The Grass is always greener on the other side.

Bescheuerter Titel, aber ich kann ja nicht immer brillieren. Jedenfalls ist Günter Grass tot; auch schon unfaßbar lange inzwischen, gemessen in Internetzeiteinheiten. Die ersten twitterten seinen Tod ja schon 9 Minuten 47 Sekunden vor seinem definitiven Ende. Da mache ich nicht mit!

Günter Grass war der große alte Mann der Aufarbeitungsliteratur in der Bundesrepublik Deutschland. Wiewohl – Hand aufs Herz! – die meisten höchstens die „Blechtrommel“ gelesen haben, wenn überhaupt. Anläßlich seines Todes kam am Montag ja Volker Schlöndorffs Film im Fernsehen. Meine Mama hatte das Buch damals nach wenigen Seiten wieder weggelegt, weil: zu schweinisch. Auf jeden Fall war der Roman bei seinem Erscheinen 1959 provokant, und das war wohl auch nötig in der Adenauer-Zeit. Die „Blechtrommel“ ist der „Simplicissimus“ der Nachkriegszeit: Dieser schildert als Narr den 30jährigen Krieg, in jener wirft der Oscar-Preis- und Oskar-Namensträger Matzerath seinen närrischen Blick auf die Nazizeit und den zweiten Weltkrieg. Günter Grass wurde durch dieses sein Erstlingswerk direkt weltberühmt und quasi aus dem Stand zur kritischsten Stimme der ewig jungen BRD. Daß er als politisch links galt, ist auch seinem Engagement als Wahlkämpfer für Willy Brandt zu verdanken. So war es also ein Paukenschlag, als Grass 2006 in seinem autobiographischen Werk „Beim Häuten der Zwiebel“ en passant erwähnte, daß er als Jugendlicher bei der Waffen-SS als Luftwaffenhelfer diente. Seine Kritiker, deren er neben Marcel Reich-Ranicki auch viele unberufene hatte und hat, heben im Zuge der sterbeanlaßüblichen Elogen natürlich diese Tatsache heraus und möchten sie als Zeugnis für die Untauglichkeit Grass’ als Gutes Gewissen verstanden sehen. Aber da war er 17, verdammt nochmal! Den möchte ich sehen, der als 17jähriger schon weiß, daß er dermaleinst als rechtschaffener Mahner und Warner eine makellose Vita wird aufweisen müssen.

So oder so wird Günter Grass in der deutschen Literaturgeschichte in einer Reihe stehen mit Grimmelshausen, Lessing, Goethe, Schiller, Theodor Fontane und Thomas Mann.

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One Response to The Grass is always greener on the other side.

  1. Wortman sagt:

    *hehe* Mein Herr W. bloß mir Grass – Schnauzer ;)
    Ich glaube, den meisten ist wirklich nur die Blechtrommel ein Begriff… Ich habe auch nur den Film gesehen und bisher noch nie ein Buch von GG gelesen…

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