Die Bruderschaft. 6678. Eine Legende.

Wie’s so läuft zu nächtlicher Stunde, man klönt und schwelgt in seligen Erinnerungen. Und bei der Gelegenheit kommt man eventuell auch auf das lägändärä LEGO Set 6678 zu sprechen: „Greifbagger mit Fahrer“ von 1980. Und wie man so spricht und wie man schwelgt, verfällt man auch schon mal auf den Gedanken, daß um dieses Set eigentlich kein Weg herumführt, nicht mal in Richtung Rom. Denn eigentlich ist es klar: Wer aus der Altersklasse der Zwanzig- bis Dreißigjährigen mitreden können will, sollte eine Erinnerung an das Set 6678 knüpfen können, im günstigsten Falle sollte ihm (oder ihr) dieses Set eignen.

Ja, es wirklich ein besonderes Set! Viel phantastischer ist es, als es uns der Eintrag in die LUGNET Datenbank zu offenbaren vermag. Denn was lesen wir dort:
„6678 Pneumatic Crane; Released: 1980, Figures: 1; Elements: ?“
Fragezeichen? Schlecht recherchiert, LUGNET! Eine simple Zählung führt uns zu dem Ergebnis, daß zum korrekten Aufbau des Modells 55 Teile benötigt werden.¹ Doch diese schnöden Fakten sagen ja nichts über die wahre Größe des Modells aus! Die Faszination liegt in der Kombination von schlicht-eleganter und doch der Wirklichkeit nachempfundener Gestaltung, aufregenden Teilen – zumindest in den Augen (und Händen) eines Kindes – und einem schier unglaublichen Spielwert. Ein Blick in den damaligen Katalog, sei es nun direkt 1980 gewesen, oder erst 1983, genügte, um diesen Bagger sofort an die Spitze der Wunschliste zu katapultieren. Und hatte man die Packung dann aus den Händen eines mitdenkenden Verwandten erhalten, begann der Spaß erst richtig!

¹) Dies ist das Ergebnis der Zählung, wenn man zugrunde legt, daß die Greifschaufel als ein zusammenhängendes Teil und die Figur als drei Teile (Helm, Torso mit Kopf und Armen, Beine) zu zählen sind, da sie so aus der Packung purzeln.

Wie perfekt das Modell konstruiert ist, zeigt sich schon am Fahrwerk: Da der Radstand von vier Noppen zwischen den beiden Achsen aufgrund der „großen“ Reifen – übrigens den beiden ersten ihrer Art in meiner Sammlung – nicht für einen 4×4 Drehteller ausgereicht hätte, ersann man eine Bauweise, mithilfe welcher eine kleine 2×2 Drehplatte von vier 1×2 Fliesen flankiert wird, um dem drehbaren Aufsatz Stabilität zu verleihen. Der besondere Clou sind jedoch die seitlich angebrachten Stützen in Form von hellgrauen Raumfahrerpistolen! Diese kann man in ihren Klemmen hoch- und runterschieben, womit alleine man sich schon stundenlang beschäftigen konnte. Heruntergeschoben stützen sie den drehbaren Bagger, hinaufgeschoben helfen sie, das Führerhaus bei Fahrt auf der Straße gerade zu halten. Zugegebenermaßen ist dann reichlich Spiel in der Lenkung, doch mit kindlicher Phantasie reichte die Illusion hin.

Das Führerhaus selbst ist nicht minder raffiniert gebaut. Für die gute Sicht des Fahrers auf sein Baggergut sorgt ein transparenter 2×4 Stein, welcher unter der eigentlichen Frontscheibe eingebaut ist. Mannövriert wird die Schaufel vermittelst zweier schwarzer Astronautenpistolen. Geschickt ist der Fahrersitz, der ja mit seiner Rückenlehne das 2×2 Grundmaß sprengt, nach hinten in eine Aussparung im Motorraum verlagert. Der schwarze Überrollbügel trägt einen gelbtransparenten runden 1×1 Stein als Blinklicht. Ein grauer Stein gleicher Bauart erweckt die Illusion eines Auspuffs für den Dieselmotor.
Das Führerhaus ist neun Knöpfe lang, da vor der eigentlichen 4×8 Trägerplatte die Frontscheinwerfer angebracht sind. Diese ruhen auf dem Rand einer schwarzen 4×4 Platte, welche die Verbindung von Führerhaus zum Fahrwerk darstellt. Gar nicht einfach war es für noch ungeübte Kinderhände, den Aufbau korrekt auf der 2×2 Drehplatte zu zentrieren!

Der Ausleger ist einfach aber wirkungsvoll aus zwei 2×4 Krokodilscharnieren und einer 2×8 Platte gebaut, die Schaufel wird gehalten von einer 2×4 Platte mit angegossener Mutterkupplung. Die Schaufel! Ein Formteil zwar, aber was für eins! Wie endlos konnte man sich mit diesem Teil beschäftigen! Alles wurde bebaggert: Blumenerde, LEGO Steine, Sand, LEGO Steine, Reißzwecken und LEGO Steine. Und mit ihren Zähnen konnte man sich in die Finger beißen. Oder man konnte einfach nur die Schaufel auf- und zuklappen, oder versuchen, sie möglichst laut zuschnappen zu lassen. Bei solcherlei Spielen kam es wohl nicht selten vor, daß sich die Feder verabschiedete und spurlos verschwand.² Auch ließen sich nette Baggerrekorde mit dieser Schaufel anstellen. Zum Beispiel faßt sie mühelos sechsunddreißig (36) 1×1 Plättchen – so viele hatte man als Kind natürlich nicht.

²) Die Feder meiner eigenen Schaufel allerdings ist noch original von damals erhalten geblieben.

Und Kunststückchen kann er auch noch:

Die beiden anderen Beteiligten an der kultbegründenden 6678-Chat-Sitzung waren TF und Coyote, das sollte nicht unerwähnt bleiben. Und ja: TF hat das Set aufgebaut, mit seinen eigenen, vorher natürlich gründlich gewaschenen Händen.


Bruderschaft vom
Sechsundsechzigachtundsiebenzig

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