Steinwerfer: 1843 (Unbenanntes Raumfahrt-Ritter-Kombiset)

19. April 2018

Amerika. Da hätte man im Jahre 1996 dieses themenübergreifende und -verbindende Set erstehen können, zu einem Preis, der angeblich unter demjenigen vergleichbarer Sets lag. Nun ja. Als Alteuropäer und Zuspätgekommener erwarb ich es schließlich irgendwann in den 2000ern zu einem Preis, der deutlich über dem vergleichbarer Sets… Aber was soll ich mich echauffieren! Es hat mich ja niemand mit vorgehaltenem Speer gezwungen, Lego-Rittersets auf Komplettheit hin zu sammeln.

Bloß 17 Jahre nach Beginn der Ritterserie war im Jahr 1995 urplötzlich der König ins Blickfeld gerückt. Sein Reich war klein, gebot er doch lediglich über seine Burg Königstolz, eine Turmbrücke und einen schäbigen Kerker sowie über eine Kutsche mit zu wenigen Pferdestärken. Als rechtmäßig ins Amt geborener Potentat und Schirmherr über die öffentliche Ordnung stand es ihm nicht an, innerhalb seines Reiches Kriege zu führen, weshalb das Katalogprogramm keinerlei Belagerungs- und Kriegsgerät für ihn vorsah. Und auch dieses hier zu besprechende Katapültchen ist nur wenig geeignet, zur Usurpation gewillte Thronräuber in Furcht zu versetzen.

Da die Gefolgschaft des Königs klein ist, kann nur ein einzelner Soldat zur Bedienung des Steinwerfers abgestellt werden.

Naturgemäß muß der arme Kerl ordentlich ranklotzen. Zwei akkurat auf Quaderform zugehauene Wurfgeschosse stehen ihm als Munition zur Verfügung.

Nach dem Beladen muß der wackere Artillerist das Katapult auch selbst abfeuern. Augenscheinlich hat bei der Konstruktion des Geräts jemand mitgedacht und eine Wegrollsperre eingebaut. „Schön gedacht“, wie man auf dem Amateurfußballplatz sagt, wenn eine technisch einwandfrei vorgetragene, butterweiche Flanke im Nichts landet. Dortselbst landet nämlich auch das Projektil. Erwartungsvoll legte ich mir den Zollstock bereit, um die Wurfweite zu messen; bei offener Zimmertür ist die nächste Wand erst in 6 1/2 Metern im Weg, wenn ich das Katapult auf dem Fußboden vor dem Schreibtisch in Position bringe. Ein beherzter Druck auf den Hebel, und ich kann berichten: ca 80 cm hoch und -10 cm weit landete der 1×2-Stein auf dem Schreibtisch. *Daumenhochemotikon*

Ob dieser Schmach bitter enttäuscht schiebt der Reichsrittergehilfe mit seinem rollenden Löffel ab.

Eine unerwartete Begegnung reißt ihn schließlich aus seinen Gedanken, die düster um das bevorstehende Donnerwetter seines Vorgesetzten und die zu erwartende drakonische Strafe kreisten, die ein popeliger Untergebener kaum abzuwenden hoffen durfte. Ein Spyrius-Astronaut? Ausgerechnet hier im Burgenland und in meiner Wohnung?

Ja, denn er ist ja mitsamt seinem formunschönen Flugapparat im selben Set enthalten wie das Katapult, also war sein Erscheinen unvermeidlich.

Ein Antriebssystem ist zunächst nicht erkennbar, aber in der Zukunft des ausgehenden 20sten Jahrhunderts mag das auch nicht nötig sein.

Wie es sich für ein Raumfahrtset geziemt, läßt sich am Modell irgendwas klappen, in diesem Fall die Flügel. Und schon zeigt sich auch der nach hinten gerichtete Impulsantrieb.

Da es sich bei dem Fliegzeug um einen Bodencruiser handelt und nicht etwa um ein Raumschiff, muß der Pilot nicht in einer Kapsel sitzen, und für den Auftrieb sind die gespreizten Flügel nützlich.

Wer braucht noch ein Katapult mit Durchschlagskraft, wenn er magische Fluggeräte aufbieten kann? Das eine UFO allein dürfte genügen, den Usurpatoren die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben. Und falls das nicht ausreicht, kann der Pilot auch zu Schild und Waffe und in den Nahkampf eingreifen, denn für den Katapultisten ist das zweite Paar ja sicher nicht gedacht.

Na gut, muß man dieses Set besitzen? Ja, weil man – ich nämlich – ja Sammler ist. Übrigens waren die blauen 2×6-Bögen zum Zeitpunkt des Erscheinens gewissermaßen eine Rarität. Zwar waren derer 6 zwei Jahre zuvor im Belville-Puppenhaus 5890 verbaut, aber welcher kleine Junge würde schon zugeben, so etwas zu besitzen? Zuvor waren sie 1985 im Dacta-Set 1056 enthalten gewesen, also für den Normalkunden nicht erhältlich. Davor waren sie 1978 in der Kugelkopftankstelle 330 anzutreffen gewesen. Das Hauptvorkommen blauer 2×6-Bögen datiert auf die Jahre 1972 und 1973, wannselbst man insgesamt 9 (14) Exemplare hätte sammeln können. (Das Ferienhaus mit Fensterläden 356, welches 5 solche Bögen enthält, erschien in Amerika unter der Nummer 540, ist also als zwei Sets zu rechnen.) Bliebe die Frage, ob man diese Bögen in blau überhaupt je vermißt hat? Bis 2017 waren sie in keinem Set mehr verbaut, aber ein großes Seufzen über die eingeschränkte Verfügbarkeit habe zumindest ich nicht vernommen.

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Eröffnet: Die Werkschau!

20. Mai 2013


Da ich ja nicht mehr zum Bauen komme, schon gar nicht von größeren MOCs, muß ich leider auf olle Kamellen setzen, um die Erinnerung wachzuhalten, daß das mal anders war. Darum habe ich hier im Blog, der zunehmend die Funktion einer Homepage erfüllt, mal eine Sektion mit meinen Lego-Eigenbauten eröffnet. Sie findet sich oben unter „Werkschau“, weil sie eben das ist. Enthalten sind fast alle meine Lego-Bauwerke, einigermaßen chronologisch geordnet, bisweilen mit Text, immer mit Bildern. Die Tendenz ist eindeutig: Früher herrschten große, komplexe Bauten vor, vorgestellt in endlos vielen Bildern. In jüngerer Zeit baute ich eher kleine Dinge, die oft in einem einzigen Bild umfänglich dargestellt sind.
Manchmal hätte ich ja Bock, was Großes zu bauen, aber ich habe einfach keine Lust…


Steinwerfer: „King’s Catapult“ 1480

31. Januar 2012


Dieses Modell ist Teil des 5-Modelle-Kombisets 1476 und hat keinen eigenen Karton, nur eine separate Bauanleitung. Im Jahre 1991 gab es das „Legoland“ schon nicht mehr und das „System“ noch nicht; entsprechend fehlt jegliche derartige Zuordnung auf dem Bauanlei-tungsbild. Erhältlich war das Set – wie so vieles – nur in Nordamerika. Da es kein eigenständiges Katalogset ist, ist auch kein Name bekannt. Der überlieferte Name „King’s Catapult“ ist somit von Fans ausgedacht, analog zu „King’s Castle“, dem amerikanischen Namen der Großen Burg 6080, und findet sich unter anderem in Todd Lehmans Fibblesnork Guide, der den 1996er Stand der Legoforschung aus amerikanischer Sicht darstellte und für viele von Fans erstellte Datenbanken immer noch prägend ist.

Einige dieser kleinen Sets, die ausschließlich in Amerika verkauft wurden, wirken so, als hätten sich da junge Lego-Mitarbeiter mal ausprobieren dürfen. Als wären sie für ihre kreativen Ansätze mit einer offiziellen Setausgabe belohnt worden, wiewohl es noch nicht für den internationalen Katalog reichte. Dieses Katapult zeigt zum Beispiel eine bis dahin (und auch späterhin) nicht bekannte Möglichkeit, den Hebelarm zu befestigen: An einer Stange, die durch ein Technic-Loch geführt wird. Ist mal was anderes, kann man mal machen. In Natura wäre die gezeigte Umsetzung der Idee freilich Quatsch, denn der Sinn eines Hebels ist ja, den Angelpunk in Richtung der Last zu verschieben, um einen möglichst langen Kraftarm zu haben. Hier ist es umgekehrt.

Enthalten sind einige schöne Teile, wie eine grüne 6×6-Platte, graue Schrägen, Bögen und Rundeiner, die man ja immer brauchen kann. Das Männchen sieht freilich aus wie von der Resterampe; Möglicherweise fand man noch eine Kiste mit rotarmigen Kettenhemden, die einst für Drachenritter bestimmt gewesen waren, mußte aber gleichzeitig noch eine Charge blauer Löwenschilde unterbringen. Ohne Schild und Fahne würde man den kleinen Artilleristen nicht unbedingt für einen Löwen- ritter halten.

Doch sei es, wie es will. Das Set weiß zu gefallen, wenn auch einen Teil seines Reizes vermutlich seine Seltenheit ausmacht.


Steinwerfer: Katapult 6030

7. Oktober 2010

6030

Seltsamerweise sind die Ersten ihrer Art nicht selten auch die Besten. Ob diese Nostalgikerweisheit allgemein Bestand hat, mag dahingestellt bleiben, doch für Legos Katapulthistorie reklamiere ich die Gültigkeit. Denn im Laufe der Jahre wurde das Legoland mit mehreren Dutzend Katapulten angegriffen oder verteidigt, doch kaum eins reichte an die Eleganz – nein, ich wage das Stereotyp – an die schlichte Eleganz des Erstlings von 1984 heran. Keine peppigen Farben und keine ausgefallene Mechanik sind notwendig, um dieses Modell zum Klassiker zu machen. Es genügt eine simple Daumenwippe in kleidsamem schwarz, um gleichermaßen Spielwert zu erzeugen und das Katapult zu einem glaubwürdigen Bestandteil des Burgenlandes zu machen. Für Farbtupfer sorgen lediglich die beiden Adlerritter, die flatternde Fahne und die gelben Wurfgeschosse. Diese lassen sich bei energischer Betätigung des Katapultarms geschätzte 3½m weit schleudern. (Zwischendurch war die Wand im Weg.)

Die seltsame Chassis-Wanne habe ich kaum je in Eigenbauten verwertet, doch ansonsten ist das Set ein grandioser Teilespender. Die grauen Seilscheiben dürften die einzigen gewesen sein, die ich als Kind besaß, und schwarze Steine waren generell nicht zu verachten. Und wer hätte Einwände gegen zwei Adlerritter mit Rundschilden? Genau, niemand, denn davon kann man gar nicht zu viele haben. Für besonders wertvoll erachtete ich aber stets die schwarzen Dachsteine. Diese waren der Hauptgrund dafür, mein eines Examplar, das ich 1984 zu Weihnachten bekam, nicht mein einziges bleiben zu lassen; in den Ebay-Zeiten seit dem Jahr 2000 ersteigerte ich ein gutes Dutzend dieser Sets, um sie meiner Teilesammlung zuzuführen. Eine ganze Flotte gleichzeitig aufgebauter Katapulte gab es also nie, aber für diese Protzbilder reicht’s (Bilder = Links, falls gewünscht):


(Vier Bauanleitungen befinden sich zudem in den Kartons, von denen einer noch ungeöffnet ist. ’tschuldigung.)

Da ich ja nur ein Exemplar besaß, konnte ich als Kind nicht wissen, daß von der Bauanleitung mindestens zwei augenfällige Varianten bestehen. Eigentlich sogar vier, denn drei verschiedene Druckereien druckten Bauanleitungen für dieses Set, eine davon beide Varianten. Die Darstellung der Figuren wurde verändert.

Wie ich später erfuhr, weisen auch die Anleitungen anderer 1984er Rittersets solche Unterschiede auf, mindestens 6010, 6022 und 6040. Von den restlichen Sets besitze ich möglicherweise nicht genügend Exemplare, um verschiedene Varianten im Beifang zu haben.