Also, die Monster Fighters (3).

14. Oktober 2012


Das Duell ist offenbar so la-la ausgegangen. Der Fürst der Finsternis wurde jedenfalls nicht vernichtet, sondern lediglich ins Exil geschickt. Im später erschienenen Geisterhaus 10228 leben er und seine Königin der Verdammten unbehelligt und umsorgt von dienstbaren Geistern. Diese dem Verfall preisgegebene Holzvilla sucht man eher nicht im alteuropäischen Transsilvanien, sondern in den amerikanischen Südstaaten, laß sagen: Louisiana. Die wackeren Geisterjäger scheinen ihre Apparaturen noch nicht auf die Neue Welt ausgerichtet zu haben, denn das Set ist Monsters-only, ohne Fighters.

Wir sehen vor uns also ein herrschaftliches Haus im viktorianischen Stil, falls man in Amerika, das ja nicht von Queen Victoria regiert wurde, davon sprechen kann. (Kurze Internetrecherche: Man kann.) Das Geisterhaus ist im Wesentlichen ein Holzhaus auf Ziegelfundament, und der bauliche Zustand ist beklagenswert. Das Fundament hat Risse, der Putz bröckelt von den Latten der Wände, und in jedem zweiten Fensterrahmen fehlt die Scheibe. Spinnweben würden den Blick behindern, wenn ich denn die mitgelieferten Aufkleber angebracht hätte. Die Fensterläden, soweit vorhanden, klappern im Wind, doch was da so vorm Fenster heult, mag auch ein Geist sein; Haltegriffe für Caspers unfreundliche Cousins sind reichlich ums Haus herum angebracht. Das Bates-Motel ist Gold dagegen.

Derselbe morbide Charme bestimmt auch das Innere des Gebäudes. Der Fußboden im Erdgeschoß ist termitenzerfressen, die Einrichtung ist karg. Im Eingangsbereich gibt es nichts als eine schadhafte Holztreppe, die ins erste Stockwerk führt, und einen schwenkbaren Kamin. Diesen soll man freilich bei komplett aufgeklapptem Haus spacks an die Wand des Schornsteins klemmen. In all dem Chaos und Verfall ist ausgerechnet das Buddelschiff auf dem Kaminsims unbeschadet geblieben. Eine Remineszenz an den Fliegenden Holländer? (Der ist jedoch nicht Teil der Monster-Fighters-Reihe, sondern separat im Spongebob-Programm erhältlich.) Auf der anderen Seite des Erdgeschosses befindet sich die Küche. Zu einem alten Küchenherd (Gas? Kohle?) ohne Ofenrohr gesellt sich ein klappriger Tisch, auf welchem noch leere Einmachgläser darauf verweisen, daß die Bewohnerschaft des Hauses sowieso keine menschliche Nahrung mehr zu sich nimmt. Also wagen wir uns einmal in die erste Etage!

Linker Hand, am Kopf der Treppe, haben wir das Erkerzimmer. Einen Sekretär nebst Hocker und Tischchen fürs Tintenfaß sehen wir hier. Der Sekretär ist nicht ganz im Empire-Stil ausgeführt. Der Erker ist zwar leer, doch das muß er ja nicht bleiben. Denn an dieser Stelle ist es angebracht, das Tütchenset 30201, Nachtgespenst mit Standuhr, in die Handlung einzuflechten. (Solch ein leuchtendes Bettlakengespenst mit Kette am Bein hatte Playmobil übrigens schon 1983 im Sortiment, aber das nur am Rande.) Wenn man also den Schreibtisch in den Erker verrückt, wo die erkertypische Gemütlichkeit dem Gedankenfluß beim Schriftverkehr sicher dienlich ist, paßt die Standuhr schön an die freie Wand neben dem Schornstein. Und wenn mir nicht soeben erst aufgefallen wäre, daß die Bodenluke sich durchaus vollständig schließen läßt, hinge sie nicht demotiviert ins Bild. Aber jetzt ist das Licht unpassend, um das Zimmer erneut zu photographieren. Gegenüber haben wir das Schlafzimmer. Dortselbst hat der Vampir einst sein Herz verloren, doch in einem geordneten Haushalt geht zum Glück nichts verloren. Der Lattenrost trägt leider keine Matratze mehr. Urgemütlich wird die Schlafstatt durch das Hirschgeweih über dem Bett, und dank funktionaler Beleuchtung kann vor dem Einschlafen noch gelesen werden. Die braunen Platten an den Wänden, von denen sich die Tapezierung schält, sollten eigentlich die Portraits verschiedener Protagonisten dieser Serie tragen, aber auf die Aufkleber verzichtete ich wie üblich.

Über die schon erwähnte Bodenluke gelangt man auf den Dachboden, zu welchem Zwecke sich die schicke Bodentreppe auseinanderfaltet. Auf dem Dachboden findet sich der übliche Krempel: Ritterhelme, Kisten mit alten Zeitungen und Schellackplatten, die Sammlung menschlicher Knochen, Musketen und Einmachgläser vor allem. Sehr schön ist das Grammophon. Es besteht begründeter Verdacht, daß es auf dem Speicher spukt. Den herumliegenden menschlichen Schädel identifiziere ich übrigens mit Murray. Und damit kommen wir zum Ensemble.

Davon ausgehend, daß für die gesamte Serie, aber auch für dieses Geisterhausset im Besonderen, klassische Horror- und Gruselmotive der Populärkultur Pate standen, dürfen wir im Vampir Opa Munster, in Vampirella seine Tochter Lily Munster und im frankensteinesquen Butler Herman Munster (natürlich in schwarz-weiß!) vermuten. Hinzu treten zwei Hausgeister und als special Guest Rapp Scallion, der Zombiekoch.

Und dennoch. Daß der Vampirlord neben seinem Lustschloß in den Karpaten noch dieses Landhaus im Mississippi-Delta bewohnt, ist irgendwie ein Bruch und erregte mein Mißfallen, als ich anhob, planlos Bilder der Sets zu schießen. Die Herren des Zombie-Hauses könnten genausogut Zombies sein. In alternativer Besetzung sähe dies so aus:

Denn ein Set fehlt ja noch, leider auch im Katalog; Set 9465, die Grabstätte der Zombies, ist als Sonderset zu werten und nicht regulär im Handel erhältlich. Somit ist auch der Zombie-Mondstein schwer erhältlich, der prominent auf dem Grabmal ..äh.. versteckt kann man nicht sagen. Ist. Der Aufgabe folgend, diesen Stein zu besorgen, wiewohl der das siebte Rad am Wagen ist und somit unnötig, hat Jack McHammer eigens seinen Opel Blitz etwas umgerüstet, um sich ihm in den Weg stellende Zombies zur Seite zu pflügen und automatisiert wegzuhämmern.
Dabei wollten die Corpse Bride und ihr Gemahl doch lediglich ihren gemeinsamen Tod genießen, in ruhiger Lage und ungestört von lästigen Weltverbesserern. Als ich die Bilder machte, imaginierte ich diese ruhige Lage irgendwo im weitläufigen Garten des Spukhauses, wo ich die Familiengruft vermutete, darum der Blick durch das geöffnete Tor. Abermals kann unterstellt werden, daß die Kreatoren dieser Serie sich neben den offensichtlichen Vorbildern auch von der Computerspielserie „Monkey Island“ inspirieren ließen. Zumindest war angesichts der Zombiebraut und ihres Galans mein erster Gedanke: Minnie Strone-Meistersuppe. Das kann freilich eine Freud’sche Fehlleistung sein, denn im Grabmal steht in der Tat eine Meistersuppe bereit, bestehend aus Knochen und Glibber, gedacht dazu, sich über denjenigen zu ergießen, der sich unterstehen sollte, den Mondstein zu entwenden.

Das war sie, die Monster-Fighters-Serie. Alle gängigen Monster und Spukgestalten wurden integriert, bis eventuell auf eine kleine Ausnahme, zu der wir aber später kommen. Ob die Reihe im kommenden Jahr fortgesetzt wird, bleibt abzuwarten, ist aber unwahrscheinlich. Denn die thematisch und strukturell verwandte Vorgängerserie „Pharaoh’s Quest“ blieb ebenfalls einjährig.

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Also, die Monster Fighters (2).

6. Oktober 2012

Aus dramaturgischen Gründen muß die Reihenfolge der Monster-Fighters-Sets in dieser Besprechung nun etwas von der numerischen Rangfolge abweichen. Genaugenommen geht es jetzt etwas durcheinander, aber als ich eines schönen Septembertages planlos Bilder von Sets der Serie knipste, hatte ich eben dies nicht: Einen Plan.

Einen Plan hingegen hat natürlich der verrückte Professor im Set 9466, nennen wir ihn… na, wie nennen wir ihn denn mal? Frankenstein. Er will, gottgleich, einem Klumpen Fleisch Leben einhauchen, bzw. einbrutzeln. Und das Ergebnis dieses Experiments ist natürlich Frankensteins Monster, von Unkundigen gern selbst „Frankenstein“ geheißen. Ort des gruseligen Geschehens ist ein Labor in den Mauern der Burg Frankenstein; das Gemäuer im Set paßt stilistisch auch zum Vampirschloß 9468, zu dem wir später noch kommen werden.

In der viktorianischen Zeit, die popkulturell zum „Steam Punk“ veramalgamiert wurde, war Wissenschaft noch ambitionierte Scharlatanerie (nicht, daß dies heute noch so wäre!), und in gewissen unerforschten Phänomenen vermutete man heilsame Kräfte, sei es nun der Magnetismus, die Radioaktivität, auch die Hypnose, und vor allem die Elektrizität. Letzteres sieht Lego genauso und elektrifizierte das Labor, was zu einem hübschen optischen Effekt führt, die Minifig jedoch nicht zu beleben vermochte, ich hab’s probiert. Und was nicht durch das Wunder der Elektrizität luminesziert, wird eben radioaktiv zum Glühen gebracht. In diesem Set sind dies eine Spinne, ein grinsender Totenschädel und eine Laborratte. Spooky!
Diesem unseligen Treiben wollen Rodney Rathbone und Major Quinton Steele ein Ende bereiten und natürlich gleich den Elektrizitätsmondstein miteinsacken. Das schlafanzugblaue Gefährt gleicht einer „Ente“, die zwar nur bedingt viktorianisch genannt werden kann, mit den gezeigten Umbauten aber durchaus steampunkig. Von nun an wird die Szenerie bestimmt von Gespenstern, Vampiren und Zombies.

Was wäre dampf-punkiger als eine Dampflok? Richtig, nichts. Ein Feuerroß paßt absolut in die Zeit. Warum Gespenster einen Geisterzug zur Fortbewegung benötigen, und wozu sie sich eigens Knochen und dergleichen Gedöns an die Lok dengeln, sollten wir besser nicht hinterfragen, denn Logik ist natürlich nicht das Zentralmotiv dieses Abenteuerthemas. Aber jedenfalls flattern die Waggons, wenn der Zug sich bewegt (oder der Zug bewegt sich, weil die Waggons flattern, wer weiß!), und knipst man das Licht aus, glüht es mal wieder sehr manierlich. Die geisterhafte Flamme, die der Esse entlodert, sollte eigentlich auch leuchten, aber das hielt mein Lichtbildapparat leider nicht fest. Und überhaupt, die Gespenster. Es handelt sich um eine neue Generation, immer noch in glimmende Bettlaken gewandet, aber der gegenwärtigen Krise ausgesetzt, also entsprechende Mimik zeigend. Neu ist auch der Zipfel am Hinterkopf.

Es ist Frank Rock und Ann Lee vorbehalten, die Geister einzusaugen, und zwar in Ghostbusters-Manier, liegt ja nahe. Damit Frank Rock auch seine Hauptfertigkeit ausspielen kann, muß das Sauggerät natürlich propellergetrieben und luftgetragen sein. Eine taktische Variante besteht darin, Ann Lee mittels der Kette auf dem fahrenden oder flatternden Zug abzusetzen, damit das taffe Mädchen dort in den Nahkampf gehen oder auch aus der mitgeführten Arrestzelle des Zuges einen Gefangenen befreien kann. Klar, Geisterschiffe haben eine Brigg, Geisterzüge brauchen so etwas natürlich auch. Außerdem soll der Geistermondstein beschlagnahmt werden. Damit hätten wir sechs von sieben Mondsteinen beisammen, was ausreicht, um zu Phase 2 des Vorhabens überzugehen: Der Mond wird verdunkelt!

Jules Verne, the Godfather of Steampunk, wäre noch geradewegs zum Mond gerudert, in einer Teakholzrakete mit dekorativen Messingapplikationen. So weit gehen unsere wackeren Geisterjäger nicht. Dr. Rodney Rathbone als Expeditionsleiter und Jack McHammer begeben sich in einem schnieken Spezialautomobil mit Vampirfangvorrichtung nach – so darf vermutet werden – Transsilvanien, woselbst am Hauptturm des Schlosses des Vampirlords (Ehrlich! Lego traut sich nicht, den mondänen Blutsauger „Dracula“ zu nennen.) eine Gerätschaft angebracht ist, die diesem Zwecke zu dienen scheint.

Aber Pustekuchen! Dracula hat selbst solche Steine gesammelt und gedenkt, sie einzusetzen. Es hätte ja auch mal irgendwem auffallen können, daß dem Fürsten der Finsternis daran gelegen sein könnte, sein Reich zu erweitern, zum Beispiel per Verdunklung des Mondes, selbst wenn dann der Werwolf nicht mehr funktioniert. Bauernopfer.

Was soll’s, versagt, die ganze Sammelei der Mondsteine war vergebens, denn das Set 9468 enthält schon sechs solche Steine; innerhalb der Serie gibt es also jeden Stein zwiefach. Wie dem auch sei, der fiese Vampir muß im Eins-zu-Eins-Gefecht niedergestreckt werden. Unsere Helden machen also einen Rundgang durchs Schloß, auf der Suche nach der Gruft des Vampirs. Die ist freilich schnell gefunden, liegt sie doch ungeschützt dem Haupttor gegenüber. Wer denkt sich denn so was aus!

Eine weitere schauerliche Entdeckung im Schloß ist zum einen der Verliesturm, wo dem an Ketten aufgehängten Skelett, vormals Gefangenem, auch die eingebaute Fluchtfunktion nichts genützt hat. Fernerhin müssen sich die Abenteurer im Turm des Kartenmachers arg vor der Falltür in Acht nehmen, denn darunter lauert der Tod. Aber der lauert hier ja überall. – Am Kopf der Holztreppe, die vom Hof in die erste Etage führt, scheint der Durchgang zugemauert zu sein; nichts, was Jack McHammer mit seinem Hammer nicht kaputtkriegen würde! Die Ziegelwand entpuppt sich als Wendeltreppe, und dahinter befindet sich das Schlafgemach. Jawohl, ein Schlafgemach mit richtigem Bett, denn der Vampirlord wohnt hier nicht allein, sondern er hat sich eine Gespielin erbissen. Diese hat sich linker Hand eine kleine Hexenküche eingerichtet, im Gelaß darüber eine Handbibliothek. Wir werden das Weib später noch zu Gesicht bekommen.
Und da, die getreppte Wendel herab, schleicht der dunkle Lord persönlich, das Schwert gezückt, als ob er das brauchen würde. Dem Dr. Rathbone kommt das ganz gelegen, hat er doch einst auf dem Paukboden seiner schlagenden Verbindung fleißig für solch eine Gelegenheit geübt. Schwert gegen Degen, naja, wie mag das Duell verlaufen. Zumal man einen Untoten bekanntermaßen nicht mit einer einfachen Klinge in die Verdammnis befördern kann. Über den Ausgang des Kampfes werden wir später mehr erfahren.


Also, die Monster Fighters (1).

30. September 2012


Das sind sie, die Geisterjäger. In europäischer Leserichtung sehen wir vor uns die Protagonisten:

Frank Rock, das Fliegeras. Ann Lee, die energisch alles wegschießt, was ihr an unheiliger Kreatur vor die Armbrust kommt. Dr. Rodney Rathbone, das expeditionsgestählte intellektuelle Schwergewicht mit Korporationshintergrund. Major Quinton Steele, der mit seiner Donnerbüchse nicht nur silberne Kugeln verschießt. Und Jack McHammer; der würde auch alte Eichen mit seinem Hammer fällen.

Die Serie ist ungefähr im Steam-Punk-Zeitalter angesiedelt, was zur entsprechenden Kostümierung der Minifigs führt. Das Fliegeras mit Rayban-Brille und Elvis-Tolle fällt da freilich etwas aus dem Rahmen. In Legos Gesamtkonzept besetzen die Geisterjäger die Sparten „Abenteuer“, „Lustige Vehikel“, „Genretypische Figuren“, „Zeitsprung“ und „Sammeln“. Denn sammeln, das müssen die Action-Exorzisten auch und vor allem. Es gilt, sechs von sieben sogenannten Mondsteinen zu finden, mit denen der Mond verborgen werden kann. Klingt nach etwas, was ein James-Bond-Schurke tun würde, aber in diesem Fall gilt der Mond als Energiequelle für so manches widernatürliche Wesen, Stichwort: Werwolf.

Was die zu bekämpfenden Monster angeht, bedient sich die Serie schamlos aber folgerichtig an den gängigen Horror- und Gruselklassikern der Popkultur, wobei der Schwerpunkt auf Vampiren, Zombies und Nachtgespenstern liegt, die in mehr als einem Set der Reihe vertreten sind.

Relativ schnell abgehandelt, nämlich als kleinstes Set im Taschengeldformat, ist das Ding aus dem Sumpf bzw. der Schrecken vom Amazonas, wenn man statt eines 70er-Jahre-Comics lieber einen 1954er Schwarzweißfilm von Jack Arnold als Inspiration für Set 9461 sehen will. Das wollen wir natürlich. Das Kiemenwesen speist offensichtlich Fisch, also weshalb sich Menschen vor ihm fürchten sollten, ist nicht ganz klar. Vermutlich wollen wir ihm bloß seinen Mondstein stibitzen, den das Ding, einem großen perfiden Plan folgend, seit Urzeiten unter Verwahrung hatte. Ausersehen für diese Aufgabe ist Frank Rock. Der bewegt sowieso alles, was einen Propeller hat, also auch dieses kleine Sumpfboot. Das ist nicht Steam Punk, sondern paßt, wie auch Frank Rock ’n’ Roll, in die 50er Jahre, also die Entstehungszeit des zugrundegelegten Films.

Die beschnürmiederte Ann Lee darf das nächste Monster auf der Liste abkanzeln, obwohl sie im Set 9462 einen Minihubschrauber fliegt. Das Ding ist wahrlich keine Sensation, also scheint Frank Rock dankend abgelehnt zu haben. Vielleicht hatte er direkt unter dem Rotor auch Sorge um seine Frisur. Solche Probleme kennt Ann natürlich nicht, bändigt sie ihren Rotschopf doch stets mit einem Silberpfeil.
Gerichtet wird der Pfeil auf einen weiteren Klassiker des Horrorgenres – die Mumie! So überaus spektakulär und im kollektiven Schreckensgedächtnis verankert ist eine Mumie aber auch wieder nicht, und überdies gab es tote Pharaonen ja erst kürzlich in Legos Serie „Pharaoh’s Quest.“ Darob darf die Dörrleiche mal kurz auf einem wie üblich nicht überzeugenden Kriegskarren vorbeiötteln, um ihren Mondstein abzugeben, und damit ist das Thema durch.
Nicht unerwähnt bleiben soll jedoch, daß als ein Charakteristikum der Monster-Fighters-Serie fast jedem Set (dem Sumpfset freilich nicht) ein oder mehrere nachtleuchtende Teile beiliegen. Hier sind dies das Knochenpferd und Amenhotep in höchsteigener Person, falls man denn als Toter noch eine Person ist.

Ein Identitätsproblem ganz anderer Art hat der Werwolf, ist er doch sozusagen zwei Personen, in Abhängigkeit von den Mondphasen. Vielleicht wäre es der armen Seele durchaus recht, wenn der Mond verfinstert würde, weshalb er seinen Mondstein auf dem Präsentierteller zur Mitnahme empfiehlt.
Der Baum ist so aus verschiedenartigen Teilen zusammengeschustert, daß er unmöglich eine natürlich gewachsene Pflanze sein kann. Ist er natürlich auch nicht, er ist ja aus Lego. Und seine Hauptaufgabe ist nicht, wie ein Baum auszusehen, sondern eine coole Funktion zu tragen. Betätigt man nämlich den roten
Drücker, so teilt sich das Geäst, und der Werwolf kann sein Opfer anspringen, das den Mondstein entwenden will. Die ungeschnittenen Fingernägel des Lykanthropen leuchten im Dunkeln. Der Schrecken des Opfers gilt also vor allem der strahlenden Gefahr, die von den Krallen ausgeht.
Wer wäre zur Wolfsjagd besser geeignet als Major Quinton Steele in seinem Roadster, der mit vernickelter Frosch-Kühlerfigur und den eingebauten Sonnenlichtstrahlern endlich mal etwas steampunkiger ausgeführt ist als die Vehikel der kleineren Sets. Der Major ist ein erfahrener Großwildjäger mit Spezialmonokel und hat die silbernen Kugeln in seinem Patronengurt stets am Mann.

Dr. Rodney Rathbone verdankt seinen Namen unzweifelhaft Basil Rathbone – dachte ich. Der verkörperte nämlich zu Schwarzweiß-Zeiten Sherlock Holmes, eine viktorianische Ikone. Wie meine Recherche jedoch ergab, hat besagter Basil R. einen Urgroßneffen namens Jackson Rathbone, welcher in der Twilight-Saga einen Vampir spielt und der Zielgruppe Legos eher bekannt sein dürfte als der verstaubte Meisterdetektiv. Somit wäre der Bogen geschlagen zum Set 9464, der fahrenden Vampirgruft.
Diese wurde hier etwas kontrastarm im gleißenden Mondlicht daguerreotypiert. Es fehlt der vorgesehene nachtleuchtende Aufkleber auf dem Fahrerhausdach. Die Idee einer solchen als Leichenwagen angelegten Vampirgruft ist reizvoll, Details wie die altertümlichen Kutschlampen und die Vorhänge am Schaufenster sind es ebenfalls. Die Ausführung des
Leichenwagens als aufgemotzte Rennkarre gefällt mir persönlich allerdings nicht. Auf Wunsch (des spielenden Kindes) kann der Vampir aus seinem Sarg aufsteigen und sich dem diensttuenden Monsterfighter zum Fechtkampf stellen. Zu diesem Zweck muß der mitgelieferte Sargdeckel jedoch aus dem Spiel bleiben. Am Steuer des Wagens sitzt übrigens ein Zombie in verschlissener Uniform.

Dieser dienstbare Geist tritt auch in zwei Tütchensets auf. Rechts sehen wir Set 30076, den Totengräber in Rufbereitschaft mit nachtleuchtender Spinne. Das andere, Set 30200, öffnete ich bislang nicht, da die Abbildung ein nur wenig attraktives Modell verheißt. Ein Sarg auf Rädern mit angeflanschtem Gedönse, na gut.

Somit hätten wir die ersten vier Mondsteine erfolgreich in unseren Besitz gebracht. Um die restlichen kümmern wir uns später.