Setreview: 6950 Fahrbare Startrampe.

Im Jahre 1982 stieß die Naturistenbewegung in den Weltraum vor, als die gelben Raumfahrer auf den Plan traten. Und zwei von denen waren echt gut bestückt, ihr langes Ding war nicht zu übersehen.
Die Rede ist – die Überschrift deutet es schon zart an – vom Set 6950 „Fahrbare Startrampe für Trägerrakete mit Schubgerüst und instrumentaler Systemüberwachung“, man könnte auch sagen: „Die Speerspitze des Warschauer Pakts“. Denn daß DAS Ding da bloß Trägerraketen mit Wettersatelliten zur zivilen Nutzung in den Orbit schießt, glaubt ja wohl niemand im Ernst!

Der respekteinflößende Eindruck entsteht natürlich durch das Raketlein auf dem Dach, aber auch durch die massiven schwarzen Räder, mit denen das Gefährt mühelos, wenn auch ungarn, die Prager Frühlingsrolle machen könnte. Geländegängig ist diese einregistrige Stalinorgel jedenfalls, und rückwärts gorkiparken läßt sie sich dank ausgeklügelter Lenktechnik ebenfalls ohne Schwierigkeiten, trotzki schlechter Sicht nach hinten. Ein Modell wie aus dem Leninprospekt!

Beobachten wir nun unsere nackerten Rotarmisten beim Bereitmachen des Geschosses:

Es gibt viel zu drehen und zu klappen an diesem Set, der Scharnierverbrauch ist, wie es sich für ein klassisches Legoland-Raumfahrt-Set geziemt, verschwenderisch. Am kniffligsten sind dabei die gelben Flachscharniere am … naja… nennen wir es mal Satelliten, wiewohl es auch ein Sprengkopf sein könnte. Aber damals war LEGO ja noch ein friedfertiges Spielzeug. Die frühe Auflage des Sets beïnhaltete noch die erste Scharnierversion mit zwei Fingern zu einem Finger, welche recht selten ist und immer seltener wird, da die dünnen Fingerchen sehr bruchanfällig sind. Aber hier ist noch alles in Ordnung:

Das Modell ist so geschickt gebaut, daß es auch ohne geschulterte Rakete noch was hermacht. Das Radar auf dem Schubgerüst läßt sich ja auch prima zum Aushorchen des Klassenfeindes gebrauchen, und vermittelst des Fahrsteigers gelangt der Aktivist der Betriebsputzbrigade mühelos auch zu den obersten Fenstern am Palast der Republik.

Wenn man mit einem so machtvollen Gerät wie einer Raketenabschußrampe herumhantiert, sollte man sich stets der Gefahren bewußt sein. So ist es etwa gefahrvoll, seine Spielschulden nicht zu begleichen, und von der Freundin des Beifahrers sollte man auch besser die Finger lassen.

Alles in allem ist die 6950 ein Modell, an dem das Spielkind westlich wie östlich des altgrauen Vorhangs seine Freude hat. Es bietet Spielspaß, sieht schick aus und macht den Nachbarn neidisch. Es ist ein Set für jede Lebenslage, wenn man nicht gerade weltraumverachtender Burgherr ist, aber selbst dann bietet die Fahrbare Startrampe ja noch ein paar graue Bauteile. (Deswegen habbichs ja überhaupt nur gekauft. Klar.)

Wer’s nicht hat, sollte das ändern.

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