Vier Fenster für ein Halleluja.

Seit einiger Zeit sammle ich eingestandenerweise Lego-Eisenbahnsets der 1980er Jahre. Da diese auf grauen Schienen fuhren, spricht man hier in Abgrenzung zur vorherigen Blaue-Schienen-Zeit von der „grauen 12-Volt-Ära“, was außer acht läßt, daß nicht alle Züge mit einem 12-Volt- oder überhaupt einem Motor ausgestattet waren. Für den kleinen Geldbeutel hielt das Programm auch Schiebezüge bereit, zum Beispiel auch die „Lokomotive ohne Motor“ 7810, Baujahr 1980. Oder in meinem Fall: Baujahr 2013.

Denn das Exemplar, welches mich erreichte, war zwar nicht mehr im Karton versiegelt, aber doch einigermaßen unbenutzt. Der Inhalt des Klappkartons hat mich allerdings etwas erstaunt:

Denn daß größere Elemente bisweilen ab Werk lose im Karton liegen, kenne ich ja; aber den Figurenoberkörper, die Leiterchen und die Rundeinerplättchen hätte ich doch in einem der Beutel erwartet. Die Zusammenstellung der losen Teile legt auch nicht die Vermutung nahe, daß sie ursprünglich in einem dritten, zwischenzeitlich geplatzten Beutel enthalten waren. Sei’s drum! die beiden geschlossenen Beutel mußten jedenfalls auch dran glauben, denn ich wollte das Maschinchen ja bauen.

33 Jahre alte Teile, von keines Menschen Hand berührt. Und das blieb auch erst einmal so, denn zum Bauen streifte ich Handschuhe über. Jahá, ich entblödete mich nicht. Freilich gebe ich zu, daß ich aus meinem Vorrat drei gelbtransparente Rundplättchen holte, um die jungfräulichen Gußstücke nicht antasten zu müssen.

Vom ursprünglichen Plan, die Bauschritte minutiös im Bild festzuhalten, nahm ich sehr schnell Abstand, denn so spektakulär ist das alles nicht.

Im Innern bleibt ein großer Hohlraum. Denn es soll ja ein Motor nachrüstbar sein, und dieser würde zusätzlich den Einbau von Gewichtssteinen verlangen. Stilecht müßte es natürlich ein roter Motor sein, einzeln zu erwerben war allerdings nur der schwarze Motor 7865. Einerlei, hier wird bis auf weiteres gar kein Motor eingebaut.

Vielmehr stellt sich mir die Frage, ob ich die Aufkleber aufkleben soll? Wo ich schon keinen Respekt vor verschlossenen Tütchen hatte, könnte mir die Unbenutztheit der Aufkleber ja auch schnuppe sein. Ist sie mir eigentlich auch, aber Kleber über mehrere Steine zu kleben, widerstrebt mir irgendwie. Na, mal sehen.

Als ich den Karton öffnete, wunderte mich noch das ulkige Format des Behältnisses. Doch das war durchdacht! Damals (Klammer auf: früher. Klammer zu) war ein Lego-Set noch ein Gesamtkunstwerk, welches auch die Ausführung des Kartons miteinbezog. Und die kleinen Eisenbahn-Kartons dienten ausdrücklich der Aufnahme des gebauten Modells als Sammlerstück.

Es macht auch nichts, die kleine Dampflok direkt wieder zu verstauen, denn so besonders ist sie nicht. Wären da nicht, ja wären da nicht die vier schwarzen 2×2-Fenster am Führerstand! Diese gab es überhaupt nur in vier Sets, und nur in 7810 gleich derer vier. Ansonsten, naja, eine Dampflok halt. 1980 war die Dampflokzeit der Bundesbahn bereits drei Jahre her, aber wohl noch ausreichend frisch im Gedächtnis, um als Lego-Set in Frage zu kommen. Ich selbst kenne eine Lok dieser Art, die zu Lebzeiten wohl mal als kleine Rangierlok irgendwo eingesetzt wurde, bloß noch vom Kinderspielplatz im Dortmunder Zoo, wohin sie, alle beweglichen Teile festgeschweißt, nach Außerdienststellung verbracht wurde.



Nachtrag am 10ten Februar 2014:

Möglicherweise wurden einige, nämlich die lose im Karton befindlich gewesenen Teile doch schon von eines Menschen Hand berührt. Denn wie Goldfing und TF mir glaubhaft machen konnten (anhand von Bildmaterial, welches mir zugespielt wurde), waren bis auf die Motorrahmenplatte und die Magnete diese losen Teile durchaus gemeinsam in einem Tütchen.

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2 Responses to Vier Fenster für ein Halleluja.

  1. Guddi73 sagt:

    Hallo Jojo,
    mich interessiert bei diesem Set die Prägung auf den Steinen/Plättchen. Kannst Du da mal nachsehen?
    Eine Teilenummer ist sicherlich nicht zu finden. Eventuell wurde hier aber noch das Pat. überstempelt.
    Die Frage mag seltsam klingen, aber wenn ich so ein Teil nachbaue, dann will ich es mit den zu der Zeit verwendeten Steinen tun.

    • Jojo sagt:

      Hallo!
      Das ist keineswegs seltsam, sondern sehr verständlich. Ich lege darauf ebenfalls Wert. Also:
      Es sind natürlich keine Teilnummern aufgeprägt, und es steht auch nicht „pat.pend.“ drin, auch nicht ausgekratzt. Die Platten und Steine, die ich jetzt ohne Auseinanderbauen begutachten konnte, sind innen annähernd glatt. Bei der 2×8-Platte sind in den beiden äußeren Ringen jeweils einstellige Nummern (vielleicht den Platz in der Mehrfachform bezeichnend), bei anderen Teilen sind solche Nummern in den Unterseiten der Noppen.
      Teilenummern gibt es seit mindestens 1984, wie ich anhand einer 6073 mit offenem Karton aber originalverschweißten Beuteln eruierte.

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