Feuerwache 374 – Mal ein farbenfroher Rückblick.

Im Jahre 1978 war an graue Steine noch nicht zu denken, LEGO brachte eine bunte Welt ins Kinderzimmer, in der es nur vereinzelt graue Plättchen gab. So bietet auch das Set 374 die volle Palette, die sich in nur acht verschiedene, nach damaliger pädagogischer Doktrin klar strukturierte Farben gliedert: Weiß und schwarz, blau, rot, gelb und grün, hellgrau und das brandneue dunkelgrau. Zugegeben, braun wurde vernachlässigt und blieb erstmal auf die Kugelkopfsets beschränkt.*

*) Ich lüge. Der Straßenkehrer in Set 605 schwingt auch schon einen braunen Besen.

Auf 32 Nupsies im Geviert erhebt sich ein Modell, von dem ich gar nicht mal sagen kann, ob es allgemein als „legendär“ anerkannt ist. Für mich jedoch ist es das, denn diese Feuerwehrstation gehört zu den Sets, an die ich ganz frühe LEGO-Erinnerungen knüpfe, obwohl ich es nie besaß. Aber ich bekam es auf den Rückseiten aller Bauanleitungen meiner kleinen Modelle vorgeführt, wie etwa hier auf der BA der Snack-Bar 675:

Es bietet sich uns ein Spritzenhaus dar, wie es wahrscheinlich Ende der 70er Jahre noch in vielen Dörfern im Betrieb war, wenn auch schon etwas altmodisch. Im Interesse aller Brandopfer ist modern ausgestatteten Feuerwehrstationen natürlich der Vorzug zu geben, gemütlicher ist aber sicher solch ein Spritzenhaus, im Grünen gelegen, mit einem Apfelbaum im jägerumzäunten Garten und einer Bank, auf der die tapferen Männer der Freiwilligen Feuerwehr ihre müden Glieder ausruhen können. Über der Fahrzeughalle mit den rotgestrichenen Holztoren erhebt sich der Schlauchturm. Ist es üblich, daß den Turm eine Uhr ziert? Nähme das Uhrwerk nicht durch die Feuchtigkeit der trocknenden Schläuche Schaden?

Das grandioseste Detail ist aus meiner Sicht die außen angebrachte Leiter, die man auch zum Äpfelpflücken benutzen könnte. Durch solche Kleinigkeiten ließen die Setentwickler erkennen, daß sie wirklich Liebe in ihre Modelle legten. Doch auch im Innern des Gebäudes gibt es etwas zu sehen:

Das Nebengebäude läßt sich separat aufklappen und gibt den Blick frei auf einen Aufenthalts- und Ruheraum und auf die Funkzentrale; die Antenne auf dem Dach muß ja auch ihre Berechtigung haben. Nur die Alternativbilder auf dem Originalkarton enthüllen, daß zum Set auch eine schwarze Schirmmütze gehört, sodaß der Diensthabende am Funkgerät nicht ständig den schweren Helm tragen muß. Außerdem geht aus den Bildern sehr undeutlich hervor, daß der schwarze 2×1 Dachstein mit einem Wählscheibensticker beklebt ist, der bei mir natürlich fehlt *schluchz*.

Die Technik, Gebäude aufklappbar zu machen, damit sie innen bespielbar sind, hat LEGO bei Stadtsets nicht lange durchgehalten; eigentlich sind mir nur eben die Feuerwehrstation und das Wohnhaus 376 bekannt, bei denen so verfahren wird. Zwar ergibt sich so ein rundum geschlossenes Gebäude, um es aber aufklappen und darin spielen zu können, muß man es aus der Straßenanlage herausnehmen, was bei Gebäuden mit offener Rückseite nicht unbedingt nötig ist.

Daß im Jahre 1978 die Minifig ganz frisch aus dem Ei geschlüpft war, merkt man dem Modell durchaus an. Die Designer hatten noch nicht so recht den Maßstab gefunden, den die neuen Figuren forderten, was zum Beispiel an den zu schmalen Sitzflächen der Bänke deutlich wird. Vor allem aber die Fahrzeuge sind noch etwas naiv. Wäre man hart, müßte man den kleinen Jeep mit Anhänger schlicht „schlecht gebaut“ nennen, denn abgesehen vom fehlenden Lenkrad und der mangelnden Bewegungsfreiheit für die Minifig ist das Teil ganz einfach instabil; Trittbrett und Frontscheinwerfer fallen bei unbedachtem Anfassen nach unten ab. Und beim ersten Schlagloch verliert der Hänger seine lose aufliegende Ladung. Die Drehleiter wirkt ebenfalls merkwürdig, so ganz ohne Türen und Lenkrad, und der Fahrer kann froh sein, daß er berufsbedingt einen Helm trägt, da ihm bisweilen die Ausziehleiter in den Nacken rauscht. In den Augen des unverwöhnten Kindes der 70er Jahre waren die Fahrzeuge aber wohl gut getroffen.
Freilich können die wackeren Brandbekämpfer alles, außer das Feuer löschen. Denn ein Tanklöschfahrzeug ist nicht im Bestand. Das gab es allerdings einzeln als Spritzenwagen 672.

Aufsehenerregende Teile an diesem Modell sind bzw. waren sicher die grauen Leitern, die Antenne, die LEGO-Fahne und natürlich die Minifigs samt Gerätschaften. Die Spitzhacke und die Schaufel waren die ersten dunkelgrauen Teile überhaupt. Die Sauerstoffflasche war ein erster Hinweis auf die Raumfahrtserie im Jahr drauf. Einzigartig dürfte auch die grüne 10×16 Grundplatte sein, die sich LEGO eigens zum Zwecke der nahtlosen Aufklappbarkeit schneiderte. Die dazu passende 22×16 Platte fand ja auch noch in der Burg 6080 Verwendung.

Ich habe den Besitz dieses schönen Sets übrigens aufmerksamen LEGO-Freunden zu verdanken, die mich auf die entsprechende Auktion stießen. Vielen Dank!

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