MOC zum Tage: 9. Oktober 1967

9. Oktober 2017

Natürlich ist das MOC nur eine Konserve, die ich bereits mindestens im Jahre 2011 einweckte, sofern die Daten unter Flickr-Bildern zuverlässig sind. Aber das ist insofern angemessen, als der Stichtag ja nicht heute ist, sondern heute vor 50 Jahren. Da starb Che Guevara von Mörderhand. Ich bin fern davon, den singenden Zahnarzt zu glorifizieren (sang er?), aber dank propagandamäßig verbreiteter Photographien, insbesondere jener von Alberto Korda, wurde er zur Kult- und Kulturikone für alle, die sich für links halten.

Und falls er nicht selbst sang, wurde er immerhin besungen. Sei es von Wolf Biermann, der ihn den „Jesus Christus mit der Knarre“ nannte, oder von Carlos Puebla, dessen Lied „Hasta siempre, comandante“ Biermann frei ins Deutsche übertrug.

Mir selbst sind derlei Verklärungen ja suspekt. Zumal Ches Idealismus ja gutgemeint gewesen sein mag, aber die Knarre trug er halt auch nicht nur zum Nasepopeln. Dementsprechend fühlen sich bis heute viele seiner Verehrer und VerehrerInnen mit Binnen-I nebst Verehrer*innen mit Idioten-Asterisk in der Nachfolge ihres Idols gerechtfertigt, zu brutalen Mitteln zu greifen, um vermeintlichen Segen über die Menschheit zu bringen. Weil der Marxismus, wenn er denn mal in staatstragende Anwendung gebracht wurde, ja überall für Frieden und Wohlstand gesorgt hat, nöch? Nä, geht mir weg mit Ideologien jeglicher Art!

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Der Helmut ist tot.

10. November 2015

Meine früheste Erinnerung an ein politisches Geschehen datiert auf den 6. März 1983, gegen 18 Uhr. Mein Vater hing mit dem Ellbogen am hohen Gefrierschrank in der Küche, auf dem das Radio stand, und es wurde das Ergebnis der vorgezogenen Neuwahl verkündet, durch die Helmut Kohl seinen ..naja.. wir können es nicht Putsch nennen, da das Element des konstruktiven Mißtrauensvotums ja ausdrücklich in Artikel 67 des Grundgesetzes vorgesehen ist. Da aber dem Mißtrauensvotum gegen Helmut Schmidt das Gekungel und der Verrat der F.D.P. vorausgegangen war, ehe eben Helmut Kohl durch das konstruktive Mißtrauensvotum zum 6ten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde, wollte Kohl seine Regierung durch eine Neuwahl auch irgendwie moralisch legitimieren. Eine geistig-moralische Wende hatte er ja angekündigt.

Das alles durchschaute ich damals natürlich nicht. Ich bekam nur mit, daß sich mein Vater über den Wahlsieg der CDU freute, denn „die SPD ist ein Sauhaufen!“ Warum ist sie ein Sauhaufen? Weil sie den Schmidt hat hängenlassen. Denn der Helmut Schmidt war ein guter Mann. „Viel zu schade für die SPD.“ Der Gedanke, daß Schmidt eigentlich in der falschen Partei sei, wurde öfter geäußert; auch Sandra Maischberger sprach den Altkanzler in einem ihrer zahlreichen (so zahlreichen, daß ich die entsprechende Stelle auf die Schnelle nicht bei Youtube finden kann) Interviews darauf an. Seine Antwort: „Ich war schon in der richtigen Partei. Bloß meine Partei war nicht immer…“

Ab heute also müssen sich Raucher wieder fürchten. Helmut Schmidt hat 96 Jahre lang gequarzt, und was hatte er davon? Tot ist er jetzt. Friede seinem Ascher!


The Grass is always greener on the other side.

15. April 2015

Bescheuerter Titel, aber ich kann ja nicht immer brillieren. Jedenfalls ist Günter Grass tot; auch schon unfaßbar lange inzwischen, gemessen in Internetzeiteinheiten. Die ersten twitterten seinen Tod ja schon 9 Minuten 47 Sekunden vor seinem definitiven Ende. Da mache ich nicht mit!

Günter Grass war der große alte Mann der Aufarbeitungsliteratur in der Bundesrepublik Deutschland. Wiewohl – Hand aufs Herz! – die meisten höchstens die „Blechtrommel“ gelesen haben, wenn überhaupt. Anläßlich seines Todes kam am Montag ja Volker Schlöndorffs Film im Fernsehen. Meine Mama hatte das Buch damals nach wenigen Seiten wieder weggelegt, weil: zu schweinisch. Auf jeden Fall war der Roman bei seinem Erscheinen 1959 provokant, und das war wohl auch nötig in der Adenauer-Zeit. Die „Blechtrommel“ ist der „Simplicissimus“ der Nachkriegszeit: Dieser schildert als Narr den 30jährigen Krieg, in jener wirft der Oscar-Preis- und Oskar-Namensträger Matzerath seinen närrischen Blick auf die Nazizeit und den zweiten Weltkrieg. Günter Grass wurde durch dieses sein Erstlingswerk direkt weltberühmt und quasi aus dem Stand zur kritischsten Stimme der ewig jungen BRD. Daß er als politisch links galt, ist auch seinem Engagement als Wahlkämpfer für Willy Brandt zu verdanken. So war es also ein Paukenschlag, als Grass 2006 in seinem autobiographischen Werk „Beim Häuten der Zwiebel“ en passant erwähnte, daß er als Jugendlicher bei der Waffen-SS als Luftwaffenhelfer diente. Seine Kritiker, deren er neben Marcel Reich-Ranicki auch viele unberufene hatte und hat, heben im Zuge der sterbeanlaßüblichen Elogen natürlich diese Tatsache heraus und möchten sie als Zeugnis für die Untauglichkeit Grass’ als Gutes Gewissen verstanden sehen. Aber da war er 17, verdammt nochmal! Den möchte ich sehen, der als 17jähriger schon weiß, daß er dermaleinst als rechtschaffener Mahner und Warner eine makellose Vita wird aufweisen müssen.

So oder so wird Günter Grass in der deutschen Literaturgeschichte in einer Reihe stehen mit Grimmelshausen, Lessing, Goethe, Schiller, Theodor Fontane und Thomas Mann.


Erwin Lindemann ist tot.

22. Juli 2013


„Und wer gewettet hat, daß Loriot den Lindemann spielt, hat verloren. Es ist nämlich Heinz Meier.“ Und jetzt ist der auch noch tot.

Der Lottogewinner“ nebst Anmoderation von Edith Haxmann (†) unter gütiger Mithilfe von Loriot (†). Von der Illegalität dieses Youtubelinks distanziere ich mich ausdrücklich. Ich empfehle die Anschaffung von Loriots gesammelten Werken.


Valentinstag.

14. Februar 2012

(Das Perfide an diesen kommerziellen Feiertagen ist ja, daß man sie aktiv ignoriert, also eben doch zur Kenntnis nimmt. Und Worte darüber verliert, ohne sich die Mühe zu machen, diese wieder einzusammeln.)


Loriot ist tot.

23. August 2011

Frauen sind… und Männer auch! Überleg dir das mal!