14 Punkte Rückstand.

Na gut. Was man von Fußballfans keinesfalls erwarten sollte, ist Objektivität. Hoffnungen wie: „Möge der Bessere gewinnen!“ werden lediglich von Mutti und Feiertagsrednern in Person von Verbands- präsidenten und ähnlich überflüssigen Krawattenträgern geäußert. Korrekt heißt es: „Hoffentlich gewinnen wir!“ oder: „Hauptsache, die Scheiß-Bayern verlieren!“

Am vergangenen Wochenende haben die Bayern verloren. Vor allem hat mein BVB gewonnen. Und da beide Ereignisse das Ergebnis ein und desselben Spiels waren, freut mich diese Niederlage der Bayern ganz besonders. Verständlicherweise sind die Sympathisanten der Münchner ob dieses Spielausgangs tendenziell angefressen, und den Kommentarspalten bei 11freunde.de und Spiegel Online konnte ich entnehmen, daß sie so wenig objektiv reagieren, wie man es eben von Fußballfans erwarten darf, nein: muß.

Da kommen dann so Argumente zum Tragen wie: „Ja klar, uns hat ja auch der Schweinsteiger gefehlt!“ Und: „War halt Pech, daß unsere Buam einen schlechten Tag erwischt haben.“ Und: „Kunststück! Die Dortmunder sind halt gerannt wie die Pferde und haben nicht spielerisch gegen uns gewonnen!“ Und überhaupt: „Ein Glückstor!“ Da können einem wirklich Tränen der Rührung kommen. Verzweifelt versuchen die erfolgsverwöhnten Bayernanhänger, die jetzt dritte Niederlage in Folge ihrer Mannschaft gegen meine Mannschaft (den BVB) mit Dingen zu erklären, welche nicht die Grundfesten ihrer Überzeugung in Frage stellen, die da lauten:
Der FC Bayern ist der natürliche Rechteinhaber an jeglichen Titeln, und nur außergewöhnliche Umstände können dazu führen, daß er mal nicht gewinnt. Daran, daß die gewinnende Mannschaft einfach mal besser war als die eigene, braucht man keinen Gedanken zu verschwenden, denn das wäre ja gegen die natürliche Ordnung.

Dieses über Jahrzehnte sich verfestigt habende Selbstverständnis des FC Bayern ist inzwischen so dermaßen Teil der Folklore geworden, daß der Sieg des BVB in der Allianz-Arena allenthalben für überraschend befunden wurde. Natürlich kann ein Sieg gegen den FCB von nie- mandem als selbstverständlich empfunden werden. Aber unter einer Überraschung verstehe ich dann doch noch etwas anderes. Denn wie erwähnt, war das nun der dritte Sieg der Dortmunder über die Isarstädter (Jaja, Synonymitis) in Serie, jeweils mit annähernd derselben Mannschaft, jeweils mit annähernd derselben laufintensiven, die Defensive betonenden Spielweise. Wenn die Bayern immer noch nicht begriffen haben, daß ihre Niederlagen kein Zufall waren, nicht die Folge widriger Umstände, dann spricht das nicht eben für sie. Es spräche lediglich für ihre realitätsferne Wahrnehmung.

À propos. Nach dem 13ten Spieltag der letzten Saison, also just vor einem Jahr, hatte der FC Bayern in der Tabelle 20 Punkte und damit 14 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer. Davon unbeeindruckt verlautbarten aus der Führungsetage an der Säbener Straße lustige Drohungen des Musters: „Die sollen sich da oben an der Tabellen- spitze nicht zu sicher fühlen, wir werden jetzt unsere Aufholjagd starten!“ Denn der Weg zur Deutschen Meisterschaft kann natürlich nur über München führen. Führte er dann auch. Am Ende hatten die Bayern aber tatsächlich 4 Punkte gutgemacht.

4 Punkte. Gegenwärtig beträgt der Vorsprung des Tabellenführers ganze 2 Punkte. Aber hört man aus Dortmund und Mönchengladbach Kampfansagen an den FC Bayern? Oder von sonst einem Verein, der nach bayerischer Auffassung noch in unmittelbarer Schlagdistanz in der Tabelle steht, also am 13ten Spieltag mit höchstens 14 Punkten Abstand auf den Spitzenplatz? Nä. Denn wenn der FC Bayern Tabellenführer ist, dann geht einfach niemand davon aus, daß sich das bis zum Saisonende noch ändern kann.

Die Meisterschaft ist entschieden.

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