Die Elversumer Wassermühle


Es ist früher Morgen, ein warmer Sommertag beginnt. Heinrich, der Mühlknappe der Elversumer Mühle, beschließt, daß es heute Forelle geben solle, natürlich nach Müllerin Art. – Lassen wir das Idyll einen Augenblick auf uns wirken.


Mit Heinrichs Ruhe ist es bald dahin, denn Bauer Schulte-Meter karrt eine Fuhre Weizen zur Mühle. So muß er sich wohl notgedrungen aus seiner bequemen Position erheben, um sich zur Arbeit zu begeben. Und was sich reimt, ist gut.


Bauer Schulte-Meter kommt immer ganz besonders gerne zur Elversumer Mühle, denn es behagt ihm, mit der schönen Müllerin zu schwatzen, während ihr argwöhnischer Gatte unter der Last seiner Maltersäcke ächzt. Doch dies ist ein Erzählstrang, den wir besser nicht weiterverfolgen.


Müller Müller (Jahá, irgendwoher haben die Müllers ja ihren Nachnamen.) und sein Knecht Heinrich hieven die schweren Getreidesäcke hinauf auf den Mahlboden. – Um den Etat der Mühle ein wenig aufzustocken, hatte man kurzzeitig überlegt, Werbeflächen an die Telekom zu vermieten, doch verwarf man den Plan schnell wieder. Es sähe doch gar zu albern aus, erglänzten die roten Ziegel der Gefache in telekomischem Magenta…


Werfen wir einen Blick auf die andere Seite des Gebäudes. Da sitzt der Heinrich ja immer noch und angelt! Marsch, ans Werk!


Hier sehen wir das mächtige oberschlächtige Wasserrad. Das bedeutet, daß das Wasser von oben kommt, um das Rad anzutreiben. Ein schmaler Steig erlaubt dem Müller, die Nabe des Rades zu erreichen. Das ist wichtig, da es von Zeit zu Zeit ausgewuchtet werden muß, um Dreck und Algen zu entfernen, oder um schadhafte und morsche Bretter auszuwechseln.


Der Zulauf des gurgelnden Wassers wird über das Mühlwehr geregelt; ist es geschlossen, steht das Rad still. Je mehr Wasser es hindurchläßt, desto stärker ist der Druck auf das Mühlrad, und desto mehr Kraft kann es auf die Treibräder ausüben. (Klammer auf …


… Die Treibräder befinden sich im tiefsten Keller und konnten vom Berichterstatter leider nur im müden Schein einer Talgkerze auf’s Bild gebannt werden. Klammer zu)


Doch zurück zu Müller Müllers Tagwerk. Zunächst notiert er sorgfältig die Menge und Beschaffenheit des Mahlguts, das Bauer Schulte-Meter gebracht hat. Da dies die einzige Mühle in der Gegend ist, bringen sehr viele Bauern (Landwirte. Agrarökonomen. Bauern ebend.) ihr Getreide her. Deswegen ist eine korrekte Buchführung außerordentlich wichtig.


Sodann führt sein Weg über eine schwanke Holztreppe hinauf auf den Mahlboden, wo bereits Knecht Heinrich mit dem Befüllen der Mahlgänge begonnen hat.


Das Getreide wird über einen großen Trichter in den holzummantelten Mahlgang geschüttet. Darin sorgen die Mühlsteine dafür, daß aus dem groben Korn feines Mehl wird.


Über eine Klappe im Deckel des Mahlgangs kann der Müller kontrollieren, ob alles glatt läuft. Es kann ja vorkommen, daß sich im Getreidesack Fremdteile befanden, wie etwa Getreidehalme, Steinchen, Knochen, Schädel… Wer je Otfried Preußlers Roman Krabat las, vermag sich ungefähr vorzustellen, was so alles gemahlen werden kann. Dieses genannte Buch brachte mich – beiläufig gesprochen – vor etlichen Jahren bereits auf den Gedanken, eine Mühle zu bauen. Nun erst setzte ich diesen Plan in die Tat um.


Hier gewährt uns die Perspektive, die treue Seele, einen Blick auf beide Mahlgänge der Elversumer Mühle. Dazwischen ragt der sogenannte Steingalgen empor. An diesem Galgen findet man zwar bisweilen pleitegegangene Müller oder liebestolle Knechte erhenkt, doch seine Hauptaufgabe ist es, die schweren Mühlsteine aus ihrem Gehäuse zu wuchten, wenn es sich als nötig erweist.


So ist es zum Beispiel in regelmäßigen Abständen nötig, die Mahlgrate auf den Steinen, die das Getreide zermahlen und gleichzeitig zum Mittelloch des Steins führen, nachzuschärfen. Das ist eine ganz vertrackte Arbeit, wie man sich vorstellen kann. Doch momentan ist dies zu Heinrichs Glück nicht nötig. Wenden wir uns also wieder dem gegenwärtigen Mahlvorgange zu.


Das frisch gemahlene Mehl rinnt über eine hölzerne Röhre hinab, wo es in Säcke gefüllt wird. – Im Hintergrund sehen wir das große Kammrad, welches durch das Wasserrad angetrieben wird und seinerseits die Mahlsteine in drehende Bewegung versetzt. (Zahnräder heißen im Mühlenwesen „Kammräder“ und bestehen durchweg aus Holz).


Alles in allem ist die Arbeit in der Mühle zwar nicht eben leicht zu nennen, doch stellt sich leicht eine gewisse Routine ein. Das größte Ärgernis sind die Tauben, die sich im Deckengebälk eingenistet haben. Gott sei dem armen Teufel gnädig, der sich im falschen Moment direkt unter einem Taubennest befindet!


Nach meinem Dafürhalten ist das in der Gegend angebaute Getreide mit Vorsicht zu genießen. Denn was ist davon zu halten, wenn die Ratten auf dem Speicherboden der Mühle fast größer sind als die Katzen? Stehen wir etwa im Begriff, einen Genmanipulationsskandal aufzudecken?


Nein, wir stehen vielmehr im Begriff, unseren Rundgang durch die Elversumer Mühle zu beenden. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit! ––

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