Kindheitslego, nostalgieverklärt.

Im Forum von 1000steine.de fragt der Benutzer Sylvius nach Lieblingssets der Kindheit. Ein schönes Thema, das auch das Zeug zum Blog-Eintrag hat, darum rezykliere ich meine dortige Antwort hier einfach mal. Und verarbeite dieselben Buchstaben zu Fair-trade-Wickelröcken. Nee, Quatsch.

Nur drei Sets auszuwählen, ist ja eine schwierige Aufgabe. Aber gut, ich versuch’s mal.

6374

Die Ferienvilla 6374 war das am besten ausgestatte Haus zu meiner Zeit. Mit gepflasterter Einfahrt, Markise, Grill, Auto, Pappel, Kühlschrank, Herd, Glastischen und Wohnzimmerleuchte. Sonnenklar, daß „mein Mann“, also das Männeken, mit dem ich mich identifizierte, in dieser Villa residierte. (Männeken bestand übrigens aus Oberteil des 608-Taxifahrers, weißer Hose, Smiley-Gesicht und schwarzer Perücke.) Das Auto ersetzte ich freilich durch einen Geländewagen der Marke Eigenbau. Weil der „Colt für alle Fälle“ sowas ja auch fuhr, der Teufelskerl.

1592

Im Jahre 1984 sollte es neue Ritter geben. In grauen Burgen! Lechz! Lieferbar ab April. Scheiße, Geburtstag im März. Es war dann bloßer Zufall, der meine Mama und mich Ende Januar oder Anfang Februar ins örtliche Vedes-Geschäft verschlug, wo am Ausgang auf dem Grabbeltisch ein einsames Exemplar dieses Sets 1592 stand, das ich aus dem Katalog gar nicht kannte. Wahrscheinlich ein Restposten, denn eigentlich stammt das Set ja von 1980. Aber egal. Es hatte Ritter, ein Burgtor und ein Fachwerkhaus. Für meine Mama gut genug als Ersatz für die noch nicht verfügbaren neuen Burgen, selbst wenn es stilistisch natürlich noch auf die gelbe Vorgängerburg 375 abgestimmt war.
Jedenfalls habe ich dieses Set geliebt. Immer wieder, wenn ich meine Stadt aufbaute, baute ich auch das Fachwerkhaus und die Burgmauer wieder auf, während zwischendurch die Teile natürlich in Eigenbauten Verwendung fanden. Die Aufkleber parkte ich dann immer irgendwo (Schrankwände, Innenseite meiner Curver-Kiste mit Lego), weshalb sie irgendwann weg waren. Und die Bauanleitung war ziemlich zerfleddert. Vom Sammlerstandpunkt eine Katastrophe, aber ich hatte meine Freude am Modell, und das ist ja auch was wert.

6285

1989 wartete der Katalog mit der Sensation auf: Piraten! A dream come true! Und die Piratenbrigantine 6285 war atemberaubend schön. Nächtelang himmelte ich die Katalogseiten an und begehrte. Lieferbar ab Mai. Ja Scheiße, Geburtstag immer noch im März. Aber pünktlich am 2. Mai, denn der erste war ja ein Feiertag, radelte ich mit zusammengerasenmähten und ergutenotengeschriebenen DM 100,- (einhundert) zum Wertkauf, um das Schiff zu kaufen. Denn ich dachte mir, daß das größte Set der Reihe ja wohl 100 Mark kosten würde. Pustekuchen, 160 Mark wurden verlangt, Mist auch. Also kaufte ich erst mal das Gouverneurskastell 6276, und das Schiff gab es halt erst zu Weihnachten. Gleich in der Weihnachtsnacht, ich schon im Schlafanzug, erlebte es auf dem Teppich im kerzenwarmen Wohnzimmer seinen ersten Schiffbruch. Dramatische Ereignisse und Abenteuer auf hoher See wohnen diesem Modell ja inne. Bis heute ist es das beste Piratenschiff, das Lego je herausgebracht hat, da knarzen die Taue, da schwankt das Deck, da riecht es nach Fisch und salziger Luft! Ähnlich gut war bloß noch die Dreimastbark 6286, das Nachfolgeschiff. Man merkt, daß die Setentwickler damals noch völlig ohne Kostendruck drauflosdesignen durften. Das durften sie bei der ösigen Pirates-Serie von neulich (2009) ganz offensichtlich nicht, denn das Schiff 6243 ist schlecht. Und auch das vielgelobte Flaggschiff 10210 hat bei weitem nicht den Flair der alten Schiffe. Naja.

So, da war jetzt gar kein Ritterset dabei. Aber natürlich war 6080 toll, 6074 phantastisch und 6067 supertoll.

Und Sets, die ich damals gerne gehabt hätte, zu denen es aber nicht kam, übrigens bis heute nicht:

Vor der Monorail 6990 verbrachte ich im Katalog auch viele Stunden, sie landete auch auf meinem vorläufigen Weihnachtswunschzettel, aber mußte dann irgendwas anderem weichen.

1990 hatte ich die Wahl zwischen dem Spukschloß 6081 und dem ModelTeam-Truck 5580. Letztlich war mir die Burg dann doch wichtiger.

Und, jawohl, auch ungefähr 1990 wollte ich eine Dampflok bauen. Und ich erinnerte mich der Dampflok, die ich aus meinen ganz frühen Katalogen kannte. Wie ich im nachhinein weiß: die lägändärä 7750. Ich Naivling radelte also los, mal gucken, ob die noch irgendwo aufzutreiben wäre. War sie aber natürlich nicht. Ich baute meine Dampflok dann ohne große Lokräder aber mit Batteriestab aus 740 als Kessel. Nicht schön, aber selten. Die 7750 habe ich natürlich bis heute nicht, aber das passiert mir nicht nochmal! Den Smaragd Express holte ich mir frisch aus der Presse.

Hier endete mein Forumsbeitrag ohne stilvollen Abschluß. Sei’s drum.

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4 Responses to Kindheitslego, nostalgieverklärt.

  1. kleurendurf sagt:

    Ich gehe mit und erhöhe auf 675. Schön.

    • Guddi73 sagt:

      Alles schöne Sets, keine Frage!
      Doch die schönsten Stücke meiner Sammlung sind und bleiben aber die 918, 924 und 928. Die Serie entstand genau zu der Zeit, als die NASA ihr erstes flugfähige Space-Shuttle erhielt. Also ging es auch in meinem Kinderzimmer auf zu den Sternen.
      Die Farbgestaltung der Sets, die Formgebung und die spielerischen Möglichkeiten sind bis heute unübertroffen und es blieb friedlich im Kinderzimmer.
      918 bekam ich zu Ostern 1980. Etwa ein Jahr später war ich mit meinen Eltern in irgend so einem Laden in dem es scheinbar alles gab. Dort fand mein Vater ein weiteres Exemplar der 918 zu einem wohl reduzierten Preis. Er nahm es einfach mit und es steht bis heute ungeöffnet bei mir/uns in der Vitrine. Danke Vadder !!!

  2. Wortman sagt:

    Hast denn das Gouverneurskastell 6276 heute noch? ;)
    Das SChiff war wirklich klasse. Könnte mich heute noch ärgern, dass ich die damals nicht gekauft habe.

    • Jojo sagt:

      Prinzipiell habe ich das Set noch. Bauanleitung liegt vor, alle Steine sind auch vorhanden. Aber aufgebaut ist es natürlich nicht.

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