1620 Chocomel-Fabrik

Seit ich ungefähr im Jahre 2001 die neben- stehende Figur aus einem Minifig-Wühlbeutel zog, zum Preis von sagenhaften De Em eins, war ich ja auf der Suche. Zunächst nach der Herkunft der mir unbekannten Figur. Als mögliche Quelle sprang mir erst das Set 1589 ins Auge, aber der dort enthaltene Anzugträger ist nicht identisch mit meiner Figur. Vielmehr stammt mein Männeken aus dem Set 1620, einem niederländischen Promoset für den Trink- schokoladenfabrikanten Chocomel, wie 1589 im Jahre 1978 aufgelegt. Wir erinnern uns, das war das Jahr, in dem die Minifig als solche überhaupt erst das Licht der Welt erblickte, und Lego baute seinen neuen kleinen Helden sogleich opulente Bühnen in Form grandioser Sets. Wie es so Legos Art ist, brachten sie die schönsten aber nur einem ausgewählten Publikum zur Kenntnis. Darum war ich seit der Identifikation der Figur dann auf der Suche nach dem kompletten Set, welches ob seines Alters, seines geringen Verbreitungsgebietes und seiner Funktion als Werbemittel als selten einzustufen ist. Man darf nicht hoffen, auf deutschen Flohmärkten darüber zu stolpern, und der Umstand, daß es Aufkleber enthält, macht die Sache nicht einfacher. Aber irgendwann bekommt man ja alles. (Wie ich an dieser Stelle mal verzweifelten Sammlern versichern will, sofern sie nicht ausgerechnet Objekte mit der Auflagenstärke 1 begehren.) Lego kommt ja freundlicherweise in Einzelteilen, also kann man sich so ein Set ja zur Not auch steinweise zusammenstückeln, wenn man denn die speziellen Teile in die Finger bekommt. Aber Gelegenheit macht Käufer, und so steht die Schokoladenfabrik nun auf meinem Schreibtisch:

Ein Kunstwerk! Mit den einfachen Mitteln, welche die Teilepalette 1978 hergab, wurde ein Modell kreiert, das gleichermaßen charmant, niedlich und treffend-charakteristisch für die Niederlande ist. Lego war damals noch optimistisch und gut. Nur zähneknirschend wurden Sets ins Sortiment genommen, die keine Bäume oder Blumen enthielten. Hier gibt es beides.

Der kleine Transporter hätte nicht viel länger sein dürfen, damit er noch in Parkposition auf die Breite des Bürgersteigs paßt. Und der Fabrikdirektor kommt zu Fuß, sein rotes Mäppchen in der Hand haltend.

Wie es sich gehört, bietet so ein Lego-Modell Einblick ins Innere. Hier ist das Interieur zwar spärlich, aber es ist vorhanden. Die Krantechnik ist ergreifend simpel: Eine durch zwei Schlitze im Mauerwerk geführte Schnur.

Verkauft wird exakt eine Dose Chocomel.

Schiefe Ebenen. Der Baum im Hintergrund ist schief gewachsen und sollte laut Bauanleitung eigentlich auf der Verkehrsinsel vorne links stehen, was jedoch phototechnisch ungünstig gewesen wäre. Das Stop-Schild hat wohl mal Kontakt mit dem Kühlergrill eines Automobils geknüpft, ist jedenfalls nun auch schief. Daß die Laterne neben der Sitzbank schief ist, kann nur mit der Nachlässigkeit des aufbauenden ..äh.. Kindes erklärt werden.

Die neugeborenen Minifigs durften natürlich noch nicht Auto fahren. Darum ließen die ersten Autochens der Minifigära zunächst niemanden einsteigen.

Der Blumenstand ist sicherlich das bezauberndste Detail an diesem Modell. Die Tulpen aus Amsterdam helfen dem Direktor dabei, seine Gattin zu besänftigen, wenn er den Hochzeitstag mal wieder in der Firma verbringen mußte.

Fälschungen dieses Sets erkennt man übrigens daran, daß der „Chocomel“-Schriftzug nicht in blau-gelb ausgeführt ist, sondern in schwarz-weiß, wie es zwar die Bauanleitung zeigt, wie es der originale Aufkleberbogen jedoch nicht hergibt.


In 19 Schritten kann Charlie hier zu seiner Schokoladenfabrik kommen. Die Bauanweisungen sind knapp gehalten, manches muß man erahnen. Uns, die wir noch mit solchen Bauanleitungen aufgewachsen sind, hat das sicherlich nicht geschadet. Heutzutage wäre die BA ein 50 Seiten starkes Buch.


In einem Wort: Lekker! Der Kakao übrigens auch. Anläßlich dieser Set- besprechung kaufte ich erstmals eine Packung Chocomel, und sie wird ihrer großspurigen Selbstbetitelung „Leckerste Schokoladenmilch“ durchaus gerecht.

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4 Responses to 1620 Chocomel-Fabrik

  1. Wortman sagt:

    Ein sehr schönes altes Set. Die waren noch nicht so überlastet mit Spezialteilen und man konnte sie auch gut nachbauen – und ein gewisser Flair lastet ihnen heute auch an :)

    • Jojo sagt:

      Ja, die Reduktion aufs Wesentliche hat ihren Reiz. Und Spezialteile, das waren damals Zäune, Kranhaken und Straßenschilder. Und zu jenem Zeitpunkt natürlich noch die neuen Figuren.

      • Wortman sagt:

        Ich hab auch noch ein paar der ersten Figuren – ohne Arme :) Diese angedeuteten Figuren.

        Die Sachen haben schon ihren Reiz – das stimmt. Ich hatte damals mal so ein Hafenset. Da war Wasser und die Straßen noch auf dicken Karton gedruckt. Nicht wie heute die Straßenplatten.

  2. farnheim sagt:

    Ein wirklich tolles Set hast Du da ergattert. Meinen Glückwunsch! Der Direktor ist in der Tat ein hübsches Kerlchen. Bei dem kleinen, charmanten LKW muss ich unweigerlich an seinen großen Bruder denken, der ja sogar dieselbe Fahrgestellfarbe aufweist: http://www.brickset.com/detail/?Set=643-1

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