions League. Die jahrelang andauernde Meisterschaft bringt ihnen ja dummerweise keinen Endorphinschub mehr, weshalb höhere Weihen herhalten müßten; tun sie aber nicht. In der Champiuons League können Bayernfans noch erleben, wie es sich anfühlt, keinen Erfolg zu haben, was – ich erwähnte es – für Fans aller anderen Vereine ganz normal ist. Normale Fans haben Abstiegssorgen und Aufstiegsenttäuschungen (HSV, oje, oje), können nur ganz selten mal auf wirkliche Erfolgserlebnisse hoffen und nehmen diese dann nicht wie selbstverständlich hin, sondern bejubeln eine Meisterschaft wirklich noch wie eine Meisterschaft und nicht bloß wie einen Einwurf. Für die Bayern hingegen wird die Saison 2018/19 als die Horrorsaison in Erinnerung bleiben, in der sie beinahe nicht Meister geworden wären und mal wieder nicht die Champions League gewonnen haben.

Also geht’s am Ende allen schlecht. Das ist doch auch mal schön.

 


Ultimo.

30. April 2019

Mannomann. Der Monat ist schon wieder rum, und in dreißig Tagen habe ich nicht einmal Lust verspürt. Nee, falsche Interpunktion. …habe ich nicht einmal Lust verspürt [Komma], hier einen Blogeintrag zu schreiben [Punkt].