Der ISCC-Beitrag

Der ISCC (International System Creativity Contest) war ein Wettbewerb, der im Jahre 2001 von 1000steine.de ausgerichtet wurde. Die Bildanzahl war auf 10 begrenzt, Text war erwünscht.


Dies ist die Veste Falckenstein. Der Burgherr, Gero von Falck, ist Besitzer in vierter Generation und ein friedfertiger Raubritter, der keiner Menschenseele ein Leid zufügen könnte.


Doch eines unglückseligen Tages, anläßlich der Hochzeit der jungfräulichen Brunhilde Löwenmaul mit ihrem Cousin (zweiten Grades) Dankwart zu Leonberg (über dessen Jungfräulichkeit nur vage Vermutungen angestellt, aber nie laut ausgesprochen werden), nun, da entwich dem guten Gero eine dumme Bemerkung über die Nase der Braut. Diese sei vielleicht, unter Umständen, eventuell etwas lang geraten, durch des Höchsten Schöpfers unfehlbaren Ratschluß. Diese Worte kamen dem Bruder der Braut, Giesbert Löwenmaul, zu Ohren, und wutentbrannt schleuderte er Gero seinen Handschuh vor die Füße. Er hatte wohl auf seines Gegners Antlitz gezielt, jedoch, er war schon etwas angetrunken. Gero verstand die Botschaft, eilte heim auf seine Veste und rief: „Die Brücke hoch!“


Und wie weise diese Weisung gewesen, offenbarte sich des anderen Tags, da die Sonne zu einem erneu’rten Weltenlauf im Osten anhub:


Giesbert und Dankwart schienen bereits auf den Feldzug vorbereitet gewesen, so rasch, wie sie zum Kriegszug aufgebrochen.


Potz Fickerment! Den nun auf ihrer Veste Belagerten hätte es klamm ums Herz werden können, angesichts des Kriegsgeräts, mit welchem der Gegner ihnen seine Aufwartung machte. Doch Gott sei gelobt! mit der altertümlichen Ramme hatte schon Giesberts Großvater vor dem Tore der Veste Falckenstein nichts auszurichten vermocht, ganz schlicht, weil auf dem Fels davor zu wenig Raum gelassen ward. Und auch das Katapult (oder der Onager) erwies sich als wenig wirkungsvoll. Der geniale Konstrukteur Johann Erdmann Kohlenbrenner hatte wohl in Ballistik nicht aufgepaßt; jedenfalls überwand keiner der geschleuderten Felsbrocken die Mauer oder kam überhaupt nur in ihre Nähe.


Darum ist’s den Verteidigern nicht bang. Denn solange die Hühner genügend Eier legen und in der Küche ausreichend Grünkohl und Sauerkraut vorrätig ist, können sie lange ausharren. Obwohl… Jahraus, jahrein immer nur die Wahl zu haben zwischen Grünkohl und Sauerkraut… Zur Not könnte man ja auch noch die Pferde schlachten. Die Mauern hingegen sind trutzig und fest, derentwegen machten sich die tapferen Verteidiger keine Sorge.
Trotzdem, weil er nur mit Schaudern an Jahre voller Grühnkohl und Sauerkraut denken konnte, beauftragte Gero sein zartes Töchterlein Kunigunde (Burgfäuleins heißen halt immer „Kunigunde“), eine Depesche an seinen alten Waffengefährten Worislaus von Weysznichmervo in Böhmen zu schreiben, mit der Bitte um Entsatz. Das artig Mägdelein unterbrach daher ihre Spinnerei (denn was sollen Kunigundes auch den ganzen Tag machen, wenn nicht spinnen), schrieb die gewünschte Botschaft und sandte sie mit der schnellsten Brieftaube los. Denn sie ist die einzige BewohnerIn Falckensteins, die des Schreibens und Lesens mächtig ist.


(Diese Bilder wurden vom Kriegsberichterstatter unter Lebensgefahr und mit verwackelter Kamera aufgenommen)
Doch die Bitte um Verstärkung kommt zu spät. Denn Giesbert Löwenmaul und Dankwart zu Leonberg verpürten gar wenig Lust, sich auf eine langwierige Belagerung einzulassen. Vielmehr suchten sie die schnelle Entscheidung.


Nachdem sie noch recht problemlos den Brückenturm gestürmt hatten, mußten die in die Schlacht geworfenen Löwenknappen nun zum verrammelten Burgtor vordringen. Dabei waren sie wehrlos dem Beschuß mit Pfeilen und Speeren ausgesetzt, der als tödlicher Hagel duch Schießscharten und von den Zinnen auf sie herniederprasselte.


Und die Wenigen, die es bis zum Tor geschafft hatten, erwartete eine heiße Dusche mit kochendem Pech. Der geneigte Leser beachte das Loch im Boden, rechts neben dem vorderen Speerwerfer. Solche Löcher sind über der gesamten Breite des Tores verteilt, was den Aufenthalt davor für einen feindlich gesonnenen Menschen durchaus ungemütlich werden läßt.
Um die Geschichte abzuschließen, da die Zeit leider abgelaufen ist, bzw. das Bilderkontingent erschöpft: Die Veste Falckenstein fiel nicht!
Giesbert und Dankwart, die frechen Recken, traten nach der vernichtenden Niederlage, die den meisten ihrer Männer den Tod gebracht, den ungeordneten Rückzug an, und sie erkühnten sich hinfort nicht wieder, das Geschlecht derer zu Falckenstein herauszufordern.
Und die edle Maid Kunigunde? Ward sie verheiratet mit einem stolzen Prinzen?
Na! Wir sind doch nicht bei Belville hier!


Vorerst stößt Gero von Falck nur mit seinem Kastellan Diether von Wurzelbach auf die erfolgreiche Verteidigung des Veste Falckenstein an.
Und wenn sie nicht gestorben sind… Ach nee.

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