Kleines Paralipomenon: Auffahrrampe 167.

29. Dezember 2016

Diese „Auffahrrampe mit Waggon“, wie der 1979er Katalog das Set vollständig nennt, ist der legitime und – gewisserweise – bessere Vorgänger vom zuvor besprochenen Verladebahnhof 7839. Komischwerweise war 167 nie offiziell neu. Wiewohl der Kartonaufdruck „© 1978“ sagt, stand es nicht im 1978er Katalog (Zumindest nicht in der mir vorliegenden Ausgabe; ob es andere Versionen gibt, weiß ich nicht.), im Katalog des Folgejahres ist es allerdings nicht als Neuerscheinung gekennzeichnet. Wenn wir nun noch den Umstand berücksichtigen, daß der Bahnvorsteher hier einen bedruckten und keinen beklebten Torso hat, was erst bei 1979er Katalogsets vorkam, dürfen wir dieses Set als vorgezogene Mitt- oder Endjahresausgabe 1978 annehmen. Warum vorgezogen? Nun, der bedruckte Torso deutet auf eine geplante Veröffentlichung 1979 hin, doch 1980 wurde das Schienensystem auf graue Gleise mit Klickschwellen umgestellt, und alle Sets mit blauen Schienen fielen damit aus dem Programm. In der damaligen Zeit sah die Firma Lego für ihre Produkte aber noch eine längere Erhältlichkeit vor als heutzutage, wo alle halbe Jahr die Hälfte des Programms aus dem Sortiment fliegt. Eine Veröffentlichung neuer Eisenbahnsets im Jahre 1979 hätte unter dieser Prämisse für Lego keinen Sinn ergeben. Ergo wurde dieses Set nebst dem kleineren Bruder 166 von 1979 auf 1978 vorgezogen. Soweit meine Vermutung.

Wir sehen hier also eine Auffahrrampe für Autozüge, wie sie sinnvoll ist und in der Realität vorkommt. Zumindest ist es realitätsnah, daß die Fahrzeuge von hinten in Fahrtrichtung auf den Waggon auffahren. Daß von Bodenniveau über die Rampe direkt auf den Waggon gefahren werden muß, ist vielleicht in Wirklichkeit nicht so, sondern der Waggon wird an eine Bahnsteigplattform herangefahren. Aber sei’s drum. 167 ist in dieser Hinsicht allemal vernünftiger als 7839. Eine Plackerei für den Lademeister war es denoch, da sich in die frühen Legoland-Autos noch keine Minifigs setzen konnten, sie also stets geschoben werden mußten. Der Frackträger ist sich natürlich zu fein dafür, dem Arbeiter zur Hand zu gehen.

Ein Stilmittel, welches von Set 167 bis Set 7839 beibehalten wurde, ist der verschwenderische Gebrauch von flachen Kreuzgitterzäunchen. Hier bot 167 mit grauen und roten Zäunen eine größere Varianz als 7839. Hinzu kommen die beiden schwarzen Zauntore in derselben Optik.

Die Rampe ist in Prellbockmanier wie der Waggon mit Puffern ausgestattet. Was fehlt, ist ein Magnet an der Rampe, der den Waggon beim Beladen an seiner Position hält.

Und soeben fällt mir auf, daß ich Schussel die Torangeln verkehrtherum aufgesteckt habe. Es sind 3-lange Angeln, die 4-lange Tore halten.
Zum Glück bin ich nicht der einzige Schussel. Denn Lego selbst hat auf dem Titelbild die beiden grauen Fliesen vergessen, die dem Auto die Auffahrt auf die Auffahrt erleichtern. (Memo to self: Lego-Sets zusammentragen, deren Karton- und/oder Bauanleitungsbilder nicht den tatsächlichen Inhalt wiedergeben. Da gibt es einige, von denen ich weiß, und vermutlich sehr viel mehr, von denen ich nicht weiß.)

Da 167 im Wesentlichen aus einem flachen Waggon und einer Rampe besteht, ist das Set in der Gesamtschau sehr flach. Großartige Aufbauten sind schlichterdings nicht notwendig. So gesehen macht der Nachfolger 7839 natürlich mehr her, freilich um den Preis, daß seine Funktionsweise herbeifabuliert wurde und annähernd impraktikabel ist.
167 kann überdies mit dem Schmankerl eines gelben Bauhelms aufwarten. Jedenfalls war es ein Schmankerl. Denn gelbe Bauhelme gab es einzig in den beiden 1978er Waggonsets 166 und 167, und dann 32 Jahre lang nicht mehr. Auf dem Deckblatt des 1980er Eisenbahn-Katalogs war ein Arbeiter mit gelbem Helm zu sehen, ohne daß noch eines der beiden Sets in diesem Katalog enthalten gewesen wäre. Seit dem Jahr 2010 jedoch kommen gelbe Bauhelme vermehrt in aktuellen Baustellen-Sets vor, was die Exklusivität des Teils deutlich beschneidet. Zwar können Kenner der Materie anhand des Helminnern erkennen, ob es sich um ein altes Orginal oder eine Neuauflage handelt, aber etwas Besonderes ist ein gelber Bauhelm nun natürlich nicht mehr.


Auto-Transporter 7839.

23. Dezember 2016

Irgendwie hat sich bei mir die Tradition eingeschlichen, gegen Jahresende alte Lego-Eisenbahnsets anzuschaffen. Als ich im Juli 2013 Barbaras Rangierlok 7760 übernahm, weil sie halt so niedlich ist, dachte ich noch, die paar Schienen-Zukäufe, mit denen ich dem Lökchen eine angemessene Bahn baute, wären das Äußerste. Ich irrte. Nach und nach holte ich so allerhand Material von den grauen Seiten der 80er-Jahre-Kataloge ran, nun also diesen „Auto-Verlade-Bahnhof mit Spezial-Flachwaggon, Auffahrrampe, Pkw, Fahrer und Lademeister“, wie der 1986er Katalog sich etwas ausführlicher gibt als der Kartonschriftzug. Und mit gelindem Erschrecken wurde mir soeben bewußt, daß meine Sammlung damit auch schon alles an Eisenbahn-Gebäuden umfaßt, was das Programm zu bieten hatte, mal abgesehen von den Bahnsteigen bei den Zugsets.

Die Firma Lego residiert in Billund, Billund liegt in Jütland, Jütland hat unter anderem eine Nordseeküste, südlich der dänischen Nordseeinsel Rømø befindet sich Sylt, und Sylt wird legendärerweise über den Hindenburgdamm per Autoreisezügen mit Benzinkaleschen versorgt, damit die Prominenten nicht auf den Porsche in der Einfahrt ihres Friesenhäuschens verzichten müssen. Gab es also für Lego Naheliegenderes, als einen Auto-Verladebahnhof ins Programm zu nehmen? Keineswegs. Das Set 7839 bietet unbestreitbar Spielwert, es hat jedoch auch seine Tücken.

Beobachten wir also einen Sylturlauber bei der Verladung seines Porsches (abstrahierte Darstellung). Der Lademeister bemerkt das Fahrzeug die Rampe herauffahren und begibt sich verschmitzt lächelnd in seine Steuerzentrale.

Hier muß der Sommerfrischler die erste Hürde überspringen: Der Ticketautomat ist für Minifigarme weit entfernt. Aber die Schranke muß zuvörderst sich öffnen, ohne dem kann die Reise nicht losgehen. (Ja, dieses Set ist ein Gebrauchtkauf, aber die hintere Schiene wirkt auf dieser Photographie weitaus vergilbter, als sie ist, was ich den winterlichen Lichtverhältnissen zuschreibe.)

Der Schrankenbaum ist in SNOT-Bauweise¹ an einen 2er Drehteller gebaut und hier in der Tat vergilbt. Da er sich schließlich öffnet, kann das Auto auf die Ladeplattform gefahren werden. Diese ist verschiebbar in 12 graue Schiebetorschienen eingehängt, was viel klingt, aber nur den zweiten Platz hinter der Containerbrücke 7823 bedeutet, wo derer 18 verbaut sind. Schön ist auch die gelb markierte Sicherheitszone, eine Intarsienarbeit in ABS².

¹) Studs Not On Top, also Noppen irgendwie, bloß nicht oben.
²) Acrylnitril-Butadien-Styrol, der Stoff, aus dem die Träume sind.

Die Mechanik hinter dieser Ladeplattform ist denkbar einfach. Man schiebe die Plattform dem Waggon entgegen. Die korrekte Stellung kann mithilfe dieser beiden Pfeilkippschalter sichergestellt werden.

Auf diese Weise läßt sich spielend der 2 Noppen breite Spalt zwischen der Ladekante und dem Wagon überwinden. Jedoch…

Das nächste Hindernis präsentiert sich dem Automobilisten. Denn nun ist die Ladekante zwar nah dran am Waggon, das Auto aber damit noch lange nicht drauf. Ob kräftiges Schieben hilft? Im Regelverkehr wird das diensthabende Kind seine magische Hand eingesetzt haben, aber unsere Minifig hat da ihren Stolz.

Das wäre doch gelacht! So ein Legoland-Standard-Auto muß sich doch rückwärts einparken lassen. Vorwärts geht jedenfalls gar nichts, wie ich als innenstadterprobter Berufskraftfahrer versichern kann. Aber auch für komfortables Rückwärtseinparken müßte mehr Platz auf der Rampe zur Verfügung stehen. Und dann sind da ja noch die Haltemulden auf dem Waggon selbst. Diese erfordern einen sehr sorgfältigen Umgang mit den Pedalen, wenn im Zuge des Einparkens ein Rad in die falsche Mulde gerät. So oder so ist es nicht einfach.

Eigentlich wäre das ein Job für den announcierten Lademeister. Der jedoch ist vollauf damit beschäftigt, in seinem Häusken die Grundlegenden Funktionen dieser Laderampe zu bedienen. Das Kabuff ist übrigens merkwürdig. Grundsätzlich paßt es in seiner roten Grundfarbe mit weißen Fensterrahmen in den Stil anderer Eisenbahn-Gebäude dieser Zeit, als da wären der Bahnhof 7824 und die Bahnübergänge 7835 und 7866. Doch stellen sich Fragen bezüglich der Gestaltung. Wieso weist die Beobachtungsstation geneigte Frontscheiben auf, wenn doch der Blick durch die davor angeordnete Galerie behindert ist? Wieso ist der gelbe Stuhl nicht drehbar, wo sich doch im Rücken des Maschinisten Bedienpulte befinden? (Diese Frage läßt sich freilich durch das zu geringe Platzangebot im Innern beantworten, was den Arbeitsplatz jedoch nicht ergonomischer macht.) Zuletzt möchte ich aus ästhetischen Gesichtspunkten auch die Höhe des roten Horizontalelements über dem Fenstersturz in Frage stellen. Die Höhe des Balkens ergibt sich durch eine Steinhöhe mit Fliesenauflage, um das Dach abhebbar zu machen, doch wird das Kabäusken dadurch kopflastig, da der obere rote Streifen nicht gut mit der Höhe der roten Galerie im unteren Bereich harmoniert. Es ist dieser Maschinenstand eindeutig ein Zweckbau ohne den Anspruch, schön sein zu müssen. Insgesamt mutet dieser Verladebahnhof in seiner Gesamtheit wie eine Flußfähre an.

Unterdessen hat es unserer wackerer Autofahrer doch noch geschafft, seinen fahrbaren Untersatz auf dem fahrbaren Untersatz der Bahngesellschaft zu positionieren. Hocherhobenen Hauptes kann er also die Plattform verlassen (like a boss!) und seinen wohlverdienten Urlaub antreten.


Passaggio a livello 7835.

9. Januar 2016

Im Jahre 19weißnichmehr bekam mein Freund Tim von seiner Oma einen Bahnübergang für seine elektrische Eisenbahn geschenkt. Zu meinem Glück war diese Eisenbahn von Fleischmann, der Bahnübergang aber von Lego, womit Tim nichts anfangen konnte, ich aber doch. Großzügig, wie er war, schenkte er mir also das Set.
Nun, knapp 30 Jahre später, wollte ich 7835 im Rahmen meiner Eisenbahn-Sammlung wieder aufbauen, jedoch fand ich die Schranken nicht in meinen Beständen. (Irgendwo müssen sie freilich sein!) Kurzentschlossen erwarb ich also ein neues Exemplar, mit dem zusätzlichen Vorteil eines Originalkartons. Denn der von damals wurde seinerzeit natürlich umgehend entsorgt. Im Jahre 1988, da mein neues Set verpackt wurde, wie mir der beigefügte Service-Katalog verrät, hätte ich 1625 Italienische Lire bezahlt. Ich bin froh, sagen zu können, daß ich nun nicht denselben Betrag in Euro hinblättern mußte. Hätte ich auch nicht. Absichtsvoll wählte ich erneut ein Exemplar, das für MISB-Sammler den Makel zerschlissener Blisterfolie aufwies und entsprechend billiger war.

Denn ich wollte ja den Karton öffnen und das Modell aufbauen, und an diesem Vorhaben lasse ich mich ungern von seelenloser Plastikfolie hindern.


Die Straßenplatte liegt lose unter dem Schiebekarton. Es offenbarten sich die folgenden Ingredienzien.

Ein Set dieser Größe ist schnell gebaut; die Komplexität ist überschaubar. Erwähnenswert wäre höchstens, daß die Planken der mittgleisigen Fahrspur auf Bohlen aufgelegt sind, die innen aus 1×4- und außen aus je zwei 1×2-Plättchen bestehen. Aus Gründen.

So also steht der Bahnübergang 7835 in der Landschaft des Kinderzimmers. Wie es sich gehört, mit Pappel daneben. Schon der Schrankenwärter im direkten Vorgängerset 7834 durfte im Schatten einer schlanken Pappel auf seinen nächsten Einsatz warten.

Und viel mehr als warten und in unregel- aber fahrplanmäßigen Abständen die Kurbel betätigen, bleibt einem Schrankenwärter nicht zu tun.

Noch weniger zu tun hätte der Wärter eines unbeschrankten Feldwegbahnübergangs. Einen solchen sieht der offizielle Bauvorschlag auf der Rückseite des Anleitungsheftchens vor. Die entsprechenden Straßenschilder mit gitarreschwingender Dampflok werden mitgeliefert. In der neuen Variante mit Fensterchen sind sie ausschließlich in diesem Set enthalten. Und dies ist der erste der oben angedeuteten Gründe: Mit den 1×2-Plättchen werden die Plättchen an der Schwelle befestigt, auf denen die Schilder aufgesteckt sind.

Der zweite Grund ist in dem Umstand zu suchen, daß dieses Set für den Betrieb mit einer 4,5-Volt-Bahn ausgelegt ist. Bei diesem System nimmt die Lok den Fahrstrom aus dem mitgeführten Batteriekasten auf, benötigt also keinen Strom über die Schiene. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß im Kinderzimmer mit Trafostrom gefahren wird, recht hoch, weshalb sich der Bahnübergang entsprechend umrüsten läßt. Dann braucht man statt drei bzw. vier Bohlen für Fahrbahnplanken jedoch deren acht oder mindestens sechs, und in diesem Fall machen sich die zu je zwei 1×2-Plättchen halbierten 1×4er bezahlt.

Der Bahnübergang 7835 stammt aus dem Jahre 1985 und ist somit 5 Jahre jünger als der Bahnübergang 7834. Während dieser (7834) noch aus der romantischen Dampflokzeit stammte und entsprechend beschaulich ausgeführt war, ist jener (7835) schon in der Moderne verortet, was sich am Baustil ablesen läßt. Dessen ungeachtet kann man gar nicht zu viele Bahnübergänge haben, wenn man eine funktionierende Eisenbahnlandschaft auf den Fußboden des Spielzimmers bringen will.


Weihnachtsputz.

15. Dezember 2013

Nostalgie wird in diesem Blögchen ja großgeschrieben. Denn Nostalgie ist ein Substantiv. Heute werfen wir einen Blick zurück ins Jahr 1980 und sehen aufgebaut eine Reihe schöner Sets, die sich hervorragend eigneten, den 1980er Weihnachtswunschzettel zu verlängern. Ich selbst war damals kaum drei Jahre alt und hatte alle diese Wünsche nicht, bekam aber – vielleicht auch erst im Jahr drauf – den Bagger 6678, vorne im Bild, mit Greifschaufel. Und so nach und nach auch alles andere, klar, sonst hätte ich das Bild ja nicht machen können.

Damals war das Legoland die schiere Idylle. Die Häuschen waren klein, die Autos abgasarm (Handbetrieb), und fast jedem Gebäudeset – und nicht nur diesen – lag ein Bäumchen bei, damit der Asphaltdschungel gar nicht erst wucherte. Die ausreichend vorhandenen Bäume waren auch wunderbar dazu zu gebrauchen, die Straßen- und Grundplatten an den Ecken zu verbinden. Jahá, die hatten mitgedacht in Billund! Meine persönliche Lieblings-Idyll-Ecke in obigem Diorama ist übrigens die Pappel am Schrankenwärterhäuschen. Das atmet Geruhsameit.

Und Weitblick bewiesen die Billunder auch. Die wußten ganz genau: Lego, das lange offen rumsteht, staubt ein. Wohl deshalb war der Besen mit das erste Minifig-Utensil, welches es überhaupt gab, neben Schaufel, Spitzhacke und Schraubwerkzeug. Aber auch die kleine Handbürste, zunächst nur als Haarbürste für Kugelköpfe verwendet, etwa im Salon Colette 230, paßt da ins Bild. Die Straße fegende Minifigs sieht man allerorten, hier den Hausmeister der Garage 361, und dem Straßenkehrer wurde sogar ein eigenes Set gewidmet, 605. Das Legoland war sauber.
Und für mich, der ich das Diorama aufbaute und photographierte, war dies auch ein willkommener Anlaß, mal durchzusaugen, am Sonntag, dem dritten Advent, naja. Das soll’s mit dem Weihnachtsputz auch gewesen sein.


Vier Fenster für ein Halleluja.

6. Dezember 2013

Seit einiger Zeit sammle ich eingestandenerweise Lego-Eisenbahnsets der 1980er Jahre. Da diese auf grauen Schienen fuhren, spricht man hier in Abgrenzung zur vorherigen Blaue-Schienen-Zeit von der „grauen 12-Volt-Ära“, was außer acht läßt, daß nicht alle Züge mit einem 12-Volt- oder überhaupt einem Motor ausgestattet waren. Für den kleinen Geldbeutel hielt das Programm auch Schiebezüge bereit, zum Beispiel auch die „Lokomotive ohne Motor“ 7810, Baujahr 1980. Oder in meinem Fall: Baujahr 2013.

Denn das Exemplar, welches mich erreichte, war zwar nicht mehr im Karton versiegelt, aber doch einigermaßen unbenutzt. Der Inhalt des Klappkartons hat mich allerdings etwas erstaunt:

Denn daß größere Elemente bisweilen ab Werk lose im Karton liegen, kenne ich ja; aber den Figurenoberkörper, die Leiterchen und die Rundeinerplättchen hätte ich doch in einem der Beutel erwartet. Die Zusammenstellung der losen Teile legt auch nicht die Vermutung nahe, daß sie ursprünglich in einem dritten, zwischenzeitlich geplatzten Beutel enthalten waren. Sei’s drum! die beiden geschlossenen Beutel mußten jedenfalls auch dran glauben, denn ich wollte das Maschinchen ja bauen.

33 Jahre alte Teile, von keines Menschen Hand berührt. Und das blieb auch erst einmal so, denn zum Bauen streifte ich Handschuhe über. Jahá, ich entblödete mich nicht. Freilich gebe ich zu, daß ich aus meinem Vorrat drei gelbtransparente Rundplättchen holte, um die jungfräulichen Gußstücke nicht antasten zu müssen.

Vom ursprünglichen Plan, die Bauschritte minutiös im Bild festzuhalten, nahm ich sehr schnell Abstand, denn so spektakulär ist das alles nicht.

Im Innern bleibt ein großer Hohlraum. Denn es soll ja ein Motor nachrüstbar sein, und dieser würde zusätzlich den Einbau von Gewichtssteinen verlangen. Stilecht müßte es natürlich ein roter Motor sein, einzeln zu erwerben war allerdings nur der schwarze Motor 7865. Einerlei, hier wird bis auf weiteres gar kein Motor eingebaut.

Vielmehr stellt sich mir die Frage, ob ich die Aufkleber aufkleben soll? Wo ich schon keinen Respekt vor verschlossenen Tütchen hatte, könnte mir die Unbenutztheit der Aufkleber ja auch schnuppe sein. Ist sie mir eigentlich auch, aber Kleber über mehrere Steine zu kleben, widerstrebt mir irgendwie. Na, mal sehen.

Als ich den Karton öffnete, wunderte mich noch das ulkige Format des Behältnisses. Doch das war durchdacht! Damals (Klammer auf: früher. Klammer zu) war ein Lego-Set noch ein Gesamtkunstwerk, welches auch die Ausführung des Kartons miteinbezog. Und die kleinen Eisenbahn-Kartons dienten ausdrücklich der Aufnahme des gebauten Modells als Sammlerstück.

Es macht auch nichts, die kleine Dampflok direkt wieder zu verstauen, denn so besonders ist sie nicht. Wären da nicht, ja wären da nicht die vier schwarzen 2×2-Fenster am Führerstand! Diese gab es überhaupt nur in vier Sets, und nur in 7810 gleich derer vier. Ansonsten, naja, eine Dampflok halt. 1980 war die Dampflokzeit der Bundesbahn bereits drei Jahre her, aber wohl noch ausreichend frisch im Gedächtnis, um als Lego-Set in Frage zu kommen. Ich selbst kenne eine Lok dieser Art, die zu Lebzeiten wohl mal als kleine Rangierlok irgendwo eingesetzt wurde, bloß noch vom Kinderspielplatz im Dortmunder Zoo, wohin sie, alle beweglichen Teile festgeschweißt, nach Außerdienststellung verbracht wurde.



Nachtrag am 10ten Februar 2014:

Möglicherweise wurden einige, nämlich die lose im Karton befindlich gewesenen Teile doch schon von eines Menschen Hand berührt. Denn wie Goldfing und TF mir glaubhaft machen konnten (anhand von Bildmaterial, welches mir zugespielt wurde), waren bis auf die Motorrahmenplatte und die Magnete diese losen Teile durchaus gemeinsam in einem Tütchen.


30 Jahre Verspätung.

8. September 2013

Nostalgie is’ ’ne Bitch. Seit der Kindheit schleppe ich legobezügliche Sehnsüchte mit mir herum, die ich längst überwunden glaubte. Das Thema Eisenbahn spielte in meinem Kinderzimmer nie eine große Rolle. Zwar hatte ich ein Set 724, das meine Mama 1984 (!) vom Ramschtisch eines Spielzeugladens klaubte, und darum auch einen grauen 12V-Trafo und eine Packung graue Schienen, die nicht zu den blauen Kurven des Zugsets paßten. Aber das war’s dann auch. Die Bilder auf den Eisenbahnseiten des Katalogs waren spannend, aber meine Geschenkkapazitäten wurden von anderen Dingen aufgezehrt.

Im Zuge meiner AFOL-Werdung kaufte ich dann noch diverse Eisenbahnsets, weil ich anfangs noch glaubte, ich könne oder müsse ja alles sammeln. Das Sonderset 3225 wurde angeschafft, und da ich mich dem Hype nicht zu entziehen vermochte, auch die Santa-Fe-Lok 10020 samt zugehöriger Waggons in benötigter Anzahl. Ich machte mir nicht die Mühe, die Lok zu motorisieren, da mir Vergnügen an Lego vornehmlich das Bauen bereitet, und es nicht nötig ist, am Regler zu stehen und Züge im Kreis fahren zu lassen. Aus demselben Grund unterließ ich es auch, den Smaragd Express 10194 mit einer aufwendigen Motorisierung zu versehen. Das faszinierende Rattern des Fahrwerks spielt sich auch im Schiebemodus ab.

Aber ach. Nun erbot sich die Gelegenheit, Barbaras Rangierlok 7760 zu übernehmen, in schönem Sammelzustand. Und so ein Schätzchen will natürlich auch mal fahren, und zwar standesgemäß auf grauen Schienen. Also mußte ich zunächst mal Kurven besorgen. Und wo ich gerade dabeiwar, auch gleich noch Weichen. Und, was soll der Geiz! ein Signal und, um die 12V-Infrastruktur zu vervollständigen, auch noch den elektrischen Bahnübergang. Und alles nur, um an einem trüben Sonntagnachmittag nostalgische Szenen wie diese aufzubauen:


Der Bahnübergang 7866 ist Baujahr 1983. Ein Blick auf den Kalender versichert mich darin, daß gegenwärtig das Jahr 2013 läuft. Eigentlich finde ich es ein bißchen spät, um jetzt noch ins 12-Volt-Geschäft einzusteigen. Aber was soll ich machen, die 80er Jahre waren meine Zeit und bilden meinen Sammelschwerpunkt. Außerdem macht es wirklich Spaß, Weichen, Signale und Schranken mit einem Tastendruck zu bedienen. Soviel also zu meinem Schwur: „Elektrifizierung muß nicht sein!“ Jetzt hoffe ich, daß ich mich wenigstens am Riemen reißen kann und nicht alles ranschaffe, was es an 12-Volt-Material so gibt. Denn der Zug ist keineswegs abgefahren, bloß die Ticketpreise haben sich deutlich erhöht.