Das Gewitter

Alles beginnt am 2. Juli im Jahre des Herrn MDV (1505). Der junge Martin Luther, Magister Artium der Philosophie und Doktor der Juristerey, befindet sich auf dem Weg von Mansfeld, dem Wohnort seiner Eltern, nach Erfurt, dem Sitz seiner Universität. Unterwegs überrascht ihn auf freiem Felde ein heftiges Gewitter. Die Menschen des Mittelalters wissen inzwischen, daß weder Zeus noch Donar für derartige Naturerscheinungen verantwortlich sind, dennoch ist ein Unwetter nach wie vor geeignet, sie in Angst und Schrecken zu versetzen. Keineswegs unbegründet, denn auch heutzutage sterben noch jedes Jahr mehrere hundert Menschen durch Blitzschlag und Unwetter.

Auch Luther steht Todesnöte aus, und der damaligen Sitte gemäß wirft er sich zu Boden und ruft eine ihm bekannte Schutzheilige an, deren Nummer er zufällig im Kopf hat, in seinem Fall die heilige Anna. Das ist die Schutzheilige der Bergleute; Luthers Vater war lange Zeit Bergmann, später sogar Bergwerksbesitzer. So eine Schutzheilige hilft natürlich nicht einfach so aus Barmherzigkeit, denn sie ist ja katholisch. Als Gegenleistung für die Rettung muß man ihr etwas geloben, und Luther gelobt, Mönch zu werden, sollte er dieses Unwetter lebend überstehen.

Wie wir wissen, überlebt Luther das Gewitter, und nun muß er Mönch werden. Dumm gelaufen, bei Dreckswetter von Mansfeld nach Erfurt nämlich. Mit seiner Juristenkarriere ist es damit natürlich vorbei, aber als guter Rechtsgelehrter erfüllt er den Vertrag mit der heiligen Anna. Er tritt in ein Augustinerkloster in Erfurt ein und startet nun eine Theologenkarriere. Diese findet ihren vorläufigen Höhepunkt am 31. Oktober des Jahres MDXVII (1517), als er seine 95 Thesen wider den Ablaßhandel an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg nagelt und damit die Reformation und die Spaltung der Katholischen Kirche in Gang setzt.

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