30 Jahre Verspätung.

8. September 2013

Nostalgie is’ ’ne Bitch. Seit der Kindheit schleppe ich legobezügliche Sehnsüchte mit mir herum, die ich längst überwunden glaubte. Das Thema Eisenbahn spielte in meinem Kinderzimmer nie eine große Rolle. Zwar hatte ich ein Set 724, das meine Mama 1984 (!) vom Ramschtisch eines Spielzeugladens klaubte, und darum auch einen grauen 12V-Trafo und eine Packung graue Schienen, die nicht zu den blauen Kurven des Zugsets paßten. Aber das war’s dann auch. Die Bilder auf den Eisenbahnseiten des Katalogs waren spannend, aber meine Geschenkkapazitäten wurden von anderen Dingen aufgezehrt.

Im Zuge meiner AFOL-Werdung kaufte ich dann noch diverse Eisenbahnsets, weil ich anfangs noch glaubte, ich könne oder müsse ja alles sammeln. Das Sonderset 3225 wurde angeschafft, und da ich mich dem Hype nicht zu entziehen vermochte, auch die Santa-Fe-Lok 10020 samt zugehöriger Waggons in benötigter Anzahl. Ich machte mir nicht die Mühe, die Lok zu motorisieren, da mir Vergnügen an Lego vornehmlich das Bauen bereitet, und es nicht nötig ist, am Regler zu stehen und Züge im Kreis fahren zu lassen. Aus demselben Grund unterließ ich es auch, den Smaragd Express 10194 mit einer aufwendigen Motorisierung zu versehen. Das faszinierende Rattern des Fahrwerks spielt sich auch im Schiebemodus ab.

Aber ach. Nun erbot sich die Gelegenheit, Barbaras Rangierlok 7760 zu übernehmen, in schönem Sammelzustand. Und so ein Schätzchen will natürlich auch mal fahren, und zwar standesgemäß auf grauen Schienen. Also mußte ich zunächst mal Kurven besorgen. Und wo ich gerade dabeiwar, auch gleich noch Weichen. Und, was soll der Geiz! ein Signal und, um die 12V-Infrastruktur zu vervollständigen, auch noch den elektrischen Bahnübergang. Und alles nur, um an einem trüben Sonntagnachmittag nostalgische Szenen wie diese aufzubauen:


Der Bahnübergang 7866 ist Baujahr 1983. Ein Blick auf den Kalender versichert mich darin, daß gegenwärtig das Jahr 2013 läuft. Eigentlich finde ich es ein bißchen spät, um jetzt noch ins 12-Volt-Geschäft einzusteigen. Aber was soll ich machen, die 80er Jahre waren meine Zeit und bilden meinen Sammelschwerpunkt. Außerdem macht es wirklich Spaß, Weichen, Signale und Schranken mit einem Tastendruck zu bedienen. Soviel also zu meinem Schwur: „Elektrifizierung muß nicht sein!“ Jetzt hoffe ich, daß ich mich wenigstens am Riemen reißen kann und nicht alles ranschaffe, was es an 12-Volt-Material so gibt. Denn der Zug ist keineswegs abgefahren, bloß die Ticketpreise haben sich deutlich erhöht.

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