Eröffnet: Die Werkschau!

20. Mai 2013


Da ich ja nicht mehr zum Bauen komme, schon gar nicht von größeren MOCs, muß ich leider auf olle Kamellen setzen, um die Erinnerung wachzuhalten, daß das mal anders war. Darum habe ich hier im Blog, der zunehmend die Funktion einer Homepage erfüllt, mal eine Sektion mit meinen Lego-Eigenbauten eröffnet. Sie findet sich oben unter „Werkschau“, weil sie eben das ist. Enthalten sind fast alle meine Lego-Bauwerke, einigermaßen chronologisch geordnet, bisweilen mit Text, immer mit Bildern. Die Tendenz ist eindeutig: Früher herrschten große, komplexe Bauten vor, vorgestellt in endlos vielen Bildern. In jüngerer Zeit baute ich eher kleine Dinge, die oft in einem einzigen Bild umfänglich dargestellt sind.
Manchmal hätte ich ja Bock, was Großes zu bauen, aber ich habe einfach keine Lust…


Der 31ste Oktober.

31. Oktober 2012

Tjaja, der 31ste Oktober ist der Reformationstag. Luther, Thesen, Ablaßhandel, Schloßkirche, MDXVII, Wittenberg: Kennt man ja. Das nebenstehende Bildchen kennt man ebenfalls, denn das zeige ich seit auf den Tag genau 10 Jahren alljährlich an diesem Datum vor. Genaugenommen zeige ich freilich nicht dieses Bild vor, sondern das Modell. Das Bild nahm ich heute anläßlich des 10jährigen Jubiläums noch mal neu auf, um es auf den Stand der Zeit zu bringen. Es wurde somit „digitally remastered“. Also Obacht gegeben, falls es jemand anklickt! Es ist jetzt groß.

Auch, wenn ich es nicht wahrhaben will, so ist heute doch der Tag vor Allerheiligen, mithin Halloween, das Amalgamfest der Kulturverwurster. Doch dem sei, wie ihm wolle; obwohl ich dank der oben angeschlagenen 95 Thesen und dem, was sich danach entspann, mit Allerheiligen, Totenkulten und dem darumherumwabernden Brauchtum nichts zu tun habe, habe ich dennoch dieses Lego-Set mit Halloween-Thema.

Das Set 850487 bietet eine Ansammlung von Gestalten, die irgendwie mit Halloween in Verbindung gebracht werden können, nebst niederem Getier und dem Arbeits- und Schlafplatz des Zombies, sprich: Ein frisches Grab. Bemerkenswert an diesem Grab ist der Grabstein, den eine dunkelgraue Brieffliese mit Fledermaus ziert. Gibt’s nur da. Ebenso gibt es den Zombie nur in diesem Set, und zwar ist er eine braungewandete Version des grauen Zombies aus der ersten Sammelminifigkiste. Warum er ein Walkie-Talkie mitführt, weiß ich nun nicht, vermutlich ist das eine Anspielung auf irgendeinen der zahllosen Zombie-Filme, die ich nicht sah. Die Hexe gab es ebenfalls schon als Sammelminifig. Die Verpackung dieser Zusammenstellung ist im selben Design ausgeführt wie die Monster-Fighters-Sets, was ja auch naheliegt, jedoch ist die Zugehörigkeit des Halloween-Packs zur Geisterjägerserie nicht offiziell, denn es fehlt hier der entsprechende Schriftzug.

Wiewohl man auf weitere Schlangen, Fledermäuse und Spinnen nicht unbedingt gewartet hat, bietet dieses Set doch einige brauchbare Teile, vornehmlich die bodendeckende Grabbepflanzung und die ominöse Grabsteinfliese sind zu nennen. Sicherlich brauchen wir uns nicht der Illusion hinzugeben, daß Lego es nun gutsein läßt mit Zombies, Geistern und Untoten. Das nächste Thema mit Skeletten oder Zombies wird nicht ewig auf sich warten lassen. Aber für uns war es das nun erst einmal. Schönen Feiertag!


Der Reichstag zu Worms.

31. Oktober 2011

Vor Jahren baute ich dies, doch an Aktualität hat es angesichts der Kürbiskrise und in Gespensterkostümen herumlaufender Kinder nicht verloren. Leider bin ich zu träge, den ganzen Summs nochmal zu bauen, um ihn anständig zu photographieren, also müssen die Konserven herhalten. Ein Klick auf die Bilder führt zu größeren Ansichten. Also.

Der Reichstag zu Worms.

Nachdem er seine 95 Thesen wider den Ablaßhandel veröffentlicht hatte, pflog Luther einem kurzen Schriftwechsel mit dem Papst in Rom, wiewohl der päpstliche Anteil an der Konversation hauptsächlich in der formellen Mitteilung bestand, daß Luther sich als Ketzer für exkommuniziert zu betrachten habe, so er nicht seine Schriften widerrufe. Überdies ließ der Papst verfügen, daß alle Schriften Luthers verbrannt und aus dem Gedächtnis der Menschheit getilgt würden, denn sie paßten ihm gar schlecht ins Konzept einer auf weltliche Macht aufgebauten Kirche. Nicht vor Gott sollte der Gläubige sich verantworten, sondern vor der Kirche, und für ein reines Gewissen hatte er gefälligst etwas zu zahlen.

Daß Luther dies anders beurteilte, brachte ihm natürlich die Sympathien der einfachen Leute ein, schon deswegen, weil sie dieser ewigen Zahlerei an das Schatzamt in Rom überdrüssig waren; aber auch, weil er sich standhaft gegen die Dekrete der Oberen zur Wehr setzte und nichts widerrief. So etwas gefällt dem Volk. Nicht jedoch gewannen Luthers theologische Schriften ihm die Gunst Karls V. Dieser war katholisch und fühlte sich als Kaiser des „heiligen römischen Reiches“ verpflichtet, die Einheit der Kirche und der Christenheit zu schützen, sei es gegen die Heere Süleymans des Prächtigen oder gegen kleine widerborstige Mönche aus der sächsischen Provinz.¹ Daher hätte er liebend gern den Bannspruch des Papstes schlicht bestätigt und über Luther ohne Vertun die Reichsacht verhängt.

¹) Dieser Anspruch hinderte Karl jedoch nicht daran, seine Truppen im Jahre 1527 Rom plündern zu lassen und Papst Klemens VII. unter Hausarrest auf der Engelsburg zu stellen. Aber das tat er nicht in seiner Eigenschaft als römischer Kaiser sondern als Spanier², der gegen Frankreich in Italien Krieg führte.
²) Er war von Geburt kein Deutscher, sondern in den Niederlanden geborener Spanier. Die Herrschaft über das heilige römische Reich deutscher Nation war ihm als Habsburger eher von Abstammung wegen zugefallen, kümmerte ihn aber wenig.

Das aber wußte Luthers offensichtlich seinem Beinamen gerecht werdender Landesherr, Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen, zu verhindern. Er erwirkte beim Kaiser, daß Luther die Gelegenheit erhielt, sich vor einer Verurteilung wenigstens zu rechtfertigen, wie es das gültige Recht vorsah. Schon gar nicht dürfe Luther nach Rom an die Inquisition ausgeliefert werden, weil er als Deutscher einen Anspruch darauf habe, nur innerhalb seiner Landesgrenzen gerichtet zu werden. Überdies habe ihm für seine An- und Abreise zum Prozeß freies Geleit zugesichert zu werden. Und so geschah es; der Kaiser lud den Doktor vor den Reichstag, der 1521 in Worms stattfand, daß er sich dort verantworte.

Vor uns sehen wir den hohen Saal, der Kaiser thront, vor ihm in zwei Viertelkreisen beobachten die Kurfürsten, gewandet in rot und weiß, das Geschehen³, der Saal ist gefüllt mit Würdenträgern aus Adel, Kirche und den Reichstädten, sowie Prozeßbeobachtern der Deutschen Presseagentur und Reuters’. In des Saales Mitte ist ein Tisch aufgebaut, darauf Luthers Schriften liegen, die er widerrufen soll, andernfalls er eines gestrengen, höchstkaiserlichen Urteils gewärtig sein muß, Gott helfe ihm, Amen! Vor dem roten Teppich vertritt Johann Eck als sachverständiger Theologe die Sache des Kaisers, hinter dem Tisch steht Luther selbst. Er erläutert, daß es ihm unmöglich sei, seine Bücher und Schriften, die er selbstverständlich anerkenne, zu widerrufen, da er sie im Einklang mit den Worten der Heiligen Schrift verfaßt habe, sodaß eine Widerrufung seiner Bücher und Schriften einer Widerrufung der Heiligen Schrift gleichkomme. Sollte ihm jedoch nachgewiesen werden, daß er in seinen Schriften Fehler im Sinne der Heiligen Schrift begangen habe, sei er der erste, der eigenhändig sein Geschreibsel den Flammen übergebe. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, soll er zum Abschluß seines Plädoyers gesagt haben.

³) Es müßten eigentlich ihrer sieben sein, doch das hätte an unerwünschter Stelle die Symmetrie beeinträchtigt.

Nun, es konnte ihm niemand formelle Fehler nachweisen, aber darum ging es ja auch nicht. Dem Kaiser ging es wie dem Papst um schnöde Politik, und sie waren gewohnt, diese kraft des ihnen verliehenen Amtes durchzusetzen, sodaß es sie mehr als wurmte, daß ein unbedeutender Mönch aus der kursächsischen Pampa ihrem Willen nicht gehorsamst Folge leistete, potz Fickerment noch eins! Dem Dr. Luther hingegen war die politische Tragweite seiner Anmaßung schnurz, ihm ging es um das Verhältnis des Menschen zu Gott, das er nicht durch eine Kirche vermittelt sehen wollte, die ihre Autorität als religiöse Instanz für bloß irdische Machtinteressen mißbrauchte.

Luther widerrief nicht und reiste ab, durchaus begleitet vom Beifall so manchen Reichsritters. Der Kaiser malte ihm noch die Reichs-8 auf den Rücken und erklärte ihn zum Vogelfreien, den jedermann jederzeit ohne Strafverfolgung beseitigen durfte. Ein Rechtsstaat war das halt damals nicht.


Trick or treat, Pope!

31. Oktober 2010

(Das Bild ist schon acht Jahre her, aber immer noch aktuell.)