Mogelpackung.

29. Juni 2018

Dieser Blogeintrag nämlich. Ich schreibe nur rasch was, damit der Juni nicht beitragsfrei bleibt. Arbeit und schönes Wetter und so, da habe ich nicht groß Lust, mir sinnvollen ..äh.. Content aus den Fingern zu saugen. Und zwischendurch nehme ich so nach und nach die ganzen doofen Nexo-Knights-Sets auseinander. Warum habe ich die überhaupt? Scheiß Denkzwänge immer! Da ist irgendwas im weitesten Sinne mit viel gutem Willen und noch mehr Augenzugekneife der Sphäre der Rittersets zuzuordnen, und schon meine ich Dösbaddel, ich müsse das alles haben. Schön blöd. Dabei könnte man wissen: Lego macht was falsch, wenn beim Auseinandernehmen einer kompletten Ritterserie so viele Schaltknüppel anfallen, daß sie nicht mehr in die Sortierschublade passen. Schaltknüppel! In Rittersets!

Aber die Kernkundschaft will es ja so. Oder? Im Forum bei 1000steine.de durfte ich mir mal was anhören, weil ich die kühne Behauptung aufstellte: „Kinder finden jeden Scheiß toll.“ „Gar nicht wahr!“ schallte es mir von empörten Müttern und ebensolchen Mitläufern entgegen. „Wohl wahr“, behaupte ich weiterhin. Ich mache das den Kindern auch gar nicht zum Vorwurf, denn sie wissen es ja nicht besser, und genau das ist ja das Problem. Mangels Lebenserfahrung können Kinder neue Eindrücke nicht mit bisherigen Eindrücken kontrastieren und qualitativ einordnen, wie sollten sie auch! Aber die Spielzeughersteller – in unserem Falle: Lego – meinen, sie müßten etwelche Wünsche befriedigen, welchselbige jedoch überhaupt erst anhand des Angebots erwachen. Schwerlich erfüllt die Firma Lego ein vorhandenes Bedürfnis, vielmehr schafft sie es erst.

Ob eine Themenserie bei der Kundschaft Anklang findet, ist also meines Erachtens weniger eine Frage des Themas an sich. Denn Kinder können ja, meiner Behauptung zufolge, jeden Scheiß tollfinden. Ob eine Themenserie Erfolg hat, liegt eher an der Sorgfalt, mit der Lego selbst das Thema behandelt. Ungeachtet dessen, daß ich persönlich zum Beispiel die Nexo Knights doof finde, weil ich halt aus meinem reichhaltigen Lego-Erfahrungsschatz schöpfen kann und Roboterritter nicht für Ritter halte, sind diese Sets ja durchaus mit Pfiff gebaut, haben interessante Funktionen und transportieren sogar bisweilen einen gewissen Humor, dem ich meine Anerkennung nicht verweigern möchte. Ziehen wir weiterhin in Betracht, daß Lego die Nexo-Knights-Serie mit verschiedenen Antrigger-Tricks ans Kind bringt, seien es monatliche Magazine mit Gimmick oder zum Sammeln reizende Blindtütchensets, dann ist es nicht verwunderlich, wenn so ein Blödsinn ein Erfolg wird. Kunststück.

Dahingegen wurden beispielsweise die letzten beiden Piratenserien mit nichts weniger als Liebe bedacht. Von vornherein wurden die Serien strikt budgetiert. Sie wurden offensichtlich als Ein-Jahr-und-das-war’s-Thema angelegt, insofern alles, was in früheren Zeiten (konkret 1989 bis 1997, durchgängig) über etliche Sets und Jahre verteilt wurde, so daß jedem Set der Raum und die Ausführung zukam, die es als Modell brauchte, in den neuen Serien in fünf Sets untergebracht werden mußte. „Mußte“, war ja ein selbstauferlegter Zwang von Lego. Da waren dann die Modelle schlampig gebaut, bröckelig, in sich unlogisch und voller sachlicher Mängel (Ladebaum, dessen Kranhaken nicht mal bis zum Boden reicht *facepalm*), und sie ließen jegliches Flair vermissen. Niemand kann mir erzählen, daß Kinder nicht auf Piraten stehen, und dennoch waren diese Serien kein Erfolg. Aber eben halt nicht, weil das Bedürfnis nicht dagewesen wäre, sondern weil dieses Bedürfnis allenfalls halbherzig, eigentlich sogar bloß viertel- oder fünftelherzig befriedigt wurde und somit eben nicht befriedigt wurde. Und daraus dann legoseits die Konsequenz zu ziehen: „Okay, Kinder stehen offenbar nicht auf so antiquierten Kram, also machen wir jetzt moderne Roboterritter“, halte ich für fragwürdig.

So. Is‘ ja doch noch ein ganz ansehnlicher Rant geworden.

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Leserfragen: wo stehen die weißen kreuze vom ersten weltkrieg

10. Mai 2018

Mit dieser Frage landete ein unbekannter Internetbenutzer deutscher Zunge am 9. Mai 2018 in diesem hier auf Ihrem, Lesers, Monitor aufflimmerndem Blog. Ich vermute, daß der Fragesteller auf diesem Beitrag landete, da dort bei der Besprechung des Metallica-Films „Through the Never“ auch von weißleuchtenden Kreuzen und Verdun die Rede ist. In besagtem Film sind die aus dem Bühnenboden wachsenden weißen Kreuze eine Reminiszenz an das Titelbild von Metallicas Album „Master of Puppets“, welches eben weiße Kreuze zeigt. Diese Kreuze sind unmittelbar als Soldatenfriedhof erkennbar, und die Leserfrage ist berechtigt: Warum ist das so eindeutig erkennbar, und wo befindet sich das Vorbild?

Meine erste Vermutung schien mir unzweifelhaft ins Schwarze getroffen zu haben: Metallica ist eine zu drei Vierteln amerikanische Band, also muß doch als Vorbild der amerikanische Nationalfriedhof Arlington gedient haben! Ist aber nicht so, wie eine Recherche bei Wikipedia rasch ergab. Zwar sind in Arlington die Grabmale fein säuberlich aufgereiht und weißgetüncht bzw. bestehen aus weißem Stein, aber sie haben nicht Kreuzform. Die USA sind eine Nation im Dauerkrieg und benötigen daher mehr als einen nationalen Friedhof, weshalb Wikipedia eine Liste mit 139 United States National Cemeteries kennt, die jedoch in der deutschsprachigen Wikipedia nicht alle mit Links hinterlegt sind. Diejenigen, die per Link begutachtet werden können, zeigen jedoch ebenfalls keine Grabsteine in Kreuzform. Die englischsprachige Wikipedia kennt 147 Nationalgrabstätten, davon auch die meisten mit eigenem Wiki-Eintrag, aber es fehlte mir die Geduld, die alle einzeln abzuklappern, um zu schauen, ob irgendwo weiße Kreuze die Namen der Gefallenen tragen.

Aber eigentlich war meine erste Vermutung sowieso Kappes, denn der Erste Weltkrieg spielte sich ja vornehmlich in Europa ab, und eigentlich überhaupt nur in Verdun. Was natürlich eine unzulässige Verknappung ist, aber der Stellungskrieg von Verdun ist ganz bestimmt das augenfälligste Teil-Ereignis dieser Urkatastrophe des 20sten Jahrhunderts, da sich hier die Sinnlosigkeit der ganzen Kriegsführerei am eindrücklichsten zeigte, wiewohl es natürlich noch viele weitere Schauplätze jenes Krieges gab. Metallicas Song „One“ behandelt thematisch Buch und Film „Johnny got his gun“, welches im Ersten Weltkrieg spielt, jedoch habe ich das Buch nicht gelesen und kann nicht behaupten, daß Johnny tatsächlich bei Verdun verwundet wurde; denkbar ist es freilich. Allerdings ist „One“ nicht auf dem Album „Master of Puppets“ enthalten, das die weißen Kreuze zeigt, sondern auf „…and Justice for All“. Anyway. Verdun also. Tatsächlich sind rund um das Beinhaus von Douaumont, welches die Leichen hunderttausender nicht identifizierter französischer und deutscher Soldaten birgt, Gräber mit weißen Kreuzen angelegt. Das sollte also die Antwort auf die Leserfrage sein.

Interessanterweise, zumindest für mich, schlenderte ich selbst erst jüngst über die Kriegsgräberabteilung des hiesigen Friedhofs. Auch hier wurden keine weißen Kreuze für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet, sondern einfache graue Steine. Auf manchen deutet noch ein verrosteter Eisenring an, daß dort ein EK-Träger ruht, obschon das eiserne Kreuz weggerostet ist oder herausgeschlagen wurde. Auch sind die meisten Namen nicht mehr lesbar, was Zweifel sät an der Formulierung „in Stein gemeißelt“, wodurch ewige Gültigkeit postuliert werden soll. Doch was in Stein gemeißelt ist, verwittert.


Steinwerfer: 1843 (Unbenanntes Raumfahrt-Ritter-Kombiset)

19. April 2018

Amerika. Da hätte man im Jahre 1996 dieses themenübergreifende und -verbindende Set erstehen können, zu einem Preis, der angeblich unter demjenigen vergleichbarer Sets lag. Nun ja. Als Alteuropäer und Zuspätgekommener erwarb ich es schließlich irgendwann in den 2000ern zu einem Preis, der deutlich über dem vergleichbarer Sets… Aber was soll ich mich echauffieren! Es hat mich ja niemand mit vorgehaltenem Speer gezwungen, Lego-Rittersets auf Komplettheit hin zu sammeln.

Bloß 17 Jahre nach Beginn der Ritterserie war im Jahr 1995 urplötzlich der König ins Blickfeld gerückt. Sein Reich war klein, gebot er doch lediglich über seine Burg Königstolz, eine Turmbrücke und einen schäbigen Kerker sowie über eine Kutsche mit zu wenigen Pferdestärken. Als rechtmäßig ins Amt geborener Potentat und Schirmherr über die öffentliche Ordnung stand es ihm nicht an, innerhalb seines Reiches Kriege zu führen, weshalb das Katalogprogramm keinerlei Belagerungs- und Kriegsgerät für ihn vorsah. Und auch dieses hier zu besprechende Katapültchen ist nur wenig geeignet, zur Usurpation gewillte Thronräuber in Furcht zu versetzen.

Da die Gefolgschaft des Königs klein ist, kann nur ein einzelner Soldat zur Bedienung des Steinwerfers abgestellt werden.

Naturgemäß muß der arme Kerl ordentlich ranklotzen. Zwei akkurat auf Quaderform zugehauene Wurfgeschosse stehen ihm als Munition zur Verfügung.

Nach dem Beladen muß der wackere Artillerist das Katapult auch selbst abfeuern. Augenscheinlich hat bei der Konstruktion des Geräts jemand mitgedacht und eine Wegrollsperre eingebaut. „Schön gedacht“, wie man auf dem Amateurfußballplatz sagt, wenn eine technisch einwandfrei vorgetragene, butterweiche Flanke im Nichts landet. Dortselbst landet nämlich auch das Projektil. Erwartungsvoll legte ich mir den Zollstock bereit, um die Wurfweite zu messen; bei offener Zimmertür ist die nächste Wand erst in 6 1/2 Metern im Weg, wenn ich das Katapult auf dem Fußboden vor dem Schreibtisch in Position bringe. Ein beherzter Druck auf den Hebel, und ich kann berichten: ca 80 cm hoch und -10 cm weit landete der 1×2-Stein auf dem Schreibtisch. *Daumenhochemotikon*

Ob dieser Schmach bitter enttäuscht schiebt der Reichsrittergehilfe mit seinem rollenden Löffel ab.

Eine unerwartete Begegnung reißt ihn schließlich aus seinen Gedanken, die düster um das bevorstehende Donnerwetter seines Vorgesetzten und die zu erwartende drakonische Strafe kreisten, die ein popeliger Untergebener kaum abzuwenden hoffen durfte. Ein Spyrius-Astronaut? Ausgerechnet hier im Burgenland und in meiner Wohnung?

Ja, denn er ist ja mitsamt seinem formunschönen Flugapparat im selben Set enthalten wie das Katapult, also war sein Erscheinen unvermeidlich.

Ein Antriebssystem ist zunächst nicht erkennbar, aber in der Zukunft des ausgehenden 20sten Jahrhunderts mag das auch nicht nötig sein.

Wie es sich für ein Raumfahrtset geziemt, läßt sich am Modell irgendwas klappen, in diesem Fall die Flügel. Und schon zeigt sich auch der nach hinten gerichtete Impulsantrieb.

Da es sich bei dem Fliegzeug um einen Bodencruiser handelt und nicht etwa um ein Raumschiff, muß der Pilot nicht in einer Kapsel sitzen, und für den Auftrieb sind die gespreizten Flügel nützlich.

Wer braucht noch ein Katapult mit Durchschlagskraft, wenn er magische Fluggeräte aufbieten kann? Das eine UFO allein dürfte genügen, den Usurpatoren die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Und falls das nicht ausreicht, kann der Pilot auch zu Schild und Waffe und in den Nahkampf eingreifen, denn für den Katapultisten ist das zweite Paar ja sicher nicht gedacht.

Na gut, muß man dieses Set besitzen? Ja, weil man – ich nämlich – ja Sammler ist. Übrigens waren die blauen 2×6-Bögen zum Zeitpunkt des Erscheinens gewissermaßen eine Rarität. Zwar waren derer 6 zwei Jahre zuvor im Belville-Puppenhaus 5890 verbaut, aber welcher kleine Junge würde schon zugeben, so etwas zu besitzen? Zuvor waren sie 1985 im Dacta-Set 1056 enthalten gewesen, also für den Normalkunden nicht erhältlich. Davor waren sie 1978 in der Kugelkopftankstelle 330 anzutreffen gewesen. Das Hauptvorkommen blauer 2×6-Bögen datiert auf die Jahre 1972 und 1973, wannselbst man insgesamt 9 (14) Exemplare hätte sammeln können. (Das Ferienhaus mit Fensterläden 356, welches 5 solche Bögen enthält, erschien in Amerika unter der Nummer 540, ist also als zwei Sets zu rechnen.) Bliebe die Frage, ob man diese Bögen in blau überhaupt je vermißt hat? Bis 2017 waren sie in keinem Set mehr verbaut, aber ein großes Seufzen über die eingeschränkte Verfügbarkeit habe zumindest ich nicht vernommen.


CD-Regal restocked: Black Sabbath (Dritter Nachtrag)

9. März 2018

Na, wer sagt’s denn! Im Dezember 1997 fand endlich das statt, worauf die Fans seit 1979 gehofft hatten, was sich zwischendurch mehrmals anläßlich von Festival-Auftritten angedeutet aber letztlich nicht erfüllt hatte: Black Sabbath in Originalbesetzung fanden sich zu zwei Konzerten in Birmingham zusammen, um endlich ein offizielles Live-Album aufzunehmen. Alles, was es zuvor an Sabbath-Live-Alben gegeben hatte, war entweder nicht von der Band authorisiert gewesen, oder war halt nicht die Urbesetzung. Und – Hand aufs Herz – nur diese zählt. Naturgemäß enthält das passenderweise Reunion betitelte Konzert nur Songs der Ozzy-Ära von 1968 bis 1979. Als besonderes Schmankerl nahmen Iommi, Butler, Osbourne und (mit Abstrichen) Ward für die Veröffentlichung zwei (ein) neue(s) Lied(er) im Studio auf: „Psycho Man“ selbviert, den Song „Selling my Soul“ merkwürdigerweise ohne Bill Wards Schlagzeugspiel. Was das nun wieder sollte? Möglicherweise spielte ein leichter Herzinfarkt Bill Wards eine Rolle.

Black Sabbath waren also wieder vereint, spielten einzelne Konzerte und im Jahre 2005 sogar eine Tour. Zu einem kompletten Studioalbum konnten sich die vier Veteranen aber nicht aufraffen. Immerhin erhielten sie im Jahre 2000 ihren ersten Grammy für „Iron Man“ in der Reunion-Version.

The Dio Years

Im Jahre 2007 hatte die Plattenfirma die Idee, Black Sabbaths Ära mit Ronnie James Dio am Mikrophon auf einem Kompilationsalbum zusammenzufassen. Das versprach zusätzliches Tonträger-verkaufspotenzial, also sagte Tony Iommi zu. Auch Ronnie war einverstanden. Die Zusammenstellung vereint Lieder der Alben „Heaven and Hell“, „Mob Rules“ und „Dehumanizer“ sowie den Song „Children of the Sea“ vom Konzertalbum „Live Evil“, das ich in meiner Sammlung ausgelassen habe. Und da das Reunion-Live-Album zwei zusätzliche Studio-Songs enthalten hatte, sollte auch diese Dio-Werkschau solche enthalten, aber dieses mal sogar drei; in your face, Ozzy! Obwohl Black Sabbath zu diesem Zeitpunkt ja offiziell aus Tony Iommi, Geezer Butler, Bill Ward und Ozzy Osbourne bestand, gingen Toni und Geezer mit Ronnie James Dio und Vinnie Appice, der einst auf „Mob Rules“ und „Dehumanizer“ die Trommel gerührt hatte, ins Studio, um unter dem Namen „Black Sabbath“ drei Songs aufzunehmen. „The Devil Cried“:

Da Iommi offenbar aufgefallen war, daß das für Bill und Ozzy möglicherweise ein Affront sein könnte, absolvierte das Quartett die Promo-Tour zum Dio-Years-Album unter dem Namen „Heaven & Hell“, was nun ausgerechnet das Dio-Album ist, auf dem Vinnie Appice nicht mitspielt, Mann, Mann, Mann…
Bis hierher hatten die jüngeren Aktivitäten Black Sabbaths seit 1997 vor allem retrospektiven Charakter, wie es für eine Band im Herbst ihres Schaffens charakteristisch ist. Doch was mit Ozzy und Bill Ward nicht geklappt hatte, war mit Ronnie möglich: ein neues Studioalbum aufzunehmen.

Heaven & Hell – The Devil You Know

Es bestehen nur geringe Zweifel daran, daß dieses 2009er Album ein Black-Sabbath-Album ist, ungeachtet des anderslautenden Band-Namens auf dem Cover. Dafür spricht neben der bewährten B-Besetzung mit Iommi, Butler, Dio und Appice die Verwendung des langjährigen Sabbath-Maskottchens Henry.
Dieser geflügelte Dämon war zum ersten Mal auf der Innenseite des Albums „Never Say Die“ aufgetaucht und seitdem immer wieder auf Merchandiseprodukten der Band verwendet worden. Ursprünglich prangte er mal Mitte der 70er Jahre auf einem Konzertplakat, ohne Zutun der Band, aber zu ihrem Pläsier, also wurde er adoptiert, vermutlich ohne Tantiemen an den Künstler. Musikalisch bietet „The Devil You Know“ ebenfalls Bewährtes. Schleppende, doomige Gitarrenriffs hintermalt mit wahrnehmbarem Baßsound, überlagert von Dios markanter Stimme. Inhaltlich spart Ronnie nicht mit religiösen Anspielungen und düsteren Motiven.
„Follow the Tears“:

Die das Album begleitende Tour führte Black Sabbath Heaven & Hell auch zum Wacken Open Air, was Dios letzter großer Auftritt werden sollte. Denn eine Krebserkrankung zwang ihn zur vorzeitigen Beendigung der Tour, und am 16. Mai 2010 verstarb Ronnie James Dio und nahm seine großartige Stimme nebst der Manu Cornuta mit ins Grab.

13

Mit Dios Tod blieb die Besetzung Iommi/Butler/Osbourne/Ward als einzige Sabbath-Variante stehen, ohne freilich zunächst aktiv zu sein. Erst Mitte 2011 verdichteten sich Gerüchte betreffs einer erneuten Wiedervereinigung, die schließlich gegen Jahresende von Black Sabbath offiziell bestätigt wurden: Im Jahre 2012 sollte es ein neues Studioalbum in Originalbesetzung mit anschließender Tour geben. Doch dann erkrankte Tony Iommi an Krebs, was verständlicherweise den Beginn der Studioaufnahmen verzögerte. Und als schließlich Iommis Krebs so weit eingedämmt war, daß es hätte losgehen können, gab Bill Ward seinen Ausstieg aus Black Sabbath bekannt. Von Seiten der Band wurde die wackelige Gesundheit des Drummers als Grund für dessen Rückzug angegeben, immerhin hatte er schon 1998 einen Herzinfarkt erlitten, und eine komplette Tour am Schlagzeug sei ihm in seinem Alter nicht mehr zuzumuten. Ward selbst begründete seinen Ausstieg freilich mit einem nicht unterzeichnungswürdigen Vertrag, der ihm vorgelegt worden sei, sein Gesundheitszustand sei einwandfrei. Wie dem auch sei, schade, aber anstelle Bill Wards ist auf dem 2013er Album „13“ Rage Against The Machines Drummer Brad Wilk am Schlagzeug zu hören, die anschließende Promotour absolvierte Tommy Clufetos. Nun können die Jungs also auf ihrer Autogrammkarte vermerken, daß sie mal der legendären Band Black Sabbath angehört haben, aber große Zuneigung dürfen sie dafür leider nicht erwarten, denn die Fans nahmen die Nachricht vom Ausstieg des Gründungsmitglieds Bill Ward mit Unverständnis und Bitterkeit zur Kenntnis. Zu allem Überfluß trat als Produzent Rick Rubin in Erscheinung, der schon Metallicas Album „Death Magnetic“ soundtechnisch verhunzt hatte. Oder haben soll; ich merke sowas ja nie. Musikalisch knüpft „13“ durchaus an das Heaven&Hell-Abum an, freilich mit der markanten Stimme Ozzy Osbournes statt der andersartig markanten Stimme Ronnie James Dios. „Age of Reason“:

Die Wiedervereinigung mit Ozzy Osbourne hatte Hoffnungen genährt, wieder so ein inspiriertes Album zu erhalten, wie es „Paranoid“, „Master of Reality“ oder „Vol.4“ gewesen waren. Aber das war wohl nicht zu erwarten, denn es lagen ja 25 Jahre zwischen dem letzten Sabbath-Album mit Ozzy-Beteiligung und diesem Werk. Es wird daher nicht allein am Fehlen Bill Wards gelegen haben, daß „13“ durchaus anders klingt als die Werke der klassischen Ära, langsamer, doomiger, ohne die vielfachen Rhythmus- und Melodiewechsel. Ich finde „13“ nicht schlecht, aber es vermag auch nicht zu begeistern. An Songmaterial mangelte es der Band jedenfalls nicht; das Album ist als abgespeckte Normalversion mit acht Liedern, als Deluxe-Edition mit drei weiteren Liedern, oder als Superduperdeluxe-Verion mit gar einem vierten Bonustrack zu bekommen. Und es blieben sogar noch Songs übrig.

The End

Möglicherweise unter dem Eindruck von Tony Iommis Krebserkrankung, die weiterhin therapeutische Maßnahmen erforderte, gab Black Sabbath 2015 bekannt, daß die 2016 beginnende Welttournee „The End“ die Abschiedstour sein werde. In Originalbesetzung, mit Bill Ward? Nein. Grmpf. Am Schlagzeug saß weiterhin Tommy Clufetos. An den Souvenirständen wurde während der Konzerttour die EP „The End“ verkauft, die neben vier Liveaufnahmen, die auf der vorangegangenen Tour entstanden waren, vor allem vier neue Songs enthielt, die wohl bei den Aufnahmen des Albums „13“ übriggeblieben waren. Zum Beispiel „Cry All Night“:

Mit 54 Minuten Spieldauer ist diese EP länger als so manches Studioalbum von Black Sabbath, und das ließen sich die alten Herren auch fürstlich bezahlen. Wie ich irgendwo las und jetzt nur aus der Erinnerung krame, hat die CD im Pappschuber 30 Euro gekostet, von Ozzy, Toni und Geezer signerte Exemplare gleich mal 90 Euro. Oder irgendwie so. Jedenfalls sollte diese CD natürlich exklusiv den Konzertbesuchern vorbehalten bleiben, was sie nicht blieb, denn im Internet gibt’s ja alles.

The End (4 February 2017 Birmingham)

Das Ende war nahe, am 4. Februar 2017 war es soweit. Und was Iommi, Butler und Osbourne eventuell an Stil im Umgang mit ihrem alten Kameraden Bill Ward haben vermissen lassen, das machten sie mit der Wahl des Schauplatzes ihres finalen Konzerts wieder wett. Das konnte nur Birmingham sein! (Und war es auch.) Es wurden keine Songs von „13“ gespielt, sondern ausschließlich Klassiker der ersten sieben Alben, beginnend mit „Black Sabbath“, gipfelnd in „Paranoid“, dazwischen „Fairies Wear Boots“, „Under the Sun/Every Day Comes and Goes“, „After Forever“, „Into the Void“, „Snowblind“, „War Pigs“, „Behind the Wall of Sleep“, „Basically/ N.I.B.“, „Hand of Doom“, ein Meddley aus „Supernaut, Sabbath Bloody Sabbath, Megalomania“, „Iron Man“, „Dirty Woman“ und „Children of the Grave“, wie es sich gehört, mit „Embryo“-Intro. Tommy Clufetos wurde ausgepfiffen, als Ozzy die Band vorstellte, weil er halt leider nicht Bill Ward ist; kann er ja auch nichts zu. Er konnte aber mit dem Drum-Solo in „Rat Salat“ glänzen. Freundlicherweise stellen Black Sabbath den Konzertausschnitt mit „Children of the Grave“ auf ihrem Youtube-Kanal selbst zur Verfügung, drum:

Das war’s also mit Black Sabbath. Haben sie denn nun den Heavy Metal erfunden?
Weiß ich nicht. Sie selbst sahen sich wohl eher neben Deep Purple und Led Zeppelin im Hard Rock, verwurzelt im Blues, mit Ausflügen in den Progressive Rock. Zur Metal-Band machte sie Ronny James Dio eigentlich erst, nachdem es die richtigen Metal-Bands wie Iron Maiden und Judas Priest schon gab. Aber ist ja auch egal, ihr Einfluß auf die erwähnten richtigen Metal-Bands ist jedenfalls unbestreitbar.
Ich fand von Beginn meiner Entdeckungstour an reizvoll, daß Ozzy Osbourne, der Prince of Darkness und Godfather of Heavy Metal, eigentlich ein alter Hippie ist, daß Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward Blues spielten, bloß mit heruntergestimmten Instrumenten. Und in der Tat sind die frühen Werke der Band in Urbesetzung die besten, so gut Ronny James Dio auch singen kann, und so bemüht Tony Martin auch war, dem Namen Black Sabbath gerecht zu werden. Das machte es allerdings schwierig, Alben wie „Tyr“ oder „Forbidden“ überhaupt anzuschaffen, denn der örtliche Saturn führte sie gar nicht, und über Amazon waren sie schließlich auch nur aus zweiter Hand zu bekommen. Aber dafür ist man ja Sammler.


Editorische Notiz

18. Februar 2018

Wie hier: hier nämlich beschrieben, hat sich ein Bilderdienst verabschiedet beziehungsweise habe ich ihn in Rente geschickt. Das betraf und betrifft weiterhin so manche Bildverlinkung innerhalb von Blogbeiträgen der letzten neun Jahre. Auch der „Büchertisch“ (siehe oben) sah einigermaßen geplündert aus, da eben die Thumbnails bei jenem Bilderdienst lagen, weshalb auch immer. Inzwischen ist mir der Grund für meine dezentrale Bilderhaushaltung selbst schleierhaft. Aber dem sei nun gewesen, wie ihm gewollt habe; zumindest die Verlinkungen auf der Übersichtsseite des „Büchertischs“ und der einzelnen Buchbesprechungen habe ich restauriert.


CD-Regal revisited: Deep Purple.

26. Januar 2018

Kleines Interludium.

Im Rahmen der Black-Sabbath-Retrospektive fiel ja das ein oder andere Mal der Name „Deep Purple“, weil verschiedentlich Musiker, die mal bei Deep Purple gespielt hatten oder zumindest in einer der Nachfolgebands von Deep Purple, eine freigewordene Position bei Black Sabbath besetzten. Und im Gegensatz zu Black Sabbath oder Pink Floyd, die ich in Kindertagen nur dem Namen nach kannte, konnte ich den Begriff „Deep Purple“ mit Fleisch füllen. Weil: „Smoke on the Water“. Als ich irgendwann in den 1990er Jahren mein erstes Radio bekam (aber im Haushalt meiner Eltern wohnte und kein eigenes Einkommen hatte, weil ich ja noch Schüler war; also Füße stillgehalten, GEZ!), wurden im WDR noch Lieder gespielt, die so um die 20 Jahre alt waren, und wenn es sich um „Smoke on the Water“ oder irgendwas von Queen handelte, auch durchaus im Tagesprogramm und nicht bloß in Roger Handts abendlicher Oldie-Show. Auch heute noch werden im WDR 20 Jahre alte Lieder gespielt, mit dem feinen Unterschied, daß Songs, die damals 20 Jahre alt waren, oft cooler sind als Lieder, die heute 20 Jahre alt sind. Wie dem auch sei, „Smoke on the Water“ kannte ich jedenfalls, und sobald ich wußte, nach welcher Band ich suchen mußte, stapfte ich in einer unterrichtsfreien Stunde zum der Schule nahegelegenen Saturn oder zu Karstadt und suchte nach einer CD, die dieses Lied enthielt. Ich Naivling. Statt das Album anzuschaffen, auf dem der Song enthalten ist, kaufte ich eine Kompilations-CD, ich wußte es halt nicht besser, und wahrscheinlich war sie schlicht billiger. „Deepest Purple – The Very Best of Deep Purple“ enthält zwölf Lieder, zusammengeklaubt von sechs Alben und zwei Singles. Die Zusammenstellung ist © 1980, stammt also noch aus Schallplattenzeiten, denn CDs wurden erst ab 1982 hergestellt und verkauft. Aber mein Exemplar muß auf jeden Fall ein frühes sein, denn das äußerst spartanische Booklet legt mehr Wert auf die Erklärung des Compact-Disc-Digital-Audio-Formats in vier Sprachen, denn auf Erläuterungen zu Deep Purple und den enthaltenen Liedern. Die Cover-Gestaltung wurde also wohl eins-zu-eins von der Langspielplatte übernommen.

Aber immerhin lernte ich hier die Mitglieder der Band kennen, und seither sind mir Ritchie Blackmore und Ian Gillan ein Begriff. Der Erstgenannte, weil „Blackmore“ für mich ein irgendwie einprägsamer Name war, und Zweiterer, weil ich „Gillan“ gerne mit „Gilliam“ velwechserte, bekannt aus der Monty-Python-Riege. Ansonsten legte ich seinerzeit nur wenig Wert darauf, Bandmitglieder namentlich zu kennen. Vermutlich beschränkte sich dies bei mir damals auf die Beatles. Die kannte sogar meine Mutter.

Da „Smoke on the Water“ immer schon der Über-Hit der Band war, die Mutter aller Gitarrenriffs enthält und daher unzweifelhaft in die Ahnenreihe des Heavy Metal einzugliedern ist, bildet dieser Titel an zwölfter Stelle den Höhepunkt der Platte. Auf die Kassette „Altes (aber Gutes)“, die ich mir irgendwann später mit Altem (aber Gutem) zusammenstellte, schaffte es neben „Smoke“ außerdem „Child in Time“. Mit Blick auf das heutige Radioprogramm, gespeist aus dem, was die Plattenindustrie so hervorpreßt, ist das „aber“ durch „darum“ zu ersetzen. (Aber nein, es gibt auch heute noch Gutes, bloß zahlen deren Produzenten die Radiostationen nicht dafür, es in die Heavy Rotation aufzunehmen.)

Ob so eine Best-of-Zusammenstellung wirklich das Beste aus dem Katalog eines Musikers oder einer Band erfaßt, ist streitbar. Naturgemäß ist der zur Verfügung stehende Platz begrenzt, und es sollen möglichst alle Schaffensepochen repräsentiert sein. 1980, dem Zeitpunkt, da dieses Best-of erstellt wurde, befand sich Deep Purple im Zustand der zwischenzeitlichen Nichtexistenz, nämlich seit 1976 bereits; demzufolge war das Material überschaubar und gut einzugrenzen, da ja aktuell nichts Neues hinzukam. Dennoch sind nur sechs der bis dahin zehn Studioalben der Band berücksichtigt. Nun ja, da ich ja außer dieser einen Platte (noch) nichts weiter von Deep Purple kenne, kann ich mir darüber kein Urteil erlauben. Allerdings kristallisierten sich beim neuerlichen Durchhören der CD durchaus andere Stücke als Anspieltipps heraus, neben meinen damaligen Favoriten. Genannt sei „Demons Eye“:

Wie die Suche nach einem verlinkbaren Titel von „Deepest Purple“ ergab, gibt es inzwischen neuere Auflagen dieses Best-ofs, welche mehr Songs enthalten. Doch statt meine Ausgabe up-zu-graden (Wie notiert man denn solch ein Half-und-Halb-Word im Deutschen grammatisch annehmbar, wenn nicht gar korrekt?), dürfte es sich durchaus lohnen, wenn ich mich darauf konzentriere, die Diskographie Deep Purples strukturiert aufzuarbeiten. Ich kann ja nicht anders.