Ressourcenverschwendung.

24. Februar 2017

Lego ist ja eine Firma. Ab und an muß man sich das wieder ins Gedächtnis rufen, weil man als Fan und Sammler vielleicht das Gefühl dafür verliert, daß Lego eben kein treuer Freund seit Kindheit an ist. Nein, Lego will verdienen, auch an mir, und das sollen sie ja auch. Um ordentlich Rendite zu erwirtschaften, hält Lego seine Kosten möglichst gering, zum Beispiel, indem Produktionsabläufe nach China verlagert werden, offenbar unter Inkaufnahme von unausweichlichen Plagiaten; aber darum soll es hier gar nicht gehen. Denn die wichtigere Stellschraube an der Geldpresse ist vermutlich: Der Kunde! Der Kunde soll möglichst viel Lego kaufen, und zwar zu möglichst hohen Preisen. Lego testet die Belastbarkeit des Gewindes an dieser Stellschraube seit Jahren beharrlich aus, indem die Schraube kontinuierlich angezogen wird. Die hochpreisigen Sets werden immer größer und dementsprechend immer hochpreisiger. Wenn ich mich nicht irre, ist das teuerste aktuell erhältliche Set der Todesstern 75159 für 500 Euro. Fünfhundert Euro! Das sind gut und gerne 1000 D-Mark. Tausend. So einen Preis aufzurufen, hätte sich Lego früher™ nicht getraut. Aber da sie ja die Preisschraube peu à peu angezogen haben, kamen sie zu der Erkenntnis: Der Kunde kauft.

Aber nun gut, die teuren Sets kaufen vielleicht nur Menschen, die es sich leisten können. (Klammer auf: Guter Witz. Als ob der Wohlstandsbürger an und für sich am Ende des Kontostandes auch seine Begehrlichkeiten runterregulieren würde. Gibt doch Ratenzahlung! Ich bin gespannt, wann Lego dergleichen auch anbietet. Klammer zu.) Fieser sind die kleinpreisigen Dinge, mit denen Lego ans Taschengeld der Kernkundschaft will, mithin ans Geld der Kinder. Seit einigen Jahren gibt es im Programm regelmäßig Serien, die aufs Sammeln von gewissen Gegenständen ausgelegt sind, seien es Schwerter in gewissen Farben bei Ninjago, oder seien es verschiedenfarbige Mondsteine bei den Monsterjägern oder Schlüssel in der Elfen-Welt und was dergleichen Dinge mehr sind. Die begehrlichsten Stücke befinden sich natürlich im jeweils größten und teuersten Set der Serie. Doch das genügt Lego nicht. Da muß doch noch mehr Geld zu holen sein! Ist es auch. Sammelkartenspiele sind das Geheimnis der Kinderschröpfung, der Nachfolger der Panini-Sammelbildchen. Für kleines Geld pro Einheit kaufen die lieben Kleinen ganz viele Einheiten, und so wird aus kleinem Geld großes Geld. Auf diese Idee ist Lego natürlich nicht selbst gekommen, sondern das Konzept existiert seit Beginn der 1990er Jahre mit „Magic: The Gathering“, und bekannt sind vor allem „Pokemon“ und „Yu-Gi-Oh“, aber auch jegliches andere Franchise braucht heutzutage solche Sammelkartenspiele. Lego hat derzeit mindestens Ninjago-Sammelkarten und Nexo-Knights-Sammelkarten im Umlauf. Das Problem für Lego ist freilich, daß dieser Krempel in Zusammenarbeit mit Fremdfirmen hergestellt und vertrieben wird, also der Gewinn geteilt werden muß. Aber zum Glück für Lego stellt man ja selbst Dinge her, die klein und sammelfähig sind, zum Beispiel Sammelminifiguren.

Seit dem Jahr 2010 bringt Lego also Sammelminifiguren heraus, anfangs zum kleinen Preis von – laß mich nicht lügen – ich glaube 2 Euro pro Tütchen. Inzwischen kosten sie 4 Euro pro Tütchen. Und es gibt auch nicht mehr bloß zwei Serien pro Jahr, sondern mindestens drei, und wenn es Figuren mit Lizenz sind, auch gerne mal 18 oder 20 verschiedene pro Serie, statt, wie sonst üblich, 16. Da man von außen nicht ins Tütchen hineingucken kann, soll man sie eigentlich blind kaufen. Das hätte für Lego den Vorteil, daß der Sammler im Zweifelsfall sehr viel mehr als 16 oder 20 Tütchen kaufen muß, um tatsächlich jede Figur mindestens einmal zu ergattern, weil bei Blindkäufen natürlich viele Doppel- und Mehrfachkäufe dabeisind. Zu Legos Pech sind wir aber nicht doof, sondern können mit ein bißchen Fingerfertigkeit den Inhalt der Tütchen ertasten. In your Face, Lego!

Eigentlich könnte es Lego ja gleichgültig sein, ob eine einzelne Person bloß die erforderlichen 16 (oder 20) Tütchen kauft, oder ob sie etliche ungewollte Doubletten anhäuft, denn am Ende sind diese Tütchen eh immer ausverkauft, Lego hat sein Geld also bekommen. Aber Lego ist das nicht egal. Lego legt es darauf an, den Kunden in die Frustration zu treiben. Im Online-Shop darf man nämlich nur 16 (oder 20) Tütchen kaufen, hat also nur eine sehr geringe Chance, auf einen Schlag alle 16 (oder *gähn* 20) verschiedene Figuren zu erhaschen. Wo liegt denn da der Sinn?

Und dieses Jahr hat Lego dann noch ein Schüppchen draufgelegt. Es gibt nämlich Nexo-Power-Schilde im Sammeltütchen.

Diese Schilde kann man selbstverständlich nicht durch die Tüte erkennen, da sie sich ja nur im Aufdruck unterscheiden. Jackpot! „Can you collect them all?“ fragt Lego noch harmlos, und die Antwort lautet: „Klar, ist nur eine Frage des Geldes.“ Für 4 Euro pro Tütchen bekommt man immerhin zehn Lego-Teile, darunter fünf Schildaufsätze in garantiert fünf verschiedenen Farben. Idealerweise kauft man also sieben solcher Tütchen und hat dann alle 35 verschiedenen Motive. Die Wahrscheinlichkeit, daß das eintrifft, dürfte freilich gen Null tendieren. Ich selbst war blöd genug, zwölf solcher Tütchen zu kaufen, und am Ende fehlten noch fünf Motive, die ich dann via Bricklink beschaffte. Was ich vielleicht gleich hätte tun sollen, woll?
Da es Lego ja darauf ankommt, den Kunden möglichst zu frustrieren, sind überdies fünf dieser Schilde nicht einmal exklusiv in den Sammeltütchen enthalten, sondern kommen auch in anderen Sets der Serie vor, sind also im Prinzip Nieten.
Diese Schilde habe ich jetzt also doppelt (oder dreifach). Für einige hätte ich sicher auch anderweitig Verwendung, für andere hingegen nicht.

Und hier kommt jetzt langsam der Beitragstitel ins Spiel. Denn für das verschwendete Geld hätte ich ja auch Dinge kaufen können, die ich nötiger ..äh.. brauche. Also andere Lego-Sets zum Beispiel. Ist ja nicht so, als wollte ich der Firma meine Kaufkraft vorenthalten, keineswegs. Es wäre bloß sinnvoller, diese Kaufkraft auf Gewünschtes fokussieren zu können, statt sie auf Unnötiges – es gibt kein anderes Wort dafür – zu verschwenden. Dabei sind solche „erzwungenenen“ Mehrfachkäufe noch nicht mal das Schlimmste, denn immerhin bekomme ich für das Geld noch Lego. Viel Schlimmer ist es, wenn Lego die Sammler zwingt, sich die Objekte irgendwo in Übersee zu beschaffen, weil sie auf dem heimischen Markt gar nicht angeboten werden. Und jaja, ihr Klugscheißer, niemand zwingt mich, das zu tun. Ich muß kein Lego kaufen, und ich muß auch nicht alles haben. Aber ich bzw. der Sammler will halt, und Lego weiß das natürlich auch und legt es darauf an. Sinnvoll ist das nicht. Denn wenn ich beispielsweise für ein schlichtes Polybag im 5-Dollar-Bereich erstens einen „Sammlerpreis“ von 30 Dollar zahlen muß, dazu Porto aus den USA, gegebenenfalls Zoll und Einfuhrumsatzsteuer, welche das teure Porto ebenfalls umfaßt, dann habe ich statt dieser 5 Dollar, die es mich bei normaler Erhältlichkeit gekostet hätte, eben 40 oder mehr Euro bezahlt. Und das sind 35 oder mehr Euro, die ich eben nicht in Produkte der Firma Lego investieren konnte, von denen die Firma also keinen Cent sieht. Das kann doch nicht in Legos Sinne sein?


Kleines Paralipomenon: Auffahrrampe 167.

29. Dezember 2016

Diese „Auffahrrampe mit Waggon“, wie der 1979er Katalog das Set vollständig nennt, ist der legitime und – gewisserweise – bessere Vorgänger vom zuvor besprochenen Verladebahnhof 7839. Komischwerweise war 167 nie offiziell neu. Wiewohl der Kartonaufdruck „© 1978“ sagt, stand es nicht im 1978er Katalog (Zumindest nicht in der mir vorliegenden Ausgabe; ob es andere Versionen gibt, weiß ich nicht.), im Katalog des Folgejahres ist es allerdings nicht als Neuerscheinung gekennzeichnet. Wenn wir nun noch den Umstand berücksichtigen, daß der Bahnvorsteher hier einen bedruckten und keinen beklebten Torso hat, was erst bei 1979er Katalogsets vorkam, dürfen wir dieses Set als vorgezogene Mitt- oder Endjahresausgabe 1978 annehmen. Warum vorgezogen? Nun, der bedruckte Torso deutet auf eine geplante Veröffentlichung 1979 hin, doch 1980 wurde das Schienensystem auf graue Gleise mit Klickschwellen umgestellt, und alle Sets mit blauen Schienen fielen damit aus dem Programm. In der damaligen Zeit sah die Firma Lego für ihre Produkte aber noch eine längere Erhältlichkeit vor als heutzutage, wo alle halbe Jahr die Hälfte des Programms aus dem Sortiment fliegt. Eine Veröffentlichung neuer Eisenbahnsets im Jahre 1979 hätte unter dieser Prämisse für Lego keinen Sinn ergeben. Ergo wurde dieses Set nebst dem kleineren Bruder 166 von 1979 auf 1978 vorgezogen. Soweit meine Vermutung.

Wir sehen hier also eine Auffahrrampe für Autozüge, wie sie sinnvoll ist und in der Realität vorkommt. Zumindest ist es realitätsnah, daß die Fahrzeuge von hinten in Fahrtrichtung auf den Waggon auffahren. Daß von Bodenniveau über die Rampe direkt auf den Waggon gefahren werden muß, ist vielleicht in Wirklichkeit nicht so, sondern der Waggon wird an eine Bahnsteigplattform herangefahren. Aber sei’s drum. 167 ist in dieser Hinsicht allemal vernünftiger als 7839. Eine Plackerei für den Lademeister war es denoch, da sich in die frühen Legoland-Autos noch keine Minifigs setzen konnten, sie also stets geschoben werden mußten. Der Frackträger ist sich natürlich zu fein dafür, dem Arbeiter zur Hand zu gehen.

Ein Stilmittel, welches von Set 167 bis Set 7839 beibehalten wurde, ist der verschwenderische Gebrauch von flachen Kreuzgitterzäunchen. Hier bot 167 mit grauen und roten Zäunen eine größere Varianz als 7839. Hinzu kommen die beiden schwarzen Zauntore in derselben Optik.

Die Rampe ist in Prellbockmanier wie der Waggon mit Puffern ausgestattet. Was fehlt, ist ein Magnet an der Rampe, der den Waggon beim Beladen an seiner Position hält.

Und soeben fällt mir auf, daß ich Schussel die Torangeln verkehrtherum aufgesteckt habe. Es sind 3-lange Angeln, die 4-lange Tore halten.
Zum Glück bin ich nicht der einzige Schussel. Denn Lego selbst hat auf dem Titelbild die beiden grauen Fliesen vergessen, die dem Auto die Auffahrt auf die Auffahrt erleichtern. (Memo to self: Lego-Sets zusammentragen, deren Karton- und/oder Bauanleitungsbilder nicht den tatsächlichen Inhalt wiedergeben. Da gibt es einige, von denen ich weiß, und vermutlich sehr viel mehr, von denen ich nicht weiß.)

Da 167 im Wesentlichen aus einem flachen Waggon und einer Rampe besteht, ist das Set in der Gesamtschau sehr flach. Großartige Aufbauten sind schlichterdings nicht notwendig. So gesehen macht der Nachfolger 7839 natürlich mehr her, freilich um den Preis, daß seine Funktionsweise herbeifabuliert wurde und annähernd impraktikabel ist.
167 kann überdies mit dem Schmankerl eines gelben Bauhelms aufwarten. Jedenfalls war es ein Schmankerl. Denn gelbe Bauhelme gab es einzig in den beiden 1978er Waggonsets 166 und 167, und dann 32 Jahre lang nicht mehr. Auf dem Deckblatt des 1980er Eisenbahn-Katalogs war ein Arbeiter mit gelbem Helm zu sehen, ohne daß noch eines der beiden Sets in diesem Katalog enthalten gewesen wäre. Seit dem Jahr 2010 jedoch kommen gelbe Bauhelme vermehrt in aktuellen Baustellen-Sets vor, was die Exklusivität des Teils deutlich beschneidet. Zwar können Kenner der Materie anhand des Helminnern erkennen, ob es sich um ein altes Orginal oder eine Neuauflage handelt, aber etwas Besonderes ist ein gelber Bauhelm nun natürlich nicht mehr.


Auto-Transporter 7839.

23. Dezember 2016

Irgendwie hat sich bei mir die Tradition eingeschlichen, gegen Jahresende alte Lego-Eisenbahnsets anzuschaffen. Als ich im Juli 2013 Barbaras Rangierlok 7760 übernahm, weil sie halt so niedlich ist, dachte ich noch, die paar Schienen-Zukäufe, mit denen ich dem Lökchen eine angemessene Bahn baute, wären das Äußerste. Ich irrte. Nach und nach holte ich so allerhand Material von den grauen Seiten der 80er-Jahre-Kataloge ran, nun also diesen „Auto-Verlade-Bahnhof mit Spezial-Flachwaggon, Auffahrrampe, Pkw, Fahrer und Lademeister“, wie der 1986er Katalog sich etwas ausführlicher gibt als der Kartonschriftzug. Und mit gelindem Erschrecken wurde mir soeben bewußt, daß meine Sammlung damit auch schon alles an Eisenbahn-Gebäuden umfaßt, was das Programm zu bieten hatte, mal abgesehen von den Bahnsteigen bei den Zugsets.

Die Firma Lego residiert in Billund, Billund liegt in Jütland, Jütland hat unter anderem eine Nordseeküste, südlich der dänischen Nordseeinsel Rømø befindet sich Sylt, und Sylt wird legendärerweise über den Hindenburgdamm per Autoreisezügen mit Benzinkaleschen versorgt, damit die Prominenten nicht auf den Porsche in der Einfahrt ihres Friesenhäuschens verzichten müssen. Gab es also für Lego Naheliegenderes, als einen Auto-Verladebahnhof ins Programm zu nehmen? Keineswegs. Das Set 7839 bietet unbestreitbar Spielwert, es hat jedoch auch seine Tücken.

Beobachten wir also einen Sylturlauber bei der Verladung seines Porsches (abstrahierte Darstellung). Der Lademeister bemerkt das Fahrzeug die Rampe herauffahren und begibt sich verschmitzt lächelnd in seine Steuerzentrale.

Hier muß der Sommerfrischler die erste Hürde überspringen: Der Ticketautomat ist für Minifigarme weit entfernt. Aber die Schranke muß zuvörderst sich öffnen, ohne dem kann die Reise nicht losgehen. (Ja, dieses Set ist ein Gebrauchtkauf, aber die hintere Schiene wirkt auf dieser Photographie weitaus vergilbter, als sie ist, was ich den winterlichen Lichtverhältnissen zuschreibe.)

Der Schrankenbaum ist in SNOT-Bauweise¹ an einen 2er Drehteller gebaut und hier in der Tat vergilbt. Da er sich schließlich öffnet, kann das Auto auf die Ladeplattform gefahren werden. Diese ist verschiebbar in 12 graue Schiebetorschienen eingehängt, was viel klingt, aber nur den zweiten Platz hinter der Containerbrücke 7823 bedeutet, wo derer 18 verbaut sind. Schön ist auch die gelb markierte Sicherheitszone, eine Intarsienarbeit in ABS².

¹) Studs Not On Top, also Noppen irgendwie, bloß nicht oben.
²) Acrylnitril-Butadien-Styrol, der Stoff, aus dem die Träume sind.

Die Mechanik hinter dieser Ladeplattform ist denkbar einfach. Man schiebe die Plattform dem Waggon entgegen. Die korrekte Stellung kann mithilfe dieser beiden Pfeilkippschalter sichergestellt werden.

Auf diese Weise läßt sich spielend der 2 Noppen breite Spalt zwischen der Ladekante und dem Wagon überwinden. Jedoch…

Das nächste Hindernis präsentiert sich dem Automobilisten. Denn nun ist die Ladekante zwar nah dran am Waggon, das Auto aber damit noch lange nicht drauf. Ob kräftiges Schieben hilft? Im Regelverkehr wird das diensthabende Kind seine magische Hand eingesetzt haben, aber unsere Minifig hat da ihren Stolz.

Das wäre doch gelacht! So ein Legoland-Standard-Auto muß sich doch rückwärts einparken lassen. Vorwärts geht jedenfalls gar nichts, wie ich als innenstadterprobter Berufskraftfahrer versichern kann. Aber auch für komfortables Rückwärtseinparken müßte mehr Platz auf der Rampe zur Verfügung stehen. Und dann sind da ja noch die Haltemulden auf dem Waggon selbst. Diese erfordern einen sehr sorgfältigen Umgang mit den Pedalen, wenn im Zuge des Einparkens ein Rad in die falsche Mulde gerät. So oder so ist es nicht einfach.

Eigentlich wäre das ein Job für den announcierten Lademeister. Der jedoch ist vollauf damit beschäftigt, in seinem Häusken die Grundlegenden Funktionen dieser Laderampe zu bedienen. Das Kabuff ist übrigens merkwürdig. Grundsätzlich paßt es in seiner roten Grundfarbe mit weißen Fensterrahmen in den Stil anderer Eisenbahn-Gebäude dieser Zeit, als da wären der Bahnhof 7824 und die Bahnübergänge 7835 und 7866. Doch stellen sich Fragen bezüglich der Gestaltung. Wieso weist die Beobachtungsstation geneigte Frontscheiben auf, wenn doch der Blick durch die davor angeordnete Galerie behindert ist? Wieso ist der gelbe Stuhl nicht drehbar, wo sich doch im Rücken des Maschinisten Bedienpulte befinden? (Diese Frage läßt sich freilich durch das zu geringe Platzangebot im Innern beantworten, was den Arbeitsplatz jedoch nicht ergonomischer macht.) Zuletzt möchte ich aus ästhetischen Gesichtspunkten auch die Höhe des roten Horizontalelements über dem Fenstersturz in Frage stellen. Die Höhe des Balkens ergibt sich durch eine Steinhöhe mit Fliesenauflage, um das Dach abhebbar zu machen, doch wird das Kabäusken dadurch kopflastig, da der obere rote Streifen nicht gut mit der Höhe der roten Galerie im unteren Bereich harmoniert. Es ist dieser Maschinenstand eindeutig ein Zweckbau ohne den Anspruch, schön sein zu müssen. Insgesamt mutet dieser Verladebahnhof in seiner Gesamtheit wie eine Flußfähre an.

Unterdessen hat es unserer wackerer Autofahrer doch noch geschafft, seinen fahrbaren Untersatz auf dem fahrbaren Untersatz der Bahngesellschaft zu positionieren. Hocherhobenen Hauptes kann er also die Plattform verlassen (like a boss!) und seinen wohlverdienten Urlaub antreten.


Ninjago.

28. November 2016

Zu Ninjago habe ich grundsätzlich ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits gefällt mir der historisch-asiatische Anteil an dieser Lego-Serie. Das betrifft natürlich vor allem die Ninja-Figuren, aber auch viele Gebäude-Modelle. Ich habe auch nichts gegen den Anhauch von Fantasy, der sich in Drachen, Schlangen, Geistern und den offenbar unvermeidlichen Skeletten äußert. Andererseits finde ich den Roboter-Schrägstrich-Cyber-Anteil am Ninjago-Universum deutlich verzichtbar. Dieselbe Masche fährt Lego ja auch bei der aktuellen Nexo-Knights-Serie, weil es sich bei Ninjago offenbar bewährt hat. Seit 2011 gibt es Ninjago, also ist dieses Spielthema für Kinder, die jetzt ins Lego-Alter kommen, immer schon dagewesen, ist eine Selbstverständlichkeit. Kinder verfügen aufgrund geringen Lebensalters nicht über ausreichend Kontrasterfahrungen, um die jeweils derzeitigen Gegebenheiten mit alternativen Gegebenheiten vergleichen zu können. Also ist es Kindern nicht so bewußt, daß man auch ohne Roboter-Ritter-Mischmasch Abenteuer spielen kann. Aber egal.

Ich sammle jedenfalls die Ninjago-Figuren, und bis letztes Jahr hatte ich auch alle. Und mit „alle“ meine ich: Jede Figur mindestens einmal in der jeweils reichhaltigsten Ausstattungsvariante. Und mit „Figur“ meine ich: Alle entscheidenden Körperteile mit jeweils signifikanter Bedruckung. Wenn also eine Figur in einem Set mit Schulterpanzer enthalten ist und in einem anderen ohne Schulterpanzer, dann bevorzuge ich die Variante mit Panzer und ignoriere die Variante ohne, denn diese ist ja in jener quasi enthalten.

Auf der diesjährigen Lego-Fanwelt in Köln verteilte Lego gratis ein Poster, auf dem augenscheinlich viele Ninjago-Figuren abgebildet waren, der Vermutung nach: alle. Der Druckvermerk sagt ©2015, und bei welcher Gelegenheit das Poster zuvor mal erhältlich gewesen sein mag, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich bin halt doch nicht mehr 10 Jahre alt und verfolge akribisch alle Neuigkeiten zu so einer Lego-Serie; solcherlei mache ich nur bei Nexo Knights *hust*. Jedenfalls dachte ich: „Cool, endlich mal eine ofizielle Übersicht!“ und nahm so ein Poster mit.

Aber ist natürlich nicht so. Da das Poster von 2015 ist, sind die diesjährigen Figuren sowieso schon nicht darauf zu finden, und auch die Figuren der zweiten Jahreshälfte 2015 sind nicht berücksichtigt. Überdies ist das Poster gar nicht als letztgültige Figurenübersicht gedacht, sondern es handelt sich um ein Wimmelbild mit Suchauftrag, wie die Lupe in der rechten unteren Bildecke suggeriert: Finde Kai – so heißt der rote Ninja – in seinem Dschungel-Outfit! Okay, gefunden. Aber da ich ja nun mal eine Kiste mit Ninjago-Figuren habe, mußte ich dennoch den Test machen.

Ich legte also alle Figuren auf ihr entsprechendes Konterfei. Skypiraten und Geister mußten leider draußenbleiben, aber alle anderen Figuren erwartete ich, auf dem Poster zu finden. Aber ist natürlich nicht so.

Etliche Figuren sind doppelt und mehrfach abgebildet, bisweilen mit unterschiedlicher Bewaffnung, oft aber wurde lediglich dasselbe Bildchen mehrfach eingefügt. Dafür fehlen all die Figuren, die auf meinem Bild am Rand liegen, also annähernd die Hälfte. Daß die amerikanischen Sondertütchenfiguren „NRG“ nicht gezeigt sind, ist ja noch geradezu „gnädig“ zu nennen, insofern den europäischen Kindern also nichts vorgehalten wird, wonach sie sich vergeblich sehnen müßten. Aber ein ganzer Schlangenstamm – einfach vernachlässigt. Die ersten Outfits mit Drachenstickerei – einzig repräsentiert durch Zane. Dafür laufen x-mal dieselben Stone-Army-Männchen und Schlangenkultkrieger durchs Bild. Na gut, ich sehe ein: Es ist ein Wimmelbild, bei dem mit Verwirrtaktiken gearbeitet wird. Dennoch ist das sehr enttäuschend. Kann Lego denn nicht ein Mal etwas so machen, wie ich das will?!


Legoland Raumfahrt: Die gelben Gefährten.

8. Oktober 2016

Legoland Raumfahrt, im Rückblick und beeinflußt durch die englischen Diskussionen im Use- und Lugnet „Classic Space“ geheißen, eroberte die unendlichen Weiten des Weltraums im Jahre MMDCCXXXI nach Gründung der Stadt Rom – und das ohne den Einsatz irgendwelcher Legionen. Der Fokus lag auf Wissenschaft und Forschung, die Firma Lego gab keine Rahmenhandlung vor, in welcher gegen böse Aliens hätte gekämpft werden müssen, sondern die Astronauten und Wissenschaftler arbeiteten Hand in Hand für die gute Sache, nicht gegen irgendwas. Aber ja, natürlich haben die kleinen Jungs auch damals schon mit den Raumschiffen gekämpft, denn mindestens das Vorkommen von roten und weißen Raumfahrern bot die Möglichkeit, diese als Antagonisten gegeneinander antreten zu lassen.
Dann kam das Jahr 1982 nach anderer Zeitrechnung, und die roten und weißen Astronauten hatten eine unheimliche Begegnung mit der dritten Art: „Die sind ja nackt!“ Doch auch die gelben Raumfahrer waren nur friedliche Wissenschaftler.

Die Wissenschaft hat festgestellt, daß der Mensch nicht nur ein Gewohnheitstier ist, sondern auch gewisse Verhaltensweisen zeigt, die ihm im Laufe der Entwicklungsgeschichte geholfen haben, die Ausrottung zu verhindern. Oder hinauszuzögern, wer weiß. Hurra! wir leben noch. Wir erkennen Muster. Durch diese Muster können wir Dinge, Lebewesen und Situationen kategorisieren und einordnen in gefährlich, ungefährlich, eßbar, giftig, freundlich, feindlich und so weiter. Es sind dank der Mustererkennung keine komplizierten Denkprozesse mehr nötig, um blitzschnell angemessen zu reagieren. So war es jedenfalls im Laufe der Evolution. Dummerweise funktioniert diese Mustererkennung auch dann, wenn sie entweder unnötig ist, oder wenn die instinktive Zuordnung von „gut“ oder „schlecht“ gar nicht mehr reale Gefahren abbildet. Letzteres ist bei der gedankenlosen Pegida-Bewegung und all ihren Derivaten zu erkennen, ersteres erstreckt sich zum Beispiel auf so lebensunwichtige Dinge wie haha! Lego. Denn ich erkenne Muster. Lego hat ja gerade bei Classic Space schon frühzeitig auf Farbschemata gesetzt. Die ersten Raumschiffe waren grau-blau-gelbtransparent gefärbt, in den USA gab es schon früh eine Nebenlinie, die auf ein grau-grüntransparentes Farbschema setzte, welches später auch international verwendet wurde, aber dazu vielleicht ein andermal mehr. Jedenfalls erkenne ich bei den ersten kleinen Sets mit gelben Raumfahrern auch ein Muster: grau-schwarz mit eben einer gelben Figur. Mir ist bewußt, daß das eine völlig willkürliche Einteilung ist, zumal gelbe Astronauten auch in ganz anders befarbmusterten Sets vorkommen. Aber egal, das ist ja hier mein Blog. Also werfen wir einen Blick auf meine Versuchsreihe:

Vorne steht als kleinstbenummertes Set 6802 „Space Probe“. Das gab es 1986 nur in Nordamerika, und wer sich den deutschen Namen „Mobile Mikro-Sonde“ ausgedacht hat, der im Sammler-Katalog verzeichnet ist, möchte ich mal wissen! (Ich weiß es.) Da das Set nicht im deutschen Katalog stand, ist leider auch kein Name für den kleinen Roboter überliefert.



So klein das Modell auch sein mag, so bietet es doch Spielwert, da Interaktionen zwischen Figur und Roboter möglich sind und die Rakete auf ihrer Abschußvorrichtung ein bewegliches Element darstellt.

Weniger Spielwert hatte das unbenamste Set 6807, welches ebenfalls nicht im deutschen Katalog stand, aber immerhin in Europa im Rahmen des Kombisets 1999 erhältlich war. Das Jahr ist 1985.

Mit dem Set 6823 folgt endlich ein Modell, über das wir auch im deutschen Katalog lesen können. Und zwar im Jahre 1983: „Geo-Traktor für Mineralienforschung, Geologe und Raumsauger“.


Der Raumsauger ist also wohl das ominöse Gerät, mit dem der Geologe den Boden abtastet. Für mich war dieses Werkzeug immer das Legoland-Raumfahrt-Accessoire, und als Kind besaß ich nie eins.

Als nächstes in der Reihe haben wir 6826, über das der Katalog von 1985 zu sagen weiß: „System-Controller für Druckgas und Ingenieur.“


Der Renner ist grotesk tiefergelegt, was in verkehrsberuhigten Zonen und auf kraterübersäten Planetenoberflächen zu unschönen Havarien führen kann. Aber das ficht unseren Ingenieur nicht an, da er mit seinem Sessel einfach entschweben kann.

Geologie scheint der Hauptschwerpunkt der gelben Astronauten zu sein. Im Jahre 1985 ist 6847 dafür bereiftes Zeugnis: „Geobil mit Saugrohren und Sammelbehälter für Gesteinsbrocken und Geologe.“


Der sogenannte Sammelbehälter, der woanders vor allem als Cockpitscheibe Verwendung findet, ist in grau einzig in diesem Set enthalten, und auch die schwarze Spitzhacke darf man als selten einstufen. Gesteinsproben waren bei Lego früher gelb. Wenn man genügend gelbes Mondgestein zusammengetragen hatte, war man in der Lage, eine Burg zu bauen.

Im Geburtsjahr der gelben Astronauten, 1982, rollt bereits dieses „Planetenfahrzeug mit Greif- und Schaufelarmen, Stablampen, Richtantenne und Forscher“ auf den Plan, 6880.


Bei diesem Janusfahrzeug mit Doppelbereifung bediente sich Lego ausgemusterter Formen. Die rüsselartigen Greif- und Schaufelarme gehörten vormals als Arme und Schultern zu den just in jenem Jahr aus dem Programm gefallenen Großköpfen.

Ich habe mir erlaubt, diese „Fahrbare Startrampe für Trägerrakete mit Schubgerüst und instrumentaler Systemüberwachung“ (6950, 1982) in die Reihe aufzunehmen. Atypischerweise spielt hier die Farbe blau mit rein. Jedoch: Am Fahrwerk. Warum ist das bedeutsam, welchen Einfluß hatte dieser Umstand auf meine Mustererkennung? Nun, bei den anderen blau-grau-gelbtransparenten Raumfahrtsets jener Jahre ist blau die Farbe für Gebäude und Kabinenaufbauten, während hier der Aufbau grau ist und die acht massiven Räder den schwarzen Farbaspekt ins Spiel bringen. Zusammen mit den gelben Männeken war somit mein Muster aufgefüllt. Zugegebenermaßen gehörten auch die rottransparenten Applikationen der kleineren Sets zum Muster, die jedoch bei 6950 sehr viel weniger prominent sind als die gelbtransparente Frontscheibe, welche eher dem Classic-Space-Schema entspricht. Aber sei’s drum; mein Blog, meine Regeln! Außerdem wird die Reihe so schön von einer sehr kleinen und einer sehr großen Rakete eingerahmt.

Eine Rezension des Sets hatte ich vor einiger Zeit bereits vorgelegt; die ist immer noch gültig.

(Und wer meint, das alles hier sei doch nur eine plumpe Fälschung, weil man ja gar keine Sterne sieht, dem sei gesagt: Geh weg, Verschwörungstheoretiker! Die Belichtungszeit beim Photographieren war viel zu kurz.)


Speerwerfer: Armbrust-Streitwagen 6012.

5. Juli 2016

Das Jahr 1986 sah einige der – so behaupte ich forsch – besten Lego-Rittersets aller Zeiten. Und mit „aller Zeiten“ meine ich: Die eine Zeit, die es gibt, und das ist die Vergangenheit, denn wer sollte wohl wissen, was die Zukunft bringt? Und welche Ausdehnung hat das Jetzt? Doch ich schweifsterne ab. Also. Das kleinste Set unter den fünf 1986er Ritter-Neuheiten ist diese Kampfmaschine, deren deutscher Titel merkwürdig anmutet. Damals trauten sich die Katalogschreiber wohl noch nicht, die Kinder mit Wörtern wie „Ballista“ zu demütigen, denn die Ära der Fantasy-Computerspiele hatte noch nicht begonnen.

Zwei Ritter handhaben diese Wurfmaschine, bei welcher die Bogensehne der großen Armbrust imaginiert werden muß. Desgleichen erfordert es einige Einbildungskraft, sich vorzustellen, daß die verschossenen Pfeile brennen, denn die heutigentags verschwenderisch verwendeten Flammenelemente gab es 1986 noch nicht. Einzig die unter dem Pfeilschaft platzierte gelbe Tonne deutet darauf hin, daß hier mit brennbarer Flüssigkeit gearbeitet wird. Drei Jahre zuvor erschien der XXVIIste Asterix-Band „Der Sohn des Asterix“, in welchem Brutus das gallische Dorf mit solchen Wurfmaschinen angreift, um es in Brand zu setzen. Nicht ausgeschlossen, daß diese Szene den Set-Entwickler in Billund zu diesem Set inspirierte, denn dies ist eher eine antike Kampfmaschine denn eine mittelalterliche.

Der Armbrustteil dieses Streitwagens ist in für damalige Zeiten revolutionärer SNOT-Technik* ausgeführt, indem er vermittelst Lampeneinern um 90° gedreht auf zwei Noppen des Untergestells gebaut wird. Da es sich hier um eine Fernwaffe handelt, liegt es nahe, dem Maschinisten einen Bogenschützen zu seinem Schutz an die Seite zu stellen. Für einen Bogenschützen untypisch, trägt dieser einen Helm mit ausladendem Nackenschutz.

*) SNOT = Studs Not On Top

30 Jahre später…

Einer jungen Tradition folgend verausgabt Lego seit dem Jahr 2014 jedes Jahr ein sogenanntes Retro-Set, welches eine Figur aus vergangenen Kinderzimmertagen in den Mittelpunkt stellt und in der Begleitbroschüre einen Überblick über die Lego-Geschichte des jeweiligen Spielthemas liefert. In den Jahren zuvor waren dies ein weißer Legoland-Astronaut und ein Pirat, der keine ehemalige Figur darstellte, sondern brandneu war. In diesem Jahr also ist es ein „Knights Retro-Set“, welches einen fast klassischen Löwenritter beinhaltet.

Es bedarf keiner überbordenden Phantasie, um dieses Modell als ein Remake des oben besprochenen Armbrust-Streitwagens zu identifizieren. Die Figur stellt unzweifelhaft einen Löwenritter der Legoland-Epoche dar, wiewohl es bezüglich des Helms mit dem Retro-Anspruch leicht übertrieben wurde. Denn im Jahre 1986 trugen die Ritter schon dunkelgraue Helme; der (neu)hellgraue Helm dieses Knappen weist eher zurück auf die Ritter der vorangehenden Epoche, in welcher die gelbe Burg Dreh- und Angelpunkt war. Sei’s drum.

Das Remake-Modell bleibt den Ausmaßen und dem Stil des Originals treu, bedient sich freilich modernerer Formen und Farben. Bemerkenswerterweise blieb die Bauweise der Brennstofftonne exakt beibehalten, während der Armbrustbogen auf gänzlich andere Weise ins Werk gesetzt wurde. Unter der Maßgabe, daß es einige der Bauteile im neuen Set vor 30 Jahren noch nicht gab, wurde der Charakter eines Legoland-Sets dennoch gut getroffen.

Dem Set beigefügt ist eine Postkarte mit charmanter Rückseite, nein, Vorderseite, nein, was ist denn bei einer Postkarte Vorder- und was Rückseite? Jedenfalls. Auf der anderen Seite prangen Aufkleber mit einigen Ritterfiguren der Lego-Geschichte, darunter auch eine Figur des Vorlagensets selbst.

Leider finden wir hier auch die Bestätigung für Legos Einordnung der gegenwärtigen Nexo-Knights-Serie ins Ritterthema. Dazu mag jeder stehen, wie es ihm beliebt. Oder ihr.