42102 Mini Claas Xerion.

26. Dezember 2019

Neulich erhielt ich die Gelegenheit, ein neues Set des Modelljahres 2020 vorab zu bauen, unter der Voraussetzung, eine Rezension dazu zu schreiben, aber nicht vor dem 26sten Dezember. Na, das mache ich doch gerne! Mehrere Technic-Sets standen zur Auswahl, und da mein zweiter Vorname ja „Bauer“ ist, griff ich mir den kleinen Traktor.

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Ich machte sogar dreizehn Bilder, was also roundabout 13.000 Worten entspricht. Den Unterschied zwischen „Worten“ und „Wörtern“ können wir an dieser Stelle getrost unterpflügen. Oder auch kleinhäckseln, denn das im Lieferumfang enthaltene Anbaugerät ist eine Rotationsschneide. So nennt es der Online-Katalog von Lego, ob der Landwirt es ebenfalls so nennt, weiß ich nicht.


Naturgemäß ist es nicht möglich, in solch einem kleinen Modell aufdringlich viele technische Funktionen unterzubringen. Es sind im Prinzip derer drei: Zum einen läßt sich der Trecker lenken. Das würde mir ja schon genügen, denn statt fleißig zu schreiben, kurve ich hier mit dem Gefährt übern Schreibtisch. Dazu muß ich die Schreibtischlampe einschalten, denn die Beleuchtung des Traktors ist nur aufgeklebt:

Leider taugt der Kleine für die Landwirtschaft nur bedingt, denn die Lenkung ist zwar leichtgängig, aber klobig, und trotz großer Bereifung wird die Ackerkrume vor dem Traktor hergeschoben; von Bodenfreiheit kann keine Rede sein!

(Den Möwen bietet sich dieses Bild:

Klammer zu.)

Die zweite Funktion stellt das von den Hinterrädern angetriebene Schneidwerk dar. Da zwischen den beiden 36er-Zahnrädern des Mähwerks ein 12er-Zahnrad angetrieben wird, drehen sich die großen Räder stets in dieselbe Richtung. Der Monk in mir hatte am Tage des Zusammenbaus Ausgang, darum sind die beiden schwarzen Zahnräder auf den Bildern nicht parallel ausgerichhtet.


Als dritte Funktion schließlich läßt sich das Gerät hoch- und runterklappen.

Unabhängig davon, ob es sich in Arbeits- oder in Feierabendstellung befindet, dreht sich das Schneidwerkzeug immer, wenn der Trecker fährt. Denn das verbindende Zahnrädchen wird durchs Hochklappen nicht vom Antrieb getrennt.

Um Dynamik darzustellen, habe ich komplett beabsichtigt und in dem vollkommenen Bewußtsein darüber, was ich da tat, dieses Unschärfebild geknipst. Vielleicht habe ich aber auch bloß gewackelt.

Die vierte Funktion habe ich zuvor unterschlagen: Man kann das umherwirbelnde Mordsgerät – Feldhasen aller Länder, vereinigt euch! – leicht abbauen. Das böte die Möglichkeit, ein anderes Gerät anzuflanschen, welches man sich freilich selbst bauen müßte.

Außerdem läßt sich dann, so dachte ich, das aufgebaute Modell im Eigenkarton verstauen, lagerzwecks. Is’ aber nich’ so. Auch die Räder müssen abgebaut werden.

Bei dieser Gelegenheit erhaschen wir einen Blick auf das Zweitmodell dieses Sets. Vorderseits war ja großspurig von „2 in 1“ die Rede. Aber enthalten ist natürlich nur die papierne Bauanleitung für den Traktor. Die „Erntemaschine“ (Karton) oder der „Feldhäcksler“ (lego.com) kann nur gebaut werden, wenn ein Zugang zum Internet besteht und man den Link LEGO.com/technic eintippt. Dortselbst möge man die Bauanleitung dann suchen. Spoiler: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt 26.12.2019) ist für Set 42102 noch keine Bauanleitung hinterlegt.


110.

19. Dezember 2019

Heute auf den Tach vor einhundertundzehn Jahren, am 19ten Dezember 1909, entschieden sich im Dortmunder Norden einige widerborstige Rabauken der Jünglingssodalität „Dreifaltigkeit“, einen Fußballverein zu gründen, weil ihr Dekan dem Fußballsport so rein gar nichts abgewinnen konnte und dergleichen Proletengedöns in seiner Kirchengemeinde nicht tolerieren wollte. Und hastenichgesehn war der Ballsportverein Borussia 09 aus der Taufe gehoben, ohne jedoch Kirchenmitglied zu sein. Die Kurie was not amused.

Keine 90 Jahre später, nämlich bereits am 1sten September 1999, entschied ich mich, diesem Verein beizutreten. Vielleicht entschied ich aber auch bereits vorher, und am 1sten September wurde lediglich die Mitgliedschaft wirksam. Über die Beweggründe zum Beitritt kann ich im Rückblick nurmehr spekulieren. Nach den Meisterschaften 1995 und 1996 sowie dem Gewinn der Champions League 1997 verliefen die folgenden Saisons nicht gar so erfolgreich, der Trainer wurde gewechselt, die Mannschaft wurde planlos zusammengestellt, und der Verein machte vor allem dadurch von sich reden, daß er den Börsengang vorbereitete, welcher am Tag nach dem Weltspartag 2000 erfolgen sollte und fünf Jahre später schon fast den Konkurs des BVB bedeutet hätte. Das konnte ich im Spätsommer des Jahres 1999 also noch nicht wissen. Wie dem auch sei, seit 20 Jahren zahle ich da Mitgliedsbeitrag, was mir seinerzeit gewisse Vorteile versprach. Vor allem haben Mitglieder ein Vorkaufsrecht für Eintrittskarten. Mit der Mitgliedsnummer 73287 und einem Fassungsvermögen des Westfalenstadions, das in jener Zeit durch Tribünenerweiterungen nach und nach auf über 80000 Zuschauer gesteigert wurde, standen also die Chancen gar nicht so schlecht. Inzwischen verzeichnet der Verein allerdings über 150000 Mitglieder, und das Vorkaufsrecht ist längst keine Garantie mehr dafür, Karten zugeteilt zu bekommen. Einmal jedoch hatte ich Glück und gewann zwei Karten fürs Pokalfinale 2008, wobei „gewinnen“ nicht bedeutet, daß ich sie umsonst bekommen hätte, neenee. Verloren wurde außerdem das Spiel.

Mathe-Genie, das ich bin, dachte ich: 1999 bis 2019 – das sind 20 Jahre. Also habe ich wohl 20 Mitgliedsausweise. Es sind aber 21, und das macht mich fassungslos.

Wie man sieht, war der Mitgliedsausweis zunächst ein schmuckloses Stück laminierte Pappe mit nachlässig eingedruckten Daten. Im Jahre 2001 wurde aus mir nicht einsichtigen Gründen diesen Daten das Geburtsdatum des Ausweisinhabers beigefügt, aber dieses unachtsamerweise mit dem Datum des Vereinseintritts gleichgesetzt, ein Fehler, der im Folgejahr korrigiert wurde. In den Jahren 2003, 2004, 2005 und 2006 schmückte die Karte das frisch ausgebaute und neugestaltete Westfalenstadion, das im Dezember 2005 freilich in „Signal Iduna Park“ umbenannt wurde. Auch auf dem 2006er Ausweis kann man aber noch den Namen „Westfalenstadion“ auf dem Bild erahnen. Ich bin eh der Ansicht, daß der mit Sponsorengeld finanzierte Signal-Iduna-Park die Grünfläche im Westfalenstadion ist. Meinetwegen soll der Rasen so heißen, wenn die Versicherung die Gärtner bezahlt.

In den Jahren 2007 und 2008 wurde der Vereins- oder Kommanditgesellschaft-auf-Aktienbasis-Führung die Verwendung des Westfalenstadion-Bildes wohl zu heikel, und das Design wurde auf schlichtes schwarz und gelb geändert, welches schließlich zum besonderen Jubiläumsdesign 2009 führte. Ab dem Jahr 2010 schließlich werden auf dem Kärtchen historische Mannschaftsbilder gezeigt, seit 2011 im gegenwärtigen Corporate-Identity-Design. Die doch einigermaßen reichhaltige Titelliste des BVB würde es erlauben, diese Siegermannschaften in den jeweiligen Jubiläumsjahren zu ehren, aber auf diesen Trichter kamen die Designverantwortlichen auch nicht von Anbeginn. Die 2010er Karte zeigt ein Bild von 1913; 2011 ist die Meistermannschaft 1957 zu sehen; 2012 die Sieger des Europapokals der Pokalsieger 1966, die erste deutsche Mannschaft, die einen Europapokal gewann; 2013 die Meistermannschaft von 1956, welche die ein Jahr jüngere, ansonsten aber identische Mannschaft von 1957 ist, ein einmaliges Kuriosum in der deutschen Fußballgeschichte; 2014 sehen wir den Deutschen Meister 1963, mithin die letzte Meistermannschaft vor Einführung der Bundesliga; 2015 schließlich haben wir den Pokalsieger von 1965 im Bild, übrigens als erste Mannschaft mit der damals neu geschaffenen und bis heute verwendeten Trophäe; 2016 schaffte es abermals der Europapokalsieger von 1966 aufs Cover; 2017 zum 20-jährigen Jubiläum der Champions-League-Sieger von 1997; 2018 der Westdeutsche Meister und somit Teilnehmer an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft von 1948; und 2019 sehen wir den Pokalsieger von 1989.

Und Mitglied im LEGO World Club war ich auch mal. Ohne jegliche Vor- oder Nachteile, das Kärtchen ist auch nicht datiert.


Lego kauft Bricklink.

26. November 2019

Wie man hier, hier, nicht zuletzt hier, und sogar hier erfahren kann, kauft die Lego Company die BrickLink Company. Ein normaler Vorgang in der Geschäftswelt. Eine Firma kauft eine andere, „schluckt“ sie, wie der an Erfahrung verhärmte Volksmund sagt, und alles ist super, wie man den Pressemitteilungen zu entnehmen das Privileg hat. Die kaufende Firma ist einen Konkurrenten los und verleibt sich dessen Ressourcen an Know-How, Klientel und Sachwerten ein, der Eigentümer der verkauften Firma bekommt einen Batzen Geld, und wer auch immer managenderweise seine Finger im Spiel hatte, freut sich über eine Provision, die sich prozentual nach dem Transaktionswert richtet. Alle sind glücklich. Naja, außer in der Regel die Angestellten beider Firmen, insbesondere nicht diejenigen des geschluckten „Partners“. Denn noch nie in der Geschichte des Schluckens ist so ein Deal über die Bühne gegangen, ohne daß dies mit der Verkleinerung des Gesamtumfangs des aus der Fusion entstandenen Unternehmens einhergegangen wäre. Nun, die Zahl der Angestellten von BrickLink ist überschaubar, handelt es sich doch im Wesentlichen um eine Online-Plattform, die mit wenigen Programmierern und Administratoren und vielen freiwillig Beitragenden auskommt; darum soll das also unsere Besorgnis nicht sein!

Von Seiten Legos verlautbart das Erwartbare: Vollkommen excited, totale Wertschätzung, wir tun’s für die supertollen Fans, freuen uns auf den superkreativen Input, nichts wird sich ändern, aber alles wird besser, was son Vielphras halt zu verlautbaren hat. Es kann ja jeder selbst die oben verlinkten Interviews auf Brickset.com und The Brothers Brick nachlesen, auch der CEO von Lego äußerte sich auf Bricklink entsprechend.

Was ist davon zu halten? Nichts, natürlich. Lego hat ein Interesse daran, den größten fanbasierten Online-Marktplatz für seine Produkte unter Kontrolle zu bekommen, sonst hätten sie sich ja nicht zum Kauf entschlossen. Den kreativen Input der AFOLs, von dem in den Verlautbarungen schwadroniert wird, können wir vernachlässigen, denn auf BrickLink geht es hauptsächlich um den Handel mit Lego-Artikeln jeglicher Art. Und wenn der Deal vollzogen ist, kann Lego nicht nur den Erstmarkt steuern, sondern auch noch den Zweitmarkt. Ist das überhaupt zulässig? Im Zweifelsfall kann Lego also auch verhindern, daß via BrickLink gewisse Dinge gehandelt werden, allem voran die ominösen Q-Parts, über deren Herkunft die Firma selbst gerne Aufschluß hätte. Wie Lego wohl mit BrickLink-Händlern verfährt, die unter ihrer, Legos, Jurisdiktion mit solchen Teilen handeln oder in der Vergangenheit gehandelt habemn? Auch der Umstand, daß Lego sehr ausdrücklich darauf bestand, jegliche Dacta- und sonstwie Educational-Sets nicht in den Sammlerkatalog aufzunehmen, könnte zu der Befürchtung Anlaß geben, der neue Eigentümer könnte diesbezüglich in den BrickLink-Katalog eingreifen und den Handel mit solchen Sets unterbinden. Und wie steht’s mit Sets, die Lego bewußt regional exklusiv vertrieben hat, bisweilen in Absprache mit Kooperationspartnern und Lizenzgebern, die ein Interesse an einer solchen Verbreitungspolitik hatten, warum auch immer? Bisher konnte der interessierte Sammler, so er das *pling* nötige Kleingeld (2 Euro ins Phasenschwein) hatte, sich dennoch, neben anderen Quellen, über BrickLink mit solchen Kollektiblen versorgen.

Natürlich bestünde auch die Chance, das Herz Bricklinks, den Katalog, der über beinahe zwanzig Jahre von Fans ohne intime Kenntnis von Legos Interna zusammengetragen wurde, mit Legos eigener Datenbank abzugleichen, zu vereinheitlichen und auf quasi offiziellen Stand zu bringen. „Chance“ sagte ich, doch auch hier lauert die Gefahr. Denn der Bricklink-Katalog spiegelt die Bedürfnisse der Käufer wieder, seien es nun Sammler oder Eigenbauer, ohne den Produktionserfordernissen Rechnung zu tragen. Soll heißen: Im BL-Katalog werden oft Unterscheidungen vorgenommen, welche den Hersteller naturgemäß nicht interessierten und zum Teil nicht bewußt sind, das auch gar nicht sein müssen; es soll kein Vorwurf sein. Für Lego ist ein roter 2×4-Stein ein roter 2×4-Stein. Für den Sammler ist ein roter 2×4-Stein von 1967 in den verschiedensten Aspekten fundamental unterschiedlich zu einem roten 2×4-Stein von 2019. Wird Lego derlei Details in einem Bricklink-Katalog unter ihrer Ägide noch zulassen? Auch wenn es bedeuten sollte, Qualitätsunterschiede zu ihren Ungunsten anzuerkennen? In den Verlautbarungen ist ja die Rede davon, daß Lego in der Übernahme BrickLinks die Chance sieht, enger mit den AFOLs in Kontakt zu treten und von ihnen zu lernen; wir werden sehen, was solche Aussagen wert sind. Skepsis ist angebracht, denn wir kennen die Firma Lego nicht erst seit gestern. Erinnert sei an das Kommunikationsgebaren anläßlich der Farbumstellungen 2004.

Und schließlich neigt die Firma Lego zu kurzfristigem Denken. Was ihr heute opportun erscheint und mit substanziellen Investitionen vorangetrieben wird, läßt sie morgen fallen wie eine heiße Kartoffel. So lancierte Lego beispielsweise im Oktober 2010 nach aufwendiger Entwicklungsarbeit ein eigenes Multiplayer-Online-Spiel nach Art von Second Life (wer kennt das überhaupt noch?) oder World of Warcraft, und schon im Januar 2012 war das Projekt „Lego Universe“ schon wieder passé. Wir sollten uns also darauf vorbereiten, daß Lego in ungefähr drei Jahren mit großem Bedauern und herzlichem Dank an alle Beteiligten sowie unter dem Bekunden tiefsten Respekts für die AFOLs mitteilt, sich außer Stande zu sehen, Bricklink weiterhin aufrecht zu erhalten, weil Firmenphilosophie und Markterfordernisse und so, ihr versteht schon. Küß die Hand und tschüß!

Vermutlich gäbe es noch viel zu sagen, zum Beispiel hinsichtlich der Vielfalt der auf Bricklink gehandelten Produkte, die bis dato nicht notwendigerweise aus dem Hause Lego stammen mußten, aber da mich das persönlich wenig tangiert, möchte ich zusammenfassen:
Entgegen sämtlichen Ankündigungen wird die Firma Lego zunächst Einfluß auf die Souveränität der einzelnen Händler nehmen, den Handel mit ihnen nicht genehmen Produkten unterbinden, um sodann das Projekt BrickLink binnen dreier Jahre zu beenden.


Willkommen in der Räderhölle!

26. Oktober 2019

Seit Jahr(zehnt)en steht eine Pappkiste auf meinem Lego-Regal, in welche ich immer diese ganzen doofen Räder werfe, die anfallen, wenn ich irgendwelche Sets auseinandersortiere. Nun entschloß ich mich, diese Kiste mal durchzusortieren, in der Hoffnung, durch akkurate Anordnung des Inhalts diesen zu komprimieren und im Platzbedarf zu optimieren. „Nun“ bedeutet übrigens: Irgendwann Mitte September. Ich steige also auf einen Stuhl, um den Karton herabzuholen, tu das auch, schleppe ihn ins Licht und stelle fest: Das ist gar nicht meine Räderkiste! Es sind Räder darin, viele sogar, aber eigentlich ist das eine Kiste mit großformatigen Formteilen, denen ich dieselbe liebevolle Ignoranz angedeihen lasse wie den Rädern. Die Räderkiste steht unter dem Regal, noch seit dem letzten Umzug mit Folie umwickelt.

Aber hilft ja nüscht. Und jetzt sieht mein Wohnzimmertisch nahezu so aus:


Die südwestliche Ecke des Tisches läßt möglicherweise erahnen, daß ich zwischenzeitlich den Gedanken hegte, eine kleine Geschichte des Lego-Rades zu schreiben. Steckachsen mit Metallstift, Metallachsen, plastene Steckräder, verschiedene Größen und Bereifungen, und all sowas.

Aber nee. Ich weigere mich, dem Bildungsauftrag nachzukommen. Ich habe ehrlich, ehrlich kein Interesse, mich mit diesem Rädergedöns eingehender zu beschäftigen. Deswegen hat es dieser Beitrag auch nicht mehr in die Septemberausgabe geschafft. Ich werde den ganzen Summs vom Tisch wieder in die Kiste kehren und außer Sicht wegverstauen.

 


Anfängerfehler.

28. August 2019

Einer der Anfängerfehler, die ich seit fast dreißig Jahren begehe, ist, die Größe eines Sortierbehältnisses so zu wählen, daß die vorhandene Menge genau hineinpaßt. Ungeachtet des Umstandes, daß eine Zunahme des Bestandes zu erwarten ist, wie mir die Erfahrung eigentlich zeigen könnte. Sie tut es ja auch, bloß scheine ich den Fingerzeig meiner Erfahrung stumpf zu ignorieren. Und dann jammere ich auch noch darüber!

Leider hat das Konsequenzen. So wollte ich zum Beispiel eigentlich mal wieder was bauen. Aber erst, nachdem ich die ganzen ollen Agents-Sets auseinandergebaut und wegsortiert hätte, um überhaupt Platz zum Bauen zu haben. Platz ist notwendig, um erstens das zu Bauende abstellen zu können und auch über längere Zeit stehenbleiben lassen zu können, und zweitens, um die Sortierbehältnisse mit den Bauteilen komfortabel ausbreiten zu können; also müssen unnütz herumstehende Sets zuvörderst mal weg. Sie sind auch weg; die Agents-Sets sind Geschichte. Dafür liegen dann natürlich all die dunkelblauen und neuhellgrauen Teile auf dem Bautisch, der zum Abbautisch wurde. Und ganz viele Technic-Pins und Räder und spezialisierte Kleinteile. Für all das habe ich Sortierboxen, aber die sind ja jetzt schon am Rande der Überfüllung, teils darüber. Meine Räderkiste beispielsweise steht auf dem Schrank, und ich kann sie nicht mehr herunterholen, ohne eine Lawine auszulösen, weshalb ich Räder einfach alle unsortiert in diese Kiste werfe. Besser gesagt: auf den Berg in dieser Kiste. Um diese Räderkiste ihrerseits mal durchzusortieren, fehlt es mir das Interesse an dieser Art von Bauteil. So. Und weil ich befürchte, beim Wegsortieren der Teile feststellen zu müssen, daß das Fassungsvermögen meiner Sortierbehltnisse erreicht ist, was unzweifelhaft so sein wird, zögere ich das Wegsortieren hinaus. Zwar wäre es möglich, jeweils die neue, nun weitaus größere Menge eines Bauteils in ein größeres Behältnis umzuschütten, aber auch das birgt ja Probleme. denn für größere Boxen habe ich schlicht keinen Platz mehr, so ich denn überhaupt ein passendes Behältnis finde.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Ich habe einfach zuviel Lego. Ich habe zuviel Lego, um damit noch bauen zu können. Jammer.


Langerwartete (naja) Themen-Retrospektive: Agents 2.0

15. Juli 2019

Im Jahre MMDCCLXII a. u. c. (Den Gag ziehe ich jetzt durch, so unlustig er auch ist.) setzte Lego die Agents-Reihe fort, vorgeblich auf einer höheren Entwicklungsstufe. Oder was soll „2.0“ anderes bedeuten? Jedenfalls bekommt das Team der Agenten Zuwachs in Person der Agenten Swipe und Swift. Während der blonde Swipe einen individuellen neuen Charater in der Agents-Saga (naja) darstellt, deuchte solcherlei die geistigen Väter der Serie – und nur um solche kann es sich hier handeln – hinsichtlich der neuen weiblichen Agentin nicht nötig. Agentin Swift ist bloß Agentin Trace mit neuer Haartracht, bestenfalls handelt es sich um Zwillingsschwestern. Die Köpfe sind identisch.

Zweipunktnullerdings sind die Agenten jetzt mit Kevlar-Westen (aus ABS-Plastik) geschützt. Alle außer Trace, die Heulsuse; in keinem der fünf neuen Sets trägt sie eine Weste. Chase trägt dafür sogar in zwei Sets eine, weshalb zu hoffen bliebe, daß er Gentleman genug ist, eine an Trace abzutreten.

Die neuen Missionen sind nicht mehr durchnumeriert, sondern die Missionsziele sind durch kleine Bildchen versinnbildlicht, welche im Folgenden in Worte übersetzt sein sollen.

8967: Mission Dino

Übertrieben viel Vertrauen scheinen die Agents nicht in ihren neuen Kollegen zu setzen, denn diese Verfolgungsjagd ist Swipes einziger Auftrag. Der Mann mit dem goldenen Colt, also der Teufel mit den mehr als drei goldenen Haaren, also der Mann, den sie Goldzahn nannten, hat es sich wohl in den Kopf gesetzt, auch der Mann mit dem goldenen Dinobaby werden zu müssen. Zufällig hielt das örtliche Museum ein solches zum Entwenden vorrätig. Agent Swipe würde das Artefakt eher mit seinen Raketen zu Goldwasser schmelzen, als zuzulassen, daß Goldzahn es in Dr. Infernos Vulkanbasis in Sicherheit brächte.

8968: Mission Geld

Letztendlich geht es ja bei der terroristischsten Weltvernichtung auch immer bloß ums Geld. Spätestens seit „Stirb langsam“ wissen wir das. Darob hat Dr. Inferno seinen Finanzjongleur Dollar-Bill losgeschickt, Penunzen zu beschaffen. Lego, ihres Zeichens eine Firma, die auf Kinderbespaßungsgegenstände spezialisiert ist, verharmlost die Umtriebe des Devisenspekulanten und Derivate-Händlers zu einem simplen Raubüberfall; die Kinder sollen ja keine Alpträume bekommen.

Zum Knacken des Tresors versichert sich Dollar-Bill der Dienste einer Spezialistin, Dyna-Mite. Und mit der Beute im Gepäck geht’s mit dem Sumpfboot ab auf den Fluß. Der Propeller dreht sich übrigens, wenn man das Bötchen über den Teppich schiebt. Sogar recht schnell, wenn man recht schnell schiebt. Zur Abwehr etwaiger Verfolger führen die skrupellosen Verbrecher Wasserzeitbomben mit sich.

Der Etwaige ist in diesem Fall Agent Fuse, und der läßt sich von den untauglichen Seeminen nicht in seinen Verfolgungsabsichten beirren, zu ausgeprägt ist der Gerechtigkeitssinn. Diese 300 Dollar sollen nicht Dr. Inferno in die Hände fallen! Diese nicht!

8969: Mission Gift

Der Fokus dieses Sets liegt eindeutig auf Agent Chases neuem Spielzeug. Der Kerl muß ernsthaft in der Midlife Crisis sein, wenn ihm schon sein Silberflitzer nicht mehr reicht, sondern er auf diesen nicht ganz so silbernen Geländetrumm upgraden muß.

Schicksal oder Fetisch? Wieder einmal durchbricht Chase mit einem Fahrzeug eine Straßensperre. Diese zu umfahren und sich mit dem Geländewagen ins Gelände zu wagen, kommt ihm nicht in den Sinn. Typischer SUV-User halt. Dabei ist das Fahrzeug sogar mit Kippachsen ausgestattet, um Stock und Stein überwinden zu können:

Doch warum sollte man sich auf die Flucht durch unwegsames Gelände verlassen, wenn einem doch wirksame Abwehrmechanismen zu Gebote stehen? Neben den ausklappbaren Bordkanonen sind dies vor allem zwei Boden-Luft-Raketen unterm Heckspoiler. Das zugehörige Ortungssystem verbirgt sich unter der Motorhaube. (Wo sich der Motor verbirgt, bedarf noch der Nachforschung.) Zwar ist die Artillerie auf Vernichtung ausgelegt, sollte jedoch wider jedes Erwarten ein abgeschossener Pilot den Schleudersitzeinsatz überlebt haben, kann Agent Chase ihn mit einem gezielten Pistolenschuß niederstrecken.

Aber was soll es auch nützen, sich etwa in bewaldetem Gebiet zu verstecken, wenn der Gegner Agent Orange einsetzt? Diese Assoziation jedenfalls kam mir angesichts des vietnamtauglichen Hubschraubers, mit dem Dr. Infernos Kompagnon, oder auch sein even more evil twin, Dr. D. Zaster (Und wieder geht es nur um die zerstörerische Kraft des Geldes.) sein Gift versprüht. Dieser desaströse Doktor ist zwar dem vormals schon in Erscheinung getretenen Slime Face wie aus dem Gesicht gelutscht, allerdings scheinen die beiden Charaktere nicht identisch zu sein.

8970: Mission Robo

Daß es sich bei der ganzen Agenten-Chose nicht bloß um ein Katz-und-Maus-Spiel, eine Privatfehde zwischen den Agenten und Dr. Inferno handelt, wird an diesem Set kenntlich. Hier bekommen wir vorgeführt, wie tatsächlich auch Zivilisten in Mitleidenschaft gezogen werden.

Auf obigem Gruppenfoto scheinen sie noch recht vergnügt und zuversichtlich. Freilich sind Oberteil und linkes Bein der Dame leicht vergilbt nach zehn Jahren in der Pappkiste, in Erwartung dieser Rezension. Doch auf den Gilb folgt das Grauen.

Umschwärmt von den Agenten Chase (mit Weste) und Trace (ohne) trampelt Dr. Inferno in seinem Robo-Mech(a)-Dingens durch die Vorgärten, auf der Suche nach Grillgut. Da ist’s mit der Conteance der Zivilisten vorbei; zum Glück haben sie Wechselgesichter, um ihren Gefühlszuständen angemessen Ausdruck verleihen zu können. Leider sind die Agents auch nicht Die Unglaublichen™, und das kleine Quad ist kein Snowspeeder, also ist es ungewiß, ob Dr. Inferno aufgehalten werden kann.

Dr. Infernos Robo ist sicher der humoristische Höhepunkt der zweiten Staffel. Sei es wegen des glasigen Eierkopps oder der tapsigen Füße. Sei es wegen des Umstandes an sich, daß der Doktor da mit so einem absurden Gerät durch die Gegend läuft und Godzilla spielt. Oder wegen des fire arms. Dieser ist mit einem Leuchstein bestückt, um es aber mal so richtig brutzeln zu lassen.

Je nach gusto kann er seine Kundinnen (naja) toasten, flambieren oder grillen. Lego steht für gewaltfreies Spielzeug.

Der kleine Flieger ist kaum der Rede wert.


8971: Mission Antenne

Irgendwo an Dr. Infernos Vulkanbasis befindet sich diese kleine Ausfallschneise mit Richtantenne. Und die ist nicht ohne, denn im Innern dieses Berghangs werden Borg herangezüchtet, und da ist Widerstand zwecklos.

„Borg“ ist nicht ganz der richtige Ausdruck, vielmehr handelt es sich um Magma-Drohnen. Also ist Widerstand vielleicht doch nicht zwecklos. Dr. Inferno führt seinen Drohnenkrieg jedenfalls nicht von der Kurpfalz aus, sondern aus der Vulkaneifel, da vermutet es niemand. Außer die Agents, selbstredend. Aber bis diese es vollbracht haben, Infernos Machenschaften ein für alle mal zu unterbinden, schwärmen die Drohnen unter der Führung des Magma-Commanders von hier aus, um die Welt zu unterjochen, gelenkt durch ein Signal von dieser Antenne. Also muß sie zerstört werden.

Der Überwachungsmonitor am Antennenrichtpult verrät es schon: Die Agents wählten einen massiven Kampfhubschrauber mit Doppelrotor, um zum Kampf überzugehen.

Das Innere des Heliskopters ist dürftig, da der zur Verfügung stehende Platz vor allem von der Türmechanik und Rotortechnik beansprucht wird. Beide sind freilich cool.

Im Grunde gibt es hier nur zwei Bildschirmarbeitsplätze und Elitekämpfer, die darauf warten, hinter den feindlichen Linien abgeseilt zu werden, hier Agent Charge. Zur Crew gehören außerdem Agent Chase und Agent Swift. Und ein Jetski.

Das technische Kabinettstückchen dieses Hubschraubers ist der Doppelrotorantrieb. Der wird nämlich von Kindeshand betätigt. Und zwar, ohne daß die Rotorblätter einander oder des Kindes Hand berühren.

So, das war’s. Wie üblich sind nicht die nominell Guten die Interessanten, sondern die Bösen sind es. Werfen wir also noch mal einen Blick auf Dr. Infernos Riege der Ruchlosen:

Dies ist das Führungspersonal, in seiner makellosen weißen Reichsfeldmarschallsuniform Dr. Inferno selbst, in schwarzer Kluft Dollar-Bill, Claw-Dette, Dr. D. Zaster, Dyna-Mite und Slime Face.

Die Zuträger sind Fire Arm, Goldzahn, Spy-Clops, Kettensägen-Joe, Stahlbeißer und Handlanger.

Die willenlosen Werkzeuge schließlich sind der Magma-Commander und seine noch willenloseren Magma-Drohnen. Was soll der Weltherrschaft da noch im Wege stehen? Richtig: Die Weltvernichtung. Naja.