30-Tage-Challenge: No Alcohol!

1. Juni 2022

Solche Challenges sind wohl gerade en vogue, und als Trendhechler kann ich mich dem natürlich nicht entziehen. Inspiriert hat mich dazu eine Youtube-Reportage, inzwischen leider entfernt, weil sie als problematisch wahrgenommen wurde, und zwar zu Recht. Sie kann mittelbar über diverse Reaction-Videos auf anderen Youtube-Kanälen nachvollzogen werden, hier ein zusammenfassender Link dazu: „Hauptsache Alkohol“

Also. Dies sind meine Vorräte:

1.
Eine Flasche selbsthergestellter Eierlikör, den mein Chef uns letztes Jahr zu Weihnachten schenkte, mit dem Hinweis, ihn kühl zu lagern und bis 2ten Januar zu verbrauchen, wegen Frischei und so.

2.
Eine 0,2-Liter-Flasche Gold-Sekt mit echten Goldflocken (hätte ich vor der Aufnahme mal schütteln sollen), den es vor zwei Jahren als Gratifikation gab, weil wir so erfolgreich gearbeitet hatten.

3.
Eine 0,2-Liter-Flasche „Jules Mumm Sekt Medium Dry – Finest Fresh & Fruity Sparkling Wine“. Mit Schraubverschluß, also besonders edel. Den gab’s neulich als Dank, weil ich in einer anderen Station aushalf. Die Schokolade, die auch dabei war, ist schon weg.

Die Kittelflaschen mit Hände-Desinfektionsmittel stehen da nur zum Scherz mit akzentuiertem r. (Weil da auch Alkohol drin ist, hahaha!)

Ob ich es schaffe, einen vollen Monat lang der Versuchung zu widerstehen!? Ich werde berichten.


Freunde und Kupferstecher.

22. Mai 2022

Sollte sich jemals jemand gefragt haben, wie es dazu kommen konnte, daß man mafiöse Strukturen in der Kirche wahrnehmen könnte, so man denn genau hinsähe, dann findet sich die Antwort natürlich in der Bibel selbst. Mich drängt’s, den Grundtext aufzuschlagen, aber ich begnüge mich mit diesem Kalenderblatt. Unten, Excerpt aus dem Evangelium des Johannes, Kapitel 15, Vers 14:

Jesus Christus, der Che Guevara in Badelatschen.

Außerdem: „Bernhardin“? Jetzt hört’s aber auf! Wenn schon, dann „Bernhard*in“. Bernhardende.


Autoreferenzialität.

18. Mai 2022

An der Ruhr-Universität Bochum sammelte ich im Hörsaal mal ein studentisches Flugblatt auf, ohne es aus der Luft fangen zu müssen, wie der Begriff suggerieren könnte, des bemosernden Inhalts, daß „Evaluation“ ja wohl für viele Professoren ein Fremdwort sei. Ich mußte das damals auch erstmal nachschlagen, ohne gewalttätig werden zu müssen, wie der Begriff suggerieren könnte. Aber egal, lange her, längst zerknüllt, und „Professoren“ gibt es an Universitäten schon längst nicht mehr, zwischenzeitlich „ProfessorInnen“, dann „Professor*innen“, nun höchstens noch „Professierende“.
Was das alles hiermit zu tun hat? Nichts! Außer, daß das auch schon lange her ist.

Aber jetzt gibt es Waldorf und Statler als vorgeformte Lego-Minifiguren. Und entgegen meiner Gewohnheit habe ich das alte Bauwerk mal auf den neusten Stand gebracht, diesbezüglich.

Diesen Logenplatz baute ich vor mindestens mal 13 Jahren, und hier kommt die Autoreferenzialität ins Spiel, in Form des folgenden Links: Logenplatz


„Kennst du eine alte preußische Bauernregel?“ –
„Das Moor hat seine Schuldigkeit getan. Das Moor kann gehen.“


Bauhof mit Doppelgarage 6383.

1. Mai 2022

So nennt der Lego Collector’s Guide (also ich) das Set 6383 von 1981, welches leider nicht im deutschen Lego-Katalog verzeichnet war und darum keinen deutschen Namen hat. Das ist freilich nur die halbe Wahrheit, denn im Quellekatalog war es, dort sah ich es auch und wunderte mich, aber als Fünfjähriger hatte ich halt keinerlei Handhabe.

So wie eine Polizeistation die zentrale Sammelstelle für Polizisten ist und eine Feuerwehrstation für Feuerwehrleute, ist ein Bauhof der morgendliche Sammelpunkt für Bauarbeiter. Umso trauriger ist es, daß das Set in Deutschland nur limitiert erhältlich war, nämlich neben Quelle auch in Vedes-Geschäften, aber eben nicht allüberall in den Spielzeugabteilungen.

Der Spielmöglichkeiten sind viele, trotz eklatantem Mangel an Katapulten und angreifenden Lavamonstern. Das beginnt beim Öffnen und Schließen der Rolltore, welche den Zugriff auf die mitgelieferten Fahrzeuge gestatten, führt weiter über die Bedienung des Greifbaggers auf der Förderschiene, und endet nicht bei der Entwicklung des Verständnisses für Abläufe im Baugewerbe. Hinzu kommen die zwischenmenschlichen Dramen, die sich innerhalb des Kollektivs der sozialversicherungspflichtigen, abhängig beschäftigten Arbeitnehmer (f/m/d) abspielen.

Das Set genügt sich selbst, der Arbeitsablauf könnte also damit beginnen, daß der Greifbagger Schotter in den Trichter der ..äh.. Schotterwaschanlage einfüllt. (Man weiß ja, wie korruptionsanfällig so Baulöwen sind.) Unterdessen wird der Kipplaster fachgerecht unter der Auslaßöffnung der Anlage geparkt.


Der Auslaß erfordert Handbetrieb. Außerdem im Bild: Der Riß im Raum-Zeit-Kontinuum, weshalb ich als fünfundvierzigjähriger Deutscher ein Set bespiele, das nur für sechs- bis zwölfjährige Amerikaner zugelassen war.



Die Darstellung der Industrieanlage erfolgte meisterhaft mit den Mitteln der Teile- und Farbpalette, die im Jahre 1981 zu Gebote standen.

Der Schotter kann nun entweder zur Baustelle irgendwo in der Kinderzimmerstadt gekarrt werden, oder aber, er wird setintern in der dafür vorgesehenen Schütte abgeladen.



Dies könnte sogar der Ausgangspunkt im Arbeitsablauf sein, insofern hier der kleine Ladebagger zum Einsatz kommt und seinerseits den Kipplaster belädt. Oder der Greifbagger greift sich das Schüttgut und transportiert es zum Trichter der ..äh.. Schotterwaschanlage.



Der Maschinist im Kranbagger sitzt äußerst beengt. Ich finde, am heutigen Ersten Mai darf man ruhig mal auf diesen bedenklichen arbeitsschutzrechtlichen Mißstand hinweisen.



Die Greifschaufel, das geilste Formteil, welches Lego je entwarf, faßt nur soundsoviele 1×1-Steine, im Set enthalten sind aber soundsoviele + x, also sind mehrere Fuhren notwendig. Außerdem ist die Reichweite des Kranauslegers begrenzt, was ein Eingreifen der Diplomfachkräfte mit Schaufel und Besen unumgänglich macht.

Nach getaner Arbeit möge der Kranführer versuchen, sein Arbeitsgerät unfallfrei zu verlassen. Good luck, buddy! Wir recken die Faust in kameradschaftlicher Solidarität, Genosse! Überdies verlangt der Bürokram sein Recht. Ein weißer Pfeil auf blauem Grund weist auf den Eingang zur Kabause hin, falls nicht jedem die Architektur und der Zweck einer Tür geläufig ist.

Naturgemäß fehlten bei meinem gebraucht erworbenen Exemplar die Aufkleber, die über mehrere Teile reichten. Es sind dies der Warnstreifen am Ladebagger und die Stechuhr am Kabuff, dieses Triezgerät zur Unterjochung des Proletariats. Die Ausrichtung der Kleber auf dem Aufkleberbogen (ein kostspieliger Zukauf zwecks Vervollständigung des Sets) ist uneindeutig, aber Arbeitsbeginn ist 5 Uhr morgens. Eine unchristliche Zeit, welche die protestantische Arbeitsethik sehr fragwürdig erscheinen läßt.

Der Blick ins Kabuff zeigt: Das papierlose Büro! Ein Traum. Ganz im Gegensatz zum papierlosen Klo; das ist ein Alptraum. Aber ein Klo gibt’s hier eh nicht. Das prangere ich an!
(Zum Glück gibt es aber zwei Bäume, hinter die man zur Not…)

Die Fahrzeughalle ist leider mangelhaft geplant; der Kipplaster paßt nicht zur Gänze hinein. Und welcherlei Funkwellen die Antenne auf dem Dach empfangen und welche Information damit wohin geleitet werden soll, ist auch noch nicht erforscht. Ein divers aufgestelltes Team internationaler Spitzenleute befasst sich bis heute mit dieser Problematik, bisher ohne Ergebnis.

Apropos divers. Wer bisher die hier bei der Arbeit gezeigten Minifiguren als Bauarbeiter (männlich, weiß, testosterongeladen und toxisch-energetisch) interpretiert hatte, soll sich was schämen, patriarchalisches Gesocks! Es handelt sich natürlich, wie 1981 üblich, um BauarbeiterInnen, wenn nicht gar um Bauarbeiter*innen, -_innen oder -/innen.

Darum sind die hier auch nicht scharf. Um Sexismusvorwürfen zu begegnen.

„Drum links, zwo drei, drum links, zwo, drei,
Wo dein Platz, Genosse, ist!
Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,
Weil du auch ein Arbeiter bist!“

(Bertolt Brecht war nicht als großer Frauenrechtler bekannt.)


Bis zum letzten Ukrainer.

26. April 2022

205

Es ist ja alles ganz furchtbar. Aber weil dies so ist, möchte ich mal eine, wie ich finde, sehr kluge und weitgehend sachliche Analyse von Michael Lüders verlinken. Den Herrn kann man als Nahost-Experten aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen kennen, oder auch aus zwei sehenswerten Gesprächen mit Thilo Jung: Erstens. Und Zweitens. Und welcher Osten wäre derzeit näher als die Ukraine? „Unna!“ würde meine neben mir sitzende Freundin hineinrufen, hätte ich denn eine.


Die Waldläufer von 1516.

10. März 2022

Da ja zur Zeit nichts Weltbewegendes passiert, können wir uns ja beruhigt Lego widmen.*

*) Eskapismus one-on-one.

Jedenfalls. Im Jahre 2021 verausgabte Lego im Rahmen seines BrickLink Designer Programs das vom Legofan „povoq“ entworfene Set 910001 „Burg im Wald“, wie der automatische Legotranslator „Castle in the Forest“ übersetzte und auf den Karton druckte. Die Auflage war gering, die Nachfrage hoch, aber dankenswerterweise überließ mir 1000steine-Ambassador Dirk sein Exemplar.

Da das Modell als Hommage an die klassischen Legoland-Waldleute, die im damaligen Katalog unverblümt unter „Robin Hood“ firmierten, angelegt ist, ergäbe eine Rezension dieses Sets keinerlei Sinn, ließe man die jeweiligen Vorbilder außer Acht. Lassen wir sie darob nicht, im Gegenteil.

Die zentrale Vertikale der Burg im Wald orientiert sich am „Flußturm“ 6077 aus dem Jahre 1989. Zur Erinnerung sei er hier vorgezeigt:




Wie wir sehen, war der Flußturm im Innern vor allen Dingen sehr leer. Einzig in den schlammigen Fluten des Flusses, in den der Turm zwischen zwei zufällig dort wachsende Bäumen gebaut wurde, steht ein gefangener Scherge des fiesen Sheriffs von Nottingham unter erbarmenswürdigen Bedingungen, die heutigentags unbedingt Amnesty International auf den Plan rufen würden.

Im Direktvergleich erkennen wir, wie die Gestaltung des Eingangsbereichs der „Burg im Wald“ klaren Bezug aufs Vorbild nimmt, wiewohl die ursprüngliche Holzbrücke hier durch dauerhaftere Steinstufen ersetzt wurde.

Die Uferbegrünung mit verwachsenem Bäumchen und Zielscheibe wurde freilich spiegelbildlich angelegt. Erkennbar ist auch, daß die neue Burg im Wald nicht zwischen zwei einzelne Bäume gebaut wurde, doch dazu später mehr.


Auch in der Rückansicht sind die Parallelen unverkennbar. Das bogenlastige Kellergewölbe ist charakteristisch, ebenso die flächige Rückwand mit Klappfunktion, im neuen Set wiederum seitenverkehrt. Die Falltür ist ein neues Feature, und der Leere des Flußturms wußte povoq zu begegnen, indem er vor allem mal Zwischendecken einzog und für ein wenig Gemütlichkeit sorgte. Der Kamin im ersten Stock (mit Schürhaken!) dient als geheime Tür. Der Gefangne muß jetzt nicht mehr im Wasser stehen, sondern kann es sich auf einer Holzpritsche ohne Strohsack bequem machen – oder einfach davonschwimmen.



Das Zugtor wird in beiden Gebäuden mittels einer Seilwinde auf dem Dach bedient. In den eher naiv-abstrakten Modellen der 1980er Jahre wurde auf Accessibility noch wenig Wert gelegt, im modernen Set hingegen ist das Dach über eine Leiter und eine Klapptür erreichbar.


Das wachhabende Kind … hätte ich jetzt fast gesagt, was natürlich Quatsch ist, denn dieses Set ist nicht für Kinderhände bestimmt, sondern ein Direct-to-Spekulationsobjekt-Release. Aber jedenfalls kann man das Dach abnehmen, um das Innere bespielbar zu machen.

Statt mit naiver Abstraktheit wissen Lego-Sets der gegenwärtigen Generation durch filigrane Detailliertheit zu beeindrucken, besonders, wenn es sich um Modelle handelt, die für, oder gar von AFOLs entworfen wurden. Das hat seinen Preis. Diesen zahlt die Stabilität, diese oft verkannte Hüterin altväterlichen Qualitätsdenkens.

Da der „Flußturm“ unleugbar eine Wasser-Komponente aufwies, gehörte zum Modell ein Floß. Auch die Burg im Wald ist mit einem solchen bestückt. Auffälligerweise steuert es eine Gestalt, die einem Piraten weit ähnlicher sieht als einem Waldläufer. Dies ist dem Umstand geschuldet, daß Lego für dieses BrickLink-Set nicht eigens neue Figuren bedrucken wollte, sondern sich das Personal aus dem rekrutieren mußte, was das aktuelle Sortiment halt so hergab.

Soweit die Hommage an den „Flußturm“ 6077. Das war’s aber noch lange nicht, denn wo dieser beidseits von Bäumen flankiert war, bietet die „Burg im Wald“ Anspielungen auf weitere Sets. Der sich rechts (heraldisch) anschließende Baum gehört nämlich hier zur „Baumhöhle“ 6054 von 1988. Auch hier seien Erinnerungen erweckende Bilder eingefügt:





Als 1988 Robin Hood und seine fröhlichen Gefährten im Legokatalog auftauchten, ergriff landauf, landab eine orgiastische Beseeltheit Besitz von allen kleinen Jungs, die ein Faible für mittelalterliches Lego hatten, ein Gefühl, welches sich gleich im Folgejahr beim Anblick der dann neuen Piratensets wiederholen sollte, und das erst nach Eintritt in die Pubertät gänzlich anders kanalisiert wurde. Aber all das konnten wir ja Anfang 1988 noch nicht wissen, da auch an meinem 11ten Geburtstag diese „Baumhöhle“ auf dem Gabentisch stand.


Charakteristisch ist hier der in der Schräge angelegte Eingang. Die komische leere Stelle über dem Durchlaß des Vorbildmodells wurde in der Hommage-Version als Wohnplatz einer Eule interpretiert. Und weil sie jetzt verfügbar sind, erstrahlt das Blattwerk in leuchtenden Herbstfarben. Kann man machen; so wird dem Modell ein Farbtupfer hinzugefügt.

Ebenso kennzeichnend fürs Originalset ist der blau überdachte Wachstand mit Bogenfensterchen. Dieser findet seine Entsprechung an der „Burg im Wald“, weiterhin mit vorgelagertem Ast, aber in der Breite gewachsen. Povoq ließ auch das kleine Tannenbäumchen nicht unerwähnt, was den wahren Liebhaber zeigt!

Im Innern bietet die „Burg im Wald“ an dieser Stelle naturgemäß mehr Platz. Nachempfunden wurde sogar die niedrige Zwischenhöhlung, die sich im Original durch die Architektur der Eckwandpaneele ergab. Hier böte sie potentiell zusätzlichen Stauraum. Die Felshöhle wurde hinzugedichtet, da die „Burg im Wald“ ja nicht mehr zwischen Bäume, sondern auf Felsgrund errichtet wurde.

Auch das Baumhöhlenmodul der „Burg im Wald“ ist aufklappbar. So bietet es einen Blick aufs angemessen verwinkelte Treppenhaus, durch welches die Baumhöhlensektion wiederum erreichbar wird.

So, um die Waldläufer-Trias zu komplettieren, fehlt noch das „Geheimquartier“ 6066. Dieses ist auf der heraldisch linken Seite der „Burg im Wald“ angeflanscht. Bei uns ebenfalls 1988 im Katalog, war es in Amerika bereits 1987 erschienen. Nicht, daß ich das damals mitbekommen hätte; solche Details mußte ich mir erst durch das Studium amerikanischer Lego-Set-Datenbanken zu AFOL-Zeiten erarbeiten.


Mancherlei ließ sich klappen an diesem Geheimquartier, und die Höhle bot Platz für viele erbeutete Schätze, um König Richard Löwenherz aus österreichischer Geiselhaft freizukaufen. Denn daß diese grünen Bogenschützen zu den Guten gehörten, war ja mal klar. Damalige Gegenspieler waren die Ritter der „Schwarzen Drachenburg“, ebenfalls von 1988, die unmittelbar als normannische Barone identifiziert wurden. Jahá, ich hatte meinen „Ivanhoe“ gelesen!

Der auffällige Geröllhaufen, seinerzeit durch die Schräglage der Bausteine geradezu ein Tabubruch, ist auch hier vorhanden. Der Baum erfährt eine Neuinterpretation, und der Balkon ist ein wenig nach oben gerutscht. Die Seitentür entfällt, zugänglich wird die Höhle durch die geheime Kamintür und eine Leiter. Und auch hier wächst ein kleines Tännchen, wie im Vorbildmodell.

Der Außenkamin des „Geheimquartiers“ ist auch an der „Burg im Wald“ vorhanden, und zwar nicht nur angedeutet, sondern tatsächlich als Kamin ausgeführt, was ich leider im Bild festzuhalten vergaß. Der Anschluß der 6066-Sektion an die Burg ist leider lückenhaft, durchaus ein Schwachpunkt.

Natürlich läßt sich das Versteck aufklappen und bietet Einblick in die mehr (910001) oder weniger (6066) behaglich eingerichtete Wohnlandschaft.

Der Waldläufer mit schwarzem Halskragen, welcher in Deutschland ausschließlich in diesem Set erhältlich war, bot Anlaß zur Spekulation: sollte der schwarze Kragen eine Andeutung klerikaler Gewandung sein und somit auf Bruder Tuck verweisen? Immerhin trägt er nicht Pfeil und Bogen, sondern eine Kiepe. Diese wiederum scheint die Figur im Bauernstande zu verorten. Die Entsprechung im modernen Set wäre somit der eindeutig als Bauer zu identifizierende Latzhosenträger, eine wenig mittelalterlich anmutende Gewandung.

Einen viel eindeutigeren Bauern, welcher der Besetzungsliste des vorliegenden Sets als Inspiration gedient haben könnte, hält die 6-Figuren-Packung 6103 von 1988 bereit. Da diese in der Tat auch Robin-Hood-Figuren enthält, soll sie in unserem nostalgischen Rückblick nicht fehlen:



An dieser Stelle könnten wir die Rezension fast beenden. Aber eben nur fast. Zweierlei noch: Was ist denn hiervon zu halten?

Eine rhetorische Frage, gewiß. Der Umstand, daß die schöne Adlerfahne und die Hirschschilde nur als Aufkleber vorliegen, wäre schon betrüblich genug. Erschwerend kommt hinzu, daß dieses Set nicht mit einer gedruckten Bauanleitung geliefert wird, in der man den Aufkleberbogen einigermaßen sicher verwahren könnte, sondern der Aufbau vermittelst einer online verfügbaren Anleitung erfolgen muß.
Aber 1516! Wieso denn 1516? Sicher, die Form der Datierung verweist auf den legendären Anno-1762-Stein der Kirche 309, soweit, so schön. Aber wieso 1516? Das ist doch nicht mehr Mittelalter!
Aber zweitens:

Wie schon erwähnt, standen 1516 keine etatmäßigen Waldläufer mehr zur Verfügung, weshalb der Cast sich anderer Themengebiete bedienen mußte. Adlerritter, schön. Außerdem ein anachronistischer Bauer, ein Seeräuber, Will Scarlett und Maid Marian? Das grüne Oberteil der Geschützmeisterin Robin Loot, die ja auch nicht zufällig so heißt, aus dem Barracuda-Bucht-Set 21322 war wohl das einzige, was hier thematisch irgendwie paßte. Also mußte Marian die Führung übernehmen, ein zeitgemäßer Schritt. Außerdem eröffnet uns dies die willkommene Gelegenheit, den Blick doch noch ein wenig schweifen zu lassen, denn die oben gezeigten Robin-Hood-Sets waren bei weitem nicht die einzigen; andernorts gab es weitere, und eben auch Maid Marian gab es! So durften im Jahre 1990 amerikanische Kinder mit dem Set 6071 „Forestmen’s Crossing“ spielen. Europäische leider nicht.

Daher blieb den hiesigen Kindern nicht nur der Besitz der Flußgrundplatte verwehrt, die sie freilich im Baubuch 260 be- und sich selbst wundern durften, wo die wohl herstamme? Auch Maid Marian fand kaum den Weg in deutsche Kinderzimmer.




Bisweilen habe ich den Eindruck, daß US-exklusive Lego-Sets zwar schön sind, trotzdem aber das durch ihre eingeschränkte Erhältlichkeit befeuerte Begehren über gewisse Mängel hinwegtäuscht, und sie vielleicht deshalb dem europäischen Markt nicht zugemutet wurden. Hier ist zum Beispiel das Steingebäude irgendwie lüttig und der Baum uninspiriert.

Außerdem gab es im Jahre 1989 diesen Heuwagen, „Smuggler’s Hayride“ genannt, der Teil des Tripplepacks 1974 war, natürlich auch US-exklusiv.


Siehe da! Unter den Heuballen wird eine Schatztruhe geschmuggelt.

Einen besonders gearteten Fall stellt das Set-Pärchen 1680/1877 dar, welches in der amerikanischen Version „Crusader’s Cart“ heißt. Denn das ist grundsätzlich dasselbe Modell in unterschiedlichem Gewand. 1680 erschien im Jahre 1990 in Großbritannien. Geschmuggelt wird hier Robin of Locksley, der heimgekehrte Kreuzritter, selbst:



Die amerikanische Setversion war Teil des Bonus-Packs 1675. Der Karton mußte kleiner sein, weshalb eine der äußerst raumgreifenden Figuren schlicht weggekürzt wurde:

So, das war’s jetzt aber wirklich.

Ach, halt. Den Gastauftritt eines Waldläufers im Löwenritterset 6042 „Gefangenenkutsche“ von 1990 möchte ich nicht unterschlagen:



Jetzt ist aber auch endgültig Feierabend. Zurück zum Weltgeschehen!