Ich war eine Birke.

12. November 2012

Bäume aus Lego zu bauen, die eindeutig einer bestimmten Gattung zuzurechnen sind, hat mich schon länger fasziniert. So baute ich im Jahre 2001 diese Birke am Brückenhaus der Feste Falckenstein, damals noch mit recht spärlicher Belaubung. Das schlanke Bäumchen mit Doppelstamm schaute ich der Realität ab, nämlich einer Birke, die einst in unserem Garten wuchs. Späterhin rezyklierte ich vermutlich dasselbe Exponat in der Umgebungsbotanik von Greisbarts Turm im Einsamen Wald. Noch später fiel mir auf, daß die Blätter und kleinen Zweige von Birken gar nicht unbedingt so himmelwärts strebend sind, wie ich sie dargestellt hatte, sondern daß die Birken gegenüber meiner Behausung eher trauerweidenähnliche Bezweigung aufwiesen. Das veranlaßte mich zum Umbau; statt waagerechter großer Laubteile ließ ich nun zu Ketten verbundene kleine Laubteile sprießen. Sobald Lego die ehedem nur in normalgrün erhältlichen großen Laubteile auch in hellgrün herstellte, bereute ich dies etwas, denn die kleinen Laubteile waren in hellgrün nicht verfügbar, wiewohl diese Laubfarbe passender gewesen wäre.
So bruchanfällig diese Birke auch war, reiste sie doch relativ unbeschadet zu Ausstellungen in Berlin, Skærbæk und ins Wolfsburger Phaeno, wo ihre Stabilität freilich auf eine dermaßen harte Probe gestellt wurde, daß sie zerbrach. Damals baute ich sie noch einmal auf, aber die Rückreise überlebte sie abermals nicht, weshalb die Bruchstücke dann jahrelang in einem offenen Kasten darauf warteten, daß ich Bock bekäme, sie wieder instandzusetzen – doch das Warten blieb vergeblich. Zwischenzeitlich mischten sich gar dank offenen Fensters echte Birkenpollen unter den Staub, der mittlerweile die Splitter bedeckte. Und darum war jetzt Schluß. Die Bruchstücke wurden jetzt ordnungsgemäß zerhackt, gesäubert und wegsortiert.

Irgendwie berichte ich über meine Lego-Bäume immer erst, wenn sie zu Totholz wurden. Ist auch ’n bißchen destruktiv…

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Ich war zwei Zypressen.

27. Februar 2012

Neben dieser vorromanischen Palastaula, die im Original nahe Oviedo in Nordspanien steht und als Lego-Nachbau in meiner Behausung, wach- sen zwei ranke Zypressen. Jedenfalls auf dem Bild. Und auch auf vielen Bildern, die dieses Lego-Bauwerk auf Ausstellungen zeigen, zum Beispiel in Frechen, in Berlin, in Skærbæk und im Wolfsburger Phaeno, wovon es ausgerechnet keine Bilder im Internet zu geben scheint. Die Zypressen sehen filigran aus und sind es auch, was ihnen aber bei sicherem Stand nichts ausmacht, denn innertürs weht kein Wind. Problematisch für so einen Lego-Baum ist vielmehr der Transport, den ich aber mittels ausgebuffter Technik bruchsicher zu gestalten wußte:

Zypresse an der Spitze und knapp oberhalb der Wurzel festhalten, dann mit wohldosiertem Ruck von der Platte lösen; noch einmal sanft in Stammrichtung von beiden Seiten festdrücken und ins Innere der Aula auf eines von zwei bereitliegenden, zur Hohlkehle gekrümmten DIN-A4-Blätter legen, mittels derer man den Baum dann leicht wieder herausheben kann.

Das war der Plan. Den hätte ich bei der letzten Reise der Bäume mal besser öffentlich ausgehängt, denn während der Ausstellung im Phaeno wurden die Bauwerke in meiner Abwesenheit einmal umgruppiert. Schieb, ruckel, zack! Die Bäume fielen natürlich um und zersplitterten. Kann ja passieren. Meine Freundin hat das dann notdürftig repariert und die Bäume auch einigermaßen gut wieder hinbekommen. Aber beim Abbau, wiederum in meiner Abwesenheit, dasselbe: Bauwerk angehoben, um es in eine Kiste zu stellen – die Bäume waren gefällt.

Wie gesagt, das kann passieren, ich nahm’s auch niemandem übel. Allerdings bestätigt sich durch derlei Vorkommnisse, daß besser nur der Erbauer selbst einen Lego-Eigenbau bewegt.
Jedenfalls lagen die Bruchstücke dieser Zypressen dannach zwei Jahre bei mir herum und staubten zu, weil ich keinen Bock hatte, sie wieder aufzubauen. Totholz, sozusagen. Bis ich mich nun endlich entschloß, den Krempel ordentlich zu zerschreddern. Und es ist doch erstaunlich, wieviel Material zwei so dünne Bäumchen verschlingen:

Ein Studium der enthaltenen Teile läßt durchaus Rückschlüsse auf die Bautechnik zu. Man hatte mich zwar verschiedentlich um ein Making-of dieser Zypressen gebeten, aber irgendwie war ich nie dazu gekom- men. Nun denn.


Ein Türmlein stand im Walde.

22. Februar 2011

Und zwar dieses, in meiner an Lego nicht eben armen Kemenate, ungefähr acht Jahre lang. Da steht es noch immer, doch sein Glanz verblaßt. Der böse Feind Staub eroberte nämlich das Terrain Noppe um Noppe. Er fand einen dankbaren Gegner, denn das grüne Lego-Blattwerk giert geradezu danach, vom Staube bedeckt zu werden. Vor allem ist es kaum möglich, diesen zwischen den hohlen Noppen und den Verzweigungen zu entfernen, wenn man versucht, ihm mit dem Pinsel zu Leibe zu rücken. Das Material ist weich und zugleich angerauht, wie geschaffen dafür, den Staub dauerhaft an sich zu binden. So wurde denn das satte Grün um den Turm herum immer grauer und flockiger.

Damit nicht genug. Denn dieses Lego-Gestrüpp ist verflixt bruchanfällig. Sobald jemand leicht dagegentitscht, bricht was ab oder ein Baum in sich zusammen, den organisch zwischen seine Zweige hineingewachsenen Nachbarbaum mitreißend. Solange das MOC* noch jung und aufregend war, setzte ich die Baumleichen rasch instand. Aber in den acht Jahren, die der Turm hier steht, verglomm die Leidenschaft, daher blieben die gefällten Bäume einfach liegen, wo sie lagen. Und die sammelten immer mehr Staub, denn staubsaugen war keine Option, weil allzu leicht lose Kleinteile hätten weggesaugt werden können.
*) My Own Creation, ein Eigenbau

Bis es mir heute reichte und ich endlich mal des Staubes Herr werden wollte. Ich saugte zunächst also vorsichtig die Staubflocken zwischen dem Lego hervor, erwischte natürlich auch das ein oder andere Kleinteil. Aber merke: Du weißt, daß du zuviel Lego hast, wenn dir weggesaugte Teile gleichgültig sind. Jedoch war auf diese Weise dem Staub nicht großflächig beizukommen; das Grünzeug mußte da weg. Also räumte ich es weg. Die einzelnen Baumgfragmente hatten eine Reinigung auch sehr nötig, was sich am einfachsten bewerkstelligen ließ, indem ich sie auseinanderbaute.

Kurz gesagt: Das war’s jetzt mit den Bäumen!

Die Chance, daß ich den Hügel wieder aufforste, ist verschwindend klein. Ich erwäge sogar, den ganzen Turm endlich abzubauen. Lego – jeden Tag ein neues Spielzeug. Von wegen!


Nie wieder Bäume!

28. September 2010

Immer wenn ich sowas in der Art (Bild is’n Link) baue, vor allem aber, wenn ich dergleichen ausstellungshalber durch die Republik und auch darüber hinaus geschlörrt habe, stoße ich hinterher einen grimmigen Schwur aus, der ungefähr exakt folgendermaßen lautet: „Nie wieder Bäume!“ Grazile Scheiße, bruchanfälliges Unkraut!

Dabei geht das ja auch einfacher:

An den Schwur hielt ich mich schon wiederholt nicht. Zählt sowas als Meineid?