Buch der Woche: Die Schatzinsel

„Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson ist ein Abenteuerroman, der meine Kindheit maßgeblich beeinflußt hat. Piraten, Segelschiffe, vergrabene Schätze – so etwas beeindruckte kleine Jungs schon 1881, dem Jahr, da die Geschichte zum ersten Male veröffentlich wurde, und es beeindruckte auch mich, rund hundert Jahre später. Fortan baute ich nicht mehr bloß Burgen aus Lego, sondern ich legte Segelschiffe auf Kiel. Freilich ohne Kiel, denn für den Fußboden im Kinderzimmer mußte der Rumpf unten platt sein. Im Jahre 1989 schließlich wurde ich 12 Jahre alt und war offiziell dem Lego-Alter (zumindest der Minifig-Spielwelt) entwachsen, doch ausgerechnet da kam Lego mit der Piratenserie um die Ecke. Sonnenklar, daß ich die Schiffe haben mußte, und ebenso klar, daß ich das Schiff 6285 von „Schwarzhai“ in „Hispaniola“ umtaufte. Meine etatmäßig anstehenden Dark Ages, also die Zeit ohne Lego, mußten also erst einmal ausfallen.

Meine Ausgabe des Buches war sehr inspirierend, vor allem auch, da sie Sonderseiten enthält, auf denen Hintergrundinformationen zur Piratenzeit dargeboten werden, Schiffszeichnungen, Seemannsknoten, und natürlich die Schatzinsel selbst. Dieser liegt übrigens eine Zeichnung des Autors zugrunde, welchselbige offenbar diesem die Idee zum Roman gab.

Diese Schatzkarte fällt dem Knaben Jim Hawkins in die Hände, als ein alter Seebär namens Bill Bones stirbt, der im Wirtshaus seines, Jims, ebenfalls kurz zuvor verstorbenen Vaters Quartier bezogen hatte. („Zum Admiral Benbow“, an der Küste nahe Bristol.) Es kann nicht ausbleiben, daß auch andere Gestalten Kenntnis von dieser Schatzkarte haben und sie in die Finger bekommen wollen, namentlich ein gruseliger Blinder mit Namen Pew und ein nicht minder schauriger Geselle, der als „der schwarze Hund“ bezeichnet wird. Diese unternehmen einen regelrechten Angriff auf das Wirtshaus, doch Jim und seine Mutter können mit der Schatzkarte zum Gutshof des ortsansässigen Großgrundbesitzers flüchten, Squire Trelawney. Der Squire ist ein begeisterungsfähiger Mann, der schnell beschließt: Diese Schatzkarte darf nicht ungenutzt bleiben! Also chartert er umgehend ein Schiff, die „Hispaniola“, samt Mannschaft, um den Entschluß in die Tat umzusetzen. Bei der Auswahl der Mannschaft verläßt er sich vor allem auf die Fachkenntnis eines seekundigen Kneipiers, einem ganz famosen Mann, der nur ein Bein hat und als Schiffskoch mit auf die Reise soll: John Silver ist der Name, habe die Ehre! Jim Hawkins jedenfalls schließt diesen freundlichen Haudegen sofort in sein Herz, und auch der Squire hält große Stücke auf ihn.
Die Seereise verläuft ohne Zwischenfälle, läßt man mal außer Acht, daß der Steuermann nach wenigen Tagen über Bord geht, der aber ein versoffener Kerl war, den niemand vermißt. Eines Tages schließlich heißt es: „Land in Sicht!“ Die Schatzinsel ist erreicht! Doch hatten Trelawney und Jim bisher geglaubt, das Ziel ihrer Reise sei ein gutgehütetes Geheimnis, so sehen sie sich getäuscht. Denn Jim belauscht eine Unterredung mit Silver und einigen Matrosen, aus der hervorgeht, wie wohlbekannt ihnen der Zweck der Fahrt ist. Und schlimmer noch, sie kennen nicht nur den Urheber der Schatzkarte, den Piraten John Flint, sondern gehörten gar zu dessen Mannschaft. Das ist übel.
Zum Glück ist wenigstens der Kapitän ein vertrauenswürdiger, umsichtiger Mann, der zunächst mal der gesamten Mannschaft den Landgang erlaubt. Solange die Bande von Bord ist, kann man ungestört Kriegsrat halten und sich die mitgeführten Waffen sichern. Die Zahl der Getreuen ist leider klein, da Silver die meisten Matrosen angeheuert hatte. Diese Nachtigal hätte man ja mal trapsen hören können! Neben dem Kapitän und dem Arzt können die Schatzsucher lediglich auf einige Angestellte des Squire sowie den Schiffs- zimmermann setzen. Zwei weitere ehrliche Männer werden noch am Landungstag auf der Insel von den Piraten ermordet, wie Jim mit Entsetzen beobachten muß.

Überhaupt, Jim Hawkins. Der Knabe, übrigens zu großen Teilen der Ich-Erzähler der Geschichte, ist undiszipliniert aber wagemutig, rudert mit den Piraten auf die Insel und strolcht umher. Bei dieser Gelegenheit stöbert er einen Ausgesetzten auf, Ben Gunn, einen verwahrlosten, merkwürdigen Kerl, der schreckliche Angst vor dem Einbeinigen hat. Grund genug, ihm zu vertrauen, obwohl auch er einst zu Flints Mannschaft gehörte; aber das Vertrauen zahlt sich aus. Denn Ben hatte jahrelang Zeit, nach dem Schatz zu suchen, und er fand ihn schließlich. Außerdem führt er Jim nicht nur zu einer palisaden- geschützten Blockhütte inmitten der Insel, sondern überläßt ihm zudem ein selbstgebautes Boot, was sich noch als sehr nützlich erweist …

Viele Abenteuer gilt es zu bestehen, doch am Ende segeln die Schatzsucher mit reicher Beute heim.

Lego fügte die „Schatzinsel“ gefühlt jedem Piratenset bei. Wie es sich für so einen Jugendbuchklassiker gehört, erfährt er verschiedene Editionen. Daher druckte Lego auch Ausgaben für Mädchen und kleinere Kinder:

Zu finden sind diese in den Sets 5846, 5960 und 7075 respektive.

Doch damit nicht genug. Die Geschichte der Schatzinsel wurde nicht nur mehrfach verfilmt, in Lego umgesetzt und Teil der Popkultur, sondern schließlich auch zu einem wundervollen Comic gestaltet, der sich nicht ganz zufälligerweise ebenfalls in meiner Sammlung befindet.

Die Darstellung einiger Figuren in diesem Comic hatte direkten Einfluß auf meine höchst unpuristischen Lego-Männeken. Zu nennen sind hier ganz besonders Long John Silver himself und der Schwarze Hund:

Überhaupt bastelte ich annähernd die gesamte Mannschaftsliste der „Hispaniola“ in dieser Weise nach, derer sich einige Mitglieder in dieser BrickShelf-Galerie finden, die meisten jedoch nicht, da sie zu schlecht sind und/oder die Farben mit der Zeit ausblichen.

An dieser Stelle halte ich es für angebracht, auf eins meiner Lieblings-MOCs aus fremder ..äh.. Feder zu verlinken:
Der Admiral Benbow von Mr. Brick. (Vor dem Dachumbau. Denn so genial die Schindeln auch sind, die Firste gefallen mir in der ersten Version besser.)

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