Aller guten Dinge sind vier.

28. Mai 2017

Was war denn da los? Da komme ich abends von der Arbeit nach Hause, schalte den Livestream der ARD an und muß mir verwundert die Augen reiben: Borussia Dortmund hat den DFB-Pokal gewonnen! Nun hat Fränkie Mill… nee, wie heißt er gleich? Marco Reus. Nun hat er endlich seinen Titel. Meine Gratulation!

Und just heute vor 20 Jahren gewann der BVB den Europapokal der Landesmeister gegen Juventus Turin. Juve könnte zum Jubiläum diesen Triumph wiederholen, steht die alte Dame doch kommenden Samstag im Finale gegen Real Madrid. Borussia blieb der Verabredung zum Jubiläumsspiel ja leider fern, weil das Viertelfinale gegen den AS Monaco verloren wurde. Freilich wäre Dortmund den Turinern bereits im Halbfinale begegnet, also was soll’s. Derlei Gedankenspiele sind sowieso als sinnlose Überhöhung unzusammenhängender Ereignisse zu bewerten.

Nachtrag mit Klarstellung am 6. Juni 2017: Natürlich hat Juventus vor 20 Jahren das Finale verloren, weil der BVB dasselbe Finale ja gewann. Und genau das hat Juve am Samstag gegen Real Madrid auch wiederholt. Gewonnen hatten sie im Jahr zuvor, 1996.

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Aller guten Dinge sind vier?

27. April 2017

Am Mittwoch ist der BVB zum vierten Mal in Folge ins Finale des DFB-Pokals eingezogen, als erste Mannschaft überhaupt. Diesen Rekord haben wir also für mindestens drei (oder vier?) Jahre sicher. Den Rekord für drei verlorene Pokalfinalniederlagen in Folge hatten wir ja schon letzte Saison aufgestellt. Und wettbewerbsübergreifend wird Borussia Dortmund somit zum sechsten Mal in Folge ein Finalspiel am Saisonende bestreiten; 2012 war es das gewonnene Pokalfinale, 2013 das verlorene Champions-League-Finale, und 2014/15/16 wurde jeweils das Pokalfinale verloren, zum Teil unter dubiosen Umständen, aber halt doch. Vor Jahresfrist unkte ich noch, daß ich mir für die nun laufende Saison eigentlich ein frühes Ausscheiden aus allen Wettbewerben wünschte, weil mir die ewigen Finalniederlagen auf den Sack gingen. Dieses Jahr verlieren wir dann also gegen Eintracht Frankfurt. Glückwunsch, SGE!

Und die Bayern? Die Bayern haben von den letzten sieben Pflichtspielen bloß eins gewonnen (und zwar ausgerechnet das Bundesligarückspiel gegen Dortmund), verbunden mit dem Ausscheiden aus zwei Wettbewerben. Das kann man durchaus als Krise bezeichnen, darüber kann nicht mal ein 8-Punkte-Vorsprung an der Tabellenspitze hinwegtäuschen, bei noch vier ausstehenden Spielen. Vielleicht entlassen Hoeneß und Rummenigge ja ihren Trainer auf der Meisterfeier. Lustig wär’s, zumindest für den Augenblick. Denn wie wir die Bayern kennen, werden sie diese schon jetzt für sie wertlose Saison nicht auf sich sitzen lassen und blutige Rache nehmen an allen, die ihnen mal wieder das ihnen doch eigentlich rechtmäßig zustehende Triple versaut haben. Aubameyang, Weigl und Dembelé werden also sehr bald „in München ein Thema“, vermutlich in der Woche vor dem Pokalfinale.

Dabei muß die Niederlage der Bayern doch an völlig außerweltlichen Faktoren liegen. Denn wie ist es zu erklären, daß sie es trotz 6 (sechs) Minuten Nachspielzeit nicht vermocht haben, das Spiel zu gewinnen oder zumindest in die Verlängerung zu zwingen, um diese dann zu gewinnen? Hallo, Gehörnter? Pakt aufgekündigt?

Ach so, eigentlich sollte ich mich ja über den Finaleinzug des BVB freuen. Tu ich auch irgendwie. Aber die Erfahrung hat mich mißtrauisch gemacht. Naja, olé!

Nachtrag am 30. Ma 2017:
Tja, da hatte ich so hämisch über den FC Bayern gespöttelt, daß die dortigen Bosse den Trainer wegen Nur-Gewinns der Meisterschaft entlassen würden. Und jetzt entlassen die Bosse meines Vereins (Anm. d. Red.: Borussia Dortmund) ihren Trainer. Trotz Pokalsiegs, trotz zweimaligen Erreichens der Champions League und über zwei Jahre sensationeller Punktausbeute in der Bundesliga. Aber wenn das Verhältnis zwischen den Protagonisten nicht vertauensvoll ist, dann isses das halt nicht, zumal das wohl nicht nur für die Führungsriege galt, sondern auch für Teile der Mannschaft. Also ist es wohl besser, wenn man sich sauber trennt, statt noch eine weitere Saison irgendwie scheel weiterzuwurschteln. Trotzdem finde ich es schade, denn irgendwie mag ich Thomas Tuchel.


Finale. Finale. Finale. Finale.

21. Mai 2016

Verloren. Verloren. Verloren. Verloren. Klar, andere würden sich freuen, wenn sie es überhaupt mal in ein Finale schaffen würden. Aber diese ewige Verliererei nervt dann doch auf Dauer. Mir wäre es recht, wenn der BVB kommende Saison mal früh aus allen Wettbewerben ausschiede und mit der Meisterschaft nichts zu tun hätte. Sollen die Bayern halt mal gegen wen anderes gewinnen.

Das Pokalfinale vorhin hatte natürlich einen verdienten Sieger, wenn man sich die drückende Überlegenheit (ein Ausdruck, für den ich virtuell 2 Euro ins virtuelle Phrasenschwein gebe) des FC Bayern vor allem in der zweiten Halbzeit vor Augen führt. Insofern: Gratulation, falls die Bayern sowas überhaupt hören wollen. Auf dem Heimweg von der öffentlichen Leichenschau („Public Viewing“) riefen mir nämlich zwei yuppiemäßige Bayernfans ein „Mia san mia!“ hinterher. Na, dann bitte, bleibt unter euch!

Das Spiel ist vergleichbar mit einem Film der Coen-Brothers: Alle Vorhersagen, die ich vor dem Anpfiff so traf, waren falsch, aber das Ergebnis war dennoch das erwartete. Die Bayern haben nicht in der 95sten Minute das Siegtor erzielt. Mats Hummels hat keinen spielentscheidenden Fehler gemacht. Insbesondere hat er nicht Lothar-Matthäus-mäßig einen Elfmeter gegen seinen künftigen Arbeitgeber versemmelt. Marco Reus, der ja dann an Hummels statt als Kapitän den Elfmeter schoß, ist nicht unter dem Druck zusammengebrochen, sondern er traf. Aber egal, viele Wege führen zur Niederlage. Und auf den Wegen zum Sieg gibt’s am Ende eine bayerische Zollschranke.


Der Trotz der Besitzlosen.

28. April 2016

Jaja, ich weiß. Wir (das ist: Borussia Dortmund) haben auch den Gladbachern den Reus weggekauft. Und auch sonst verpflichten wir ja jährlich gute Spieler oder hoffnungsvolle Talente von anderen Vereinen, zum Leidwesen der dortigen Anhängerschaft. So ist eben das Fußballgeschäft, blabla. Aber es kommt doch ein Hauch von Frustration auf, wenn wir (das ist: s.o.) jetzt jedes verfickte Jahr einen unserer Besten an die sowieso schon Besten (das ist: Der FC Bayern München) abgeben müssen. Dieses Jahr geht also der Kapitän von Bord. Vielleicht verläßt auch bloß eine weitere Ratte das sinkende Schiff. „Aber eins, aber eins, das bleibt besteh’n: Borussia Dortmund wird nicht un! ter! geh’n!“

Also haut doch ab, wenn es euch wichtiger ist, mit den Bayern die 27ste bis 35ste Meisterschaft und den 19ten bis 24sten DFB-Pokal zu gewinnen, statt solches mit einem Verein zu tun, wo diese Titel noch einen Wert haben. Kapitän einer Mannschaft zu sein, mit der man bereits zwei Meisterschaften und einen DFB-Pokal gewonnen hat, mit der man im Finale der Champions-Leage stand, bei der man zur Legende hätte werden können, ist halt uninteressant.

Fluch der Fußballromantik!


Sinnlose Fußballphrasen: Rudelbildung.

8. November 2015

Rudelunbildung wohl eher. Wenn nämlich das Verhalten Rückschlüsse auf die geistige Reife der Protagonisten zuläßt.


Sinnlose Fußballphrasen: Das reicht nicht für einen Elfmeter.

11. März 2015

In annähernd jedem Fußballspiel kann der Zuschauer mindestens einmal beobachten, wie ein Stürmer im gegnerischen Strafraum auf dem Boden sitzt, sich hilflos zum Schiedsrichter umschaut und hofft, daß dieser auf den Elfmeterpunkt zeigt, was dieser jedoch nicht tut, so daß der Stürmer frustriert mit der Faust auf den Rasen trommeln muß.

Bisweilen ging dieser Szene durchaus eine sogenannte Schwalbe voraus, also das Vortäuschen einer Regelwidrigkeit zum Zwecke des Elfmeterschindens. In diesem Fall muß der Stürmer damit rechnen, wegen erwiesener Unsportlichkeit die gelbe Karte gezeigt zu bekommen. Bisweilen ist der Stürmer zuvor ohne betrügerische Absicht über seine eigenen Füße gestolpert. Nicht selten jedoch wurde der Stürmer durch rüdere Mittel seitens eines Abwehrspielers am Torschuß gehindert. Ein sanftes Zupfen am Trikot, ein unmerkliches Touchieren des Standbeins, ein harmloser Rempler – was es da so alles gibt. Da sind sich die Kommentatoren im Fernsehen in der Regel einig: „Das reicht nicht für einen Elfmeter.“ Vordergründig gerechtfertigterweise pfeift der Schiedsrichter so eine Szene also nicht ab, also vor allem nicht Elfmeter.

Wirklich? Ist das so eindeutig gerechtfertigt? Drehen wir die Szene einmal um: Ein Stürmer versucht zum Torschuß und -erfolg zu kommen. Im Zuge dessen zupft er einen Abwehrspieler sanft am Trikot, touchiert unmerklich dessen Standbein, rempelt ihn ganz harmlos. Wir dürfen uns sicher sein, daß ihm dergleichen als Stürmerfoul ausgelegt und die Szene vom Schiedsrichter abgepfiffen wird, mit anschließendem Freistoß für die verteidigende Mannschaft. Ja wie?

Zur Ehrenrettung der Kommentatoren soll nicht unerwähnt bleiben, daß in letzterem Fall die Entscheidung des Schiedsrichters durchaus kritisch hinterfragt wird. („Der Schiedsrichter will hier ein Foulspiel des Angreifers gesehen haben, welches aber auch bei Ansicht der Zeitlupenwiederholung nicht zu erkennen ist.“) Dennoch bleibt die Sinnlosigkeit der Phrase „Das reicht nicht für einen Elfmeter“, zumal die hiermit verknüpfte Schiedsrichterentscheidung, nämlich nicht auf Strafstoß zu entscheiden, eben mit zunehmender Kritiklosigkeit hingenommen wird. Ein Schubser reicht halt nicht. Weil: Elfmeter! Kann man doch nicht machen! Das ist doch eine so harte Bestrafung! (Siehe hierzu auch meine Einlassung zur „sinnlosen Doppelbestrafung“.) Wenn jedoch der Stürmer unter Zuhilfenahme eines nicht elfmeterwürdigen Schubsers ein Tor erzielt, reicht das hin, diesem Tor die Anerkennung zu verweigern. Wenn da mal nicht mit zweierlei Maß gemessen wird! Abwehrspieler dürfen Fouls begehen, die Stürmer nicht begehen dürfen.

Was wäre wenn? Wenn zum Beispiel die Schubser der Abwehrspieler häufiger vom Schiedsrichter als elfmeterwürdig bewertet würden, würden also entsprechend häufiger Elfmeter verhängt. Nun ist ein Elfmeter, also ein direkter Freistoß unter verschärften Bedingungen, zwar keine Torgarantie, aber die Wahrscheinlichkeit eines Torerfolges ist bei einem Elfmeter doch sehr hoch. Eine konsequente Situationsbewertung durch den Schiedsrichter vorausgesetzt, würden also auf beiden Seiten mehr Tore durch Elfmeter erzielt, vielleicht mehr als Tore aus dem Spiel heraus. Hm, klingt nicht attraktiv, zumal davon auszugehen ist, daß noch häufiger die Angreifer bei der geringsten Feindberührung ihre Luschigkeit zur Schau stellen und sich am Boden wälzen würden, um eben einen Elfmeter zugesprochen zu bekommen.
Oder was wäre, wenn die Schubser der Stürmer ähnlich lasch bewertet würden wie die Schubser der Abwehrspieler? Dann würden auf beiden Seiten mehr Tore aus dem Spiel heraus fallen, freilich mit dem Makel behaftet, daß die Stürmer sich den Weg zum Tor freigerempelt haben. Aber wenn die Abwehrspieler ungestraft rempeln dürfen, warum sollten die Stürmer dies nicht dürfen? Im Zweifelsfall bevorzuge ich also diese Variante konsequenter Regelauslegung. Denn angeblich seien doch Tore die Würze des Fußballspiels, und nicht das Verhindern von Toren.

Zusammenfassung: Was phrasengemäß nicht für einen Elfmeter reicht, sollte in der Tat nicht für einen Elfmeter reichen. Gleichermaßen sollte es aber auch nicht zum Abpfeifen einer Torchance reichen.