Flaggenparade.

Auf der Suche nach – wieder einmal – etwas ganz anderem stieß ich in meinem Fundus auf diese Sammlung von Lego-Flaggen. Oder jedenfalls Flaggen, die den Ausdruck „Lego“ enthalten. Über die Jahrzehnte hat sich das generelle Design dieser Art Fahnenmast nur wenig verändert: Dünner Mast mit geschwungenem Tuch, Kreuzmast mit geschwungenem Tuch, Kreuzmast mit geradem Tuch, das war’s. Nicht im Bild ist die frühste Version der geschwungenen Fahne am dünnen Masten, bei welcher die runde 1×1-Basis keine Verjüngung am Fuß hat, um zwischen Noppen zu passen. Aus genau diesem Grund ist diese Variante auch nicht im Bild.

Das Œvre der Lego-Fahnen ist sicherlich nicht vollständig. Es war nicht mein Anliegen, hier restlos alles zu zeigen, was es gibt, darum habe ich auch nicht in diese Richtung recherchiert. Auffällig ist jedoch mehrerlei.

Erstens: Die Qualität der Aufkleber scheint über die Jahre nicht besser geworden. Die weiße Fahne links ist alt, frühe 70er, und hat schon so manche Wühlkiste ohne Bruch überstanden, da darf der Aufkleber, eigentlich ein sog. Decal, auch schon mal etwas abgestoßen sein. Der ganz rechte Legoland-Hotel-Aufkleber hingegen stammt aus dem Jahre 2003, aus der Legendenneuauflage 10041 der Main Street 6390. Dieser Aufkleber wurde von mir persönlich mit fettfreien Fingern aufgeklebt und hatte seitdem nichts zu leiden; dennoch biegt er sich auf und bröselt. So geht’s ja nicht!

Zweitens ist die Legoland-Streifenflagge heraldisch falschherum. Die Reihenfolge der Streifen sollte sein gelb-rot-blau-weiß-schwarz. Da hilft es auch nichts, die Fahne in die andere Richtung wehen zu lassen, wie auf der Abbildung des Sets 6316 geschehen. Denn die Fahne weht in heraldischer Darstellung immer rechts vom Mast. Man hängt ja auch das amerikanische Sternenbanner nicht mit der ..äh.. Außenseite auf. Da die fünf Streifen durchaus eine Marke sind, könnte man deren Verkehrtherumheit nicht ohne Häme als „unsachgemäße Verwendung“ bezeichnen.

Denn Lego, die Firma, legt großen Wert auf korrektes Darge- stelltwerden. In ihren Fairplayregeln heißt es:

Jedes Mal, wenn die LEGO Marke auf einer Webseite erscheint, sollte eine Ausschlußerklärung eingefügt werden, z.B. „LEGO® ist eine Marke der LEGO Gruppe, durch die die vorliegende Webseite jedoch weder gesponsert noch autorisiert oder unterstützt wird“. Eine solche Ausschlußerklärung kann jedoch einen Missbrauch unserer Marke nicht ungeschehen machen. Deswegen kann auch eine Verwendung des LEGO Logos bzw. eine unsachgemäße Verwendung der LEGO Marke nicht durch die Einfügung einer Ausschlusserklärung richtiggestellt werden.

Diese Ausschlußerklärung findet sich oben hinter „Disclaimer“.

Weiterhin bzw. davor heißt es in der Fairplayregel:

Eine LEGO Marke sollte – wenn überhaupt – immer nur adjektivisch und nicht als Hauptwort verwendet werden. So kann man z.B. sagen: „Modelle aus LEGO Bausteinen“ aber nie „Modelle aus LEGOS“. Auch sollte der Satz der Marke derselbe sein wie der des Begleittexts, und sie darf weder isoliert noch vom Begleittext getrennt dargestellt werden. Mit anderen Worten: Marken dürfen auf keinen Fall betont oder besonders herausgestellt werden. Schließlich muss die LEGO Marke in Überschriften sowie beim ersten Erscheinen im Fließtext mit einem ®-Symbol gekennzeichnet sein.

Naja, das ®-Symbol. Das erste Auftauchen der Marke Lego in diesem Beitrag geschah in Bildform auf der Flagge, wo das ® sowieso draufist. Das soll genügen. Und adjektivisch soll man „Lego“ verwenden? In diesem Sinne wäre „der Lego® Stein“ aber eine sehr antiquierte und poetische Verwendung des ..äh.. Adjektivs „Lego“, etwa so wie in „ein schön Mägdelein“. Im modernen Deutsch werden Adjektive flektiert, je nach syntaktischem Zusammenhang stark oder schwach. Korrekt wäre also „der legoe Stein“ oder „ein legoer Stein“. Darüberhinaus sind Adjektive komparier-, also steigerbar, was zu der Reihe „der legoe Stein, ein legoerer Stein, der legoste Stein“ führt. Ach, und Adjektive schreibt man klein, also wäre „der lego Stein“ schon richtiger, wohingegen die von Lego gewünschte Schreibung in Versalien, „LEGO“, grammatisch sowieso keine Grundlage hat, sondern eher als Initialwort wie „ADAC“ gedeutet, und entsprechend „El E Ge O“ gesprochen würde. Im Lichte der Forderung „Marken dürfen auf keinen Fall betont oder besonders herausgestellt werden“ ist die Versalienschreibung besonders unsinnig, denn nichts anderes als eine Hervorhebung wird dadurch erreicht.

Nein, es hilft alles nichts, die Wortfolge „Lego Stein“ repräsentiert ein zusammengesetztes Hauptwort, ein Kompositum, genauer gesagt ein Determinativkompositum. Der Stein wird determiniert. Was für ein Stein? Ein Legostein. Wie in: Was für eine Tür? Eine Haustür. Genau so funktioniert ja auch die Marke „Legoland“, die wir (drittens) auf den letzten Fahnen sehen. Richtig so! Da „Lego“ aber unbestritten eine Marke ist und kein normales Wort des Deutschen, gestehe ich ihr eine Schreibung mit Bindestrich zu: Lego-Stein. So machte es Lego (die Firma, Benutzung des Namens als Hauptwort) im Übrigen selbst 1971: Der Lego-Motor. Das ist also alles kein Grund zur Aufregung.

Von all dem abgesehen halte ich die Fairplayregeln Legos (Name im Genitiv) aber wirklich für fair. Vor allem hinsichtlich ihres Umgangs mit Bildrechten zeigen sie sich äußerst großzügig, gestatten sie doch die Verwendung ihres Materials in von Fans erstellten Datenbanken, korrekt gesetzte Ausschlußerklärung vorausgesetzt. Dafür halte ich, trotz vieler Mäkeleien an Kleinigkeiten, auch weiterhin die Fahne Legos hoch!

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One Response to Flaggenparade.

  1. Felix Brun sagt:

    Hi Jojo

    Deine Artikel sind immer eine Bereicherung!

    Felix the Swiss

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