Figuren-Universalkasten 205 (5) bis (37)

Bibbernderweise ist ja Winter. Dadurch verkürzt sich die Zeit des Tages, die für brauchbare Photographien genutzt werden kann, auf wenige Wimpernschläge. Zudem werden ja alle Figuren mit den begrenzten Mitteln des einen kleinen Sets gebaut, so daß erst die eine Figur zerlegt und die nächste gebaut werden muß, ehe sie vor die Linse kann. Das ist zeitaufwendiger, als ich selbst dachte. Fahren wir also fort:

Ob diese Vierergruppe tatsächlich als solche gedacht ist, weiß ich nicht, doch sind alle Figuren gleichzeitig möglich, und auch ihre Anordung auf dem Poster scheint mir darauf hinzudeuten. Aber was tut der Mann da? Angeln? Und Muttern hockt am Lagerfeuer, während der Sohnemann darauf wartet, an der Reihe zu sein, und das Töchterchen verträumt Blumen pflückt?

Die feine Dame rechts scheint an der Theaterkasse auf ihr Billett zu warten, während die ebenso feine Dame links bereits mit dem Opernglas die anderen Logen nach tratschbaren Neuigkeiten absucht. Gemeinsam wollen sie den Klängen lauschen, welche der Kehle dieser blutjunge Chanteuse im extravaganten wei- ßen Kleid entströmen. (Bild unten rechts ↓)

Der Sangeskunst hat sich auch dieser gutsituierte und darob entsprechend beleibte Brauerei-besitzer verschrieben, doch pflegt er ihrer steckenpferdlerisch in der Vokal-Societät „Concordia“, welche traditionelles Liedgut zum Besten gibt.

Zwei Dreikäsehochs (zusammen also ein Sechskäsehoch) in Frack und Ballkleid? Da kann es sich doch bloß um einen Auswuchs des Kinderkarnevals handeln, sofern nicht ehr- geizige Eltern ihre Sprößlinge zu einer Kinder- Miss- und -Mister-Wahl angemeldet haben, und das wollen wir ja nicht hoffen!

Ein Arbeiter mit Preßlufthammer. Anders als beim Mondlandungset 367, bei dem die Köpfe der Figuren aus dem Schulterstück operiert werden, um sie durch gebaute Raumfahrerhelme zu ersetzen, brachte es Lego beim Set 205 nicht über sich, die Köpfe auszutauschen. Also trägt zwangsläufig jede blaue Figur stets den Zwicker.

Drollige Möglichkeiten versprach der Kartontext. Dieses Attribut trifft auf den Seebären mit Fernrohr sicher in besonderem Maße zu. Bloß sehen tut er nix, denn die Noppen der Rundsteine sind noch geschlossen. Natürlich bewahrt ihn das vor der seebärtypischen Augenklappe, deren Gebrauch ja durch das alltägliche Beobachten der Sonne durch nautisches Gerät erzwungen wurde.

Sodann haben wir hier einen debil grinsenden Handwerker mit Hammer und Werkzeuggürtel. Was an der anderen Seite des Gürtels hängt, ist nicht ersichtlich, aber die 1×4-Platte steht natürlich heraus. Dort kann man ja den Hammer einhängen. Der 1-breite Dachstein hat noch keinen Stabi- lisierungspin im Innern, und prompt verrutschte er, als ich das Photo machte.

Dieser grüßende Bauchträger kann gleichermaßen ein feister Armeegeneral sein, wie auch ein Oppa vonner Trinkhalle. Das bleibt der freien Phantasie überlassen.
Dahingegen ist der Hausmeister mit seiner Schneeschaufel eindeutig als solcher zu erkennen. Noch eindeutiger wäre es ja mit Cord- Hut, aber das gibt die Teileauswahl des Sets nicht her.

Ebenfalls nicht eindeutig ist die Beziehung dieser beiden Figuren zueinander. Sind der lange Lulatsch und die ver- gnügte Alte ein merkwürdiges Liebespaar, was ihr Händchenhalten erklären würde, oder doch Mutter und Sohn? Dann sollte sich der Gute aber schleunigst abnabeln!

Dieses dicke Kind würde gerne zum Eisstand streben, was der Erzie- hungsberechtigten jedoch nicht ins päd- agogische Konzept paßt. Auch große Schwe- stern können streng sein.
(Als ob ich das wüßte!)

Breiten Raum auf der ersten Posterseite nehmen Figuren in Kostümierungen ein, die ich bloß als traditionelle Trachten verschie- dener Weltregionen einordnen kann, ohne sie alle im einzelnen benennen zu können:

Die rotgewandete Schürzenträgerin (16) könnte immerhin eine holländische Küchenmagd sein, während die blaue Frau links (13) vielleicht einfach nur marilyn-monroe-like über einem Lüftungsgitter steht.


Die rot-schwarze Oma (17) gleicht einer alternden Flamenco-Sängerin, wozu die rot-weiß-schwarze Dame (19) thematisch passen würde. Die weiße Gestalt (22) ist einer Geisha nicht komplett unähnlich.


Der Mützenträger (23) ist sicher ein ukrainischer Bauer. Würde die ältere Dame (28) nicht so gekonnt ihren Schirm balancieren, hielte ich sie nicht für eine nicht mehr ganz taufrische Zirkusartistin.

Über all das (Zirkusartisten, Kasatschok- und Flamencotänzer, Geishas und Lüftungsgitter) infor- miert sich der häusliche Typ im Lichte einer geschmackvollen Stehlampe aus der Zeitung.

Sollte dieses Mädchen den Kaffee servieren, hätte ich ihm die Kanne wohl nicht so schräg in die Hand geben sollen. Ansonsten habe ich aber offenbar zu wenig Phantasie, zu ergründen, was das Ding sonst sein soll. Vor 30 Jahren war mir das vielleicht klarer.

Das Gebilde, das hier die Beine der Dame ersetzt, könnte einem barocken Reifrock nachempfunden sein. (Könnte, könnte, könnte. Ich höre mich an wie die GMX-News mit ihren knallhart recherchierten Weltwichtigkeiten. Lohan angeblich in Entzugsklinik eingeliefert. Lohan wohl nicht glücklich im Knast. Lohan könnte bald Lohangreen heißen. Und was dergleichen Meldungen mehr sind. Aber ich schweife ab.)
Paartanz, lateinamerikanisch. Neulich erfuhr ich, ohne danach gefragt zu haben, daß der Tango, wiewohl aus Lateinamerika stammend, gar nicht als lateinamerikanischer Tanz gewerthet wird, sondern zu den Standardtänzen zählt. Also nochmal: Paartanz, Standard.

Ob dieses Figurenpaar gewolterdings eins ist und daher mit Großmutter und Enkelin zu betiteln ist, wird das Geheimnis des unbe- kannten Setentwicklers bleiben. Aber möglich ist’s, und das ist doch auch mal was Schönes.

Dieses arme Blumenmädchen mit nackten gelben Füßen könnte (s. o.) ebensogut eine Hausfrau sein, die sich noch einen Strauß Blumen aus dem Eingangsbereich eines genue- sischen Supermarkts gegönnt hat. (Wer erfunden hat, Blumen als Hackenporscheattraktoren in irgendeinem Eingangsbereich feilzubieten, der… der… der hätte das mal besser bleibenlassen sollen.)

Die Kinderschwester mißt die Göße eines Kindes. Diese Szene gab es sogar als eigenes Set. Persönlich habe ich keinerlei Erinnerung an dieses Ritual.

Den thematischen Bogen zur Hoch- zeit als dem Hauptmodell des Sets spannt diese Kniefallszene, die notwendige Vorbedingung zu jeg- licher Eheschließung. Könnte (s. o.) aber auch sein, daß hier bloß Kinder nachspie- lenderdings den Ernstfall proben.

Es ist übrigens keine Lüge, wenn ich behaupte, daß ein Eintrag mit 33 Bildern mindestens fünf Stunden Bearbeitungszeit in Anspruch nimmt. Die nächsten drolligen Häppchen werden also we- niger umfänglich ausfallen. Gute Nacht!

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