Yoko Ono.

31. Mai 2021

Den Namen Yoko Ono kenne ich seit meiner Kindheit. Von mir auf andere schließend behaupte ich, den Namen kennt jeder. Und wenn man sonst nichts weiß, dann immerhin, daß sie irgendwie mit John Lennon und so. Das war jedenfalls bis neulich ungefähr ziemlich genau der Stand meines Wissens. Außerdem könnten deutschsprachige Musik-Connoisseure sich an eine kurze Charakter-Beschreibung von Die Ärzte erinnern.

Zu Ostern nutzte ich die Gelegenheit, im WDR-Fernsehen den „Imagine“-Film von John Lennon und Yoko Ono zu sehen. (Bis zum 5ten Juli 2021 ist er noch in der Mediathek des WDR verfügbar.) Neben der erwartbar sehr brauchbaren Musik von John Lennon fand ich auch das durch die Bildsprache wirkende Zeitportrait von 1970 sehr inspirierend. Und eben Yoko Ono. Sie und John Lennon scheinen sich ernsthaft geliebt zu haben.

Es gibt da ja jetzt dieses Internet, und da soll man annähernd jede Information finden, die man sucht. Ist auch so, wie ich feststellte. Zum Beispiel weiß ich nun, daß Yoko sieben Jahre älter war als John, und daß sie jetzt 88 Jahre alt ist und noch lebt. Außerdem halten viele Beatles-Fans sie für den Spaltpilz, der die „schrillen vier aus Liverpool“ auseinandertrieb, was freilich von den Mitgliedern nie bestätigt wurde. George Harrison ist Gaststar im „Imagine“-Film und Ringo Starr gastiert auf Yokos Debut-Album. Kann also nicht so schlimm gewesen sein, aber für viele Hardcore-Beatles-Kuttenträger ist sie ein rotes Tuch. In vielen Youtube-Kommentaren wird, zusammengefaßt, abschätzig darauf hingewiesen, daß Yoko Ono eine talentfreie Schreihälsin sei. Hinzu kommt ihr Engagement als Friedens-Aktivistin und Feministin, womit sie naturgemäß nicht bei jedem offene Türen einrennt. Und zu allem Überflux bleibt ihr künstlerisches Schaffen, welches der Fluxus-Bewegung zuzurechnen ist, den allermeisten Menschen, wohlwollend ausgedrückt, rätselhaft. Die Mehrheitsmeinung scheint also mit Die Ärzte konform zu gehen, daß Yoko Ono zumindest mal nervt.

Ich bin freilich stets um Unvoreingenommenheit bemüht, weshalb ich in einigen Stichproben auf Youtube eigene Höreindrücke sammelte. Diese fielen weit weniger ungünstig aus als das Leumundszeugnis. Sogar ausreichend günstig, um mir direkt mal ein Album zu besorgen. Daß Yoko Ono selbst Platten veröffentlichte, war mir zuvor auch nicht bewußt gewesen. Wenn dein Boyfriend Ex-Beatle und Präsident von Apple Records ist, mag der Weg zur eigenen Langspielplatte wohl auch nicht so weit sein. Jedenfalls. Ich erwarb das Album „Approximately Infinite Universe“ von 1972 und legte es eingedenk der Vorwarnungen mit banger Erwartung auf – – –

Vergeblich wartete ich auf talentfreies Geschrei. Sicherlich hat Yoko Ono nicht die allergüldenste Stimme des Planeten, aber eine Florence Foster Jenkins ist sie bei weitem nicht. Ihre warme Alt-Stimme ist sogar recht wandelbar, wenn man bedenkt, daß sie zu dem Zeitpunkt schon fast 40 war und keine formale Gesangsausbildung genossen hatte. Die Songs sind teils rockig, teils bluesig, teils nehmen sie geradezu den Punk vorweg, bisweilen spielt Yoko mit ihrer japanischen Herkunft, und einige Lieder könnten gar im Soundtrack eines Tarantino-Films auftauchen. Die Texte gehen mit ihrer Berufung als feministische Aktivistin einher, wozu auch der im Innern des Gatefolds abgedruckte Text paßt. Das Doppel-Album beginnt auf Seite 1 mit „Yang Yang“:

Dreht man die Scheibe um, landet man auf Seite 4, wer denkt sich denn den Quatsch aus? „Move On Fast“:

Die zweite Scheibe enthält demzufolge die Seiten 2 und 3. Der Titelsong „Approximately Infinite Universe“:

Und schließlich „Shiranakatta (I didn’t Know)“:

Was soll ich sagen? Ich mag’s.

Aber woher kommen jetzt die Andeutungen, daß Yoko Ono talentfrei herumschreien würde? Jahá! die kommen nicht von ungefähr. Denn das oben besprochene Album „Approximately Infinite Universe“ war ja nicht Yokos erstes Werk. Bis zu diesem kamen viele potenzielle Zuhörer erst gar nicht, denn zuvörderst hatten sie „Plastic Ono Band“ gehört, eine Art Kooperation mit ihrem geliebten John Lennon, der die Klampfe rührt, unter Beteiligung, ich erwähnte es, von Ringo Starr am Schlagzeug. Beatles-Fans hatten also möglicherweise große Erwartungen, genährt durch den Umstand, daß es sich um eine Doppel-Veröffentlichung in zwei Alben handelte, eine Platte von John, eine Platte von Yoko, mit annähernd identischen Titelbildern mit subtiler Unterscheidung.

Falls es nicht zu erkennen ist: Auf Johns Album ruht sein Kopf in Yokos Schoß, auf Yokos Album ihr Kopf in Johns. Die Rückseiten der jeweiligen Alben zieren Kinderfotos. Dieses Konzept finde ich durchaus süß.

John Lennons Album bietet erwartbar sehr brauchbare Musik. Yoko Onos Album hingegen beginnt mit dem ..äh.. Song „Why“. Und exakt diese Frage drängt sich auf. Dringend.

Dankenswerterweise beantwortet der zweite ..äh.. Song die Frage umgehend: „Why not“.

Die B-Seite beginnt mit einem experimentellen Rehearsal-Tape. Mit „AOS“ imitiert Yoko – ich möchte sagen: gekonnt! – das schief in den Angeln hängende Gartentor, das dich bei Ostwind die ganze Nacht nicht schlafen läßt:

Der dem talentfreien Geschrei hinterlegte Groove von John Lennon, Ringo Starr und Klaus Voormann am Baß ist recht entspannt. Mit etwas Wohlwollen, welches aufzubringen ich durchaus gewillt bin, möchte ich dem Werk das Troubadix-Zitat zugestehen: „Nicht ohne künstlerische Qualitäten!“, aber die Quelle des Zitats sagt dann vielleicht doch etwas über die Genießbarkeit des Dargebotenen aus. Das Album umfaßt sechs ..äh.. Songs. Auf der CD-Veröffentlichung gäbe es noch Bonus-Tracks, aber so weit geht meine Liebe nicht. Und ich kann nachvollziehen, weshalb Beatles-Fans keine besonders hohe Meinung von Yoko Ono haben, sofern sie eben nur ins Plastic-Ono-Band-Album reingehört haben, selbst wenn sie Yoko nicht für das Auseinanderbrechen der Beatles verantwortlich machen. Nach diesem ersten Höreindruck werden sich die allermeisten die folgenden Alben Yoko Onos ansatzlos gespart haben. Das schlägt sich auch in der Veröffentlichungshistorie von Yokos Alben nieder. Während jedes einzelne Beatles-Album über Jahrzehnte hundertfach nachgepreßt, neuverlegt, remastert und auf den verschiedensten Tonträgern wiederveröffentlicht wurde, kennt Discogs für Yokos „Plastic Ono Band“ 31 Versionen. Und auch nur so viele, weil es im Erscheinungsjahr 1970 als LP in verschiedenen Ländern veröffentlich wurde, 1997 als CD erschien und 2016 nochmal ein Reissue erfuhr, wiederum in mehreren Ländern.

Ich habe Metallicas Lou-Reed-Album „Lulu“ überlebt, ich kann auch mit Yoko Ono umgehen. Nehme ich „Approximate Infinite Universe“ zum Maßstab, kann ich mir sogar gut eine Erweiterung der Sammlung vorstellen.


What Corona does to a man.

30. April 2021

Der Friseur ist ein vermeidbarer Kontakt. Das muß ich meiner Cheffin auch jeden Tag verklickern, wenn sie darauf hinweist, daß meine Haare lang seien und die Friseure doch geöffnet hätten. Dabei bin ich noch nicht mal ganz beim fünften Bildchen angelangt, und bis zur 70er-Jahre-Fußballer-Frisur oder gar zur Thomas-Anders-Imitation ist es noch ein langer Weg. Ich hätte auch gar keine Veranlassung, ein Nora-Kettchen zu tragen.


CD-Regal revisited: Pink Floyd (8)

22. März 2021

Nachdem Pink Floyd ihr Monumentalwerk „The Wall“ (1979) in den Jahren 1980 und 1981 mit einer monumentalen Bühnenshow im Rahmen einer kaum monumental zu nennenden Tour, welche nur die Weltstädte Los Angeles, New York, London und Dortmund berührte, zur Aufführung gebracht hatten, war das Bandgefüge endgültig zerrüttet. Richard Wright war nach den Studioaufnahmen zu „The Wall“ eigentlich eh schon gefeuert worden, durfte dann aber als bezahlter Session-Musiker die Tour begleiten, um für das Publikum die Illusion aufrecht zu erhalten, Pink Floyd, augenscheinlich auf dem Höhepunkt ihres kreativen Schaffens, seien noch Pink Floyd. Rick bekam also Geld für seine Auftritte, die restlichen Mitglieder zahlten drauf, weil das ganze Brimborium mit live auf der Bühne gebauter Mauer durch Herstellung, Transport und Aufbau während der Show in einer mietpreisintensiven Halle, die dafür ausreichend Platz bot, mehr kostete, als es einbrachte. Tja. Wright war nach der Tour jedenfalls raus, und es mußte schnell Geld her, weshalb 1981 rasch das Kompilationsalbum „A Collection of Great Dance Songs“ veröffentlich wurde, welches ich nicht besitze, wie ich söben feststelle. Soëben. Schad’t nix, denn enthalten sind eben nur alternative Mixe von „Shine on You Crazy Diamond“ und „Another Brick In The Wall (Part 2)“, außerdem „One Of These Days“, „Sheep“ und „Wish You Were Here“, sowie eine Neueinspielung von „Money“, die David Gilmour ohne Zutun seiner Bandkollegen vornahm. Das amerikanische Label Columbia Records erhielt nämlich von Capitol Records, die ursprünglich „DSOTM“ in den USA veröffentlicht hatten, keine Lizenz für die Verwendung dieses Songs. Nunja.
Im Jahre 1982 kam überdies die Filmadaption von „The Wall“, mit Bob Geldof in der Hauptrolle und Animationen von Gerald Scarfe, in die Kinos. Zusätzlich zu den Songs des Albums ist im Film auch das Lied „When the Tigers Broke Free“ enthalten.

The Final Cut

Pink Floyd waren nun also nur noch zu dritt. Das 1983er Album „The Final Cut“ trägt jedoch den Untertitel „A requiem for the post war dream by Roger Waters. Performed by Pink Floyd“. Ohne Rick Wright. Und das merkt man. War sein Keyboardspiel bisher integraler Bestandteil des Pink-Floyd-Sounds gewesen, so fehlt dies hier, was dem Album einen gänzlich ungewohnten Charakter verleiht. Zumal ja auch die Beiträge von David Gilmour und Nick Mason sich aufs Abspielen von Roger Waters‘ Kompositionen beschränken.

(In der LP-Version ist der Titel als Aufkleber auf dem Cover ausgeführt.)
Thematisch verarbeitet Roger Waters mit dem Album sein Trauma des im Krieg gebliebenen Vaters, nimmt also diesen Aspekt aus „The Wall“ wieder auf, zum Teil wurde Material verarbeitet, welches auf dem Vorgängeralbum keine Verwendung gefunden hatte. Der kriegskritische Tenor („Ténor“), sich ursprünglich aus der Thematisierung des Zweiten Weltkriegs speisend, war 1983 hochaktuell, denn just 1982 kämpfte Großbritannien mit Argentinien um die Falkland-Inseln und obsiegte. Dies wird, neben dem Afghanistan-Krieg und dem Nahost-Konflikt, in dem Sechszeiler „Get your filthy hands off my desert“ angesprochen. Angespielt werden soll hier jedoch das Titelstück „The Final Cut“, welches klingt, als könne es noch von „The Wall“ stammen:

Mein CD-Exemplar ist die „Digital Remasters“-Version von 1994. Auf neueren Veröffentlichungen des Albums ist zusätzlich „When the Tigers Broke Free“ enthalten, wodurch die Stellung von „The Final Cut“ als Continuatio von „The Wall“ augenfällig wird. Gleichzeitig ist das Album aber schon durch den Untertitel als De-facto-Soloprojekt von Roger Waters gekennzeichnet, und 1985 erfolgte schließlich der finale Schnitt durchs Tischtuch – Roger Waters verließ Pink Floyd. Es wurde schmutzig. Es sprachen lediglich noch die Anwälte von Waters und Gilmour miteinander. Waters versuchte, „Pink Floyd“ durch seinen Bandaustritt für offiziell und endgültig aufgelöst zu erklären, der Bandname sollte fürderhin nicht genutzt werden dürfen. Gilmour hatte diesem Ansinnen gänzlich widersprechende Ambitionen und bekam vor Gericht Recht. Seitdem zürnt Roger Waters. Seit 36 Jahren. Das ist fast dreimal länger, als es die Band überhaupt in ihrer klassischen Besetzung gegeben hat.

Works

Noch 1983 erschien ein weiteres Sammelalbum, „Works“, und zwar bei Capitol Records. Diese Plattenfirma wollte offensichtlich sowohl mit dem gegenwärtigen Pink-Floyd-Album „The Final Cut“ konkurrieren, als auch die Sammlung großartiger Tanzlieder (s.o.) kontern, die beide bei Floyds neuem US-Label Columbia Records erschienen waren. Die „Works“-CD hatte ich bei meinen Streifzügen durch die CD-Abteilungen von Karstadt und Saturn Ende der 1990er Jahre durchaus im Pink-Floyd-Fach stehen sehen, aber auch stets dort stehen gelassen, denn was interessierte mich eine Zusammenstellung von Songs, die ich ohnehin schon alle auf den zugehörigen Alben hatte? Gar nicht interessierte mich sowas. Einzig das Lied „Embryo“ kannte ich nicht, aber das dünkte mich nicht wert, eigens dafür diese CD zu erwerben.

Ich erwarb sie erst kürzlich, und natürlich nur wegen „Embryo“. Dieses Lied lernte ich erst durch Youtube kennen, wo ich mir Live-Darbietungen von Pink Floyd anschaute und -hörte. Dort tauchten eben auch Live-Versionen von „Embryo“ auf, offenbar aus den frühen 70er Jahren, aber eine Album-Version war mir nicht bekannt. Bis ich mich dieser „Works“-CD entsann, die ich immer verschmäht hatte. Also kaufte ich sie doch, und ich war enttäuscht. Denn die 4-Minuten-40-Studio-Version kommt bei weitem nicht an die 10-Minuten-Live-Jams heran, die bei Youtube kursieren:

Offenbar war dieser Song schon seit 1968 ein Dauerbrenner im Live-Set Pink Floyds gewesen, doch penetrant ließ man jegliche Gelegenheit verstreichen, ihn in irgendeiner Form auf einen Tonträger zu bannen. (Das stimmt nur bedingt. Harvest Records veröffentlichte „Embryo“ in der „Works“-Studioversion bereits 1970 auf dem Multi-Artist-Sampler „Picnic – A Breath of Fresh Air“, neben Songs von Deep Purple, Barclay James Harvest, Roy Harper und anderen.) Jedenfalls wäre die Live-Scheibe von „Ummagumma“ so eine Gelegenheit gewesen. Oder die „Relics“-Kompilation. Auch in Pompeji hätten sie’s spielen können. Aber nein. Offizielle Live-LPs waren bis hierhin, 1983, sowieso nicht Pink Floyds Sache gewesen. Außer der schon erwähnten Live-Scheibe von „Ummagumma“ gab die Diskographie nichts her. Den Pompeji-Film mußte man seinerzeit im Kino gesehen haben, ehe man ihn irgendwann physisch als DVD seiner Sammlung hinzufügen konnte, als Schallplatte wurde das ..naja.. „Konzert“ nicht veröffentlicht; und selbst „The Wall Live“ erschien erst im Jahre 2000 zum zwanzigjährigen Tour-Jubiläum. Was jedoch kursierte, waren Bootlegs. Und derer viele, wie die Fülle an Konzertmitschnitten auf Youtube zeigt. Um also die haptische Repräsentation einer Live-Darbietung von „Embryo“ in Händen halten zu können, mußte ich zu drastischen Mitteln greifen. Kunstpause, Spannungsaufbau. Ich kaufte eine Bootleg-CD.

Es ist eine Papphülle mit Papier-Inlay. Zwar steht Toshiba-EMI Limited drauf, inklusive EMI-Logo, doch bei Discogs ist der Handel dieser CD unterbunden, so verboten ist das! Enthalten ist ein Live-Mitschnitt von 1970, zu hören bekommt man „Green Is The Colour“, Careful With That Axe, Eugene“, „If“ und „Atom Heart Mother“, mit Bläser- und Chorbegleitung. Und eben „Embryo“:

Und weil ich grad dabei war, ersteigerte ich gleich noch eine Single-Zusammenstellung, weil ich ja noch nicht genügend Compilations mit ohnehin in meiner Sammlung befindlichen PF-Songs hatte. Auf der CD „The Pink Floyd – The Early Singles“ sind aber tatsächlich all jene Singles und B-Seiten enthalten, die auf den bisherigen Kompilationen so sträflich unbeachtet geblieben waren. Namentlich „Candy and a Current Bun“, „Apples and Oranges“, „It Would Be So Nice“ und „Point Me At The Sky“ sind hier erstmals auf CD erhältlich.

Ursprünglich war diese CD Teil des Box-Sets „Shine On“ von 1992, welches einige, aber nicht alle! Pink-Floyd-Alben bis zu diesem Zeitpunkt umfaßte. Wer sich sowas wieder ausgedacht hat! Die obige Single-Zusammenstellung ist quasi ein Extra-Gimmick in diesem Box-Set, und da ich sie einzeln kaufte, fehlt sie jetzt irgendjemandem. Einerlei. „Point Me At The Sky“ ist so early, daß es sogar noch nach den Beatles klingt:

Damit wollen wir es für heute bewenden lassen.


Weiße Weihnachten!

8. Februar 2021

Gerüchten zufolge soll es ja früher™, als alles besser war, wie etwa die Luftqualität im Ruhrgebiet und die Wasserqualität der Emscher, jedes Jahr zu Weihnachten geschneit haben. Meine Kindheit war offenbar nicht früher genug, denn meiner Erinnerung nach war das nur selten der Fall.
Aber jetzt, im Februar 2021, jetzt schneit’s. Und ein Blick in den Kühlschrank versicherte mich darin, daß noch ..äh.. Weihnachten ist. Gelobt sei die Vorratshaltung!


Mittelalterliche Schmiede 21325

25. Januar 2021

Jau, Lego stellte mir auf Vermittlung von 1000steines Chefdiplomaten Dirk ein Rezensionsexemplar der mittelalterlichen Schmiede 21325 zur Verfügung. „Mittelalterliche Schmiede“ – zu Ungarisch: „Középkori kovács“ – ist in der Tat der deutsche Name des Sets, der auf der Seitenlasche des Kartons vermerkt ist. Lego verteilt solche Freiexemplare selbstverständlich in der Erwartung, wohlwollende Besprechungen zu ernten, und dessen können sie sich auch bei diesem Set sicher sein, denn es ist, fürwahr, ein tolles Modell; was soll ich da groß drumrumreden. Im Prinzip ersonnen hat es Clemens Fiedler, und wäre sein Ideas-Vorschlag eins-zu-eins (1:1) übernommen worden, hätte es so ausgesehen: klick. Ein Bild des Originals ist vorne in der Bauanleitung abgedruckt, nebst dem Konterfei des Erbauers. Wie bei Ideas-Sets inzwischen gewohnt, wurde das Modell allerdings nicht 1:1 übernommen, sondern durch Legos eigene Designer Wes Talbot und Austin William Carlson, welchselbige ebenfalls in der Anleitung abgebildet sind, in eine Façon, Fassong, Fassung, also Form gebracht, die Legos selbstauferlegten Richtlinien zur Set-Gestaltung mehr entspricht als anarchisches AFOL-Rumgebaue ohne Beschränkungen in Formen, Farben, Bautechniken und nicht zuletzt einem Budget im Verhältnis zu einem verantwortbaren Verkaufspreis. An der Barracuda-Bucht 21322 kann man beispielhaft feststellen, daß nach Legos Überarbeitungsprozeß der Ideas-Idee vom ursprünglich eingereichten Fan-Entwurf nicht viel mehr übrig bleiben mag als der Grundgedanke. Und wurde das Piratenset in seiner Endfassung eine Hommage an die glorreichsten Tage des Themas in Legos Produkthistorie, so fügten Wes und Austin, die Lego-Designer, Clemens‘ Entwurf ebenfalls eine Dimension hinzu, von der dieser wohl nicht zu träumen gewagt hätte, so er davon überhaupt je geträumt hat. Denn wie ein weiteres Bild in der Bauanleitung zeigt, vollzog sich Clemens‘ Lego-Sozialisation wohl vornehmlich im gegenwärtigen Jahrtausend. Alles in allem ist das Set 21325 aber sehr viel näher am Fan-Entwurf, als es die Barracuda-Bucht ist.

Wenn Lego Rezensionsexemplare verschickt, dann nicht mit DPD, sondern mit der Bundespost (hätte ich jetzt fast gesagt, aber so mittelalterlich ist Lego ja dann doch nicht), also DHL. Und zwar direkt in einer Umverpackung, in der wohl auch Vertragshändler und Lego-Stores ihre Ware erhalten. Mit einem dezenten Hinweis, ab wann der Verkauf legoseits erwünscht und gestattet ist.

Keine Sorge, ich werd’s erst nach dem ersten Februar bei mir ins Regal stellen, bis dahin bleibt’s hier aufm Schreibtisch stehen. Und zwar dergestalt:

Wir befinden uns im finsteren Mittelalter, entsprechend schummerig ist die Illumination. Wobei… „Mittelalter“ ist natürlich eher eine poetische Umschreibung für eine romantisierte Phantasie-Vergangenheit, wie sie etwa auf den sogenannten Mittelaltermärkten heraufbeschworen wird, und wie sie das künstlerische Konzept annähernd jedes im Mittelalter angesiedelten Films oder Computerspiels dominiert; es ist dies ein Phänomen, das durchaus nicht unserer Zeit entspringt, sondern schon vor zweihundert Jahren die Epoche der Romantik prägte. Die Wartburg zum Beispiel wurde nach den Vorstellungen Goethes und Konsorten ihrerzeit in einen Zustand versetzt, der dem entsprach, wie man sich ein ideales Mittelalter vielleicht gewünscht hätte: Pittoresk und idyllisch. Romantisch eben. Und in bezug auf das vorliegende Set ist so eine Mittelalter-Vorstellung auch gar nicht schlimm, ist doch Lego immer noch irgendwie etwas, das mit Phantasie, Vorstellungskraft, in Verbindung gebracht wird. Und warum also nicht auch mit Fantasy? Legos Ritter-Serie war nie etwas anderes, wenn auch von den Anfängen 1978 bis zu *würg* „Nexo Knights“ 2016 die Skala von „realistisch“ über „phantastisch“ immer weiter zu „unrealistischer Bullenkack“ hin ausgereizt wurde. Beim vorliegenden Set bewegen wir uns nun wieder im Spektrum von realistischer Darstellung und Fantasy-Setting.

Und idyllisch ist das doch wohl allemal! Der große Baum, der im ursprünglichen Ideas-Entwurf neben dem Gebäude aufragte, wurde hier zu einem Apfelbäumchen verkrüppelt; der Weltuntergang kann also getrost kommen. (Ich bin schuldenfrei.) Erkennbar wurde sich bemüht, AFOL-gerechte Bautechniken zu verwenden und den Baum individuell zu gestalten. Der Charakter eines Apfelbaums wurde durchaus gut getroffen, allerdings ist mir so etwas persönlich bisweilen zuviel „Hauptsache, irgendwie anders gebaut“ für ein Lego-Set. Aber ja, hübsch ist es.
Am Baum hängt eine Zielscheibe, und eine grüngewandete Figur übt das Bogenschießen. Da muß ich natürlich ans Robin-Hood-Baumversteck 6054 denken, wenn es auch eine sehr vage Andeutung ist.

Das Gebäude ist rundum geschlossen. Auf der Rückseite lockert ein Erker die Fassade auf. (Heißt es auf der Rückseite auch „Fassade“?) Das ist niedlich und unterstreicht den romantischen Charakter. Clemens Fiedler stammt aus Hannover, also ist Einbeck nicht weit weg. Die Gestaltung des Gebäudes mit überbordetem Treppenaufgang, prominent außen angebrachtem Kamin, mit Dachgaube und Erker wurde vom Ideas-Beitrag ins fertige Set übernommen. Vollkommen zu Recht.

Der Vollständigkeit halber noch eine Draufsicht im Gegenlicht:

Im Mittelalter, um da mal nicht locker zu lassen, gab es in Weltgegenden, in denen derartige Gebäude heimisch gewesen wären, allerdings noch keine Kürbisse. Und Huskies vielleicht auch eher nicht. Petitessen.

Der Schmied ist dem Namen nach die Hauptperson in diesem Set. Früher waren Schmiede mal so verbreitet, wie es heutzutage Automatenspielhöllen und Apotheken sind. Umso erstaunlicher, daß Lego diesen Berufsstand stets eher halbherzig in seine Ritter-Serien integrierte. Klar, schon 1984 gab es als kleine Ergänzung fürs Burgenland die Schmiede 6040. Hier dengelt der Schmied verschämt an einem Wagenrad. Erst im Jahre 2011 greift Lego eigenständig das Thema wieder mit dem Set 6918 auf. Hier paßt der Meister nicht mal in eigener Person in sein Kabäus-chen, und Lego legt jede Zurückhaltung ab: Jetzt werden Waffen geschmiedet! Man sieht förmlich, wie die sprühenden Ideen der Set-Entwickler („Wir sollten eine Wassermühle bauen!“ „Wir sollten eine Schmiede bauen!“) zusammenbudgetiert wurden in dieses kleinste Set der Serie. Chance vertan!

Jedoch, wenn Lego es selbst nicht hinkriegt, dann dürfen die Fans ran. Und früher oder später bauen die dann eine ernstzunehmende Schmiede. Sehr früh sogar. Das allererste von einem Fan entworfene und in ein offizielles Lego-Set gegossene Set war vor fast zwanzig Jahren, 2002, Daniel Siskinds „Schmiedewerkstatt“ 3739. Diese war seinerzeit das beste Set aller Zeiten (bis dahin), weil sie den damaligen Set-Stil, der ja noch eher schlicht und naiv war, was ich nicht negativ verstanden wissen will, erweiterte zu einem richtigen Haus. Mit Bettchen für die zwei Minifigs.

Natürlich gibt es Parallelen. Beides sind Schmieden. Beide setzen Fachwerk auf ein gemauertes Erdgeschoß. Beide haben ein blaues Dach. Vielleicht hat die Siskind-Schmiede bei Clemens‘ Ideenfindung eine Rolle gespielt, vielleicht aber auch nicht. Die Unterschiede überwiegen.

Jedenfalls, der Schmied. Nennen wir ihn Tormund. Auch er schmiedet Waffen. Sein Zunftschild, bedruckt, wird er wohl auch selbst geschmiedet haben. Was er sonst noch für Pläne hat, wissen wir nicht.

Das Schmiedefeuer facht er über einen Blasebalg an, ernsthaft! Der Blasebalg drückt auf den Mechanismus des Lichtsteins, um das Feuer zum Glühen zu bringen. Exquisit!
Vor der Esse ist ein Abklingbecken angedeutet, worin der glühende Stahl abgekühlt und ausgehärtet wird. Die Designer scheinen sich also eingehend mit dem Schmiedehandwerk auseinandergesetzt zu haben.

Das Wasser fürs Becken holt Tormund aus seinem eigenen Brunnen. Dieser ist wiederum sehr idyllisch unterm Apfelbaum gelegen, was darüber hinwegtröstet, daß er durchaus noch etwas detaillierter hätte gestaltet werden können. Er ist zwar nicht sehr tief, kaum bis zur Tischplatte, aber eine Seilwinde könnte sich als hülfreich erweisen.
Im Hintergrund ist das Holzdepot unter dem Treppenaufgang zu erahnen. Dieses Holz mag für Schwertgriffe und Speerschäfte dienen, vielleicht auch zum Befeuern des Herdes, nicht jedoch für die Schmiedeesse, denn für Stahl braucht man Kohle, Subventionen hin oder her.

Und tatsächlich, im Innern der Werkstatt gibt es ein Kohlelager.
Die Tür zur Werkstatt ist fünf Steinbreiten hoch, der Durchgang ist allerdings nur gut vier Steinhöhen hoch. Im Mittelalter waren die Türen ja niedriger.
Auf dem Amboß wartet bereits ein glühendes Stück Roheisen darauf, in Form gehämmert zu werden.

Leider war in den letzten zwei Wochen nur für eine halbe Stunde die Sonne zu sehen, so daß meine Bilder nur funzelig beleuchtet sind. Wenn auch wahrscheinlich heller, als es das Innere der Werkstatt wäre, denn dem Schmied muß das Licht genügen, das durch die kleinen Fenster bricht.

Vielleicht kann man erahnen, daß Tormund nicht nur scharfe Klingen und Rüstungen schmiedet, sondern bisweilen auch Töpfe und Tiegel. Das Faß in der hinteren Ecke beinhaltet überdies eine Auswahl eiserner Stangen für den Hausgebrauch.

Seinen vollendeten Schwertern kann Tormund direkt den richtigen Schliff geben. Ein nettes Detail.

Doch genug von Tormund. Die Firma Lego legt erkennbar Wert darauf, zumindest in ihren Topsets das Personal ausgewogen zu rekrutieren, möglichst frei von Stereotypen. Wenn also hier der Schmied schon ein testosteronimprägnierter Vollbartträger ist und eine Hühne obendrein, der sich bücken muß, wenn er die Tür zu seiner Werkstatt durchschreitet, und eben keine Schmiedin, wie im Film „Ritter aus Leidenschaft„, dann muß es auch mindestens eine weibliche Figur geben, die als starke Persönlichkeit mit traditionellen Geschlechterrollen bricht. Mindestens eine. Hier haben wir also zum Beispiel eine Bogenschützin im grünen Wams.

Manchmal schlüpft Maid Marian aber dann doch in ihre Rolle als Frau Schmidt und gebietet über Haus und Herd.

Die Stube ist gemütlich eingerichtet. Auf Stühlen mit gedrechselten Beinen und Rückenlehnen liegen buntkarierte Kissen. Das ist sehr hübsch, aber vielleicht ein bißchen überdimensionierter, als es einem Lego-Set geziemt. Und die Stubentür ist hier sechs Steinbreiten hoch und dennoch zu klein für die Türöffnung. Das hätte man besser lösen können.

Heute gibt’s Kohlsuppe mit Möhreneinlage. Zum Schneiden des Gemüses stünden mehrere Schwerter oder ein schwarzes Metzgerbeil zur Verfügung. Neben dem schön gemauerten Herd finden wir das Butterfaß. Als Protegé der Waffenlobby lebt man gutsituiert.

Es sei mir ein persönlicher Exkurs in meine Kindheit erlaubt: Damals, in den späten 80er Jahren, hatte Mein Männchen™ auch immer die bestausgestattetste Wohnstätte, die man sich denken konnte. Selbstverständlich besaß er mein einziges braunes Faß, meine einzige Mistforke (an der keine Zinke abgebrochen war), mein einziges braunes Roß. Ähnlich schön haben es die Schmidts.

Das Wohnidyll setzt sich im Dachgeschoß fort. Im Kamin prasselt ein wärmendes Feuer. Das behagliche Bett mit gesteppter Tagesdecke lädt unter anderem zum Schlafen ein. 21325 ist ein „18+“-Set, denkt euch euern Teil. Die Erkernische füllt ein Schreibpult aus, denn der Handwerker oder die Bogenschützin von heute hat selbstverfreilich eine lyrische Ader. Märchenhaft mutet das Set in seiner Gesamtheit an, und ein Märchen fließt auch aus der blauen Feder. Daß diese Feder blau ist, ist vielleicht wohlüberlegt.
Beherrscht wird das Dachgeschoß durch das Fell eines selbsterlegten Bären.

Im Hintergrund ist überdies die simple aber clevere Technik erkennbar, mithilfe derer der Knick im Dach ins Werk gesetzt wurde: Knopfkupplungen. Überhaupt: Das Dach. Im Set ist es nicht gar so zerfurcht und schroff wie in Clemens‘ Ideas-Entwurf. Doch durch die Verwendung von Fünfeckfliesen (die ebenfalls Teil des Dachs im Originalentwurf waren) in blau, dunkelblau und schwarz sowie bemoostem statüegrün wird ein ähnlicher Effekt erzielt. Einige der überlappenden Schindeln sind bereits verwittert und müßten dringend ausgetauscht werden. Schön ist das vorgeklippste Giebelgebälk. Das Dach der seitlichen Gaube hätte eine Schindellage mehr vertragen können.



Die Bespielbarkeit der Dachkammer ist gewährleistet, indem das ..äh.. im Bild östliche (könnt ihr nicht wissen) Dach einfach ausgehängt wird. „Das ist doch kein Lego, wenn da nichts noppigerdings oder sonstwie verbunden ist!“ höre ich meckern. Papperlapapp, die Technik ist cool, und das lose Dachseitenteil hält auch allein durch die Schwerkraft ganz sicher.


Und was ist jetzt mit den Adlerrittern, die da oben in ihrem Pferdekarren um die Ecke biegen? Gemach. Zuerst muß ich den Karren abkanzeln. Der ist so schlecht, daß ich ihn nicht mal für würdig befand, gesondert photographiert zu werden. Oder ich hab’s einfach vergessen, aber schlecht ist er wirklich. Was am Dach noch eine gewitzte Bautechnik war, die Kuppelverbindung nämlich, zeigt hier die vollkommene Witzlosigkeit der Lego-Designer, wenn es um Pferdefuhrwerke geht: Die gekuppelte Deichsel an einem zweiachsigen Karren. Die Vorderachse ist wieder einmal nicht lenkbar, seit fast zwanzig Jahren geht das so. Was soll der Quatsch? Dafür gibt es von mir aus Prinzip Punktabzug. Zum Glück ist dieses Fuhr- und Machwerk ein zu vernachlässigender Teil des Sets, also fällt dieses Manko nicht allzu stark ins Gewicht. Das falbe Pferd ist entschuldigt; das ist schön.

Ach so, ja, die Adlerritter. Ja, zwei Adlerritter kommen zum Waffenkauf an der Schmiede vorbei. Oder zum Überfall. Oder als Ordnungshüter, die eine grünbewamste Wildfrevlerin festnehmen wollen. Der Spielmöglichkeiten sind viele.

Als Hommage an die beste Zeit des Ritter-Themas in Legos Produkthistorie bewillkommne ich diese Adlerritter natürlich aufs Herzlichste. Und, Überraschung, mindestens eine weibliche Hauptdarstellerin genügte nicht, darum ist einer der Adler eine Knäppin!

Die Geschichte der Adlerritter ist wechselvoll, aber lang. Reicht sie doch von 1984, als noch eine grünweiße Flagge über der kleinen Ritterburg 6073 wehte; über 1986, welch Jahr das Ritterschloß 6074 mit Adlerbanner und gelber Torbeflaggung sah; über 1992, da die Erzschelme und -rivalen des Löwenordens schon nicht mehr im Katalog vertreten waren, die Adler aber noch (in grauen Hosen, wie absurd!) gegen die schwarzen Drachenritter kämpften; bis ins Jahr 2002, da das Ritterschloß als „Legende“ 10039 neuaufgelegt wurde, mit leicht veränderten Wappen auf Brust und Fahne, dasselbe Jahr, das uns auch die erste Fan-Schmiede als Lego-Set brachte. Im Jahr 2010 gab es (in Amerika) einen Adlerritter-Kühlschrankmagneten, während ein geheimnisvoller schwarzer Ritter mit Adlerwappen das Turnier 10223 gewann. Fehldrucke des Brustwappens (Linksgucker (heraldisch Rechtsgucker), invertierte Farben) steckten sie bossgleich weg. Den undefinierten Piepmatz, den die Amerikaner „Black Falcon“ nennen, der für mich aber immer ein Adler war, wegen Bundesadler und Dortmunder Stadtwappen, und der sich auf 1000steine.de schon als Truthahn diffamieren lassen mußte (Zwinkersmiley), versuchte Lego mit der 10223-Version zu modernisieren, und jetzt, im Jahre 2021, ist er erwachsen geworden und stellt unmißverständlich einen Greifvogel dar. Für die Amis halt immer noch einen Falken, aber natürlich ist es ein Adler. Das wäre also geklärt. Auf farbige Umrandung der Schilde wurde verzichtet zugunsten blackfalconesken Schwarzes. Ich persönlich hätte mir eher die silbrigen Schulterpanzer und Helme der beiden jüngsten Sprosse des Ordens etwas dunkler gewünscht.

Wie dem auch sei. Die Adlerritter/:*_Innen sind hier nur das i-Tüpfelchen auf einem ohnehin sehr schönen Set. Der Detailierungsgrad steht dem der modularen Häuser in nichts nach, die Gestaltung ist farbenprächtig und doch ernsthaft-gedeckt. Das Dach auch. Die funktionalen Aspekte einer Schmiede sind ebenso wie die modularen Aspekte des Gebäudes wohldurchdacht und trickreich ausgeführt. Der Karren ist Mist, aber das Set hat Charme. Es macht Spaß, das Modell zu bauen, vier bis fünf Iron-Maiden-Alben sollte man währenddessen durchhören können. Daß auf der Bauanleitung die Setnummer zugunsten eines häßlichen QR-Codes weggelassen wurde: Ärgerlich, aber geschenkt. Und sollte es noch eines finalen Pluspunkts bedurft haben: Es sind keine (in Zahlen: 0) perlgoldene 1×1-Rundplättchen enthalten!

Ich möchte daher eine Empfehlung aussprechen. Mache ich auch: Abstand halten, Maske tragen, bei Gelegenheit impfen lassen, und diese „Mittelalterliche Schmiede“ bauen!

2164 Teile, 149,99€, erhältlich bei Lego ab dem 1. Februar 2021.


Dinner for one.

31. Dezember 2020

Nämlich mich.

2020: Viel Spökes mit dem Virus. (Es heißt „das Virus“ Aber es heißt ja auch „das Blog“, also was red‘ ich.)

Silvester: Ein zarter Duft nach Raclette und Fondue wabert durch die Straßen und Gassen. In anderen Jahren, in allen anderen Jahren zuvor, wurde er vom Gestank des Schwarzpulvers übertüncht.

2021: Weiterhin viel Spökes mit dem Virus.