MOC zum Tage: 9. Oktober 1967

9. Oktober 2017

Natürlich ist das MOC nur eine Konserve, die ich bereits mindestens im Jahre 2011 einweckte, sofern die Daten unter Flickr-Bildern zuverlässig sind. Aber das ist insofern angemessen, als der Stichtag ja nicht heute ist, sondern heute vor 50 Jahren. Da starb Che Guevara von Mörderhand. Ich bin fern davon, den singenden Zahnarzt zu glorifizieren (sang er?), aber dank propagandamäßig verbreiteter Photographien, insbesondere jener von Alberto Korda, wurde er zur Kult- und Kulturikone für alle, die sich für links halten.

Und falls er nicht selbst sang, wurde er immerhin besungen. Sei es von Wolf Biermann, der ihn den „Jesus Christus mit der Knarre“ nannte, oder von Carlos Puebla, dessen Lied „Hasta siempre, comandante“ Biermann frei ins Deutsche übertrug.

Mir selbst sind derlei Verklärungen ja suspekt. Zumal Ches Idealismus ja gutgemeint gewesen sein mag, aber die Knarre trug er halt auch nicht nur zum Nasepopeln. Dementsprechend fühlen sich bis heute viele seiner Verehrer und VerehrerInnen mit Binnen-I nebst Verehrer*innen mit Idioten-Asterisk in der Nachfolge ihres Idols gerechtfertigt, zu brutalen Mitteln zu greifen, um vermeintlichen Segen über die Menschheit zu bringen. Weil der Marxismus, wenn er denn mal in staatstragende Anwendung gebracht wurde, ja überall für Frieden und Wohlstand gesorgt hat, nöch? Nä, geht mir weg mit Ideologien jeglicher Art!

Advertisements

1000meisterwerke: Captain Roger in lauschiger Nacht.

13. August 2017

Oder halt erstmal ein Meisterwerk, nämlich obgenanntes. Und zwar: Manchmal – und in letzter Zeit vermehrt – überkommt Lego, die Firma, offenbar ein Anflug akuter Nostalgitis. Da werden etwa innerhalb der Nexo-Knights-Serie Embleme und Setnummern längst vergangener Lego-Epochen zitiert, als ob die gegenwärtige Zielgruppe damit etwas anfangen könnte. Oder es tauchen in aktuellen Sets Minifigs auf, die T-Shirts mit Logos ehemaliger Lego-Produktlinien tragen; in Sets zum Lego-Movie zum Beispiel von Fabuland und Blacktron, gar nicht zu reden vom in Stein ausgeführten Rückgriff auf klassische Legoland-Raumfahrt-Designattribute rund um den „80ies something space guy“ Benny und sein Spaceship, Spaceship, SPACESHIP! Dieses LEGO-Movie wiederum wird nun selbst wieder zitiert, wenn in der Sammel-Minifig-Serie zum demnächst anlaufenden Ninjago-Movie ein Pastelgoth- oder Manga-Mädchen ein Hemd mit dem Antlitz von Unikitty trägt. Und eine Laborantin derselben Minifig-Serie offenbart unter dem Kittel ihre Verbundenheit zu Batman, dem Protagonisten des letzten Lego-Kinofilms. Naturgemäß begrüße ich derartige Rückbezüge, sorgen sie doch humorvoll für einen Hauch von Kontinuität innerhalb einer leider sehr unzusammenhängend erzählten Lego-Produktgeschichte. Zumindest läßt die Firma durch solche kleinen Zeichen erkennen, daß sie sich ihrer Geschichte bewußt ist. Und daß sie das Vorhandensein von mehreren Generationen Spielkindern anerkennt, welche ihre Verbundenheit zu Lego schon vor Jahrzehnten geknüpft und nie gelöst haben.

Das Lego-Movie von 2014 bot Gelegenheit, verschiedene Themenwelten und Epochen der Lego-Geschichte miteinander zu verknüpfen, wobei freilich einige Themen nur beiläufig erwähnt werden konnten, während andere stark verfremdet durch andere popkulturelle Einflüsse dargestellt wurden. Die Piratenwelt wurde repräsentiert durch MetalBeard, der ein Schiff in Steampunk-Optik befehligte. Das hatte mit den gewohnten Lego-Piraten natürlich nichts zu tun, und mit Blick auf die jüngsten Versuche Legos, Piraten ins Kinderzimmer zu bringen, war das auch gut so, wurden diese doch mit den Jahren immer halbherziger. Der einzig legitime Botschafter für Legos Piratenthema ist seit jeher Captain Roger von 1989.

Captain Roger entspricht in allem den Klischees eines Piratenkapitäns: Roter Bart, Holzbein, Hakenhand und Augenklappe (weil das Auge durch die allzu häufigen Sonnenbeobachtungen durch den Sextanten geschädigt ist), und am schwarzen Zweispitz prangen Schädel und die gekreuzten Knochen des Jolly Roger. Und Polly möchte einen Cracker. Diese Darstellung ist in ihrer unrealistischen Comichaftigkeit absolut angemessen fürs Kinderzimmer, und als solches ist Captain Roger eine ewigjunge Ikone dieses Spielthemas. Das hat Lego schließlich selbst eingesehen und bei den Aufgüssen des Piratenthemas von 2009 und 2015 (wie schon erwähnt: beide Male halbherzig!) die Gestaltung der neuen Kapitäne auffällig eng an diesen Veteranen der 80er Jahre angelehnt, ohne freilich die schlichte Eleganz des Originals zu erreichen. Wie dem auch sei, in MetalBeards Steampunk-Schiff namens „Sea Cow“ wird die Kajüte geziert durch eine 2×4-Fliese, auf die ich ausnahmsweise den zugedachten Aufkleber anbringen mußte, denn er zeigt das Bildnis von Captain Roger:

„Das gehört in ein Museum!“ Genau. Nachdem ich das Schiff, welches jahrelang hier zustaubte, endlich abgewrackt und wegsortiert hatte, blieb das Gemälde übrig, und ich konnte es einem Museum überantworten.

Das Werk eines unbekannten Meisters zeigt Kapitän Roger in lauschiger Nacht. Dunkle und gedeckte Farben, schwarz und blau, sind vorherrschend, Gesicht und definierende Attribute sind hell hervorgehoben. Das vertikale Format legt nahe, dieses Bild als Bestandteil eines Triptychons zu begreifen, was in seiner religiösen Konnotierung den Status des Dargestellten als Ikone unterstreicht. Über die fehlenden Elemente und Motive des Dreiteilers können lediglich Mutmaßungen angestellt werden, da diese verschollen sind; denkbar auf der Mitteltafel wäre des Kapitäns Schiff „Schwarzhai“, jen- und schmalseits flankiert von einem Weggefährten des Seeräubers, über dessen Identität zu spekulieren sich verbietet. Uns bleibt es, das vorgelegte Artefakt zu betrachten. Der Kapitän dominiert das Bild, die an seinem Hut angebrachten wichtigen Insignien seines Berufsstandes sind ins Zentrum gesetzt. Tendenziell am Rande, jedoch durch auffällige Farbgebung hervorgehoben und dadurch in seiner Bedeutung als Symboltier erhöht ist der Begleiter Rogers, der Papagei Polly. Auf detaillierte Ausgestaltung der Kleidung legt der Künstler geringen Wert, er beschränkt sich auf Andeutungen und Hinweise, gestattet sich auch die Freiheit, die Wirklichkeit der Bildgestaltung zu unterwerfen und die versehrte Hand des Freibeuters von Backbord nach Steuerbord zu verlegen, während Holzbein und Augenklappe an gewohnter Stelle verbleiben. Somit ist der Vermutung die Grundlage entzogen, es handele sich um ein Selbstbildnis im Spiegel. Vielmehr ist das Sujet durch die – wiederum ein religiöses Konnotat – Palmwedel des Bildhintergrunds in tropischen Gefilden situiert, in Kenntnis der Geschichte einzugrenzen auf die Karibik. Wir begegnen dem Schiffsführer also beim nächtlichen Landgang, der zum Genuß eines Feierabendrums genutzt wird, wie uns schließlich durch das Faß, beinahe versteckt in der rechten unteren Bildecke angeordnet, bedeutet wird. Ausgelassen sind Schwert und Pistole, welche Roger als Ausüber von brutaler Gewalt kennzeichnen und als den Bringer von Tod und Verwüstung charakterisieren würden, vielmehr bemüht sich die Darstellung um Verharmlosung und Verklärung des Piratenlebens, die immanenten Gefahren außer Acht lassend.

Der Einfluß dieses Gemäldes auf die karibische Kunstgeschichte ist mit „immens“ nur unzureichend beschrieben. Kraftvollere Begriffe sind am Platze, eingedenk der Wirkung, welche das Schaffen des Portraitierten auf die großen wie kleinen Antillen ausübte. Der Kapitän eines der gefürchtetsten Piratenschiffe zwischen Savannah und Maracaibo, zwischen Panama und Hispaniola, muß zwangsläufig einen Machtfaktor in seinem Wirkungskreis darstellen, zumal seine signifikante persönliche Erscheinung begleitet von Kanonendonner und der scheinbaren Unabhängigkeit von Zeit und Raum, beflügelt von der Schnelligkeit seines Schiffs, ihm den Anschein nahezu gottgleicher Machtfülle verlieh. Die gezeigte Repräsentation des Freibeuters verweist mit ihren kodifizierten Merkmalen: Jolly Roger als Insignium der Macht, Holzbein und Augenklappe als spezifische Attribute ähnlich traditionellen Heiligendarstellungen, Papagei als Symboltier, wie wir es von den Evangelisten kennen, auf einen religiös motivierten Kontext. Roger ist demnach mehr als ein einzelner Pirat; er verkörpert die Transzendenz des Glücksritters von Hoffnung zu Sehnsucht und von Gewalt zum Erfolg, die diesen Berufsstand wie eine Gloriole umgibt und deren Wirkmächtigkeit bis heute anhält. Die Faszination ist ungebrochen und findet ihren Nachhall in zahllosen literarischen und cineastischen Bearbeitungen von unterschiedlichster Schaffenstiefe.

Und jetzt: Licht aus, und Ruh‘ im Schiff!


Eigentlich ganz simpel.

21. Juni 2017


Seit fast 20 Jahren …naja… laß sagen, seit 15 Jahren schwebt mir vor, meinen Lieblingsroman in Brick-Testament-Manier in Lego nachzubauen. Ein zum Scheitern verurteiltes Projekt, weil: Mein Projekt. Und ich krich ja den Arsch nicht hoch. Dabei habe ich es immerhin geschafft, Grimmelshausens „Abenteuerlichen Simplicissimus“ dreimal zu lesen, 720 frühneuhochdeutsche Seiten. Einmal im Rahmen eines Seminars an der Uni, inclusive Hausarbeit zum Thema, einmal als Vorbereitung auf die Zwischenprüfung, und dann noch mal für Spaß. Und obendrein las ich ohne Not auch noch die verwandten Werke „Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche“ (von Bertolt Brecht später als „Mutter Courage und ihre Kinder“ auf die Bühne gebracht) und den „Seltzamen Springinsfeld“, welcher recht eigentlich als Sequel zum „Simplicissimus“ betrachtet werden kann.

Die „Courasche“ ist leider arg zerfleddert, weil ich das Reclam-Bändchen eine Zeitlang in meiner Gesäßtasche mit mir trug, was töricht war, denn so übertrieben leicht zu bekommen sind diese Ausgaben gar nicht, handelt es sich doch eher um spezielle Literaturkost, die nicht jede Buchhandlung einfach so vorrätig hält. Nach wie vor erhältlich ist freilich der „Simplicissimus“. Immerhin ist es der erste große Roman von deutschlandweiter Weltgeltung, weshalb man ihn in der Klassiker-Abteilung einer „Meyerschen“ durchaus findet. Und bei dieser Gelegenheit wird man mit Bestürzen feststellen, daß das Klassiker-Regal dieser „Meyerschen“ ungefähr einmeterfuchzich breit ist, während für moderne Esoterik-Literatur eine ganze Etage reserviert ist und für pseudohistorische Frauenromane („Die Base des Bischofs“. „Die Nelkenumtopferin“. „Die Jäterin im Klostergarten“.) eigens angebaut wurde. Aber was soll’s, Hauptsache, die Leute lesen überhaupt noch irgendwas anderes als Twitter-Nachrichten und radikal-unempathische Facebook-Foren. Wie dem auch sei, auch ich fand in der Buchhandlung noch zwei Ausgaben des „Simplicissimus“, die ich einfach mal so haben wollte, ohne sie je tatsächlich zum Lesen benutzen zu wollen. Man kann ja nicht immer nur Lego sammeln.

Hier ist die rechte Ausgabe in historischer Orthographie und Interpunktion, während das Buch in der Mitte schlicht Reclams Edelausgabe des Buches links ist, welches mir fernerhin und wie gehabt als Leseexemplar dienen soll. Derartige Edelausgaben historisch bedeutsamer Werke der Literatur gab es vom Reclam-Verlag schon immer. Also mindestens seit den 1950er Jahren. In meines Vaters Bücherschrank fanden sich eine derartige Ausgabe des „Dil Ulenspiegel“ und von Sebastian Brants „Narrenschiff“. Leider keine des „Simplicissimus“, was eigentlich unverzeihlich ist, zumal mein Vater ansonsten die Weltliteratur quasi komplett hatte, Manesse, Insel und Reclam sei Dank.

Meine Lesebändchen-Ausgabe des Romans ist ziemlich eindeutig eine moderne Variante dieser 50er-Jahre-Prachtausgaben aus dem Reclam-Verlag. Und ich bin ja da so: Ich will den „Simplicissimus“ auch in so einer historischen Ausgabe haben! Ich will ich will ich will, aber is nich so einfach. Meine stichprobenartigen Recherchen bei Ebay bringen insofern Treffer, als ich mir sicher sein kann, daß es den Roman damals in einer solchen Ausgabe gab. Aber die angebotenen Exemplare sind alle arg mängelbehaftet, vor allem hinsichtlich des Schutzumschlags. Aber ohne den tu ich’s nicht.

So, und was hat das alles jetzt mit Lego zu tun? Nicht viel, leider. Weiter als bis zum Frontispiz bin ich nie gekommen.


A Redneck’s Dream.

24. März 2017

Da Gunther (Technix) just den Technic-Tractor 42054 gebaut hat und im Chat bei 1000steine.de von den großen Rädern schwärmte, dachte ich mir, daraus muß sich doch was machen lassen. Naja, irgendwas läßt sich ja immer machen. Im Prinzip ist es ein 4-breites Fahrzeug:


Nachtrag am 29sten März:

Auf vielfachen Wunsch (in einfacher Ausführung eines einzelnen Kommentierers, hallo Maik!) sei hier noch ein schlechtbelichtetes Bild hinterhergeschoben:

Das ganze Fuhrwerk wirkt absurd schmal. Aber da es sich ja um ein Auto in klassischer 4er-Breite handelt, sollte der Abstand zwischen den Rädern halt nur 2 Noppen betragen.


Ressourcenverschwendung.

24. Februar 2017

Lego ist ja eine Firma. Ab und an muß man sich das wieder ins Gedächtnis rufen, weil man als Fan und Sammler vielleicht das Gefühl dafür verliert, daß Lego eben kein treuer Freund seit Kindheit an ist. Nein, Lego will verdienen, auch an mir, und das sollen sie ja auch. Um ordentlich Rendite zu erwirtschaften, hält Lego seine Kosten möglichst gering, zum Beispiel, indem Produktionsabläufe nach China verlagert werden, offenbar unter Inkaufnahme von unausweichlichen Plagiaten; aber darum soll es hier gar nicht gehen. Denn die wichtigere Stellschraube an der Geldpresse ist vermutlich: Der Kunde! Der Kunde soll möglichst viel Lego kaufen, und zwar zu möglichst hohen Preisen. Lego testet die Belastbarkeit des Gewindes an dieser Stellschraube seit Jahren beharrlich aus, indem die Schraube kontinuierlich angezogen wird. Die hochpreisigen Sets werden immer größer und dementsprechend immer hochpreisiger. Wenn ich mich nicht irre, ist das teuerste aktuell erhältliche Set der Todesstern 75159 für 500 Euro. Fünfhundert Euro! Das sind gut und gerne 1000 D-Mark. Tausend. So einen Preis aufzurufen, hätte sich Lego früher™ nicht getraut. Aber da sie ja die Preisschraube peu à peu angezogen haben, kamen sie zu der Erkenntnis: Der Kunde kauft.

Aber nun gut, die teuren Sets kaufen vielleicht nur Menschen, die es sich leisten können. (Klammer auf: Guter Witz. Als ob der Wohlstandsbürger an und für sich am Ende des Kontostandes auch seine Begehrlichkeiten runterregulieren würde. Gibt doch Ratenzahlung! Ich bin gespannt, wann Lego dergleichen auch anbietet. Klammer zu.) Fieser sind die kleinpreisigen Dinge, mit denen Lego ans Taschengeld der Kernkundschaft will, mithin ans Geld der Kinder. Seit einigen Jahren gibt es im Programm regelmäßig Serien, die aufs Sammeln von gewissen Gegenständen ausgelegt sind, seien es Schwerter in gewissen Farben bei Ninjago, oder seien es verschiedenfarbige Mondsteine bei den Monsterjägern oder Schlüssel in der Elfen-Welt und was dergleichen Dinge mehr sind. Die begehrlichsten Stücke befinden sich natürlich im jeweils größten und teuersten Set der Serie. Doch das genügt Lego nicht. Da muß doch noch mehr Geld zu holen sein! Ist es auch. Sammelkartenspiele sind das Geheimnis der Kinderschröpfung, der Nachfolger der Panini-Sammelbildchen. Für kleines Geld pro Einheit kaufen die lieben Kleinen ganz viele Einheiten, und so wird aus kleinem Geld großes Geld. Auf diese Idee ist Lego natürlich nicht selbst gekommen, sondern das Konzept existiert seit Beginn der 1990er Jahre mit „Magic: The Gathering“, und bekannt sind vor allem „Pokemon“ und „Yu-Gi-Oh“, aber auch jegliches andere Franchise braucht heutzutage solche Sammelkartenspiele. Lego hat derzeit mindestens Ninjago-Sammelkarten und Nexo-Knights-Sammelkarten im Umlauf. Das Problem für Lego ist freilich, daß dieser Krempel in Zusammenarbeit mit Fremdfirmen hergestellt und vertrieben wird, also der Gewinn geteilt werden muß. Aber zum Glück für Lego stellt man ja selbst Dinge her, die klein und sammelfähig sind, zum Beispiel Sammelminifiguren.

Seit dem Jahr 2010 bringt Lego also Sammelminifiguren heraus, anfangs zum kleinen Preis von – laß mich nicht lügen – ich glaube 2 Euro pro Tütchen. Inzwischen kosten sie 4 Euro pro Tütchen. Und es gibt auch nicht mehr bloß zwei Serien pro Jahr, sondern mindestens drei, und wenn es Figuren mit Lizenz sind, auch gerne mal 18 oder 20 verschiedene pro Serie, statt, wie sonst üblich, 16. Da man von außen nicht ins Tütchen hineingucken kann, soll man sie eigentlich blind kaufen. Das hätte für Lego den Vorteil, daß der Sammler im Zweifelsfall sehr viel mehr als 16 oder 20 Tütchen kaufen muß, um tatsächlich jede Figur mindestens einmal zu ergattern, weil bei Blindkäufen natürlich viele Doppel- und Mehrfachkäufe dabeisind. Zu Legos Pech sind wir aber nicht doof, sondern können mit ein bißchen Fingerfertigkeit den Inhalt der Tütchen ertasten. In your Face, Lego!

Eigentlich könnte es Lego ja gleichgültig sein, ob eine einzelne Person bloß die erforderlichen 16 (oder 20) Tütchen kauft, oder ob sie etliche ungewollte Doubletten anhäuft, denn am Ende sind diese Tütchen eh immer ausverkauft, Lego hat sein Geld also bekommen. Aber Lego ist das nicht egal. Lego legt es darauf an, den Kunden in die Frustration zu treiben. Im Online-Shop darf man nämlich nur 16 (oder 20) Tütchen kaufen, hat also nur eine sehr geringe Chance, auf einen Schlag alle 16 (oder *gähn* 20) verschiedene Figuren zu erhaschen. Wo liegt denn da der Sinn?

Und dieses Jahr hat Lego dann noch ein Schüppchen draufgelegt. Es gibt nämlich Nexo-Power-Schilde im Sammeltütchen.

Diese Schilde kann man selbstverständlich nicht durch die Tüte erkennen, da sie sich ja nur im Aufdruck unterscheiden. Jackpot! „Can you collect them all?“ fragt Lego noch harmlos, und die Antwort lautet: „Klar, ist nur eine Frage des Geldes.“ Für 4 Euro pro Tütchen bekommt man immerhin zehn Lego-Teile, darunter fünf Schildaufsätze in garantiert fünf verschiedenen Farben. Idealerweise kauft man also sieben solcher Tütchen und hat dann alle 35 verschiedenen Motive. Die Wahrscheinlichkeit, daß das eintrifft, dürfte freilich gen Null tendieren. Ich selbst war blöd genug, zwölf solcher Tütchen zu kaufen, und am Ende fehlten noch fünf Motive, die ich dann via Bricklink beschaffte. Was ich vielleicht gleich hätte tun sollen, woll?
Da es Lego ja darauf ankommt, den Kunden möglichst zu frustrieren, sind überdies fünf dieser Schilde nicht einmal exklusiv in den Sammeltütchen enthalten, sondern kommen auch in anderen Sets der Serie vor, sind also im Prinzip Nieten.
Diese Schilde habe ich jetzt also doppelt (oder dreifach). Für einige hätte ich sicher auch anderweitig Verwendung, für andere hingegen nicht.

Und hier kommt jetzt langsam der Beitragstitel ins Spiel. Denn für das verschwendete Geld hätte ich ja auch Dinge kaufen können, die ich nötiger ..äh.. brauche. Also andere Lego-Sets zum Beispiel. Ist ja nicht so, als wollte ich der Firma meine Kaufkraft vorenthalten, keineswegs. Es wäre bloß sinnvoller, diese Kaufkraft auf Gewünschtes fokussieren zu können, statt sie auf Unnötiges – es gibt kein anderes Wort dafür – zu verschwenden. Dabei sind solche „erzwungenenen“ Mehrfachkäufe noch nicht mal das Schlimmste, denn immerhin bekomme ich für das Geld noch Lego. Viel Schlimmer ist es, wenn Lego die Sammler zwingt, sich die Objekte irgendwo in Übersee zu beschaffen, weil sie auf dem heimischen Markt gar nicht angeboten werden. Und jaja, ihr Klugscheißer, niemand zwingt mich, das zu tun. Ich muß kein Lego kaufen, und ich muß auch nicht alles haben. Aber ich bzw. der Sammler will halt, und Lego weiß das natürlich auch und legt es darauf an. Sinnvoll ist das nicht. Denn wenn ich beispielsweise für ein schlichtes Polybag im 5-Dollar-Bereich erstens einen „Sammlerpreis“ von 30 Dollar zahlen muß, dazu Porto aus den USA, gegebenenfalls Zoll und Einfuhrumsatzsteuer, welche das teure Porto ebenfalls umfaßt, dann habe ich statt dieser 5 Dollar, die es mich bei normaler Erhältlichkeit gekostet hätte, eben 40 oder mehr Euro bezahlt. Und das sind 35 oder mehr Euro, die ich eben nicht in Produkte der Firma Lego investieren konnte, von denen die Firma also keinen Cent sieht. Das kann doch nicht in Legos Sinne sein?


Kleines Paralipomenon: Auffahrrampe 167.

29. Dezember 2016

Diese „Auffahrrampe mit Waggon“, wie der 1979er Katalog das Set vollständig nennt, ist der legitime und – gewisserweise – bessere Vorgänger vom zuvor besprochenen Verladebahnhof 7839. Komischwerweise war 167 nie offiziell neu. Wiewohl der Kartonaufdruck „© 1978“ sagt, stand es nicht im 1978er Katalog (Zumindest nicht in der mir vorliegenden Ausgabe; ob es andere Versionen gibt, weiß ich nicht.), im Katalog des Folgejahres ist es allerdings nicht als Neuerscheinung gekennzeichnet. Wenn wir nun noch den Umstand berücksichtigen, daß der Bahnvorsteher hier einen bedruckten und keinen beklebten Torso hat, was erst bei 1979er Katalogsets vorkam, dürfen wir dieses Set als vorgezogene Mitt- oder Endjahresausgabe 1978 annehmen. Warum vorgezogen? Nun, der bedruckte Torso deutet auf eine geplante Veröffentlichung 1979 hin, doch 1980 wurde das Schienensystem auf graue Gleise mit Klickschwellen umgestellt, und alle Sets mit blauen Schienen fielen damit aus dem Programm. In der damaligen Zeit sah die Firma Lego für ihre Produkte aber noch eine längere Erhältlichkeit vor als heutzutage, wo alle halbe Jahr die Hälfte des Programms aus dem Sortiment fliegt. Eine Veröffentlichung neuer Eisenbahnsets im Jahre 1979 hätte unter dieser Prämisse für Lego keinen Sinn ergeben. Ergo wurde dieses Set nebst dem kleineren Bruder 166 von 1979 auf 1978 vorgezogen. Soweit meine Vermutung.

Wir sehen hier also eine Auffahrrampe für Autozüge, wie sie sinnvoll ist und in der Realität vorkommt. Zumindest ist es realitätsnah, daß die Fahrzeuge von hinten in Fahrtrichtung auf den Waggon auffahren. Daß von Bodenniveau über die Rampe direkt auf den Waggon gefahren werden muß, ist vielleicht in Wirklichkeit nicht so, sondern der Waggon wird an eine Bahnsteigplattform herangefahren. Aber sei’s drum. 167 ist in dieser Hinsicht allemal vernünftiger als 7839. Eine Plackerei für den Lademeister war es denoch, da sich in die frühen Legoland-Autos noch keine Minifigs setzen konnten, sie also stets geschoben werden mußten. Der Frackträger ist sich natürlich zu fein dafür, dem Arbeiter zur Hand zu gehen.

Ein Stilmittel, welches von Set 167 bis Set 7839 beibehalten wurde, ist der verschwenderische Gebrauch von flachen Kreuzgitterzäunchen. Hier bot 167 mit grauen und roten Zäunen eine größere Varianz als 7839. Hinzu kommen die beiden schwarzen Zauntore in derselben Optik.

Die Rampe ist in Prellbockmanier wie der Waggon mit Puffern ausgestattet. Was fehlt, ist ein Magnet an der Rampe, der den Waggon beim Beladen an seiner Position hält.

Und soeben fällt mir auf, daß ich Schussel die Torangeln verkehrtherum aufgesteckt habe. Es sind 3-lange Angeln, die 4-lange Tore halten.
Zum Glück bin ich nicht der einzige Schussel. Denn Lego selbst hat auf dem Titelbild die beiden grauen Fliesen vergessen, die dem Auto die Auffahrt auf die Auffahrt erleichtern. (Memo to self: Lego-Sets zusammentragen, deren Karton- und/oder Bauanleitungsbilder nicht den tatsächlichen Inhalt wiedergeben. Da gibt es einige, von denen ich weiß, und vermutlich sehr viel mehr, von denen ich nicht weiß.)

Da 167 im Wesentlichen aus einem flachen Waggon und einer Rampe besteht, ist das Set in der Gesamtschau sehr flach. Großartige Aufbauten sind schlichterdings nicht notwendig. So gesehen macht der Nachfolger 7839 natürlich mehr her, freilich um den Preis, daß seine Funktionsweise herbeifabuliert wurde und annähernd impraktikabel ist.
167 kann überdies mit dem Schmankerl eines gelben Bauhelms aufwarten. Jedenfalls war es ein Schmankerl. Denn gelbe Bauhelme gab es einzig in den beiden 1978er Waggonsets 166 und 167, und dann 32 Jahre lang nicht mehr. Auf dem Deckblatt des 1980er Eisenbahn-Katalogs war ein Arbeiter mit gelbem Helm zu sehen, ohne daß noch eines der beiden Sets in diesem Katalog enthalten gewesen wäre. Seit dem Jahr 2010 jedoch kommen gelbe Bauhelme vermehrt in aktuellen Baustellen-Sets vor, was die Exklusivität des Teils deutlich beschneidet. Zwar können Kenner der Materie anhand des Helminnern erkennen, ob es sich um ein altes Orginal oder eine Neuauflage handelt, aber etwas Besonderes ist ein gelber Bauhelm nun natürlich nicht mehr.