Politisches Dschungelcamp.

18. Februar 2020

Justament lese ich bei Spiegel-Online – und jeder weiß, daß der „Spiegel“ die „Bild“ der sich für intellektuell Haltenden ist – Doppelpunkt, Anführungszeichen unten, Zitat: „Problem M – Bei den Christdemokraten laufen sich potenzielle Nachfolger warm – doch wird die Kanzlerin vorzeitige Neuwahlen ermöglichen? Viel deutet darauf hin, dass Angela Merkel einfach weiter regieren will. Das wird zur Schwierigkeit für die CDU.“

Ich brauche den hinter diesem Anreißer steckenden Artikel nicht einmal zu lesen, um sooo eine Krawatte zu bekommen. Allenthalben wird bejammert, daß die Menschen („die Menschen draußen im Land“) das Vertrauen in die Politik verloren hätten (hatten sie dieses Vertrauen jemals?), daß die Politiker die Menschen (s. o.) nicht mehr erreichten, daß die Menschen (…) politikverdrossen seien. Von „Machteliten“ ist die nicht lobhudelnd gemeinte Rede, von verkrusteten Strukturen und Prozessen, die mit der Lebenswirklichkeit dieser …na, wie gleich…? ach ja: Menschen nichts zu tun hätten, und all son mittlerweile ritualisiert vorgetragener Killefitt. Überdies stehen alle Beteiligten am politischen Spiel sich ratlos am Kopfe kratzend vor der in der Tat bedauerlichen Tatsache, daß gewisse Bevölkerungsgruppen rechts des Konservativismus nicht einmal mehr der „Bild“ noch Glauben schenken und nicht müde werden, völlig ironiefrei von der „Lügenpresse“ zu schwadronieren.

Aber ist das so verwunderlich? Die Politiker, nämlich die Berufspolitiker, also vor allem diejenigen Politiker in höheren staatstragenden Positionen und Ämtern, mithin „die da oben“ tun ja auch so allerhand, was den *hüstel* Menschen, die sich wählenderweise bitte für die Politik zu interessieren haben, aber mehr bitte auch nicht, nur schwer verständlich gemacht werden kann. So wird zum Beispiel monatelang ein Europawahlkampf mit Spitzenkandidaten geführt, um den Menschen mit solchen plakattauglichen Personen das Excitement zu geben, das sie aus ihren nationalen Parlaments- oder Präsidentschaftswahlen gewohnt sind, und das sie bisher in diesen drögen Europawahlen vermißt hatten (wie die Parteistrategen herausgefunden zu haben meinen), und dann? Dann wird nach erfolgter Wahl der mehr oder weniger vom Wählervotum getragene sogenannte Spitzenkandidat gar nicht berücksichtigt, und jemand völlig Ungewähltes wird zur Spitzenkandidatin befördert, im Hinterzimmer, ohne auch nur den Hauch eines Wählerauftrags, wiewohl der ganze Spitzenkandidatszinnober zuvor natürlich auch nur Augenwischerei gewesen war. Hilfreich? Na, weiß nicht.

Und Thüringen. Was soll ich dazu noch Worte verlieren. Die Parteien, die’s gewohnt sind, irgendwie die Macht unter sich aufzuteilen, und die sich als „demokratisch“ verstehen im Gegensatz zur „verfickten AfD“, wie mein Europaabgeordneter Sonneborn diese ehemalige Anti-Euro-, später Anti-alles-, und inzwischen anti-antifaschistische Partei zu titulieren beliebt, können sich nicht zusammenreißen und wählen lieber einen von dieser AfD mitgewählten 5%-Abgeordneten zum Ministerpräsidenten, statt ihrem Gewäsch des Musters „unter Demokraten ist jeder mit jedem koalitionsfähig“ mal was Handfestes folgen zu lassen, nämlich die Erfüllung dieses Demokratieschwurs. Ein Bubenstück von Bernd H. und insgesamt eine Hanswurstiade ersten Ranges, keine Frage, sehr publikumswirksam und gewiß recht unterhaltend, aber hilfreich? Na, ich weiß ja nicht.

Im Zuge dieser thüringer Bratwurstiade rollten Köpfe, nicht zuletzt jener der erst kürzlich unter großem Hallo mit Casting-Show und allem gewählten Vorsitzenden der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (vulgo: CDU), einer politischen Partei (dies nur für alle, die bei diesen ganzen Casting-Shows den Überblick verloren haben, wer da eigentlich jeweils was ist). Dieses CDU-Casting war irgendwie nötig geworden, weil die amtierende Bundeskanzlerin vor geraumer Zeit angekündigt hatte, kurzfristig nicht wieder für den Vorsitz dieser Partei zu kandidieren, und mittelfristig nach Ablauf ihres Engagements als Bundeskanzlerin ihren Vertrag nicht verlängern zu wollen. Und hier kommt der oberwähnte „Spiegel“-Artikel, den ich nicht gelesen habe, ins Spiel: Angela Merkel ist nämlich noch Kanzlerin, denn als solche wurde sie von der Mehrheit des Bundestages gewählt, und das bleibt sie so lange, bis sie durch ein von der Mehrheit des Bundestages gewähltes Kanzler-Asterisk gleichwelchen grammatischen Geschlechts ersetzt wird, entweder durch ein konstruktives Mißtrauensvotum, oder weil nach einer Neuwahl des Bundestages eben eine andere Bundestagesabgeordnete oder ein anderer Bundestagsabgeordneter oder ein ander* Bundestagesabgeordnet* (Seufz) zum/zur/zu* Bundeskanzler*in/In (Seufz) gewählt wird.

Nun steht im Teaser aber, „dass Angela Merkel einfach weiter regieren will“, und es klingt, als wäre das seitens Merkels eine unverfrorene Anmaßung. Und das macht wiederum mich fassungslos angesichts all der oben angerissenen Probleme hinsichtlich des beobachtbaren Vertrauensverlustes von Politik und Medien. Gefragt wird, ob die Kanzlerin vorzeitige Neuwahlen ermöglichen werde, was insinuiert, daß dies gängige verfassungsgewollte Praxis zur Beendigung einer Kanzlerschaft sei.

Nun ist die Geschichte der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland in der Tat geprägt von vorzeitigen Kanzlerschaftsenden. Konrad Adenauer (CDU) trat 1963 im Alter von 88 Jahren zurück, geschwächt durch die Spiegel-Affäre, und weil in seiner Partei auch mal Jüngere ans Ruder wollten. Sein Nachfolger Ludwig Erhardt (CDU) trat 1966 zurück, weil ihm der Koalitionspartner, die FDP, von der Fahne ging. Es kam ab Dezember 1966 zur großen Koalition unter dem bis dahin ungeohrfeigten Kurt Georg Kiesinger (NSDAP/CDU), welcher zwar nicht Bundestagsabgeordneter, aber Ministerpräsident von Baden-Württemberg war und als solcher die Berechtigung zur Teilnahme an Bundestagssitzungen innehatte. Stimmrecht im Bundestag hatte er während seiner Kanzlerschaft ebensowenig wie ein Wählermandat. Bei den folgenden Bundestagswahlen 1969 bekam Kiesinger zwar das Wählermandat, jedoch nicht die erneute Kanzlerschaft, denn zu seinem Nachfolger wurde Willy Brandt (SPD) gewählt. Dieser überstand zwar 1972 ein konstruktives Mißtrauensvotum, durch welches Rainer Barzel (CDU) sich erhofft hatte, zu Kanzlerwürden zu kommen, doch mußte er 1974 vor dem regulären Ende seiner zweiten Amtszeit zurücktreten, weil sein persönlicher Referent als Spion der DDR enttarnt worden war. Sein Nachfolger wurde Helmut Schmidt (SPD). Dieser wiederum trat nicht zurück, obwohl er dies während der Ereignisse des „Deutschen Herbstes“ erwogen hatte, hätte es denn bei der Erstürmung der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ Tote unter den Passagieren gegeben. Am 1. Oktober 1982 kam es zum Konstruktiven Mißtrauensvotum gegen ihn, weil ihm sein Koalitionspartner, die FDP, von der Fahne ging. Zum Nachfolger wurde der Abgeordnete Dr. Helmut Kohl (CDU) gewählt. Da Kohl bei den Bundestagswahlen 1980 nicht Kanzlerkandidat gewesen war, und weil die FDP unter der Voraussetzung einer beabsichtigten Koalition mit der SPD in den vorherigen Wahlkampf gezogen war, hatten alle ein schlechtes Gewissen und wollten ihre frisch geschmiedete Koalition durch vorgezogene Bundestagswahlen vom Staatsvolk legitimiert wissen. Klingt ehrenhaft. Zu diesem Zweck stellte sich Kohl, soeben frisch gewählter Bundeskanzler, direkt einem nicht konstruktiven Mißtrauensvotum, und eine erforderliche Mehrheit der Abgeordneten von CDU und FDP, einzig ihrem Gewissen unterworfen, verweigerte dem kürzlich erst gewählten Kanzler die Gefolgschaft, was eine Auflösung des Bundestags und Neuwahlen unumgänglich machte. Klingt nicht gar so ehrenhaft. Kohl regierte anschließend für 16 Jahre und wurde dann nicht wiedergewählt, obwohl die Wahlkampfkasse der CDU doch gutgefüllt war. Sein Nachfolger wurde 1998 Gerhard Schröder (SPD) in einer Koaltion mit den Grünen. In seiner ersten Amtszeit konnte er sich auf eine komfortable Bundestagsmehrheit stützen, in seiner zweiten nur noch auf eine hauchdünne. Dies nahm Schröder (immer noch SPD) zum Anlaß, im Jahre 2005 durch vorgezogene Neuwahlen die Fronten neu klären zu lassen. Ähnlich wie sein Vorgänger stellte darum auch er die Vertrauensfrage in der Absicht, das Vertrauen nicht ausgesprochen zu bekommen, was – o Wunder! – auch genau so eintraf. Bei den durch dieses Maneuver neutig gewordenen Wahlen kamen Mehrheitsverhältnisse zustande, die zu einer großen Koalition unter Angela Merkel (CDU) führten. Und seitdem ist sie Kanzlerin.

Wie wir sehen konnten, sind die wenigsten Amtszeiten der Bundeskanzler durch eine reguläre Bundestagswahl mit neuen Mehrheiten und somit nichterfolgter Wiederwahl zu Ende gegangen; Kiesinger wurde nicht wiedergewählt, und Kohl ebenfalls nicht. Alle anderen sind vorzeitig zurückgetreten, selten freiwillig, oder scheiterten an einem Mißtrauensvotum, dies sehr viel freiwilliger. Die Art, wie derartige Mißtrauensfragen eingestielt wurden, mutet wenig demokratisch an, denn die Wähler hatten sich ja mal für die jeweiligen Mehrheitsverhältnisse unter der Prämisse entschieden, daß der/die/das Kanditatenwesen dann Kanzlerwesen würde. Die Mauscheleien, die der gewollten Auflösung des Bundestages vorausgingen, waren also politische Taschenspielertricks, die den Anschein der Verfassungstreue wahren sollten, während der Geist der Verfassung mit Füßen getreten wurde (Kann man Geister treten?), denn die bittere Erfahrung der Weimarer Zeit hatte den wenigen Müttern und vielen Vätern des Grundgesetzes gezeigt, daß eine politische Ausnahmesituation ohne funktionstüchtige Regierung unbedingt zu vermeiden sei, weswegen eben das konstruktive Mißtrauensvotum mit unmittelbarer Neuwahl eines Nachfolgers im Amt des Bundeskanzlers installiert wurde; als bloßes Spielzeug in den Händen der – da haben wir sie wieder – Machteliten war es nicht gedacht. Die Institutionen und Prozesse des politischen Lebens werden als altehrwürdig und staatstragend dargestellt, eifrig wird sich bemüht, in politischen Hochämtern öffentlichkeitswirksam dem Buchstaben des Gesetzes Rechnung zu tragen, und doch verkommt all dies zu bloßem Possenspiel und Mummenschanz mit wenig mehr Gehalt als Dschungelcamp und Castingshows.

Und wer also nun fordert, Angela Merkel solle „Neuwahlen ermöglichen“, um dadurch ihre Amtszeit vorzeitig zu beenden und die Mehrheiten im Bundestag neu durchzumischen, will den von der Verfassung vorgesehenen Ausnahme- und Krisenfall zur Normalität erheben. Was ist denn davon zu halten? Weimar haben wir schon erwähnt, und wem hat der ewige Wechsel in der Reichskanzlei, wem haben die in der Krise erlassenenen Notstandsgesetze letztlich genützt? Eben. Und Medien, die leichthin mit solchen Erwägungen spielen, beklagen sich, daß ihnen das Vertrauen der Menschen draußen im Lande flöten geht. Na weeßte!


Lego kauft Bricklink.

26. November 2019

Wie man hier, hier, nicht zuletzt hier, und sogar hier erfahren kann, kauft die Lego Company die BrickLink Company. Ein normaler Vorgang in der Geschäftswelt. Eine Firma kauft eine andere, „schluckt“ sie, wie der an Erfahrung verhärmte Volksmund sagt, und alles ist super, wie man den Pressemitteilungen zu entnehmen das Privileg hat. Die kaufende Firma ist einen Konkurrenten los und verleibt sich dessen Ressourcen an Know-How, Klientel und Sachwerten ein, der Eigentümer der verkauften Firma bekommt einen Batzen Geld, und wer auch immer managenderweise seine Finger im Spiel hatte, freut sich über eine Provision, die sich prozentual nach dem Transaktionswert richtet. Alle sind glücklich. Naja, außer in der Regel die Angestellten beider Firmen, insbesondere nicht diejenigen des geschluckten „Partners“. Denn noch nie in der Geschichte des Schluckens ist so ein Deal über die Bühne gegangen, ohne daß dies mit der Verkleinerung des Gesamtumfangs des aus der Fusion entstandenen Unternehmens einhergegangen wäre. Nun, die Zahl der Angestellten von BrickLink ist überschaubar, handelt es sich doch im Wesentlichen um eine Online-Plattform, die mit wenigen Programmierern und Administratoren und vielen freiwillig Beitragenden auskommt; darum soll das also unsere Besorgnis nicht sein!

Von Seiten Legos verlautbart das Erwartbare: Vollkommen excited, totale Wertschätzung, wir tun’s für die supertollen Fans, freuen uns auf den superkreativen Input, nichts wird sich ändern, aber alles wird besser, was son Vielphras halt zu verlautbaren hat. Es kann ja jeder selbst die oben verlinkten Interviews auf Brickset.com und The Brothers Brick nachlesen, auch der CEO von Lego äußerte sich auf Bricklink entsprechend.

Was ist davon zu halten? Nichts, natürlich. Lego hat ein Interesse daran, den größten fanbasierten Online-Marktplatz für seine Produkte unter Kontrolle zu bekommen, sonst hätten sie sich ja nicht zum Kauf entschlossen. Den kreativen Input der AFOLs, von dem in den Verlautbarungen schwadroniert wird, können wir vernachlässigen, denn auf BrickLink geht es hauptsächlich um den Handel mit Lego-Artikeln jeglicher Art. Und wenn der Deal vollzogen ist, kann Lego nicht nur den Erstmarkt steuern, sondern auch noch den Zweitmarkt. Ist das überhaupt zulässig? Im Zweifelsfall kann Lego also auch verhindern, daß via BrickLink gewisse Dinge gehandelt werden, allem voran die ominösen Q-Parts, über deren Herkunft die Firma selbst gerne Aufschluß hätte. Wie Lego wohl mit BrickLink-Händlern verfährt, die unter ihrer, Legos, Jurisdiktion mit solchen Teilen handeln oder in der Vergangenheit gehandelt habemn? Auch der Umstand, daß Lego sehr ausdrücklich darauf bestand, jegliche Dacta- und sonstwie Educational-Sets nicht in den Sammlerkatalog aufzunehmen, könnte zu der Befürchtung Anlaß geben, der neue Eigentümer könnte diesbezüglich in den BrickLink-Katalog eingreifen und den Handel mit solchen Sets unterbinden. Und wie steht’s mit Sets, die Lego bewußt regional exklusiv vertrieben hat, bisweilen in Absprache mit Kooperationspartnern und Lizenzgebern, die ein Interesse an einer solchen Verbreitungspolitik hatten, warum auch immer? Bisher konnte der interessierte Sammler, so er das *pling* nötige Kleingeld (2 Euro ins Phasenschwein) hatte, sich dennoch, neben anderen Quellen, über BrickLink mit solchen Kollektiblen versorgen.

Natürlich bestünde auch die Chance, das Herz Bricklinks, den Katalog, der über beinahe zwanzig Jahre von Fans ohne intime Kenntnis von Legos Interna zusammengetragen wurde, mit Legos eigener Datenbank abzugleichen, zu vereinheitlichen und auf quasi offiziellen Stand zu bringen. „Chance“ sagte ich, doch auch hier lauert die Gefahr. Denn der Bricklink-Katalog spiegelt die Bedürfnisse der Käufer wieder, seien es nun Sammler oder Eigenbauer, ohne den Produktionserfordernissen Rechnung zu tragen. Soll heißen: Im BL-Katalog werden oft Unterscheidungen vorgenommen, welche den Hersteller naturgemäß nicht interessierten und zum Teil nicht bewußt sind, das auch gar nicht sein müssen; es soll kein Vorwurf sein. Für Lego ist ein roter 2×4-Stein ein roter 2×4-Stein. Für den Sammler ist ein roter 2×4-Stein von 1967 in den verschiedensten Aspekten fundamental unterschiedlich zu einem roten 2×4-Stein von 2019. Wird Lego derlei Details in einem Bricklink-Katalog unter ihrer Ägide noch zulassen? Auch wenn es bedeuten sollte, Qualitätsunterschiede zu ihren Ungunsten anzuerkennen? In den Verlautbarungen ist ja die Rede davon, daß Lego in der Übernahme BrickLinks die Chance sieht, enger mit den AFOLs in Kontakt zu treten und von ihnen zu lernen; wir werden sehen, was solche Aussagen wert sind. Skepsis ist angebracht, denn wir kennen die Firma Lego nicht erst seit gestern. Erinnert sei an das Kommunikationsgebaren anläßlich der Farbumstellungen 2004.

Und schließlich neigt die Firma Lego zu kurzfristigem Denken. Was ihr heute opportun erscheint und mit substanziellen Investitionen vorangetrieben wird, läßt sie morgen fallen wie eine heiße Kartoffel. So lancierte Lego beispielsweise im Oktober 2010 nach aufwendiger Entwicklungsarbeit ein eigenes Multiplayer-Online-Spiel nach Art von Second Life (wer kennt das überhaupt noch?) oder World of Warcraft, und schon im Januar 2012 war das Projekt „Lego Universe“ schon wieder passé. Wir sollten uns also darauf vorbereiten, daß Lego in ungefähr drei Jahren mit großem Bedauern und herzlichem Dank an alle Beteiligten sowie unter dem Bekunden tiefsten Respekts für die AFOLs mitteilt, sich außer Stande zu sehen, Bricklink weiterhin aufrecht zu erhalten, weil Firmenphilosophie und Markterfordernisse und so, ihr versteht schon. Küß die Hand und tschüß!

Vermutlich gäbe es noch viel zu sagen, zum Beispiel hinsichtlich der Vielfalt der auf Bricklink gehandelten Produkte, die bis dato nicht notwendigerweise aus dem Hause Lego stammen mußten, aber da mich das persönlich wenig tangiert, möchte ich zusammenfassen:
Entgegen sämtlichen Ankündigungen wird die Firma Lego zunächst Einfluß auf die Souveränität der einzelnen Händler nehmen, den Handel mit ihnen nicht genehmen Produkten unterbinden, um sodann das Projekt BrickLink binnen dreier Jahre zu beenden.


21ster Dezember 2018.

21. Dezember 2018


MOC zum Tage: 9. Oktober 1967

9. Oktober 2017

Natürlich ist das MOC nur eine Konserve, die ich bereits mindestens im Jahre 2011 einweckte, sofern die Daten unter Flickr-Bildern zuverlässig sind. Aber das ist insofern angemessen, als der Stichtag ja nicht heute ist, sondern heute vor 50 Jahren. Da starb Che Guevara von Mörderhand. Ich bin fern davon, den singenden Zahnarzt zu glorifizieren (sang er?), aber dank propagandamäßig verbreiteter Photographien, insbesondere jener von Alberto Korda, wurde er zur Kult- und Kulturikone für alle, die sich für links halten.

Und falls er nicht selbst sang, wurde er immerhin besungen. Sei es von Wolf Biermann, der ihn den „Jesus Christus mit der Knarre“ nannte, oder von Carlos Puebla, dessen Lied „Hasta siempre, comandante“ Biermann frei ins Deutsche übertrug.

Mir selbst sind derlei Verklärungen ja suspekt. Zumal Ches Idealismus ja gutgemeint gewesen sein mag, aber die Knarre trug er halt auch nicht nur zum Nasepopeln. Dementsprechend fühlen sich bis heute viele seiner Verehrer und VerehrerInnen mit Binnen-I nebst Verehrer*innen mit Idioten-Asterisk in der Nachfolge ihres Idols gerechtfertigt, zu brutalen Mitteln zu greifen, um vermeintlichen Segen über die Menschheit zu bringen. Weil der Marxismus, wenn er denn mal in staatstragende Anwendung gebracht wurde, ja überall für Frieden und Wohlstand gesorgt hat, nöch? Nä, geht mir weg mit Ideologien jeglicher Art!


Der Helmut ist tot.

10. November 2015

Meine früheste Erinnerung an ein politisches Geschehen datiert auf den 6. März 1983, gegen 18 Uhr. Mein Vater hing mit dem Ellbogen am hohen Gefrierschrank in der Küche, auf dem das Radio stand, und es wurde das Ergebnis der vorgezogenen Neuwahl verkündet, durch die Helmut Kohl seinen ..naja.. wir können es nicht Putsch nennen, da das Element des konstruktiven Mißtrauensvotums ja ausdrücklich in Artikel 67 des Grundgesetzes vorgesehen ist. Da aber dem Mißtrauensvotum gegen Helmut Schmidt das Gekungel und der Verrat der F.D.P. vorausgegangen war, ehe eben Helmut Kohl durch das konstruktive Mißtrauensvotum zum 6ten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde, wollte Kohl seine Regierung durch eine Neuwahl auch irgendwie moralisch legitimieren. Eine geistig-moralische Wende hatte er ja angekündigt.

Das alles durchschaute ich damals natürlich nicht. Ich bekam nur mit, daß sich mein Vater über den Wahlsieg der CDU freute, denn „die SPD ist ein Sauhaufen!“ Warum ist sie ein Sauhaufen? Weil sie den Schmidt hat hängenlassen. Denn der Helmut Schmidt war ein guter Mann. „Viel zu schade für die SPD.“ Der Gedanke, daß Schmidt eigentlich in der falschen Partei sei, wurde öfter geäußert; auch Sandra Maischberger sprach den Altkanzler in einem ihrer zahlreichen (so zahlreichen, daß ich die entsprechende Stelle auf die Schnelle nicht bei Youtube finden kann) Interviews darauf an. Seine Antwort: „Ich war schon in der richtigen Partei. Bloß meine Partei war nicht immer…“

Ab heute also müssen sich Raucher wieder fürchten. Helmut Schmidt hat 96 Jahre lang gequarzt, und was hatte er davon? Tot ist er jetzt. Friede seinem Ascher!


The Grass is always greener on the other side.

15. April 2015

Bescheuerter Titel, aber ich kann ja nicht immer brillieren. Jedenfalls ist Günter Grass tot; auch schon unfaßbar lange inzwischen, gemessen in Internetzeiteinheiten. Die ersten twitterten seinen Tod ja schon 9 Minuten 47 Sekunden vor seinem definitiven Ende. Da mache ich nicht mit!

Günter Grass war der große alte Mann der Aufarbeitungsliteratur in der Bundesrepublik Deutschland. Wiewohl – Hand aufs Herz! – die meisten höchstens die „Blechtrommel“ gelesen haben, wenn überhaupt. Anläßlich seines Todes kam am Montag ja Volker Schlöndorffs Film im Fernsehen. Meine Mama hatte das Buch damals nach wenigen Seiten wieder weggelegt, weil: zu schweinisch. Auf jeden Fall war der Roman bei seinem Erscheinen 1959 provokant, und das war wohl auch nötig in der Adenauer-Zeit. Die „Blechtrommel“ ist der „Simplicissimus“ der Nachkriegszeit: Dieser schildert als Narr den 30jährigen Krieg, in jener wirft der Oscar-Preis- und Oskar-Namensträger Matzerath seinen närrischen Blick auf die Nazizeit und den zweiten Weltkrieg. Günter Grass wurde durch dieses sein Erstlingswerk direkt weltberühmt und quasi aus dem Stand zur kritischsten Stimme der ewig jungen BRD. Daß er als politisch links galt, ist auch seinem Engagement als Wahlkämpfer für Willy Brandt zu verdanken. So war es also ein Paukenschlag, als Grass 2006 in seinem autobiographischen Werk „Beim Häuten der Zwiebel“ en passant erwähnte, daß er als Jugendlicher bei der Waffen-SS als Luftwaffenhelfer diente. Seine Kritiker, deren er neben Marcel Reich-Ranicki auch viele unberufene hatte und hat, heben im Zuge der sterbeanlaßüblichen Elogen natürlich diese Tatsache heraus und möchten sie als Zeugnis für die Untauglichkeit Grass’ als Gutes Gewissen verstanden sehen. Aber da war er 17, verdammt nochmal! Den möchte ich sehen, der als 17jähriger schon weiß, daß er dermaleinst als rechtschaffener Mahner und Warner eine makellose Vita wird aufweisen müssen.

So oder so wird Günter Grass in der deutschen Literaturgeschichte in einer Reihe stehen mit Grimmelshausen, Lessing, Goethe, Schiller, Theodor Fontane und Thomas Mann.