Das Tintenfaß

Nachdem über Martin Luther aufgrund diverser Schriften gegen die herrschende Lehrmeinung der hl. Mutter Kirche die Reichsacht verhängt und er in Bann geschlagen worden war, wurde er vom gutmeinenden Fürsten Sachsens entführt und auf der Wartburg versteckt. Dort lebte er unter dem Decknamen „Junker Jörg“ (welch Namen sich Walt Disney nicht besser hätte ausdenken können) und übersetzte aus lauter Langeweile das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Und wie er so in seiner Stube saß und übersetzte, erschien ihm – der Legende nach – der Teufel.

Luther, der sich ja schon zuvor als resolut und couragiert erwiesen hatte, griff zum Tintenfaß und warf es nach dem Teufel, um ihn zu vertreiben. – Den Fleck, den die Tinte an der Wand hinterließ, malt man heute noch nach, um ihn stolz den Besuchern zu präsentieren.

Ob sich der Wurf des Tintenfasses tatsächlich so ereignet hat – mal abgesehen vom Erscheinen des Teufels –, ist umstritten. Auch ist es nicht klar, ob, falls überhaupt, es sich auf der Wartburg begeben hat. Denn auch für Luthers Stube in Wittenberg gibt es eine Anekdote, in die der Doktor, der Teufel und ein Tintenfaß involviert sind. Luther selbst hatte gesagt, er habe den Teufel mit Tinte ausgetrieben. Wahrscheinlicher als ein Wurf mit dem Tintenfaß ist allerdings, daß er diese Aussage metaphorisch auf seine Schriften bezog.

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