Auto-Transporter 7839.

23. Dezember 2016

Irgendwie hat sich bei mir die Tradition eingeschlichen, gegen Jahresende alte Lego-Eisenbahnsets anzuschaffen. Als ich im Juli 2013 Barbaras Rangierlok 7760 übernahm, weil sie halt so niedlich ist, dachte ich noch, die paar Schienen-Zukäufe, mit denen ich dem Lökchen eine angemessene Bahn baute, wären das Äußerste. Ich irrte. Nach und nach holte ich so allerhand Material von den grauen Seiten der 80er-Jahre-Kataloge ran, nun also diesen „Auto-Verlade-Bahnhof mit Spezial-Flachwaggon, Auffahrrampe, Pkw, Fahrer und Lademeister“, wie der 1986er Katalog sich etwas ausführlicher gibt als der Kartonschriftzug. Und mit gelindem Erschrecken wurde mir soeben bewußt, daß meine Sammlung damit auch schon alles an Eisenbahn-Gebäuden umfaßt, was das Programm zu bieten hatte, mal abgesehen von den Bahnsteigen bei den Zugsets.

Die Firma Lego residiert in Billund, Billund liegt in Jütland, Jütland hat unter anderem eine Nordseeküste, südlich der dänischen Nordseeinsel Rømø befindet sich Sylt, und Sylt wird legendärerweise über den Hindenburgdamm per Autoreisezügen mit Benzinkaleschen versorgt, damit die Prominenten nicht auf den Porsche in der Einfahrt ihres Friesenhäuschens verzichten müssen. Gab es also für Lego Naheliegenderes, als einen Auto-Verladebahnhof ins Programm zu nehmen? Keineswegs. Das Set 7839 bietet unbestreitbar Spielwert, es hat jedoch auch seine Tücken.

Beobachten wir also einen Sylturlauber bei der Verladung seines Porsches (abstrahierte Darstellung). Der Lademeister bemerkt das Fahrzeug die Rampe herauffahren und begibt sich verschmitzt lächelnd in seine Steuerzentrale.

Hier muß der Sommerfrischler die erste Hürde überspringen: Der Ticketautomat ist für Minifigarme weit entfernt. Aber die Schranke muß zuvörderst sich öffnen, ohne dem kann die Reise nicht losgehen. (Ja, dieses Set ist ein Gebrauchtkauf, aber die hintere Schiene wirkt auf dieser Photographie weitaus vergilbter, als sie ist, was ich den winterlichen Lichtverhältnissen zuschreibe.)

Der Schrankenbaum ist in SNOT-Bauweise¹ an einen 2er Drehteller gebaut und hier in der Tat vergilbt. Da er sich schließlich öffnet, kann das Auto auf die Ladeplattform gefahren werden. Diese ist verschiebbar in 12 graue Schiebetorschienen eingehängt, was viel klingt, aber nur den zweiten Platz hinter der Containerbrücke 7823 bedeutet, wo derer 18 verbaut sind. Schön ist auch die gelb markierte Sicherheitszone, eine Intarsienarbeit in ABS².

¹) Studs Not On Top, also Noppen irgendwie, bloß nicht oben.
²) Acrylnitril-Butadien-Styrol, der Stoff, aus dem die Träume sind.

Die Mechanik hinter dieser Ladeplattform ist denkbar einfach. Man schiebe die Plattform dem Waggon entgegen. Die korrekte Stellung kann mithilfe dieser beiden Pfeilkippschalter sichergestellt werden.

Auf diese Weise läßt sich spielend der 2 Noppen breite Spalt zwischen der Ladekante und dem Wagon überwinden. Jedoch…

Das nächste Hindernis präsentiert sich dem Automobilisten. Denn nun ist die Ladekante zwar nah dran am Waggon, das Auto aber damit noch lange nicht drauf. Ob kräftiges Schieben hilft? Im Regelverkehr wird das diensthabende Kind seine magische Hand eingesetzt haben, aber unsere Minifig hat da ihren Stolz.

Das wäre doch gelacht! So ein Legoland-Standard-Auto muß sich doch rückwärts einparken lassen. Vorwärts geht jedenfalls gar nichts, wie ich als innenstadterprobter Berufskraftfahrer versichern kann. Aber auch für komfortables Rückwärtseinparken müßte mehr Platz auf der Rampe zur Verfügung stehen. Und dann sind da ja noch die Haltemulden auf dem Waggon selbst. Diese erfordern einen sehr sorgfältigen Umgang mit den Pedalen, wenn im Zuge des Einparkens ein Rad in die falsche Mulde gerät. So oder so ist es nicht einfach.

Eigentlich wäre das ein Job für den announcierten Lademeister. Der jedoch ist vollauf damit beschäftigt, in seinem Häusken die Grundlegenden Funktionen dieser Laderampe zu bedienen. Das Kabuff ist übrigens merkwürdig. Grundsätzlich paßt es in seiner roten Grundfarbe mit weißen Fensterrahmen in den Stil anderer Eisenbahn-Gebäude dieser Zeit, als da wären der Bahnhof 7824 und die Bahnübergänge 7835 und 7866. Doch stellen sich Fragen bezüglich der Gestaltung. Wieso weist die Beobachtungsstation geneigte Frontscheiben auf, wenn doch der Blick durch die davor angeordnete Galerie behindert ist? Wieso ist der gelbe Stuhl nicht drehbar, wo sich doch im Rücken des Maschinisten Bedienpulte befinden? (Diese Frage läßt sich freilich durch das zu geringe Platzangebot im Innern beantworten, was den Arbeitsplatz jedoch nicht ergonomischer macht.) Zuletzt möchte ich aus ästhetischen Gesichtspunkten auch die Höhe des roten Horizontalelements über dem Fenstersturz in Frage stellen. Die Höhe des Balkens ergibt sich durch eine Steinhöhe mit Fliesenauflage, um das Dach abhebbar zu machen, doch wird das Kabäusken dadurch kopflastig, da der obere rote Streifen nicht gut mit der Höhe der roten Galerie im unteren Bereich harmoniert. Es ist dieser Maschinenstand eindeutig ein Zweckbau ohne den Anspruch, schön sein zu müssen. Insgesamt mutet dieser Verladebahnhof in seiner Gesamtheit wie eine Flußfähre an.

Unterdessen hat es unserer wackerer Autofahrer doch noch geschafft, seinen fahrbaren Untersatz auf dem fahrbaren Untersatz der Bahngesellschaft zu positionieren. Hocherhobenen Hauptes kann er also die Plattform verlassen (like a boss!) und seinen wohlverdienten Urlaub antreten.


Container-Kran 7823.

16. August 2015

Köln-Eifeltor, irgendwie. Der Katalogtext im Erscheinungsjahr 1986 sagt dazu: „Container-Bahnhof mit Portalkran, Containertragewagen, Lkw, Schienen und Verladepersonal.“
Stillschweigend vorausgesetzt wurde die Straßenplatte. Diese weist hier schon Fahrradwege beidseits der Fahrbahn auf, und als solche ist sie die allererste in meinem Bestand. Ich legte mir das Set im Jahre 2015 zu.

Offenbar hat es einst 1799 Belgische Franken gekostet, also um die 80 DM. Der Schiebekarton ist in Folie eingeschweißt, auf Englisch „shrink wrap“ geheißen. Und das stimmt. Der Karton wurde von der Folie ganz schön zusammengeshrinkt, und die Folie ist an einigen Stellen schon eingerissen. Also weg damit!




Natürlich zog ich vor dem Auspacken Handschuhe über, damit diese von keines Menschen Hand je berührten Teile auch fürderhin fettfrei und jungfräulich blieben.

Es ist mal wieder eine Zeitenwende, wie annähernd jedes Modelljahr. Hier treffen Autoräder mit roten Felgen an Metallachsen auf neuartige Steckräder. Und es sind Teile mit und ohne eingeprägte Formnummer enthalten, beispielhaft sei diese blaue 4×8-Platte vorgezeigt, die noch keine Formnummer aufweist, wiewohl solche schon seit mindestens 1984 in Gebrauch waren:

Na, jedenfalls. Nach dem traditionellen Zusammenstecken der Minifiguren regt die Bauanleitung den Zusammenbau des Lkw an. Hier kommt es zu ersten Unregelmäßigkeiten. Denn wenn man alles so zusammensteckt, wie vorgezeichnet, läßt sich die Hinterachse nicht drehen.


Wäre das alte Ösenplättchen mit dünnem Ring als Rückleuchte verwendet worden, wie noch auf dem Titelbild gezeigt, hätte es wohl gepaßt; so aber klappt es nicht. Eigenmächtig versetzte ich die Hinterachse also um eine Noppe nach vorne.
Der zweite Fauxpas betrifft die Halterung für den Container auf der Ladefläche:

Das hält so nicht. Also erlaube ich mir auch hier Eigenmächtigkeit.
Weiter geht’s mit dem Fundament für die Container-Brücke. Und schon wieder gerate ich ins Stocken. Es fehlen Teile! Acht schwarze 8er-Schienen würden gebraucht, aber im Karton waren nur deren sechs. Frechheit! Ich sollte mich bei Paul Prima vom Lego-Service beschweren.

Zum Glück habe ich ein einigermaßen gut sortiertes Ersatzteillager, so daß der Zusammenbau weitergehen kann. Im folgenden spare ich mir die Bebilderung aller Bauschritte. Es sind ohnehin nicht viele, da das Anleitungsheft nur auf ergreifende 12 Seiten kommt. Heutzutage wäre ein vergleichbares Modell über mehrere dicke Anleitungshefte verteilt.
Den eleganten Aufbau der Laufkatze (Heißt das so?) hielt ich jedoch eines Bildes für würdig:

Am Ende blieben eine rote 1×1-Fliese und ha! zwei graue 8er-Schienen übrig. Diese hätten natürlich schwarz sein sollen, aber ihr Vorhandensein erklärt, wie die Packung unbeanstandet durch die Gewichtskontrolle kommen konnte. Für die Schalthebel ist hier noch kein Ersatzteil vorgesehen.

Und wie schon häufiger stand ich wieder vor der Frage: Aufkleber aufkleben? Die Entscheidung lautet diesmal: Ja! Was soll der Geiz.

Fürs Bild mußte ich den Laster albern einparken, weil der Tisch irgendwie schrägstand und der Wagen sonst gerollt wäre. Den Waggon konnte ich unauffällig abbremsen.

Damals™ dachte Lego noch mit. Für den Kranführer wurde eine Aufstiegshilfe geschaffen. Ein Luxus, den der Kranführer der nächstfolgenden Containerbrücke im Hafenset 6542 aus dem Jahre 1991 schon nicht mehr genießen konnte.

Durch die Überkopfanordnung der Laufkatze (Das heißt bestimmt so!) kann der Kranführer auch sehen, wo er mit seinem Container hinmuß. Bloß beim Einfädeln des schweren Metallhakens braucht er etwas Hilfe.

Hat man den Haltebolzen auf dem Lkw sachgemäß versetzt, paßt der Container hier gut drauf. Der Spalt zwischen Container und Fahrerhaus läßt Raum für die Containertüren, wenn ein Container andersherum aufgesetzt wird.

Der Containertragewagen ist unauffällig aber zweckmäßig gebaut. Die Bügel an den Stirnseiten halten die Türen der Behälter während der Fahrt geschlossen. Das ist nötig, weil in jedem Container vier gelbe 1×2-Steine lagern. Freilich trägt der Waggon zwei Stück Gut, während der Lkw nur derer eins wegschaffen oder anliefern kann. Ein Container müßte also auf der Ladestraße zwischengeparkt werden, so denn der Güterzug eilig abfahren möchte.

Zu guter Letzt weist die Containerbrücke noch ein Feature auf, welches im vorliegenden Fall etwas merkwürdig erscheint: Das frachtseitige Ende läßt sich hochklappen. Dergleichen beobachtet man bei Hafenkränen, um den Weg freizumachen für die hohen Aufbauten der dicken Pötte. An einem Containerbahnhof, wo nur tunnelbedingt in der Höhe genormte Züge darunter herfahren, wäre dieses technische Kabinettstückchen überflüssig. Nichtsdestotrotz ist es eine schöne Funktion, die einerseits den Spielwert erhöht, andererseits aber diesen Portalkran auch am Ladekai einsetzbar werden läßt.
Und damit: Feierabend!


Ferngesteuerte Entkupplungsanlage 7862 (12-Volt) (Teil 2).

3. Oktober 2014

Natürlich konnte ich diese Entkupplungsanlage nicht einfach ungetestet lassen. Den Kasten mit dem Vierteldrehaggregat setzte ich zwar nur lose auf, aber zumindest den Mechanismus baute ich zusammen. Die Elektrik funktioniert sogar auch in dieser Konstellation. Wenig überraschenderweise gibt es die Zustände „freie Durchfahrt“ und „Entkupplung“, wobei sich der Drehteller anhebt und die Sporne den Weg auf der Stomschiene verlegen:


Welcher Zustand durch welchen Taster herbeigeführt wird, hängt vor allem von der Steckrichtung des Kabelsteckers ab. Einen direkten logischen Zusammenhang zwischen dem Symbol auf dem Schalter und der jeweils ausgelösten Wirkung vermag zumindest ich nicht zu erkennen.

Bei „freier Durchfahrt“ bleibt der Drehteller bescheiden im Gleis eingebettet und stört nicht weiter. Die Kupplungen gleiten einfach darüber hinweg.

Die intendierte Wirkung scheint zu sein, durch die schrägen Sporne die Kupplungen auseinanderzudrücken, wodurch einerseits die Haltekraft der Magneten gemindert wird und andererseits der hintere Waggon schlicht zurückgehalten wird. Der vordere Zugteil fährt also ohne den hinteren weiter.

Die weniger intendierte Methode ist, den herausgehobenen Drehteller stumpf gegen die Achse des hinteren Waggons prallen zu lassen. Eine entkuppelnde Wirkung ergibt sich auch auf diese Weise. Hier ist natürlich Voraussetzung, daß tatsächlich eine Achse des hinteren Waggons gegen den Teller prallt, und nicht die hintere Achse des vorderen Waggons. Ein bißchen zielen muß man also in jedem Fall.

Scheint zu funktionieren, einem elektrifizierten Rangierbahnhof steht also lediglich noch der Mangel an Schienenmaterial, insbesondere Weichen, entgegen.
Übrigens ließ sich die eingestöpselte Stromleiterschiene problemlos lösen, so daß ich nach dem Probelauf die Anlage wieder im Karton verstauen konnte. Wie üblich war die ganze vorherige Aufregung unnötig.


Ferngesteuerte Entkupplungsanlage 7862 (12-Volt).

24. September 2014

Als ich vor gut einem Jahr den wahnwitzigen Beschluß faßte, mit 30 Jahren Verspätung doch noch 12-Volt-Eisenbahnsets zu sammeln, ging ich Irrsinniger direkt einen Schritt weiter: Und zwar mit Originalkartons! Denn diese Eisenbahnsets sind tatsächlich für die Sammlung gedacht und nicht – anders als vieles andere, was ich so an Lego anschaffe –, um Material für Eigenbauten zu liefern. Also sind die Originalkartons bestens geeignet, um die Modelle stilecht zu lagern. Naja, selbst schuld, denn diese Direktive hat blöde Nebenwirkungen.

Erstens sind Sets mit Originalkarton natürlich teurer in der Anschaffung als loser Kram. Und zweitens… Nee, ich ziehe es anders auf. Dies ist also der Inhalt des besagten Sets. Doppelpunkt. Wie man sieht, ist alles nach Lego-Art fein in Einzelteile zergliedert.

So auch die spezielle Formteilgrundplatte, die so nett ihren vorgeschriebenen Platz im Styropor des Schiebekartons hat. Auf diese soll man neben dem Entkupplungsmechanismus natürlich auch den elektrischen Antrieb sowie die Gleise montieren. Außerdem findet ein Signalmast Platz.

Leider verfolgt Lego hier eine Strategie der Unumkehrbarkeit. Denn sowohl der Kasten mit dem Antriebsaggregat, als auch die eigens für dieses Set gefertigte Mittelleiterschiene werden nicht mit bloßer Noppenkraft auf der Platte gehalten, sondern mit stabilen Klipps.

Die Erfahrung mit einer ladenneuen Weiche 7859 zeigt, daß sich derart verbundene Teile nur mit großem Zerstörungsrisiko trennen lassen.

Hinsichtlich des Antriebskastens ist das nur halb so wild. Selbst wenn es ärgerlich ist, daß ein eigentlich neues Element nun offiziell kaputt ist, führen die abgebrochenen Halteklippse nicht zu einer Funktionseinschränkung. Brächen hingegen die Klippse der Stromschiene ab, läge diese in der Mitte schwimmend auf. Zwar ist dieser Ernstfall bis jetzt nicht eingetreten, aber noch habe ich die Schiene ja auch nicht eingeklippst.
„Warum sollte man da überhaupt wieder irgendwas trennen wollen?“ höre ich den geneigten Leser fragen, und das hat sich offenbar auch Lego selbst gefragt, als sie das Teil in dieser Form herstellten. Die Antwort lautet jedenfalls: „Damit man das Teil wieder im Karton verstauen kann.“ Dafür habe ich ihn schließlich angeschafft. Die Kartons des rollenden Materials hat Lego jedenfalls eigens so gestaltet, daß das jeweilige Modell im Ganzen hineinpaßt.

Und jetzt bin ich zimperlich. Natürlich würde ich sehr gerne diese Entkupplungsfunktion ausprobieren, zumal mir vorliegende Berichte anderer diesem Set nicht durchwegs gute Noten ausstellen. Aber ich traue mich nicht. Bleibt mir also vorerst nur die theoretische Betrachtung. Bis jetzt fragte ich mich zum Beispiel, wieso diesem Set überhaupt solch ein Signalmast beiliegt, wenn doch daran gar kein Signal oder Schild befestigt ist. Meiner Vermutung nach dient jedoch der Mast dazu, auf einige Entfernung, am Trafo sitzend, besser abschätzen zu können, wo genau die zu trennende Kupplung plaziert sein muß. Na, irgendwann werde ich es natürlich doch mal feststellen.


Bahnhof 7824.

19. Juli 2014

Oder ausführlicher: „Bahnhof mit Bahnsteig, Wartehalle, Eisstand, Normaluhr, Gepäckkarren, Schienen, Personal und Fahrgästen“, wie der 1983er Katalog über die damalige Neuheit zu berichten wußte. Nur 31 Jahre später kann ich bestätigen: Stimmt. Doch dazu war es nötig, das Modell erst einmal aufzubauen, denn das Gebinde, welches mir Goldfing freundlicherweise überließ, kam dergestalt daher:

Ein Schiebekarton enormen Ausmaßes! Und abermals durfte ich nicht davor zurückscheuen, originalverschweißte Tütchen eines ..naja.. antiken Sets anzutasten. Ich scheute nicht.


Es handelt sich offensichtlich um einen Pfahlbau. Das ist zweckmäßig. Im Unterschied zum Vorgängerbahnhof 7822 sind die Pfähle hier drei Steine hoch, der Bahnhofsneubau gewährleistet also einen barrierefreien Einstieg der Fahrgäste in den Zug.

Erneut stellte sich mir die Frage: Soll ich? Also die Aufkleber vom Bogen lösen und aufs jungfräuliche Gestein applizieren?
Näääersmanich.
Wobei das zugegebenermaßen Quatsch ist. Denn die damaligen Aufkleber waren solide und gut. Sie überdauerten die Äonen und blätterten nicht bereits nach wenigen Monaten vom Modell, wie es heutige Aufkleber zu tun pflegen. Nichtsdestotrotz bleibt die vorgesehene Stelle für den Fahrplan in der Wartehalle zunächst frei. Auskunft erteilt die Servicekraft im Kabuff nebenan.

Eine Interessante Konstruktion ist das schräge Vordach vor der Wartehalle. Die Scharnierfingerplättchen waren 1983 noch ein ausreichend neues Element, um zum verschwenderischen Gebrauch zu ermuntern. (Klammer auf. Die frisch aus dem Tütchen gefallenen Fingerplättchen bekamen umgehend weiße Streßstellen, sobald ich sie zusammensteckte. Insofern waren sie vermutlich immer schon kritische Bauteile, weshalb die Form ab dem Jahr 2004 wohl auch aussortiert wurde. Klammer zu.) Konstruktionsbedingt regnet’s leider durch. Zum Glück ist Lego ein Drinnenspielzeug.

Die Koffer waren das 1983er Sensationsminifigutensil. Endlich mußten die Männeken ihre Fliesen nicht mehr lose in der Hand tragen, sondern konnten diese akkurat im Koffer verstauen. Zur Beförderung des Gepäcks ist natürlich das schnieke Wägelchen dienlich.

So steht er also da, der Bahnhof. In der Formensprache ist er durchaus moderner als sein Vorgänger, auch wirkt er durch das hochgelegene Stationsvorsteherbüro gewichtiger. Aber Hand aufs Herz: Provinziell ist er schon auch. Ein Bahnsteig! Einer. Sogar der Vorgänger hatte deren zwei. Na gut, fürs Kinderzimmer reicht’s, und außerdem bringen diverse Zugsets ja noch eigene Gleise und Bahnsteige mit.

Die schönen Details schließen ein das Kommunikationszentrum mit Telephonzelle und Briefkasten, …

… sowie den Erfrischungsstand mit Kaffeemaschine, von der ich gehofft hatte, daß ich sie ins Bild bekäme.

Auch ein Blick auf die Normaluhr lohnt sich, vor allem, wenn wir sie mit dem Fahrplan abgleichen. Rufen wir uns zunächst in Erinnerung, daß der Zug 7740 um 12:23h am Bahnhof 7822 eintraf und natürlich nach kurzem Aufenthalt weiterfuhr. Bis zum Bahnhof 7824 braucht er also drei Jahre, zehn Stunden und sieben Minuten.
Dem Stand der Sonne nach zu schließen, nähert sich der Zeiger der 15-Uhr-Marke, es wird also der Zug 7727 erwartet. Tja, den besitze ich nicht, kann ihn also nicht einfahren lassen. Das wäre überdies sinnlos, da es sich um einen Güterzug handelt, der eher nebenan im Güterbahnhof 7838 vorstellig würde. Also weiter.

Viel wahrscheinlicher ist demnach, daß es sich um die jütländische Mitternachtssonne handelt, was nahelegt, daß wir um 3 Uhr nachts den Postwagen 7819 erwarten dürfen, der kommt, um den Briefkasten zu leeren.

Nachdem das geklärt ist, können wir das Set erst einmal wieder wegpacken. Das Format der Kartons legt ja nahe, daß der Bahnhof im aufgebauten Zustand hineinpaßt.

Aber nein.

Ein Verstauungsdesaster!


Weihnachtsputz.

15. Dezember 2013

Nostalgie wird in diesem Blögchen ja großgeschrieben. Denn Nostalgie ist ein Substantiv. Heute werfen wir einen Blick zurück ins Jahr 1980 und sehen aufgebaut eine Reihe schöner Sets, die sich hervorragend eigneten, den 1980er Weihnachtswunschzettel zu verlängern. Ich selbst war damals kaum drei Jahre alt und hatte alle diese Wünsche nicht, bekam aber – vielleicht auch erst im Jahr drauf – den Bagger 6678, vorne im Bild, mit Greifschaufel. Und so nach und nach auch alles andere, klar, sonst hätte ich das Bild ja nicht machen können.

Damals war das Legoland die schiere Idylle. Die Häuschen waren klein, die Autos abgasarm (Handbetrieb), und fast jedem Gebäudeset – und nicht nur diesen – lag ein Bäumchen bei, damit der Asphaltdschungel gar nicht erst wucherte. Die ausreichend vorhandenen Bäume waren auch wunderbar dazu zu gebrauchen, die Straßen- und Grundplatten an den Ecken zu verbinden. Jahá, die hatten mitgedacht in Billund! Meine persönliche Lieblings-Idyll-Ecke in obigem Diorama ist übrigens die Pappel am Schrankenwärterhäuschen. Das atmet Geruhsameit.

Und Weitblick bewiesen die Billunder auch. Die wußten ganz genau: Lego, das lange offen rumsteht, staubt ein. Wohl deshalb war der Besen mit das erste Minifig-Utensil, welches es überhaupt gab, neben Schaufel, Spitzhacke und Schraubwerkzeug. Aber auch die kleine Handbürste, zunächst nur als Haarbürste für Kugelköpfe verwendet, etwa im Salon Colette 230, paßt da ins Bild. Die Straße fegende Minifigs sieht man allerorten, hier den Hausmeister der Garage 361, und dem Straßenkehrer wurde sogar ein eigenes Set gewidmet, 605. Das Legoland war sauber.
Und für mich, der ich das Diorama aufbaute und photographierte, war dies auch ein willkommener Anlaß, mal durchzusaugen, am Sonntag, dem dritten Advent, naja. Das soll’s mit dem Weihnachtsputz auch gewesen sein.